Julia Royal Band 56

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DAS MÄRCHEN DER 1001. NACHT von TERESA SOUTHWICK

Ein zärtlicher Begrüßungskuss, und Beth hat ihr Herz an Scheich Malik verloren, den Kronprinzen von Bha’Khar! Wie in einem Traum erlebt sie die sinnlichen Nächte mit ihm. Dabei ist der künftige Herrscher des Wüstenreichs einer anderen versprochen: Beths Zwillingsschwester!

IM PALAST DES PRINZEN von SUE SWIFT

Für sie ist es die große Liebe, für ihn nichts als kalte Rache. So schnell wie möglich will sich die hübsche Camille daher von dem arabischen Königssohn Rayhan wieder scheiden lassen! Doch der nutzt alle Mittel, das zu verhindern. Ganz und gar verbotene, verführerische Mittel …

PRINZ KHALIL – FALKE DES NORDENS von SANDRA MARTON

Ehe sie weiß, wie ihr geschieht, wird Joanna in Marokko entführt. Ihr Entführer ist nicht irgendwer, sondern Prinz Khalil, der Falke des Nordens. Als die junge Amerikanerin den ersten Schrecken überwunden hat, stellt sie fest, dass sie es genießt, so heiß umworben zu werden …


  • Erscheinungstag 22.08.2026
  • Bandnummer 56
  • ISBN / Artikelnummer 8026260056
  • Seitenanzahl 400

Leseprobe

Teresa Southwick, Sue Swift, Sandra Marton

JULIA ROYAL BAND 56

Teresa Southwick

1. KAPITEL

Alina Bethia Farrah war ein durch und durch wahrheitsliebender Mensch. Und genau aus dem Grund glich ihr Innenleben zurzeit einer Achterbahn der Gefühle. Sie hasste es, sich zu verstellen, und verabscheute sich für das, was sie vorhatte. Aber ihr blieb keine andere Wahl. Schließlich hatte sie ihrer Zwillingsschwester Adina versprochen, für kurze Zeit die Rollen zu tauschen und sich an Adinas Stelle mit Malik Hourani, dem Kronprinzen von Bha’Khar, zu treffen.

Noch nie hatte sie ihrer Schwester eine Bitte abgeschlagen. Adina war der einzige Mensch, auf den Beth sich verlassen konnte und der sie liebte.

Doch als sie jetzt in der überaus prunkvollen Suite des Palastes saß und darauf wartete, den Prinzen kennenzulernen, wurde ihr bewusst, wie ungeheuerlich ihr Vorhaben war. Während sie ihre Koffer betrachtete, die auf dem wunderschönen Marmorfußboden aufgereiht waren, war ihr völlig klar, dass die Entscheidung falsch war, die sie aus sicherer Entfernung in ihrem Apartment in Los Angeles getroffen hatte.

Adina wollte den Scheich nicht heiraten, zumindest noch nicht. Sie brauchte noch etwas Zeit, um sich darüber klar zu werden, was sie wirklich wollte. Deshalb war Beth hier in Bha’Khar und gab sich für ihre Schwester aus.

Addie war genau zwei Minuten vor Beth zur Welt gekommen, und ihr Vater, der Botschafter seines Landes in den Vereinigten Staaten, hatte mit dem König von Bha’Khar vereinbart, dass seine erstgeborene Tochter eines Tages den Kronprinzen heiraten sollte. Addie war jedoch hin- und hergerissen und konnte sich nicht entscheiden, ob sie sich ihrem Vater, den sie sehr liebte, widersetzen oder einen Mann heiraten sollte, den sie gar nicht kannte. Beide Möglichkeiten machten ihr Angst, und dass sie vor Kurzem einen Mann kennengelernt hatte, den sie sehr gernhatte, kam erschwerend hinzu und machte alles noch komplizierter.

Seit ihrer Volljährigkeit vor einigen Jahren hoffte sie, der Scheich hätte die Vereinbarung vergessen oder ignoriere sie. Doch vor wenigen Wochen war er darauf zurückgekommen und hatte sie gebeten, nach Bha’Khar zu kommen, um die Hochzeit vorzubereiten. Völlig hilflos und ratlos hatte sie Beth angefleht, ihr zu helfen und die Sache für sie zu regeln.

Beth war eine sehr lebhafte, kontaktfreudige und ausgesprochen ehrliche junge Frau. Schon als Kind hatte sie sich oft für ihre zurückhaltende und introvertierte Zwillingsschwester ausgegeben, um sie zu behüten und zu beschützen, wenn diese etwas angestellt und Angst vor der Strafe hatte. Doch jetzt ging es um etwas sehr viel Wichtigeres, und es konnte schwerwiegende Folgen haben, wenn der Schwindel aufflog.

Obwohl Beth Lügen verabscheute, musste sie ihrer Schwester in dieser schwierigen Situation helfen. Der Scheich war ein mächtiger, einflussreicher Mann, und sie konnte sich gut vorstellen, dass er nach seinen eigenen Regeln lebte und auf nichts und niemanden Rücksicht nahm. Während ihres Studiums war Beth mit einem Kommilitonen befreundet gewesen, den sie sehr gerngehabt hatte. Er stammte aus einer einflussreichen Politikerfamilie und hatte schließlich eine junge Frau aus einer befreundeten Familie geheiratet, weil er sich davon Vorteile versprach. Auch er hatte geglaubt, sich alles erlauben zu können, und Beth nach seiner Hochzeit vorgeschlagen, seine Geliebte zu werden. Natürlich hatte sie das Ansinnen empört zurückgewiesen. Um ihrer Schwester eine ähnlich schmerzliche Erfahrung zu ersparen, wollte Beth ihr helfen. Außerdem hielt sie nichts von einer arrangierten Ehe. Sie war der Meinung, Eltern hätten nicht das Recht, ihren Kindern vorzuschreiben, wen sie heiraten sollten.

Beth stand auf und sah sich in der Suite um. Das lichtdurchflutete Wohnzimmer war sehr geräumig und luxuriös eingerichtet. Interessiert betrachtete sie die vielen Kunstgegenstände, die wertvollen Gemälde und die Figuren aus Glas. Breite, hohe Türen führten auf den Balkon, von dem man einen herrlichen Blick auf das Arabische Meer hatte. Als sie eine der Türen weit öffnete, spürte sie, wie die leichte Brise, die an diesem sonnigen Tag im Juli vom Meer her wehte, ihre erhitzten Wangen kühlte.

Ja, ich schaffe es, mich für Addie auszugeben. Meine Schwester und ich sind uns zum Verwechseln ähnlich, nicht einmal unser Vater kann uns auseinanderhalten, überlegte Beth. Es war sicher nicht schwierig, einen Mann zu täuschen, dem weder sie noch ihre Schwester jemals vorgestellt worden waren.

Als es klopfte, zuckte sie zusammen, obwohl sie mit dem Besuch des Kronprinzen gerechnet hatte. Sie atmete tief durch, öffnete die Tür und war sekundenlang sprachlos. Vor ihr stand der attraktivste Mann, dem sie jemals begegnet war. Er war groß, hatte dunkles Haar und strahlte Macht und Autorität aus.

Schließlich nahm sie sich zusammen. „Hallo“, begrüßte sie ihn.

„Ich bin Malik Hourani“, stellte er sich vor und verbeugte sich respektvoll.

„Es freut mich, Sie kennenzulernen.“

„Ganz meinerseits.“ Er ließ den Blick über ihre schlanke Gestalt gleiten. Ihm schien zu gefallen, was er sah, denn in seinen dunklen Augen leuchtete es bewundernd auf. „Es tut mir leid, dass ich Sie nicht selbst abholen konnte. Ihr Flugzeug ist pünktlich gelandet.“

„Um genau zu sein, war es Ihr Flugzeug, in dem ich gekommen bin.“

„Stimmt“, antwortete er mit ernster Miene. „Ich hätte Sie gern gleich nach Ihrer Ankunft begrüßt, war jedoch leider verhindert.“

„Das macht nichts.“ Sie war sogar erleichtert gewesen, dass er nicht da gewesen war. „Man hat mir erklärt, Sie seien bis heute Abend wegen dringender Staatsgeschäfte unabkömmlich.“

„Wir waren früher fertig, als wir gedacht haben. Glücklicherweise, möchte ich sagen, denn ich konnte es kaum erwarten, Sie kennenzulernen. Herzlich willkommen in Bha’Khar, Adina Farrah.“

Die erste Hürde war genommen, Malik Hourani hielt sie für Addie. Beth bekam Herzklopfen, als sie den ungemein gut aussehenden Mann betrachtete. Sein eleganter dunkler Designeranzug saß perfekt und ließ ahnen, dass sich darunter ein athletischer Körper verbarg. Er hatte ein markantes Gesicht, eine gerade Nase und sinnliche, fein geschwungene Lippen, die Zärtlichkeit und Leidenschaft zu versprechen schienen.

Noch nie zuvor war sie einem Mann begegnet, der auf den ersten Blick den Wunsch in ihr weckte, herauszufinden, wie sich seine Lippen auf ihren anfühlen mochten. Jetzt aber war es so weit, sie konnte sich der faszinierenden Ausstrahlung dieses Mannes nicht entziehen. Das verwirrte sie und lenkte sie ab, was sie ganz und gar nicht gebrauchen konnte. Sie musste einen klaren Kopf bewahren und sich eine gute Erklärung dafür einfallen lassen, warum er sie mit einem anderen Namen anreden sollte.

„Kaum jemand nennt mich Adina“, begann sie.

„Wie denn?“, fragte er erstaunt.

„Beth“, antwortete sie wahrheitsgemäß. „Das ist die Abkürzung von Bethia, meinem zweiten Vornamen. Meine Eltern haben meiner Schwester und mir sehr ähnlich klingende Namen gegeben: Adina und Alina.“ Sie zuckte die Schultern.

„Sie sind Zwillinge, stimmt’s?“

„Ja.“ Mit heftig klopfendem Herzen wartete sie darauf, dass er den Schwindel durchschaute, obwohl er eigentlich gar keinen Grund hatte, Verdacht zu schöpfen. Als er sie jedoch nur erwartungsvoll ansah, fuhr sie erleichtert fort: „Sie können sich sicher vorstellen, dass es immer wieder zu Verwechslungen geführt hat. Deshalb wurde ich schließlich Beth genannt.“

„Soll ich Sie auch so anreden?“

„Ja bitte.“

Er nickte. „Gut, abgemacht.“

„Vielen Dank, Königliche Hoheit.“

„Nennen Sie mich bitte Malik. Das klingt nicht so förmlich und hilft Ihnen, Ihre Befangenheit abzulegen.“

Offenbar spürt er, wie nervös ich bin, dachte sie. Doch welche Frau wäre das in dieser Situation nicht? „Als Tochter eines Botschafters bin ich daran gewöhnt, hochgestellte Persönlichkeiten mit dem Titel anzureden. Es ist schwierig für mich, diese Gewohnheit zu ändern.“

„Das ist verständlich. Sehen Sie es aber einmal so: Manchmal werde ich mit ‚Königliche Hoheit‘ angeredet, manchmal mit ‚Sir‘. Doch im privaten Bereich bin ich einfach nur Malik.“ Als er lächelte, blitzten seine weißen Zähne und bildeten einen interessanten Kontrast zu seiner gebräunten Haut.

Bildete sie es sich nur ein, oder hatte seine Stimme bei den Worten „im privaten Bereich“ etwas tiefer und seltsam sinnlich geklungen? Sie hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, und hätte am liebsten tief durchgeatmet.

„Okay, dann nenne ich Sie Malik“, erwiderte sie und versuchte, sich zu entspannen.

„Fein.“ Er reichte ihr die Hand.

Sie ergriff seine, und seine langen, schlanken Finger fühlten sich warm und stark an. Plötzlich kribbelte ihr die Haut, und dieses Kribbeln setzte sich fort über den ganzen Arm bis in ihre Brüste, so als hätte Malik sie berührt. Seine Augen schienen plötzlich ganz dunkel zu werden, während er Beth durchdringend ansah. War es möglich, dass er so ähnlich auf die Berührung reagierte wie sie?

„Okay, jetzt haben wir uns lange genug vorgestellt“, erklärte sie schließlich und entzog ihm die Hand. Ihre Reaktion auf diesen Mann verwirrte sie, und sie konnte kaum noch einen klaren Gedanken fassen.

„Stimmt.“ Mit einer Kopfbewegung wies er zum Wohnzimmer. „Wir sollten uns hinsetzen, uns entspannen und anfangen, uns besser kennenzulernen.“

„Ja.“ Beth drehte sich um, ging ihm voraus und nahm auf dem Sofa Platz. Zu ihrer Erleichterung schaffte sie es, ihre Nervosität etwas in den Griff zu bekommen. Aber entspannen konnte sie sich nicht, denn sie hatte das ungute Gefühl, vor ihm auf der Hut sein zu müssen. Er strahlte eine eigenartige Faszination aus, was ihm etwas Unwiderstehliches verlieh. Doch darauf durfte sie nicht hereinfallen.

„Bitte, erzählen Sie mir alles über sich“, forderte er sie in gebieterischem Ton auf.

Erteilt er mir etwa Befehle? überlegte Beth betroffen. „Wir sind doch einander versprochen“, erinnerte sie ihn. „Eigentlich müssten Sie schon alles über mich wissen.“

Er öffnete das Jackett, sodass unter dem weißen Seidenhemd sein flacher Bauch zu erahnen war, ehe er sich in gebührendem Abstand neben sie setzte und ihr in die Augen sah. „Sie haben recht, unsere Väter, die eng befreundet sind, haben vor langer Zeit vereinbart, dass Sie meine Frau werden. Es ist aber unmöglich, alles zu wissen. Mir ist bekannt, dass Sie in den USA aufgewachsen und zur Schule gegangen sind. Später waren Sie in einem Internat in der Schweiz und anschließend in Frankreich. Wie geht es übrigens Ihrem Vater?“

„Gut, vielen Dank.“ Jedenfalls das letzte Mal, als wir uns gesehen haben, fügte sie insgeheim hinzu. Es war schon so lange her, dass sie sich nicht mehr an das genaue Datum erinnern konnte.

„Das freut mich. Er erzählt nur Gutes über Sie und schätzt Sie sehr, aber ich bin natürlich nicht umfassend und bis in alle Einzelheiten informiert.“

Und gerade bei den Einzelheiten wurde es problematisch. Beth fühlte sich immer unbehaglicher, und es brannte ihr auf der Zunge, ihm die Wahrheit zu sagen. Doch sie beschloss, damit noch zu warten. „Ich verstehe, bin jedoch etwas ratlos, denn ich weiß nicht, was genau Sie wissen möchten.“

Als er ihrem Blick begegnete, schienen seine Augen wieder ganz dunkel zu werden. „Ich schlage vor, wir tun einfach so, als wären wir uns zufällig begegnet. Indem wir uns langsam annähern, lernen wir uns immer besser kennen. Ich liebe Überraschungen.“

Das war gut, denn wenn er herausfand, dass sie nicht die Frau war, für die er sie hielt, wäre er in der Tat sehr überrascht. Als Kinder und Teenager waren sie und Addie einander äußerlich so ähnlich gewesen, dass es leicht gewesen war, die Rollen zu tauschen, ohne dass es jemand merkte. Doch nach dem Schulabschluss hatte sich Beth entschieden, Lehrerin zu werden, während Addie sich lieber darauf konzentrierte, Empfänge, Partys und große Feste zu veranstalten.

„Dann machen Sie sich auf eine gefasst“, erwiderte Beth. Am besten blieb sie bei der Wahrheit oder so dicht daran wie möglich. Wenn sie einen Fehler machte und der Schwindel aufflog, würde Addie einen hohen Preis bezahlen müssen. „Ich bin Lehrerin und unterrichte Englisch an einer Highschool.“ Momentan waren Schulferien, sodass es für sie kein Problem gewesen war, für ihre Schwester einzuspringen.

„Das war mir nicht bekannt. Macht Ihnen der Beruf Spaß?“ Seine Miene verriet echtes Interesse.

„Ja.“

„Mögen Sie Kinder?“

„Natürlich. Warum fragen Sie?“

„Weil man von mir einen Thronfolger erwartet.“

„Ach so. Dann sollten Sie selbst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen“, platzte sie heraus. So einen Fauxpas hätte sich Addie natürlich nicht geleistet.

Prompt runzelte Malik die Stirn. „Möchten Sie etwa keine Kinder haben?“

„Doch, ich hätte nichts dagegen, irgendwann welche zu bekommen.“ Aber nur wenn ich einem Mann begegne, der mich liebt und den ich liebe, fügte sie insgeheim hinzu.

„Wird Ihnen das nicht fehlen, wenn wir verheiratet sind?“

„Was?“

„Ihr Beruf, Ihre Karriere.“

Seine Frau zu sein wäre demnach eine Vollzeitbeschäftigung. Das war genau das Richtige für ihre Schwester, darauf war sie vorbereitet worden. Malik hatte jedoch sie, Beth, gefragt, und sie würde ihm eine ehrliche Antwort geben. Sie liebte ihre Arbeit und fühlte sich mit den Teenagern, die sie unterrichtete, verbunden. „Ich möchte Ihnen nichts vormachen“, begann sie.

„Nein, das sollen Sie auch nicht.“

„Ich würde meinen Beruf sehr vermissen. Ist das ein Problem?“

Nachdenklich ließ er sich auf dem Sofa zurücksinken. „Darüber müssen wir später reden. Es wird sich sicher eine Lösung finden lassen.“

Er antwortet so ausweichend wie ein Politiker, dachte sie. Wahrscheinlich setzte er seinen Willen sowieso immer durch, ohne Rücksicht darauf, ob er jemanden verletzte oder nicht. Damit würde die Frau, die er heiratete, leben müssen. Glücklicherweise war sie nicht diese Frau.

„Einverstanden, wir können es später klären“, stimmte sie zu.

„Wie gefällt es Ihnen in Bha’Khar?“

„Ich habe noch nicht viel von dem Land gesehen. Ich weiß aber noch, dass ich als Kind mit meiner Mutter zum Markt gegangen bin. Sie hat immer …“ Sie verstummte, denn die Erinnerungen an die verschiedenen Gerüche, den Lärm und daran, wie sicher sie sich an der Hand ihrer Mutter gefühlt hatte, wurden übermächtig. Es kam ihr vor, als stürzte sie in ein schwarzes Loch. Die tiefe Traurigkeit darüber, dass ihre Mutter die Familie verlassen hatte, hatte sie nie ganz überwunden. Sie und Addie waren von ihrem strengen Vater großgezogen worden. Beth hatte unter dem schmerzlichen Verlust sehr gelitten und oft geglaubt, es nicht mehr aushalten zu können. Für Addie war es noch schwieriger gewesen, ohne ihre Mutter leben zu müssen.

„Was wollten Sie sagen?“, fragte Malik.

„Ach, nichts.“ Es war nicht der richtige Zeitpunkt, mit ihm über ihre Mutter zu reden. Beth hatte sich jedoch vorgenommen, während ihres Aufenthalts in Bha’Khar ihre Mutter zu besuchen und ihr ins Gesicht zu sagen, was sie von einer Frau hielt, die ihre Kinder im Stich ließ. Außerdem wollte Beth endlich wissen, was sie zu diesem Schritt bewogen hatte.

Auf einmal wurde ihr bewusst, dass nur Malik derjenige war, der hier Fragen stellte. Sie musste ihn von sich ablenken, den Spieß umdrehen und anfangen, ihn auszufragen. Natürlich ging es ihr nicht darum, ihre Neugier zu befriedigen, sondern nur darum, Addie zu helfen. Beth wollte erreichen, dass der Kronprinz auf die Einlösung des Versprechens verzichtete.

„Jetzt müssen Sie mir aber auch etwas über sich erzählen“, forderte sie ihn auf.

Sekundenlang dachte er nach. „Okay. Irgendwann werde ich der Herrscher dieses Landes und der Nachfolger meines Vaters sein. Er ist mir ein leuchtendes Vorbild und hat mich immer wieder dazu motiviert, ihn nach Möglichkeit noch zu übertreffen.“

„Wo haben Sie studiert?“, fragte sie und wünschte sogleich, sie könnte es zurücknehmen. Wenn sie sich besser informiert hätte, wüsste sie, welche Universität er besucht hatte. Hoffentlich war er nicht beleidigt, dass sie so wenig Ahnung hatte.

„Ich habe in Amerika in Wharton BWL studiert und dort auch promoviert.“

Beth war beeindruckt. Offenbar war er nicht nur attraktiv, charmant und humorvoll, sondern auch hochintelligent.

„Was erwarten Sie von meiner …?“ Von meiner Schwester, hätte sie beinah gesagt. Sie räusperte sich. „Ich meine, was erwarten Sie von Ihrer zukünftigen Frau?“

„Das hört sich an wie ein Bewerbungsgespräch“, stellte er fest.

„So? Kennen Sie sich damit aus? Haben Sie sich jemals um einen Job beworben?“

„Warum fragen Sie?“

Sie zuckte die Schultern. „Sorgen um einen Job brauchen Sie sich als Thronfolger ja nicht zu machen. Ihre berufliche Laufbahn ist doch vorgezeichnet. Deshalb können Sie eigentlich gar nicht wissen, was es bedeutet, einem möglichen Arbeitgeber Rede und Antwort zu stehen.“

„Gut, Sie haben recht, ich habe keine Ahnung. Als zukünftigem Herrscher des Landes wird von mir viel mehr erwartet als von einem normalen Arbeitnehmer.“

„So? Trifft das auch für Sie als Ehemann zu? Und für die Frau, die Sie einmal heiraten? Erwarten Sie von ihr …“ Wieder hätte sie sich fast verraten und korrigierte sich rasch: „Ich meine, erwarten Sie von mir mehr als von einer normalen Ehefrau?“

Er runzelte die Stirn und sah sie verwundert an. „Darüber habe ich noch nie nachgedacht.“

„Dann wird es aber allerhöchste Zeit, dass Sie es tun“, erwiderte sie.

Malik registrierte ihren spöttischen Ton, und ihm fiel auf, wie nervös sie war. Sie wirkte angespannt, schien auf der Hut zu sein und hatte ihm bei der Begrüßung ihre Hand viel zu hastig entzogen. Normalerweise wäre das für ihn der Beweis gewesen, dass sie etwas zu verbergen hatte. Er war vorsichtig geworden, nachdem er einmal hereingelegt worden war. Er war auf eine Frau hereingefallen, die nur ihre eigenen Absichten und Zwecke verfolgt hatte, ohne sich für ihn als Mensch zu interessieren. Dass Beth aber beunruhigt und nervös war, war durchaus verständlich. Immerhin war es die erste Begegnung mit ihrem zukünftigen Ehemann.

Malik gestand sich ein, dass er auch nervös war. Er war von Beth fasziniert. Bisher hatte er sie nur von Fotos gekannt und gewusst, dass sie eine schöne Frau war. Dass sie jedoch eine so faszinierende Ausstrahlung hatte, hatte er nicht ahnen können. Außerdem schien sie so wichtige Eigenschaften wie Aufrichtigkeit und Integrität zu besitzen.

Ihm gefiel ihr glänzendes dunkles Haar, das ihr schönes Gesicht umrahmte und ihr über die schmalen Schultern fiel. Unter dem feinen Material der Seidenbluse, die sie zu dem Hosenanzug trug, zeichneten sich ihre vollen Brüste ab. Aber wirklich überraschend fand er ihre Ernsthaftigkeit, ihre Wärme, Herzlichkeit und Lebendigkeit.

„Fühlen Sie sich unter Druck gesetzt?“, fragte er. „Vielleicht geht Ihnen das alles zu schnell. Ich möchte Sie nicht drängen.“

„Mir war natürlich immer klar, dass wir einander versprochen sind“, erwiderte Beth langsam und wählte die Worte mit Bedacht. „Nur wann die Hochzeit stattfindet und ob sie wirklich stattfindet, war nicht ganz klar.“

Dass es in dieser Hinsicht Unklarheiten gegeben hatte, war seine eigene Schuld, wie er sich eingestand. Er hatte sein Herz an eine Frau verloren, die nicht die war, die sie zu sein vorgab. Beinah wäre alles an die Öffentlichkeit gedrungen. Praktisch in letzter Minute hatte sein Vater, der bitter enttäuscht gewesen war, einen Skandal verhindern können. Malik waren nach diesem krassen Fehler Zweifel gekommen, ob er überhaupt ein würdiger Nachfolger seines Vaters war. Jedenfalls hatte er sich damals vorgenommen, sich nie wieder gefühlsmäßig zu binden. Die Hochzeit hätte er gern auf unbestimmte Zeit verschoben, aber er hatte seinem Vater beweisen wollen, dass er aus dem Fehler gelernt hatte und sich seiner Verantwortung bewusst war.

„Mein Vater möchte sich zurückziehen und mir die Regierungsgeschäfte so rasch wie möglich übertragen. Aus dem Grund habe ich mich entschlossen, bald zu heiraten.“

„Ah ja.“ Beth faltete die Hände im Schoß. „Müssen Sie denn unbedingt verheiratet sein, wenn Sie den Thron besteigen?“

„Nein. Wie ich aber bereits erwähnte, erwartet man von mir, dass ich dem Land einen Thronerben präsentiere. Und dazu muss ich natürlich verheiratet sein. Ein nicht eheliches Kind dürfte nicht mein Nachfolger werden, das erlauben unsere Gesetze nicht.“

Darauf hatte ihn sein Vater nachdrücklich hingewiesen, als Malik ihn überreden wollte, die Hochzeit zu verschieben. Sein Vater hatte ihm erklärt, dass die Ehe einem Mann die Festigkeit und Würde verleihe, die man sich von einem Herrscher wünsche. Da seine zukünftige Frau aus einer der angesehensten Familien des Landes kam und dazu erzogen worden war, dem Mann zu gehorchen und die eigenen Interessen dem Gemeinwohl unterzuordnen, würde es keinen weiteren peinlichen Zwischenfall geben.

Jetzt stellte sich jedoch heraus, dass Beth Lehrerin war, was auch sein Vater offenbar nicht gewusst hatte. Zweifellos hatte ihr Vater es für unwichtig gehalten und vergessen, es zu erwähnen. Malik war allerdings anderer Meinung. Ihre Berufswahl ließ darauf schließen, dass sie Kinder liebte und gut mit ihnen umgehen konnte.

„Dennoch brauchen wir nichts zu überstürzen“, wandte sie ein.

„Abgesehen davon, dass mein Vater sich gerne zurückziehen möchte, ist es an der Zeit, das Versprechen, das unsere Väter sich gegeben haben, einzulösen und Sie zur Königin von Bha’Khar zu machen. Sie sollen an meiner Seite unserem Volk dienen.“

Beth sah ihn mit großen Augen an. „Oh …“

„Haben Sie damit ein Problem?“

„Ja. Königin von Bha’Khar zu sein geht über mein Vorstellungsvermögen hinaus.“ In ihrer Stimme schwang Panik.

„Das verstehe ich nicht. Sie haben doch vorhin selbst gesagt, dass Sie immer gewusst haben, was auf Sie zukommt.“

„Das stimmt.“ Beth stand auf. „In der Theorie ist alles recht einfach, doch in der Praxis dann ganz anders.“

Malik erhob sich auch und blickte auf sie hinab. „Ich bin nicht ganz sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe.“

„Es tut mir leid.“ Beth seufzte. „Ich hätte es diplomatischer ausdrücken können. Also, es ist eine Sache, zu wissen, was man eines Tages tun muss, aber eine ganz andere, es dann auch in die Tat umzusetzen. Das ist so, als würde ein zum Tod Verurteilter …“

Mit einer Handbewegung brachte er sie zum Schweigen. „Sie machen die Sache nicht besser.“

„Das tut mir leid.“

„Darf ich Sie etwas fragen?“

„Wenn es unbedingt sein muss.“

Die scherzhafte Bemerkung ignorierte er. „Hat man Ihnen nicht beigebracht, wie man sich der königlichen Familie gegenüber benimmt? Falls Sie es nicht wissen: Der Vergleich mit einem zum Tode Verurteilten verstößt gegen die Regeln der Höflichkeit.“ 

Kämpferisch hob Beth das Kinn. „Okay, dann möchte ich auch etwas klären.“

„Gern.“

„Fühlen Sie sich wirklich wohl dabei, dass jemand anders Ihre zukünftige Frau wie eine Krawatte oder ein Paar Schuhe für Sie ausgesucht hat?“

„Sie sind weder das eine noch das andere.“

„Ach, Sie wissen genau, was ich meine.“ Beth ging im Raum hin und her. „Was werden Sie machen, wenn wir uns nicht gut verstehen? Oder wenn ich schnarche? Oder was soll ich machen, wenn Sie keinen Sinn für Humor haben und ich …?“

Wieder unterbrach er sie mit einer Handbewegung. „Offenbar stehen Sie der geplanten Hochzeit skeptisch gegenüber.“

„Ja, das stimmt“, bestätigte sie nachdrücklich. „Sie etwa nicht?“

„Nein.“

Er war sich sicher, dass Beth von ihrem Vater in jeder Hinsicht auf ihre zukünftige Rolle vorbereitet worden war. Gemeinsam würden sie dafür sorgen, dass das Land weltweit eine wichtigere Rolle spielte als bisher. Allerdings fragte er sich, warum sie das Thema „Liebe“ nicht angeschnitten hatte.

„Dass es keine Liebesheirat wird, stört Sie wohl nicht, oder?“

„Nein, überhaupt nicht“, erwiderte sie bestimmt.

„Möchten Sie sich nicht verlieben?“

„Nein, nicht für Geld und gute Worte.“ Sie wandte sich ab und ging wieder hin und her. „An all dem Gerede, wie großartig, wunderbar und einmalig die Liebe sei, ist doch nichts dran.“

„Stimmt.“ Malik wusste natürlich, warum er sich nicht noch einmal verlieben wollte. Doch warum Beth so eine Abneigung dagegen hatte, hätte er zu gern erfahren. Hatte sie etwa auch eine schlechte Erfahrung gemacht?

„Gut, dass Sie in dieser Hinsicht meiner Meinung sind.“

„Gegenseitiges Verstehen, gleiche Interessen und Übereinstimmung in den wichtigsten Fragen sind die besten Voraussetzungen für eine gute Ehe. Daher bin ich überzeugt …“

„Moment mal“, unterbrach sie ihn. „Dass wir beide nicht viel von Liebe halten, bedeutet natürlich nicht, dass wir in allem anderen übereinstimmen“, wandte sie ein. „Es gibt bestimmt tausend Dinge, in denen wir nicht einer Meinung sind. Wir kennen uns ja gar nicht.“

„Ja, da haben Sie recht. Die intensivste Zeit des Kennenlernens beginnt sowieso erst nach der Hochzeit.“

Beth blieb vor ihm stehen. „Genau das ist der Punkt. Ehe sich ein Mann und eine Frau dazu entschließen, den Rest ihres Lebens gemeinsam zu verbringen, sollten sie alle wichtigen Fragen vor der Verlobung klären statt erst nach der Hochzeit.“

„In meiner Familie wird das anders gehandhabt.“

Sie verzog das Gesicht. „So?“, fragte sie leicht spöttisch.

„Ist Ihr Vater über Ihre Zweifel und Bedenken informiert? Haben Sie mit ihm darüber geredet?“

„Für solche Gespräche hat er keine Zeit. Er ist in erster Linie damit beschäftigt, Statements und Erklärungen abzugeben, Anweisungen zu erteilen, Empfänge zu geben und dergleichen“, antwortete sie ausweichend.

„Warum sind Sie überhaupt gekommen, wenn Sie so wenig von unserer Tradition halten, sich nicht als meine Verlobte betrachten und das Versprechen nicht einlösen wollen, das unsere Väter sich gegeben haben?“

Sie sah ihm fest in die Augen. „Ich bin hier, um Sie davon zu überzeugen, dass es das Beste ist, die Hochzeitspläne aufzugeben.“

2. KAPITEL

„Wie bitte? Sie sind um die halbe Welt geflogen, um mich umzustimmen und dazu zu bringen, mit einer der ältesten Traditionen unseres Landes zu brechen?“, fragte Malik ungläubig.

Beth zuckte innerlich zusammen. Sie war hier, weil ihre Schwester sie darum gebeten hatte. Addie brauchte Zeit, um in Ruhe darüber nachzudenken, wie sie die Verlobung lösen konnte, ohne ihren Vater allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Wenn sie ihm nicht blind gehorchte, würde sie seine Zuneigung verlieren. Addie schreckte jedoch davor zurück, zu riskieren, dass sie für ihn nicht mehr existierte.

Solche Bedenken hatte Beth nicht gehabt. Sie war nicht so fügsam wie ihre Schwester, sondern sagte immer offen und ehrlich ihre Meinung. Das hatte dazu geführt, dass die Beziehung zu ihrem Vater ernsthaft gestört war. Da sie ohne ihre Mutter aufgewachsen waren, hatte sie viel Verständnis für Addies Zögern, sich den Zorn ihres Vaters zuzuziehen. Außer ihm hatten sie niemanden. Ohne ihre Schwester wäre Beth in einem emotionalen Vakuum aufgewachsen und hätte keine Ahnung, was echte Zuneigung und Liebe bedeuteten. Deshalb musste sie ihrer Schwester, der sie so viel verdankte, helfen, die Zuneigung ihres Vaters nicht zu verlieren.

Die beste Lösung war, Malik zu überreden, auf die Einhaltung des Versprechens zu verzichten. Sein Vater hatte ihm seine zukünftige Frau ausgesucht, ohne dass er, Malik, ein Mitspracherecht gehabt hätte, sodass es auch in seinem Interesse war, die ganze Sache zu vergessen. Immerhin war er bald der Herrscher des Landes und sollte selbst entscheiden können, welche Frau er heiraten und an seiner Seite haben wollte.

Beth sah ihn an. „Manchmal ist es gut, Entscheidungen neu zu überdenken und sich, wenn nötig, anders zu entscheiden.“

„Aber oft ist es gut, an alten Traditionen festzuhalten.“

„Mag sein“, erwiderte sie. „Sie haben mir jedoch noch nicht verraten, ob Sie sich dabei wohlfühlen, dass jemand anders Ihre zukünftige Frau für Sie ausgesucht hat.“

„Es hat zweifellos Vorteile, sich in dieser Hinsicht auf das Urteil von Menschen zu verlassen, die mehr Lebenserfahrung haben. Sie sehen die Sache meist nüchterner und klarer.“

„Sie tun gerade so, als handelte es sich bei Ihrer zukünftigen Frau um einen Gegenstand“, warf sie ihm vor und stützte die Hände in die Hüften.

„Sie mit einem Gegenstand zu vergleichen wäre absurd. Sie sind viel zu störrisch und eigensinnig.“ Er zuckte die Schultern. „Abgesehen davon bin ich mit der Wahl, die mein Vater getroffen hat, mehr als zufrieden.“

Beth wusste nicht, ob sie die Bemerkung als Kompliment oder Beleidigung auffassen sollte. „Natürlich können Sie zufrieden sein. Warum auch nicht?“

„Was wollen Sie damit sagen?“ Er verschränkte die Arme und blickte Beth aufmerksam an.

„Eine arrangierte Ehe bringt für Sie nur Vorteile, denn Sie sind ein Machtmensch.“

Er schüttelte den Kopf. „Das verstehe ich nicht. Können Sie mir das bitte erklären?“

Stellt er sich absichtlich dumm? überlegte Beth. „Sie wollen alles unter Kontrolle haben, und als König können Sie die Regeln, nach denen Sie leben, selbst aufstellen, auch was Ihr Privatleben betrifft. Ich wäre in jeder Hinsicht benachteiligt.“

„So?“ Malik runzelte die Stirn. „Finden Sie mich so abstoßend?“

So hatte sie es nicht gemeint. „Nein, im Gegenteil, Sie sind sehr attraktiv“, versicherte sie rasch.

„Lehnen Sie mich als Mensch ab?“, fragte er und verzog die Lippen.

„Da wir gerade erst anfangen, uns kennenzulernen, kann ich mir über Sie als Mensch noch kein Urteil erlauben. Mein erster Eindruck ist jedoch recht positiv. Sie scheinen ganz in Ordnung zu sein.“

„Ah ja. Wo liegt dann das Problem? Gefällt Ihnen vielleicht der Palast nicht? Möchten Sie darin nicht leben?“

„Oh bitte, das bringt doch nichts. Der Palast ist wunderschön, wie Sie genau wissen.“

„Dann verstehe ich Ihre Bedenken nicht.“

„Ich finde die Vereinbarung bedenklich, weil meiner Meinung nach mehr zu einer Ehe gehört als gutes Aussehen, eine angenehme Persönlichkeit und ein betörend schöner Palast.“ Vielleicht erwarte ich aber einfach zu viel und lege zu hohe Maßstäbe an, sagte sie sich. „Sie könnten beispielsweise um die Frau, die Sie heiraten wollen, werben. Was halten Sie davon?“

„Wie stellen Sie sich das vor?“

Die Frage war sehr aufschlussreich. Da Beth aber in die Rolle ihrer Schwester geschlüpft war, musste sie nach Möglichkeit auch so reagieren wie Adina und geduldig mitspielen. „Also, das geht so: Ein junger Mann lernt eine junge Frau kennen, findet sie attraktiv, verliebt sich in sie und tut alles, um von ihr beachtet und geliebt zu werden. Umgekehrt ist es genauso. Das ist ein prickelndes, aufregendes Gefühl. So etwas werden Sie nie erleben, wenn Sie an der alten Tradition festhalten und die Frau heiraten, die Ihr Vater für Sie ausgesucht hat.“

„Sprechen Sie jetzt von mir oder von sich selbst?“, fragte er.

„Von uns beiden.“

„Man sagt mir nach, ich würde einen guten Ehemann abgeben.“

Das hatte auch Beth’ Vater Adina gegenüber erwähnt. „Sie zu heiraten wäre für mich ein großer Schritt. Der Gedanke, mich an jemanden zu binden, den ich nur flüchtig kenne, ist sehr beunruhigend, weil ich nicht weiß, was mich erwartet.“

Malik erhob sich, stellte sich an eine der Balkontüren und blickte eine Weile hinaus auf das Meer. Schließlich drehte er sich mit gerunzelter Stirn um. „Ich verstehe Ihre Bedenken nicht. Da Sie Ihr Leben lang darauf vorbereitet worden sind, eines Tages meine Frau und Königin von Bha’Khar zu werden, muss man Ihnen auch erklärt haben, dass die Verlobungszeit, die jetzt erst richtig beginnt, dazu dient, einander besser kennenzulernen.“

„Natürlich hat man mir das erklärt“, behauptete Beth und vermutete, dass Addie bestens Bescheid wusste. Es war jedoch kein freiwilliges Kennenlernen, sondern eher ein erzwungenes. Beth konnte sich kaum vorstellen, dass daraus eine glückliche Ehe werden konnte.

Sie ging zu ihm hinüber und stellte sich neben ihn an die geöffnete Tür. Die leichte Brise, die vom Meer her wehte, kühlte ihr erhitztes Gesicht. Als Beth den Kopf hob und Malik in die dunklen Augen sah, wünschte sie zu wissen, was er bei der ganzen Sache empfand. „Was geschieht, wenn Sie mich nicht mögen? Oder wenn ich Sie nicht mag, und wenn wir …?“

Er legte ihr den Finger auf die Lippen und brachte sie zum Schweigen. „Sehen Sie immer so schwarz?“

Sie machte einen Schritt rückwärts. „Wäre das für Sie ein Grund, auf die Hochzeit zu verzichten?“

Malik musste lachen. „Man könnte beinah auf die Idee kommen, dass Sie absichtlich versuchen, mich dazu zu bringen, Sie nicht zu mögen.“

„Und? Gelingt es mir? Oder muss ich mich noch mehr anstrengen?“

„Das hängt davon ab, was Sie erreichen wollen. Ich weiß noch nicht, was ich von Ihnen halten soll, und rate Ihnen, sich auch über mich kein vorschnelles Urteil zu bilden.“

„Ich habe keine Vorurteile, falls Sie das …“

„Falsch“, unterbrach er sie. „Sie sind gekommen, um mir die ganze Sache auszureden. Demnach haben Sie von Anfang an die Möglichkeit ausgeschlossen, die Vereinbarung unserer Väter könne sich als gute und weise Entscheidung herausstellen.“

Beth konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was daran gut sein sollte. „Okay, wäre es so schlimm, wenn ich mir schon eine Meinung gebildet hätte?“

„Machen Sie sich von Ihren Vorurteilen frei.“ Malik kam einen Schritt näher, legte ihr den Finger unter das Kinn und zwang sie, ihn anzusehen. „Geben Sie mir die Chance, Ihnen zu beweisen, dass ich wirklich ein guter Ehemann sein würde.“

Beth wusste nicht, ob sie tief ausatmen oder seinen dezenten, verführerischen Duft einatmen und zulassen sollte, dass er ihr die Sinne verwirrte. Das Leuchten in seinen Augen erregte und irritierte sie. Er hatte ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und schien davon überzeugt zu sein, alles bekommen zu können, was er haben wollte.

Zweifellos würde er alle Register ziehen, um ihr zu beweisen, was für ein wertvoller Mensch er war. Als Erstes würde er wahrscheinlich versuchen, sie zu verführen. Das könnte sogar sehr romantisch sein, schoss es ihr durch den Kopf, und sie erbebte. Doch solche Gedanken durfte sie sich nicht erlauben, sie musste vernünftig handeln.

„Malik, ich glaube Ihnen, dass Sie ein ausgesprochen netter Mensch sind. Wenn ich Sie unabsichtlich beleidigt habe, entschuldige ich mich.“

„Ihre Vorbehalte und Bedenken sind verständlich“, gab er unbekümmert zu.

Sie war sich nicht sicher, ob das die Sache besser oder schlimmer machte. Natürlich war er sehr attraktiv und charmant. Das war jedoch kein Grund anzunehmen, er sei anders als der Mann, der sie getäuscht und am Ende wegen einer anderen Frau sitzen gelassen hatte. Da Malik mächtiger und einflussreicher war als ihr Exfreund, war er noch gefährlicher.

Wenn es nach mir ginge, würde ich den Scheich unmissverständlich auffordern, sich die Heirat aus dem Kopf zu schlagen, überlegte sie. Doch sie musste Addie die Entscheidung überlassen. Da ihre Schwester Zeit brauchte, um über alles nachzudenken, durfte Beth nichts überstürzen.

„Vielen Dank für Ihre Geduld, Malik.“

„Keine Ursache. Vielleicht können Sie auch etwas Geduld aufbringen, Ihre Vorurteile vergessen, die Bedenken zurückstellen und uns die Chance geben, einander wirklich kennenzulernen. Alles Weitere ergibt sich dann von selbst. Wenn einer von uns beiden später immer noch Zweifel hat, können wir gemeinsam überlegen, wie wir uns entscheiden.“

Wohl oder übel musste Beth auf den Vorschlag eingehen. Alles wäre leichter, wenn er unausstehlich und arrogant wäre, denn dann hätte sie keine Sekunde gezögert, ihm eine Abfuhr zu erteilen. Es war jedoch nicht auszuschließen, dass er am Ende von sich aus die Heiratspläne aufgab. In dem Fall wäre Addie aus dem Schneider, und ihr Vater könnte ihr keinen Vorwurf machen.

Beth zauberte ein Lächeln auf die Lippen und erwiderte: „Wie könnte ich Ihnen die Bitte abschlagen?“

Neun von zehn Frauen wären überglücklich, seine Frau zu werden, doch ausgerechnet die eine, die sich darüber nicht freuen konnte, wollte er heiraten. Malik gestand sich ein, dass ihn ihre Widerspenstigkeit nicht störte. Sicher, es war recht angenehm, wenn eine Frau gefügig war und dem Mann nicht widersprach. Nachdem er aber Beth kennengelernt hatte, wusste er, dass er sich mit einer weniger selbstbewussten Frau nur langweilen würde.

Diese schöne, eigensinnige Frau machte ihn neugierig. Als sie ihn als Machtmenschen bezeichnet hatte, hatte ihm der leicht spöttische Ton in ihrer Stimme verraten, dass es kein Kompliment sein sollte. Seltsamerweise freute er sich jetzt darauf, um sie zu werben und sie dazu zu bringen, ihre Meinung über ihn zu ändern. Außerdem wäre es interessant, herauszufinden, warum sie der Ehe so skeptisch gegenüberstand.

Malik ging in das Esszimmer und schaltete den Kronleuchter ein, der ein gedämpftes Licht verbreitete. Dann zündete er die Kerzen auf dem mit wunderschönen exotischen Blumen geschmückten Tisch an und sah sich zufrieden um. Eine Flasche seines besten Champagners stand in dem silbernen Sektkübel bereit, und Sektflöten aus Kristall warteten darauf, gefüllt zu werden. Die stimmungsvolle Atmosphäre war wie geschaffen für einen romantischen Abend zu zweit.

Jeden Moment würde Beth hereinkommen, und die spannende Phase des gegenseitigen Kennenlernens konnte weitergehen. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals zuvor so aufgeregt gewesen zu sein. Es war aber ja auch schon lange her, dass er einer so faszinierenden Frau begegnet war. Beim letzten Mal war er bitter enttäuscht und hereingelegt worden. Mit Beth konnte ihm so etwas glücklicherweise nicht passieren, dessen war er sich sicher.

In dem hohen Spiegel mit dem vergoldeten Rahmen, der in dem geräumigen Flur seiner Suite hing, betrachtete er sich kritisch. Ja, sein Haar saß perfekt, und er hatte sich kurz zuvor rasiert – falls sich die Gelegenheit ergab, Beth zu küssen. Und das würde er allzu gern tun, wie er sich eingestand. Das weiße Seidenhemd mit dem offenen Kragen und die elegante dunkle Hose sollten die zwanglose Atmosphäre betonen, in der das Abendessen stattfand. Es war ihm überaus wichtig, dass Beth sich wohlfühlte.

Auf einmal klopfte es so leise an der Tür, dass er es nicht gehört hätte, wenn er nicht zufällig im Flur gestanden hätte. Als er öffnete, glaubte er zu träumen. Beth sah in dem ärmellosen weißen Leinenkleid mit dem breiten Gürtel, der ihre schmale Taille hervorhob, hinreißend verführerisch und ungemein schön aus. Der Reiz lag gerade in der Schlichtheit dieses Outfits, das ihre fantastische Figur nur ahnen ließ, statt sie allzu offenherzig zu betonen. Schließlich blickte er ihr in die großen goldbraunen Augen und las darin Sorge und auch so etwas wie Unsicherheit.

„Guten Abend, Beth“, begrüßte er sie und deutete eine Verbeugung an. „Kommen Sie bitte herein.“

„Danke.“

Während sie an ihm vorbeiging, nahm er ihren dezenten Duft wahr, der ihn an zarte Blüten erinnerte. Doch die Bilder, die vor ihm aufstiegen, hatten nichts mit exotischen Gärten zu tun, sondern nur etwas mit nackter Haut und einem zerwühlten Bett. Statt sich zu setzen, blieb sie im Wohnzimmer stehen und sah sich um.

„Willkommen in Ihrem neuen Zuhause“, sagte er. „Hier werden wir nach der Hochzeit wohnen.“

„Also, was die Hochzeit betrifft …“

„Beth!“

„Ja?“ Sie drehte sich zu ihm um.

„Sie haben versprochen, uns eine Chance zu geben“, erinnerte er sie.

„Das stimmt nicht ganz. Ich habe nur gesagt: ‚Wie könnte ich Ihnen die Bitte abschlagen?‘“, entgegnete sie.

„Richtig.“ Er lächelte sie an. „Daraus habe ich geschlossen, dass Sie einverstanden sind, uns die Möglichkeit zu geben, einander besser kennenzulernen. Deshalb sollten Sie für alles offen sein.“

„Ist das ein Befehl?“

„Natürlich nicht. Es ist eine herzliche Bitte – und in gewisser Weise ein Entgegenkommen meinerseits.“

In ihren Augen blitzte es ärgerlich auf, was er auch beabsichtigt hatte. „Ah ja. Wieso Sie das für ein Entgegenkommen halten, müssen Sie mir erklären.“

„Das mache ich gern.“ Mit einer Handbewegung wies er auf die geöffnete Tür. „Warten Sie auf der Terrasse auf mich, ich komme mit dem Champagner nach.“

„Aber das ist wirklich ein Befehl, oder?“

Sie schien auf der Hut zu sein, wie er aus ihrem besorgten Blick schloss. Offenbar befürchtete sie, er hätte vor, sie zu verführen. Das würde er allzu gern tun, wie er sich eingestand. Doch damit musste er noch warten. Heute Abend wollte er sie verzaubern. Und dafür waren der Vollmond, die warme Brise und der betörende Duft nach Jasmin wie geschaffen. Romantischer konnte die Atmosphäre gar nicht sein.

„Es war nur ein Vorschlag. Ich dachte, Sie würden die Aussicht und die frische Luft genießen“, antwortete er.

„Ich verstehe.“ Entschlossen durchquerte sie den Raum und stellte sich auf die Terrasse, während Malik den Champagner einschenkte und ihr folgte.

„Worauf trinken wir?“, fragte er und reichte ihr ein Glas.

„Auf unbedingte Loyalität“, erwiderte sie nach kurzem Zögern.

Nachdem er seine Verblüffung überwunden hatte, gestand er sich ein, dass es eigentlich keine schlechte Idee war. Seine eigene schmerzliche Erfahrung war ihm noch allzu frisch im Gedächtnis, und deshalb fügte er hinzu: „Und auf absolute Ehrlichkeit.“

Die Gläser klirrten leise, als sie anstießen. Beth trank einen Schluck, dann ließ sie den Blick über das im Mondlicht silbern glitzernde Wasser gleiten und lauschte dem sanften Rauschen der Wellen.

„Man fühlt sich wie verzaubert“, sagte sie schließlich.

„Ja“, stimmte er ihr zu, war jedoch mit seinen Gedanken ganz woanders. Beth’ Anblick hielt ihn gefangen. Wie sie dastand im Mondschein, konnte er sich nicht erinnern, jemals eine schönere Frau gesehen zu haben. Malik fand sie unwiderstehlich. Er musste sich zusammennehmen, sonst konnte er für nichts mehr garantieren. „Erzählen Sie mir mehr über sich“, bat er sie, während er ihren schönen schlanken Hals betrachtete. Das lange Haar hatte sie hochgesteckt.

„Was genau möchten Sie denn wissen?“, fragte sie und bekam Herzklopfen.

„Verraten Sie mir, weshalb Sie der Meinung sind, Liebe sei nicht so großartig, wunderbar und einmalig, wie man uns glauben machen will.“

„Ach, das interessiert Sie bestimmt nicht.“

„Oh doch. Ich nehme an, Sie stehen nur deshalb der Heirat so skeptisch gegenüber, weil Sie eine schlechte Erfahrung gemacht haben.“ Er betrachtete sie nachdenklich.

„Okay, ich habe während des Studiums einen jungen Mann kennengelernt, und wir fühlten uns auf Anhieb zueinander hingezogen.“

„Lieben Sie diesen Mann?“ Der Gedanke beunruhigte und störte ihn. Er verstand sich selbst nicht mehr und versuchte, seinen Ärger zu unterdrücken. Warum reagierte er so heftig, obwohl er Beth kaum kannte?

„Nein, nicht mehr.“

„Aber Sie haben ihn geliebt, oder?“

„Ja, ich habe es mir zumindest eingebildet.“

„Was ist passiert?“

„Er hat mich glauben lassen, dass ich seine große Liebe sei. Doch dann hat er eine andere Frau geheiratet und mir das Herz gebrochen.“

Sein Ärger verschwand augenblicklich, und Malik konnte wieder klarer denken. „Ihnen ist sicher bewusst, dass Sie sich nicht in einen anderen Mann hätten verlieben dürfen, denn immerhin sind wir einander versprochen“, stellte er fest.

„Ich habe diesem Mann nur mein Herz geschenkt, Malik. Ich schäme mich sehr, aber ich kann es nicht rückgängig machen. Glücklicherweise habe ich nicht den Fehler gemacht, auch noch mit ihm zu schlafen.“ Sie sah ihm fest in die Augen.

Es gab keinen Grund, an ihren Worten zu zweifeln. „Ich glaube Ihnen.“

Beth setzte sich auf die niedrige Mauer, die die Terrasse umgab, und seufzte. „Wahrscheinlich bereuen Sie jetzt, dass Sie es unbedingt wissen wollten“, meinte sie und trank einen Schluck Champagner.

„Ihre Offenheit ist geradezu erfrischend. Zugegeben, es ist nicht immer leicht, mit der Wahrheit zurechtzukommen. Sie ist mir in jedem Fall aber lieber als Lügen und Unehrlichkeit.“

Prompt verschluckte sie sich und fing an zu husten.

Malik setzte sich neben sie und nahm ihr das Glas aus der Hand. „Geht es?“

Beth nickte und räusperte sich. „Ja, alles in Ordnung.“

„Dass Sie einen anderen Mann geliebt haben, gefällt mir nicht“, gab er zu.

„Da die Beziehung beendet und nichts Dramatisches passiert ist, braucht es Sie doch nicht zu stören.“

„Leider bin ich da anderer Meinung.“

„Ist es für Sie ein Hindernis?“, fragte sie hoffnungsvoll. „Ich hätte volles Verständnis dafür, wenn Sie die Hochzeit unter den Umständen absagen möchten, und würde sogleich nach Hause zurückfliegen.“

„Nein, so ist es nicht.“ Wenn sie nervös war, redete sie zu viel und zu schnell, wie ihm auffiel. „Ich bin eher der Meinung, eine Frau, die einmal geliebt hat, wird auch wieder lieben können.“

„Vielleicht könnte ich es, aber ich will es nicht.“ Beth presste die Lippen zusammen. „Nie wieder möchte ich so empfinden.“

„Warum nicht?“

„Wenn man nicht liebt, kann einem auch niemand das Herz brechen. Es war das erste und letzte Mal, dass ich wegen eines Mannes geweint habe.“

So ähnlich dachte er auch. Er wollte nie wieder verletzt werden und nie wieder auf eine schöne, charmante Frau hereinfallen. Da es jedoch seine Pflicht war, zu heiraten und einen Thronfolger zu bekommen, war es die beste Lösung, die Frau zu heiraten, die sein Vater für ihn ausgesucht hatte. Beth war eine warmherzige Frau, und sie würden einander achten und respektieren.

Gedankenverloren saßen sie nebeneinander und blickten in das Wohnzimmer der Suite mit den brennenden Kerzen auf dem Tisch. Das gedämpfte Licht des Kronleuchters fiel bis auf die Terrasse. Als Malik sich bewegte, berührte er versehentlich Beth’ Schulter. Obwohl er sie nur streifte, durchflutete ihn sogleich heißes Verlangen.

„Ich muss sagen, angesichts der Erfahrung, die Sie gemacht haben, ist eine arrangierte Ehe das Beste, was Ihnen passieren kann“, erklärte er, um sich abzulenken.

„Wie kommen Sie denn darauf?“

„Sie können die Vorteile genießen, die das Leben an meiner Seite bietet, ohne sich mit irgendwelchen Emotionen und Gefühlen auseinandersetzen zu müssen.“

„So etwas kann nur ein Mann sagen. Raten Sie mir etwa, diese typisch männliche Einstellung zu übernehmen?“ In ihren Augen blitzte es herausfordernd auf, und dann schenkte sie ihm ein Lächeln, das ihm beinah den Atem raubte.

Er nahm ihre Hand und hob sie an die Lippen. Sogleich war Beth wieder auf der Hut, wie er zufrieden feststellte. Doch er war froh darüber, dass sie sich, was Gefühle anging, einig waren, auch wenn seine zukünftige Frau ungemein schön und verführerisch war. Sie würden heiraten, weil ihre Väter es so bestimmt hatten. Es war nichts anderes als die Erfüllung eines Versprechens, und das war ihm sehr recht.

Behutsam streichelte er ihre Hand mit dem Daumen. „Ich kann Ihnen nicht befehlen oder verbieten, sich in mich zu verlieben, das ist völlig klar. Genauso klar ist mir, dass Sie niemals so denken und handeln würden wie ein Mann.“ Und dann wurde seine Stimme so leise, dass sie wie ein verführerisches Wispern klang, als er hinzufügte: „Und darüber bin ich sehr glücklich.“

3. KAPITEL

Am nächsten Morgen stand Beth mit einer Tasse Kaffee in der Hand auf dem Balkon und blickte hinaus auf das Meer, während sie den Erinnerungen an den vergangenen Abend nachhing. Maliks verführerisches Lächeln, seine charmanten Komplimente und seine Aufmerksamkeit würde sie für immer im Gedächtnis behalten. Als er ihre Hand geküsst hatte, hatte sie sich gewünscht, seine Lippen auf ihren zu spüren. Doch zu ihrer grenzenlosen Enttäuschung schien er an so etwas überhaupt nicht zu denken. Schließlich hatte sie sich schuldbewusst eingestanden, dass sie eine Zeit lang vergessen hatte, warum sie hier war.

Sie lehnte sich an die niedrige Brüstung und ließ sich die leichte Brise ins Gesicht wehen. Malik Hourani war ganz anders, als sie ihn sich vorgestellt hatte. Er war freundlich, rücksichtsvoll und romantisch. Am Ende hatten sie sich sogar geduzt. Wenn er sich nicht bald von einer schlechten Seite zeigte und ihr Missfallen erregte, wären die Folgen verheerend. Wie sollte sie aus der ganzen Sache herauskommen? Sie belog Malik hinsichtlich ihrer Identität, und dafür würde sie wahrscheinlich eines Tages büßen müssen. Und das geschieht mir recht, sagte sie sich.

Langsam ging sie in die Suite zurück und griff nach ihrem Handy, um Addie anzurufen. Sie wollte ihre Schwester bitten, zu kommen und das Spiel zu beenden. Doch ehe sie die Nummer wählen konnte, läutete es.

„Hallo?“, meldete sich Beth.

„Guten Morgen“, ertönte Maliks tiefe Stimme.

„Malik! Guten Morgen“, antwortete sie.

„Hast du gut geschlafen?“

„Ja, sehr gut sogar“, log sie. Offenbar brachte sie die Lügen immer glatter über die Lippen, obwohl sie vor wenigen Sekunden noch vorgehabt hatte, reinen Tisch zu machen.

„Das freut mich. Ich habe eine Überraschung für dich. Ist es dir recht, dass ich dich in einer Stunde abhole?“

„Sicher. Was hast du vor?“

„Das wirst du dann sehen.“

„Ich muss aber wissen, was ich anziehen soll.“

„Etwas Leichtes, Zweckmäßiges.“

„Ah ja, das hilft mir weiter!“, erwiderte sie belustigt. „Soll ich ein Sommerkleid tragen oder eine Hose und eine Seidenbluse?“

„Am besten ziehst du Jeans an. Mehr sage ich jetzt nicht. Bis gleich“, beendete er das kurze Gespräch.

Gegen ihren Willen war sie plötzlich sehr aufgeregt. Überraschungen hatte es in ihrem Leben selten gegeben, jedenfalls keine freudigen, höchstens unangenehme. Ihre Mutter hatte die Familie einfach verlassen, ihr Vater war kein warmherziger, liebevoller Mensch, und außerdem hatte dann auch noch der Mann, den sie liebte, eine andere Frau geheiratet. Aber Maliks Stimme hatte sich so angehört, als hätte er vor, ihr eine Freude zu machen.

Eine Stunde später stand er in Jeans, einem weißen Baumwollhemd und bequemen Schuhen vor ihrer Tür. Malik führte sie zu der Limousine, die mit laufendem Motor bereitstand, und war immer noch nicht gewillt, Beth zu verraten, wohin er sie entführen wollte. Schon bald fuhren sie an einer weiß eingezäunten Pferdekoppel vorbei, und dann hielten sie vor einem riesigen Stall an. Beth ahnte nichts Gutes. Vermutlich würde sie statt einer erfreulichen eine böse Überraschung erleben.

„Was wollen wir hier?“, fragte sie, als Malik ihr beim Aussteigen half.

„Ich möchte dir die Stute zeigen, die mein Bruder Kardahl kürzlich für dich während seines Besuchs bei Verwandten seiner Frau gekauft hat. Dort in den Bergen werden die besten Pferde weit und breit gezüchtet.“

Okay, es ist so weit, jetzt kommt alles heraus, dachte Beth, während sie zusammen in den Stall gingen. Addie hatte natürlich auch reiten gelernt und war eine so perfekte Reiterin, wie man es wahrscheinlich von ihr als der zukünftigen Frau des Kronprinzen erwartete. Beth hingegen hatte noch nie auf einem Pferd gesessen.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, brachte sie hervor. Nach der ganzen Lügerei tat es gut, endlich einmal wieder ehrlich zu sein.

„Komm, begrüß dein Pferd“, forderte Malik sie auf und führte sie zu der Box, in der die schwarze Stute stand. Addie wäre außer sich vor Freude über diese Überraschung, schoss es Beth durch den Kopf.

„Danke, Malik“, bedankte sie sich höflich.

„Gern.“

Sie bemühte sich, Begeisterung und Interesse zu heucheln, als sie die Hand ausstreckte und das Tier streichelte. „Hat sie schon einen Namen?“

„Da sie dir gehört, sollst du ihr ihn geben“, antwortete er lächelnd.

„Gut, dann nenne ich sie … Jezebel.“ Als Malik sie fragend ansah, fügte sie hinzu: „Das klingt gut, finde ich.“

„Okay, wenn du meinst. Ich lasse die Pferde satteln, dann können wir …“

„Nein!“, unterbrach sie ihn vehement und konnte ihr Entsetzen kaum verbergen.

Verblüfft runzelte er die Stirn. „Das verstehe ich nicht. Ich dachte, meine zukünftige Frau sei eine begeisterte Reiterin.“

„Das ist sie ja auch.“ Beth war froh, dass er in der dritten Person von ihr sprach, sodass sie wieder wahrheitsgemäß antworten konnte. Addie, seine zukünftige Frau, liebte das Reiten.

„Weshalb zögerst du dann?“

„Ich bin müde und …“

„Obwohl du gut geschlafen hast?“

Das kommt davon, wenn man sich in so ein Lügengewebe verstrickt, dachte sie. „Ja. Immerhin habe ich verschiedene Zeitzonen durchflogen und spüre offenbar immer noch den Jetlag“, improvisierte sie.

„Natürlich, daran habe ich jetzt nicht gedacht. Aber ich wollte dir unbedingt die Stute zeigen.“

„Die Überraschung ist dir gelungen. Es ist wirklich ein wunderbares Geschenk.“ Beth kam sich ziemlich schäbig vor. „Ich muss jedoch zugeben, dass ich lange nicht mehr geritten bin. Wahrscheinlich bin ich außer Übung.“

„Sobald du dich akklimatisiert und erholt hast, werden wir das ändern“, versprach er.

Bis dahin ist die Situation hoffentlich geklärt, überlegte Beth. „Ich freue mic...

Autor

Sue Swift
Die Autorin Sue Swift studierte zunächst Schauspiel und Kunst. Doch als sie einen Masterkurs für kreatives Schreiben bei Professor Bud Gardner belegte, entdeckte sie ihre wahre Bestimmung. Seit ihrem ersten Roman in 1996 vergeht kein Jahr, in dem sie keinen Roman veröffentlicht. Ihre Romane erhalten regelmäßig exzellente Kritiken von Publishers...
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Sandra Marton

Sandra Marton träumte schon immer davon, Autorin zu werden. Als junges Mädchen schrieb sie Gedichte, während ihres Literaturstudiums verfasste sie erste Kurzgeschichten. „Doch dann kam mir das Leben dazwischen“, erzählt sie. „Ich lernte diesen wundervollen Mann kennen. Wir heirateten, gründeten eine Familie und zogen aufs Land. Irgendwann begann ich, mich...

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