Julia Collection Band 229

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Eine Weihnachtshochzeit in New York

Pünktlich zu Weihnachten wird in Manhattan Hochzeit gefeiert! Denn die schönsten Geschenke gibt es zum Fest der Liebe und die größten Wunder geschehen in der Heiligen Nacht.

Miniserie A WEDDING IN NEW YORK

WINTERZAUBER AM HUDSON RIVER von CARA COLTER

Endlich! Wedding-Planerin Alexandra hat die perfekte Location für die Hochzeit gefunden. Jetzt muss sie nur noch den sexy Besitzer Drew Parker davon überzeugen, ihr das Herrenhaus am winterlichen Central Park zu überlassen. Was der strikt ablehnt!

PIKANTES WIEDERSEHEN MIT DEM KRONPRINZEN von ELLIE DARKINS

Heißes Verlangen auf den ersten Blick! Dabei sollte Kronprinz Giovanni die bezaubernde Floristin Hailey eigentlich links liegen lassen. Schließlich verbringt er nur ein paar Tage in New York, um die Hochzeitsfeier seines besten Freundes mit vorzubereiten …

FEST DER LIEBE MIT DEM EX von SUSAN MEIER

Ausgerechnet Jack Adams! Schockiert erkennt Autumn, wer nicht nur ihr Tisch-, sondern auch ihr Tanzpartner auf der Hochzeit ihrer Freundin ist: der Mann, der sie einst nach einer Nacht der Leidenschaft ohne Abschied verließ. Diesmal muss sie ihm widerstehen!


  • Erscheinungstag 10.10.2026
  • Bandnummer 229
  • ISBN / Artikelnummer 9783751541237
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Cara Colter, Ellie Darkins, Susan Meier

JULIA COLLECTION BAND 229

Cara Colter

1. KAPITEL

Alexandra Harris besaß eine ausgezeichnete Vorstellungskraft. Besonders liebte sie es aber, wenn etwas noch besser oder spektakulärer war als in ihrer Vorstellung.

So wie im Fall von Parker&Parker. Die imposante Fassade des prachtvollen Gebäudes im Renaissance-Stil direkt am Central Park erinnerte an ein altehrwürdiges Herrenhaus, wenn nicht sogar an ein Schloss.

„Wie im Märchen …“, flüsterte sie ehrfurchtsvoll.

Alexandra fühlte sich sofort wohl. Denn Märchen waren, sowohl beruflich als auch privat, ihr Spezialgebiet. Nicht umsonst war ihre Firma Ever After die gefragteste Wedding-Planner-Agency in New York.

Ehrfürchtig schritt sie durch ein schwarzes schmiedeeisernes Tor, das auf beiden Seiten von einer hohen, perfekt gestutzten Hecke begrenzt wurde, die sich an diesem ersten Oktobertag bereits herbstlich verfärbte. In ihrer Fantasie sah Alexandra sie in zweieinhalb Monaten vor sich: blattlos, aber zehnmal so magisch, mit einer Million kleiner weißer Lichter bestückt, nicht zu Weihnachten, sondern zur Hochzeit des Jahrhunderts.

Zweieinhalb Monate mögen den meisten Leuten wie eine lange Zeit erscheinen, doch Alexandra wusste aus Erfahrung, wie schnell diese letzte Vorbereitungszeit für die Hochzeit vergehen würde.

Ivy Jenkins, Erbin des milliardenschweren Unternehmens Jenkins Inc., und Sebastian Davis, Geschäftsführer von New Yorks aufregendstem Tech-Start-up, würden den Bund fürs Leben schließen. Die beiden hatten sie als Organisatorin für dieses unvergessliche Event engagiert: The Christmas Wedding!

Weihnachten! Ein Thema, das ihr beruflich gut lag, aber persönlich belastet war durch eine bedrohliche Vorahnung, die sich einfach nicht abschütteln ließ.

Energisch befahl sie sich, damit aufzuhören. Sie hatte eine Hochzeit auszurichten, die sie, dem Himmel sei Dank, hundertprozentig in Anspruch nehmen würde. Denn eines stand felsenfest: Alles musste perfekt sein im Wettstreit der Reichen und Berühmten. Diese Herausforderung angenommen zu haben, war ein Risiko und bedeutete maximalen Stress, denn ihre einflussreichen Kunden konnten sie mit derselben Leichtigkeit bekannt und begehrt machen wie vernichten.

Eine steile und dauerhafte Karriere war untrennbar verbunden mit einem nicht nachlassenden Streben nach absoluter Perfektion. Für ein Karriere-Aus reichte ein einziger Fauxpas oder auch nur eine winzige Enttäuschung bei der Braut.

Was hätte Alexandra unter dieser Prämisse anderes machen können, als gleich nach den Sternen zu greifen und für diese Hochzeit Parker&Parker ins Visier zu nehmen? In ihren Augen der einzige Veranstaltungsort, der infrage kam. War es da ein Wunder, dass sie mit Fassungslosigkeit reagiert hatte, als Gabe Evans, der Veranstaltungsleiter des 1832 erbauten hochherrschaftlichen Gebäudes sie darüber informiert hatte, dass dort keine Hochzeiten stattfanden?

Keine Hochzeiten in diesem perfekten Ambiente, das dafür geschaffen zu sein schien? Alexandra war absolut schockiert und wollte es nicht wahrhaben.

Doch Mr. Evans Aussage nach zog Drew Parker, der Eigentümer dieser architektonischen Preziose, es offenbar vor, sie allein für Konferenzen und ähnliche Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.

Konferenzen? Horden von Kinderärzten oder Neurowissenschaftlern konnten sich derart horrende Mietkosten leisten? Veranstaltungen? So was wie langweilige Wohltätigkeitsbälle und nervtötende Auktionen für den guten Zweck? Nichts davon hatte das Flair und den romantischen Charme einer Liebe, die zwei Menschen für ein ganzes Leben lang miteinander besiegelten?

Alexandra wäre nicht da, wo sie heute karrieremäßig stand, hätte sie je ein Nein klaglos und ohne Widerspruch akzeptiert. Trotz des Zeitdrucks würde sie Gabe nicht aus ihren Klauen lassen, bis sie hatte, was sie wollte. Und jetzt, wo sie direkt vor dem Prachtbau stand, war sie davon überzeugter denn je. Nichts könnte perfekter sein! In ungefähr einer Stunde würden Ivy und Sebastian hier ankommen und den außergewöhnlichen Ort zum ersten Mal sehen, der die unverzichtbare Kulisse für ihren großen Tag abgeben sollte.

Und sie selbst würde Gabe heute zum ersten Mal persönlich treffen, der Scheck für die Kaution lag in ihrer Handtasche. Gabe hatte ihr eine Zusage für den vierzehnten Dezember gegeben und natürlich für die Tage davor. Den Vertrag hatten sie über einen Online-Unterzeichnungsservice abgeschlossen.

Alles war in bester Ordnung.

Warum es ihr so vorkam, als würde er ihrem Blick ausweichen und sich irgendwie wegducken, konnte sich Alexandra daher nicht erklären. Aber sie spürte ein seltsames Kribbeln im Nacken. Am Telefon hatte Gabe Evans immer so locker und charmant gewirkt und sich sogar ausgesprochen begeistert von der Promi-Hochzeit gezeigt.

Doch jetzt, im Nachhinein, fiel ihr ein, dass er ihr ab und zu etwas fahrig und abgelenkt erschienen war. E-Mails kamen später als avisiert, Rückrufe wurden vergessen, und wenn sie mit ihm sprach, konnte sie ihn teilweise kaum verstehen, weil er zu flüstern schien.

Trotzdem stand Alexandra jetzt nicht nur vor ihrem Wunschort, sondern auch kurz vor ihrem erklärten Ziel, mit dem Scheck in der Handtasche. Also schoss sie ihre Bedenken gnadenlos in den Wind. Ihr Job war es, sich um alles zu kümmern und was schiefgehen konnte, zu beheben, bevor es überhaupt als Problem definiert wurde.

Sie konnte es kaum abwarten, mit Gabe das gesamte Anwesen zu erkunden und die infrage kommenden Räumlichkeiten zu besichtigen. Sobald auch Sebastian und Ivy vor Ort waren, konnten sie die besten Locations auf dem Anwesen festlegen, für die Zeremonie, das Dinner, den Hochzeitstanz und die unverzichtbaren Fotos und Videos.

Und in den kommenden Tagen und Wochen könnte sie mit Gabe an der perfekten Symbiose aus traditioneller Weihnachtsdekoration und dem Weiß-Silber-Thema der Jenkins-Davis-Hochzeit feilen.

Versonnen betrachtete sie die prächtige Treppe, die sich im zunehmend breiter werdenden Bogen anmutig nach unten schlängelte. Sie konnte sich das Brautpaar bildhaft genau dort vorstellen: die Schleppe des prachtvollen Brautkleides, die über die Stufen floss. Das massive steinerne Geländer würden dicke Girlanden aus Kiefernzweigen schmücken, weiße Weihnachtssterne die Treppe flankieren …

Vielleicht doch keine Weihnachtssterne, da nicht sie, sondern Hailey Thomas, die sie in ein paar Tagen zum ersten Mal treffen würde, für die Blumendeko verantwortlich war. Hailey war, was florale Designs betraf, mindestens so bekannt und begehrt wie Alexandra in ihrer Hochzeitsplanung, und sie konnte es kaum abwarten, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Alexandra seufzte und warf einen Blick auf ihre Uhr. Sie war ein kleines bisschen zu früh, und so bog sie von der breiten, mit Kopfstein gepflasterten Allee ab in ein Gehölz, das einem das Gefühl vermittelte, mitten in New York einen Wald zu betreten. Und schon konnte sie sich dazwischen silberweiß geschmückte Tannenbäume vorstellen, die es zu einem absoluten Weihnachtszauber machen würden.

Gerade als sie auf die Allee zurückkehren wollte, schreckte sie ein unerwartetes Geräusch auf. Ein unterdrücktes Kinderlachen.

Das war unmöglich, sie hatte hier niemanden gesehen. Ob ihre lebhafte Fantasie auf diese märchenhafte Umgebung überreagierte?

So, wie manchmal ganz unerwartet ein Kind durch ihre Träume tanzte?

Sie riss sich zusammen. Heute war kein guter Tag, um an ein Kind zu denken, denn das … würde unweigerlich zu dem quälenden Gedanken führen: Was wäre gewesen, wenn …

Trotzdem suchte sie mit den Augen das Gebüsch ab. Nichts zu sehen, aber da war es wieder, atemlos, gedämpft. Ein Haufen welker Blätter bewegte sich verdächtig, dann sah sie einen winzigen schwarzen Lackschuh darunter hervorlugen.

Also hatte sie sich das glockenhelle Lachen doch nicht eingebildet, sondern war möglicherweise unwissentlich in ein Versteckspiel hineingeplatzt. Aber wo waren die anderen Kinder? Und wo die erwachsene Aufsichtsperson?

Alexandra schaute suchend um sich und sah dann auf ihre Uhr. Sie hatte keine Zeit zu verschwenden, aber ein ungutes Gefühl dabei, ein offenkundig kleines Kind in der riesigen Parker&Parker Gartenanlage sich selbst zu überlassen. Immerhin befanden sie sich hier nicht irgendwo auf dem Land, sondern praktisch im Zentrum von New York.

Erfahrung mit kleinen Kindern hatte sie ausreichend, da ihre Schwester und ihr Bruder sie mit einem halben Dutzend ebenso liebenswerter wie ausgelassener Nichten und Neffen beglückt hatten. Das war ihre Familie – und mehr als genug! Da wäre jede Sehnsucht nach etwas, das nicht hatte sein sollen, doch ebenso unsinnig wie undankbar, oder?

„So einen tollen Laubhaufen habe ich schon ewig nicht mehr gesehen“, rief Alexandra theatralisch aus. „Da muss ich einfach hineinspringen! Eins, zwei …“

„Nein, nein, du wirst mich zerquetschen!“

„Du meine Güte!“ Alexandra tat erschrocken. „Eine Fee!“

Und so sah das kleine Mädchen wirklich aus. Blätter hafteten an einer rosa Angora-Mütze und ihrem weißen Zopfmusterpullover, unter dem rosa karierten Rock trug sie eine pinkfarbene Strumpfhose.

Doch ihr herzförmiges Gesicht war das eines Engels. Unter der Mütze lugten dicke schwarze Locken hervor, dichte Wimpern umrahmten smaragdgrüne Augen, ihre runden Apfelwangen leuchteten.

Alexandra zuckte zusammen und dachte an etwas, das sie längst ad acta gelegt zu haben glaubte: Mein eigenes Baby wäre jetzt …

Ein brennender Schmerz drohte ihre Brust zu sprengen. Rasch verbannte sie ihn ins Nirwana … das Mädchen vor ihr konnte kaum älter als vier sein. Wo war die Aufsichtsperson?

„Ich bin keine Fee, und wer bist du? Ich hatte schon Angst, du wärst eine Hexe.“

„Oh, besten Dank … aber wenn du keine Fee bist, wer bist du dann? Um allein im Wald zu sein, erscheinst du mir ein wenig zu jung.“

„Ich verstecke mich vor meiner Nanny“, sagte das Kind verschwörerisch. „Und das kann ich sehr gut.“

Alexandra versuchte, sich ihre Besorgnis nicht anmerken zu lassen. „Wie lange hast du dich denn schon versteckt? Deine Großmutter sorgt sich bestimmt um dich.“

Die Kleine schien verwirrt. „Ich habe keine Granny.“

„Dann also deine Mutter? Jemand muss doch auf dich aufpassen.“

Jetzt biss sich die Kleine auf die Unterlippe und starrte auf den Boden. „Ich habe auch keine Mom. Sie ist tot.“

„Oh …“ Alexandra versuchte ihre Bestürzung zu verbergen und strich instinktiv über die runde Wange. „Das tut mir sehr leid.“

Der traurige Ausdruck verschwand, die Kleine hob das Kinn und musterte ihr Gegenüber. „Möchtest du meine Mommy sein?“

Was für eine Frage! Was sollte sie sagen, ohne dem Kind wehzutun oder falsche Hoffnungen zu wecken? „Nun … natürlich wäre ich gern deine Mutter, denn du bist wirklich reizend, aber man kann Mütter nicht aus einer Laune heraus im Wald suchen.“

„Ich weiß nicht, was eine Laune ist, aber ich hätte gerne eine Mommy, die in Blätter springt. Mein Daddy findet mich nicht lieb. Er sagt, ich bin ein kleines Monster.“

„Das war sicher ein Witz“, warf Alexandra ein.

„Oder wahr“, kam es sorglos zurück. Dann blitzte es schalkhaft in den Augen der Kleinen auf. „Würdest du denn meine Mutter sein wollen, wenn ich reizend und ein Monster wäre?“

Für ihre Größe und ihr vermutliches Alter war sie ungewöhnlich wortgewandt, ja, fast frühreif. Und da es auf ihre Frage keine sinnvolle Antwort gab, hielt Alexandra es für besser, sie zu ignorieren und sich um Wesentlicheres zu kümmern.

„Komm“, sagte sie schmeichelnd. „Lass uns deine Nanny gemeinsam suchen.“

Das kleine Monster sah nicht so aus, als würde es sich darauf einlassen, gab dann aber doch nach und akzeptierte mit einem Seufzer die angebotene Hand.

Da war es wieder, dieses Gefühl … Alexandra wurde ganz schwindelig vor Schmerz und Sehnsucht. Wie lächerlich! Sie verbrachte schließlich auch jede Menge Zeit mit ihren Nichten und Neffen und stürzte dabei nicht in unerwartete Trauer ab.

Das Kind kannte sich offensichtlich sehr gut in dem kleinen Wäldchen aus und führte Alexandra geradewegs auf den Weg zurück.

Die tiefe Stimme eines Mannes durchdrang die Stille. „Genevieve!“

Die Kleine kicherte.

„Das bist du, oder?“

Sie nickte.

„Es ist nicht schön, andere in Angst und Schrecken zu versetzen.“

„Ich weiß.“

Sie traten aus dem Schatten der Bäume auf die gepflasterte Allee. Ein Mann stand am oberen Ende der geschwungenen Treppe vor der Doppeltür aus Eichenholz, die zu Parker&Parker führte. Er ließ seinen Blick ängstlich über das Gelände schweifen und war offenkundig besorgt.

Und sehr attraktiv, wie Alexandra selbst aus der Ferne feststellen konnte.

Genaugenommen unfassbar attraktiv …

Etwa Mitte dreißig, so lässig gekleidet, wie es nur diejenigen fertigbrachten, die sich in ihrem Reichtum wohlfühlten, ohne damit protzen zu müssen: schmale dunkle Designer-Jeans und unter dem grauen Kaschmirpullover ein knackig weißer Hemdkragen.

Er war groß, auf jeden Fall über einen Meter achtzig, perfekt proportioniert, mit breiten Schultern, muskulöser Brust, einem flachen Bauch und langen Beinen.

„Wer ist das?“, fragte Alexandra etwas atemlos. Ihre Nanny ganz offensichtlich nicht!

„Das ist mein Dad.“

Natürlich … sein Haar war so schwarz wie das des Kindes, aber es fehlten die verspielten Locken seiner Tochter. Die leiseste Andeutung eines Schattens verdunkelte seine Wangen, und eine kleine Kerbe zierte das energische Kinn. Er sah außerordentlich gut aus, und Alexandra war sich nicht sicher, ob diese Wirkung durch eine gewisse Strenge in seinen Zügen verstärkt oder geschmälert wurde.

Das kleine Mädchen neben ihr schien wenig beeindruckt. Sie ließ Alexandras Hand los, hüpfte davon, drehte sich nach ein paar Metern zu ihr um, streckte ihr die Zunge raus und rannte dann auf ihren Vater zu. „Daddy!“, weinte sie auf. „Ich habe mich verlaufen …“

Ungeheure Erleichterung erhellte seine dunklen Züge. Er sprintete förmlich die Freitreppe herunter, um seine Tochter in den starken Armen aufzufangen.

„Sie hat mich gefunden.“ Genevieve zeigte auf Alexandra, die angesichts der rausgestreckten Zunge kurz zuvor froh war, dass dieses kleine Monster sie nicht noch einer Entführung bezichtigt hatte!

Die beiden kamen auf sie zu, das Kind offensichtlich zufrieden auf dem starken Arm des Vaters, die Ärmchen liebevoll um seinen Hals geschlungen.

Mit zunehmendem Erfolg in ihrem Business – eine Boulevardzeitung hatte sie gerade erst als Die Hochzeitsplanerin der Stars betitelt – traf Alexandra immer häufiger auf Prominente, Würdenträger, Sportstars, Unternehmer und sogar einen Prinzen! Kronprinz Giovanni würde einer der Trauzeugen auf der Jenkins-und-Davis-Hochzeit sein.

Und sie war tatsächlich stolz darauf, sich von niemandem einschüchtern zu lassen. Doch unter dem sengenden Blick aus den meergrünen Augen – den Augen seiner Tochter, nur dass letztere wesentlich unschuldiger wirkten – fühlte sie sich wie ein Teenager, der unversehens auf seinen heimlichen Schwarm trifft.

Da war es wieder, dieses unsinnige Verlangen, und er war absolut der Typ Mann, der solche Sehnsüchte in ihr weckte. Nach jemandem zum Festhalten, nach jemandem, mit dem man bis tief in die Nacht reden konnte.

Wünsche oder Träume, die er unter Garantie in jeder Frau, die ihm begegnete, weckte. Er war sich seiner Männlichkeit hundertprozentig bewusst, absolut atemberaubend und … einfach umwerfend. Die Lässigkeit, mit der er das kleine Mädchen trug, verstärkte noch seine Anziehungskraft.

Doch ungeachtet des Kindes auf seinem Arm, das sich jetzt offenkundig wohlfühlte, hatte er nichts Weiches an sich, sondern wirkte extrem kühl, geradezu einschüchternd.

Alexandra warf einen Blick auf ihre Uhr. Verdammt! Sie würde zu spät zu ihrem Termin kommen, war aber zugleich froh, der beunruhigenden Ausstrahlung dieses Mannes entfliehen zu können, ohne unhöflich zu wirken. Was hatten diese vermaledeiten Sehnsüchte auch für einen Sinn? Keinen, entschied sie energisch, zumal ich längst geglaubt hatte, sie ein für alle Mal ad acta gelegt zu haben.

„Hallo.“ Seine dunkle Stimme war Sinnlichkeit pur, und Alexandra spürte, wie sich ihre Nackenhärchen sträubten. Er streckte eine Hand aus. „Ich bin Drew Parker.“

„Von … von Parker&Parker?“, stammelte sie.

So würde sich nicht mal ein alberner Teenager aufführen! Was war nur mit ihr los? Warum dachte sie plötzlich völlig grundlos über ihr Outfit nach: professioneller schwarzer Blazer über einem rauchfarbenen Kaschmirpulli zur schwarzen Bleistifthose. Und warum wünschte sie sich unsinnigerweise, ihre Ballerinas gegen High Heels eintauschen zu können? Oder dass sie ihr Haar offen tragen würde, anstatt es zu einem respektablen Knoten hochgesteckt zu haben? Sie musste sich unbedingt zusammenreißen!

Ganz kurz verdunkelten sich die meergrünen Augen des Mannes vor ihr. „Ja, das sind wir beide … Parker&Parker“, sagte er und drückte seine kleine Tochter kurz an sich.

Alexandra erinnerte sich an die Worte des kleinen Mädchens: Ich habe auch keine Mom. Sie ist tot.

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Mr. Parker.“

„Drew, bitte.“

Alexandra ergriff seine Hand, spürte mühsam zurückgehaltene Stärke und schluckte krampfhaft. Sie hatte sich schon einmal von Verlangen leiten lassen, und es hatte ihr Leben in Schutt und Asche gelegt.

Es jetzt wieder zu spüren, war eine Warnung, keine Einladung!

„Was für einen wunderbaren Besitz Sie haben“, sagte sie, um von sich abzulenken.

„Ja …“ Er wandte den Kopf und warf einen Blick über die Schulter auf das Gebäude hinter ihm. „Es ist so, als ob man eine Katze besitzt. Du bist nicht wirklich ihr Herr. Sie besitzt dich und wird es dir nicht verzeihen, wenn die Behandlung nicht ihrem hohen Standard entspricht.“

Eine ebenso fantasievolle wie bildhafte Art, den prachtvollen Besitz zu beschreiben, was bewies, dass er nicht nur attraktiv, sondern auch intelligent war, was ihn nur noch unwiderstehlicher machte. Trotzdem blieben Tonfall und Blick kühl und erinnerten Alexandra daran, dass sie geschäftlich hier war und nicht …

„Ich bin Alexandra Harris.“

Kein Anflug von Erkennen huschte über seine dunklen Züge. Wahrscheinlich war er als Eigner gar nicht ins Tagesgeschäft involviert.

„Sie würde gerne meine Mommy sein“, verkündete Genevieve überraschend.

Alexandra versuchte, die eine erhobene Braue zu ignorieren, und spürte, wie sich ihre Wangen verfärbten. „Das ist reichlich … aus dem Zusammenhang gerissen.“

„Ein Wettbewerb!“, quietschte seine kleine Tochter und klatschte in die Händchen. „Für eine neue Mommy.“

„Du veranstaltest keine Wettbewerbe für eine Mommy“, sagte Drew rau und maß Alexandra mit einem Blick, der sie zur Schuldigen in dieser Sache machte.

„Aber das ist eine tolle Idee!“ Genevieve legte ihre Patschhändchen auf die Wangen des Vaters und zwang ihn, sie anzusehen. „Sie muss in Blätterhaufen springen, Kekse backen und Gutenachtgeschichten erzählen können.“

Alexandra schluckte mühsam. Also genau die Art von Mutter, die sie sich einst gewünscht hatte, sein zu können.

„Ich will eine lebendige Mommy.“

Und sie hatte sich ein lebendes Baby gewünscht. Das Leben war so grausam …

Dass auch Drew Parker sich der Launen des Schicksals sehr bewusst war, zeigte sich an dem Schatten, der seine markanten Züge verdunkelte. Alexandras Herz, das ohnehin bereits ganz oben im Hals schlug, fühlte sich an, als müsse es brechen.

Wenn sie seine angespannte Miene richtig interpretierte, war der Wunsch des Kindes nach einer Mutter das Einzige, was er seiner Tochter nicht erfüllen würde: eine lebendige Mommy.

Er sah aus wie ein Mann, der sein Herz nur einmal verschenkte. Und für immer.

Diese Erkenntnis erfüllte Alexandra überraschend mit einem Gefühl des Versagens. Auch sie hatte dieses ewige Gelübde einst abgelegt und daran geglaubt.

Jetzt war sie hier … und geschieden.

Während sie unauffällig seine starre Miene musterte, fragte sie sich, wie es sein mochte, von jemandem geliebt zu werden, der die Liebe so hochhielt, dass es sie für ihn nur einmal im Leben gab. Und wie es sich anfühlen mochte, diejenige zu sein …

Alexandra lächelte nervös, als ihr bewusst wurde, dass Genevieve sie vom Arm ihres Vaters aus immer noch mit dem eifrigen Interesse eines Kindes beäugte, das verzweifelt Kandidatinnen für eine Mommy-Challenge suchte.

„Oh …“ Alexandra schaute auf ihre Uhr. „Ich … ich habe einen Termin mit Gabe Evans. Vielleicht wären Sie so freundlich, mir den Weg zu seinem Büro zu zeigen?“

„Tut mir leid, Gabe ist heute nicht hier.“

Das Gefühl einer drohenden Katastrophe überfiel sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel. „Nicht hier?“

„Der Zustand seiner Mutter hat sich verschlechtert, weshalb er sich beurlauben lassen hat“, erklärte Drew Parker.

Und Gabe war nicht einmal auf den Gedanken gekommen, sie anzurufen? Was sie gerade gehört hatte, ließ auf eine längere Krankheit seiner Mutter schließen. Das würde auch sein seltsames Verhalten erklären, die Fahrigkeit und sein Flüstern am Telefon.

„Das tut mir leid zu hören“, sagte sie mit erzwungener Ruhe. „Trotzdem gibt es einige Fakten, die es hier und heute zu klären gilt. Wer vertritt Gabe denn während seiner Abwesenheit?“

Ein spitzer Schrei schreckte sie alle auf, und als Alexandra sich umwandte, sah sie eine junge Frau in gelbem T-Shirt, Yogahose und Turnschuhen auf sie zustürmen. „Mr. Parker … dem Himmel sei Dank! Sie haben den kleinen Ausreißer eingefangen. Da bist du ja, Genevieve! Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen.“

Das war also ihre Nanny. Sie sah aus wie eine patente junge Frau, die vor Sorge fast den Verstand verloren hatte.

„Es tut mir leid, Mr. Parker“, entschuldigte sie sich hastig. „Wie gesagt, als ich sie vermisst habe, war ich nur kurz auf der Toilette gewesen. Ganz ehrlich, nicht länger als fünf oder zehn Minuten.“

„Sie hat mit ihrem Freund telefoniert“, klärte Genevieve die Anwesenden sonnig auf.

Drew Parkers Miene verfinsterte sich, und Alexandra dachte in einem Anflug von Feigheit, wie froh sie sein konnte, dass nicht sie bei ihm in Ungnade gefallen war.

„Miss Carmichael“, sagte er mit klirrender Stimme. „Sie wurden mir vom besten Nanny-Service in New York wärmstens empfohlen.“

Die Unterlippe der jungen Frau begann zu zittern.

„Und Sie haben Ihre Schutzbefohlene aus den Augen verloren, weil Sie telefoniert haben?“

„Nicht nur“, versuchte sich die Ärmste zu verteidigen. „Ich war auch auf der Toilette. Ich meine, ich kann Genevieve ja schlecht dorthin mitnehmen. Aber es wird nicht wieder vorkommen, Mr. Parker, das verspreche ich hoch und heilig.“

Die junge Nanny war absolut fertig mit den Nerven, während Genevieve nicht unzufrieden mit sich und der Situation zu sein schien.

Halte dich da raus, warnte Alexandra sich selbst, allerdings umsonst.

„Um Miss Carmichael gegenüber fair zu sein, Genevieve war nicht verloren. Ich fand sie dort drüben zwischen den Bäumen, wo sie sich vor ihrer Nanny unter einem Haufen Blätter versteckt hat.“

Während Miss Carmichael ihr dankbar zulächelte, warf Genevieve ihr einen Blick zu, der besagte, dass sie von der Mommy-Kandidatinnenliste gestrichen war.

„Stimmt das?“, wandte sich Drew ernst an seine kleine Tochter, nachdem er Alexandra einen Moment nachdenklich gemustert hatte. „Bist du deiner Nanny weggelaufen, als sie auf der Toilette war?“

„Ich wollte nichts Böses tun …“

„Nein …“, sagte ihr Vater mit einem Seufzer, der zwischen Zuneigung und Verzweiflung schwankte. „Es passiert dir immer wieder einfach so.“

„Ja, ich weiß auch nicht, warum“, murmelte seine kleine Tochter, barg den dunklen Lockenkopf an seiner Schulter und steckte den Daumen in den Mund … übergangslos und – wie Alexandra argwöhnte – eine Spur berechnend.

„Wie wäre es, wenn du mit Miss Carmichael ein Eis essen gehst?“, schlug ihr Vater sanft vor.

Sofort erwachte Genevieve wieder zum Leben und strebte vom Arm des Vaters herunter. „Ich mag das mit den pinken Streifen am liebsten“, verkündete sie munter.

Halt dich da raus, ermahnte sich Alexandra erneut, brachte es aber nicht fertig. „Ich finde nicht, dass Eiscreme eine angemessene Konsequenz für die Flucht vor ihrem Kindermädchen ist.“

Drew starrte sie ebenso fassungslos an wie seine Tochter. Offensichtlich war ein Mann in seiner Position nicht daran gewöhnt, ungebetene Ratschläge von Fremden zu erhalten, besonders wenn darin noch ein dezenter Verweis enthalten war.

„Und woher beziehen Sie Ihr Fachwissen über Kindererziehung?“, fragte Drew Parker kühl. „Haben Sie eigene Kinder?“

„Ich bin nicht verheiratet.“ Was sollte das denn? Er hatte sie nur nach Kindern gefragt, oder? „Geschieden“, fügte sie spröde hinzu.

Genevieves Vater wirkte so unbeeindruckt, dass sie einfach weiterstammelte. „Mein Bruder hat vier Kinder und meine Schwester zwei. Entschuldigung, ich weiß, dass mich das nicht automatisch in die Lage versetzt, weise Ratschläge zu Kindererziehung zu geben …“

„Das sehe ich genauso“, bestätigte Drew knapp. „Aber wenn Sie schon mal dabei sind, verraten Sie mir doch, wie Ihr Bruder oder Ihre Schwester mit einer solchen Situation umgehen würden.“

Alexandra hielt das für einen perfekten Zeitpunkt, um sich dafür zu entschuldigen, dass sie ungefragt ihre Meinung kundgetan hatte. Andererseits … obwohl er kein Mann war, der unbedingt Mitleid erweckte, würde er es zukünftig schwer mit seiner Tochter haben, wenn er das Kind für ein Fehlverhalten auch noch belohnte.

Vielleicht ein kleiner Wink, bevor sie sich dezent zurückzog?

„Ganz abgesehen davon, dass sowohl mein Bruder wie auch meine Schwester nie auf den Gedanken kämen, weder zur Toilette gehen noch telefonieren zu können, ohne dass ihnen einer ihrer Sprösslinge von der Fahne geht …“

„Okay, aber angenommen, es würde doch mal vorkommen?“

„Nun, Shaun hätte keine Scheu, auch mal seine Stimme zu erheben, um sich nachhaltig verständlich zu machen“, sagte Alexandra und sah, wie Drew zusammenzuckte. „Es ist nicht in Ordnung, einfach so wegzulaufen, und schon gar nicht mitten im Zentrum von New York City. Meine Schwester würde wahrscheinlich eine Lieblings-TV-Serie von der Tagesordnung streichen … für mindestens eine Woche.“

Drew wirkte immer noch verärgert. Oder sogar beleidigt? Auch die vorgeschlagenen Strategien schienen ihn nicht zu beeindrucken. Trotzdem wandte er sich nur Sekunden später seiner Tochter zu und musterte sie nachdenklich. „Also, kein Molly-Mood-Ring, eine Woche lang. Oder für immer, falls du Miss Carmichael wieder davonläufst.“

Die Nanny war offensichtlich erleichtert, dass er sie auf die Zukunft bezogen erwähnte, während Genevieve das dunkle Köpfchen aufwarf und Alexandra aus ihren grünen Augen giftig anfunkelte. „Ich will dich nicht mehr als meine Mommy haben!“

„Ach, wie schade …“

Drews Tochter nahm die Hand ihres Kindermädchens und marschierte mit erhobener Nase davon.

„Nun, Miss Harris … oder heißt es Mrs. Harris? Tut mir leid, aber mit der korrekten Anrede nach einer Scheidung bin ich nicht vertraut.“

Ob Drew Parker von Natur aus so steif und distanziert war? Oder verurteilte er sie wegen ihrer Scheidung?

„Ich habe wieder meinen Mädchennamen angenommen“, erwiderte sie. Die Versuchung, ihm ihre Geschichte zu erklären, war nahezu übermächtig: Eine übereilte College-Ehe wegen einer unerwarteten Schwangerschaft. Eine Ehe, die eine Tragödie nicht überleben konnte … „Also Miss, aber Alexandra tut es auch.“

„Okay, Alexandra … Sie suchen nicht zufällig eine Stelle als Nanny?“

Sollte sie das etwa als Fortschritt werten?

„Nein.“ Sie schaute an sich herunter, zupfte am Aufschlag ihres Blazers und lächelte Drew Parker strahlend an. „Als ich das heute Morgen anzog, betrachtete ich mich noch als eine hochrangige Führungskraft. Entschuldigung, aber ich bin definitiv niemand, der sein jetziges Leben für einen Nanny-Posten opfern würde, so ehrenhaft diese Arbeit auch sein mag.“

„Nur fürs Protokoll, Miss …“, kam es im selben Ton zurück. „Normalerweise biete ich keiner Fremden einen Vertrauensjob an. Ich wollte nicht Ihre Professionalität in Zweifel ziehen, aber Sie wirkten so natürlich und … gesund im Umgang mit Kindern.“

Natürlich? Gesund?

Sobald sie zu Hause war, würde sie dieses gesamte Outfit in den Müll werfen! Nicht, dass sie etwas gegen Attribute wie natürlich und gesund hätte … aber im Zusammenhang mit diesem Mann?

„Sie haben tatsächlich etwas an sich, das an Dinge erinnert wie in Blätterhaufen zu springen, an Kekse und Gutenachtgeschichten. Genevieve hat es instinktiv gespürt.“

Fast hätte Alexandra frustriert aufgestöhnt. Es war absolut demütigend für ihre Intelligenz und ihren Ehrgeiz, dass sie insgeheim lieber von ihm gehört hätte, wie aufregend und sexy er sie fand! Andererseits klang das, was Drew Parker beschrieben hatte, unglaublich attraktiv: sich von Leistungsdruck und Stress befreien, um in Blätterhaufen zu springen, Kekse zu backen und Gutenachtgeschichten vorzulesen.

Und vor allem … Drew Parker war als alleinerziehender Vater offensichtlich heillos überfordert. Wäre es nicht für beide Seiten lohnend, ihn in dieser Hinsicht zu unterstützen, ganz zu schweigen von dem zu erwartenden Spaß?

Himmel, wohin verirren sich meine Gedanken da gerade?

„Ich liebe meine jetzige Karriere“, erklärte sie mit möglichst fester Stimme. „Und ich denke, Miss Carmichael ist mehr als fähig, diesem Job gerecht zu werden.“

Sein enttäuschter Blick war dazu angetan, eine weitaus stärkere Frau als sie ins Wanken zu bringen.

„Also gut …“ Drew Parker fuhr sich mit der Hand durchs Haar, wieder ganz der Herrscher in seinem wundervollen Reich. „Tut mir leid, dass Gabe es versäumt hat, Ihnen abzusagen. Aber wie gesagt, seine Mutter ist sehr krank, und zwar schon eine ganze Weile. Er war in letzter Zeit ziemlich abgelenkt.“

Das hatte sie bemerkt.

„Ich bin wegen der Hochzeit hier“, sagte Alexandra.

Sein Mund klappte auf, dann sofort wieder zu, die Augen verengten sich. Jeder Funke von Vertrautheit war verschwunden. „Hochzeit?“, echote er kalt.

„Wir haben eine bestätigte Buchung für die Woche bis zum 14. Dezember.“

Sein Blick flog zu ihrer linken Hand. Suchte er etwa nach einem Verlobungsring?

Himmel! Drew Parker dachte doch nicht etwa, sie wollte heiraten?

„Ich bin Hochzeitsplanerin“, klärte Alexandra ihn hastig auf. Natürlich nur, um möglichst professionell zu erscheinen. „Alexandra Harris, von Ever After.“

Kein Zeichen, dass er jemals von ihrer Firma gehört hätte.

„Meine Klienten sind Ivy Jenkins und Sebastian Davis.“

„Ich fürchte, hier liegt ein Missverständnis vor, Miss Harris.“ Man war also wieder zur formellen Anrede zurückgekehrt. „Dieses Haus … dieser Grund und Boden stehen nicht für Hochzeiten zur Verfügung.“

Offenkundig machten die Namen, die sie en passant hatte fallen lassen, auf ihn nicht den geringsten Eindruck.

„Nicht in der Vergangenheit und auch zukünftig nicht“, bekräftigte Drew Parker sein ultimatives Statement noch einmal.

2. KAPITEL

Alexandra war so perplex, dass ihr Mund offen stand, und Drew sah, wie sich ihre Augen – dunkel und seelenvoll wie die eines Rehs – schockiert weiteten.

Doch schockierter als er konnte sie kaum sein. Eine Hochzeitsplanerin?

Ihre ungebetenen Erziehungsratschläge – die ihm ehrlicherweise ebenso willkommen wie einleuchtend gewesen waren –, gepaart mit ihrem etwas strengen Outfit und der passenden Frisur, hatten ihn zu der irrigen Schlussfolgerung verleitet, sie könne ein geeignetes Kindermädchen für Genevieve sein. Und wenn nicht das, dann vielleicht eine Buchhalterin oder Anwältin … aber eine Hochzeitsplanerin?

Die hatte er sich immer anders und irgendwie extravaganter vorgestellt, eher in Pastellfarben, Rüschen oder ähnlichem Tand.

Aber so war Emily auch nicht gewesen, und ihre Vision für Parker&Parker hatte sich ausschließlich um Romantik gedreht …

Drew spürte, wie sein Herzschlag stockte. Und genau Emilys romantische Vision, die nie in Erfüllung gehen konnte, war der Grund, warum hier nie eine Hochzeit stattfinden würde. Daran musste er festhalten, egal, wie irritierend oder anziehend Miss Harris auch sein mochte.

„Aber … aber die Einladungen sind bereits gedruckt“, stammelte Alexandra.

Sie war wirklich ebenso attraktiv wie anziehend. Groß und schlank, mit fein gemeißelten Zügen und weichen, sinnlichen Lippen, die jetzt allerdings zu einer schmalen Linie zusammengepresst waren. Ihr schimmerndes dunkles Haar trug sie in einem schlichten Knoten gebändigt, was in erster Linie zu dem Irrtum mit dem Kindermädchen beigetragen hatte. Wie es sich wohl anfühlte, wenn es in weichen Wellen über ihre Schultern …

Verflucht, was war nur mit ihm los? Instinktiv schüttelte er den Kopf.

Als seine kleine Tochter heute von jetzt auf gleich verschwunden war … Es hatte ihn mitten ins Herz getroffen und erschüttert, weil er plötzlich erkannt hatte, dass er einen weiteren Verlust nicht verkraften könnte. Sein Herzschlag war noch immer beschleunigt. Die qualvolle Zeit, bis Genevieve endlich wiederaufgetaucht war, angefüllt mit den grauenhaftesten Fantasien …

Alexandra Harris hatte seine Tochter gefunden, und dafür war er ihr zutiefst dankbar, aber nicht in dem Maße, dass er ihr erlauben könnte, hier eine Hochzeit zu zelebrieren. Da musste ein Missverständnis vorliegen, das er klären und sie anschließend wieder ihres Weges schicken würde.

Und zwar so schnell wie möglich, da diese Frau ihn aus der Ruhe brachte und irritierte. Allein wie sie ihn widerstrebend und zugleich mit tapfer erhobenem Kinn über ihren Stand als geschiedene Frau unterrichtet hatte. So, als müsse sie damit ihr schlimmstes Versagen offenbaren. Dabei waren Scheidungen heutzutage doch fast an der Tagesordnung. Und für das Scheitern einer Ehe gab es Dutzende von Gründen.

Aber wenn die Ehe für sie keine probate Lebensform war, warum dann ausgerechnet diese extravagante Berufswahl als Hochzeitsplanerin? Ob sie trotz ihrer eigenen Enttäuschung immer noch an ein Happily Ever After glaubte?

Was hatte er doch für ein Glück gehabt, eine Liebe zu finden, die sich anfühlte, als würde sie von Dauer sein. Trotzdem ließ sich Emilys und seine Beziehung kaum als traditionell bezeichnen, da sie nach der überraschenden Schwangerschaft spontan beschlossen, erst nach der Geburt des Babys zu heiraten, was er ewig bedauern würde.

Nach Genevieves Geburt, als sie nur einen Monat vor der Hochzeit gestanden hatten, war Emily gestorben. Hier …

Die Erinnerung an die Tragödie bestärkte Drew nur noch darin, diese leidige Angelegenheit so schnell wie möglich zu beenden und Miss Harris endgültig zu verabschieden.

„Die Einladungen sind gedruckt, aber noch nicht verschickt worden?“, hakte er kühl nach. „Das sollte einen Ortswechsel relativ einfach gestalten.“

„So ist es“, gab sie nach kaum merklichem Zögern zu, und er bewunderte sie dafür, dass sie ihn weder anlog noch irgendwelche Ausflüchte gebrauchte.

Dafür fuhr sie ein weit größeres Geschütz auf. „Ein Neudruck ist trotzdem keine Option“, stellte Alexandra nachdrücklich klar. „Die Einladung wurde von Kimura entworfen.“

Sein Blick besagte, dass ihm der Name nichts sagte.

„Sie ist eine berühmte japanische Künstlerin. Jede Einladung ist mit einer filigranen Schneeflocke versehen und auf den betreffenden Gast abgestimmt personalisiert. Sie waren ausgesprochen kostspielig und werden unter Garantie zu begehrten Sammlerstücken.“

„Kunstwerke mit Fehlern werden doch häufig noch höher gehandelt.“

Alexandra verengte die Augen. „Sie scheinen nicht zu verstehen. Diese Hochzeit muss einfach hier stattfinden.“

„Ich würde sagen, Sie verstehen nicht, Miss Harris … hier wird es nie eine Hochzeit geben.“

„Aber warum?“, ließ sie nicht locker und machte eine ausholende Geste. „Alles ist perfekt, wie für extravagante Prachthochzeiten gemacht.“

Damit hatte sie nicht ganz unrecht, obwohl es nur um eine Hochzeit gegangen war. Die Erinnerung an Emilys Aufregung und Vorfreude auf ihren großen Tag holte ihn ein.

„Es ist sehr persönlich“, sagte er brüsk. „Ich werde nicht darauf eingehen.“

Erneut suchte sie seinen Blick. Er sah das Aufblitzen in den rehbraunen Augen und musste wider Willen lächeln. Miss Harris schien eine ebenbürtige Sparringspartnerin zu sein, und ginge es nicht um dieses spezielle Thema, hätte er vielleicht sogar Freude daran gehabt, die Klingen mit ihr zu kreuzen.

„Ich habe einen Vertrag“, bemerkte sie schlicht.

Drew hob die Brauen. „Einen Vertrag?“ Was um alles in der Welt mochte Gabe dazu verleitet haben, Alexandra Harris …

„Ja, über eine ganze Woche, vor dem Hochzeitstermin am 14. Dezember.“

„Eine Woche?“

„Die Mindestzeit, um eine Hochzeit wie diese adäquat vorbereiten zu können.“

Eine Hochzeit wie diese … ihr Blick sprach Bände.

Und plötzlich tauchten ungebeten Bilder vor seinem inneren Auge auf: Emily, ein Notizbuch vor sich, das Haar hinters Ohr gestrichen. Als sie zu ihm aufgeschaut hatte, leuchtete ihr zartes Gesicht voller Vorfreude darauf, dass ihre Träume bald Wirklichkeit würden.

Was hatte diese Erinnerung ausgelöst?

Ah ja, sie hatte damals nahezu dieselben Worte gebraucht wie gerade Alexandra Harris und ihm vorgehalten, dass man eine Hochzeit, wie sie ihr vorschwebte, nicht an einem Tag auf die Beine stellen könnte.

Trotzdem, er konnte unmöglich zulassen, dass jemand anders Emilys Traum verwirklichte. Es fühlte sich für ihn wie Verrat an.

„Ich habe den Vertrag nicht dabei“, sagte Alexandra mit fester Stimme. „Aber natürlich kann ich ihn vorlegen. Er ist rechtlich bindend, doch darum geht es momentan gar nicht. Zu diesem späten Zeitpunkt würde ich keine andere geeignete Location für eine so große Veranstaltung finden.“

Die Woche vor dem 14. Dezember, also exakt die Zeit, in der Genevieve und er nach Kalifornien aufbrechen wollten, um dort ein perfektes Christfest zu erleben, weil er seine kleine Tochter für ein verpatztes Weihnachten im Vorjahr entschädigen wollte.

Grimmig musterte er die unbewegte Miene der Hochzeitsplanerin. Wetten, dass sie als Tante von etlichen Nichten und Neffen wusste, wie man einer Vierjährigen unvergessliche Weihnachtsfreuden bereitete?

„Ich habe den Scheck über die Vorauszahlung hier in meiner Handtasche.“

Er horchte auf. „Sie haben noch gar keine Anzahlung geleistet?“

Ihr Gesicht verlor alle Farbe, und Drew ging mit sich ins Gericht, weil er unerwartet Mitleid empfand. Immerhin hatte diese Frau seine Tochter gerettet. Andererseits …

„Ich weiß nicht, wie es zu diesem Irrtum gekommen ist, werde mich aber schnellstmöglich mit Gabe in Verbindung setzen“, versprach er spontan. „Und Ihnen finanziell entgegenkommen, da Sie die Einladungen mit einer neuen Adresse nachdrucken lassen müssen.“

„Sie scheinen nicht zu verstehen“, sagte sie leise, aber mit fester Stimme. „Dafür ist es zu spät. Ivy, die Braut, hat sich in diese Location als Veranstaltungsort verliebt.“

Dass Ivy Jenkins sich alles leisten konnte, worauf sie Lust hatte, war keine Frage. So gesehen würde es kein zu spät geben, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte. Trotzdem lag ihm daran, die gestresste Hochzeitsplanerin zu beruhigen.

„Keine Sorge, ich habe beste Verbindungen und werde einen anderen Veranstaltungsort für Sie finden.“

Normalerweise hätte er dafür Gabe in die Pflicht genommen, der schließlich für dieses Desaster verantwortlich war. Doch dessen Mutter war schon sehr lange krank, und nun sah es so aus, als ginge es auf das Ende zu. Also wäre es mehr als kleinlich …

„Es gibt nichts, was hiermit zu vergleichen wäre“, kam es ruhig zurück. „Und schon gar nicht so kurzfristig.“

Seine Vermutung, dass Funken sprühen würden, sollten diese Frau und er je die Schwerter kreuzen, verdichtete sich zur Gewissheit.

Da ihm gerade kein schlagendes Gegenargument einfiel, schüttelte Drew nur den Kopf. „Tut mir leid.“

„Ich habe einen Vertrag“, erinnerte sie ihn erneut.

„Aber Sie haben keine Anzahlung geleistet“, zahlte er es ihr mit gleicher Münze zurück und kassierte dafür einen gereizten Seufzer.

„In meinen Augen ist es eine Sache der Ehre, Mr. Parker.“

Wow … der Pfeil hatte ins Schwarze getroffen, denn vertrauens- und ehrwürdig zu sein, waren Tugenden, die Drew seiner Tochter vorleben und vermitteln wollte.

„Ihr Vertreter hat den Vertrag unterzeichnet. Ich habe ihm vertraut, mich auf der sicheren Seite gesehen, und jetzt steht mein guter Ruf auf dem Spiel.“

Der Anflug von Verletzlichkeit in ihrem offenen Blick ging ihm unter die Haut und machte alles nur noch schlimmer. Verdammt! Andererseits würde er in der fraglichen Woche ohnehin nicht hier, sondern Tausende von Meilen weit weg sein. Wahrscheinlich hatte dieser Umstand Gabe zur Zusage veranlasst.

Warum also auf ihre Kosten eine so große Sache daraus machen?

„Sie kommen heute hierher … Ivy und Sebastian“, setzte Alexandra hinzu.

„Heute?“

Sie nickte.

„Sagen Sie den Termin ab, bis wir diese Sache geklärt haben“, schlug er vor.

„Dafür ist es zu spät …“, wisperte Alexandra, starrte über seine Schulter und schloss gepeinigt die Augen.

Drew sah sich um und seufzte unterdrückt. Natürlich wusste er, wer Ivy Jenkins war. Die Erbin des Milliarden-Business von CEO William Jenkins kam ihnen entgegen. Mit ihren zierlichen Ein-Meter-Sechzig und dem kurz geschnittenen lackschwarzen Schopf erinnerte sie eher an einen Waldelf als an das Powerpaket, das sie tatsächlich war, wie er von mehreren Begegnungen anlässlich gesellschaftlicher Events wusste.

Aber er hatte nicht zwei und zwei zusammengezählt, als die Hochzeitsplanerin Sebastian Davis erwähnt hatte, und erkannte in dem Bräutigam jetzt den jüngeren Bruder eines seiner engsten Bekannten, Mark Davis.

Sebastian löste sich von seiner Braut und kam strahlend und mit ausgestreckter Hand auf ihn zu. „Drew! Wie schön, dich mal wieder zu treffen!“

Drew schaute kurz zu Alexandra und sah, wie Hoffnung und Verzweiflung auf ihren lieblichen Zügen miteinander kämpften.

„Ich kann dir nicht genug dafür danken, dass du Ivy und mir erlaubt hast, unsere Hochzeit auf deinem wunderschönen Anwesen zu feiern“, sagte Sebastian leise. „Ich kann mir denken, wie schmerzhaft es für dich sein muss. Mark hätte nicht gedacht, dass du hier jemals eine Hochzeitsfeier dulden würdest.“

Und Mark – einer der vielen Freunde, zu denen er nach Emilys Tod den Kontakt verloren hatte – hatte recht gehabt. Aus dem Augenwinkel sah Drew, dass Alexandra ihn beobachtete. Sah, wie ihre Anspannung von Neugier und noch etwas weit Gefährlicherem abgelöst wurde: Mitgefühl.

Ivy trat vor, umfasste Drews Hände, küsste ihn auf beide Wangen und schaute ihm tief in die Augen. „Sebastian hat mir erzählt, wie Sie und Emily Parker&Parker gemeinsam geplant, aus der Taufe gehoben und gehofft hatten, Ihre Hochzeit würde die erste hier sein. Ich fühle mich sehr geehrt und bin unglaublich dankbar, dass Sie es nun uns erlauben, an diesem wundervollen und ganz besonderen Ort unser Eheversprechen abzugeben.“

Trotz ihrer offenkundigen Dankbarkeit bereitete sich Drew innerlich darauf vor, dem Hochzeitspaar eine Absage zu erteilen.

Aus dem Augenwinkel sah er, dass Alexandra ihn immer noch aufmerksam musterte. Ihr zunehmendes Verständnis ließ ihren Blick noch intensiver, aber auch weicher erscheinen. Doch er wollte kein Mitgefühl, insbesondere nicht das Mitleid einer so schönen Frau. Trotzdem berührte es ihn und brachte eine Saite in seinem Innern zum Klingen, die er seit Langem nicht mehr wahrgenommen hatte.

Dazu kam, dass ihre Karriere wahrscheinlich gerade auf Messers Schneide stand – durch einen Fehler, an dem sie keine Schuld traf.

Was würde Emily jetzt von mir erwarten?

Musste er sich das wirklich fragen? Natürlich, dass er sich als Ehrenmann zeigte. Und als alleinerziehender Vater, der als gutes Vorbild darauf hoffte, dass seine Tochter Anstand und Freundlichkeit zu erstrebenswerten Tugenden zählen würde.

Drew holte tief Luft. „Willkommen bei Parker&Parker“, hörte er sich sagen. „Wollen wir uns ein wenig umsehen?“

Als er in Alexandras Richtung schaute und einem ebenso sprechenden wie intensivem Blick begegnete, fühlte es sich wie das Gefährlichste an, das ihm je widerfahren war.

Bis sie wieder tief und zitternd Luft holte, war Alexandra sich nicht bewusst gewesen, dass sie aufgehört hatte zu atmen.

Wie es schien, würde die Hochzeit doch hier stattfinden!

Trotzdem wurden Freude und Erleichterung über die abgewendete Katastrophe durch den Schmerz getrübt, der Drews markante Züge verdunkelte, weil Sebastian den Grund für seine strikte Weigerung, hier eine Hochzeit abzuhalten, offengelegt hatte. Auch der stumme Kampf, den er ausfocht, war ihr nicht entgangen … für mich!

Und jetzt bot er ihnen auch noch einen Rundgang unter seiner Führung an.

Das Innere des Hauses war grandios, mit einem riesigen Foyer, an dessen Rückfront zwei symmetrisch angeordnete geschwungene Treppen ins Obergeschoss führten. Keine Frage, dass sie sich noch weitaus besser für Fotos eigneten als die Außentreppe, von der Alexandra schon begeistert gewesen war.

Ivy, eine der reichsten Erbinnen der Welt, die schon überall gewesen war, hatte tatsächlich Tränen in den Augen, was Alexandra anrührte. Ihre Begeisterungsfähigkeit und Empathie waren wirklich bewundernswert. Trotz ihres Reichtums und aller damit verbundenen Privilegien war sie unprätentiös, ausgesprochen sympathisch und nutzte ihr Vermögen und ihren Einfluss, um insbesondere kleine Unternehmen und Wohltätigkeitsorganisationen zu unterstützen. Sicher hätte sie auch einen Ortswechsel mit Anstand hingenommen, doch angesichts ihres Gesichtsausdrucks war Alexandra glücklich, dass es nicht notwendig war.

„So etwas Bezauberndes lag außerhalb meiner Vorstellungskraft“, hauchte Ivy ehrfurchtsvoll. „Hier stelle ich mir einen riesigen Weihnachtsbaum in unseren Farben vor: Silber und Weiß. Was denkst du, Sebastian?“

Ihr Bräutigam dachte offenkundig, dass er der größte Glückspilz auf Erden war. „Hört sich fantastisch an.“

Das war einer der Knackpunkte ihres ansonsten äußerst befriedigenden Jobs: Wenn ein Paar so perfekt zusammenpasste wie diese beiden, vibrierte etwas zwischen ihnen, das Alexandra mit einer Sehnsucht erfüllte, die ihr den Atem nahm. Und heute, mit Drew Parker so dicht an ihrer Seite, war es besonders schlimm.

Als sie zur Seite schaute, trafen sich ihre Blicke, und eine dunkle hochgezogene Braue sowie das angedeutete zynische Lächeln signalisierten deutlich, dass ihm weder die Idee mit dem Weihnachtsbaum zusagte noch die extravaganten Farben.

Augenblicklich switchte Alexandra in den Profimodus und zückte ihr Notizbuch. „Ich werde alles notieren. In ein paar Tagen treffen wir uns mit Hailey Thomas, um das florale Design mit anderen Deko-Elementen abzustimmen. Mr. Parker, Sie sind natürlich herzlich eingeladen, dabei zu sein, wenn Sie einen direkten Input wünschen. Der Termin ist … am vierten Oktober.“

„In Haileys Werkstatt!“, freute sich Ivy. „Ich kann es kaum erwarten, ihr Atelier zu sehen. Sie ist einfach fantastisch!“

Drew Parker sah aus, als würde er sich lieber foltern lassen, als sich ihnen in Sachen Blumenarrangements anzuschließen. Trotzdem zeigte er sich als zugewandter, liebenswürdiger Gastgeber, während er ihnen den prächtigen Bankettsaal ebenso präsentierte wie einen riesigen Besprechungsraum, der in eine Kapelle umgewandelt werden konnte, und ein Stockwerk höher eine luxuriöse Suite.

„Mein Büro.“ Drew deutete auf eine Tür, die mit einer goldenen Plakette versehen war, auf der Privat stand. „Und die Wohnung für mich und meine Tochter.“

Obwohl sie mehrfach gedacht hatte, dass es ein wundervoller Ort wäre, um hier auch privat zu wohnen, hätte Alexandra nicht geglaubt, dass Drew Parker tatsächlich hier lebte. Gleich darauf ging sie mit sich ins Gericht, weil sie liebend gern einen Blick hinter die Tür zu seinem privaten Reich geworfen hätte.

Nur für ein besseres Verständnis seiner Persönlichkeit, aber wozu das …

Alexandra zwang ihre Aufmerksamkeit zurück auf die Hausführung.

Das gesamte Gebäude erwies sich als atemberaubende Mischung aus Eleganz, Opulenz und Glamour. Und jedes Zimmer weckte Ideen in Ivy für die weihnachtliche Hochzeit: Sie überlegte sogar laut, ob man es im Ballsaal schneien lassen könne.

Das war ein Moment, in dem Alexandra ganz bewusst Drew Parkers Blick auswich.

Nachdem geklärt war, dass Ivy ihr eigenes Team von Köchen am Start haben würde und auch sonst noch jede Menge Helferlein, verabschiedete sich die überglückliche Braut da, wo der Rundgang begonnen hatte: vor dem Hauptportal.

„Oh, was haltet ihr von einem weihnachtlichen Karussell, drüben auf dem Rasen?“

„Ich halte es mal fest“, murmelte Alexandra mit einem schnellen Seitenblick in Drews Richtung, der alles andere als glücklich aussah.

Schließlich verabschiedete sie sich von dem euphorischen Paar.

„Wir sehen uns ja schon in wenigen Tagen wieder!“, freute sich Ivy. „Ich kann es kaum erwarten, Hailey zu treffen.“

„Leider werde ich nicht dabei sein können, vertraue dir aber voll und ganz, Darling“, trat der Bräutigam ebenso unerwartet wie elegant den Rückzug an, legte einen Arm um die Schultern seiner Liebsten und drückte sie sanft an sich. „Dafür wird Gio dabei sein.“

Sein Bedauern klang echt und aufrichtig, und Alexandra dachte, was für ein Juwel von Ehemann er doch sein würde.

Ivy schüttelte Drew nochmals die Hand. „Es war so schön, Sie kennenzulernen. Und ich hoffe, Ihr wundervolles Haus und Anwesen von nun an häufiger für Veranstaltungen nutzen zu können. Meine Brautjungfer und gute Freundin Autumn Jones engagiert sich für eine Charity-Organisation namens Raise Your Voice. Haben Sie davon gehört?“

„Ich fürchte nein.“

„Nun, das ist nur eine Frage der Zeit. Ich sehe es schon vor mir, wie sie hier außergewöhnliche Events abhalten wird.“

Als das Paar gegangen war, wandte sich Alexandra lächelnd an Drew. „Sehen Sie? Ihr freundliches Entgegenkommen zahlt sich schon jetzt aus.“

Eisiges Schweigen.

„Ich liebe es, dass Ivy selbst in der Hochphase der Vorbereitungen für ihre Hochzeit noch an andere denkt.“

Schweigen.

„Danke, dass Sie sich bereit erklärt haben, die Hochzeit hier abzuhalten“, sagte Alexandra leise. „Sie haben mir wirklich den Hals gerettet.“

Stummes Schulterzucken.

„Parker&Parker ist wirklich unglaublich!“, schwärmte Alexandra und hoffte inständig, die dunkle Wolke, die seine markanten Züge überschattete, würde sich auflösen. „Es ist grandioser als alles, was ich mir vorgestellt und erhofft hatte, und tatsächlich die perfekte Hochzeits-Location.“

Seine gequälte Miene ließ sie hart schlucken.

„Ihr Verlust tut mir entsetzlich leid“, sagte sie leise. „Ich hatte ja keine Ahnung …“

Autor

Ellie Darkins
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Susan Meier

Susan Meier wuchs als eines von 11 Kindern auf einer kleinen Farm in Pennsylvania auf. Sie genoss es, sich in der Natur aufzuhalten, im Gras zu liegen, in die Wolken zu starren und sich ihren Tagträumen hinzugeben. Dort wurde ihrer Meinung nach auch ihre Liebe zu Geschichten und zum Schreiben...

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Susan Meier

Susan Meier wuchs als eines von 11 Kindern auf einer kleinen Farm in Pennsylvania auf. Sie genoss es, sich in der Natur aufzuhalten, im Gras zu liegen, in die Wolken zu starren und sich ihren Tagträumen hinzugeben. Dort wurde ihrer Meinung nach auch ihre Liebe zu Geschichten und zum Schreiben...

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