Nur eine Nacht mit dem griechischen Milliardär?

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Leidenschaft auf den ersten Blick! Als Aristide Romanos den Raum betritt, erwacht in Tabby ein unbezähmbares Verlangen. Sie ahnt nicht, dass er der neue Besitzer des Unternehmens ist, für das sie arbeitet. Das Begehren ist gegenseitig, und in seinen Armen erlebt Tabby zum ersten Mal in ihrem Leben den sinnlichen Zauber der Lust. Mehr darf nicht sein, denn um ihre kranke Mutter zu retten, muss sie bald schon einen ungeliebten Mann heiraten. Doch diese eine Nacht mit dem feurigen Milliardär hat süße Folgen, die alle ihre Pläne dramatisch verändern …


  • Erscheinungstag 09.06.2026
  • Bandnummer 2757
  • ISBN / Artikelnummer 0800260012
  • Seitenanzahl 144

Leseprobe

Elle Brown

Rasanter Flirt in Monte Carlo

1. KAPITEL

SONNTAGMORGEN

„Guten Morgen, liebe Fluggäste. Hier spricht Ihr Kapitän. Wir befinden uns im Landeanflug auf Nizza. Leider haben wir schlechte Nachrichten für Sie ...“

Olivia Keller legte den Kopf in ihrem Reisekissen zurück und wartete, nichts Gutes ahnend, auf den Fortgang der Durchsage. Sie nahm den AirPod aus ihrem rechten Ohr, um die Durchsage nicht zu verpassen. Dabei fiel der Ohrstöpsel zu Boden, wo er aller Voraussicht nach unauffindbar sein würde.

Das fängt ja gut an, dachte Olivia verdrossen.

„... nach unserem Start heute Morgen hat der angekündigte Streik im französischen Transportwesen begonnen, was zu Verzögerungen bei der Gepäckabfertigung führen kann. Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten. Trotzdem: Willkommen in Frankreich.“

Trotz dieser Kalamität blickte Olivia fasziniert aus dem Kabinenfenster. Der Blick auf die französische Riviera war atemberaubend. Olivia war hingerissen von den blaugrünen Farbtönen des Wassers, das den Flughafen Côte d'Azur umgab. Sie war eine erfahrene Weltenbummlerin, hatte ein Auslandssemester absolviert und die angesagten Partylocations Europas unsicher gemacht.

Doch die wilden Tage waren vorbei. Nun, mit sechsundzwanzig Jahren, war sie eine erfolgreiche Analystin bei einer renommierten Firma in New York City.

Der Kurztrip nach Europa war als Neuanfang gedacht. Erst kürzlich hatte sie – nach langem Zögern – eine Beziehung beendet; eine Entscheidung, die sie nicht bereute. Sebastian war nicht der Richtige gewesen. Ebenso wenig wie die anderen Männer in ihrem Leben. Von ihrem Vater ganz zu schweigen.

Männer waren es nicht wert, ihr Herz an sie zu verlieren.

Aus dem Kabinenfenster schauend, konnte sie sich dem Zauber der mediterranen Landschaft nicht entziehen. Was sie sah, war pure Magie. Ein kribbelndes Gefühl stellte sich bei ihr ein, eine geheimnisvolle Vorahnung. Der emotionale Schutzwall, den sie um ihr Herz errichtet hatte, begann zu bröckeln. Würden sich an einem neuen Ort tatsächlich ungeahnte Perspektiven eröffnen?

Direkt nach der Landung war von einem Wunder allerdings noch nichts zu bemerken, dafür sorgte schon das Gedränge, das üblicherweise während eines Streiks auf französischen Flughäfen herrschte. Als sie nach einer gefühlten Ewigkeit endlich die Zollkontrolle passiert hatte, fand sie sich neben anderen Passagieren wieder, die müde auf das bewegungslose Gepäckband starrten.

Als nichts passierte, wandte sie sich an den nächstliegenden Schalter.

Bonjour, Madame“, sagte sie höflich. „Ich bin mit dem Flug aus New York gekommen. Können Sie mir sagen, wo das Gepäck bleibt?“

Die perfekt frisierte Frau hinter dem Schalter tippte, ohne aufzusehen, mit ihren lackierten Fingernägeln auf die Tastatur ein.

„Tut mir leid“, erwiderte sie schulterzuckend. „Es ist nicht hier. Très désolée.

Sehr hilfreich, ging es Olivia durch den Kopf. Sie beschloss, die Suche nach dem Gepäck vorerst aufzugeben, und machte sich auf den Weg durch das Terminal, um herauszufinden, ob wenigstens der gebuchte Economy-Bus nach Monte Carlo fuhr. Allerdings machte sie sich keine allzu großen Hoffnungen.

Ihre Befürchtungen bestätigten sich schnell. Handgeschriebene Schilder an den Bus-‍, Straßenbahn- und Taxiständen enthielten die fatalen fett gedruckten Wörter: Grève des Transports. Verkehrsstreik.

Aber bevor sie über eine andere Lösung nachdenken konnte, vibrierte ihr Smartphone.

„Gelandet?“

„Ja! Ich weiß nur nicht, wie ich jetzt nach Monte Carlo komme.“ Sie schilderte ihrer besten und ältesten Freundin Maggie, Braut in spe, ausführlich ihre Reisekalamitäten.

Mags, wie Olivia sie nannte, hatte ihren Verlobten auf einer Europa-Reise kennengelernt, einen reichen Banker aus der Schweiz. Jetzt reiste Olivia zu ihrer Hochzeit, die in Monaco stattfinden sollte.

Sie konnte hören, wie jemand Maggie etwas zuflüsterte.

„Du könntest den Hubschrauber nehmen“, schlug Mags vor. „Dann wärst du in ein paar Minuten bei uns. Stefanos Onkel Klaus und seine Tante Kiki sind möglicherweise noch am Heliport ... du könntest mit ihnen fliegen ... Moment. Nein, doch nicht?“ Maggie setzte ihr gedämpftes Gespräch mit der unsichtbaren dritten Person fort.

„Klaus und Kiki?“, fragte Olivia und musste lachen. „Merkwürdige Namen.“

„Schweizer eben. Aber sie sind bereits in Monte Carlo. Ich sitze gerade mit der Hochzeitsplanerin zusammen. Sie verständigt den Concierge im Hotel Negresco in Nizza und organisiert einen Fahrer, der dich abholt. Die Fahrt die Küste entlang wird dir gefallen.“

„Okay“, erwiderte Olivia zögernd. „Aber kostet das nicht Unsummen?“

„Keine Sorge“, beruhigte Maggie sie. „Das verbuchen wir unter Sonstiges.“

„Du hast doch schon die Kosten für mein Zimmer übernommen!“

„Weil ich ohne dich nicht heiraten kann. Außerdem ...“ Maggies Stimme senkte sich zu einem verschwörerischen Flüstern, „... habe ich einen Sonderauftrag für dich.“

Zwei Stunden später rollte eine elegante schwarze Mercedes-Limousine mit Olivia vor einem prachtvollen Belle-Époque-Palast vor, dem legendären Hôtel de Paris Monte Carlo.

Olivia hatte auf der Fahrt ein Nickerchen machen wollen, doch die atemberaubende Landschaft hielt sie wach. Staunend genoss sie die Aussicht auf das Meer, die alten französischen Städtchen und die Klippen.

Sie hatte sich vorgenommen, eine Besichtigungstour über den glamourösen Casino-Platz zu unternehmen, doch das musste warten. Die Treppen zu dem imposanten, aus Alabaster gebauten Eingang hinaufsteigend, hatte sie nur einen Wunsch: schlafen. Als sie jedoch in der glasüberdachten Lobby stand, zögerte sie. Der prächtige Raum mit seinen Marmorböden, goldenen Säulen und opulenten Blumenarrangements übertraf alles, was sie bisher gesehen hatte.

Beim Anblick der elegant gekleideten Damen überfiel sie ein schlechtes Gewissen. Sie hatte ihre Reisekleidung nicht wechseln können, bevor sie den Flughafen verließ. Jetzt sah sie, dass ein Sweatshirt mit Kaffeeflecken für die Location mehr als eine Spur zu leger war. Leider befand sich ihre gesamte Reisegarderobe in dem vermissten Koffer. Sie hatte lediglich einen Pyjama und einen Badeanzug in ihrem Rucksack.

„Olivia!“

Sie wirbelte herum, als sie Mags' Stimme hörte. Im nächsten Moment lagen sich die Freundinnen in den Armen.

„Ich bin so glücklich, dich zu sehen!“, rief Maggie. „Immer nur zu telefonieren ist auf die Dauer öde. Aber jetzt bist du ja hier.“

„Wenn auch etwas angeschlagen“, erwiderte Olivia. „Ich bin seit gestern Morgen um fünf Uhr auf den Beinen.“

„Was man deiner Frisur nicht ansieht.“

„Charmante Lüge! Aber lass dich ansehen, du strahlende Braut.“ Plötzlich erinnerte sie sich an Maggies geheimnisvolle Bemerkung am Telefon. „Und was hat es mit dem Sonderauftrag auf sich, den ich erledigen soll?“

Nachdem sie die Zimmerkarte in Empfang genommen hatten, erklärte Maggie: „Céline, die Hochzeitsplanerin, kümmert sich um jedes kleinste Detail. Sie ist Schweizerin und arbeitet wie ein Uhrwerk.“

„Aber?“

Mags seufzte. „Der Cookie-Tisch.“

„Es gibt einen Cookie-Tisch?“, fragte Olivia und hakte sich bei ihrer Freundin unter, während sie durch die Lobby gingen.

„Selbstverständlich!“ In ihrer Heimat West-Pennsylvania war ein Cookie-Tisch fester Bestandteil jedes Hochzeitsempfangs.

„Und wo liegt das Problem?“

Mags verdrehte theatralisch die Augen. „Das Hotel-Catering ist Weltklasse, nur ... sie haben keine Cookies im Programm. Luxuriöse Torten, alles, was das Herz begehrt, nur keine selbst gebackenen Cookies wie die von meiner Mutter und Großmutter. Ich könnte der Küche die Rezepte vorlegen, aber wenn ich Céline darauf anspreche, reagiert sie gereizt.“

Mags schien aufrichtig enttäuscht. „Weißt du noch, Liv, wie wir als kleine Mädchen zur Hochzeit deiner Tante gegangen sind ...“

„... und uns unsere Hochzeitskleider und die Flitterwochen ausgemalt haben?“, erinnerte Olivia sich. „Da durften Cookies in verschiedenen Sorten nicht fehlen.“

„Du sagst es“, bestätigte Mags. „Die Liste habe ich noch.“

„Dann weißt du auch noch, dass wir von einer Doppelhochzeit geträumt haben“, neckte Olivia sie. „Ich fürchte, dieser Teil des Plans ist geplatzt. Hättest du nicht warten können?“

„Dann hätte ich lange warten müssen“, erwiderte Maggie mit hochgezogenen Augenbrauen. „Soweit ich weiß, hast du jedem Schritt in Richtung Heirat abgeschworen.“

„Ich traue Männern nicht mehr über den Weg“, sagte Olivia.

Maggie hatte Olivia immer beigestanden, wenn ihr Vater ihr neue Lügen auftischte und sie am Boden zerstört war. Auch ihre sämtlichen Beziehungen waren in die Brüche gegangen. Daher verstand Maggie, dass Olivia damit haderte, einem Mann Vertrauen zu schenken, und zuckte mit den Schultern. „Vielleicht änderst du ja deine Meinung noch. Und bis dahin musst du mir schlicht und einfach meine Cookies besorgen. Nebenbei stelle ich dir ein paar aparte Freunde von Stefano vor. Wer weiß, vielleicht ist einer dabei ...“

Wieder einmal wurde Olivia bewusst, dass ihre Freundin eine hoffnungslose Romantikerin war. Mit Recht. Schließlich hatte sie ihren Traumprinzen gefunden.

Olivia drückte ihre beste Freundin an sich. „Ich soll also deine gestrenge Hochzeitsplanerin von der Wichtigkeit eines Cookie-Tisches überzeugen und die zielstrebige New Yorkerin mimen, die kein Nein akzeptiert?“

„So ist es“, sagte Maggie und lächelte. „Du übernimmst die Rolle der bösen Fee.“

„Jetzt gleich?“, wollte Olivia wissen. „Ausgeschlafen könnte ich sie besser ausfüllen.“

„Ich weiß, meine Süße“, entgegnete Maggie. „Aber morgen hat Céline frei, und die Hochzeit rückt näher.“

Olivia verzog theatralisch das Gesicht. „Verstanden. Du bist die Braut. Zeig mir, was zu tun ist.“

Eine halbe Stunde später befand Olivia sich im Untergeschoss des Hotels. Offenbar hatte die Hochzeitsplanerin sie versetzt. Nachdem Céline freundlich-kühl versichert hatte, Olivias Anliegen bezüglich des Cookie-Tisches verstanden zu haben, gab sie vor, es mit dem Hotel-Patissier besprechen zu müssen, dessen Arbeitsplatz sich in den Tiefen der Hotelküche befand. Da Olivia das Allerheiligste der Süßigkeiten nicht betreten durfte, musste sie warten.

Es vergingen fünfzehn Minuten, ohne dass Céline zurückkam. Wollte sie Olivias Müdigkeit gegen sie ausspielen? Oder weigerte der Patissier sich, die Cookies zu backen?

Kurz bevor Olivia ihrem Bedürfnis nach Schlaf nachgegeben hätte, hörte sie, wie sich eine Tür öffnete und eine Gruppe von Menschen den Flur entlangging. Vielleicht war darunter ein Küchenangestellter, dem sie eine Nachricht übergeben konnte? Olivia stürmte aus dem Büro, in dem sie gewartet hatte, und stieß abrupt mit einem Mann zusammen, der definitiv kein Hochzeitskoordinator war.

Nikos Leonikaros setzte seine Sonnenbrille auf und verließ zügig das Teamzentrum des Fahrerlagers, ohne auf die Zuschauer zu achten, die Aufmerksamkeit heischend über die Absperrung hinwegriefen. Es waren Fans, die bereits eine Woche vor dem eigentlichen Rennen an der Rennstrecke erschienen waren.

Er ließ sich auf den Rücksitz der wartenden Limousine sinken. Neben dem Fahrer saß Aleko, sein Bodyguard. Der ältere Mann hatte Nikos sein ganzes Berufsleben begleitet, zunächst, um ihn vor Entführungen und Lösegeldforderungen zu schützen, und jetzt hauptsächlich, um Nikos‘ Frustrationen in Schach zu halten.

Bryson, Nikos’ Pressesprecher und Assistent, saß neben Nikos auf dem Rücksitz und wischte über sein allgegenwärtiges iPad. Er gehörte erst seit ein paar Jahren zum Team, trug aber regelmäßig zu Nikos’ Frust bei.

„Was steht für den Rest des Tages an?“, erkundigte sich Nikos.

„Mittagessen in der Hotelsuite. Am Nachmittag erste Strategiebesprechung und Auswertung der Fahrzeugdaten. Anschließend Training im Pool. Vor dem Abendessen Massage. Am Abend Dinner in der Hospitality-Suite von TAG Heuer in Sachen einer Uhr in limitierter Auflage. Abends noch ein Lifestyle-Fotoshooting. Sie wollen Fotos am Hafen und mit dem Rennwagen vor dem Casino.“

„Und morgen ...“, sagte Nikos resigniert.

Sein Assistent hielt inne. „Abgesehen von deinem morgendlichen Workout hast du einen freien Tag.“

Nikos traute seinen Ohren nicht.

„Wenn ich es mir recht überlege ...“, setzte Bryson an.

„Vergiss es“, unterbrach Nikos ihn. „Du hast gesagt, es ist ein freier Tag.“

„Ich weiß, aber wir sind mit den Social-Media-Inhalten im Rückstand.“

Nikos stöhnte. „Du weißt, was ich davon halte.“

„Es macht die Sponsoren glücklich und bringt neue Fans zur Formel 1.“

Nikos sah ihn eindringlich an. „Siege bringen neue Fans. Ich gewinne seit meinem siebzehnten Lebensjahr. Ich bin Rennfahrer. Kein Influencer.“

„Beschwer dich, so viel du willst“, beharrte Bryson, „aber es steht so in deinem Vertrag, und wir könnten den Rückstand morgen aufarbeiten.“

Widerstand zwecklos.

„Was muss ich tun?“, fragte Nikos und seufzte resigniert.

„Die neue Kampagne setzt auf die Lieblingsspeisen der Fahrer. Es soll in Szene gesetzt werden, wie die Fahrer Lieblingsdesserts aus der Kindheit zubereiten. Wir können die Küche des Catering-Services oder die Kombüse der Jacht nutzen, die in Monaco vor Anker liegt. Ein Blick hinter die Kulissen des Privatlebens von Nikos Leonikaros.“

„Was geht die Öffentlichkeit meine Jacht oder mein Privatleben an? Und jetzt soll ich auch noch backen?“ Aus Nikos‘ Stimme sprach der reine Sarkasmus. „Kekse? Du kennst meinen Saison-Diätplan. Mandelplätzchen gehören definitiv nicht dazu.“

„Du musst sie nur backen“, entgegnete Bryson. „Das Rezept kannst du gleich mitliefern.“

Nikos schloss die Augen. „Ich werde meine Großmutter anrufen müssen“, sagte er. „Morgen bin ich also Influencer und Bäcker. Na bravo! Genau so stelle ich mir einen freien Tag vor.“

Nikos haderte damit, nicht frei über sein Leben bestimmen zu können. Wehmütig dachte er an seine Jugend zurück. Der Reichtum seiner Familie hatte es ihm bereits als Fünfjährigem ermöglicht, mit dem Kartfahren zu beginnen, und als er eine Begabung für den Motorsport an Tag legte, half ihm das familiäre Geld, sich in diesem Bereich einen Namen zu machen. Die Familie steuerte die Ausrüstung und optimale Trainingsbedingungen bei, teure Reisen inklusive. Nach und nach begann er, auf eigenen Füßen zu stehen und sich vom Namen Leonikaros abzunabeln, war nicht mehr ausschließlich der Sohn eines milliardenschweren griechischen Reedereibesitzers, sondern heimste eigene Erfolge ein.

Ein Leben auf der Überholspur – bis Reichtum und Ruhm seine erste Beziehung zu einer jungen Frau sabotiert hatten, die er über alles liebte. Sie überschatteten auch seine darauffolgenden Beziehungen. Und irgendwann verblasste die Freude am Rennsport. Der atemberaubende Kick, den er empfand, wenn er sich und sein Fahrzeug an neue Grenzen führte, wurde von permanenten Anforderungen abseits der Rennstrecke getrübt. Alle rissen sich um ihn. Nur in seinem Rennwagen, auf dem Motorrad oder seiner Jacht kam er sich nicht wie eine Marionette vor, die nach den Befehlen anderer tanzte.

Ein Leben ganz dem Motorsport gewidmet. Jetzt brauchte er noch diesen einen Sieg in Monaco, um Rekordhalter auf der Strecke zu werden. Danach würde er die Saison mit einer letzten Weltmeisterschaft beenden. Mit siebenundzwanzig Jahren stand er kurz vor dem Abtritt aus der Rennfahrerszene. Was danach kam, lag im Ungewissen.

„Dienstboteneingang wie immer?“, erkundigte sich der Fahrer, als sie in die Avenue des Spélugues einbogen.

„Exakt“, bestätigte Nikos, bevor Bryson ihm zuvorkommen konnte.

Für andere Rennfahrer war es aufregend, eine Berühmtheit zu sein. Sie betraten das Hôtel de Paris durch den Haupteingang und sonnten sich in der Bewunderung der Fans, die Eingang und Lobby bevölkerten. Aber aufgrund der Risiken, die der Reichtum seines Vaters mit sich brachte, war Nikos dazu erzogen worden, die Öffentlichkeit, so gut es ging, zu meiden.

Aleko sah sich kurz in der Umgebung um, dann öffnete er Nikos die Autotür. Der Sicherheitsbeamte des Hotels winkte sie schnell ins Gebäude.

Nikos nahm die Sonnenbrille ab und folgte Aleko durch das Labyrinth der Servicekorridore. Bryson schritt voraus, die ganze Zeit über mit seinem I-Pad beschäftigt. Nikos warf einen Blick auf seine Uhr und freute sich darauf, mit dem privaten Aufzug zu seiner Suite zu fahren, um in Ruhe und ohne Aufpasser sein Mittagessen zu genießen.

Im nächsten Moment kam durch eine halb geöffnete Bürotür mit energischen Schritten eine unbekannte Gestalt auf ihn zu. Schnell sprang Nikos zur Seite, um nicht mit ihr zusammenzustoßen. Bryson schrie auf, während Aleko sich blitzschnell umdrehte, um jeden möglichen Angreifer außer Gefecht zu setzen. Die Situation sah aus, als würde sie gleich eskalieren.

Wovon allerdings nicht die Rede sein konnte. Von der hübschen, leicht zerzausten jungen Frau, die ihn jetzt aus großen, haselnussbraunen Augen anstarrte, ging keinerlei Bedrohung aus. Merkwürdigerweise schien sie sich nicht im Klaren darüber zu sein, dass sie soeben um ein Haar den besten Rennfahrer der Welt zu Fall gebracht hatte.

„Oh Gott, Verzeihung!“

Nikos erkannte sofort den amerikanischen Akzent. Deshalb hatte sie ihn nicht erkannt. Er hatte in den USA nur eine kleine, wenn auch wachsende Fangemeinde. Während sie sich noch immer an Nikos‘ Unterarmen und er sich an ihren festhielt, versuchte er, die junge Frau zur Seite zu schieben, um an ihr vorbeizukommen, aber sie bewegten sich gleichzeitig in dieselbe Richtung, sodass sie wie ungeschickte Tänzer erneut zusammenstießen.

„Entschuldigung ... Pardon ...“, brachte sie verunsichert hervor.

Es war für Nikos nichts Neues, dass fremde Frauen sich ihm an den Hals warfen oder ihm zweifelhafte Avancen machten. Manche versuchten auch, ihm Kleidungsstücke zuzustecken, sich in seine Hotelsuiten zu schleichen oder in die reservierten VIP-Bereiche in Restaurants einzudringen. Er hatte gelernt, sich alldem geschickt zu entziehen. Diese Frau jedoch hatte es geschafft, ihn buchstäblich zu überrumpeln.

Allerdings schien sie von diesem Zusammenstoß eher beschämt als begeistert. Trotz ihres etwas konfusen Auftretens strahlte sie etwas Anziehendes aus. Sein Körper stand mit einem Mal unter Strom. Waren es die Endorphine von seinem morgendlichen Workout? Die Szene hatte etwas eigenartig Traumhaftes. Nikos musste sich eingestehen, dass die Frau ihn faszinierte.

Fast widerwillig befreite er sich sanft aus ihrem Griff.

„Ich bitte nochmals um Entschuldigung, aber ich bin gerade erst in Monaco angekommen und völlig übermüdet, weil ich seit sechsunddreißig Stunden auf den Beinen bin.“

„Nicht der Rede wert, nur ein kleines Missgeschick.“

Jetzt ließ sie die Finger durch ihr Haar gleiten, sodass die seidigen Strähnen glänzten. Warum musste Nikos bei diesem Anblick an eine griechische Göttin denken, die im Sonnenlicht dem funkelnden Ozean entstieg? Wer zum Teufel war diese Frau?

Die Einsicht, dass er für sie ein Unbekannter zu sein schien, erschütterte ihn. Plötzlich wurde ihm bewusst, wie groß seine Sehnsucht war, nur als Mensch wahrgenommen zu werden, und nicht als Nikos Leonikaros, der berühmte Formel-1-Pilot.

„Darf ich Sie um einen Gefallen bitten?“, fragte sie unvermittelt.

Sein Kartenhaus stürzte in sich zusammen. Diesen Blick kannte er – von Autogrammjägern, seiner intriganten Ex-Freundin Athena und jeder Frau, mit der er seitdem ausgegangen war. Sie alle interessierten sich nur wegen seines Prominentenstatus und der damit verbundenen Vorteile für ihn.

Das prickelnde Feuer, das ihn bei der Berührung dieser Frau erfasst hatte, erlosch.

„Sicher. Was darf’s sein?“

In diesem Moment trat Bryson hervor und zückte den Sharpie für die zu erwartende Autogramm-Anfrage hervor.

Sie sah Bryson verwirrt an und wandte sich wieder Nikos zu.

„Ich suche Céline, die Hochzeitsplanerin. Sie ist vor zwanzig Minuten in der Küche verschwunden.“ Sie wies auf die Edelstahltür auf der anderen Seite des Flurs. „Jemand muss ihr eine Nachricht überbringen und sagen, dass ich nicht länger warten kann.“

„Eine Nachricht?“ Eine Welle der Hoffnung durchströmte seinen Körper. Hielt diese Frau ihn für einen Angestellten?

„Arbeiten Sie vielleicht in der Küche oder im Service?“

Nikos grinste ironisch, und Bryson stand mit offenem Mund da, während Aleko seinen Ohren nicht zu trauen schien. Nikos blickte seinen Assistenten verschwörerisch an und wandte sich dann wieder an die Frau. „Ich bin Bäcker.“

Aber er hatte nicht mit dieser Reaktion gerechnet.

„Bäcker?“, wiederholte sie erfreut. „Dann sind Sie genau der, den ich suche.“

„Tatsächlich?“

Sie seufzte theatralisch. „In diesem Hotel findet die Hochzeit meiner Freundin statt, und wir suchen dringend jemanden, der backen kann – amerikanische Cookies, keine französischen.“

„Ich bin Grieche“, erwiderte Nikos. „Sie brauchen also Kekse?“

„Ja.“

Nikos hatte keine Ahnung, wie lange er diese Farce noch aufrechterhalten konnte, aber er war bereit, sie unbegrenzt weiterzuspielen. Seit langer Zeit hatte er sich nicht mehr so gut unterhalten. Und dann war da diese Stimme in seinem Inneren, die ihm riet, die Gelegenheit zu nutzen, um herauszufinden, was eine faszinierende junge Frau von ihm hielt, die nichts von seinem Vermögen und seinem Ruhm als Rennfahrer wusste.

„Was meinen Sie? Können Sie die Kekse in der Hotelküche backen, auch wenn der Konditor das nicht tut? Oder wäre das ihm gegenüber unverschämt?“ Sie dachte kurz nach. „Aber ich habe Sie noch gar nicht gefragt, ob Sie überhaupt bereit sind, mir aus der Patsche zu helfen. Ich möchte Sie auf keinen Fall in Schwierigkeiten bringen.“

„Ich habe eine bessere Idee ...“, setzte Nikos an. Er verbrachte gewöhnlich einen Teil der Nebensaison in Monte Carlo und kannte eine Menge Geschäfte und Restaurants. Wenn sie frühmorgens losgingen, bevor die Stadt erwachte und die Touristenströme sich durch die Straßen ergossen ... „Hier im Hotel ist es unmöglich. Aber ich könnte Sie morgen früh zu allen Konditoreien der Stadt bringen. Ich kenne sie wie meine Westentasche. Sicher finden wir jemanden, der die Cookies für Sie backt.“

Sie auf seine Jacht einzuladen und seine Mitarbeiter backen zu lassen, kam nicht infrage. Das würde ihn nur in Erklärungsnöte bringen. Und er hatte nicht vor, ihre falschen Vorstellungen so schnell zu korrigieren. Aber wenn der nächste Morgen gut verlief ...

„Das würden Sie für mich tun?“, fragte sie voller Dankbarkeit. „Das wäre fantastisch. Bliebe nur die Frage, wie wir uns in der Stadt fortbewegen. Die Anfahrt zum Hotel war das pure Chaos. Ich glaube, es gibt ein Autorennen. Viele Straßen sind gesperrt, und man hat Tribünen errichtet.“

Jetzt war es Nikos, der sich das Lachen schwer verkneifen konnte.

„Das ist für den Grand Prix“, erklärte er. „Sie sind wohl kein Rennsportfan?“

„Nein“, entgegnete sie schulterzuckend. „Ich bin generell kein großer Sportfan. Gelegentlich schaue ich mir ein Baseballspiel an, aber nur der Stimmung wegen.“

„Baseball ist nicht gerade meine Sportart. Aber bei einem Formel-1-Rennen ist die Stimmung auch ziemlich gigantisch.“

„Mag sein. Trotzdem habe ich kein großes Interesse daran.“

„Sorry“, sagte sie kurz darauf peinlich berührt, als ihr Blick auf sein Team-Shirt fiel. „Sie sind ein Fan! Es ist sicher ein faszinierender Sport.“

„Nichts für ungut“, erwiderte er lächelnd. „Zurück zu Ihren Keksen. Ich habe ein Zweirad, mit dem sich die Absperrungen umfahren lassen.“

„Ein Zweirad?“, fragte sie entgeistert. Er konnte ihre Skepsis verstehen, immerhin war sie gerade von einem Wildfremden zu einer Tour durch die Stadt eingeladen worden. War sie abenteuerlustig genug? Sein Herz pochte stärker. Würde sie Ja sagen?

„Sprechen Sie von einem Fahrrad, einer Vespa oder einem Motorrad?“, wollte sie wissen.

Ein Prickeln überlief seinen Rücken. Er konnte ihr jedes gewünschte Fahrzeug besorgen, wenn er sie auch am liebsten auf seiner Ducati durch die Stadt kutschieren würde. Versonnen stellte er sich vor, wie sie ihn dabei von hinten mit den Armen umschlang ...

Sie errötete, als könnte sie seine Gedanken lesen. Oder hatte sie ähnliche Bilder vor Augen? Sag Ja! ging es ihm durch den Kopf.

„Was würden Sie bevorzugen?“

Sie lächelte kokett. „Entscheiden Sie!“, sagte sie. „Ich bin zu müde dafür. Sagen Sie mir, was mich erwartet, und ich bin dabei.“

Er strahlte. „Sie werden sich gut festhalten müssen. Es handelt sich um ein Motorrad. Um acht Uhr in der kleinen Gasse vor der Hintertür?“

Sie biss sich auf die Unterlippe, dann nickte sie.

„Okay, dann bis morgen ...“ Sie lachte und wand sich an Bryson und Aleko vorbei, denen sie kurz zuwinkte.

„Warten Sie“, rief Nikos ihr nach, als sie gerade um die Ecke in den nächsten Korridor verschwinden wollte. Sie drehte sich zu ihm um. Selbst aus der Entfernung war zu erkennen, wie ihre Wangen sich röteten.

„Sie haben mir Ihren Namen noch nicht gesagt?“

„Liv“, erwiderte sie. „Olivia. Und Sie?“

„Nikos. Einfach nur Nikos.

2. KAPITEL

MONTAGMORGEN

Olivia streckte sich und genoss das Gefühl frisch gestärkter Bettwäsche auf der Haut. Es gab für sie nichts Schöneres, als in einem Hotelbett zu erwachen, noch dazu, wenn es sich um ein so luxuriöses und in Goldtönen gehaltenes Zimmer handelte. Am Abend zuvor hatte sie sich todmüde auf das Bett fallen lassen und keine Mühe darauf verwendet, die Jalousien zu schließen, sodass der Raum jetzt in strahlendes Morgenlicht getaucht war, ebenso wie der palmenumstandene Hafen unterhalb des Fensters und das glitzernde Meer, auf dem Jachten in allen Größen vor Anker lagen. Terrassenförmig schmiegten sich die rötlichen, in der Sonne glitzernden Häuser an die Felsen.

Autor

Lynne Graham

Lynne Graham ist eine populäre Autorin aus Nord-Irland. Seit 1987 hat sie über 60 Romances geschrieben, die auf vielen Bestseller-Listen stehen. Bereits im Alter von 15 Jahren schrieb sie ihren ersten Liebesroman, leider wurde er abgelehnt. Nachdem sie wegen ihres Babys zu Hause blieb, begann sie erneut mit dem Schreiben....

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