Julia Extra Band 585

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SINNLICHE VERSUCHUNG AUF SARDINIEN von NINA SINGH

Eine exklusive Hotelanlage an Sardiniens Küste! Mariana sollte sich über ihr unverhofftes Erbe freuen. Doch der so arrogante wie attraktive Tycoon Matteo Talarico beansprucht das Grundstück für sich. Gegen jede Vernunft fühlt sie sich trotzdem unwiderstehlich von ihm angezogen …

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  • Erscheinungstag 28.04.2026
  • Bandnummer 585
  • ISBN / Artikelnummer 0820260585
  • Seitenanzahl 432

Leseprobe

Nina Singh, Tara Pammi, Lorraine Hall, Michelle Douglas

JULIA EXTRA BAND 585

Nina Singh

1. KAPITEL

Ich werde ganz von vorn anfangen müssen. Matteo Talarico klappte vehement den Laptop zu und starrte aus dem Fenster seines Büros, das einen großartigen Blick auf die Skyline Roms im Sonnenuntergang bot.

Noch vor einem Jahr wäre ihm niemals der Gedanke gekommen, dieses Büro und das Gebäude aufgeben zu müssen, in dem es untergebracht war. Doch jetzt war alles weg. Liquidiert. Der Familienbesitz war unter den Hammer gekommen.

Nach all den Jahren war sein Vater Stefan Talarico so dumm gewesen, das Unternehmen zu ruinieren, das sein Vater vor vielen Jahren gegründet und erfolgreich immer weiter ausgebaut hatte.

Zu allem Überfluss hatte sein alter Herr kein Klischee ausgelassen, als er das Unternehmen zugrunde gerichtet hatte. Er war auf die verlogenen Schmeicheleien und seichten Sprüche einer schönen Frau hereingefallen, die ihn bis aufs Hemd ausgezogen hatte.

Ich muss einen kühlen Kopf bewahren. Er versuchte, seine Wut und negativen Gedanken zu unterdrücken, die diese Frau in ihm auslöste, seitdem sie vor einigen Jahren im Leben seines Vaters aufgetaucht war.

Jahrzehntelang war Tala Industries, ein Name, der als Synonym für luxuriöse Eigentumswohnungen und Gewerbeimmobilien galt, erfolgreich gewesen und hatte expandiert. Jetzt stand es am Rande des völligen Bankrotts.

Er würde alles tun, was in seiner Macht stand, um diese Frau dafür bezahlen zu lassen, wenn er sie jemals ausfindig machen konnte. Doch zuerst musste er sich einen Plan ausdenken, wie er Tala von Grund auf wiederaufbauen konnte. Das war am wichtigsten. Wüsste er nur, wo er anfangen sollte.

Sein Handy vibrierte. Er stöhnte, weil er es so leid war, Anrufe von Gläubigern und geschäftlichen Aasgeiern zu beantworten. Auf dem Display las er den Namen seines Anwalts und nahm den Anruf entgegen.

„Aldo. Sagen Sie bitte, dass Sie gute Nachrichten haben“, meinte er, obwohl er wusste, dass gute Nachrichten höchst unwahrscheinlich waren.

„Nun, ich denke schon. In gewisser Weise jedenfalls.“

„In gewisser Weise?“

„In meinem Büro ist heute Morgen ein Anruf aus Cagliari auf Sardinien eingegangen, bei dem es um Sie ging.“

Matteo dachte nach. Aber er kannte niemanden in dieser Stadt. Er konnte an einer Hand abzählen, wie oft er die italienische Insel südlich der Toskana besucht hatte. Auf ganz Sardinien kannte er keine Menschenseele. „Und?“

„Dabei hat sich herausgestellt, dass Sie eine entfernte Verwandte haben, die dort zu Hause war. Eine ältere entfernte Cousine mütterlicherseits.“

Diese Cousine – wer auch immer sie gewesen war – lebte offensichtlich nicht mehr. Aber was hatte das mit ihm zu tun? „Berichten Sie weiter.“

„Sie ist letzten Monat im Alter von achtundneunzig Jahren gestorben. Offenbar hatte sie keine nahen Verwandten. Aber sie soll oft von einem kleinen Jungen erzählt haben, der sie vor Jahrzehnten ein- oder zweimal besucht hat.“

Er konnte sich nicht an solche Besuche erinnern. Doch das war auch nicht verwunderlich. Seine Eltern hatten ganz Italien bereist, während er aufgewachsen war. Gelegentlich hatten sie ihn mitgenommen. Meistens hatten sie ihn jedoch beim Hauspersonal zurückgelassen.

„Diese Cousine hat Sie als Erben eines Teils ihres Vermögens angegeben. Ein Nachlassverwalter aus einem kleinen Büro in Cagliari hat uns mitgeteilt, dass wir die Schriftsache im Lauf dieser Woche erhalten.“

Ihm war klar, dass er sich angesichts dieser unerwarteten Nachricht keine großen Hoffnungen machen sollte. Was für ein Erbe konnte ihm eine lange verschollene Cousine seiner geliebten Mutter denn schon hinterlassen?

Höchstwahrscheinlich würde dieser Anruf nur dazu führen, dass er in seinem ohnehin schon chaotischen Leben auch noch versuchen musste, etwas mit Sammlerstücken und irgendwelchem Schnickschnack anzufangen.

„Soweit ich dem Telefonat entnehmen konnte“, fuhr Aldo fort, „haben Sie etwas Land geerbt.“

Sofort schenkte er dem Anwalt seine volle Aufmerksamkeit. „Sie hat mir ein Grundstück hinterlassen? Das könnte etwas wert sein.“

„Anscheinend. Wie ich schon sagte, kenne ich noch nicht viele Details. Wir sollten nicht zu voreilig sein. Außerdem gibt es eine kleine Einschränkung.“

Matteo widerstand dem Drang, laut zu fluchen. Natürlich. Bei seinem Glück hatte er auch nichts anderes erwartet. „Und zwar?“

„Sie bekommen nur einen Teil des Grundstücks. Den anderen, größeren Teil inklusive des kleinen Hotels, das sich darauf befindet, hat Ihre Cousine jemand anderem vererbt.“

Nun, dieses Grundstück konnte nicht so klein sein, wenn sich auf dem anderen Teil ein Hotel befand. Na gut, daraus konnte er vielleicht etwas machen. „Und wer ist der andere Erbe?“ Vielleicht handelte es sich um einen weiteren lange verschollenen Verwandten.

„Diese Information liegt mir noch nicht vor. Vielleicht erfahren wir mehr Einzelheiten, wenn uns die Papiere endlich vorliegen.“

„Rufen Sie mich an, sobald die eingetroffen sind“, sagte Matteo und beendete das Gespräch.

Dann starrte er erneut aus dem Fenster und zermarterte sich den Kopf. Er konnte sich nicht an seine früheren Besuche erinnern und wusste kaum etwas über Sardinien. Diese Erbschaft könnte ihm jedoch einen Weg eröffnen, wie er geschäftlich wieder auf die Beine kommen konnte.

Mariana Renati trank noch einen Schluck ihres doppelten Espressos. An diesem Morgen brauchte sie dringend eine große Dosis Koffein. Sie benötigte alle Energie, die sie aufbringen konnte.

Der lange vermisste Sohn einer lange verschwundenen Cousine sollte heute Vormittag eintreffen. Sie hatte den Mann in den letzten anderthalb Monaten in Annas Auftrag vergeblich zu erreichen versucht. Die alte Frau hatte einfach nur ein letztes Mal mit jemandem Kontakt aufnehmen wollen, den sie als Familie bezeichnen konnte.

Aber ihre E-Mails waren unbeantwortet geblieben, bis es zu spät gewesen war. Ja, er hatte sich entschuldigt, als er endlich auf ihre Nachrichten geantwortet und sich mit einer faulen Ausrede herausgeredet hatte. Angeblich war er in letzter Zeit zu sehr mit den Veränderungen im Familienunternehmen beschäftigt gewesen. Bla, bla, bla.

Wer auch immer Matteo Talarico war – er hatte offenbar kein Interesse daran, sich mit einer entfernten älteren Verwandten in Verbindung zu setzen, bevor er nicht gehört hatte, was für ihn dabei herausspringen würde.

„Mari, bist du da?“

Roberta musste sie entdeckt haben, denn ihre Stimme kam aus dem vorderen Teil des Vorratsraums. War es zu viel verlangt, wenigstens an diesem Tag vor der Arbeit ihren Espresso in Ruhe trinken zu können?

Aber über eine ihrer treuen und loyalen Mitarbeiterinnen frustriert zu sein, war unvernünftig. Roberta und ihr zwanzigjähriger Sohn Miyko waren für den Empfangsbereich des Hotels Nautica zuständig.

Drei weitere gebürtige Sarden als Reinigungskräfte sowie eine wechselnde Gruppe von Teilzeitbeschäftigten vervollständigten das Hotelpersonal. Dabei handelte es sich meist um Studenten, die durch Annas jahrelange freiwillige Zusammenarbeit mit der örtlichen Universität an diese Jobs gekommen waren.

Roberta und Miyko gehörten inzwischen fast schon zum Inventar und nahmen sich entsprechende Freiheiten heraus. Der Großteil der anderen Beschäftigten war zusammen mit Mari eingestellt worden, als sie vor vier Jahren auf der Insel angekommen war.

Dennoch waren alle Mitarbeiter direkt ihr unterstellt. Die Verantwortung, die auf ihren Schultern lastete, sorgte dafür, dass sie gelegentlich mit Ängsten und Selbstzweifeln zu kämpfen hatte.

In der letzten Nacht war sie dreimal schweißgebadet aufgewacht und hatte Herzrasen gehabt. Zwölf Menschen verdienten ihren Lebensunterhalt im Hotel und waren auf sie angewiesen. Deshalb war das endlich bevorstehende Treffen mit diesem Matteo Talarico so wichtig.

Roberta kam jetzt zu ihr. „Scusa, Mari. Der Gast von gestern Abend bittet um Hilfe bei den Fahrrädern.“

Sie wusste, wer gemeint war. Signore Gio war ein Stammgast, der jedes Jahr im Juni eincheckte und immer länger blieb, als er willkommen war. Er stammte vom Festland und hatte so etwas wie eine familiäre Bindung zur Insel.

Ihr war es ein Rätsel, warum er jedes Jahr so lange auf Sardinien Urlaub machte. Jedes Mal, wenn er hier war, schien er zutiefst unglücklich zu sein.

Sie seufzte resigniert und stand vom Liegestuhl auf. Am Abend zuvor hatte sie alle Fahrräder routinemäßig kontrolliert, bevor sie ihre nächtlichen Aufgaben erledigt und sich nach Mitternacht zurückgezogen hatte.

„Er besteht darauf, dass du dich darum kümmerst“, fügte Roberta hinzu.

„Ich bin gleich da.“ Dieser Mann hatte am Vortag auch darauf bestanden, dass sie die Espressomaschine überprüfte. Der Espresso schien seinen offenbar sehr anspruchsvollen Geschmacksnerven nicht zu genügen. Dabei war ihr Barista ein Experte im Umgang mit der Espressomaschine und bereitete erstklassige Getränke zu.

Sie ging in den Säuleneingangsvorbau des kleinen Hotels, in der sie die Fahrräder abstellten.

„Da sind Sie ja“, sagte Signore Gio und machte ein finsteres Gesicht.

Buongiorno, Signore Gio!“ Mühsam rang sie sich ein Lächeln ab. „Was ist denn das Problem?“

Er deutete auf die Fahrräder. „Alle Fahrradketten müssen geölt werden. In diesem Zustand kann ich mit keinem der Räder fahren.“

Sie ölte die Fahrradketten jeden Montag, wenn die Nachfrage danach am geringsten war. Das jetzt zu tun war völlig unnötig. Aber Signore Gio schien nur zufrieden zu sein, wenn er sich über irgendetwas beschweren konnte.

Natürlich machte sie sich nicht die Mühe, ihm die Sachlage zu erklären. Sie würde sich nicht auf den Streit einlassen, auf den er offenbar aus war. Oder ihm eine Gelegenheit bieten, wie üblich ihre Intelligenz oder Kompetenz infrage zu stellen.

Mit solchen Szenarien und Leuten wie ihm hatte sie schon viele Erfahrungen gesammelt. Also setzte sie ein strahlendes Lächeln auf und nickte ihm freundlich zu. „Ich kümmere mich sofort darum, Signore Gio. Welches Fahrrad möchten Sie nehmen? Dann fange ich damit an.“

Er winkte ab. „Das spielt kaum eine Rolle. Ich bin bereits verspätet. Ölen Sie einfach die Ketten. Ich trinke eine Tasse Espresso und komme dann wieder.“

„Natürlich.“ Ihr tat Esmerelda leid, die an diesem Morgen dafür zuständig war, dass die Gäste mit Espresso und Getränken versorgt wurden. Die Arme würde sich zumindest für die nächsten Minuten mit dem ungenießbaren alten Kerl herumschlagen müssen.

Gerade als sie die Kette des letzten Fahrrads geölt hatte, hörte sie Schritte hinter sich. Sie atmete tief ein und bereitete sich auf die zweite unangenehme Begegnung mit Signore Gio an diesem Morgen vor.

„Ah, da sind Sie ja wieder. Suchen Sie sich ein Fahrrad aus.“ Sie stand auf, wischte sich mit einem weißen Lappen das Öl von den Händen, drehte sich um und setzte erneut ein Lächeln auf.

Doch der Mann, der vor ihr stand, hatte keinerlei Ähnlichkeit mit Signore Gio. Er war groß und imposant und musste mindestens zwei Jahrzehnte jünger sein. Er hatte dunkle Haare und Augen, trug ein schickes maßgeschneidertes Hemd sowie glänzend polierte Schuhe und sah wie ein Model aus, das Werbung für ein Eau de Cologne in einer internationalen Zeitschrift machte.

Bei näherer Betrachtung hatten die beiden Männer allerdings tatsächlich etwas gemeinsam. Der Besucher machte ein ähnlich verärgertes Gesicht wie vorher Signore Gio. Dennoch fiel es ihr schwer, sich der überwältigenden Anziehungskraft dieses Fremden zu entziehen. Er war ein Bild von einem Mann und brachte Frauen zweifellos zum Schwärmen.

Mari zählte sich allerdings nicht zu diesen Frauen. Sie hatte keine Verwendung für einen solchen Prachtkerl. Nicht mehr jedenfalls.

„Ich suche Mariana Renati“, verkündete er. „Ich habe mich bei der Signora im Garten nach ihr erkundigt. Aber sie hat mich ziemlich unhöflich abblitzen lassen.“

Er muss Roberta meinen. Sie war die einzige Angestellte, die sich um diese Tageszeit um die Blumen kümmern konnte. Wenn sie bei ihrer geliebten Gartenarbeit gestört wurde, konnte sie ziemlich verärgert und unwirsch reagieren.

Als ob es nicht fast eine Million anderer Dinge rund um das Hotel geben würde, die Aufmerksamkeit erfordern. „Verzeihen Sie. Ich werde sie darauf ansprechen.“ Sie konnte nicht akzeptieren, wenn einer ihrer Gäste unhöflich behandelt wurde.

Der Fremde winkte ab. „Gut. Also wo könnte diese Mariana Renati sein?“

„Sie haben sie bereits gefunden.“ Sie streckte ihm die Hand hin, zog sie aber gleich wieder zurück, denn sie sah, dass ihre Finger noch etwas ölverschmiert waren. „Ich bin Mariana.“ Aber wer, um alles in der Welt, war er?

„Heißen Sie genauso wie Ihre Mutter?“

Wovon, zum Teufel, redete er? „N… nein. Kann ich Ihnen helfen, Signore …?“ Doch er ignorierte ihre Frage und musterte sie schweigend. Mari war noch nie einem Mann begegnet, der so gut aussah und gleichzeitig so unzufrieden wirkte.

„Wollen Sie damit sagen, dass Sie die einzige Mariana Renati sind?“

Warum war er so verwirrt? „Ja, die einzige Mariana Renati hier in der Gegend. Was kann ich für Sie tun?“

Er grinste süffisant, bevor er die Arme vor der Brust verschränkte. „Oh, ich verstehe.“

„Was?“

„Sie sehen aus, als hätten Sie gerade erst die Schule hinter sich gebracht. Sie können unmöglich viel Erfahrung mit dem Betrieb eines Hotels haben.“

„Ich wüsste nicht, inwiefern mein Alter Sie etwas angeht.“ Inzwischen war es ihr egal, wer er war. Selbst wenn es bedeutete, möglicherweise einen Gast zu verlieren.

Der Mann benahm sich fast schon rüpelhaft. Kein Gast war es wert, ein solches Gebaren zu akzeptieren. Nicht nach all dem, was sie bereits durchgemacht hatte. „Sie haben mir nicht einmal verraten, wer Sie sind.“

„Matteo Talarico.“

Sie rang nach Luft. Jetzt, da dieser Mann endlich hier war, würde sie ihn am liebsten bitten, wieder zu gehen. Hatte sie ihn in der Vergangenheit irgendwie beleidigt und es vergessen? Das war unwahrscheinlich. Matteo Talarico war kein Mann, den eine Frau vergaß.

„Mal ehrlich, gibt es eine Art Geheimklub? Treffen Sie sich regelmäßig, um individuelle Strategien zu besprechen?“, fuhr er fort.

Das ergibt absolut keinen Sinn. Worauf will er hinaus? Meinte er etwa Geschäftsstrategien? Wenn ja, konnte sie kaum verstehen, warum ihm das so zu schaffen machte. „Ich habe wirklich keine Ahnung, wovon Sie reden und warum Sie so unhöflich sind. Darf ich Sie nach dem Grund fragen?“

Er grinste breit und schüttelte den Kopf. „Zuerst möchte ich Ihnen eine Frage stellen.“

Sie versuchte, Geduld aufzubringen. Wenn auch nur, um der ganzen Sache auf den Grund zu gehen.

„Nur zu. Fragen Sie. Und was meine Berufserfahrung angeht: Ich habe bereits im Restaurant meines Vaters gearbeitet, als ich aufgewachsen bin. Dann bin auf die Hotelfachschule gegangen und habe ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt, bevor ich nach Sardinien gekommen bin. Im Nautica arbeite ich seit etwa vier Jahren, zwei davon als Hotelmanagerin.“

„Anscheinend machen Sie Ihre Arbeit nicht besonders gut.“

„Was nehmen Sie sich …“

„Ich rede von der unhöflichen Mitarbeiterin, die mich begrüßt hat, und dem Gast in der Lobby, der sich gerade darüber beschwert hat, dass der Espresso wässrig ist und geeignete Fahrräder fehlen.“

Mari war düpiert, weil er sie einfach unterbrochen hatte. Zugegebenermaßen war sein erster Eindruck vom Hotel nicht optimal gewesen. Aber er zog daraus voreilige Schlüsse in Bezug auf ihre Kompetenz. „Soll ich es Ihnen erklären?“, fragte sie, obwohl sie ahnte, wie seine Antwort lauten würde.

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hatte eine andere Frage im Sinn. Wie genau haben Sie es geschafft, die Cousine meiner Mutter dazu zu bringen, Ihnen das Hotel zu überlassen?“

Ihr verschlug es den Atem. Wie kann er es wagen! Einen Moment konnte sie nichts anderes tun, als ihn anzustarren, während seine grundlose Anschuldigung im Raum stand.

Was nur hatte sie an sich, dass Männer glaubten, ihr haltlose Unterstellungen an den Kopf werfen und sie herumschubsen zu können? Strahlte sie aus, dass sie sich nicht wehren würde, wenn man sie drangsalierte?

Nein! Sie hatte sich schon vor langer Zeit geschworen, sich ein solches Verhalten nicht länger gefallen zu lassen. Sie hob das Kinn. „Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Anna ist vor Monaten zum ersten Mal krank geworden und hat mich gebeten, Sie zu kontaktieren. Was ich getan habe, und zwar wiederholt. Sie haben sich allerdings nie die Mühe gemacht, zu antworten, bis Anna nicht mehr unter uns weilte.“

Volltreffer! Sie sah, dass einer seiner Kiefermuskeln zuckte, und fügte hinzu: „Anna wollte, dass Sie das Grundstück neben dem Hotel bekommen. Sie sagte, dass Sie ein erfolgreicher Geschäftsmann sind und wissen, wie man es nutzen kann.“

„Dennoch hat sie das Hotel Ihnen vermacht. Einer Anfängerin ohne Erfahrung, die nicht einmal fünf Jahre lang für sie gearbeitet hat. Hört sich das für Sie nicht ein bisschen seltsam an?“

Ihr reichte es jetzt endgültig. „Ich denke, Sie sollten jetzt gehen, Signore Talarico.“

„Es gibt aber Dinge, die wir besprechen müssen.“

„Das können wir über unsere Anwälte erledigen. Auf Wiedersehen.“ Er schien widersprechen zu wollen. Sie hielt den Atem an, bis er endlich nickte.

„Gut. Ich gehe. Für den Moment jedenfalls.“ Als er sich umdrehte, warf er ihr noch einen Blick über die Schulter zu. „Sie haben übrigens einen dunklen Fleck auf der rechten Wange.“

2. KAPITEL

Ich habe es vermasselt, dachte Matteo, als er in der Restaurantbar am Strand saß, von der aus er einen perfekten Blick auf das kristallblaue Meer und den legendären Poetto Beach hatte.

Statt direkt zum Hotel zu gehen, um Mariana Renati ausfindig zu machen, hätte er sich wie jetzt in dem Strandlokal gegenüber dem Hotel ein paar Minuten Zeit nehmen sollen, um nach der anstrengenden Anreise am Morgen seine Gedanken zu sammeln.

Was war nur in ihn gefahren? Er ließ sich doch sonst nie von seinen Gefühlen leiten. Ja, er war übermüdet. Aber das war genauso wenig eine Entschuldigung wie die große Enttäuschung über den Leichtsinn seines Vaters und die erdrückende Last der Verantwortung für die nur noch wenigen Mitarbeiter bei Tala Industries.

Aus Argwohn hatte er seine Wut an der einzigen Person ausgelassen, die ihm vielleicht helfen konnte, das zu erreichen, was er sich vorgenommen hatte. Er hatte einen katastrophalen ersten Eindruck hinterlassen. Auch deshalb, weil ihn die Begegnung mit ihr ein wenig überrascht hatte.

Er hatte nicht damit gerechnet, dass Mariana Renati so attraktiv sein würde. Der außergewöhnliche Farbton ihrer Augen, der zwischen Grün und Haselnussbraun changierte, hatte ihn in den Bann gezogen. Genau wie ihre vollen Lippen, rosigen Wangen und die kastanienbraunen Haare.

„Grazie“, sagte er, als die zierliche Kellnerin eine Bierflasche vor ihn auf den Tisch stellte. Er trank einen großen Schluck und fühlte sich gleich ein wenig wohler. Doch als sein Zorn verraucht war, wurden seine Schuldgefühle wegen seines inakzeptablen Verhaltens größer.

Mariana Renati dann auch noch beim Abschied spöttisch auf den Schmierölfleck auf ihrer Wange hinzuweisen, war kindisch und kleinkariert gewesen. Zugegebenermaßen hatte es ihn frustriert, dass sie mit dem kleinen Makel ziemlich niedlich ausgesehen hatte. Zudem hatte es ihn in den Fingern gejuckt, ihr den Ölfleck von der Wange zu wischen.

Die Dinge zwischen ihm und der hübschen Hotelleiterin waren schon kompliziert genug, ohne dass er sich zu ihr hingezogen fühlen sollte. Als könnte er sie in Gedanken herbeizaubern, tauchte sie ein paar Meter von der Restaurantbar entfernt in Begleitung einer korpulenten älteren Frau am Strand auf, die einen geblümten Badeanzug trug.

Unter einem Arm hatte sie einen Sonnenschirm und unter dem anderen einen zusammengeklappten Liegestuhl geklemmt, was ziemlich viel Kraft kosten musste. Ihre beträchtliche innere Stärke hatte sie bereits unter Beweis gestellt, als sie ihm Paroli geboten und ihn hinausgeworfen hatte.

„Darf ich Ihnen noch etwas bringen?“, fragte die Kellnerin ihn in diesem Augenblick und deutete auf die fast leere Bierflasche vor ihm.

„Noch nicht.“ Beeindruckt beobachtete er, wie die hübsche Hotelbesitzerin den Sonnenschirm in einen Ständer steckte. „Ich hatte gerade überlegt, ob ich beim Aufstellen des Sonnenschirms behilflich sein soll.“

Die Kellnerin folgte seinem Blick und lachte leise. „Nicht nötig. Mari ist ein Profi und stellt im Handumdrehen drei oder vier Sonnenschirme am Tag für ihre Gäste auf.“

Mari ist also ihr Spitzname. Offenbar ist sie beliebt. In ihr steckte viel mehr, als er ihr auf den ersten Blick zugetraut hatte. Er musste akzeptieren, dass ihr das Hotel tatsächlich gehörte. Allerdings hatte er die Absicht, diese Tatsache bei der erstbesten Gelegenheit zu ändern.

Wenn er das Hotel und das Grundstück, auf dem es stand, in die Hände bekommen würde, konnte er mit dem Wiederaufbau von Tala Industries beginnen. Das Gebäude ließe sich nach ein paar Renovierungsarbeiten leicht in einen Wohnungskomplex umwandeln. Die Mieteinnahmen würden fortlaufend Geld in die Kasse spülen.

Das Grundstück würde als Sicherheit für die finanziellen Mittel dienen, die er am Anfang für die Umgestaltung des Hotels benötigte. Auf das kleine Stück Land, das seine Cousine ihm vermacht hatte, würde er keinen ausreichend hohen Kredit bekommen.

Im Gegenzug würde er Mari eine ansehnliche Entschädigung garantieren, die sie bekommen würde, sobald Tala die finanziellen Mittel dazu hatte. Irgendwie musste er sie davon überzeugen, dass seine Ideen ihnen beiden nützen würden.

Allerdings würde er viel freundlicher und entgegenkommender sein müssen, um sein Ziel zu erreichen. Er konnte nicht noch einmal den Fehler machen, sie zu unterschätzen. Dennoch war es seltsam, dass die Cousine seiner Mutter das Hotel einer Angestellten statt einem Verwandten vermacht hatte.

Mari mochte ihn beeindruckt haben. Aber er würde trotzdem herausfinden, was sie getan hatte, um das Hotel mitsamt dem großen Grundstück zu erben. Wenn sie mit gezinkten Karten gespielt hatte, würde er sie darauf ansprechen. Er hatte genug von Leuten, die ein Mitglied der Familie Talarico hintergehen wollten.

„Eigentlich gibt es nicht viel, was Mari nicht kann“, fügte die Kellnerin bewundernd hinzu.

Genau diesen Eindruck bekam er allmählich auch von der hübschen Hotelleiterin.

Mari versuchte mit aller Macht, den Streit mit Matteo Talarico am Morgen zu vergessen. Doch das katastrophale Gespräch ging ihr einfach nicht aus dem Kopf. Sie kannte diesen Typ Mann nur zu gut: privilegiert, erfolgreich und daran gewöhnt, den eigenen Kopf durchzusetzen.

Männer wie er erwarteten, dass die Welt ihnen zu Füßen lag. Nun, ohne mich. Niemand wird jemals wieder so viel Macht über mich haben. Es beschämte sie, dass sie es überhaupt jemals so weit hatte kommen lassen.

Zu ihrer Entschuldigung konnte sie nur anführen, dass sie jung und naiv gewesen war, als sie sich mit Trevor verabredet hatte. Zuerst war sie überrascht gewesen und hatte sich ein wenig geschmeichelt gefühlt, dass jemand wie er ihr überhaupt Avancen machte.

Seine reiche Familie aus Bostons High Society hatte keinen Hehl aus ihrer Ansicht gemacht, dass Trevor in einer anderen Liga spielte als Mari. Es hatte nicht viel gebraucht, bis er bald zu derselben Schlussfolgerung gekommen war.

Sie verdrängte die Erinnerungen und zwang sich, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Gerade als sie eine Fliege mit einem Kescher aus dem Wasser fischte, hörte sie Robertas Stimme.

„Ich weiß überhaupt nicht, warum du dir die Mühe machst, den Swimmingpool zu reinigen. Direkt gegenüber lockt ein weltberühmter Strand. Niemand schwimmt jemals in dem Becken.“

Mari verkniff sich eine schnippische Erwiderung, die ihr auf der Zunge lag. Roberta, die auf der Terrasse stand, sparte nie mit Kritik an ihr. Aber Mari wollte glauben, dass die ältere Frau es gut meinte.

Nach dem äußerst unangenehmen Morgen hatte sie jedoch einfach keine Lust mehr, sich anhören zu müssen, wie unzulänglich sie war. „Wie auch immer. Der Swimmingpool sollte sauber gehalten werden, falls ihn doch jemand benutzen will.“

„Hm.“

„Solltest du nicht am Empfangstresen sein?“, fragte sie Roberta. Am frühen Nachmittag trudelten normalerweise die Gäste ein. „Miyko muss mit dem Koch den Nachmittagsaperitif vorbereiten.“

„Ich bin schon auf dem Weg in die Lobby. Allerdings ist mir ein Rätsel, warum du hier draußen deine Zeit verschwendest. Du könntest dich selbst um die Gäste kümmern.“

„Entschuldigen Sie die Störung. Aber es war niemand an der Rezeption.“

Mari lief ein seltsamer und ungewohnter Schauer über den Rücken, als sie die tiefe Männerstimme hörte. Er ist wieder da. Warum reagierte sie körperlich so stark auf diesen Mann?

Als ihr fast der Kescher aus der Hand fiel, hatte sie eine Sekunde lang das Gefühl, das Gleichgewicht zu verlieren. Zum Glück gönnte sie dem Fremden nicht das Vergnügen, vollständig bekleidet in den Swimmingpool zu fallen.

Das wäre das Tüpfelchen auf dem i, nachdem sie sich morgens mit ihm gestritten hatte, ohne etwas von dem Ölfleck auf ihrer Wange zu ahnen.

Sie machte sich nicht die Mühe, in seine Richtung zu sehen. „Ich fürchte, wir sind ausgebucht, Signore Talarico. Sie werden sich eine andere Unterkunft suchen müssen.“ Sie wagte nicht, ihm ins Gesicht zu blicken. Zweifellos starrte er sie an. Was wollte er überhaupt? War er hier, um ihr noch mehr Vorwürfe zu machen?

Roberta mischte sich jetzt ein. „Wir sind ausgebucht? Das ist mir neu. Ich dachte, die Familie aus Schweden hat heute Morgen abgesagt.“

Insgeheim verfluchte Mari ihre Mitarbeiterin. Hätte sie nicht ausnahmsweise einmal einen Wink befolgen können, den sie erhalten hatte?

„Es ist wohl eher so, dass ich hier nicht willkommen bin“, sagte der Mann zu Roberta.

„Warum? Was haben Sie getan?“

Offenbar kann ich Signore Talaricos zweiten unerwünschten Besuch am heutigen Tag nicht ignorieren. Der Besuch ist doch unerwünscht, oder? Natürlich ist er unerwünscht.

„Roberta, geh bitte in die Lobby. Ich möchte nicht, dass noch weitere Gäste vor einem unbesetzten Empfangstresen stehen.“ Sie beobachtete, wie die ältere Frau offenbar amüsiert den Blick von ihr zu Signore Talarico und wieder zu ihr gleiten ließ.

Als Roberta schließlich ins Hotel ging, funkelte Mari den Mann an, der auf der anderen Seite des Pools stand. „Hatte ich nicht deutlich gemacht, dass jede weitere Kommunikation zwischen uns über Dritte laufen muss?“

„Hören Sie, ich bin hier, um mich zu entschuldigen. Ich war vorhin unglaublich unhöflich. Sie hatten jedes Recht, mich hinauszukomplimentieren.“

Hm. Das hatte sie nicht kommen sehen. Er schien nicht der Typ zu sein, der sich oft entschuldigte. Offenbar machte er ihr etwas vor.

„Ich entschuldige mich aufrichtig für mein Verhalten.“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. War seine Reue echt? Vielleicht war ihm das Ganze lediglich peinlich. Aber als er sie mit diesen dunklen Augen ansah und sie seinen sinnlichen Mund betrachtete, war sie versucht, seine Entschuldigung zu akzeptieren.

„Ich würde mir wirklich wünschen, dass Sie mich anhören“, fuhr er fort. „Wir haben eine Menge zu besprechen. Wissen Sie, wie lange es dauert, bis ein Anwalt auch nur die einfachste Mitteilung aufgesetzt hat? Und welche Kosten er dafür in Rechnung stellt?“

„Manche Dinge sind ihr Geld wert. Ihnen aus dem Weg zu gehen, wäre sicherlich jede Summe wert.“

Er schnitt ein Gesicht. „Au. Das habe ich vermutlich verdient.“

„Auf jeden Fall. Nur, um das einmal festzuhalten: Was genau haben Sie mir unterstellt?“

„Es war falsch von mir, Sie zu beschuldigen. Mea culpa.“

Sie wollte sich dafür verfluchen, dass ihr Zorn verrauchte. Doch so einfach sollte sie es ihm nicht machen. Zweifellos wirkten sein charmantes Lächeln und blendendes Aussehen besänftigend auf aufgebrachte Frauen. Nun, sie hatte nicht vor, zu diesen Frauen zu gehören.

„Na schön. Sie haben sich entschuldigt. Wenn das alles war – ich habe noch etwas zu erledigen.“ Aber er verstand den Wink nicht, sondern starrte sie an, als wäre sie ihm ein völliges Rätsel.

Damit waren sie einigermaßen quitt. Sie war auch nicht ganz sicher, was sie von ihm halten sollte. Sie bemerkte nur, dass sie Herzklopfen hatte und ihre Wangen sich anfühlten, als wären sie gerötet, was nichts mit der Junihitze zu tun hatte.

Matteo musste Mari zugestehen, dass sie hart arbeitete. Vielleicht hatte seine Cousine ihr deshalb ein so großes Erbe hinterlassen.

Doch es gab viele Menschen auf der Welt, die hart arbeiteten, ohne dafür ein Hotel vermacht zu bekommen. Die alte Frau hätte ihr einfach einen Geldbetrag hinterlassen und ihr garantieren können, weiterhin im Hotel arbeiten zu können.

„Sie können mir wohl nicht verdenken, dass ich ein bisschen neugierig bin“, sagte er, obwohl sie ihn nicht einmal mehr ansah. „Einer Angestellten ein etabliertes Hotel und einem Blutsverwandten nur das kleinere Stück Land daneben zu vererben, ist eine seltsame Art, sein Vermögen aufzuteilen. Das müssen Sie doch zugeben.“

Mari warf ihm einen Blick zu. „Dann haben Sie sich deshalb heute Morgen also so rüde verhalten?“

„Ich habe doch schon gesagt, dass es mir leidtut. Ich war einfach überrumpelt. Normalerweise vermacht man große Vermögenswerte wie Hotels seinen Familienangehörigen.“

Sie musterte ihn durchdringend. Durch die anstrengende Arbeit war ihre Haut mit Schweißperlen bedeckt und glänzte in der Sonne. Ihre Wangen waren gerötet. Die Haare hatte sie lässig hochgesteckt. Einige Haarsträhnen hatten sich aus der Frisur gelöst und fielen ihr über die Schultern.

Unter anderen Umständen, wenn sie sich etwa bei einer Veranstaltung oder auf einer Piazza begegnet wären, hätte er sie vielleicht um ein Date gebeten. Sie war sehr attraktiv und hatte Kurven und Rundungen an den richtigen Stellen. Ihr sinnlicher Mund lud zum Küssen ein.

Schluss damit. Er war nicht hier, um sich zu fragen, wie es sich anfühlen würde, diese vollen Lippen zu küssen. Diese Frau schien ihn zu verachten.

„Anscheinend sind Sie nie auf die Idee gekommen, dass Anna vielleicht mich als ihre Familie betrachtet hat, Signore Talarico.“

„Sie wissen, was ich meine. Normalerweise wird eine Blutsverwandtschaft höher bewertet als alles andere.“

„Richtig. Meinen Sie zum Beispiel Blutsverwandte, die keine Notiz davon nehmen, dass ein Familienmitglied krank ist? Blutsverwandte, die sich in keiner Weise bemühen, an der Seite des kranken Familienmitglieds zu sein, solange es noch lebt? Um dessen Hand zu halten und Worte des Trostes und der Liebe zu sprechen?“

An diesem Punkt hatte sie ihn kalt erwischt. Vermutlich hatte Mari all das und noch mehr für seine Cousine getan. „Natürlich hätte ich auf Ihre Nachrichten antworten und herausfinden sollen, was mit Anna los ist. Es war ein ziemlich hartes Jahr, in dem ich mit vielem zu kämpfen hatte.“

Sie schien von seiner Ausrede nicht beeindruckt zu sein, sondern bedachte ihn mit einem bitterbösen Blick. Dann zog sie den Kescher aus dem Pool und trug ihn zu einem Schuppen hinter ihr. Matteo hatte das Gefühl, dass er gerade stillschweigend entlassen worden war.

Ha! So leicht würde sie ihn nicht loswerden. Einige Zeit verging, während sie im Schuppen blieb. Versuchte sie, dort zu warten, bis er die Geduld verlor und verschwand? Er seufzte erleichtert, als sie wieder auftauchte.

„Sie sind ja immer noch hier.“

Er hatte noch nie eine Frau getroffen, der es gelang, ihn zu bezaubern, während sie gleichzeitig von seiner bloßen Anwesenheit völlig genervt war. Vielleicht lag es am niedlichen bauchfreien Top, das sie zu einer locker sitzenden Turnhose trug. Vielleicht auch daran, dass er sich vorstellte, wie sich ihre sonnengebräunte Haut anfühlen würde.

Was ist nur los mit mir? Er unterdrückte einen Fluch. Offensichtlich hatte er viel zu lange keine weibliche Gesellschaft mehr gehabt. Die Schwierigkeiten, in denen Tala Industries steckte, hatten in den letzten Monaten seine ganze Zeit und Energie in Anspruch genommen.

„Werden Sie gehen, wenn ich sage, dass ich Ihre Entschuldigung annehme?“, fragte sie.

„Wenn es aufrichtig gemeint wäre, was ich bezweifle, würde ich mich besser fühlen.“

„Lügen können ehrlich sein.“ Sie lächelte leicht.

Matteo wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. „Meinen Sie nicht, dass zumindest irgendeine Form eines Gesprächs nötig ist? Ich bin der Besitzer des Grundstücks direkt neben dem Hotel, das zufällig Ihnen gehört.“

„Wollen Sie damit sagen, dass wir Nachbarn werden?“ Sie ging um den Swimmingpool herum und an ihm vorbei.

„Auf jeden Fall. Wollen Sie nicht wissen, was ich auf dem Grundstück bauen will?“ Das war ein Bluff. Ein weiteres Hotel gleich nebenan wäre überflüssig. Die Strandpromenade verfügte bereits über ziemlich viele Restaurants. Zudem war Gastronomie nicht gerade seine Stärke.

Nein, er brauchte das Hotel und das Grundstück, auf dem es stand, als Sicherheit für einen Kredit bei der Bank. Alles, was Tala Industries besaß, war bereits vollständig fremdfinanziert oder liquidiert. Er war auf ihre Bereitschaft angewiesen, mit ihm zu kooperieren.

Im Moment schien sie jedoch alles andere, als kooperativ zu sein. Das muss ich ändern.

3. KAPITEL

Mari hasste es, sich einzugestehen, dass Matteo Talarico recht hatte. Sie mussten reden. Als sie an ihm vorbei zum Blumengarten ging, der den Poolbereich von der Eingangshalle trennte, schien sie seine Anwesenheit förmlich hinter sich spüren zu können.

Der Garten mit den farbenprächtigen Blumen und ihrem Duft, der in der Luft lag, wirkte immer beruhigend und besänftigend auf sie. Manchmal, wenn eine Panikattacke sie aus dem Schlaf riss, kam sie sogar mitten in der Nacht hierher.

Doch selbst in dieser kleinen Oase der Ruhe raste ihr Puls immer noch. Sie konnte sich ihre körperliche Reaktion auf diesen Mann nicht erklären, die ihr absolut nicht behagte.

„Wow. Dieser Ort ist etwas ganz Besonderes.“

Sie drehte sich zu ihm um und sah, dass er erstaunt die Blumensträucher betrachtete. Na gut, das sprach für ihn. Sie hätte ihn nicht für den Typ Mann gehalten, der einen schönen Garten zu schätzen wusste.

„Das war Annas Meisterstück. Sie hat viele Stunden hier draußen verbracht, bis es ihr nicht mehr möglich war. Wir versuchen, den Garten zu erhalten. Roberta, die am Empfang arbeitet, kümmert sich darum.“

„Er ist in der Tat eine kleine Oase.“

Schade, dass dieser blendend aussehende und charismatische Mann nicht schon bei ihrer ersten Begegnung so charmant war. Genau da lag das Problem. Sie musste zugeben, dass sie vor allem so wütend auf ihn war, weil er mit seinen Worten ins Schwarze getroffen hatte.

Vielleicht hatte sie wirklich kein Recht, dieses Hotel zu leiten. War Anna überhaupt bei klarem Verstand gewesen, als sie darum gebeten hatte, ihr Testament zu ändern und das Hotel Mari zu überlassen?

Was wäre, wenn das Hotel nach all den Jahren wegen ihrer Inkompetenz in die roten Zahlen geriet? Tief einatmen und wieder ausatmen. Einfach atmen.

„Ich erinnere mich kaum an Anna“, riss er sie aus ihren Gedanken. „Ich bin überrascht, dass sie sich an mich erinnert hat.“

Sie nickte. „Selbst als ihre geistigen Fähigkeiten gegen Ende nachgelassen haben, hat sie gelegentlich von Ihnen geredet und erzählt, dass Sie als Kind altklug und neugierig waren. Sie sagte, Sie seien hier herumgelaufen, als würde Ihnen das Hotel gehören.“

Er schenkte ihr ein charmantes Lächeln. „Das höre ich immer noch von den Leuten. Sehr oft.“

„Ich bin schockiert“, erwiderte sie sarkastisch.

„Der Garten war also Annas Werk, hm?“ Er deutete auf das bunte Blumenmeer.

„Ja.“

„Ich bedauere, dass ich meine Cousine nicht öfter besucht habe. Es gibt auch keine Entschuldigung dafür, dass meine Eltern irgendwann ganz aufgehört haben, Anna zu besuchen.“

Mari widersprach mit keiner Silbe.

„Abgesehen davon, dass wir über unser jeweiliges Erbe sprechen müssen, würde ich gern mehr über Sie erfahren“, fügte er hinzu. „Darf ich Sie heute Abend zum Essen einladen? Vielleicht auf der Piazza?“

Sie war überrascht über die Einladung. Bevor sie antworten konnte, tauchte Miyko auf. Ihr normalerweise fröhlicher Assistent wirkte genervt. Sie ahnte den Grund dafür.

„Signore Gio fragt wieder nach Ihnen.“ Er musterte Matteo von oben bis unten, bevor er sich ihr wieder zuwandte. „Er ist in der Lobby und weigert sich, mir zu sagen, was das Problem ist. Ich habe wirklich versucht, es aus ihm herauszubekommen.“

Sie fluchte innerlich. Na, toll. Jetzt würde sie sich zu allem Überfluss auch noch mit Signore Gio herumschlagen müssen. Unglücklicherweise würde Matteo dieses Mal auch noch Zeuge ihrer vermeintlichen Unzulänglichkeit in Form eines unzufriedenen Gastes sein.

„Kannst du ihm nicht sagen, dass ich derzeit beschäftigt bin und ihn später aufsuche?“

Er stützte die Hände in die Hüften. „Was glaubst du denn? Natürlich habe ich das schon versucht.“

„Na gut. Mal sehen, was er jetzt will.“ Wie sie erwartet hatte, folgte Matteo ihnen in die Lobby, wo Signore Gio sie bereits erwartete.

„Womit kann ich Ihnen heute Nachmittag helfen?“, fragte sie freundlich und zuvorkommend. Doch diesen Mann zu besänftigen, war anscheinend unmöglich. Sie zählte schon jetzt die Minuten, bis er auschecken würde. Der Tag konnte gar nicht früh genug kommen. Dann würde sie bis zum nächsten Jahr nicht mehr an ihn denken müssen.

Verärgert verschränkte er die Arme vor der Brust. „In meinem Zimmer ist es so heiß wie in einer Sauna. Ich hätte es gern viel kühler.“

„Haben Sie schon versucht, den Temperaturregler der Klimaanlage herunterzudrehen?“ Sie traute dem Mann durchaus zu, dass er zu ihr gekommen war, ohne den Regler zu betätigen, nur um sie drangsalieren zu können.

Er verdrehte theatralisch die Augen. „Natürlich. Für was für einen Tölpel halten Sie mich?“

Wollte er wirklich eine Antwort auf diese Frage? „Ich musste mich zumindest danach erkundigen.“

„Nein, das mussten Sie nicht“, entgegnete er kopfschüttelnd.

Sie widerstand dem Drang, einen Blick in Matteos Richtung zu werfen. Wahrscheinlich fand er es recht unterhaltsam, dass Signore Gio ihr eine Standpauke hielt. „Geben Sie mir fünf Minuten, damit ich mich umzuziehen kann. Dann gehe ich sofort in Ihr Zimmer und kümmere mich darum.“

„Das ist das Mindeste, was Sie tun können. Ich würde es allerdings vorziehen, wenn Sie sich sofort darum kümmern. Es ist unhöflich von Ihnen, mich warten zu lassen.“

Unhöflich? Er hatte ihr gerade vorgeworfen, unhöflich zu sein? Sie atmete tief durch. „Ich verstehe, dass Sie mit der Temperatur in Ihrem Zimmer unzufrieden sind. Das Problem wird behoben. Wenn mir es nicht gelingt, beauftrage ich sofort den Wartungsdienst. Aber vorher ziehe ich wenigstens ein T-Shirt an. Es dauert nur einen Moment.“

„Nein.“

Mari verschlug es die Sprache. Signore Gio nahm keinerlei Rücksicht auf ihre Bitte. Als wäre es völlig egal, was sie dachte und fühlte. Als wäre es in Ordnung, sie nach Lust und Laune herumzukommandieren. Er behandelte sie so, wie es schon zu viele andere in der Vergangenheit getan hatten.

Während sie überlegte, was sie erwidern sollte, spürte sie, dass jemand hinter ihr ganz sacht ihren Ellbogen berührte: Matteo. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie vermuten, dass die Berührung ein Zeichen der Unterstützung war. Eine Geste, um ihr Selbstvertrauen zu stärken.

Ausgerechnet Matteo gab ihr genau den Anstoß, den sie brauchte, um den Schock zu überwinden. Sie atmete tief ein, hob das Kinn und wählte ihre Worte sorgfältig: „Es tut mir leid. Das Problem mit dem Thermostat ist kein Notfall. Ich komme in Ihr Zimmer, sobald ich ein T-Shirt angezogen habe, Signore.“

Sie blickte dem älteren Herrn in die Augen, ohne auch nur einmal zu blinzeln, und verschränkte die Arme vor der Brust, als er widersprechen wollte. Sie würde sich behaupten. Dazu benötigte sie nur noch mehr Übung.

Schließlich machte Signore Gio auf dem Absatz kehrt. „Nehmen Sie sich nicht mehr als fünf Minuten Zeit“, verlangte er, als er zur Treppe ging.

Mari atmete erleichtert auf. Zumindest für den Moment hatte sie die Schlacht gewonnen. Außerdem machte ihr noch etwas anderes zu schaffen, denn Matteo berührte noch immer kaum spürbar ihren Ellbogen. Seine Hand auf ihrer Haut zu spüren setzte sie total unter Strom. Sie wich zurück und drehte sich zu ihm um.

Langsam begann er zu klatschen. „Bravo. Das haben Sie sehr gut gemacht.“

Es war albern. Aber sein Kompliment freute sie sehr. „Ich habe im Lauf der Jahre viel Übung gehabt.“

„Oh?“

Das hätte ich wirklich nicht sagen sollen. „Nun, ich sollte jetzt gehen. Ich will Signore Gio nicht noch wütender machen, als er ohnehin schon ist.“

„Möchten Sie, dass ich Sie in sein Zimmer begleite?“

Das Angebot überraschte sie. Kaum zu glauben, dass dies derselbe Mann war, der sie morgens beschuldigt hatte, eine alte Dame betrogen zu haben.

Diese neuere Version von Matteo Talarico warf sie aus der Bahn. Sie war versucht, sein großzügiges Angebot anzunehmen, um Signore Gio nicht allein gegenübertreten zu müssen.

Doch seit ein paar Monaten war sie nicht mehr nur die Managerin, sondern auch noch die Besitzerin des Hotels. Wie würde es aussehen, wenn sie sich dieser Aufgabe nicht allein stellen würde?

„Danke. Das wird nicht nötig sein“, antwortete sie. „Ich kann mich allein darum kümmern.“ Sie schenkte ihm ein kleines Lächeln, bevor sie sich dann umdrehte.

„Daran habe ich keinen Zweifel.“

„Das hat ja nicht besonders lange gedauert.“

Als Mari zurückkam und sah, dass sich Matteo noch immer in der Lobby aufhielt, überlief sie ein Prickeln. Es war eine weitere unerwünschte körperliche Reaktion, die überhaupt keinen Sinn ergab. Sie wollte den Mann loswerden, um Himmels willen.

„Das liegt daran, dass Signore Gio den Thermostat für den Whirlpool auf seiner Terrasse statt den Temperaturregler für sein Zimmer neu eingestellt hat.“

„Hm. Hatte er den Anstand, sich für seinen Fehler zu entschuldigen?“

„Ganz im Gegenteil.“ Sie lachte leise. „Er hat beanstandet, dass der Thermostat und der Temperaturregler ähnlich aussehen. Seiner Meinung nach hätten wir sie deutlicher kennzeichnen sollen, obwohl über dem Thermostat ein Whirlpool abgebildet ist.“

„Verstehe. Mit Signore Gio haben Sie alle Hände voll zu tun.“ Dann fügte er hinzu: „Sie haben meine Frage nie beantwortet.“

„Es tut mir leid, die Frage muss ich vergessen haben.“

„Ich habe Sie gefragt, ob ich Sie zum Abendessen einladen darf.“

In diesem Moment knurrte ihr Magen. „Normalerweise bitte ich den Koch, mir das Essen auf einem Tablett anzurichten, und nehme es dann in meine Wohnung mit.“

„Nun, so aufregend das auch klingt – würden Sie wenigstens in Betracht ziehen, stattdessen mit mir essen zu gehen? Wir könnten in ein Restaurant auf der Piazza gehen.“

„Warum?“

„Warum Sie mit mir essen gehen sollen?“

Sie schüttelte den Kopf. „Warum bitten Sie mich darum?“

Er lächelte. „Zum einen, weil es eine Menge gibt, über das wir reden müssen.“

„Und zum anderen?“

„Um die Chance zu haben, mein Verhalten von heute Morgen zumindest teilweise wiedergutzumachen. Das ist das Mindeste, was ich tun kann.“

Wie wahr! Überraschenderweise zog sie tatsächlich in Erwägung, seine Einladung anzunehmen. Sie war schon lange nicht mehr auf der Piazza gewesen, und der Abend war perfekt, um in einer der vielen Trattorien im Freien unter dem Sternenhimmel zu essen.

Es gab so viele Gründe, Ja zu sagen – und es gab einen sehr guten Grund zur Ablehnung. Sie könnte dem Charme dieses Mannes so leicht erliegen. Eine Komplikation, die sie im Moment in ihrem Leben nicht brauchen konnte.

Allerdings hatte sie die Auseinandersetzung mit Signore Gio wirklich hungrig gemacht, und sie mochte das Gericht nicht besonders, das der Koch für diesen Abend zubereitet hatte. Zudem musste sie Matteo zugutehalten, geduldig auf ihre Antwort zu warten, ohne frustriert zu wirken.

„Es ist nur ein Abendessen“, ermunterte er sie. „Sie würden mir einen Gefallen tun. Dann muss ich nicht als einsamer Mann durch die Straßen in Cagliari schlendern und allein in einem Restaurant essen.“

Immerhin versuchte er, sich bei ihr zu entschuldigen, obwohl er als Großindustrieller in einer anderen Liga spielte als sie. Trevor hatte sich nie bei ihr entschuldigt, sondern ihr eingeredet, dass sie schuld an allem war, was schiefging. Es ist töricht, dass ich die beiden Männer überhaupt miteinander vergleiche.

„Also, was sagen Sie?“, fügte er nach einem Augenblick hinzu.

Wieder knurrte hörbar ihr Magen. Amüsiert zwinkerte Matteo ihr zu, was schließlich den Ausschlag gab. „Na gut. Aber nur, weil ich Hunger habe.“

„Und ich dachte, mein Charme hätte Sie schließlich überzeugt“, witzelte er.

Sie musste in sein Lachen einstimmen. „Eigentlich gibt es einen anderen Grund.“

„Und der wäre?“

„Anna. Ihre Cousine hat Sie das letzte Mal zu Gesicht bekommen, als Sie noch ein Kind waren. Trotzdem hat sie Ihnen einen Teil ihres Vermögens vermacht. Also muss sie Ihnen in irgendeiner Form vertraut haben.“

Sie hatte Anna sehr viel zu verdanken. Sich anzuhören, was Annas entfernter Cousin ihr zu sagen hatte, war das Mindeste, was sie tun konnte. Hoffentlich würde sie es nicht bereuen.

4. KAPITEL

Matteo war ungeheuer erleichtert, als Mari schließlich seine Einladung annahm.

„Ich mache mich ein bisschen frisch und hole meine Handtasche. Es dauert nur eine Minute.“

Er nickte und setzte sich in einen Sessel. „Ich warte hier in der Lobby auf Sie.“

Sie musterte ihn nachdenklich. „Dann könnten die Gäste annehmen, dass Sie hier die ganze Zeit über warten müssen, weil wir Ihr Zimmer nicht rechtzeitig hergerichtet haben.“

„Ja, das könnte tatsächlich keinen guten Eindruck machen.“ Ihn beeindruckte, dass sie immer ihrer Verantwortung für das Hotel nachkam. Sie machte einen ausgezeichneten Job als Managerin und Hotelbesitzerin, obwohl sie noch relativ jung war und wenig Berufserfahrung hatte.

Nun, das tut nichts zur Sache. Er hatte hier immer noch ein Ziel und würde ihr sogar die Möglichkeit bieten, Hotelmanagerin zu bleiben. Es wäre eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

„Warum kommen Sie nicht mit nach unten in meine Wohnung? Ich bürste mir nur kurz die Haare und mache mich ein bisschen frisch.“

„In Ordnung.“ Er folgte ihr durch ein kleines Büro und einen Flur zu einer Treppe, die nach unten führte.

Schließlich erreichten sie eine Tür mit einem Zahlenschloss. Mari gab schnell eine Zahlenkombination ein und führte ihn in eine kleine Wohnung mit einer winzigen Küchenzeile und einem spärlich möblierten Wohnbereich, die dennoch gemütlich und komfortabel wirkte.

„Es dauert nur eine Minute“, wiederholte sie und ging ins Schlafzimmer.

Er war überrascht. Ihr stand ein Hotel zur Verfügung, in dem sie sich ihre Unterkunft aussuchen konnte. Im Internet hatte er sich einen Eindruck verschafft. Einige Suiten waren geradezu nobel eingerichtet und verfügten über eigene Terrassen mit luxuriösen Whirlpools. Doch sie hatte sich nur für eine kleine Wohnung im Tiefparterre entschieden.

Während er wartete, sah er sich um. Sie hatte zweifellos das Beste aus dem begrenzten Raum gemacht. Allerdings gab es keine persönlichen Dinge, die Aufschluss darüber gaben, wer Mariana Renati wirklich war.

Die Fotografien an den Wänden zeigten berühmte Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Cagliari. Nur auf einem Foto waren Menschen zu sehen. Mari stand lächelnd im Garten des Hotels zwischen einer älteren Frau und dem Mann, der unten an der Rezeption arbeitete. Die Frau, die dieselbe Augenfarbe hatte wie er, musste Anna sein.

Doch nichts wies darauf hin, woher und wie Mari ausgerechnet nach Sardinien gekommen war. Aufgrund ihres Akzents musste sie Amerikanerin sein. Er tippte darauf, dass sie lange in Neuengland gelebt hatte.

Er rief sich zur Ordnung. Ich brauche nichts über Mari Renati zu erfahren. Ich muss ihre Lebensgeschichte nicht kennen. Als er hörte, dass hinter ihm die Schlafzimmertür aufging, drehte er sich um. „Das ging aber schnell.“ Sie hatte nicht einmal zehn Minuten gebraucht, um sich zurechtzumachen.

„Ich bin ziemlich hungrig und wollte Sie nicht warten lassen.“

Verblüfft blickte er sie an. Die Haare fielen ihr jetzt in weichen Wellen über die Schultern. Das schlichte, leuchtend rote Sommerkleid brachte den Bronzeton ihrer sonnengebräunten Haut zur Geltung. Abgesehen davon, dass sie ein wenig Lippenstift aufgelegt hatte, war sie ungeschminkt.

Sie sieht hinreißend aus. Er konnte nicht leugnen, dass Mari eine sehr attraktive Frau war. Er war schon mit weitaus glamouröseren Frauen ausgegangen, die unendlich viel Zeit und Geld dafür aufwendeten, um sich selbst für unbedeutende Anlässe herzurichten.

„Matteo?“ Sie lächelte. „Wollen wir gehen?“

Na, toll. Jetzt hatte sie ihn dabei ertappt, wie er sie von oben bis unten in Augenschein genommen hatte. „Ja.“

Als sie das Hotel verließen, gewann wieder der Geschäftsmann in ihm die Oberhand. Die Lage an einem öffentlichen Weg und dem sehr gefragten Strand war wirklich ideal für Leute, die einen italienischen Wohnsitz zum Entspannen suchten.

Da Rom nur einen kurzen Flug entfernt war, lockten nicht nur die Sehenswürdigkeiten und Strände auf Sardinien, sondern auch all die Möglichkeiten, eine der großen Städte Italiens zu besichtigen und zu erleben.

Es war ein Wunder, dass Tala nicht bereits in diesem Teil Italiens geschäftlich aktiv geworden war. Ihm gingen viele Möglichkeiten durch den Kopf, wie er eine luxuriöse Wohnanlage an einem solchen Ort zu einem großen Erfolg machen konnte. Doch zuerst musste er Mari davon überzeugen, auf ihr Eigentum zu verzichten.

Wenn Anna ihm nur das gesamte Anwesen vermacht hätte, könnte er sofort loslegen. Dieses Projekt würde ihm nicht nur die Gelegenheit bieten, Tala vor dem Ruin zu retten. Dadurch hätte er auch die Chance, selbst etwas von Grund auf aufzubauen und sich zu beweisen.

„Wenn wir etwas schneller gehen, erwischen wir den nächsten Bus und müssen nicht zwanzig Minuten auf den nächsten warten“, riss Mari ihn aus seinen Gedanken.

Den Bus? „Wir fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln?“ Erst jetzt bemerkte er, dass er ihr blindlings in die Straße hinter dem Hotel gefolgt war.

„Das ist der günstigste und bequemste Weg, um zur Piazza zu kommen.“

Bisher war Matteo nur einmal in einen Bus gestiegen: Beim Junggesellenabschied seines Freundes Gus in Toronto hatte ein Partybus die Gäste von den Casinos zu den Klubs und zurück zum Hotel gefahren.

„Der Bus bringt uns direkt zum Hafen. Von dort aus ist es nur ein kurzer Spaziergang zur Piazza“, fügte sie hinzu.

„Verstehe. Können wir nicht einfach einen Wagen kommen lassen?“ Er konnte das Lächeln nicht deuten, das sie ihm zuwarf.

„Wir sind fast da. Der Bus kommt jeden Moment, und ein Spaziergang an der frischen Seeluft tut gut.“ Sie hielt einen Moment inne. „Sie gehen doch gelegentlich auch spazieren, nicht wahr? Oder nehmen Sie immer das Auto, wenn Sie irgendwohin müssen?“

„Natürlich gehe ich zu Fuß.“ Meistens zum Aufwärmen vor einem anstrengenden Muskeltraining auf dem Laufband im Fitnessraum in meinem Penthouse. Tatsächlich war er normalerweise mit einem Wagen in der Stadt unterwegs. Das war einfach eine Frage der Effizienz.

Einen Moment später blieben sie vor einer belebten Kreuzung stehen, weil die Fußgängerampel auf Rot stand. Der kristallblaue Himmel war fast wolkenlos. Es war definitiv kein schlechter Tag für einen Spaziergang. Außerdem hätte er sich keine bessere Gesellschaft wünschen können.

Ihm wurde klar, dass er Maris Nähe wirklich zu genießen begann, obwohl er sie gerade erst kennengelernt hatte. Sie gehörte zu den Menschen, die eine positive Energie ausstrahlten und Freude verbreiteten.

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Autor

Tara Pammi

Tara schreibt sexy Romanzen mit anbetungswürdigen Helden und sexy Heldinnen. Ihre Heldinnen sind manchmal laut und rebellisch und manchmal schüchtern und nerdig, aber jede von ihnen findet ihren perfekten Helden. Denn jede Frau verdient eine Liebesgeschichte! Tara lebt in Texas mit ihrem ganz persönlichen Helden und zwei Heldinnen in der...

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Lorraine Hall

Lorraine Hall ist Teilzeit-Einsiedlerin und Vollzeit-Autorin. Sie wurde mit einer alten Seele und jeder Menge Fantasie geboren, was sich als perfekte Kombination herausgestellt hat, um ihre Tage damit zu verbringen, über Alpha-Helden und wilde, entschlossene Heldinnen zu schreiben. Sie lebt ihrer Familie in einem möglicherweise heimgesuchten Haus. Wenn sie keine...

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