Baccara Collection Band 495

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SECHS WOCHEN BIS ZUM GROSSEN GLÜCK von MICHELE DUNAWAY

In sechs Wochen muss Jacinta verheiratet sein, sonst verliert sie den Anspruch auf das Schokoladen-Imperium ihrer Familie! Da macht ihr Micah Fortune – Freund und Mentor – ein unwiderstehliches Angebot: eine Vernunftehe für ein Jahr. Mit überraschend süßen Folgen …

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  • Erscheinungstag 21.03.2026
  • Bandnummer 495
  • ISBN / Artikelnummer 9783751537780
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Michele Dunaway, Brenda Jackson, Cindi Myers

BACCARA COLLECTION BAND 495

Michele Dunaway

1. KAPITEL

Im Nachhinein betrachtet war das Gerede über Förderbänder und Kühlmaschinen der sprichwörtliche Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Genau genommen war es die bloße Frage gewesen, wie man die Pralinenproduktion steigern könnte, die die fünfundsiebzigjährige Großmutter von Jacinta Gomez dazu veranlasst hatte, das „Ultimatum“ zu stellen.

Im Rahmen ihres MBA-Studiums hatte Jacinta den perfekten Geschäftsplan für die Erweiterung von Abuela Rosa Chocolates von einer auf vier Produktionslinien ausgearbeitet. Als sie begeistert über ihr Ideen berichtet hatte, während sie dabei gewesen war, Schokoladenosterhasen zu verpacken, hatte ihre Großmutter – die Firmeninhaberin Abuela Rosa, von der Jacinta großgezogen worden war – tadelnd den Finger gehoben und den Kopf geschüttelt. Und gesagt, dass Jacinta sich einen Ehemann suchen müsse.

„Erst die Ehe, dann das Geschäft“, hatte Rosa Gomez gesagt, und Jacinta hatte sich auf die Lippe gebissen und das Thema fallen gelassen, als sie die neugierigen und amüsierten Blicke der beiden Teilzeitangestellten ihrer Großmutter bemerkt hatte.

Das Bestreben ihrer Abuela, einen Ehemann für sie zu finden, war nicht neu. Rosa selbst war mit einundzwanzig unter der Haube gewesen, und ihr geliebter Sohn hatte Jacintas Mutter mit zweiundzwanzig Jahren geheiratet. Für ihre Großmutter war die Ehe für Jacinta mit ihren sechsundzwanzig Jahren längst überfällig. Als moderne Frau fand Jacinta Abuelas Idee, jung zu heiraten, altmodisch und überholt.

Jacinta hatte größere Träume und Ziele, als den Richtigen zu finden. Im Mai würde sie ihr MBA-Studium beenden. Neben dem Studium absolvierte sie ein Praktikum als Verwaltungsassistentin. Sie arbeitete für Micah Fortune, CEO des Rinderbetriebs auf der Fortune’s Gold Ranch, einem Betrieb mit Millionenumsatz, zu dem auch ein schickes Spa und ein Hotel gehörten. Alle Geschwister, Cousins und Cousinen arbeiteten in den verschiedenen Bereichen der Ranch.

Ihr Chef – er hatte darauf bestanden, dass sie ihn Micah nannte – wohnte zwar auf der Ranch, seine Büros befanden sich aber in der ersten Etage eines achtstöckigen Kalksteingebäudes im Zentrum von Emerald Ridge. Jacinta war eine von zehn Angestellten. Zu ihren Kollegen gehörten ein IT-Manager, ein Buchhalter, ein Verkaufsteam und ein Personalleiter. Sie hatte viel Freude an ihrem Praktikum, das nicht nur gut bezahlt wurde, sondern ihr auch die Möglichkeit gab, einige der bekanntesten Geschäftsleute von Emerald Ridge und die einflussreichsten Politiker des Bundesstaats kennenzulernen.

Jacintas wahre Liebe galt jedoch der Schokolade, weshalb sie die Expansion von Abuela Rosa Chocolates zur Sprache gebracht hatte. Aber statt mit Begeisterung zu reagieren, hatte ihre nur einen Meter fünfzig große Großmutter gesagt: „Du und ich, wir reden später. Ich gehe jetzt und kümmere mich ums Essen. Die Familie kommt um sechs.“ Damit hatte sie die Doppelgarage verlassen, die sie lange vor Jacintas Geburt für die Schokoladenherstellung umgebaut hatte, und es Jacinta und den beiden Teilzeitkräften überlassen, die restliche Schokolade zu verpacken und für die Abholung bereitzustellen.

„Fertig, Jacinta“, rief einer der Angestellten wenig später. „Saul hat eine SMS geschickt, dass er gleich kommt, um die Bestellungen abzuholen.“

„Ausgezeichnet.“ Jacinta verließ den Produktionsbereich, nahm das Haarnetz ab und schüttelte ihr langes Haar. Wenn es um Veränderungen ging, war ihre Großmutter stur. Sie überquerte den kleinen Hof und betrat die Küche. „Saul holt gleich die Bestellungen ab“, sagte Jacinta.

„Sehr gut.“ Abuela holte ein Blech mit duftenden Enchiladas aus dem Ofen, die sie nach einem alten Familienrezept zubereitet hatte.

Das Palmsonntagessen war in vollem Gange, als Jacinta an dem von ihrem Bisabuelo angefertigten Tisch im Esszimmer Platz nahm. Ihr Urgroßvater war vor ihrer Geburt gestorben, aber sie hatte viele Geschichten über ihn gehört. Familientradition war Abuela sehr wichtig, und so versammelte sich die ganz Familie an Feiertagen und fast jeden Sonntag zum Abendessen um den Tisch.

Abuela saß an der Stirnseite des Tisches. Ihr Bruder, Jacintas achtzigjähriger Großonkel Luis, am anderen Ende. Jacinta setzte sich neben ihren Cousin zweiten Grades Roberto, der lieber Rob genannt wurde, ein Wunsch, den Abuela konsequent missachtete. Auf der anderen Seite des Tisches saßen Sofia, Jacintas Cousine ersten Grades, und ihr Mann Dan. Sofia hatte mit zweiundzwanzig Jahren geheiratet und hatte jetzt, acht Jahre später, zwei Kinder. Kaitlyn Maria war sieben Jahre alt und im zweiten Schuljahr und Jackson Carlos war sechs und noch im Kindergarten. Sofias Eltern – Abuelas Tochter und Schwiegersohn – lebten in Los Angeles. Sie kamen oft zu Besuch, aber nicht zu Ostern.

„Wie läuft es im Salon?“, fragte Jacinta. Sofia besaß einen angesagten Friseursalon in Emerald Ridge.

Sofia schluckte einen großen Bissen ihrer Enchilada herunter. „Großartig. Er läuft wirklich gut. Du könntest deine Haare auch mal wieder schneiden lassen. Zehn Zentimeter könnten weg und für Perücken verkauft werden. Bringt gutes Geld.“

„Ich mag es so lang“, entgegnete Jacinta. Typisch ihre Cousine. Dachte immer nur ans Geld. In letzter Zeit schien sie aber jeden Cent zu zählen und wirkte ungewöhnlich gestresst. Vielleicht lag es daran, dass sie ihre Kinder auf eine teure Privatschule schickte.

Zum Dessert gab es selbst gemachten Flan. Jacinta hatte gerade den ersten Löffel voll genommen, als ihre Abuela mit dem Löffel gegen ihr Wasserglas klopfte.

„Ich habe etwas zu verkünden.“ Alle sahen zu ihr. Jacinta runzelte die Stirn. War ihr Haar grauer geworden? Oder die Falte auf der Stirn tiefer? Ihre Großmutter war doch nicht krank? Jacinta drehte sich der Magen um. Abuela war fünfundsiebzig. Im Herzen noch jung. Lebendig.

„Wie ihr wisst, ist Schokolade für mich mehr als ein Hobby. Es geht um Familie. Es geht darum, sich an diejenigen zu erinnern und sie zu ehren, die vor uns waren und unserer Familie den Weg zum Wohlstand geebnet haben. Bei der Pralinenherstellung geht es um mehr als das Endergebnis oder die Anzahl der Sorten, die ich kreiere. Es geht um die Liebe und Sorgfalt, die unsere Familie in jedes einzelne Stück steckt, und um das Glück, das der Verzehr unserer Schokolade anderen bringt.“

Abuela blickte sich um. „Alles, was ich immer wollte, war, dass meine Familie glücklich und erfüllt ist.“ Sie hielt kurz inne. „Ich habe beschlossen, die Leitung des Unternehmens abzugeben.“

Jacinta war so überrascht wie alle anderen. „Abuela!“, sagte sie. Warum hatte ihre Großmutter nicht unter vier Augen mit ihr darüber gesprochen? Sie hatte immer gesagt, dass Jacinta eines Tages die Zügel in die Hand nehmen solle, deshalb der MBA und der Businessplan.

„Wann?“, fragte Sofia. „Willst du verkaufen?“

Ihre Großmutter winkte mit der Hand und alle verstummten. Sie drehte sich zu Jacinta und nahm die Hand ihrer Enkelin. „Jacinta, du weißt, dass ich dich als meine Nachfolgerin haben möchte. Aber Familie ist wichtig. Deshalb … wenn du bis zum Ende deines Praktikums nicht verheiratet bist, übergebe ich das Unternehmen an Sofia.“

Ihre Cousine griff nach der Hand ihres Mannes, die dieser ihr sofort wieder entriss. „Abuela! Das ist so großzügig! Du weißt, dass Dan und ich die Manufaktur ganz in deinem Sinne weiterführen werden.“

Jacinta ahnte, dass Sofia nichts dergleichen im Sinn hatte. Verärgert lehnte sie sich zurück und legte die Hände auf den Schoß. „Abuela“, protestierte sie. „Das sind nicht einmal sieben Wochen. Wie kannst du mir das antun?“

„Ich weiß, dass du es nicht verstehst, mi querida, aber es wird Zeit, dass du heiratest. Ich habe mein Geschäft ohne einen hohen Abschluss geleitet. Ich habe Pralinen hergestellt, während ich tu papa großgezogen habe. Familie, Jacinta, und die Liebe eines guten Mannes, das ist es, was wichtig ist. Ich will dir nichts wegnehmen, und dies ist vielleicht eine schmerzvolle Lektion. Aber das Leben ist mehr als Arbeit, Arbeit, Arbeit.“

Jacinta biss sich auf die Lippe, der Schmerz hinderte sie daran, mehr zu sagen. Wenn ihre Großmutter eine Entscheidung traf, dann war sie endgültig. Da ihr der Appetit vergangen war, schob sie den Rest ihres Flans beiseite.

Noch nie war sie so überrumpelt oder in eine so unmögliche Situation gebracht worden. Um das Unternehmen ihrer Großmutter zu bekommen, brauchte sie einen Mann. Und zwar sofort. Sie atmete frustriert aus. Heutzutage zwang man niemanden mehr zu heiraten, oder? Frauen wurden dazu erzogen, sich Ziele zu setzen und Träume zu verwirklichen.

Abuela Rosa Chocolates war ein lebenslanges Versprechen. Seit ihre Großmutter sie in die geheimen Rezepturen eingeweiht hatte, träumte Jacinta von dem Moment, in dem sie das Unternehmen zu ihrem eigenen machen würde. Sie hatte sich nichts anderes gewünscht. Mit acht Jahren stellte sie bereits Karamell her. Mit zehn kreierte sie Schokolade und tauchte Kekse hinein. Und mit zwölf hatte sie begonnen, Formen zu füllen. Chocolatier zu sein, war ihre Leidenschaft. Wenn es nach ihr ginge, wäre Abuela Rosa Chocolates eine landesweit bekannte, handgefertigte Marke, die den Käufern mit jedem Bissen köstliche Erinnerungen versprach.

Doch die Körperhaltung ihrer Großmutter – die Arme stur vor dem matronenhaften Busen verschränkt – bedeutete, dass Jacinta einen Ehemann brauchte, um ihre Träume zu verwirklichen.

Bis zum 31. Mai. Sonst …

„Ich weiß, dir gefällt meine Entscheidung nicht, mi amada nieta, aber so muss es sein. Du bist sechsundzwanzig. Als ich in deinem Alter war, hatte ich deinen Vater schon im Kindergarten.“

Jacinta erinnerte sich kaum an ihre Eltern. Sie waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, als sie noch klein war. Jeder sagte, sie sehe aus wie ihre Mutter. Das gleiche lange dunkle Haar, mandelförmige hellbraune Augen, hohe Wangenknochen und eine gerade Nase.

„Jacinta, wenn du möchtest, kann ich die Heiratsvermittlerin spielen“, bot Sofia an. „Dan hat ein paar unverheiratete Freunde, die auf der Ranch arbeiten.“

„Danke, aber ich komme allein klar“, sagte Jacinta.

„Gehst du überhaupt mal aus?“, fragte Sofia, die wusste, dass die Antwort Nein war.

„Das geht dich überhaupt nichts an.“ Sicher, sie hatte Dates, aber sie beendete die Sache oft, weil die Männer mehr wollten, als sie zu geben bereit war. Sie forderten mehr von ihrer Zeit und beschwerten sich, dass sie übers Küssen nicht hinausgehen wollte. Warum konnte sie die Bedürfnisse eines Partners nicht an erste Stelle setzen?

Warum? Weil Jacinta sich Ziele gesetzt hatte, die sie erreichen wollte. Träume hatte, die sie verwirklichen wollte. Sie sah es als Verpflichtung ihren verstorbenen Eltern gegenüber, die beste Version ihrer selbst zu werden. Sie wollte eine Unternehmerin werden wie ihr Chef, Micah Fortune. Warum sagte eigentlich nie jemand einem gut aussehenden Mann, dass er heiraten und eine Familie gründen sollte? Micah war vierunddreißig und überzeugter Junggeselle. Er war attraktiv und reich genug, um leicht eine Braut zu finden. Aber er wollte keine. Für ihn stand das Geschäft an erster Stelle. Und was sein Aussehen betraf, war es eine Untertreibung, Micah als attraktiv zu bezeichnen. Der Sohn von Hayden und Darla Fortune, Bruder von Vivienne und Drake, erinnerte Jacinta an den jungen David Beckham.

Micah hatte dunkelblondes Haar und grüne Augen und war so schlank und durchtrainiert wie ein Fußballer. Wenn er nicht im Büro war, konnte man Micah auf dem Rücken eines Pferdes antreffen. Sie hatte keine Ahnung, warum es bisher keine Frau geschafft hatte, ihm einen Ring anzustecken. Jacinta würde es tun, wenn er nicht ihr Chef wäre, acht Jahre älter als sie … und vor allem, wenn er kein Fortune wäre.

Sie spielte absolut nicht in seiner Liga. Ihre Familie war zwar finanziell gut gestellt, aber verglichen mit den Fortunes waren sie arme Schlucker. Tatsächlich hatte sie im Januar, als sie ihr Praktikum als seine Verwaltungsassistentin begann, Micah als einschüchternd empfunden.

Aber schnell hatte sie festgestellt, dass Micah sympathisch, freundlich und professionell war. Er behandelte sie mit Respekt und hörte sich ihre Ideen an. Fazit? Sie hatte mit ihrem Praktikum einen Volltreffer gelandet.

Jacinta stand auf und trug ihren Teller in die Küche. Dann entschuldigte sie sich, um in ihr Zimmer zu gehen und zu schmollen. Sie würde sich vierundzwanzig Stunden Selbstmitleid gönnen. Danach würde sie eine Lösung suchen und finden. Sie würde ihren eigenen Weg gehen. Ihre Abuela mochte sie mit ihrem Ultimatum in die Enge getrieben haben, aber Jacinta würde einen Ausweg finden. Sie würde sich nicht den Launen ihrer Großmutter beugen und alles verlieren, wofür sie gearbeitet hatte.

Micah Fortune spürte sofort, dass etwas nicht stimmte, als er am Montagmorgen in sein Büro kam. Die Atmosphäre war angespannt, was nicht an den jüngsten Familiendramen lag, die ihn schwer belasteten. Da war zunächst das Baby, das seine Cousine Poppy aufgenommen hatte, nachdem es vor der Haustür ihrer Eltern ausgesetzt worden war. Dann die Sabotageakte auf seiner und auch anderen Ranches der Gegend. Die Diebstähle und der Vandalismus hatten ihm viele schlaflose Nächte bereitet, auch am vergangenen Wochenende. Auf alles gefasst näherte er sich dem Schreibtisch seiner Verwaltungsassistentin. Normalerweise war sie ein echter Sonnenschein, aber heute machte sie ein düsteres Gesicht. „Guten Morgen, Jacinta.“

Sie sah auf. „Guten Morgen, Micah.“

Er neigte den Kopf beim hohlen Klang ihrer Stimme. War seine Praktikantin müde? Wirkte ihr Lächeln gezwungen? Etwas stimmte definitiv nicht. „Alles in Ordnung?“

„Natürlich. Alles gut.“ Jacinta lächelte wieder, aber das Lächeln erreichte ihre Augen nicht. Nach vier Monaten kannte Micah ihre Augen. Er blickte täglich in diese braunen Augen. Bemerkte die kleinen goldenen Sprenkel auf der Iris. Verspürte ein seltsames Ziehen, das er ignorierte. Heute war das Leuchten weg, als hätte jemand das Licht gedimmt. Hatte sie eine schlechte Nachricht erhalten?

„Mit Ihrem MBA ist doch alles in Ordnung, oder? Ich habe Zeit für den Businessplan eingeplant. Ihr Professor ist doch nicht sauer, dass er noch nicht fertig ist, oder?“

Sie schüttelte den Kopf. „Keine Sorge, es ist alles gut.“

Er glaubte ihr nicht. „Sie wissen doch, alles gut bedeutet auch, dass etwas frustrierend, idiotisch oder unangenehm ist.“

Jacinta machte große Augen. „Das ist normalerweise nicht das, was ich mit alles gut in Verbindung bringe.“

„Jetzt mal ehrlich. Was ist los? Am Wochenende ist doch nichts Schlimmes passiert, oder?“

„Ein kleines familiäres Problem“, erwiderte Jacinta leise. „Aber nichts, was meine Arbeit oder mein Studium beeinträchtigen würde.“

„Mit Familienproblemen kenne ich mich aus. Vielleicht kann ich Ihnen helfen. Lassen Sie uns beim Lunch reden. Wir müssen sowieso über Ihren Businessplan sprechen.“

„Soll ich Sandwiches liefern lassen?“

Sie aßen oft im Büro zu Mittag, weil es effizient war. Aber in diesem Fall entschied er, dass ein neutraler Ort besser für ein vertrauliches Gespräch war. „Rufen Sie im Francesca’s an und reservieren Sie einen Tisch.“

„Das mache ich.“ Wenn sie von seiner Entscheidung, auswärts zu essen, überrascht war, ließ sie es sich nicht anmerken.

„Oder ist Ihnen Donatello’s Pizza lieber?“

„Nein, Francesca’s ist perfekt. Ich war noch nie dort.“

„Schön. Freuen Sie sich auf ein sehr leckeres Essen.“ Micah lächelte, etwas, das er in ihrer Gegenwart häufig tat. „Bis zum Mittagessen bin ich nicht zu erreichen, nur für meine Familie.“

„Ich sorge dafür, dass Sie nicht gestört werden.“

Das würde sie, das wusste Micah. Jacinta war die beste Assistentin, die er je gehabt hatte. Sie war klug, witzig, freundlich, lernte schnell und wusste genau, was sie wollte. Die Schokoladenmanufaktur ihrer Großmutter. Neulich hatte sie ihm Pralinen von Abuela Rosa Chocolates zum Probieren mitgebracht. Sie waren außergewöhnlich gewesen.

Doch Jacinta war nicht nur klug, sie war auch schön und verführerisch, weshalb er noch mehr auf Professionalität achtete. Was eigentlich unnötig war, denn er hatte sein Herz nach einer brutalen Enttäuschung verschlossen. Selbst wenn irgendetwas an Jacinta seine niederen Triebe und Begierden wecken sollte, würde er nicht darauf reagieren. Er datete nicht mehr, er hatte Wichtigeres zu tun, zum Beispiel herauszufinden, wer der Ranch schaden wollte. Als ältester der Geschwister fühlte er sich verpflichtet, die Probleme zu lösen und seinen Plan durchführen, sich undercover als Rancharbeiter auszugeben. Er musste herausfinden, wer den ganzen Ärger verursachte, koste es, was es wolle.

Die Zukunft der Ranch – und seiner Familie – hing von ihm ab.

2. KAPITEL

Als Micah die Tür zum Francesca’s öffnete, verspürte Jacinta ein Kribbeln vom Kopf bis in die Zehen. Schwindelgefühle gehörten nicht zu einem Geschäftsessen, aber sie hatte sie. Sie ermahnte sich, ruhig zu bleiben.

„Mr. Fortune, willkommen!“ Die dunkelhaarige Mittfünfzigerin am Hostessenstand strahlte begeistert. „Wie schön, Sie zu sehen. Ich habe den besten Tisch für Sie reserviert.“

Micah nahm die überschwängliche Begrüßung gelassen hin. „Ah, Francesca, das ist nett. Und bitte, Sie wissen doch, dass ich Micah heiße. Ich bin kein Freund von Förmlichkeiten.“

Der beste Tisch, bemerkte Jacinta, befand sich in einem erhöhten Bereich, der sich über die gesamte Länge des Restaurants erstreckte. Von dort hatten sie einen guten Blick auf das Geschehen draußen vor den großen Fenstern. Er hielt ihr den Stuhl hin, und seine Finger berührten versehentlich ihren Rücken, als sie sich setzte. „Entschuldigung.“

„Kein Problem.“ Sie lehnte sich zurück, um sich zu entspannen, bevor sie das Besteck aus der Serviette rollte. Als sie die Serviette auf den Schoß legte, verspürte sie einen plötzlichen Anflug von Nervosität. Es hatte schon früher unbeabsichtigte Berührungen gegeben. Woher kam dieses Gefühl erhöhter Wahrnehmung? Sie griff zur Speisenkarte und verdrängte die Frage.

Ein schwarz gekleideter Kellner kam auf sie zu. „Hallo, ich bin Elton und werde Sie heute bedienen.“ Er stellte zwei Gläser mit eiskaltem Wasser auf den Tisch. „Darf ich Ihnen etwas empfehlen?“

„Ich esse immer das Gleiche, Elton“, sagte Micah. „Aber geben Sie uns fünf Minuten Zeit, damit Jacinta die Karte ansehen kann. Und bringen Sie mir bitte einen Eistee.“

„Ich bleibe beim Wasser“, sagte Jacinta, bevor der Kellner ging. Jacinta schlug die dreifach gefaltete Speisenkarte auf, die eine schillernde Auswahl köstlicher Gerichte enthielt. „Irgendwelche Vorschläge?“

„Die Burger sind die besten in der Stadt. Und auch das Chicken Spiedini Sandwich. Aber egal, was man auswählt, man kann nichts falsch machen.“

„Woher wollen Sie das wissen?“, neckte sie ihn. „Sie essen doch immer das Gleiche.“

Er zwinkerte ihr zu. „Okay, Sie haben mich erwischt. Aber von meinem Bruder und meiner Schwester weiß ich, dass alles zu empfehlen ist.“

Als der Kellner zurückkam, bestellte sie das Chicken Spiedini Sandwich, dazu einen Beilagensalat. Micah wählte den Cowboy Burger, ein doppeltes Patty mit Cheddar, Pepper Jack, Bacon, Zwiebeln, übergossen mit einer Barbecue-Sauce, dazu Pommes. Er lachte, als er Jacintas überraschten Gesichtsausdruck sah. „Was? Nur weil ich im Büro weniger esse, heißt das nicht, dass ich mir nichts gönnen kann. Heute genieße ich. Außerdem laufe ich jeden Tag. Ein Dessert kann ich mir also auch noch genehmigen.“

Er wäre das perfekte Dessert. Jacinta bekam einen Schluck Wasser in die falsche Kehle und hustete. Was war nur in sie gefahren?

Er beugte sich besorgt vor. „Alles in Ordnung?“

„Ich habe mich nur verschluckt.“ Sie tupfte sich mit der Serviette die Lippen ab und setzte dann, wie sie hoffte, ein professionelles Lächeln auf. Glücklicherweise konnte er ihre Gedanken nicht lesen. „Sollen wir jetzt über meinen Businessplan reden?“

Das Thema war weitaus sicherer, und nach Micahs: „Unbedingt“, erklärte sie, was ihr vorschwebte. „Als Erstes möchte ich einen besseren Standort haben. Die umgebaute Garage erfüllt zwar die Lebensmittelsicherheitsstandards, aber es gibt nur ein Förderband, und das wird selten benutzt, weil meine Großmutter am liebsten alles von Hand macht. Wir könnten ein weiteres Förderband für Trüffelpralinen nutzen, die groß im Kommen sind. Wir könnten auch ein Band für unser mit Schokolade überzogenes Konfekt gebrauchen. Wie wäre es, diese beiden Produkte auf Ihrer Gästeranch anzubieten? Mit dem Fortune-Logo.“

„Die Idee gefällt mir.“ Das Essen war serviert worden, und Micah wischte sich einen Tropfen der Barbecue-Sauce aus dem Mundwinkel. Jacinta war kurz abgelenkt, dann konzentrierte sie sich wieder.

„Wir müssen Trüffel einen hohen Stellenwert beimessen. Ich habe Rezepte gesehen, in denen bestimmte Trüffel mit bestimmten Cocktails kombiniert werden. Aber Maschinen kosten Geld, genau wie der Umzug an einen neuen Standort.“

„Es gibt Kredite für Kleinunternehmen. Wissen Sie, wie viel Sie brauchen?“

„Ich habe einen Schätzwert in meinen Businessplan geschrieben.“

Sein zufriedenes Nicken wärmte ihr Herz. „Großartig. Ich werde die Zahlen überprüfen. Das gehört doch zu meinen Aufgaben als Praktikumsbetreuer, oder?“

„Ich weiß nicht. Ich möchte Sie nicht zu sehr belasten.“

Das breite Lächeln, das er aufsetzte, ließ keinen weiteren Einwand zu. „Ich mache das sehr gern, Jacinta. Sie waren in den letzten Monaten eine große Hilfe. Nicht nur, dass Sie sich schnell eingearbeitet haben, Sie sind eine absolute Bereicherung für das Unternehmen. Ich werde Sie vermissen, wenn Sie gehen.“

„Und Sie sind ein ausgezeichneter Mentor“, erwiderte sie, was sicherer war als zuzugeben, dass sie ihn auch vermissen würde, aber aus anderen Gründen.

„Sehr nett von Ihnen, das zu sagen“, erwiderte Micah. „Aber um ehrlich zu sein, war ich durch Geschäft und Familie so abgelenkt, dass ich nicht so präsent war, wie ich es hätte sein sollen. Meine Familie hat ein paar Probleme auf der Ranch, um die ich mich kümmern muss.“ Er sah ihr in die Augen. „Ich könnte dabei Ihre Hilfe gebrauchen. Sie müssen mich im Büro vertreten. Ich werde es später erklären. Lassen Sie uns jetzt von etwas anderem reden. Erzählen Sie mir mehr von Ihrem Studium.“

Jacinta erzählte, dass sie während ihres Studiums in Dallas gelebt hatte. „Ich wusste aber immer, dass ich nach Emerald Ridge zurückkehren würde. Es ist mein Zuhause, und ich habe hier Familie.“

„Geht mir genauso. Das Leben in dieser Stadt ist mehr als nur Tradition. Es ist …“ Er suchte nach dem richtigen Wort.

„Es ist wie eine Berufung“, sagte Jacinta. „Zumindest für mich. Auch wenn es mich herausfordert.“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Was meinen Sie damit?“

„Keine großen Dating-Möglichkeiten. Tut mir leid, ich wollte nicht persönlich werden. Es ist nur so, dass meine Großmutter mich frustriert.“

Jacinta wusste nicht, wie sie Micah von dem Ultimatum ihrer Großmutter erzählen sollte. Dass Abuela überhaupt eins gestellt hatte, war demütigend und peinlich.

„Jacinta? Oh, du bist es tatsächlich“, hörte sie in dem Moment eine vertraute Stimme.

Ein Schatten fiel über den Tisch, und Jacinta sah zu ihrer Cousine auf. „Hallo, Sofia.“

„Zuerst konnte ich nicht glauben, dass du es bist.“ Sofia trug ein enges Strickminikleid mit Spaghettiträgern, dazu hohe Stilettos. „Ich habe mit Darci zu Mittag gegessen und sie sagte: ‚Ich glaube, da drüben sitzt Jacinta‘, und ich: ‚Das kann nicht sein, sie hat keine Dates‘. Dann habe ich mich an Abuelas Ultimatum erinnert, also dachte ich, du bist hier, um bis zum Stichtag einen Mann zu finden. Vielleicht hast du deshalb meine Hilfe abgelehnt.“ Sofia ließ das: ‚Die du weiß Gott gebrauchen kannst‘, unausgesprochen.

Jacinta gelang es, die aufkochende Wut im Zaum zu halten. „Sofia, dies ist ein Geschäftsessen. Mit meinem Chef, Micah Fortune.“

„Oh.“ Sofia legte die Hand knapp unter ihr Schlüsselbein und betonte so den tiefen Ausschnitt ihres Kleides. „Mr. Fortune. Es freut mich, Sie kennenzulernen. Ich bin Sofia Simon. Mir gehört The Style Lounge auf dem Emerald Ridge Boulevard.“

„Sehr erfreut“, sagte Micah freundlich, doch Jacinta bemerkte, dass sein Lächeln nicht seine schönen grünen Augen erreichte.

„Wir sprechen gerade über meinen Businessplan.“ Jacinta hoffte, damit ihre Cousine zum Gehen bewegen zu können.

Sofia klimperte mit ihren langen Wimpern. „Du meinst den für Abuela Rosa Chocolates?“

„Ja, genau den.“

„Jacinta, ich will nicht, dass du dir zu große Hoffnungen machst. Abuela ist mehr als stur, und es ist unmöglich, dass du in sechs Wochen eine Liebesheirat zustande bringst.“ Sofia drehte sich verschwörerisch zu Micah um. „Sie schafft es nicht einmal, einen Mann über ein paar Dates hinaus zu halten.“ Sie fügte ein kurzes „Tss“ hinzu. „Außerdem bringt die Manufaktur nicht viel Geld ein. Sie zu verkaufen, würde Abuela Zeit bringen, sich ihrem Bridge-Club zu widmen. Vielleicht denkt sie sogar daran, in ein Seniorenheim zu ziehen.“

„Fünfundsiebzig ist noch nicht so alt“, protestierte Jacinta. Unter dem Tisch drehte sie die Stoffserviette zu einem straffen Strick.

„Alt genug, um Unterstützung zu benötigen. Sobald mir alles gehört, werde ich verkaufen. Du weißt doch, dass ein Bauunternehmer das Grundstück haben will, um darauf einen Wohnkomplex zu errichten, oder? Auch wenn er nur mit dem Garagenbereich anfängt, wird der Verkauf mir … ich meine natürlich uns allen, finanzielle Sicherheit bringen.“

„Das kannst du nicht machen“, stieß Jacinta zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Der ernste Blick ihrer Cousine änderte sich nicht. „Natürlich kann ich, und ich werde es tun. Es sei denn, du findest bis zum Stichtag einen Ehemann, aber das glaube ich nicht.“ Sofias Handy summte, und sie zog es aus der übergroßen Designertasche. „Da muss ich rangehen. Adios!“

„Wer war das denn?“, fragte Micah. „Ich vermute, eine Verwandte.“

„Das“, sagte Jacinta, „war meine Cousine Sofia.“

„Was hat sie damit gemeint, dass Sie verheiratet sein müssen?“ Er nippte an seinem Eistee. „Es klang ominös.“

Wenn die Serviette auf ihrem Schoß aus Papier wäre, hätte Jacinta sie längst zerfetzt. So drehte sie das weiße Leinen weiter und versuchte, nicht zu emotional zu werden, als sie die Situation erklärte und mit den Worten schloss: „Abuela Rosa Chocolates steht mir zu. Ausgeschlossen zu werden ist also …“ Sie blinzelte, aber der Albtraum blieb.

„Können Sie Ihrer Großmutter nicht sagen, dass Ihre Cousine an einen Bauunternehmer verkaufen will?“

Jacinta wünschte, es wäre so einfach. „Leider wird Abuela mir nicht glauben. Auch wenn Sie gehört haben, was Sofia gesagt hat, steht mein Wort gegen ihres.“

Um nicht länger die Serviette zu drehen, legte Jacinta beide Hände auf den Tisch. „Als Sie vorhin von Familiendramen gesprochen haben, konnte ich das nachvollziehen. Hoffentlich gehört zu Ihren nicht, dass eine Großmutter Sie zur Heirat zwingt.“ Sie stieß einen langen Seufzer aus. „Wenn ich nicht heirate, verliere ich alles, wofür ich gearbeitet habe. Das ist emotionale Erpressung.“

Micah streckte die Hand aus, als wollte er sie berühren, zog sie aber zurück, bevor er eine Grenze überschritt. „Ich kann Ihre Frustration und Ihren Ärger nachvollziehen. Ich kenne diese Gefühle gut.“ Er erzählte von den Diebstählen und dem Vandalismus.

„Das ist ja schrecklich. Emerald Ridge ist doch so eine sichere Stadt. Kaum zu glauben, dass so etwas passiert.“

„Eines der gestohlenen Pferde ist Birdy. Eine wertvolle Zuchtstute. Mein Cousin Shane sagt, dass keine Versicherungssumme sie ersetzen kann. Er ist so wütend.“ Micah seufzte. „Wir haben keine Spur, weil die Überwachungskameras deaktiviert wurden. Das deutet darauf hin, dass es ein Insider war, und das ist ein großes Problem.“

Kein Wunder, dass Micah in letzter Zeit so abgelenkt war. „Sie sagten, auch andere Ranches seien betroffen.“

„Das ist etwas, was wir immer noch nicht verstehen. Der Zaun von Courtney Wellingtons Ranch wurde ebenfalls durchschnitten und sie hat einige Rinder verloren. Meine Cousins haben die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, aber wir haben viele Hektar Weideland. Es ist schwer, alles zu überwachen.“

„Kann ich irgendwie helfen?“

„Leider nein. Aber danke, dass Sie mir zugehört haben. Es bedeutet mir viel, dass ich Ihnen vertrauen kann.“

„Natürlich.“ Sie freute sich, dass sie seinen Tag schöner gemacht hatte, und lächelte. „Ich habe mich vierundzwanzig Stunden in Selbstmitleid gesuhlt. Jetzt bin ich darüber hinweg und versuche, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich kontrollieren kann, und nicht auf die, die ich nicht kontrollieren kann.“

„Eine weitaus bessere Nutzung der Zeit.“ Nach einer kurzen Pause fügte Micah hinzu: „Warum wagen Sie es nicht allein?“

„Was meinen Sie?“

„Gründen Sie Ihr eigenes Geschäft. Wenn Ihre Großmutter Ihnen ihrs nicht überlässt, dann kreieren Sie doch Ihre eigene Schokolade.“

Jacinta legte die Stirn in Falten. „Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Es kommt mir fast wie ein Sakrileg vor, es in Betracht zu ziehen. Wie Verrat.“

„Verstehe.“

Micah winkte den Kellner heran und bezahlte. Sie verließen das Restaurant und fuhren in seinem Wagen zurück zum Büro.

„Darf ich Ihnen sagen, sie sehr ich bewundere, wie Sie mit Sofia umgegangen sind? Nicht viele Menschen hätten es geschafft, so ruhig zu bleiben. Das haben Sie gut gemacht.“

„Danke.“

„Ich meine es ernst. Ich konnte sehen, dass Sie kurz davor waren zu explodieren, aber sie hat es nicht gemerkt.“

„Ich glaube nicht, dass es ihr etwas ausgemacht hätte“, gab Jacinta zu. „Sie ist meine Cousine. Mein Vater und ihre Mutter waren Geschwister. Sofia und ich sind nicht im gleichen Haushalt aufgewachsen. Wir stehen uns nicht sehr nahe.“

„Wie kommt das?“

„Das hat viele Gründe. Wir haben völlig unterschiedliche Interessen. Sofia hat keine Ambitionen, Chocolatier zu werden. Sie interessiert sich nur für das Geschäft, wenn Abuela uns zu Weihnachten unseren kleinen finanziellen Anteil schenkt. Grrr!“ Jacinta ballte die Hände zu Fäusten und schlug sie leicht gegen die Oberschenkel. „Sofia denkt nur ans Geld.“

„Hey, das wird schon …“ Micah griff nach Jacintas Hand, zog sie aber schnell wieder zurück, als hätte er denselben kleinen Stromstoß wie sie gespürt. „Entschuldigung.“

„Schon gut.“ Noch immer kribbelte es in ihrem Körper. „Es war ein hartes Wochenende. Ich kann nicht glauben, dass ich alles verliere, wenn ich nicht bis Ende Mai verheiratet bin.“

Micah runzelte die Stirn. „Vielleicht überlegt Ihre Großmutter es sich ja noch einmal.“

„Sie kennen meine Abuela nicht. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, wird sie zu dem stursten Menschen, den ich kenne. Sie will, dass ich heirate. Punkt. Während ich meinen Traum verfolgen möchte.“

„Familien sind kompliziert. Hoffen wir, dass sich die Dramen in unseren Familien schnell auflösen“, sagte Micah und hielt ihr die Wagentür auf.

„Danke für das Mittagessen.“

„Es war mir ein Vergnügen.“

Statt den Aufzug zu nehmen, stiegen sie die Treppen in den zweiten Stock hinauf. Micah öffnete die Glastüren und folgte ihr in ihr Büro. „Melden Sie sich bei mir, bevor Sie für heute Feierabend machen.“

„Das werde ich.“ Sie wollte ihm sagen, wie dankbar sie war, dass er sich ihre Probleme mit Sofia und Abuela angehört hatte. „Micah, ich …“

Doch er war schon weg.

Micah ging in sein Büro und schloss die Tür hinter sich. Er sank auf seinen ergonomisch geformten Schreibtischstuhl. Warum stellte Jacintas Großmutter so ein ungeheuerliches Ultimatum? Warum plante sie, ihr Geschäft Jacintas unwürdiger Cousine zu überschreiben, wenn Jacinta nicht heiratete? Wer tat so etwas im einundzwanzigsten Jahrhundert?

Er tippte mit dem Finger auf seinen Schreibtisch und dachte über ihr Problem nach, was eine willkommene Ablenkung von den Problemen in seiner eigenen Familie war.

Jacinta hatte erwähnt, dass sie sich auf die Dinge konzentrieren wollte, die sie kontrollieren konnte, und nicht auf die, die sie nicht kontrollieren konnte. Er hatte eine ähnliche Philosophie. Warum sich von Sorgen auffressen lassen, wenn er seine Energie stattdessen für die Lösung des Problems verwenden konnte? Die Kunst bestand darin, eine Lösung zu finden, mit der sein Moralkodex leben konnte. Deshalb ärgerte er sich so über Jacintas Großmutter. Wusste sie nicht, wie großartig ihre Enkelin war? Sah sie nicht, wie Jacinta auch in schwierigen Situationen eine positive Einstellung behielt? Sie war etwas Besonderes, und er war sich all der positiven Eigenschaften seiner hübschen Praktikantin äußerst bewusst. Er mochte Jacinta sehr.

Hätte er sie woanders getroffen, zum Beispiel auf einer Geschäftsreise, hätte er vielleicht um ein Date gebeten oder eine kurze Affäre in Betracht gezogen. Er schloss für einen Moment die Augen und sah Jacinta vor sich. Ihr langes, glänzendes Haar. Ihren schlanken Hals. Und ihre vollen, sinnlichen Lippen, die Lust aufs Küssen machten.

Micah holte eine Flasche Wasser aus seinem Minikühlschrank. Er öffnete sie und stürzte die Hälfte des Inhalts in einem großen Schluck hinunter. Die kühle Flüssigkeit trug jedoch wenig dazu bei, seine unerlaubten Gedanken zu zerstreuen. Seit ihrer Ankunft im Januar war er stolz auf den professionellen Umgang mit ihr, aber heute hatte er im Wagen nach ihrer Hand gegriffen. Ein schrecklicher Fauxpas. Sie zu berühren hatte ein Feuer entfacht und den Teufel auf seiner Schulter dazu gebracht, ihm ständig zuzuflüstern, dass sie bald nicht mehr für ihn arbeiten würde.

Er stürzte das restliche Wasser hinunter. Auch wenn sie nicht mehr für ihn arbeitete, war sie tabu für ihn. Sie war zu jung. Sie sollte jemanden daten, der weniger abgestumpft war. Mit sechsundzwanzig lag ihr die Welt zu Füßen. Sie verdiente es, ihren Träumen zu folgen und ihr eigenes Geschäft zu haben, sei es, dass sie das ihrer Großmutter übernahm oder etwas Neues gründete.

Micah kam eine Idee. Als CEO war er für den Viehbetrieb der Fortunes verantwortlich, für die Mitarbeiter und die Instandhaltung des Betriebs. Das bedeutete aber nicht, dass er keine anderen Interessen hatte. Er war stiller Teilhaber an mehreren Ranches in der Umgebung und an mehreren kleinen Unternehmen in Emerald Ridge, wie zum Beispiel das Francesca’s. Er hielt sich im Hintergrund und griff nur ein, wenn er ein Problem sah. Wenn er Gewinn machte, investierte er ihn wieder. So wurde nicht nur er reicher, sondern auch die Stadt, die nun zu den wohlhabendsten im ganzen Staat gehörte.

Ein Plan nahm in seinem Kopf Gestalt an. Er griff nach seinem Telefon und drückte die Sprechtaste. „Jacinta, könnten Sie bitte kommen?“

Sie klopfte an, bevor sie freundlich lächelnd eintrat. „Was kann ich für Sie tun?“

Alles. Er nahm ihren reizvollen Anblick in sich auf, gab sich dann aber schnell einen mentalen Ruck und konzentrierte sich auf die Sache, um die es ging – das Geschäft – und nicht auf ihre Schönheit.

„Ich möchte die Schokoladenmanufaktur besuchen. Dann kann ich Ihnen ein besseres Feedback zu Ihrem Businessplan geben. Wäre das möglich?“

„Es ist nur eine umgebaute Doppelgarage.“

„Trotzdem. Es würde mir helfen, Ihre Pläne zu verstehen, wenn ich sehen könnte, wie der Laden funktioniert. Würden Sie Ihre Großmutter fragen, ob sie mit einem Besuch einverstanden ist?“

„Das kann ich machen.“ Unbewusst knabberte Jacinta an ihrer vollen Unterlippe. „Die meisten Bestellungen haben wir am Wochenende erledigt, aber es gibt noch ein paar Restbestellungen, die am Donnerstag rausgehen. Sobald wir damit fertig sind, macht sie über Ostern eine Pause.“

„Dann sollte ich mir den Betrieb so schnell wie möglich ansehen. Ich nehme an, Ihr Expansionsplan sieht eine tägliche Schokoladenproduktion vor.“

Warum hatte er nie bemerkt, dass ihre Haarspitzen tanzten, wenn sie nickte? „Ja, das wäre mein Ziel.“

„Gut. Sie kennen meine Termine, fragen Sie doch Ihre Großmutter, wann ich diese Woche vorbeikommen kann. Je früher, desto besser.“

„Ich werde sehen, was ich tun kann.“

Jacinta knabberte wieder an ihrer Lippe, und Micah wandte den Blick ab, um nicht wieder darüber nachzudenken, wie es wohl wäre, sie zu küssen. „Dann lasse ich Sie jetzt weiterarbeiten.“

Und er musste ihre Lippen und den Gedanken, sie zu küssen, aus dem Kopf bekommen.

Als sie sich umdrehte, fiel sein Blick auf ihren Po und ihr langes glänzendes schwarzes Haar. Beunruhigt wegen seiner lüsternen Gedanken, aber zufrieden mit seinem professionellen Verhalten kehrte Micah an seine Arbeit zurück.

3. KAPITEL

Eines hatte Jacinta schon früh gelernt – ein Haarnetz aufzusetzen war unangenehm. Ein Haarnetz aufzusetzen, während sie vor Micah stand? Doppelt unangenehm. Es gab kein Patentrezept für ein elegantes Aufsetzen.

Es war Donnerstagnachmittag und sie standen unter der Markise vor der großen Doppelgarage, in der Abuela Rosa Chocolates untergebracht war. Nachdem Jacinta ihr Haar unter das Netz gesteckt hatte, bot sie Micah an, ihm zu helfen.

„Man sollte meinen, ich könnte es allein, aber danke, ich nehme Ihre Hilfe gern an.“ Er beugte sich vor und neigte den Kopf. Jacinta stellte sich auf die Zehenspitzen und setzte ihm das Netz auf. Ihr stockte der Atem, als ihre Fingerspitzen über seinen Haaransatz und seinen Nacken strichen. „Geschafft.“

Er richtete sich auf, und wenn sie es nicht besser wüsste, hätte sie schwören können, dass sich die Farbe seiner hellgrünen Augen in ein dunkles Jadegrün verwandelt hatte. „Gut. Ich will die Schokolade nicht verderben.“

Er kann nichts verderben, dachte Jacinta. Ihre Großmutter würde ihn genauso mögen wie sie, als Chef natürlich. Als sie ihrer Großmutter erzählt hatte, dass Micah darum gebeten hatte, die „Fabrik“ sehen zu dürfen, hatte Abuela sofort zugestimmt. Jacinta betete, dass sein Besuch die Entschlossenheit ihrer Großmutter abschwächen würde, sie zu einer Heirat zu zwingen. Sie klingelte.

Die schwere Stahltür öffnete sich und Abuela stand da, ihre weiße Schürze mit Schokoladenflecken übersät. Sie hob den Kopf, um Micahs Blick zu begegnen. „Mr. Fortune“, sagte sie. „Ich bin Rosa Gomez.“

„Nennen Sie mich bitte Micah.“ Er folgte ihr hinein, Jacinta dicht auf den Fersen. Nach etwa zwei Metern blieben sie stehen und sofort erfüllte ihr Chef den Raum mit seiner magnetischen Präsenz.

Micah schenkte ihrer Großmutter ein warmes Lächeln. „Jacinta hat mir wunderbare Dinge über Ihre Schokolade erzählt. Sie sagt, sie hat alles von Ihnen gelernt.“

„Sie muss noch viel mehr lernen“, erwiderte Abuela.

Micah, das musste man ihm lassen, ließ sich nicht beirren. „Wie sagt man doch so schön? Was noch grün ist, kann wachsen. Was bereits reif ist, fängt an zu faulen. Ich hoffe, dass ich mein Leben lang lernen werde.“

Gute Parade, dachte Jacinta. Micah stieg in ihrem Ansehen weiter. Abuela neigte den Kopf und betrachtete ihn. Sie kniff die Augen zusammen, sagte jedoch nichts.

„Was stellst du heute her?“, fragte Jacinta, um die Dynamik zu entschärfen.

„Erdbeeren mit Schokoladenüberzug. Die Bestellung wird heute Abend ausgeliefert, und dann machen wir über Ostern für eine Woche zu.“

Sie zeigte Micah, wie die Erdbeeren überzogen wurden. „Zuerst muss ich die Schokolade vorbereiten“, sagte sie und deutete auf die glatte, flüssige Schokolade, die sich langsam in einer Temperiermaschine drehte.

„Da wir eine große Bestellung haben, benutze ich heute das Förderband.“ Er beobachtete, wie die Maschine jede einzelne Erdbeere mit der flüssigen Schokolade überzog. Während die Erdbeeren weiterliefen, schüttelte der nächste Teil des Fließbandes die überschüssige Schicht ab. Bevor die mit Schokolade überzogenen Beeren in den Kühlraum kamen, verzierte einer der Mitarbeiter die Früchte mit einem weißen Streifen. „Egal, was wir machen, wir beenden die Herstellung immer von Hand“, prahlte Abuela.

„Seit wann haben Sie die Maschine?“, fragte Micah.

Mi amado esposo – mein geliebter Mann – hat sie gefunden, als eine Fabrik in Dallas geschlossen wurde. Wir konnten sie uns nicht leisten, und ich habe ihm gesagt, dass ich sie nicht brauche, aber er hat darauf bestanden.“

„Die Investition hat sich gelohnt“, sagte er. „Haben Sie einen Überblick über Ihre Verkäufe? Analysieren Sie, wo Sie mehr hätten tun können?“

„Mehr ist nicht immer besser“, sagte Abuela. „Manchmal bedeutet mehr einfach nur mehr Arbeit.“

„Das stimmt“, räumte Micah ein. Er sah über Abuelas Kopf hinweg und fing Jacintas Blick ein, bevor er sich wieder auf ihre Großmutter konzentrierte. „Welche Schokolade stellen Sie am liebsten her?“

„Rosenteeschokolade. Ich gebe Tee in die Schokolade und streue echte getrocknete Rosenblütenblätter auf die Schokolade, wenn sie abkühlt.“

„Rosenblüten sind essbar?“ Micah schien überrascht. „Wirklich?“

„Ja. Ich habe ein paar Schokoladentafeln mit Rosenblüten im Haus.“ Sie drehte sich zu Jacinta, als würde sie sie jetzt erst bemerken. „Geh doch hinein und hol eine Tafel für Mr. Fortune.“

Micah“, beharrte er.

Abuela nahm seine Korrektur nicht zur Kenntnis. Durchdringend sah sie ihre Enkelin an. „Dann haben wir Zeit für ein Gespräch von CEO zu CEO.“

Micah sah Jacinta nach, als sie die Garage verließ. Bevor die Tür ins Schloss fiel, beobachtete er, wie sie sich das Haarnetz vom Kopf riss, als wäre sie wütend. Sein erster Instinkt war, ihr zu folgen, aber er hielt sich zurück, als Rosa zu erklären begann, wie sie die Erdbeeren verpackte. Zwischen drei und zwölf Erdbeeren kamen in die schlichten weißen Schachteln, dann wurde eine elastische Goldschnur darumgewickelt und zu einer Schleife gebunden.

„Sie bedrucken die Schachteln nicht?“

„Warum? Das Bedrucken kostet Geld und die Leute werfen die Schachtel sowieso weg. Wer meine Schokolade kauft, weiß, woher sie kommt.“

„Ja, aber es ist eine subtile Art, an die Marke zu erinnern. Wir verwenden das Logo FGR auf allem, angefangen bei Handtüchern und Servietten bis hin zum Briefpapier auf der Gästeranch. Er verleiht allem eine edle, persönliche Note.“

„Ihr Betrieb ist viel größer als meiner“, erklärte Rosa. „Und ich habe keine ähnlichen Bedürfnisse oder Wünsche. Ich mag es einfach, Mr. Fortune. Die Leute wollen die Schokolade, nicht die Verpackung.“

Da er merkte, dass sie ihn nicht Micah nennen wollte, machte er sich nicht die Mühe, sie noch einmal zu korrigieren. „Aber was wäre, wenn die Produktion einfach und doch besser wäre? Ich bin beeindruckt von der Qualität der Schokolade, die Sie herstellen, und noch mehr, seit ich gesehen habe, wie sie hergestellt wird. Meine Cousine Poppy ist immer auf der Suche nach lokalen Produkten, die wir auf der Gästeranch und im Spa anbieten können. Sie könnten mit ihr ins Geschäft kommen.“

„Meine Enkelin ist auf ihre Art brillant, aber sie versteht nicht, dass die Vergrößerung des Geschäfts einen Qualitätsverlust bedeutet. Sie hat noch nicht die Lebenserfahrung, die ich habe. Die Sie auch haben.“

Über die Bemerkung über sein Alter konnte er hinwegsehen, aber er würde nicht zulassen, dass Jacinta herabgewürdigt wurde. „Aber wachsen wir nicht an unseren Fehlern und Erfolgen? Wie soll ich meine Bestimmung erfüllen, wenn man mir nicht die Chance gibt, erfolgreich zu sein? Oder auf die Nase zu fallen, wenn es sein muss. Henry Ford scheiterte bei seinen ersten beiden Versuchen, Autos kommerziell zu produzieren, aber dann revolutionierte er die Branche mit dem Model A.“

Rosa verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich bin nicht Henry Ford.“

„Ihre Enkelin ist eine der besten Verwaltungsassistentinnen, mit denen ich je zusammenarbeiten durfte. Sie hat Geschäftssinn. Ich würde ihr sofort einen Job in einem der Unternehmen meiner Familie anbieten, aber sie möchte Ihr Erbe antreten. Ich habe den größten Teil ihres Businessplans gelesen, und er ist solide. Sonst würde ich ihr nicht so bereitwillig helfen, ihren Traum zu erfüllen.“

„Ja, aber das ist nicht das, was ich für sie will, und es ist meine Manufaktur.“

Micah sah, dass Rosa es ernst meinte. Da er nicht wusste, ob Jacinta ihr erzählt hatte, dass sie ihm anvertraut hatte, dass Rosas Geschäft an ihre Cousine Sofia gehen würde, wenn Jacinta nicht heiratete, warnte er sie nicht, dass sie ihre Enkelin verprellen könnte, wenn sie auf ihrem Ultimatum beharrte.

Ein Summen ertönte, und Micah folgte Rosa zur Tür. „Danke für die Führung“, sagte er, bevor er nach draußen trat und das Haarnetz entfernte. Er warf es in den Mülleimer neben der Tür.

„Ich habe die Schokolade“, sagte Jacinta zu ihrer Großmutter.

„Die ist für Mr. Fortune“, sagte Rosa. „Wir sehen uns später, wenn du nach Hause kommst. Danke, dass ihr beide gekommen seid.“

Die Tür fiel ins Schloss.

Micah ging um seinen Wagen herum und öffnete Jacinta die Beifahrertür.

„Ich verstehe jetzt, was Sie gemeint haben“, sagte er. „Sie ist wirklich stur.“

Jacinta seufzte. „Abuela ist davon überzeugt, dass sie recht hat. Aber heiraten ist nicht das, was ich will.“

„Wir werden einen Weg finden, ihr das klarzumachen.“

Micahs Handy summte, und er blickte auf das Infotainmentsystem, als die Computerstimme die Nachricht vorlas. „Was dagegen, wenn wir kurz zur Ranch fahren? Das Paket ist gekommen, auf das ich gewartet habe.“

„Sie sind der Chef.“

Micah grinste. „Das bin ich, also lassen Sie uns den kleinen Umweg machen. Vielleicht fällt uns unterwegs ein, wie wir Ihre Großmutter umstimmen können.“

Jacinta war oft an der Fortune’s Gold Ranch vorbeigefahren, hatte das Anwesen aber nie betreten. Micah fuhr durch ein großes, schmiedeeisernes Tor, bog in eine Seitenstraße ein und steuerte auf ein kleineres Gebäude zu. „Dort sind die Büros der Ranch. Ich hole schnell mein Paket.“

„Sie haben es sich nicht nach Hause schicken lassen?“

„Sie werden später sehen, warum. Ich bin gleich zurück.“ Micah stürmte ins Büro und wieder hinaus. Dann fuhr er weiter, vorbei an einer Reihe weit auseinanderstehender Häuser. Jacinta verrenkte sich den Hals. Abuela hatte ein ordentliches Haus, aber diese hier übertrafen es bei Weitem.

„Das ist Poppys Haus. Das ist Shanes.“ Er fuhr fort, während er an den anderen Häusern vorbeifuhr. „Und das ist meins.“ Micah parkte vor einem zweistöckigen, weiß verputzten Haus. „Es ist einfacher, Post ans Büro der Ranch schicken zu lassen. Das ist zentraler für die Boten.“ Er öffnete seine Tür und kam um den Wagen herum, um ihr die Tür aufzuhalten. „Lassen Sie uns das Paket reinbringen.“

„Das Haus ist wunderschön.“

„Alle Häuser sind Miniaturausgaben des Haupthauses, das sich mein Vater mit seinem Bruder, meinem Onkel Garth, teilt. Wir fahren auf dem Weg hinaus daran vorbei. Dann können Sie sehen, wo ich aufgewachsen bin.“

Jacinta wartete auf der Veranda, während Micah die Haustür aufschloss. „Wow“, sagte sie beeindruckt, als sie die helle Eingangshalle betraten. „Ich bin tatsächlich überwältigt.“

„Das kann ich mir vorstellen. Es ist schon etwas Besonderes, oder? Meine Mom hat das Haus entworfen. Jeder von uns hat eins zum einundzwanzigsten Geburtstag bekommen, aber meins war erst fertig, als ich vom College kam. Selbst für mich ist dieses Haus überwältigend. Ich habe Zimmer, in denen ich seit Monaten nicht war.“

Alles, was Jacinta zu ihrem College-Abschluss bekommen hatte, war eine Glückwunschkarte von ihrer Großmutter, ein Kuchen und eine weitere Mahnung von der Universität, dass sie noch eine Rate ihrer Studiengebühren zahlen müsse. An ihrem einundzwanzigsten Geburtstag war sie mit ihren Freundinnen Kim, Katie und Carolyn nach einem festlichen Abendessen mit der Familie noch einen trinken gegangen.

Sie folgte Micah in die hell eingerichtete Küche, die mindestens dreimal so groß war wie die ihrer Großmutter. Er stellte den Karton auf die lange Kücheninsel, griff in die Hosentasche und holte ein Schweizer Messer hervor. Er schnitt das Klebeband auf und begann, den Karton auszupacken.

„Eine Perücke?“, wunderte Jacinta sich, als er eine schwarze Kunsthaarperücke aus einer Plastikverpackung nahm.

„Ich gehe undercover auf die Ranch. Das ist der beste Weg, um herauszufinden, wer uns sabotiert. Es muss ein Insider sein oder zumindest jemand, der Insiderinformationen hat. Die beste Chance, den Dieb oder Maulwurf zu finden, ist, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Mir als CEO werden sie ihre Geheimnisse nicht verraten, aber die Leute reden erstaunlich viel, wenn sie denken, Sie sind einer von ihnen.“

„Aber es könnte gefährlich sein.“

Micahs schiefes Lächeln trug nicht dazu bei, sie zu beruhigen. „Ich bin auf der Ranch aufgewachsen und habe alles gelernt, was mit Pferden und Rindern zu tun. Die Arbeit auf der Ranch ist hart, und nur weil ich die meiste Zeit im Büro sitze, heißt das nicht, dass ich mir die Hände nicht schmutzig mache. Hier gibt es keine zarten Hände.“ Er legte die Perücke zur Seite und zeigte ihr seine Handflächen.

„Nein“, stimmte Jacinta zu. Er hatte schöne Hände, Hände, die eine Frau zärtlich streicheln und ihr mit rauen und doch weichen Fingerspitzen Lustgefühle bereiten würden. Ein hundertprozentig einmaliges Gefühl. Sie erschauerte ein wenig und fragte sich, ob die Klimaanlage angesprungen war.

Micah öffnete einen Schrank und entnahm ihm zwei hohe Gläser. Er füllte sie mit Eis und Wasser und reichte ihr eins davon. „Das Wetter ist verrückt in letzter Zeit. Man muss viel trinken.“

„Danke.“

Micah trank einen Schluck. „Ich habe vielleicht eine Lösung für Ihr Problem.“

„Was? Haben Sie einen akzeptablen Ehemann für mich?“ Jacinta stellt ihr Glas auf den Granittresen. „Tut mir leid, das war unangebracht.“

„Sie müssen sich nicht entschuldigen. Ihre Großmutter hat Sie in eine unmögliche Situation gebracht, und nachdem ich Ihre Cousine kennengelernt habe, weiß ich, warum Sie so wütend sind. Sofia mag erfolgreich einen Friseursalon führen, aber sie hat nicht die Leidenschaft für Schokolade wie Sie.“

„Das stimmt.“

„Deshalb sollten Sie die Manufaktur kaufen. Nicht schenken lassen. Bieten Sie Ihrer Großmutter Geld an und sorgen Sie dafür, dass sie an Sie verkauft.“

Jacinta versuchte, nicht zu lachen oder zu weinen oder welche widersprüchlichen Gefühle auch immer in ihr gerade aufstiegen. Welches Geld? Im Gegensatz zu Micah stammte sie nicht aus einer reichen Familie.

„Ich bin stiller Teilhaber bei mehreren Unternehmen in der Stadt“, fuhr Micah fort. „Ich gebe Ihnen bis zu zweihunderttausend Dollar, damit Sie das Geschäft direkt von Ihrer Großmutter kaufen können.“

„Zweihunderttausend?“

„Das Geschäft ist vermutlich nicht so viel wert. Fangen Sie mit hunderttausend an, aber ich würde bis zweihunderttausend raufgehen.“

Endlich fand Jacinta ihre Stimme wieder. „Sie haben erlebt, wie stur meine Großmutter ist. Sie wird nicht zustimmen.“

„Dann zahlen Sie Sofia mit dem Geld aus. Ich habe den Eindruck, dass sie die Chance, Geld in die eigene Tasche zu bekommen, sofort ergreifen wird.“

„Ihr Angebot ist sehr großzügig.“ Jacinta war beeindruckt von seiner Geste. „Warum tun Sie das?“

„Weil ich Ihren Businessplans gelesen haben, und er ist solide. Ich bin Geschäftsmann und investiere in profitable Unternehmen. Sie, Jacinta, sind diese Investition wert.“

Seine eindringlichen Worte jagten ihr einen Schauer über den Rücken. Für einen Mann wie Micah war sie eine Investition wert? Hitze stieg in ihr auf. „Danke.“

„Jacinta, ich bin Ihr Mentor und kann auch weiterhin in dieser Funktion tätig sein. Es gibt ein paar rechtliche Dinge zu regeln, denn wir brauchen eine formelle Vereinbarung darüber, wie unsere Partnerschaft aussehen und funktionieren soll. Aber das ist nichts, was ich nicht schon bei anderen Projekten gemacht habe.“ Er sah sie eindringlich an. „Sie haben heute Francesca kennengelernt. Ich bin ihr stiller Teilhaber.“

Kein Wunder, dass sie ihn so herzlich begrüßt hatte. Für einen kurzen Moment malte Jacinta sich all ihre Möglichkeiten aus. Ihr würde Abuela Rosa Chocolates gehören. Ihr Businessplan würde aufgehen. Micah würde investieren, und statt eines Bankkredits würde sie ein privates Darlehen bekommen. Und er würde ihr Mentor bleiben. Der wunderbare Micah würde mit ihr zusammenarbeiten, damit sie ihren Traum, Chocolatier zu werden, verwirklichte. Micah und Schokolade? Das klang nach einem Lottogewinn.

4. KAPITEL

Nach Micahs Angebot schwebte Jacinta auf der sprichwörtlichen Wolke sieben, bis die Realität sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholte. „Ich fühle mich geschmeichelt“, sagte sie zu Micah, nachdem die Begeisterung über sein Investitionsangebot verflogen war. „Ich fühle mich geehrt durch das Vertrauen, das Sie mir entgegenbringen. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was das bedeutet oder was für ein Ego-Schub das ist.“

„Das klingt, als würden Sie gleich Nein sagen.“

Jacinta stellte ihr Wasserglas ab. „Ich bin nicht diejenige, die Nein sagen wird. Ich werde fragen, aber ich weiß schon jetzt, dass die Antwort von Abuela und Sofia Nein sein wird.“

„Warum? Sie müssen doch sehen, was für ein Potenzial in Ihnen steckt.“

Seine Worte waren Balsam für ihre geschundene Seele. Jacinta würde sie immer in Erinnerung behalten. „Meine Großmutter möchte, dass ich heirate, Micah. Sie selbst hat in jungen Jahren geheiratet, meinen Vater bekommen und so weiter. Sie benutzt meinen Traum gegen mich. ...

Autor

Brenda Jackson

Brenda ist eine eingefleischte Romantikerin, die vor 30 Jahren ihre Sandkastenliebe geheiratet hat und immer noch stolz den Ring trägt, den ihr Freund ihr ansteckte, als sie 15 Jahre alt war. Weil sie sehr früh begann, an die Kraft von Liebe und Romantik zu glauben, verwendet sie ihre ganze Energie...

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Seit sie in die erste Klasse ging, wollte Michele Dunaway Schriftstellerin werden. Na ja sie wollte auch Nonne werden, aber dies Idee wurde schnell verworfen als sie feststellte, dass Jungen doch nett sind und auch keine Läuse haben. Während sie also nicht in die Fußstapfen ihrer Schwester trat, haftete der...
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