Der Bodyguard und die Herzogin

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Dieser Auftrag ist der schwerste seiner ganzen Laufbahn: Commander Wade Stevens, Anwalt bei der Navy, muss die Herzogin Lorrania beschützen. Eine Frau mit so viel Power und erotischer Ausstrahlung hat er noch nie getroffen! Sie will Sex - ein verlockendes Angebot: Wie lange kann Wade ihr wiederstehen?
  • Erscheinungstag 16.12.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733754556
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

PROLOG

Wade Stevens spürte Blicke in seinem Rücken. Das war an sich nichts Neues für ihn, denn als Anwalt war er daran gewöhnt, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Aber dieses Mal war das Gefühl anders als sonst, irgendwie intensiver. Außerdem stand er nicht vor Gericht, sondern vertrat in offizieller Mission die Marinejustiz bei einem Diplomatenempfang. In seiner weißen Ausgehuniform fiel er unter den vielen anderen uniformierten Gästen sicher nicht besonders auf, trotzdem interessierte jemand sich offenbar ausgerechnet für ihn. Das weckte natürlich seine Neugier, und er drehte sich unauffällig um.

Der Festsaal von Blair House, gegenüber dem Weißen Haus gelegen und derzeit die Residenz von Fürst Alexis von Baronovia und seiner Tochter, der Herzogin Mary Louise, zu deren Ehren der Empfang gegeben wurde, war hell erleuchtet. Das Stimmengewirr der zahlreichen Gäste drohte die Klänge der Marinekapelle zu übertönen. Personal, tadellos gekleidet mit weißen Handschuhen, bot prickelnden Champagner und appetitliche Häppchen an. Hochrangige Diplomaten aus ganz Europa waren unter den Gästen, leicht erkennbar an ihren farbenfrohen Ordensbändern an der Brust, während amerikanische Würdenträger den konservativen Smoking als festlichen Anzug vorzogen. Zwischen ihnen versuchten Sicherheitsbeamte, sich mehr oder weniger unsichtbar zu machen – mit geringem Erfolg.

Die Damen hatten sich in der Mehrzahl für das übliche „kleine Schwarze“ entschieden, nur wenige zeigten Mut zur Farbe oder Lust auf Ausgefallenes. Die meisten trugen ein Vermögen an Schmuck um den Hals und an den Händen. Mit einer Ausnahme.

Die Frau zog Wades Blick wie magisch an.

Sie trug ein hochgeschlossenes Kleid aus fließendem weißen Chiffon, der mehr enthüllend als verdeckend ihren Busen umschmeichelte. Wade drohte sich in diesem angenehmen Anblick zu verlieren, rief sich jedoch sofort energisch zur Ordnung und nahm auch den Rest der Dame in Augenschein. Ihr Rock endete kurz über dem Knie und zeigte formvollendete Beine, die sich anmutig auf etwa zehn Zentimeter hohen Absätzen bewegten. Sie war die attraktivste Frau, die ihm seit sehr langer Zeit über den Weg gelaufen war.

Ihr dickes haselnussbraunes Haar hatte sie zu einem Knoten geschlungen, ein paar vorwitzige Strähnen hingen ihr in die hohe Stirn. Um den schlanken Hals trug sie eine schlichte Smaragdkette, die genau zur Farbe ihrer Augen passte. Ihre Haut hatte einen wunderschönen seidigen Schimmer.

Ihre Blicke trafen sich, und Wade wurde heiß, als sie ihr Champagnerglas grüßend in seine Richtung hob. Sie lächelte, und er ahnte, dass sie sehr genaue Vorstellungen davon hatte, was in ihm vorging. Ihre Augen blitzten auf, als erwiderte sie sein Interesse.

Wade fuhr mit dem Finger unter seinen Hemdkragen. Er kämpfte mit sich. Sollte er zu ihr gehen und sich mit ihr bekannt machen? Aber da wandte sie sich schon einem anderen Gast zu.

Wade ergab sich in sein Schicksal. Er hätte ja doch keine Chance bei ihr gehabt. Eine so schöne Frau war mit Sicherheit bereits vergeben. Schade. Denn er war davon überzeugt, dass er sich ihr Interesse nicht nur eingebildet hatte.

Eine Stunde später, als er gerade mit der Gattin eines Staatssekretärs tanzte, sah er die Frau in Weiß wieder. Sie blickte mit diesen unerhört grünen Augen zu ihm herüber, und wieder lächelte sie ihn an. Sein Herz setzte einen Schlag aus. Und dann war sie plötzlich verschwunden.

Aber er hatte das sichere Gefühl, dass das noch nicht alles gewesen war.

1. KAPITEL

„Das ist ein Scherz.“

Der Unterstaatssekretär, der Wade gerade in die Bibliothek von Blair House gebeten hatte, runzelte kaum merklich die Stirn. Wade straffte die Schultern und fügte hinzu: „Sir.“

Peter Logan nickte knapp. „Ich versichere Ihnen, Commander, dass ich niemals scherze. Sie werden Herzogin Mary Louise für die Dauer ihres Aufenthalts in Washington als Begleiter zur Verfügung stehen.“

„Und warum ausgerechnet ich?“ wollte Wade wissen. Er hatte die Militärakademie besucht und die Grundausbildung absolviert und dann Jura studiert. Jetzt war er Anwalt, und zu seinen Pflichten gehörte es seiner Ansicht nach keineswegs, irgendwelche Herzoginnen zu eskortieren, ganz gleich, woher sie kamen.

„Soweit ich mich erinnere, haben Sie eine Ausbildung als Leibwächter und diese Funktion auch schon ausgeübt.“

Wade räusperte sich. Sein kurzer Einsatz als Leibwächter hatte ihm mit Sicherheit zehn Jahre seines Lebens geraubt, und er war nicht sehr erpicht darauf, die Erfahrung zu wiederholen. „Damals sollte ich eine Zeugin in einem Gerichtsverfahren schützen. Und wie Sie sich vielleicht erinnern, Sir, hat meine Aktion die arme Frau fast das Leben gekostet.“

„Ich erinnere mich.“ Logans Miene ließ Wade jegliche Hoffnung auf Verschonung aufgeben. „Aber ich bin davon überzeugt, Commander, dass diese Erfahrung Sie gelehrt hat, Ihren Schützling keinen Moment aus den Augen zu lassen.“

Wade hatte das unbestimmte Gefühl, als hätte er noch nicht alles erfahren. Hinter der Geschichte steckte mehr. „Wollen Sie mir nicht mehr über die Herzogin erzählen?“

Logan lächelte und hätte Wade fast zugezwinkert. „Das Mädchen ist die Tochter von Fürst Alexis.“

Wade kniff die Augen zusammen. Er war mit drei kleineren Brüdern aufgewachsen und verstand absolut nichts von Mädchen, schon gar nicht wusste er, wie man sie bei Laune hielt. Abgesehen vom Kindermuseum, dem Zoo und dem Spielzeug- und Puppenmuseum fiel ihm nichts ein, was man mit Mädchen unternehmen konnte. Die Aussicht, mit der kleinen Herzogin durch Washington ziehen zu müssen, war Grauen erregend. Seine Kollegen würden sich ohne Ende lustig über ihn machen.

„Ich fürchte, Sie haben sich den Falschen für diese Aufgabe ausgesucht, Sir. Vielleicht sollten Sie sich eher nach einem Kindermädchen umschauen.“

Logan bekam einen Hustenanfall. Endlich hatte er sich wieder im Griff. Tränen standen in seinen Augen. „Ich glaube, ich sollte Sie ein wenig aufklären, bevor ich Sie mit der Herzogin bekannt mache.“ Er wies auf einen weinfarbenen Ledersessel. „Bitte setzen Sie sich.“

Schicksalsergeben gehorchte Wade. Logan nahm ebenfalls Platz.

„Um gleich auf den Punkt zu kommen: Der Fürst von Baronovia ist auf Einladung des Außenministeriums hier. Offiziell wohnt er mit seiner Tochter und seinem ganzen Gefolge in Blair House, weil Baronovia in Washington keine eigene Botschaft unterhält. Der tatsächliche Grund ist delikaterer Natur und muss streng vertraulich bleiben.“

Wade wurde ein wenig mulmig. Diese ganze Sache gefiel ihm ganz und gar nicht. „Und was ist das für ein Grund?“

„Im Augenblick kann ich Ihnen leider nicht mehr sagen, als dass dem Außenministerium daran gelegen ist, dass der Fürst und die Herzogin sich während ihres Aufenthalts sicher bewegen können und alles zu ihrer Zufriedenheit ausfällt. Als die Herzogin um Ihre Begleitung bat, war die einhellige Meinung, dass Sie die ideale Person dafür sind.“

„Aber warum ich? Ich kenne sie ja nicht einmal.“

„Weil wir wissen, dass sie bei Ihnen in Sicherheit ist.“

In Sicherheit? Wade richtete sich auf. Wenn man von ihm erwartete, Teil eines offenbar gefährlichen Unternehmens zu sein, hätte er gern mehr darüber erfahren. „Warum interessiert das Außenministerium sich für Baronovia, wenn es ein so kleines Land ist?“

Logan sah sich um, als wollte er sich vergewissern, dass sie wirklich allein waren, und senkte dann die Stimme: „Bisher haben wir nur Handelsbeziehungen zu Baronovia unterhalten. Doch angesichts all dieser Unruhen jetzt ist das Außenministerium sehr daran interessiert, dort einen Marinestützpunkt zu errichten. Darüber soll in diesen Tagen verhandelt werden.“

Wade runzelte die Stirn. „Und?“

Logan stand auf und fing an, in der Bibliothek auf- und abzugehen. „Dieser Marinestützpunkt soll eine Art Außenstelle unseres Landes werden, und dagegen wehren sich einige der kleineren Nachbarstaaten vehement. Unsere Anwesenheit stößt im Augenblick auf ziemlich große Ablehnung, und gewisse feindliche Elemente könnten versuchen, unsere Pläne zunichte zu machen und den Besuch des Fürsten zu stören. Ich gehe natürlich davon aus, dass diese Mitteilung unter uns bleibt“, schloss er.

Wade ließ sich zurücksinken. Das Letzte, was er im Moment brauchen konnte, war ein Kind, dessen Leben möglicherweise in Gefahr war. „Und wie stehen die Aussichten, die Herzogin aus Schwierigkeiten herauszuhalten?“

„Das liegt ganz bei Ihnen, Commander. Natürlich bekommen Sie Unterstützung vom Geheimdienst, aber die Verantwortung liegt im Wesentlichen bei Ihnen. Nach außen hin sind Sie allerdings einfach nur der Begleiter der Herzogin, der die Aufgabe hat, sie bei Laune zu halten. Ich erwarte von Ihnen vollen Einsatz. Verstehen wir uns?“

„Ja, Sir.“ Wade stand auf. Ihm war zwar noch immer nicht klar, warum ein Rechtsanwalt den Leibwächter einer herzoglichen Göre spielen sollte, aber es würde schon einen Sinn haben.

Logan gestattete sich ein verschwörerisches Lächeln. „Dann kommen Sie mit mir, Commander, damit ich Sie mit Ihrem Schützling bekannt machen kann.“

Die hohe Standuhr in der Ecke schlug elfmal. „Sollte die Kleine nicht längst im Bett sein?“

Logan hätte fast gelacht. „Ich muss Sie warnen. Ich glaube, auf Sie wartet eine Überraschung.“

Die prophezeite Überraschung erwies sich als Untertreibung des Jahres. Denn nicht ein Kind sollte er betreuen, sondern die junge Dame mit den aufregenden grünen Augen.

Logan ignorierte Wades verblüfften Blick. „Euer Gnaden, darf ich Ihnen Commander Wade Stevens vorstellen? Wie gewünscht, wird er Sie während Ihres Aufenthaltes in Washington begleiten. Commander, darf ich Sie mit Herzogin Mary Louise bekannt machen?“

Wie gewünscht? Von wem? Von der Dame selbst? Wade hatte sie vor dem heutigen Abend noch nie gesehen.

„Ich freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen, Commander Stevens“, sagte die Herzogin mit einem kleinen Lächeln und reichte ihm die Hand. „Ich freue mich sehr auf den Aufenthalt in Ihrer schönen Stadt – und auf Ihre Begleitung.“

Die beiden Vertreter des Geheimdienstes, die hinter der Herzogin standen, musterten Wade mit deutlichem Misstrauen, und so blieb ihm nichts anderes übrig, als seine Fragen zu verschieben, bis er mit der Herzogin allein war. „Es sieht so aus, als würde es eher ein nettes Gruppenerlebnis“, bemerkte er trocken.

Die Herzogin runzelte die Stirn. „Ich bin davon überzeugt, dass ich niemanden sonst brauche, solange ich in Ihrer Begleitung bin, Commander.“ Mit einer Handbewegung entließ sie die beiden Männer.

Sie blieben trotzdem stehen.

Auf Wade wirkte das Gehabe der Herzogin ernüchternd. Er würde ihr sehr schnell klar machen müssen, dass er hier das Kommando führte, wenn er für sie verantwortlich war. Er betrachtete sie abwägend. „Sie verzichten auf den Geheimdienst?“ Sie nickte, und er wandte sich Logan zu. „So wird es nicht gehen, Sir. Die Unterstützung des Geheimdienstes ist Teil des Abkommens. Sonst stehe ich nicht zur Verfügung.“

Logan räusperte sich. „Verzeihen Sie, Euer Gnaden, aber Washington ist zu gefährlich für Sie ohne ausreichenden Schutz. Doch ich verspreche Ihnen, dass unsere Männer sich im Hintergrund halten werden.“

Der herzögliche Gesichtsausdruck bestätigte Wades Meinung über die Dame. Sie war so halsstarrig wie schön. „Ich möchte Ihre schöne Stadt gern als ganz normale Touristin kennen lernen“, erklärte sie entschieden, wenn auch mit einem Lächeln. „Dazu brauche ich keinen Hofstaat. Ich bin davon überzeugt, dass der Commander mich ausreichend schützen kann.“ Sie legte die Hand auf Wades Arm. „Meinen Sie nicht auch?“

Wade unterdrückte ein Aufstöhnen. Zwar war die Herzogin nicht das verzogene Kind, wie er befürchtet hatte, aber das erschien ihm mittlerweile als das kleinere Übel. Denn so lästig Kinder sein konnten, so konnte man sie doch in ihre Schranken weisen. Die Herzogin war eine verwöhnte junge Frau mit einem Mund, der jeden Mann in Versuchung führen konnte, und wunderschönen Augen. Beides setzte sie sehr bewusst ein, um zu bekommen, was sie wollte. Damit umzugehen, bedurfte es größter Standfestigkeit.

Zum Glück hatte er als Mann und Anwalt genug Erfahrung mit weiblichen Waffen und war gegen ihre Wirkung gefeit. Trotzdem täuschte er sich keinen Augenblick darüber hinweg, dass ihm – mit oder ohne Hilfe von Geheimdienstleuten – keine leichte Aufgabe bevorstand.

In den zehn Jahren seiner Tätigkeit für die Marinejustiz hatte er schon manche Geschworenen dazu gebracht, sich auf seine Seite zu schlagen. Und dieser Fall war nicht anders. Früher oder später würden er und die Herzogin sich über die Anwesenheit der Geheimdienstleute einigen. Doch das musste nicht vor Publikum stattfinden.

„Vielleicht sollten die Herzogin und ich das unter vier Augen besprechen“, meinte er jetzt. „Euer Gnaden, würden Sie bitte mit mir kommen?“

Er bot der Herzogin seinen Arm und führte sie in die Bibliothek, bevor sie noch Zeit fand, Widerspruch anzumelden. „Ich möchte ungern mit Ihnen streiten“, begann er, sobald die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte, „aber das Spiel wird nach bestimmten Regeln gespielt, ob Ihnen das passt oder nicht.“

„Was für ein Spiel?“ Die Herzogin wanderte zur Bücherwand, zog ein Buch heraus und blätterte darin. „Was meinen Sie?“

„Mit Verlaub, Euer Gnaden, ich glaube, das wissen Sie sehr gut. Und es fängt schon damit an – und ich bitte Sie, mir meine unverblümte Ausdrucksweise zu verzeihen –, dass Sie von Ihrem hoheitlichen Ross heruntersteigen sollten. Ich habe nichts dagegen, dass Sie sich unsere Stadt anschauen wollen, aber Sie werden sich dabei auf Regeln einlassen müssen, und zwar auf meine Regeln. Und die erste lautet: Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst. Und“, fügte er grimmig hinzu, „Sie können sich die Verführungsnummer sparen. Die zieht bei mir nicht.“

Die Herzogin stellte mit einer heftigen Bewegung das Buch ins Regal zurück und drehte sich mit funkelnden Augen zu Wade um. „Sonst noch etwas, Commander?“

„Ja. Sie müssen aufhören, sich wie eine Herzogin zu benehmen, wenn Sie als Touristin durchgehen wollen.“

„Aber ich bin eine Herzogin!“

„Das bestreitet ja niemand. Aber ich dachte, Sie wollen, dass man Ihnen die Touristin abnimmt.“

Wade erwartete Protest, zumindest eine scharfe Entgegnung, doch zu seiner Verblüffung sah die Herzogin ihn nur eine Weile stumm an und nagte an ihrer Unterlippe. „Und wie wollen Sie es anstellen, eine normale Touristin aus mir zu machen, Commander?“, fragte sie schließlich.

Damit hatte sie ihn schachmatt gesetzt. Statt ihn sofort zu feuern, wie er gehofft hatte, hatte Herzogin Mary Louise von Baronovia beschlossen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Widerwillig zollte er ihr Achtung. Die Dame war intelligent und wusste, wann sie nachgeben musste. Umso mehr Grund hatte er, auf der Hut zu sein.

Er betrachtete ihr Cocktailkleid. „Zuallererst, Euer Gnaden, werden wir morgen früh in ein Kaufhaus gehen und Ihnen normale Kleider kaufen.“

Aber er hatte seine Zweifel. Ganz gleich, was die Dame anzog, „normal“ würde sie nie aussehen.

Sie zuckte die Achseln. „Wahrscheinlich haben Sie recht. Wenn Sie meinen, es hilft, bin ich einverstanden. Was noch?“

„Die Geheimdienstleute bleiben. Beide.“

Röte zog über ihr Gesicht, und einen Moment lang sah sie fast menschlich aus. „Aber die sind so furchtbar altmodisch. Alles, was ich bisher sehen wollte, haben sie mir verboten.“

In einer Stadt wie Washington gab es genügend Orte, die einem Leibwächter, der für die Sicherheit seines Klienten verantwortlich war, die Haare zu Berge stehen ließen. Anderseits: Was sollte der Herzogin schon passieren, wenn drei Männer auf sie aufpassten?

„Was wollten Sie denn gern sehen?“

„Das erfahren Sie morgen früh“, teilte sie ihm schnippisch mit und wandte sich zum Gehen.

„Ich habe keine Lust auf dumme Spielchen, Euer Gnaden“, entgegnete Wade ruhig. „Am besten stellen Sie eine Liste all der Orte zusammen, die Sie besichtigen wollen. Ich sage Ihnen dann, was ich für geeignet halte und was wir streichen müssen.“

Die Herzogin erstarrte förmlich, und ihre Augen wurden schmal. Wade sah ihr an, dass sie wütend war, aber das beeindruckte ihn nicht im geringsten. Er würde seine Pflicht tun, ob es ihr passte oder nicht. Zugleich musste er zugeben, dass sie umso schöner wurde, je wütender sie war – aber sie wirkte dabei so unnahbar, als käme sie von einem anderen Planeten.

Natürlich konnte sie ihm nichts vormachen. Sie mochte einer formalen Veränderung zugestimmt haben – erstaunlich schnell, wie er fand –, aber eigenwillige Frauen wie sie gaben nicht so schnell auf. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Dame wieder ihre Waffen einsetzte, um ihn in ihrem Sinne umzustimmen.

„Ich darf Ihnen versichern, Commander, dass ich keineswegs das verzogene Kind bin, für das Sie mich offenbar halten.“ Die Herzogin brachte es fertig, gleichzeitig sexy und eigensinnig zu wirken. „Und ich bin auch keineswegs so dumm, wie Sie anzunehmen scheinen. Ich möchte nur die Hauptstadt Ihres Landes auf meine Weise kennen lernen.“

„Dagegen habe ich nichts, solange der Geheimdienst zu unserer Besichtigungstruppe gehört.“ Dann stellte Wade die Frage, die ihm von Anfang an auf der Zunge brannte: „Warum haben Sie sich ausgerechnet mich als Begleiter ausgesucht?“

Die Herzogin betrachtete ihn kühl. „Weil ich den Eindruck hatte, dass Sie ein aufgeschlossener, lockerer Mensch sind. Wenn Sie zum Beispiel sagen, dass ich unauffälliger aussehen muss, glaube ich das.“

Wade hatte den Verdacht, dass sie niemals unauffällig aussehen würde, ganz gleich, was sie anhatte. Genauso wenig hätte er darauf gewettet, dass sie sich in den folgenden Tagen widerspruchslos seinen Anordnungen fügen würde. Aber diese Erkenntnis half ihm im Augenblick wenig.

Es wird ja vielleicht auch ganz interessant, mit einer Herzogin durch Washington zu ziehen, dachte er. Der Blick, den sie ihm zum Abschied schenkte, überzeugte ihn mehr denn je davon, dass keine einfache Zeit vor ihm lag. Sie war nach wie vor entschlossen, ihren Willen durchzusetzen, auch wenn sie sich vorübergehend einsichtig gab.

Als er ihr in den Ballsaal zurück folgte, wurde ihm ein wenig mulmig. Er würde ein paar Tage ihren Schutzengel spielen, aber wer schützte ihn vor ihr?

2. KAPITEL

Sie hatte ihm nicht die ganze Wahrheit gesagt.

Ihre Wahl war auf ihn gefallen, weil sie ihn attraktiv und sympathisch fand und den Eindruck gehabt hatte, dass es ihm mit ihr ebenso ging. Besonders die Lachfältchen um seine Augen hatten es ihr angetan. Sie bewiesen, dass er Humor hatte und das Leben genießen konnte. Er würde sie zum Lachen bringen, davon war sie überzeugt.

Und May, wie sie in privatem Kreis genannt wurde, hatte in ihrer Ehe wahrlich nicht viel Grund zum Lachen gehabt. Als sie neunzehn Jahre alt war, hatte ihr Vater sie aus Staatsräson mit einem um etliche Jahre älteren Cousin verheiratet, mit dem sie nicht glücklich geworden war. Vor einem Jahr war er einem Herzanfall erlegen. Jetzt war das Trauerjahr abgelaufen, und sie hatte die erste Gelegenheit genutzt, ihren Vater auf eine seiner Reisen zu begleiten. Und sie war entschlossen, aus dieser Reise ein aufregendes Abenteuer zu machen. Jetzt endlich hatte sie die Möglichkeit, wenigstens einen kleinen Teil ihrer Jugend nachzuholen und für wenige Tage die Freiheit zu erleben, die ihr als Mitglied der ersten Familie von Baronovia verwehrt gewesen war. Seit kurzer Zeit hatte sie einen Halbbruder und war damit endlich auch von der Last der Thronfolge befreit.

Das „Damenprogramm“, das vom Auswärtigen Amt für sie zusammengestellt worden war, zeichnete sich vorwiegend durch Langeweile aus, und sie war wild entschlossen, ihren eigenen Kopf durchzusetzen. Wenn sie zu diesem Zweck ihre Stellung benutzen musste, damit dieser Commander tat, was sie wollte, konnte sie es nicht ändern. Sie würde es allerdings bedauern, denn er schien ein sehr netter Mann zu sein – so wie sie hinter ihrer Fassade als befehlsgewohnte Herrscherin eine ganz normale Frau war. Unter anderen Umständen hätte dies eine viel versprechende Bekanntschaft werden können.

„Alles zur Zufriedenheit gelöst?“, erkundigte Unterstaatssekretär Logan sich.

„Könnte man sagen“, erwiderte Wade mit einem Blick auf die Herzogin.

„Sehr schön.“ Die Erleichterung in Logans Stimme war nicht zu überhören. „Was steht morgen auf dem Programm?“

„Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, Sir. Ich habe es mir zum Prinzip gemacht, grundsätzlich nicht über meine Pläne zu sprechen.“

„Ja, natürlich. Sie sind der Chef.“ Logan lächelte die Herzogin an. „Lassen Sie mich wissen, wenn ich noch etwas für Sie tun kann, Euer Gnaden.“ Er verneigte sich leicht und zog sich zurück.

Wade musste ein Lächeln unterdrücken. Logan machte ganz den Eindruck, als wären gerade größere diplomatische Probleme abgewendet worden. Wahrscheinlich wäre er selbst in eine Krise geraten, hätte er gewusst, dass sie morgen erst einmal ein Kaufhaus aufsuchen wollten, um passende Kleidung für die Herzogin zu kaufen.

Sie hatte sich bei Wade untergehakt und bedachte ihn mit geradezu schwärmerischen Blicken. Aber davon ließ er sich nicht täuschen. Sie spielte ihm etwas vor und versuchte ihn mit Charme zu betören, um dann ihren Kopf durchzusetzen. Er traute ihr kein Bisschen.

„Aber wir werden das Programm doch gemeinsam absprechen?“, gurrte sie mit honigsüßer Stimme.

Er antwortete nicht sofort, und das schien sie unsicher zu machen. Gut. Genau das war sein Ziel. „Das kommt ganz darauf an, was Sie sich vorgestellt haben.“

Sie zog ihre Hand zurück. „Ihre offiziellen Sehenswürdigkeiten habe ich alle schon auf der Fahrt vom Flugplatz gesehen. Ich will die andere Seite der Stadt kennen lernen.“

Autor

Mollie Molay
Nachdem sie einige Jahre in einem Logistikzentrum eines Lufttransportunternehmens gearbeitet hatte, entdeckte Mollie Molay, dass ihr das Schreiben von Liebesromanen, was sie nebenbei verfolgte, viel mehr Freude bereitete als ihre bisherige Tätigkeit. Also versuchte sie, ihr Hobby zu ihrem Beruf zu machen.
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