Das stolze Herz des Milliardärs

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Während einer unerwartet zärtlichen Nacht auf seiner Luxusjacht wird dem machtbewussten Baulöwen Cayo Vila klar, dass er seine Assistentin Drusilla liebt. Doch am nächsten Morgen erwacht er allein ...


  • Erscheinungstag 24.09.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547772
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Caitlin Crews

Das stolze Herz des Milliardärs

1. KAPITEL

„Natürlich werden Sie nicht kündigen. Das kommt gar nicht infrage“, sagte Cayo Vila ungeduldig, ohne von seinem modernen Schreibtisch aufzublicken. Das große Panoramafenster hinter ihm bot einen herrlichen Blick über London. Doch es war weniger die schöne Aussicht, die Cayo gefiel, sondern vielmehr das Wissen, von anderen darum beneidet zu werden. Je mehr andere Menschen begehrten, was Cayo besaß, desto wertvoller wurde dieser Besitz für ihn.

Drusilla Bennett fühlte eine enorme Erleichterung, dass sie von heute an nicht mehr dazugehören würde.

Dieser Mann hatte während der vergangenen fünf Jahre nahezu jeden Aspekt ihres Lebens beherrscht. Tag und Nacht, über alle Zeitzonen hinweg und bis in jeden Winkel dieses Erdballs, in den sich sein gigantisches Imperium erstreckte. Sie hatte ihm den Rücken freigehalten, sich um alles gekümmert und war als seine persönliche Assistentin ständig auf Abruf bereit gewesen.

Und sie hasste ihn. Oh, wie sehr sie ihn doch hasste.

Dunkle eisige Gefühle wallten in ihr auf. Jetzt, da sie die Wahrheit wusste, konnte Dru sich kaum noch vorstellen, dass sie einmal mehr für diesen Mann empfunden hatte. Doch das war nun egal, sagte sie sich streng, denn es war vorbei. Dafür hatte er gesorgt. Und zwar gründlich.

Sie spürte wieder diesen tiefen Kummer, der sie in den letzten Monaten seit dem Tod ihres Zwillingsbruders Dominic in den unpassendsten Momenten überkam. Das Leben zu meistern war für sie lange Zeit eine tägliche Herausforderung gewesen. Ihr Bruder hatte außer ihr niemanden gehabt. Und so hatte sie ihm während der Jahre seiner Abhängigkeit immer beigestanden. Sie hatte sich darum gekümmert, dass er gut versorgt war, und war für seine horrenden Arztrechnungen aufgekommen. Dominics Tod, die Einäscherung, sein trauriges Ende – mit alldem hatte Dru allein fertig werden müssen. Es war schwer gewesen. War es noch immer.

Ganz im Gegensatz zu ihrer Kündigung heute. Die fiel ihr leicht, und der Zeitpunkt war perfekt. Denn nachdem sie heute Morgen zufällig in den Akten entdeckt hatte, was Cayo getan hatte, blieb ihr nichts anderes mehr übrig, als zu kündigen. Etwas, das sie früher oder später sowieso getan hätte. Wahrscheinlich eher früher.

Dru legte ein Schreiben auf den Tisch ihres Chefs. „Hier ist meine schriftliche Kündigung“, sagte sie in dem freundlich-professionellen Ton, den sie sich während der letzten fünf Jahre zu eigen gemacht hatte. Und den sie, nachdem sie diesem Mann den Rücken gekehrt hatte, nie wieder anschlagen würde. Zugleich würde sie ihre kühle Distanziertheit ablegen, die sie wie einen Schutzschild vor sich hergetragen hatte. Sie würde endlich wieder chaotisch und emotional sein. Ja, und auch dramatisch! Schon jetzt fühlte Dru, wie ihre eiserne Selbstbeherrschung erste Risse bekam.

„Mit sofortiger Wirkung“, fügte sie hinzu.

Doch Cayo Vila war nicht irgendein Geschäftsmann. Er war der gefeierte Gründer und Firmenchef des millionenschweren Vila Konzerns mit einer beachtlichen Sammlung von Hotels, Airlines, Immobilien und Firmen, die alle dem Zweck dienten, sein Unternehmen noch größer und mächtiger werden zu lassen, als es ohnehin schon war.

Als dieser Mann nun von seinem Schreibtisch aufblickte, lag etwas Bedrohliches in seinem Blick.

Dru betrachtete die markanten Linien seines Gesichts, sein energisches Kinn, seinen sinnlichen Mund. Kein Wunder, dachte sie, dass die Frauen bei seinem Anblick ins Schwärmen geraten. Ihr stockte der Atem, als sie seinem Blick aus bernsteinfarbenen Augen begegnete. Trotz all der Jahre, die Dru so nah an seiner Seite verbracht hatte, konnte dieser Mann sie noch immer aus der Fassung bringen.

Die Luft schien im Raum zu vibrieren, und das weiträumige Büro mit seiner faszinierenden Aussicht über die Stadt wirkte plötzlich klein und beklemmend auf Dru.

„Wie bitte?“

Sie konnte den kleinen spanischen Akzent hören, der in seinen Worten mitschwang und Cayos Herkunft verriet. Für einen Moment schien sein feuriges Temperament aufzublitzen, das er normalerweise völlig unter Kontrolle hatte. Dru unterdrückte den ängstlichen Schauer, der ihren Rücken hinunterlaufen wollte. Sie nannten ihn nicht ohne Grund den spanischen Satan … Und Dru hielt dies noch für eine vergleichsweise freundliche Beschreibung ihres Chefs.

„Sie haben gehört, was ich gesagt habe“, antwortete Dru und fühlte sich gleich befreiter.

Er schüttelte abweisend den Kopf. „Ich habe keine Zeit für das hier. Schicken Sie mir Ihr Anliegen per Mail …“

„Doch, Sie haben Zeit“, unterbrach sie ihn und lächelte kühl. Dru war sich nur zu bewusst, dass sie Cayo Vila zum ersten Mal seit Beginn ihres Arbeitsverhältnisses ins Wort gefallen war. Und nicht nur ihr war dieser Umstand aufgefallen, erkannte sie an seinem fassungslosen Schweigen. Mutig sprach sie weiter. „Ich habe diese Viertelstunde extra in Ihrem Terminkalender freigehalten.“

Eine angespannte Stille trat ein. Dru wurde plötzlich ganz heiß unter seinem Blick, der bohrend auf sie gerichtet war.

„Ist das Ihre Art zu verhandeln, Miss Bennett?“

Sein Ton war ebenso kühl wie ihrer, sein mitternachtsdunkler Blick dafür umso heißer. „Worum geht es hier eigentlich? Wollen Sie ein höheres Gehalt?“

In sein offensichtliches Missfallen mischte sich ein dunkler Unterton.

„Dies ist keine Verhandlung, und ich möchte nicht mehr Geld oder sonst irgendetwas“, sagte sie mit wild klopfendem Herzen. Dru hoffte inständig, sie würde jetzt, da sie wusste, was er getan hatte, immun gegen ihn sein können. „Ich möchte nicht einmal ein Arbeitszeugnis.“

„Wenn Sie vorhaben, irgendwelche Betriebsgeheimnisse der Konkurrenz zu verraten“, begann er in einem geschäftsmäßigen Ton, „dann sollten Sie wissen, dass ich Ihnen das Leben zur Hölle machen werde. Darauf können Sie sich verlassen.“

Drus Magen krampfte sich zusammen. „Nichts ist mir lieber als eine gute Drohung“, erwiderte sie betont ruhig, obgleich sie bezweifelte, ihn damit beeindrucken zu können. „Aber sie ist überflüssig, denn ich habe nicht vor, zur Konkurrenz zu gehen.“

Sein Mund verzog sich zu einem zynischen Lächeln.

„Nennen Sie mir Ihren Preis, Miss Bennett“, sagte er mit rauchiger Stimme. Wie viele glücklose Rivalen hatten ihm schon gegenübergesessen und sich von ihm in den Bann ziehen lassen? Am Ende hatte er immer bekommen, was er wollte, denn in der Rolle des charmanten Schlangenbeschwörers war Cayo Vila einfach unschlagbar.

Aber Dru wollte keine seiner Schlangen sein, und sie hatte nicht vor, noch länger nach seiner Pfeife zu tanzen.

„Ich habe keinen Preis“, antwortete sie ehrlich. Noch vor einem Tag hätte ein Lächeln von ihm genügt, und sie hätte alles für ihn getan. Doch das war gestern. Heute konnte sie sich nur noch darüber wundern, wie gutgläubig sie doch gewesen war.

„Jeder ist ab einer bestimmten Summe käuflich.“

Und in seiner Welt, das wusste sie, war das richtig. Ein Grund mehr, warum sie ihm entkommen wollte.

„Es tut mir leid, Mr. Vila“, sagte sie und hob kurz die Schultern. „Ich nicht.“

Nicht mehr.

Dominic war tot. Sie war nicht mehr für das Wohlergehen ihres kranken Bruders verantwortlich. Und auch die brennende Sehnsucht nach Cayo Vila war verschwunden, nachdem sie zufällig herausgefunden hatte, was er wirklich über sie dachte.

Sein glühender Blick wanderte kurz über ihren Körper, über ihr braunes Haar, das sie kunstvoll hochgesteckt hatte, ihr dezent geschminktes Gesicht, ihre seidene Bluse, den eng anliegenden Bleistiftrock und die eleganten High Heels. Dru wusste, dass ihm gefiel, was er sah. Denn wie immer war sie ganz nach seinen Wünschen und persönlichen Vorlieben gekleidet und zurechtgemacht. Sie war gut darin geworden, diese Rolle für ihn zu spielen, seinem Ideal zu entsprechen. Sie hatte es so lange getan, dass sie es selbst im Schlaf noch beherrschte.

Aber damit ist es nun vorbei.

Cayos Gesichtsausdruck veränderte sich in dem Moment, in dem er realisierte, dass sie es wirklich ernst meinte. Seine Ungehaltenheit verschwand und machte etwas anderem Platz, etwas Berechnendem. Er lehnte sich in seinem imposanten Chefsessel zurück und strich sich nachdenklich über das Kinn. Wie ein Pokerspieler beherrschte er seine Körpersprache perfekt und setzte sie gekonnt ein, um seine Gegner einzuschüchtern. Ein Nein war keine akzeptable Antwort für einen Mann wie Cayo Vila. Jetzt begann die Sache für ihn erst interessant zu werden.

„Aber warum?“, fragte er scheinbar ruhig. Er schien seine Strategie geändert zu haben und versuchte es nun auf die sanfte und einfühlsame Tour, wahrscheinlich in dem Glauben, sie so besser manipulieren zu können, vermutete Dru. „Sind Sie unglücklich?“

Was für eine absurde Frage! Dru stieß ein trockenes Lachen aus, und seine Augen wurden schmal.

„Natürlich bin ich unglücklich“, antwortete sie. „Ich habe keinerlei Privatleben. Im Grunde habe ich seit fünf Jahren überhaupt kein eigenes Leben mehr. Stattdessen habe ich mich um Ihres gekümmert, und das fast rund um die Uhr.“

„Wofür Sie auch außerordentlich gut bezahlt worden sind“, gab er mit betonter Schärfe zurück.

„Ich weiß, dass Sie mir wahrscheinlich nicht glauben werden“, erwiderte Dru fast mitleidig, „aber es gibt noch ein Leben neben der Arbeit.“

Wie versteinert blickte er sie an.

„Geht es um einen Mann?“, fragte er mit einer Stimme, die seltsam fremd in ihren Ohren klang. Wieder lachte sie kurz auf. Er konnte ja nicht ahnen, wie nah er damit der bitteren Wahrheit gekommen war.

„Ich möchte eine Gegenfrage stellen. Wann soll ich die letzten Jahre bitte schön Zeit gehabt haben, um mich mit einem Mann zu treffen? Im Büro oder auf Dienstreisen? Oder während ich damit beschäftigt war, Abschiedsgeschenke an Ihre Exgeliebten zu schicken?“

„Ah, ich verstehe“, sagte er reserviert. Sein Lächeln war schneidend kalt, und Dru fühlte sich, als würde der Boden unter ihr schwanken. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Miss Bennett. Nehmen Sie sich eine Woche frei. Vielleicht zwei. Suchen Sie sich einen Strand und ein bisschen Ablenkung. Trinken Sie ein paar Cocktails und stillen Sie ihre körperlichen Bedürfnisse. So oft wie nötig.“

„Eine charmante Idee“, sagte Dru steif, während eine dunkle Woge der Erinnerung sie durchflutete. „Und natürlich schätze ich Ihr Angebot. Aber ich bin nicht wie Sie, Mr. Vila.“ So viele Jahre voller Sehnsucht und unterdrücktem Verlangen lagen hinter ihr. Sie dachte an die Hoffnung, die sie heimlich gehegt hatte, an ihre naiven Träume. Und an diese eine komplizierte Nacht in Cádiz vor drei Jahren, über die sie danach nie geredet hatten und über die sie auch nie reden würden. All das wirbelte gleichzeitig durch ihren Kopf. „Für Alphamännchen wie Sie mag das eine gängige Methode des Triebabbaus sein – aber nicht für mich. Ich habe Standards.“

Er blinzelte kurz, als hätte ihn der Schlag getroffen.

„Geht es Ihnen vielleicht nicht gut?“, fragte er mit unheilvoller Stimme und versteinerter Miene. „Oder haben Sie völlig den Verstand verloren?“

„Ich bin nur ehrlich, Mr. Vila“, erwiderte sie scharf, obwohl die Warnsignale in ihrem Kopf immer lauter wurden. Alles in ihr schrie danach, sich umzudrehen und aus dem Büro zu laufen. Doch sie sprach weiter. „Ich verstehe, dass Sie eine solche Ansprache nicht gewohnt sind. Vor allem nicht von mir. Aber das passiert, wenn man sich so rücksichtslos dominant verhält. Sie sind umgeben von angepassten Günstlingen und unterwürfigen Angestellten, die sich allesamt nicht trauen, Ihnen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Und das weiß ich deshalb so genau, weil ich mich selbst all die Jahre damit zurückgehalten habe.“

Eine beängstigende Stille trat ein. Sie sah, wie seine muskulöse Brust unter dem Hemd bebte, und erwartete, dass er jeden Moment vor Wut explodieren würde. Sein Blick war auf sie geheftet, finster und aufgebracht.

„Sie sollten sich Ihre nächsten Worte sehr genau überlegen, bevor Sie den Mund wieder aufmachen“, sagte er mit trügerischer Ruhe. Sein Gesicht war zu einer stoischen Miene gefroren. „Es könnte nämlich ansonsten sein, dass Sie es bitterlich bereuen.“

Dieses Mal war Drus Lachen echt.

„Und genau das ist es, was Sie nicht verstehen“, sagte sie, und zugleich verspürte sie eine eigenartige, fast befremdliche Heiterkeit in sich aufsteigen. Vielleicht lag es daran, dass sie ihm zum ersten Mal die Stirn bot? „Ich meine, was wollen Sie machen? Mich feuern? Nur zu, denn ich habe bereits gekündigt.“

Und zwar einen Job, der in erster Linie dazu gedient hatte, die Rechnungen von Dominic zu bezahlen. Und dann tat sie endlich, wovon sie seit Beginn dieses grässlichen Jobs geträumt hatte: Sie kehrte Cayo Vila, ihrem persönlichen Teufel, den Rücken und ging aus seinem Leben. Für immer.

Es war genau so, wie sie es sich immer vorgestellt hatte, nur der Konfettiregen und die Fanfaren fehlten.

Dru war schon im Vorraum bei der Tür, als sie hörte, wie er in steifem Befehlston ihren Namen rief. Automatisch blieb sie stehen, obwohl sie sich dafür hasste. Aber dies war das letzte Mal, dass sie ihm gehorchen würde, sagte sie sich.

Als sie einen Blick über ihre Schulter warf, durchfuhr sie ein kleiner Schreck. Sie hatte nicht bemerkt, dass Cayo Vila ihr gefolgt war, und nun stand er plötzlich unmittelbar hinter ihr, und sein stürmischer Blick ließ ihr Herz mit einem Mal schneller schlagen.

„Ich möchte Sie daran erinnern“, begann er in kühlem Ton, „dass Sie in Ihrem Arbeitsvertrag einer zweiwöchigen Kündigungsfrist schriftlich zugestimmt haben.“

Nun war es Dru, die überrascht blinzelte. „Das kann nicht Ihr Ernst sein.“

„Ich mag zwar in Ihren Augen ein triebgesteuertes Alphamännchen sein, Miss Bennett, aber das beraubt mich nicht der Fähigkeit, einen Vertrag zu lesen.“ Jedes seiner Worte war wohl platziert und traf sie wie ein Peitschenhieb. Doch viel schmerzhafter war sein intensiver Blick aus bernsteinfarbenen Augen, der sie an all die Dinge erinnerte, die sie lieber vergessen wollte. „Zwei Wochen – die, wenn ich mich nicht täusche, das große Geschäftsessen mit den Investoren in Mailand beinhalten.“

„Warum verlangen Sie das von mir?“ Die Hände an ihren Seiten zu hilflosen Fäusten geballt, wandte Dru sich ihm nun gänzlich zu. „Sind Sie wirklich so ein Ungeheuer?“

„Ich bin überrascht, dass Sie die Antwort darauf noch von keiner meiner unzähligen Exgeliebten bekommen haben, mit denen Sie ja anscheinend in so regem Briefkontakt stehen“, sagte er zynisch.

Er verschränkte die Arme vor der Brust und Dru wurde einmal mehr bewusst, welch unglaubliche körperliche Präsenz er doch ausstrahlte. Seine muskulöse Statur mit den breiten Schultern, seine Größe, und die Art, wie er auf sie heruntersah, all das wirkte ungemein einschüchternd. Selbst in seinem maßgeschneiderten Anzug, der eher einen lässigen Dandy-Look verkörpern sollte, sah er bedrohlich aus.

Aber Dru wollte nicht länger den Mann in ihm sehen. Sie wollte nicht an seine Hände auf ihrer Haut und nicht an seinen Mund auf ihren Lippen denken. Sie wollte lieber sterben, als ihm zu zeigen, dass sie noch immer etwas für ihn fühlte. Nein, diese Befriedigung wollte und durfte sie ihm nicht geben.

„Es gibt einen Spruch für Frauen, die nur wegen des Geldes mit einem Mann ins Bett gehen“, sagte Dru so ruhig, dass es sie fast selbst überraschte. „Er geht so: Am Ende bleibt dir kein Gewinn, nur taubes Herz und dumpfer Sinn.“

Er schien nicht darauf reagieren zu wollen, und trotzdem spürte sie, dass etwas zwischen ihnen geschah, etwas, das Dru augenblicklich nervös machte. Nur mit großer Mühe gelang es ihr, sich nichts von ihrer inneren Unruhe anmerken zu lassen, denn fast wäre sie einen Schritt zurückgetreten. Doch nur fast.

„Nehmen Sie sich den Rest des Tages frei.“ Sein rauer Ton war der einzige Hinweis auf die Wut, die zweifelsohne in ihm kochte. Eine Wut, die zügellos und ungebändigt alles im Umkreis vernichten konnte. „Dann sehe ich Sie morgen früh um halb sieben in meinem Büro, Miss Bennett. Und ich hoffe, Sie schaffen es bis dahin, Ihre neue Ehrlichkeit in den Griff zu bekommen.“

Und mit einem Mal sah Dru völlig klar, sie musste ihn nur ansehen und wusste es. Er würde niemals aufgeben. Er hatte noch nie ein Nein akzeptiert. Regeln existierten in seiner Welt nur, um gebrochen zu werden. Kein Hindernis war zu hoch, kein Weg zu weit. Und wenn er etwas haben wollte, dann nahm er es sich.

Cayo Vila hatte sie die ganze Zeit nur für seine Zwecke benutzt, und sie hatte es bis heute nicht einmal geahnt. Oder vielleicht doch? Ein kleiner Teil in ihr wünschte sich noch immer, sie hätte niemals diese Mail gelesen, niemals herausgefunden, wie sehr er ihrer Karriere vor drei Jahren geschadet hatte. Aber sie hatte es getan.

Trostlos und deprimierend sah sie ihr restliches Leben vor ihrem inneren Auge vorbeiziehen. Dass er darauf bestand, sie noch zwei weitere Wochen an sich zu binden, war grausam. Wenn sie seinen zwei Wochen zustimmte, dann konnte sie sich im Prinzip auch gleich hinlegen und sterben. Und zwar auf der Stelle. Denn er würde sie genauso sehr für sich vereinnahmen, wie er es auch die letzten fünf Jahre getan hatte, und es würde niemals enden. Niemals.

Dru wusste sehr genau, dass sie die beste Assistentin war, die er je gehabt hatte. Das konnte sie in aller Bescheidenheit von sich behaupten. Denn sie hatte einfach die beste sein müssen. Sie hatte das Geld gebraucht. Wie sonst hätte sie die horrenden Arztrechnungen von Dominic bezahlen können? Und noch immer war sie fest überzeugt, das Richtige getan zu haben. Egal wie wenig sie von ihrem Bruder dafür zurückbekommen hatte, egal wie leer und ausgebrannt sie sich nun fühlte. Dominic hatte nicht allein irgendwo auf der Straße sterben müssen. Und das war alles, was für Dru zählte.

Aber Dominic war nur der anfängliche Grund dafür gewesen, dass sie sich in diesem Job so unersetzlich gemacht hatte. Der zweite – und viel erbärmlichere – Grund waren ihre Gefühle für Cayo gewesen: Es hatte sie mit Stolz erfüllt, ihm eine so große Hilfe zu sein. Dabei war Cayo Vila wie ein schwarzes Loch, das alles und jeden um sich herum verschlang. Was war sie nur für eine Masochistin gewesen! Doch das war nun vorbei. Sie musste jetzt das einzig Richtige tun und die Chance ergreifen, ihr eigenes Leben wieder aufzunehmen.

Denn was würde geschehen, würde sie bleiben? Cayo würde weiter Dinge kaufen und verkaufen, Millionen machen und Existenzen zerstören. Und sie würde ihm weiter jeden Wunsch von den Lippen ablesen und sich dabei Stück für Stück selbst verlieren. Und all das nur, weil er an einem Abend in einer fernen Stadt Hoffnungen in ihr geschürt hatte. Hoffnungen, die sich nie erfüllt hatten.

Das Schlimme war, dass sie ihn so sehr gewollt hatte. Und wäre nichts dazwischengekommen, dann hätte sie auch weiterhin alles für ihn getan, nur um in seiner Nähe sein zu können. Während dieser einen Nacht in Cádiz hatte sie ihn von einer anderen Seite erlebt. Aber wie lange wollte sie sich daran noch festhalten? Seit drei Jahren nun hoffte sie Tag für Tag auf ein Zeichen von ihm.

Autor

Gefahren

  • Dieses Produkt enthält keine bekannten Gefahren.

Kontakt zum Herausgeber für weitere Informationen zur Barrierefreiheit

  • Weitere Informationen zur Barrierefreiheit unserer Produkte erhalten Sie unter info@cora.de.

Navigation

  • Dieses E-Book enthält ein Inhaltsverzeichnis mit Hyperlinks, um die Navigation zu allen Abschnitten und Kapiteln innerhalb dieses E-Books zu erleichtern.