Baccara Exklusiv Band 268

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HEISSE ÜBERSTUNDEN MIT DEM BOSS von CAT SHIELD

Rachel und ihr Boss Max waren ein Paar, bis Max herausfand, dass sie verheiratet war. Auf einer Geschäftsreise kommt es zu einer leidenschaftlichen Nacht. Ist die große Liebe zurück? Doch ausgerechnet jetzt taucht der Mann auf, der vor fünf Jahren alles zwischen ihnen zerstörte …

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  • Erscheinungstag 07.02.2026
  • Bandnummer 268
  • ISBN / Artikelnummer 9783751537902
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Cat Schield, Jessica Lemmon, Catherine Mann

BACCARA EXKLUSIV BAND 268

Cat Schield

1. KAPITEL

„Du.“ Er stieß das Wort hervor wie eine Anschuldigung.

„Hallo, Max.“

Den ganzen Tag hatte sich Rachel Lansing für diesen Termin gewappnet, doch das, was jetzt kam, überstieg ihre schlimmsten Erwartungen. Das metallische Blaugrau von Max Cases Blick traf sie mit der Feinfühligkeit eines Vorschlaghammers, und ihr Herz setzte einen Schlag aus.

Sie grub die Fingernägel in ihre Handflächen, als seine breiten Schultern bedrohlich in ihr Blickfeld rückten und ihr die Sicht auf die geschmackvoll eingerichtete Empfangshalle versperrten. Die Wände waren in wohltuenden Blau- und Olivtönen gehalten und mit eindrucksvollen Originalkunstwerken geschmückt.

Bildete sie sich das nur ein, oder wirkte Max größer und einschüchternder als der einfallsreiche Liebhaber, der immer noch durch ihre Erinnerungen geisterte? Doch vielleicht verunsicherte sie sein Auftreten auch nur deswegen, weil er im dunklen Geschäftsanzug mit silbergrauer Krawatte um einiges distanzierter wirkte als die nackte Fantasiegestalt des Mannes, der regelmäßig in ihren Träumen auftauchte.

Allein der förmliche Rahmen ihres Wiedersehens ließ sie die Kraft finden, den Fluchtreflex zu unterdrücken, der unwillkürlich von ihr Besitz ergriff. Betont langsam erhob sie sich von dem bequemen Sofa des Empfangsbereichs. Ihre Körperhaltung entspannt und ihren Gesichtsausdruck geschäftsmäßig wirken zu lassen, erforderte angesichts ihres flatternden Pulses und ihrer zitternden Knie schier übermenschliche Beherrschung.

Reiß dich zusammen. Er wird es kaum zu schätzen wissen, wenn du vor seinen Augen zu einer Pfütze auf dem Fußboden zerschmilzt.

„Danke, dass du mich empfängst.“ In einem schwachen Versuch, ihre professionelle Haltung wiederzuerlangen, streckte sie die Hand aus und war nicht unglücklich, dass Max die Geste ignorierte. Ihre schweißnassen Handflächen hätten ihre Nervosität sofort verraten.

Da er stumm blieb, brach Rachel das angespannte Schweigen. „Wie wunderbar, dass Andrea ihr Baby bekommen hat. Und zwei Wochen vor dem Termin. Sabrina hat mir gesagt, dass es ein Junge ist. Ich habe ihr das hier besorgt.“ Sie hob die linke Hand, um ihm die blau-rosa Tasche zu zeigen, die von ihren Fingern baumelte. Sie hatte das Geschenk für ihre Assistentin schon vor Wochen gekauft und war enttäuscht, dass sie Andreas Gesichtsausdruck nicht würde sehen können, wenn sie es öffnete.

„Was tust du hier?“

„Ich sollte mich eigentlich mit Andrea treffen.“

„Du arbeitest für die Personalvermittlungsagentur?“

Sie zog eine Visitenkarte aus der Tasche und reichte sie ihm über den metergroßen Abstand zwischen ihnen. „Sie gehört mir.“ Rachel unternahm keinerlei Anstrengungen, den Stolz zu verbergen, den sie angesichts dessen empfand, was sie erreicht hatte.

Er fuhr mit dem Daumen über den Schriftzug der Visitenkarte, bevor er einen Blick darauf warf. „Rachel … Lansing?“

„Mein Mädchenname.“ Sie war sich nicht sicher, was sie dazu brachte, ihm dieses intime Detail zu enthüllen. Es würde seine Empfindungen ihr gegenüber kaum ändern, oder doch?

„Du bist geschieden?“

Sie nickte. „Seit vier Jahren.“

„Und jetzt leitest du eine Personalvermittlungsagentur hier in Houston?“

Ein weiter Weg lag hinter ihr, seit sie als junges Mädchen den Unterhalt für sich und ihre kleine Schwester mühsam mit den Trinkgeldern bestritten hatte, die sie beim Kellnern in einem Strandrestaurant in Gulf Shores, Alabama, verdiente. Und doch, wie weit war sie seitdem tatsächlich gekommen, wenn sie sich, ganz egal, wie gut ihr Geschäft lief, in finanzieller Hinsicht nie sicher fühlte?

„Ich mag die Freiheit, mein eigenes Geschäft zu führen“, sagte sie und schob die Sorge, die sie Tag und Nacht antrieb, einen Moment lang beiseite. „Es ist nicht groß, aber es wächst.“

Und es würde noch schneller wachsen, wenn sie erst in ein größeres Bürogebäude umgezogen war und mehr Mitarbeiter beschäftigen konnte. Sie hatte den Ort mit Bedacht gewählt. Eine erstklassige Adresse, die kaum länger als ein paar Tage auf dem Markt geblieben wäre. Sie hatte den Mietvertrag gestern unterschrieben und darauf gesetzt, dass die Vermittlung einer zeitweiligen Assistentin an die Case Consolidated Holdings ihr den Restbetrag einbringen würde, die sie für die Finanzierung des Umzugs benötigte. Vielleicht würde sie dann aufhören können, von einem Tag auf den anderen zu leben, und anfangen, für die Zukunft zu planen. Allerdings schwebte diese Provision in ernster Gefahr, seit sie mit Max zusammengestoßen war, und sicher wäre es das Vernünftigste, von dem Mietvertrag zurückzutreten.

Wenn nur Devon an ihrer Stelle hier sein könnte. Der fähige Vermittlungsspezialist war ihre rechte Hand in der Firma. Unglücklicherweise war seine Mutter gestern mit heftigen Bauchschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert worden, und man hatte ihr in einer Notoperation die Gallenblase entfernen müssen. Rachel hatte Devon angewiesen, solange wie nötig bei seiner Mutter zu bleiben. Familie kam für Rachel immer an erster Stelle.

„Wie viele Assistentinnen hast du an uns vermittelt?“ Max wandte seinen bohrenden Blick nicht von ihrem Gesicht, während er die Visitenkarte in seine Brusttasche steckte. Die Wirkung von so viel eisiger Glut, die auf ihr lastete, begann an ihren Nerven zu zehren.

„Fünf.“ Sie vergrub ihre Hände in den Jackentaschen, damit sie nicht aus Versehen an ihrem Kragen, dem Saum oder ihren Knöpfen herumnestelte und so ihre Unruhe verriet. „Missy war die Erste. Sebastians Assistentin.“

„Das geht auf dein Konto?“

Rachel zuckte angesichts der sanften Drohung in seiner Stimme leicht zusammen. Hatte Max etwas gegen Missy? Sie hatte vier Jahre lang für die Case Consolidated Holdings gearbeitet, und das mit großem Erfolg. Tatsächlich war es gerade diese Vermittlung gewesen, die ihrer Firma den entscheidenden Startschwung gegeben hatte.

„Ich habe gehört, dass sie vor Kurzem zur Leiterin der Marketingabteilung befördert worden ist.“ Und dass sie Max’ Bruder geheiratet hatte, Sebastian. Sicher bewies das, wie gut Rachel in ihrem Job war.

„Das bedeutet, du bist seit vier Jahren in Houston?“ Die Frage platzte aus Max heraus wie ein Peitschenhieb.

Furcht stieg in ihr auf. „So ungefähr.“

„Warum ausgerechnet hier?“

Als sie ihn in jenem Strandort in Alabama verließ, hatte er sie nie wiedersehen wollen. Fragte er sich gerade, ob es Schicksal war, dass sie sich zufällig bei der Case Consolidated Holdings über den Weg liefen, oder ob sie ihn zielstrebig gestalkt hatte?

„Wegen meiner Schwester. Sie hat an der Universität von Houston studiert und viele Freunde hier. Da lag es nahe, sich hier eine Wohnung zu suchen.“

Was implizierte, dass Rachel an ihrem früheren Wohnort keine Freunde gehabt hatte. Eine Neugier flammte in Max’ Augen auf, deren Intensität sie mit heißer Unruhe erfüllte. Fünf Jahre waren vergangen, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte, doch die körperliche Wirkung, die seine Nähe auf sie ausübte, hatte nicht im Geringsten nachgelassen.

„Ich habe drei Klienten in diesem Gebäude“, sagte sie, und ihre Stimme wurde fester, als sie ihre Selbstsicherheit wiedergewann. Seit zehn Jahren verhandelte sie mit Führungskräften und wusste ganz genau, wie man mit ihnen umzugehen hatte. „Die Tatsache, dass ich fünf Assistentinnen hierher vermittelt habe und wir uns in dieser Zeit nicht ein einziges Mal über den Weg gelaufen sind, sollte Beweis genug sein, dass mein Interesse an deiner Gesellschaft rein geschäftlicher Natur ist.“

Er musterte sie wie ein Polizist auf der Suche nach der Wahrheit. „Lass uns reden.“

„Ich dachte, das täten wir gerade.“ Sie biss sich auf die Lippe, sobald ihr die besserwisserische Bemerkung entschlüpft war.

Vor langer Zeit einmal hatte ihm ihre freche, respektlose Art gefallen. Sie bezweifelte, dass es immer noch so war. Fünf Jahre mochten eine lange Zeit sein, um einen Groll zu hegen, doch falls irgendwer dazu in der Lage sein sollte, dann ganz sicher Max Case.

„In mein Büro.“ Damit drehte er sich auf dem Absatz um und lief den Gang entlang, der in das Innere der Case Consolidated Holdings führte. Er blickte nicht zurück, um zu sehen, ob sie ihm folgte. Er erwartete Gehorsam. In dieser Hinsicht war er schon immer herrisch gewesen. Er hatte ihr gesagt, wo sie ihre Hände hinlegen, wie sie ihre Hüften bewegen sollte und hatte ihr die Stellen seines Körpers gezeigt, die ihre besondere Zuwendung verlangten.

Sie errötete. Eine Welle der Lust durchflutete sie. Wie angewurzelt blieb sie stehen. Was tat sie da nur? Sie hatte die Erinnerung an jene vier Tage mit Max tief in sich begraben, zusammen mit dem Rest ihrer mädchenhaften Hoffnungen und Träume. Ihr Stillhalteabkommen gegenüber Männern und Sex blieb weiterhin uneingeschränkt in Kraft. In wollüstigen Träumereien von Max zu schwelgen, war der Gipfel der Unvernunft, wenn sie eine professionelle Beziehung zu ihm aufbauen wollte.

Max verschwand um die Ecke. Die perfekte Gelegenheit davonzulaufen. Sie würde irgendeine Ausrede erfinden. Und am nächsten Tag würde sie Devon vorbeischicken, um das Gespräch mit ihm zu führen.

Nein. Rachel straffte die Schultern. Sie würde das hinkriegen. Sie musste. Ihre Zukunft hing von dieser Provision ab.

Vor fünf Jahren hatte sie in einer bitteren Lektion gelernt, wie verheerend es sein konnte, wenn man vor seinen Problemen davonlief. Seither hatte sie ihren Schwierigkeiten immer ins Auge gesehen. Lansing Employment brauchte diesen Auftrag. Sie würde großartige Arbeit für Max leisten, ihr Geld kassieren und sich an dem Tag, an dem ihre Agentur endlich in das größere Bürogebäude umzog, mit einer Flasche Champagner und einem ausgiebigen Schaumbad belohnen. Alles hing von diesem einen Termin ab.

Gewaltsam löste sich Rachel aus ihrer Erstarrung. Mit jedem Schritt fasste sie neuen Mut. Vier Jahre lang hatte sie sich ihren Weg nach oben geboxt. Max davon zu überzeugen, dass Lansing die richtige Agentur für ihn war, bedeutete nur eine weitere Hürde, die es zu überwinden galt. Als sie endlich Max’ riesiges Büro erreichte, hatte sie ihr Kinn entschlossen vorgestreckt und den Blick fest auf ihr Ziel gerichtet.

„Hast du dich verlaufen?“, fragte er, als sie über die Schwelle trat.

Ja, schon vor langer Zeit.

„Ich bin kurz an Sabrinas Schreibtisch stehen geblieben und habe sie gebeten, mein Babygeschenk an Andrea weiterzugeben.“

Rachel schaute sich in Max’ Büro um, sie war neugierig darauf, ihn in der Rolle des Geschäftsmannes zu erleben. Im Laufe ihrer vier gemeinsam verbrachten Tage hatte sie einiges über seine Familie sowie über seine Liebe zu schnellen Autos erfahren, doch er hatte sich strikt geweigert, über die Arbeit zu sprechen. Tatsächlich hatte sie bis zu dem Tag, als sie Sebastian kennenlernte und die Familienähnlichkeit bemerkte, nicht gewusst, dass er der Max Case von Case Consolidated Holdings war.

An der Wand hingen Fotos von Max, auf denen er an einer Reihe von Rennwagen lehnte, den Helm unter den Arm geklemmt, ein siegesgewisses Grinsen im Gesicht. Ihr Herz machte einen Sprung, als ihr bewusst wurde, wie attraktiv er in seinem einteiligen, blaugrauen Rennfahreranzug war, dessen modischer Schnitt seine schmalen Hüften und breiten Schultern betonte. Im Bücherregal standen einige Trophäen neben Büchern über Muscle-Cars.

„Du hast dir die Haare abgeschnitten.“ Max schloss die Tür und versperrte ihr den Weg. Sie sah ihn forschend an, doch er hatte jede Gefühlsregung hinter einer Maske der Gleichgültigkeit verborgen. Seine Augen erinnerten sie an die blanken Steinwände einer Festung. Dennoch löste die intime Bemerkung ein Prickeln bei ihr aus.

„Ich mochte sie nie lang.“ Ihrem Exmann hatten sie so gefallen.

Ein Zucken um seine Mundwinkel sah verräterisch nach dem Anflug eines Lächelns aus. Durchschaute er ihren Versuch, sich selbst zu tarnen? Der formlose, graue Hosenanzug, das Haar kurz, kein Schmuck, flache Schuhe und fast kein Make-up. Äußerlich eine unscheinbare, graue Maus, aber selbstsicher und durchsetzungsstark, wenn es um ihr Geschäft ging.

Sie war nie ein Männertraum gewesen. Den meisten Jungs war sie zu groß. Und den anderen zu flachbrüstig und zu dünn. Das Beste, was sie hatte hoffen können, war, von ihren männlichen Schulkameraden an der Highschool als Vertraute oder Kumpel akzeptiert zu werden. Sie war damit aufgewachsen, mit den Jungs zusammen Fußball, Basketball und Baseball zu spielen.

Aus diesem Grund überstieg es immer noch ihre Vorstellungskraft, dass ein Mann wie Maxwell Case, der jede Frau haben konnte, ausgerechnet sie einst begehrt hatte.

Ein riesiger Schreibtisch aus Kirschholz stand vor dem Fenster. Das Möbelstück wirkte zu klobig für Max. Ein aerodynamischer Glas-und-Chrom-Schreibtisch mit dem neuesten Computerzubehör hätte in Rachels Augen besser zu ihm gepasst.

Statt sie direkt zum Schreibtisch zu führen, setzte sich Max auf die Couch, die eine ganze Wand einnahm. Mit der Hand wies er auf den Stuhl neben sich. Rachel missfiel das Informelle der Situation, sie rutschte auf den äußersten Rand der Sitzfläche. Die Handtasche auf dem Schoß diente ihr gleichzeitig als Schutzschild und als Erinnerung daran, dass dies hier ein Geschäftstermin war.

„Ich brauche eine Chefassistentin, die gleich morgen früh anfangen kann.“

Rachel war nicht darauf vorbereitet gewesen, dass Andreas Baby zwei Wochen zu früh kommen würde. Sie hatte niemanden in ihrer Kartei, der erfahren genug war, direkt am nächsten Morgen anzufangen. „Ich habe die ideale Kandidatin für dich, aber sie kann nicht vor Montagmorgen anfangen.“

„Das reicht nicht.“

Bei dem Gedanken, dass sie womöglich ihre Provision verlieren würde, schlich sich Panik in Rachels Stimme. „Es sind nur zwei Tage. Bis Montag wirst du doch sicher ohne Assistentin auskommen.“

„Dadurch, dass Andrea heute fehlt, liege ich schon jetzt hinter meinem Zeitplan zurück. Wir stecken bis zum Hals in der Etatplanung für nächstes Jahr. Ich brauche jemanden, der schnell zur Höchstform aufläuft. Jemanden mit erstklassigem Organisationstalent.“ Sein Blick richtete sich auf sie. „Jemanden wie dich. Du bist genau, was ich brauche.“

Ihr Magen zog sich angesichts der Glut zusammen, die heiß in seinen Augen aufloderte.

Ein ähnliches Feuer begann jetzt auch in ihr zu brennen. Fünf Jahre zuvor hatte dieses Feuer ihre Selbstschutzinstinkte schon einmal außer Kraft gesetzt und ihre angeborene Vernunft in Rauch aufgehen lassen. Hals über Kopf hatte sie sich in seine Arme gestürzt, ohne einen Gedanken an die Folgen zu verschwenden.

Beim letzten Mal, als sie so die Kontrolle verlor, hatte er sie am Ende gehasst. Sie erwiderte seinen Blick und erkannte, dass sein Zorn in den vergangenen Jahren nicht gemildert worden war. Die Zeit hatte die Wunde nicht verheilen lassen. Sie hatte aus seinem Groll ein rasiermesserscharfes Werkzeug der Rache geschmiedet.

Rachel wappnete sich gegen die erdbebenartige Panik, die ihre friedliche kleine Welt bedrohte, und biss die Zähne zusammen. „Du kannst mich nicht haben.“

Ihre Worte hingen in der Luft.

Aber er konnte sie haben …

Als seine Assistentin.

Und auf jede der Dutzend Arten, auf die er sie bereits besessen hatte.

Seine Entscheidung. Nicht ihre.

Energiewellen flirrten zwischen ihnen, spannungsgeladen und beunruhigend. Der Duft ihres Parfüms rief in Max Erinnerungen wach. Ließ ihn daran denken, wie stark und schön das Verlangen zwischen ihnen gewesen war.

„Willst du wirklich riskieren, einen Klienten zu enttäuschen?“

„Nein.“ Ihre hohen Wangenknochen überzogen sich mit einer zarten Röte. Hatte sie seine Gedanken erraten? „Aber ich kann mein Geschäft nicht im Stich lassen, nur um für dich die Assistentin zu spielen.“

„Heuer jemanden an, der dich ersetzt.“ Er lächelte kalt. „Selbst dir wird die Ironie darin nicht entgehen.“

In den letzten Minuten hatte ihre geschäftsmäßige Haltung Risse bekommen. „Du bist unverschämt.“

„Natürlich, du hast recht. Ich werde jemand anderen anrufen.“ Das verräterische Flackern in ihren Augen war so schnell verflogen, dass es ihm beinahe entgangen wäre. Genau an dem Punkt, an dem er den Ruf ihrer Firma infrage gestellt hatte, um zu testen, wie dringend sie diesen Auftrag haben wollte. „Ich bin mir sicher, eine andere Agentur wird mir geben, was ich brauche.“

„Lansing Employment wird dir geben, was du brauchst“, stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Er hielt still, während sie versuchte, ihn niederzustarren. Sein Instinkt riet ihm, sie wegzuschicken, wie er es bei jeder anderen Firma getan hätte, die ihm nicht exakt das lieferte, was er brauchte.

Doch sie hatten noch eine Rechnung miteinander offen. Irgendwann in den letzten fünf Minuten hatte er beschlossen, dass er einen Schlussstrich ziehen musste. Vier Tage mit ihr hatten nicht genügt, das Feuer der Leidenschaft zwischen ihnen ausbrennen zu lassen. Zu seinem eigenen Ärger begehrte er sie immer noch. Für wie lange konnte niemand wissen. Aus Erfahrung wusste er, dass sein Interesse selten länger als zwei Monate anhielt. Und wenn er ihrer überdrüssig werden sollte, würde er die Sache zu seinen Bedingungen beenden. Nach seinem Zeitplan.

„Na schön.“ Wütend funkelte sie ihn an. „Ich werde für zwei Tage einspringen.“

„Wunderbar.“

Sie stand auf, bereit, das Büro erhobenen Hauptes zu verlassen, doch irgendetwas hielt sie zurück. Ihr Blick war besorgt, als sie ihn ansah. „Warum tust du das?“

„Was meinst du?“

„Warum verlangst du von mir, dass ich deine Assistentin spiele, bis ich Ersatz finde.“

„Du bist verfügbar. Ich denke praktisch.“

Seine gegenwärtige Arbeitsbelastung war tatsächlich erdrückend. Seine Manager hatten ihre Prognosen vor einer Woche abgeschlossen und die Zahlen für den Etat des nächsten Jahres vorgelegt. Angesichts einer Wirtschaft, die sich nur langsam erholte, war es wichtiger denn je, die Ausgaben zu kontrollieren und die Verkäufe zu erhöhen. Case Consolidated Holdings besaß über ein Dutzend Firmen, jede einzelne davon hatte unterschiedliche Zielmärkte und Arbeitsweisen. Die Daten aus den verschiedenen Quellen zu sammeln und zu analysieren, war eine organisatorische Herausforderung.

Andrea kannte das Unternehmen so gut wie er selbst. Ausgerechnet jetzt auf sie verzichten zu müssen, warf seinen gesamten Zeitplan über den Haufen.

„Bist du sicher, dass es dir nur darum geht?“, fragte Rachel.

Max hörte auf, sich um Deadlines zu sorgen, und erinnerte sich daran, dass seine verzweifelte Personalsituation nur einer der Gründe war, weswegen er unbedingt wollte, dass Rachel für zwei Tage einsprang. „Worum sonst?“

„Rache für die Art, wie die Dinge zwischen uns endeten?“

„Es geht mir ums Geschäft.“ Dass sie seinen Motiven misstraute, verlieh dem Spiel einen zusätzlichen Reiz.

„Also bist du nicht mehr wütend?“, beharrte sie.

Oh, doch. Er war immer noch wütend.

„Nach fünf Jahren?“ Er schüttelte den Kopf.

„Bist du dir sicher?“

„Zweifelst du daran, dass ich meine eigenen Beweggründe kenne?“

Sein Zorn beeindruckte sie nicht. „Vor fünf Jahren hast du ziemlich deutlich gemacht, dass du mich nie wieder sehen willst.“

„Weil du mir nicht erzählt hattest, dass du verheiratet warst.“ Er versuchte seiner Stimme einen gelassenen Klang zu geben, konnte aber seinen gefährlichen Gefühlsumschwung nicht verbergen. „Und das, obwohl du wusstest, was ich über Untreue denke. Dass sie beinahe die Ehe meiner Eltern zerstört hätte. Du hattest mich ohne mein Wissen in eine außereheliche Affäre verwickelt.“

„Ich hatte meinen Ehemann verlassen.“

Er holte tief Luft, um den Schmerz zu betäuben, der sich plötzlich in seiner Brust ausbreitete. „Und doch bist du, als er aufkreuzte, schnell zu ihm zurückgekehrt.“

„Es war kompliziert.“

„Ich habe keine Komplikationen gesehen. Bloß Lügen.“

„Ich hatte gerade eine harte Zeit durchgemacht. Dich kennenzulernen, hatte mich meine Sorgen eine Weile lang vergessen lassen.“

„Du hast mich benutzt.“

Sie senkte den Kopf und blickte durch ihre langen Wimpern zu ihm auf. „Wir haben uns gegenseitig benutzt.“

Max ließ seinen Blick über ihren Körper gleiten. Sie war nicht die schönste Frau, der er je begegnet war. Ihre Nase war zu schmal. Ihr Kinn ein wenig zu scharf geschnitten. Die breite Stirn hatte sie hinter einem Pony verborgen. Auf knabenhafte Weise dünn, fehlten ihrem Körper die weiblichen Rundungen, die ihn sonst bei einer Frau anzogen. Und doch hatten ihre vollen Lippen etwas Reizvolles. Und wie er es geliebt hatte, ihren schlanken, schönen Hals mit Küssen zu bedecken.

Er war kaum überrascht von der Welle der Lust, die ihn mit einer beinahe schmerzhaften Intensität erfasste. Von Anfang an war die Chemie zwischen ihnen überwältigend stark gewesen. In dem Augenblick, als er sie in der Empfangshalle erkannte, hatte er gewusst, dass sich daran nichts geändert hatte.

Einen Moment lang beschlichen ihn Zweifel. Würde das Zusammensein mit ihr alte Wunden aufreißen? Als sie das letzte Mal auseinandergegangen waren, hatte ihn das für Monate aus der Bahn geworfen. Natürlich war er damals ein anderer gewesen. Voll optimistischen Glaubens an Liebe und Ehe, und das trotz der schmerzhaften Lektion, die sein Vater ihm durch seine Untreue erteilt hatte.

Dank Rachel war der Zutritt zu seinem Herzen versperrt.

„Wann soll ich morgen früh hier sein?“

„Acht Uhr.“

Sie ging zur Tür, und sein Blick glitt über ihren nüchternen grauen Anzug. Ein Wort hallte wieder und wieder durch seinen Kopf. Geschieden.

Ein faires Spiel also.

In der Türöffnung blieb sie kurz stehen, sie hatte ihm den Rücken zugewandt. Sie sprach, ohne sich umzudrehen, und ihre Stimme klang ruhig und entschlossen. „Zwei Tage. Nicht länger.“

Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, verschwand sie aus seinem Büro. Schon immer hatte sie eine Aura der Unnahbarkeit umgeben. Ganz egal, wie oft er in sie eindrang oder wie fest er die Arme um sie schlang, sie hatte ihm niemals ganz gehört.

Für einen Mann, der es gewohnt war, jede Frau zu besitzen, die er begehrte, übte diese schwer fassbare Eigenschaft einen unwiderstehlichen Reiz aus. Er konnte nicht genug von ihr kriegen. Vier Tage hatten sie zusammen verbracht, und er war unersättlich gewesen. Doch egal, wie viel Lust er ihr auch verschaffte, egal, wie oft sie sich ihm in der Umarmung öffnete, nicht ein einziges Mal hatte er ihre Seele besessen. Bis zu dem Tag, als sie ihn verließ und zu ihrem Ehemann zurückkehrte, hatte er nicht verstanden, wieso.

Ihre Seele war nicht frei. Sie gehörte dem Mann, dem sie ihr Leben und ihre Liebe versprochen hatte.

Wütend sprang Max auf. Er durchquerte den Raum und schlug die Tür zu, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was die Mitarbeiter des Büros über seinen Temperamentsausbruch dachten. Seine Hand zitterte, als er sich schwer gegen die Wand stützte.

Verflucht sollte sie sein, hier so einfach aufzukreuzen.

Und verflucht der Teil von ihm, der sich darüber freute.

2. KAPITEL

Rachel eilte durch die Glastüren der Lansing Employment Agentur und nickte ihrer Vorzimmerdame kurz zu, als sie an ihr vorbeiging. Sie blieb nicht stehen, um einen Moment mit ihr zu plaudern, wie sie es sonst tat, sondern lief direkt in ihr Büro, wo sie sich ermattet auf ihren Stuhl fallen ließ. Erst als sie die Hälfte der E-Mails aus ihrem Posteingang gelöscht hatte, wurde ihr bewusst, dass sie keine einzige gelesen hatte. Sie lehnte sich nach vorne, stützte die Arme auf den Schreibtisch und ließ den Kopf in die Hände sinken. Zu ihrem eigenen Ärger war sie den Tränen nahe.

„So schlimm, ja?“, ertönte fragend eine Männerstimme aus dem Flur.

Rachel nickte, ohne aufzublicken. „Schlimmer.“

„Armes Ding. Erzähl Onkel Devon alles.“

Mühsam richtete Rachel sich auf und erwiderte den Blick des Mannes, der ihr gegenüber Platz nahm. In seinem modischen grauen Anzug mit dem lavendelfarbenen Hemd und der teuren, violetten Krawatte war er betont auffällig gekleidet. Nur die dunklen Ringe unter seinen Augen zeugten von der schlaflosen Nacht, die hinter ihm lag.

„Wie geht es deiner Mutter?“

„Gut. Meine Schwester ist gerade aus Austin eingeflogen und leistet ihr im Krankenhaus Gesellschaft.“ Devon lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schlug die Beine übereinander. „Wie ist es bei der Case Consolidated Holdings gelaufen?“

„Nicht so gut, wie ich gehofft hatte.“

„Sie haben uns den Auftrag nicht gegeben?“

„Doch, das haben sie.“ Rachels Augen fühlten sich heiß und trocken an. Sie blinzelte, um sie zu befeuchten. Unwillkürlich musste sie an die Flut von Tränen denken, die sie vor fünf Jahren wegen Max vergossen hatte. Möglicherweise war ihr Vorrat aufgebraucht.

„Wo liegt dann das Problem?“

„Max Case braucht sofort eine Assistentin.“

„Aber wir haben niemanden.“

Rachel verzog das Gesicht. „Deswegen springe ich ein, bis wir jemanden haben.“

„Du?“ Devon entblößte die Lücke zwischen seinen Vorderzähnen, als er ein überraschtes Lachen ausstieß.

Niemand wusste, was zwischen ihr und Max in Gulf Shores vorgefallen war. Wenn sie die Sache für sich behielt, hatte sie angenommen, würde sie niemand dafür verurteilen können, dass sie aus der Farce ihrer Ehe ausgebrochen und mit einem nahezu Fremden ins Bett gesprungen war.

„Ich war die naheliegende Lösung.“ Die Worte hatten einen bitteren Beigeschmack. Warum störte es sie, dass Max in ihr lediglich die praktische Lösung eines geschäftlichen Problems sah? Hatte sie allen Ernstes gehofft, dass er sie noch haben wollte, nachdem sie ihre Ehe vor ihm verheimlicht hatte? Und das obwohl er sich geschworen hatte, niemals in eine Affäre verwickelt zu werden?

Jene Tage in Max’ Armen waren wie ein Märchen gewesen. Seit dem Tod ihres Vaters hatte sie sich nicht mehr so beschützt gefühlt. Sie und Max hatten im Rausch vollkommenen Glücks gelebt. Weit entfernt von der harten Realität des Lebens.

Bis Brody aufgekreuzt war und sie mit seinen Drohungen dazu gebracht hatte, mit ihm nach Mississippi zurückzukehren.

„Und du hast Nein gesagt.“

„Nicht wirklich.“

„Und was hast du wirklich gesagt?“ Ihr stellvertretender Geschäftsführer runzelte die Stirn, als begriffe er erst jetzt das volle Ausmaß der Lage.

„Ich habe den Mietvertrag für die neuen Geschäftsräume schon unterzeichnet. Wir brauchen die Provision, um den Umzug zu bezahlen.“

„Du hast zugesagt?“

„Ich stand mit dem Rücken zur Wand.“ Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und erinnerte sich zu spät daran, dass der uralte Mechanismus defekt war. Hastig verlagerte sie ihr Gewicht nach vorne, um nicht mit dem Hintern zuerst auf dem Fußboden zu landen.

Devon verfolgte besorgt ihre Verrenkungen. „Ich begreife allerdings nicht, warum er ausgerechnet dich will. Es gibt ein Dutzend anderer Agenturen, die er anrufen könnte.“

Sie zögerte. So sehr sie Devon auch mochte, es war ihr unangenehm, mit ihm über die Vergangenheit zu sprechen. Ihm zu erklären, woher sie Max kannte, bedeutete, zu den Fehlern zu stehen, die sie in der Vergangenheit gemacht hatte. Fehler, die sie immer noch verfolgten.

„Wir haben uns vor langer Zeit gekannt“, sagte sie.

„Gekannt …“ Devons Blick gewann an Schärfe. „Als Geschäftspartner? Freunde?“ Seine Augen weiteten sich. „Ihr wart ein Paar?“

Rachel entschied sich, die Karten auf den Tisch zu legen. Devon verdiente die Wahrheit. Von Anfang an hatte er Seite an Seite mit ihr für den Erfolg der Firma geschuftet. Tatsächlich beabsichtigte sie, ihn zum Partner zu machen, sobald sie die neuen Geschäftsräume bezogen.

Falls das je geschehen würde.

„Kein Paar im üblichen Sinne.“ Sie ließ einen Stift auf der Tischplatte kreiseln.

„Du hast mit ihm geschlafen.“

„Ja.“

Devon wirkte derart vom Donner gerührt, dass sie nicht wusste, ob sie belustigt oder verärgert sein sollte.

„Jetzt schau nicht so überrascht. Ich war nicht immer die verklemmte Geschäftsfrau, die ich heute bin. Es gab eine Zeit, da war auch ich jung und romantisch.“ Nicht zu vergessen idiotisch.

„Wann?“

„Ein langes Wochenende vor fünf Jahren.“

Um Devons Lippen zuckte es.

„Was?“, wollte sie wissen.

„Es ist nur, dass Max einen gewissen Ruf besitzt, was Frauen angeht. Ich bin ein bisschen überrascht, dass er sich überhaupt an dich erinnert.“

„Hätte er wahrscheinlich nicht“, murmelte sie. Die Wahrheit erschütterte ihr Selbstvertrauen weit mehr, als sie sich eingestehen wollte. „Wenn er nicht so wütend auf mich gewesen wäre.“

„Warum?“

„Weil ich ihm nicht erzählt hatte, dass ich verheiratet war.“

Nun war Devon an der Reihe, sie fassungslos anzustarren. „Wir arbeiten seit vier Jahren zusammen und ich höre zum ersten Mal davon.“

Rachel strich mit dem Daumen über den Ringfinger ihrer rechten Hand. Sogar nach vier Jahren konnte sie sich noch an das Gefühl des goldenen Reifs auf ihrer Haut erinnern. Und daran, was für ein Fehler es gewesen war, nicht auf ihren Instinkt zu hören.

„Es ist ein Teil meiner Vergangenheit, über den ich nicht gerne spreche.“ Und in fünf Jahren würde sie endlich ganz frei sein. Zumindest in finanzieller Hinsicht. Die seelischen Narben würden für den Rest ihres Lebens bleiben.

„Nicht einmal, wenn ich dir sage, dass ich vor Neugier umkomme?“

„Nicht einmal dann“, sagte Rachel und musste lachen. Sie liebte Devons melodramatische Ader. Ihn um sich zu haben, tat ihr gut. Es hielt sie davon ab, sich selbst und ihre Probleme zu ernst zu nehmen.

„Glaubst du, Max wird versuchen, wieder etwas mit dir anzufangen?“

Von einem unangenehmen Thema zum nächsten. „Wohl kaum.“

„Ich weiß nicht.“ Devon warf ihr einen schwer zu deutenden Blick zu. „Von dir zu verlangen, dass du seine Assistentin spielst, kommt mir für einen nüchternen Geschäftsmann mit Max’ Ruf ziemlich merkwürdig vor.“

Rachel stieß den Atem aus. „Nun, es gibt nicht viel, was ich dagegen tun kann. Er will unbedingt mich.“ Sie verzog das Gesicht. „Außerdem wirst du wunderbar allein zurechtkommen. Lansing Employment wäre ohne dich nicht annähernd so erfolgreich.“

„Ja, ja, ich bin großartig, aber das ist dein Verdienst. Ich war nur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort, als die Reise losging.“

Und was für eine Reise es gewesen war. In der Gründungsphase der Agentur hatte Rachel an den Wochenenden kellnern müssen, damit Essen auf den Tisch kam und die Miete bezahlt wurde.

Und nun – vorausgesetzt die Sache mit Case Consolidated Holdings ging gut aus – würden sie in ein größeres Bürogebäude im Herzen Houstons umziehen. Aus diesem Grund wollte sie es sich auf keinen Fall mit Max verscherzen.

„Ich hoffe, du weißt, was du tust“, sagte Devon und erhob sich.

Ihr Magen verkrampfte sich bei seinen Worten. Rachel schob die Empfindung beiseite. Sie würde nicht zulassen, dass ihre Gefühle noch einmal wegen Max durcheinandergerieten. Das erste Mal war schmerzhaft genug gewesen. Erneut würde ihr Herz das ganz sicher nicht verkraften.

„Du bist ein echter Mistkerl, weißt du das?“

Max Case wandte den Blick von dem Bild auf seinem Computerbildschirm ab und grinste seinen Freund an. „Man hat mich schon Schlimmeres genannt.“

Es war spät am Freitagmorgen. Während der letzten eineinhalb Tage hatte er zwischen Bewunderung für Rachels unbestechlichen Geschäftssinn und Ärger über sich selbst geschwankt, weil er nicht aufhören konnte, sich Szenarien auszumalen, in denen sie sich nackt auf der Couch unter ihm wand.

„Ich habe ihm fünf Jahre lang in den Ohren gelegen, dass er mir den Wagen verkaufen soll“, sagte Jason Sterling voller Groll. Sein Blick blieb fest auf das Bild gerichtet, das Max neben einem gelben Cabriolet stehend zeigte. „Und dann stürzt du dich darauf und stiehlst ihn mir unter der Nase weg.“

„Ich habe mich weder darauf gestürzt noch es dir gestohlen. Ich habe dem Mann ein gutes Angebot gemacht. Und er hat es angenommen.“

„Wie viel?“

Max schüttelte den Kopf. Er hatte nicht vor, es Jason zu verraten. Tatsächlich wusste er selbst nicht, was ihn dazu getrieben hatte, eine derartig hohe Summe auf den Tisch zu legen. Er wusste nur, dass Bob Sikes dieses seltene Exemplar eines Muscle-Car im Jahr 1971 selbst gefahren war und es ohne überzeugendes Argument nicht aus der Hand gegeben hätte. Das Cuda 426 Hemi Cabriolet war eines von insgesamt sieben, die je hergestellt worden waren. In jener Zeit waren Cabrios viel zu teuer, schwer und langsam gewesen, um das Interesse echter Rennwagenenthusiasten zu wecken. Folglich wurden weniger produziert, sodass sie extrem selten geworden waren.

Und nun besaß er eins der seltensten Exemplare unter den seltenen.

„Bist du bereit, dir beim Rennen morgen von mir in den Hintern treten zu lassen?“ Er hatte die Frage mit der Absicht gestellt, seinen Freund abzulenken.

„Du klingst ziemlich selbstsicher für einen Mann, der letztes Wochenende gegen mich verloren hat.“ Jason war immer noch verstimmt über den Verlust des Cuda. „Ein Gewinn, der bedeutet, dass ich dir nach Punkten überlegen bin.“

„Bis jetzt.“

Max und Jason traten in Rennen gegeneinander an, seit sie alt genug zum Autofahren waren. Was Entschlossenheit, Technik und finanzielle Mittel anging, waren sie einander ebenbürtig, sodass der Ausgang jedes Rennens völlig offen war.

In den letzten beiden Jahren hatte Max seinen Freund im Verlauf der Saison nach Punkten geschlagen. Wie es bei den Straßenrennen früherer Zeiten üblich gewesen war, spielten Jason und Max um Autos. Der Mann mit der geringeren Punktzahl musste zum Ende der Saison sein Fahrzeug abgeben. Doch Max wusste, dass zwei Jahre in Folge zu verlieren, seinen besten Freund weit mehr wurmte als der Verlust seines Rennwagens.

Jason gab sich selbstsicher. „Wenn du glaubst, dass du dieses Jahr wieder die meisten Punkte haben wirst, liegst du falsch.“

Bevor Max antworten konnte, stand Rachel in der Tür des Büros. Sie trug einen strengen marineblauen Hosenanzug und eine schlichte weiße Bluse. Trotzdem wäre sein Puls kaum heftiger in die Höhe geschnellt, hätte sie ein provozierendes Cocktailkleid angehabt.

„Entschuldige, Max. Ich wusste nicht, dass du Besuch hast.“

Er winkte Rachel herein. „Hast du die Zahlen?“

„Ich habe den Bericht auf den neuesten Stand gebracht.“ Sie trat einen Schritt ins Zimmer. „Außerdem habe ich einen Termin für ein Vorstellungsgespräch um zwei Uhr heute Nachmittag vereinbart. Den Lebenslauf der Bewerberin habe ich dir zugeschickt. Maureen hat Erfahrung mit der Finanz- und Wirtschaftsanalyse. Ich denke, dass sie die perfekte Besetzung ist.“

„Wir werden sehen.“

Sie kniff die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. „Ja, das wirst du sehen.“

Belustigt sah er zu, wie Rachel aus dem Büro stolzierte.

„Herr im Himmel.“

Max bemerkte, dass auch Jason ihr hinterherstarrte. „Was ist los?“

„Was tut Rachel Lansing hier?“

„Sie arbeitet als meine Assistentin.“

„Hast du den Verstand verloren?“

Höchstwahrscheinlich. Doch Jason wusste nichts von seiner Affäre mit Rachel. Niemand wusste davon. Wie hätte er, der sich jahrelang über die Untreue seines Vaters aufgeregt hatte, Familie und Freunden auch gestehen sollen, dass er eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt hatte, ohne als kompletter Heuchler dazustehen?

„Was meinst du?“

„Lansing ist eine Ehestifterin.“

„Eine was?“ Max suchte im Gesicht seines besten Freundes nach irgendeinem Anzeichen, dass er scherzte.

„Die Lansing Employment Agentur vermittelt Ehepartner.“

„Du machst Witze, oder?“

Jason funkelte ihn an. „Du hast keine Ahnung, womit du es zu tun hast.“

„Im Moment habe ich es allem Anschein nach mit einem Irren zu tun.“ Max schwankte zwischen Belustigung und Verwirrung. Noch nie hatte er ein derart überzogenes Verhalten an seinem Freund erlebt.

„Mein Vater hat Lansing im letzten Jahr beauftragt.“ Jason hob eine Augenbraue. „Sechs Monate später hat er seine Chefassistentin geheiratet.“

„Dein Vater war fünfzehn Jahre lang Witwer. Ich bin eher überrascht, dass er nicht schon viel früher wieder geheiratet hat. Außerdem ist Claire einfach umwerfend.“

„Du übersiehst den entscheidenden Punkt. Sie sind alle umwerfend.“

„Okay“, sagte er gedehnt. „Es ist also eine Verschwörung?“

„Ja.“ Der zweiunddreißigjährige Leiter der Finanzabteilung hörte auf, wild im Zimmer umherzublicken, und sah Max an. „Du denkst, ich spinne?“

„Auf jeden Fall.“

„Ich weiß von acht anderen Männern, die ihre Assistentinnen bei Lansing angeheuert und sie am Ende geheiratet haben. Das schließt deinen Bruder mit ein.“ Jasons Lippen bildeten einen schmalen Strich.

„Wie hast du das alles herausgefunden?“

Jason zuckte mit den Achseln. „Als mein Vater anfing, Claire schöne Augen zu machen, habe ich Nachforschungen über die Agentur angestellt.“

„Was hast du herausgefunden?“

„Eine makellose Reputation. Und eine unglaubliche Erfolgsbilanz.“

„Für was?“

„Dafür, aus Chefassistentinnen Ehefrauen zu machen.“

„Denkst du nicht, dass acht Ehen bei Hunderten von Vermittlungen ziemlich unerheblich sind?“

„Es wird beunruhigender, wenn man das Verhältnis von ledigen Führungskräften mit ledigen Assistentinnen zu verheirateten Führungskräften mit verheirateten Assistentinnen betrachtet.“

„Ich kann dir nicht folgen.“

„Der Großteil der Führungskräfte ist schon verheiratet. Wenn du dir die Zahlen in diesem Licht anschaust …“

„Sieht das Verhältnis schlechter aus.“

Erleichtert lächelnd ließ sich Jason in den Stuhl zurücksinken. „Ganz genau.“

Max fiel es schwer, sich Rachel als Ehestifterin vorzustellen. „Nun, um mich musst du dir keine Sorgen machen. Was Cupidos Pfeile angeht, trage ich eine schusssichere Weste.“

Jason zeigte mit dem Finger auf ihn. „In diesem Punkt kannst du dir nie sicher sein.“

„Im Gegenteil, ich bin mir sogar sehr sicher.“

„Verstehe. Vielleicht hast du Lust, die Angelegenheit ein wenig interessanter zu gestalten.“

Ein Adrenalinstoß durchströmte Max’ Körper, genau wie zu Beginn jedes Rennens. „Woran hattest du gedacht?“

„An deinen 71er Cuda.“

Max schnaubte empört. „Ich soll meine Freiheit verlieren und noch dazu das wertvollste Auto meiner Sammlung?“ Mit einem Mal war er verärgert. „Was bist du eigentlich für ein Freund?“

„Einer, dem dein Wohl am Herzen liegt. Ich schätze, du wirst nicht allein im Interesse deiner Zurechnungsfähigkeit darum kämpfen, um jeden Preis ledig zu bleiben. Aber du wirst alles tun, was nötig ist, um dein Auto zu behalten.“

Eine interessante Logik. „Und was ist dein Einsatz, falls du verlierst?“

Nun war Jason an der Reihe, düster dreinzublicken. „Willst du meine 1969er Chevrolet Corvette?“ Bedauernd schüttelte er den Kopf. „Ich habe sie gerade erst gekauft.“

Und Max freute sich schon darauf, sie ihm wieder abzunehmen.

„Der Deal steht.“ Jason rappelte sich auf und streckte Max über den breiten Kirschholzschreibtisch hinweg die Hand hin. „Du wirst mir fehlen, wenn ich dich an das Mädchen deiner Träume verliere. Aber wenigstens bleibt mir dein 71er Cuda als kleines Andenken.“

Rachel saß an ihrem Schreibtisch vor Max’ Büro und versuchte, sich zu konzentrieren, doch ihre Nerven lagen blank. In den letzten zwei Tagen hatte Max sich professionell verhalten und jede Anspielung auf die Vergangenheit unterlassen. Doch in manchen Augenblicken brannte eine Leidenschaft in seinem Blick, die ihr verriet, dass er noch nicht mit ihr fertig war. Noch lange nicht.

Obwohl er es vehement abgestritten hatte, war sie davon überzeugt, dass er sie aus privaten Gründen zwang, vorübergehend als seine Assistentin zu arbeiten. Sie traute ihm durchaus zu, dass er sie in sein Bett locken würde, nur um sie dann ebenso eiskalt fallen zu lassen, wie sie es seiner Ansicht nach mit ihm getan hatte. Max war kein Mensch, der leicht verzieh – oder überhaupt, wie das Beispiel seines Vaters und seines jüngsten Bruders Nathan zeigte.

Ihren geheimen Quellen innerhalb der Case Consolidated Holdings zufolge hatten seit Nathans letztem Besuch in der Stadt die Spannungen zwischen den Case-Brüdern zugenommen. Vor fünf Jahren hatte Max ihr von dem bösen Blut erzählt, das zwischen den Case-Geschwistern und ihrem unehelichen Bruder herrschte und dessen Ursprung weit in der Vergangenheit lag.

Wenn Max die Vergangenheit nicht loslassen konnte, wo es um seine eigene Familie ging, wie sollte er dann einer Frau verzeihen, die fast eine Fremde für ihn war?

Rachel schob ihre privaten Sorgen beiseite. Max hatte eine Geschäftsreise für die kommende Woche angesetzt. Hotel- und Flugarrangements waren bereits vor einiger Zeit getroffen worden, doch sie musste sich noch um einen Mietwagen kümmern, eine Power-Point-Präsentation erarbeiten und hundert weitere Probleme lösen, ehe sie sich stellten.

Das Telefon klingelte. Unruhe befiel sie, als sie die vertraute Nummer in der Anzeige aufleuchten sah. „Bitte, sag mir, dass alles glatt läuft“, flehte sie in den Telefonhörer.

„Du klingst angespannt.“ Devons Belustigung war nicht zu überhören. „Sitzt dir Max im Nacken?“

Während Devon über seinen eigenen Witz lachte, meldete sich Rachel im Computersystem an, wobei sie Andreas Identifikationsnummer und Passwort benutzte. Max hatte in diesem Augenblick ein Vorstellungsgespräch mit einer Kandidatin, die sich für die Stelle als zeitweilige Chefassistentin bewarb. Wenn alles nach Plan verlief, würde Rachel die IT-Abteilung nicht kontaktieren müssen, um einen eigenen Computerzugang anzufordern. Sie überflog die Adressenliste der Assistentin auf der Suche nach der Telefonnummer des Restaurants, das sich im Erdgeschoss befand. Anscheinend ließ sich Max sein Mittagessen an den meisten Tagen liefern. Die übrigen Adressen vermittelten Rachel einen ziemlich lebhaften Eindruck von Max’ Freizeitaktivitäten.

Er genoss es, Frauen auszuführen. Restaurants, Blumenläden, sogar ein paar Juweliergeschäfte waren aufgelistet. Als Rachel ein Restaurant anklickte, das sie seit Langem hatte ausprobieren wollen, das für sie jedoch viel zu teuer war, sah sie den Namen des Restaurantmanagers, den von Max bevorzugten Tisch und sogar seinen Lieblingswein. Außerdem enthielt die Liste Informationen über verschiedene Frauen, welche Blumen sie mochten, welche Musik sie hörten.

Dieser Mann war eindeutig ein Playboy.

Während sie ihre Gedanken hatte schweifen lassen, hatte Devon weitergesprochen.

„Tut mir leid, Devon. Was hast du gefragt?“

„Wie läuft es mit Maureen?“

„Sie ist seit zehn Minuten im Büro. Max hat sie eine halbe Stunde warten lassen.“

„Hör auf, dir Sorgen zu machen. Sie ist perfekt. Max kann an ihr nichts auszusetzen finden.“

„Ich hoffe, du hast recht.“

Fünf Minuten später verließ Maureen das Büro. Unschlüssig, ob sie eher erfreut oder besorgt über die Kürze des Gesprächs sein sollte, stand Rachel auf, als die Bewerberin auf sie zukam.

„Wie ist es gelaufen?“

Die Mundwinkel der hübschen, rothaarigen Frau waren enttäuscht nach unten gezogen. „Anscheinend war er nicht besonders angetan.“

„Max ist schwer einzuschätzen. Ich bin mir sicher, dass deine Qualifikationen und Erfahrungen genau dem entsprechen, was er sich vorstellt.“ Rachel setzte eine zuversichtliche Miene auf. „Ich spreche mit ihm und ruf dich später an.“

Sobald Maureen um die Ecke verschwunden war, betrat Rachel das Büro von Max. „Ist Maureen nicht toll? Sie hat einen Abschluss in Business Administration sowie fünf Jahre Berufserfahrung bei einer Immobilienfirma. Sie kann großartig mit Zahlen umgehen und …“

„Keine Eigeninitiative.“

Wie hatte ein Fünfzehn-Minuten-Gespräch ihn zu diesem Schluss kommen lassen? „Ihre Referenzen sagen etwas anderes aus.“

„Ich brauche jemanden, der die Initiative ergreift.“

Rachel hatte große Mühe, ihre Schultern locker zu lassen und die Anspannung aus ihrem Gesichtsausdruck zu vertreiben, während sie im Kopf bereits fieberhaft nach einer neuen Kandidatin suchte. „Ich werde dir jemanden für Montag zum Vorstellungsgespräch einladen.“

„Ledig?“

Seine Frage traf sie völlig unvorbereitet. „Aus rechtlichen Gründen dürfen wir niemanden nach seinem Familienstand fragen.“

„Aber du weißt, ob jemand verheiratet ist oder ledig.“

„Ich könnte es vermuten …“ Sie verhaspelte sich. Worum ging es ihm? Wollte er eine unverheiratete Bewerberin, die er anbaggern konnte? Max mochte ein Playboy sein, doch bei der Arbeit würde er sich nie so unprofessionell verhalten. „Warum ist das wichtig?“

„Deine Agentur hat einen gewissen Ruf.“ Das klang nicht wie ein Kompliment.

„Für exzellenten Kundenservice.“

„Dafür, Ehen zu stiften.“

Rachel war sich nicht sicher, ob sie richtig gehört hatte. „Hast du den Verstand verloren?“ Die Worte platzten aus ihr heraus, bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte. Sie holte tief Luft und mäßigte ihren Tonfall. „Ich leite eine Personalvermittlungsagentur.“

Er nickte. „Und wie viele deiner Klienten haben die Assistentinnen geheiratet, die du ihnen vermittelt hast?“

„Ich weiß es nicht.“

„Acht, wenn man Sebastian und Missy mitzählt.“

Rachel wusste nicht, wie sie diese Anschuldigung zu verstehen hatte.

„Woher weißt du das überhaupt?“

„Ein Freund von mir hat Nachforschungen über dein kleines Geschäft angestellt“ Max lächelte höhnisch.

Einen Moment lang rang Rachel mit sich, ob sie seinen Unterstellungen widersprechen oder einfach aus dem Zimmer stürmen sollte. Glücklicherweise gewann ihr nüchterner Geschäftssinn die Oberhand.

„Ich kann dir versichern, meine Agentur arbeitet hundertprozentig professionell.“ Sie warf ihm einen kalten Blick zu. „Wenn mein Gespür, die perfekte Kombination von Führungskraft und Assistentin zu finden, bedeutet, dass die beiden auch in anderen Bereichen kompatibel sind, ist das purer Zufall.“ Sie verzog das Gesicht zu einem schiefen Lächeln. „Falls du dir Sorgen machen solltest, in eine ähnliche Zwickmühle zu geraten, werde ich dir ausschließlich verheiratete Assistentinnen vermitteln.“

Sie erkannte ihren Fehler, sobald ihr die Worte entschlüpft waren. Ärgerlich presste er seine Lippen zusammen und seine Augen wurden hart wie Stahl.

Damals war auch sie verheiratet gewesen, und er hatte sich trotzdem mit ihr eingelassen.

„Oder nur alte und hässliche Assistentinnen“, beendete sie ihre Rede lahm.

Er hob eine Augenbraue. Sie traf mit einer Strähne seines gewellten, braunen Haares zusammen, die ihm in die Stirn gerutscht war.

Angesichts seiner unglaublichen Attraktivität bröckelte Rachels professionelle Haltung. Zum Glück erinnerte seine grimmige Mundpartie sie daran, dass sie seinerzeit nicht im Guten auseinandergegangen waren.

„Ich bestelle dir für Montag ein paar Bewerberinnen zum Gespräch.“ Ihr Herz sank, als sie erkannte, dass sie nun für nicht absehbare Zeit Max’ Assistentin sein würde.

3. KAPITEL

Der Montag kam und ging, und Max hatte sich immer noch für keine der Bewerberinnen entscheiden können. Als Rachel um halb sieben in ihre Einfahrt einbog, war sie halb verhungert und freute sich auf das berühmte Chili ihrer Schwester.

Sie betrat das Haus durch die Küchentür und schnupperte nach dem Duft scharfer Gewürze, der ihr verraten sollte, dass sie die üblichen drei Gläser Milch brauchen würde, um die Mahlzeit durchzustehen. Doch auf dem Herd brodelte kein Topf mit Chili. Kein Jalapeño-Maisbrot kühlte auf dem Rost. Und in der Spüle stapelte sich kein Berg mit schmutzigem Geschirr. Warum hatte Hailey noch nicht mit dem Kochen angefangen?

„Ich bin zu Hause“, rief sie, während sie eilig das Jackett abstreifte und die Aktentasche neben der Tür auf den Boden fallen ließ. „Es tut mir leid, dass ich so spät bin. Mein neuer Boss ist ein echter Workaholic. Hast du …?“

Sie verstummte, als sie das kleine Wohnzimmer betrat. Hailey war an den äußersten Rand des alten Lehnsessels gerutscht, der früher einmal ihrem Vater gehört hatte. Die fest zusammengepressten Handflächen hatte sie zwischen die Knie geklemmt.

Rachel wurde flau im Magen. Nur ein einziger Mensch rief diese Mischung aus Angst und Ekel in ihrer Schwester hervor.

Sie wandte ihre Aufmerksamkeit dem großen Mann zu, der auf dem Sofa thronte. Er hatte zugenommen, seit sie ihn vor vier Jahren zuletzt gesehen hatte. Gekleidet war er immer noch wie ein wohlhabender Unternehmersohn. Dunkelgraue Hosen, weißes Poloshirt, den blauen Pullover locker um die Schultern geschlungen. Er wirkte harmlos, bis man den boshaften Glanz in seinen Augen sah.

„Was hast du hier zu suchen?“

Er lächelte ohne einen Anflug von Wärme. „Ist das deine Art, den Mann zu begrüßen, den du lieben und ehren wolltest, bis dass der Tod uns scheidet?“ Er ließ einen prüfenden Blick über ihren Körper wandern. „Du siehst nach wie vor zum Anbeißen aus.“

Zum Auffressen wohl eher. Brody Winslow liebte es, andere Menschen zu manipulieren, nur um sie anschließend nach Strich und Faden auszunutzen.

„Ich bin gekommen, um mein Geld zu kassieren.“

„Ich habe meine Schulden für dieses Jahr schon bezahlt. Die nächste Rate ist erst in neun Monaten fällig.“

„Schau, und da haben wir ein Problem. Ich brauche die fünfzig Riesen nämlich sofort.“

„Fünfzig …“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust, damit er nicht merkte, wie sehr ihre Hände zitterten. „Ich kann dir den vollen Betrag jetzt nicht zurückzahlen.“

Er blickte sich um. „Es scheint dir gut zu gehen.“

„Ich habe das Haus zu speziellen Konditionen gekauft, die es mir unmöglich gemacht haben, Geld zurückzulegen. Ich habe kaum fünf Prozent Eigenkapital, und keine Bank der Welt lässt mich eine weitere Hypothek aufnehmen.“

Brody sprang von der Couch und ging auf sie zu.

Auf dem Weg zum Fenster, das die Einfahrt überblickte, streifte er sie kurz. Sie zuckte zusammen.

„Ein hübsches Auto. Es muss einiges wert sein.“

„Es ist nur gemietet.“

Er warf ihr über die Schulter einen Blick zu. „Was ist mit deinem Unternehmen?“

Sie biss sich auf die Lippe, um eine scharfe Erwiderung zu unterdrücken. Brody in Rage zu bringen, würde ihn weder aus ihrem Haus noch aus ihrem Leben verschwinden lassen.

„Das Geschäft wirft noch nicht viel ab.“ Eine wohlüberlegte Lüge, zumal nichts an ihrem einfachen Lebensstil auf die Rücklagen hinwies, die sie sich erarbeitet hatte. Während eines Großteils ihres Erwachsenenlebens hatte sie am Rande des finanziellen Ruins gestanden. Ein Guthaben von ein paar tausend Dollar auf der Bank gab ihr Seelenfrieden, und den würde sie nicht kampflos aufgeben.

„Ich habe es kapiert. Die Zeiten sind hart für dich. Aber ich brauche das Geld. Du wirst einen Weg finden müssen, es aufzutreiben, oder die Zeiten für dich und deine hübsche kleine Schwester werden sogar noch härter.“ Er tätschelte Rachel die Wange, und sie zuckte erneut zusammen. „Hast du verstanden?“

„Ja.“

„Und?“

„Ich werde dir geben, was ich kann.“ So ungern sie ihr finanzielles Polster aufgeben und den Umzug der Lansing Employment Agentur verschieben wollte, würde sie dieses Opfer bringen, wenn es nur hieß, Brody aus ihrem und Haileys Leben herauszuhalten. „Jetzt hau ab.“

Brody ging lachend zur Haustür. Rachel folgte ihm und schob den Riegel vor, sobald die Sohlen seiner mit Quasten verzierten Halbschuhe die Einfahrt berührten. Sie hatte gar nicht bemerkt, wie laut ihr Herzschlag in ihren Ohren dröhnte.

„Er muss mir auf dem Heimweg von der Arbeit gefolgt sein“, sagte Hailey. „Es tut mir so leid.“

„Es ist nicht deine Schuld. Wir hätten uns nicht ewig vor ihm verstecken können.“

„Wir haben es immerhin vier Jahre lang geschafft.“

„Weil er uns nicht gesucht hat.“ Rachel schlang die Arme um ihre zitternde Schwester. Die sonst so selbstbewusste, kluge Hailey war mit Brody allein gewesen und hatte offenbar große Angst ausgestanden. „Warum hast du ihn hereingelassen?“

„Ich habe nicht bemerkt, dass er mir gefolgt ist, bis er sich hinter mir ins Zimmer gedrängt hat.“

Rachel schmiegte eine Wange an den Kopf ihrer Schwester. „Es tut mir leid, dass ich nicht da war.“

Hailey machte sich los. „Warum schuldest du ihm fünfzigtausend Dollar?“

Autor

Jessica Lemmon
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Catherine Mann
<p>Bestsellerautorin Catherine Mann schreibt zeitgenössische Liebesromane, die im militärischen Milieu spielen. Ihr Mann, der bei der US Air Force arbeitet, versorgt sie mit allen nötigen Informationen, sodass sie keine Recherche betreiben muss. In der Zeit vor ihren Romanveröffentlichungen machte sie ihren Bachelor in Bildender Kunst auf dem College von Charleston...
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Cat Schield
<p>Cat Schield lebt gemeinsam mit ihrer Tochter, zwei Birma-Katzen und einem Dobermann in Minnesota, USA und ist die Gewinnerin des Romance Writers of America 2010 Golden Heart® für romantische Serienromane. Wenn sie nicht gerade neue romantisch-heiße Geschichten schreibt, trifft sie sie sich mit ihren Freunden um auf dem St. Croix...
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Jessica Lemmon
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Catherine Mann
<p>Bestsellerautorin Catherine Mann schreibt zeitgenössische Liebesromane, die im militärischen Milieu spielen. Ihr Mann, der bei der US Air Force arbeitet, versorgt sie mit allen nötigen Informationen, sodass sie keine Recherche betreiben muss. In der Zeit vor ihren Romanveröffentlichungen machte sie ihren Bachelor in Bildender Kunst auf dem College von Charleston...
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