Eine zweite Chance aufs Glück

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Seine zärtlichen Berührungen wecken nie gekannte Gefühle in ihr. Dennoch hat Sandra den Eindruck, dass Kody einen Teil seines Lebens vor ihr verbirgt …


  • Erscheinungstag 10.09.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547703
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Amy Ruttan

Eine zweite Chance aufs Glück

1. KAPITEL

Natürlich. Ausgerechnet er musste heute Dienst haben.

Dr. Sandra Fraser stand vor der Notaufnahme des Rolling Creek Hospitals und sah dem nervigsten und gleichzeitig sexyesten Rettungssanitäter, dem sie in all ihren Jahren als Unfallchirurgin begegnet war, dabei zu, wie er seinem Kollegen half, die Tragbahre aus dem Rettungswagen herauszuziehen.

Kody Davis war ein hervorragender Notfallsanitäter. Zudem war der Mann äußerst attraktiv, und alle mochten ihn.

Nur schade, dass sie ihn hasste.

Hass ist ein starkes Wort. Du hasst ihn nicht.

Nein, sie hasste ihn nicht. Doch er ging ihr auf die Nerven, und es widerstrebte ihr, dass sie sich so zu ihm hingezogen fühlte. Er war vollkommen anders als die Männer, die sie in der Vergangenheit gedatet hatte – ein unverbesserlicher Charmeur –, und sie vermutete, dass er nichts anbrennen ließ.

Natürlich war das nur eine Annahme. Sandra wusste nicht, ob er tatsächlich ein Playboy war. Aber sie erinnerte sich nur zu gut an die Typen auf der Highschool und am College, die genauso lässig gewesen waren wie er. Sie alle waren Aufreißer gewesen, und von solchen Männern hielt sie sich fern.

Stattdessen entschied sie sich für ruhige, seriöse Typen.

Ja, genau, und wohin hat dich das gebracht? Du bist geschieden, und dir wurde das Herz gebrochen.

Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass sie Kody für einen Playboy hielt. Welche Frau hätte sich nicht zu ihm hingezogen gefühlt? Er war groß, mindestens eins achtzig, und bemerkenswert sportlich. Das musste er als Rettungssanitäter natürlich auch sein. Er hatte kurzes dunkles Haar und ein umwerfendes Lächeln – mit einem Zwinkern in den Augen, das ihr Herz immer einen Takt schneller schlagen ließ.

Und dann war da noch seine gedehnte Aussprache, typisch für die Südstaaten. Woher er genau kam, konnte sie nicht sagen. Definitiv nicht aus Texas. Sie konnte seinen Akzent nicht zuordnen, wusste nichts über seine Vergangenheit oder über sein Lieblingsessen.

Auch nicht, ob er eine Freundin hatte.

Sandra seufzte.

Konzentrier dich.

Schließlich war sie nicht auf eine Affäre aus. Im Gegenteil, sie war extra nach Austin gezogen, um ihren Kummer zu vergessen. Das Letzte, was sie brauchte, war ein heißer One-Night-Stand mit einem sexy Sanitäter.

Ach nein? Vielleicht brauchst du ja genau das.

Sandra schob diesen Gedanken beiseite. Sie musste sich auf ihren Patienten konzentrieren. Doch seit sie angefangen hatte, im Rolling Creek Hospital zu arbeiten, lief Kody ihr dauernd über den Weg. Hatte er denn nie Feierabend?

Wenn sie an so etwas wie Karma oder das Schicksal geglaubt hätte, wäre sie ziemlich sicher gewesen, dass es sich einen Spaß mit ihr erlaubte. Und das war einfach nicht fair. Immerhin hatte sie doch schon genug zu verarbeiten, oder?

„Was haben wir hier, Mr. Davis?“, fragte sie und versuchte, ihm gegenüber möglichst cool zu bleiben.

Kody sah sie an. Es schien ihm nicht zu gefallen, dass sie ihn mit seinem Nachnamen ansprach. Er mochte keine Förmlichkeiten, das wusste sie. Aber ihr war es lieber so, denn auf diese Weise konnte sie die Leute auf Abstand halten.

Als sie das letzte Mal jemanden an sich herangelassen hatte, war ihr Herz daran zerbrochen.

Diesen Fehler würde sie nicht wieder machen, auch wenn das bedeutete, dass sie hier in Austin keine Freunde haben würde.

„Luke McIver, vierzig Jahre alt. Saß auf dem Beifahrersitz, als der Wagen mit einer Kuh zusammengestoßen ist. Er war nicht angeschnallt und wurde durch die Windschutzscheibe katapultiert.“

Sandra riss die Augen auf. „Haben Sie ‚Kuh‘ gesagt?“

Kody nickte knapp. „Ja, mit einem Texas Longhorn. Der Fahrer hat leichtere Verletzungen davongetragen, aber Mr. McIver hat’s schlimmer erwischt.“

Sandra betrachtete den Patienten. Wahrscheinlich hatte er sich ein Schädeltrauma zugezogen. Kein Wunder, wenn er beim Aufprall durch die Windschutzscheibe geschleudert worden war. Sie machte sich daran, den Mann zu stabilisieren, und stellte fest, dass Kody bereits gute Arbeit geleistet hatte. Eins musste sie ihm lassen: Er war ein erstklassiger Notfallsanitäter. Bestimmt hatte er schon vielen Menschen das Leben gerettet. Eigentlich sollte sie sich glücklich schätzen, mit ihm arbeiten zu dürfen. Mitarbeiter wie er erleichterten ihren Job ungemein.

„Gut, dann bringen wir ihn in Schockraum drei.“

„Wird gemacht, Chefin.“

Sie zuckte zusammen, denn diese Anrede mochte sie gar nicht. Im Gegenteil, sie verabscheute sie. Sie erinnerte Sandra an ihr altes Leben in San Diego, ihren Herzschmerz und an gebrochene Versprechen. Doch bestimmt nannte Kody sie nur so, um sich für ihr distanziertes „Mr. Davis“ zu revanchieren.

Insgeheim war sie neugierig darauf, was sich hinter seinem smarten Äußeren verbarg. Dabei wusste sie genau, dass es besser war, auf Abstand zu ihm zu bleiben.

Konzentrier dich.

Kody half ihr, den Patienten in die Chirurgie zu bringen, wo ihre Assistenzärzte schon auf sie warteten.

Dr. Megan Coombs kontrollierte als Erstes den Blutdruck von Mr. McIver. „Siebzig zu fünfzig.“

„Wir dürfen ihn nicht verlieren“, sagte Sandra und machte sich an die Arbeit. Sie vertraute den Assistenzärzten, doch das hier war ihr Job. Das waren die Momente, für die sie lebte und in denen sie ihr ganzes Können zeigte.

Indem sie Leben rettete.

Sie würde Luke McIver nicht sterben lassen.

„Ich brauche sofort fünfhundert Milliliter Kochsalzlösung!“, rief sie. Sie musste den Blutdruck des Patienten erhöhen, damit er stabilisiert werden konnte. Erst dann konnten sie untersuchen, welche Verletzungen er erlitten hatte. Während einer der Assistenzärzte sich um die Lösung kümmerte, überprüfte sie die Werte des Verletzten. Seine Pupillen reagierten auf Licht, was ein gutes Zeichen war.

Sie hatten eine Chance, sein Leben zu retten.

„Blutdruck stabilisiert sich“, sagte Dr. Coombs.

„Gut“, erwiderte Sandra. „Dr. Coombs, Sie können ab hier übernehmen. Machen Sie ein CT. Untersuchen Sie den Patienten auf mögliche Hirnblutungen oder innere Verletzungen. Und geben Sie mir Bescheid, sobald Sie die Ergebnisse haben.“

Die Assistenzärztin nickte. „Wird gemacht, Dr. Fraser.“

Sandra zog ihre Latexhandschuhe aus und verließ den Raum. Kody stand im Flur und beobachtete die Arbeit des Teams durch die Scheibe. Zum ersten Mal fiel ihr auf, wie unglaublich blau seine Augen waren.

Verdammt, reiß dich zusammen, Sandra.

„Sie sind ja immer noch hier.“

Er grinste. „Sie haben mich ja auch noch nicht entlassen, Chefin.“

Sandra verdrehte die Augen und stopfte ihren OP-Kittel und die Handschuhe in den medizinischen Abfalleimer neben ihm. „Sie dürfen jetzt gehen“, erklärte sie und eilte mit schnellen Schritten davon.

Doch er folgte ihr.

„Warum mögen Sie mich eigentlich nicht?“

Sie blieb stehen und wandte sich zu ihm um. „Was reden Sie da?“

Sein Lächeln war verschwunden. „Ich bin gut in meinem Job und verstehe mich mit den meisten Leuten. Aber Sie scheinen mich nicht zu mögen.“

Sandra seufzte. „Nein, das stimmt nicht, Mr. Davis. Ich halte bei der Arbeit nur Abstand zu meinen Kollegen, das ist alles.“

„Ach, deshalb haben Sie also keine Freunde?“, fragte er.

Sie errötete. „Ich bin nicht hier, um Freunde zu finden. Sondern um Leben zu retten.“

Doch so schnell ließ er sich nicht abschütteln. „Ehrlich gesagt kommen Sie mir in letzter Zeit ein bisschen gestresst vor, Chefin.“

Sie runzelte die Stirn. „Bitte nennen Sie mich nicht so. Das mag ich nicht.“

Ihr Ex-Mann hatte etwas Ähnliches zu ihr gesagt, als sie vor ihm befördert worden war und als sie nicht schwanger werden konnte.

Er hatte gesagt, sie sei nur auf ihre Karriere aus, darauf, Chefin zu spielen. Und dass alles nur ihre Schuld sei.

Deshalb hatte Sandra vor vier Monaten San Diego verlassen, um in Austin neu anzufangen. Sie war zwar bereits seit zwei Jahren geschieden, doch es hatte lange gedauert, bis ihr klar geworden war, dass sie einen Neubeginn wagen musste. Hier in Austin war sie geboren und zur Adoption freigegeben worden. Hier hatten ihre Adoptiveltern sie gefunden, bevor sie mit ihr nach San Diego gezogen waren, und jetzt war sie zu ihren Wurzeln zurückgekehrt.

Eigentlich erwartete sie, dass Kody ihre Bitte einfach übergehen würde. Schließlich war es ja nur eine unbedachte Bemerkung gewesen.

„Tut mir leid“, sagte er stattdessen und wirkte aufrichtig betroffen.

„Wie bitte?“, fragte sie und konnte es kaum fassen.

„Wenn ich gewusst hätte, dass Sie es nicht mögen, Chefin genannt zu werden, hätte ich es nicht getan.“

„Wirklich nicht?“, fragte sie überrascht.

„Wirklich nicht. Sorry, Dr. Fraser.“

Sandra wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Aber seine aufrichtige Entschuldigung rührte sie.

Sie holte tief Luft. „Und ich weiß, dass Sie nicht gern Mr. Davis genannt werden. Daher möchte ich mich dafür bei Ihnen entschuldigen.“

Kody schüttelte den Kopf. „Das ist mir egal. Jedenfalls hoffe ich, dass unsere Zusammenarbeit nicht darunter leiden wird.“

„Natürlich nicht. Ich schätze es sehr, dass Sie sich bei mir entschuldigt haben.“

Kody lächelte sie an. „Prima. Dann bis später!“ Er nickte ihr noch einmal zu und verschwand in Richtung Notaufnahme.

Was war das denn?

Er hatte ihre Verteidigungsmauer durchbrochen, war ihr für einen Moment nahegekommen. Und obwohl es das Letzte war, was Sandra wollte, war sie doch froh darüber.

Kody blieb stehen und drehte sich noch einmal zu Dr. Fraser um, die gerade um die Ecke bog. Er hatte sie nicht verletzen wollen, ganz bestimmt nicht. Seit er sie vor vier Monaten zum ersten Mal gesehen hatte, war er von ihrer Schönheit überwältigt. Ihr dunkles Haar, das sie immer zu einem strengen Pferdeschwanz gebunden trug, und ihre dunklen Augen berührten ihn mehr, als ihm lieb war.

Sie lächelte nur selten, und er ging davon aus, dass sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hatte.

Kein Zweifel, Dr. Sandra Fraser faszinierte ihn. Sie war wie ein Buch, in dem er nur zu gern lesen würde. Obwohl sie für ihn tabu sein sollte.

Bestimmt war sie auf dem Weg in die Radiologie, wo die Ergebnisse des CTs auf sie warteten. Kody seufzte, als er an Mr. McIver dachte. Hoffentlich würde der Patient es schaffen.

Ihm war nie egal, was mit den Menschen passierte, die er ins Krankenhaus brachte. Seine Schwester Sally hatte schon oft zu ihm gesagt, dass er eigentlich Arzt hätte werden sollen.

Tatsächlich hatte er auf der Highschool mit dem Gedanken gespielt, Medizin zu studieren. Aber seine Freundin Jenny war überraschend schwanger geworden. Sie hatten geheiratet und waren beide Notfallsanitäter geworden. Nach der Geburt ihrer Tochter zogen sie von North Carolina nach Austin.

Doch dann erkrankte Jenny an Eierstockkrebs, als ihre Tochter erst zwei Jahre alt gewesen war. Sie hatte den Kampf gegen die Krankheit verloren, und damit waren all seine Zukunftspläne zunichtegemacht worden.

Einfach so.

Jetzt war er ganz allein mit Lucy, obwohl seine Schwester Sally ihn nach Kräften unterstützte. Es war ein äußerst glücklicher Umstand für ihn gewesen, dass Sally nach ihrer Scheidung ebenfalls nach Austin gezogen war. Allerdings plante sie nun, in naher Zukunft ihr Medizinstudium zu beginnen, und er wusste, dass sie dann nicht mehr so viel Zeit haben würde. Außerdem war sie inzwischen zu seinem besten Freund Ross gezogen, und die beiden waren offenbar sehr glücklich miteinander.

Seine kleine Schwester hatte es verdient, glücklich zu sein, und Ross war ein super Typ.

Trotzdem beneidete Kody die beiden, obwohl ihm klar war, dass eine Beziehung zu diesem Zeitpunkt für ihn nicht infrage kam. Denn er hätte es Lucy gegenüber nie verantworten können, wenn die Sache schiefging. Seit Jennys Tod hatte er zwar ein paar Dates gehabt, aber seine Tochter stand für ihn an erster Stelle, und so würde es immer bleiben.

Doch wenn er an Dr. Sandra Fraser dachte, beschleunigte sich sein Puls. Sie hatte ihn vom ersten Moment an berührt, und er wollte sie unbedingt näher kennenlernen.

Nur der Gedanke an Lucy hinderte ihn daran, den ersten Schritt zu machen.

Schlag sie dir aus dem Kopf.

Seufzend fuhr er sich durchs Haar und ging weiter in Richtung Notaufnahme.

„Mann, du warst ja lange weg“, sagte sein Kollege Robbie zu ihm. „Hat die Chefin dich etwa aufgehalten?“

Die anderen Sanitäter lachten, und Kody fühlte sich plötzlich unbehaglich. Denn wenn er gewusst hätte, dass Dr. Fraser nicht gern „Chefin“ genannt wurde, hätte er sie nie so genannt.

Schließlich wusste er, wie man sich fühlte, wenn man diskriminiert wurde. Er hatte indigene Wurzeln, seine Mutter war eine Cherokee gewesen.

„Hey, vergiss es, okay?“, sagte er zu Robbie.

Der sah ihn überrascht an. „Was denn?“

„Das mit der Chefin.“

Robbie zuckte mit den Schultern. „Ist doch nur ein Witz!“

„Ja, aber wir sind schließlich keine Kinder mehr. Und nein, sie hat mich nicht aufgehalten, sie hat sich darum gekümmert, den Patienten zu stabilisieren.“

„Tut mir leid“, lenkte Robbie ein. „Ich hab’s nicht so gemeint.“

Kody war froh, dass seine Schicht gleich zu Ende war. Er freute sich auf Lucy und hoffte, dass er zu Hause sein würde, bevor der Sturm losging, den sie im Radio angekündigt hatten.

Die Arbeit war heute besonders anstrengend gewesen, aber sie hatte ein gutes Ende gefunden, denn wenigstens hatten Dr. Fraser und er ein paar Worte miteinander gewechselt. Er bewunderte sie, wenn auch nur aus der Ferne.

Auf mehr konnte er nicht hoffen.

2. KAPITEL

„Daddy!“

Kody hob seine Tochter hoch und wirbelte sie herum. Inzwischen war Lucy sieben Jahre alt. Von Tag zu Tag schien sie Jenny mehr zu ähneln. Genau wie ihre Mutter hatte die Kleine hellblonde Locken und blaue Augen.

„Hey, du hast ja deine Fingernägel lackiert“, sagte er, als er sie wieder absetzte und den bunten Lack betrachtete.

„Ja, zusammen mit Tante Sally“, erwiderte Lucy.

„Schön, dass du endlich da bist“, sagte seine kleine Schwester, die in diesem Moment aus der Küche kam. „Ross wartet nämlich schon auf mich. Er fährt mich zum Krankenhaus.“

„Bitte entschuldige, aber ich hatte eine lange Schicht. Stell dir vor, wir hatten heute einen Patienten in der Notaufnahme, der mit einem Texas Longhorn zusammengestoßen ist.“

Sally sah ihn ungläubig an. „Mit einer Kuh?“

„Oh, nein! Ist die Kuh verletzt?“, fragte Lucy im selben Moment.

Kody bemühte sich zu lächeln. „Nein, der Kuh geht’s gut.“

Das war eine dicke Lüge, was seine Schwester offenbar gleich an seinem Blick erkannte, denn sie verzog das Gesicht.

„Ich habe dir Makkaroni mit Tomatensoße gemacht“, sagte sie.

„Wie nett von dir, danke.“

Doch natürlich merkte sie, dass ihm etwas auf der Seele lag, und sah ihn fragend an.

Kody dachte nicht daran, ihr etwas von der Begegnung mit Dr. Fraser zu erzählen, denn er wusste, dass sie ihn deswegen sofort aufgezogen hätte.

Im nächsten Moment erklang lauter Donner, dann prasselte der Regen wie wild gegen die Fensterscheiben.

Na großartig, das hatte ihm gerade noch gefehlt.

„Okay, dann lasse ich euch jetzt allein“, erklärte Sally und griff nach ihrer Tasche. „Vor mir liegt eine lange Schicht, bestimmt vierundzwanzig Stunden.“

„Das gehört zu unserem Job dazu“, sagte er, und sie nickte.

„Als ob ich das nicht wüsste.“ Sally ging zu Lucy und küsste sie auf den Scheitel. „Bis zum nächsten Mal, meine Süße.“

„Tschüss, Tante Sally.“

„Danke“, sagte Kody und brachte seine Schwester zur Tür. Dann sah er ihr nach, wie sie durch den Regen zu ihrem Auto lief.

Seufzend drehte er sich um und ging in die Küche. Nach dem Abendessen würde er Jennys Eltern anrufen, die zusammen mit ihnen von North Carolina nach Texas gezogen waren. Es konnte gut sein, dass er zu einem Noteinsatz beordert wurde, und dann musste er Lucy zu ihnen bringen.

Er war einer der wenigen Sanitäter, die für Einsätze in der Wildnis ausgebildet waren. Und es war nicht auszuschließen, dass dieser Sturm eine Flut auslösen würde.

Vielleicht sollte ich Lucy gleich zu ihnen bringen.

Er war sich sicher, dass man ihn zum Notdienst rufen würde. Die Frage war nur, wann. Wieder einmal war er sehr froh darüber, dass seine Schwiegereltern in der Nähe wohnten.

Zuerst war es ihm gar nicht recht gewesen, dass Ted und Myrtle ebenfalls nach Austin gezogen waren. Doch dann hatte er gemerkt, welche Vorteile das für ihn hatte. Ohne ihre und Sallys Hilfe hätte er das alles nie geschafft.

Als Jenny noch gelebt hatte, war seine Beziehung zu ihren Eltern stets ein bisschen angespannt gewesen, aber das hatte sich nach ihrem Tod geändert. Mittlerweile kamen sie Kody eigentlich wie zweite Eltern vor.

Er griff nach seinem Handy und rief seine Schwiegermutter an.

„Hey, ich bin’s.“

„Kody, wie schön, von dir zu hören. Du hast heute wahrscheinlich Bereitschaftsdienst, oder?“, fragte Myrtle.

„Ja, und ich befürchte, dass es oben in den Bergen flutartige Überschwemmungen geben wird.“

„Du kannst Lucy jederzeit vorbeibringen. Schließlich ist es schon eine Weile her, dass sie bei uns übernachtet hat.“

„Klasse, danke, Myrtle. Ich werde jetzt etwas essen und ein bisschen Zeit mir ihr verbringen, bevor ich sie zu euch fahre.“

„In Ordnung. Dann bis später!“

Kody beendete das Gespräch, stellte das Essen, das Sally für ihn vorbereitet hatte, in die Mikrowelle und ließ sich auf den Küchenstuhl fallen. Ein Blitzschlag erhellte den Himmel, und Lucy kam in die Küche gerannt.

„Hey, meine Süße, könntest du mir vielleicht den Parmesan aus dem Kühlschrank holen?“

„Na klar, Daddy.“ Lucy öffnete die Kühlschranktür, nahm das Stück Käse heraus und reichte es ihm. Er lächelte seine Tochter an. Sie erinnerte ihn so sehr an Jenny.

„Versprich mir, dass du dein Herz wieder öffnest“, hatte Jenny geflüstert.

„Wie denn? Wie sollte ich dazu fähig sein?“, hatte er erwidert.

Autor

Gefahren

  • Dieses Produkt enthält keine bekannten Gefahren.

Kontakt zum Herausgeber für weitere Informationen zur Barrierefreiheit

  • Weitere Informationen zur Barrierefreiheit unserer Produkte erhalten Sie unter info@cora.de.

Navigation

  • Dieses E-Book enthält ein Inhaltsverzeichnis mit Hyperlinks, um die Navigation zu allen Abschnitten und Kapiteln innerhalb dieses E-Books zu erleichtern.