Skandalnächte in New Orleans

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Schlagzeile in New Orleans: Modedesignerin Toni Maxwell hat eine heiße Affäre mit dem Zeitungsverleger Grey Masterson! Genau das wollte Toni, als sie mit ihm auf einer Party hemmungslos geflirtet, ihn sinnlich geküsst hat - einen Skandal. Ein raffinierter Plan, allerdings mit Hindernissen…
  • Erscheinungstag 17.06.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733778491
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

O Mann, was für ein Geschenk!

Toni Maxwell musste schlucken. Mit dieser Größenordnung hatte sie ganz sicher nicht gerechnet. Aber wie sollte sie auch unter einem solchen Druck noch einen klaren Gedanken fassen können? Anscheinend hatte sie zu schwer an ihrer Frühjahrskollektion gearbeitet.

Sie schwankte zwischen Aufregung und unterdrückter Ehrfurcht. Dann fuhr sie sich mit der Zunge über die Lippen und nahm sich vor, sich nicht einschüchtern zu lassen. Sie würde nicht Ja sagen, egal wie verlockend das Angebot war.

Ihre innere Stimme drängte sie. Komm schon. Probier ihn doch wenigstens mal an.

Unfähig, der Versuchung zu widerstehen, griff Toni vorsichtig danach und war sich ziemlich sicher, dass er zu groß wäre.

Doch er passte genau. Wie für sie maßgefertigt.

„Toller Ring.“ Ihre älteste Schwester Bobby kam zur Tür hereingejoggt. Sie trug rosafarbene Shorts, und ihr Sportbustier und die Turnschuhe waren ebenfalls rosa. „Hey, Mickey!“, rief Bobby ihrer jüngeren Schwester in der Küche zu. „Sieh dir das mal an!“

„Hast du dir wieder einen Nagel abgebrochen?“, rief Mickey zurück. „Wir haben leider keinen rosa Nagellack mehr.“

„Nein, ich hab’ mir keinen Nagel abgebrochen“, erwiderte Bobby und joggte weiter auf der Stelle. „Toni wird heiraten.“

„Was?“

„Das werde ich ganz sicher nicht“, protestierte Toni sofort. Sie hätte das verdammte Päckchen gar nicht in der Diele öffnen sollen. Nachdem sie dem Boten den Erhalt von Senator Birdstrums Geschenk quittiert hatte, hätte sie nach oben in ihr Zimmer gehen sollen. Doch sie hatte ja auch keinen Verlobungsring erwartet – besonders nicht, nachdem sie Birdstrums Anträge wiederholt abgelehnt hatte. Weil sie nun kurzfristig bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung als seine Begleiterin eingesprungen war, hatte sie gedacht, er bedanke sich mit ihren Lieblingspralinen dafür. Aber einen vierkarätigen Verlobungsring?

Warum verstand der Senator nicht, dass Nein auch Nein bedeutete? Toni schluckte und versuchte den Kloß in ihrer Kehle hinunterzuschlucken. Und bevor sie sich von dem Schock erholt hatte, musste sie sich auch noch mit ihren Schwestern herumschlagen.

Die vier Maxwell-Schwestern teilten sich das zweistöckige Haus im French Quarter von New Orleans. Die Lebenshaltungskosten in diesem Teil der Stadt waren hoch, besonders für Toni, die ihre ganzen Rücklagen aufgebraucht hatte, um für ihre Frühjahrskollektion die ausgefallensten Stoffe einzukaufen. Doch ihre neuesten Kreationen würden ihre Designerboutique ganz sicher noch bekannter machen und in die schwarzen Zahlen bringen – gerade nachdem einige der Abendkleider kürzlich in einer bekannten Modezeitschrift vorgestellt worden waren. Ihre mutige Entscheidung, einen eigenen Laden zu eröffnen, dürfte sich bald auszahlen. Nach besagtem Artikel war Toni Maxwell „auf dem Weg nach oben“, obwohl ihr Bankkonto den Erfolg noch nicht widerspiegelte. Aber die Schwestern wohnten nicht nur zusammen, um Geld zu sparen, sie verstanden sich auch gut.

Vom Typ her waren sie ziemlich unterschiedlich – von der gewissenhaften, aber manchmal vorschnellen Mickey über Toni, die man getrost als Workaholic bezeichnen konnte, bis zur überschwänglichen Bobby und der ewigen Studentin Judy. Bis auf Judy waren sie Singles, und alle kümmerten sich liebevoll umeinander – ob nun einfache Ratschläge gefragt waren oder es ums Ausborgen von Kleidung ging.

Vielleicht war es ja gar nicht so schlecht, dass ihre Schwestern den Ring schon gesehen hatten, denn Toni brauchte dringend den Rat ihrer Schwestern.

Auch wenn Bobby vorgab, über den Verlobungsring begeistert zu sein, war sich Toni hinsichtlich der wahren Gefühle ihrer Schwester nicht ganz sicher. Sie vermutete, dass Bobby eine Schwäche für den Senator hatte, was diese vehement abstritt. Doch selbst wenn Toni sich diesbezüglich täuschte, würde sie den Senator zurückweisen.

Sie war mit dem Senator ganze zwei Abende ausgegangen und kannte ihn letztlich gar nicht näher. Als Birdstrum ihr das erste Mal einen Antrag gemacht hatte, war Toni völlig verblüfft gewesen. Natürlich hatte sie sich auch geschmeichelt gefühlt, doch er nannte ihr seine Gründe für eine Heirat, als präsentiere er ihr eine Wahlpropaganda. Sie sei schön, klug und aus angesehener Familie. Ihre Boutique, Feminine Touch, liege im Trend, und mit ihrer Karriere als Designerin und Ladenbesitzerin könne sie sich ideal die Zeit vertreiben, während er in Washington arbeitete. Er hatte ihr logische Gründe genannt, aber keinerlei Leidenschaft erzeugt. Doch gerade das war es, wonach Toni sich sehnte.

Sie brauchte einen Mann, der diese Leidenschaft in ihr weckte. Einen Mann, der wusste, wie man eine Frau erregte. Einen Mann, der so einfallsreich und aufmerksam war, wie Grey Masterson in dem Buch der Schauspielerin Lane Morrow beschrieben wurde, das sie kürzlich gelesen hatte. Kein Wunder, dass das Buch in letzter Zeit ihre Träume beeinflusst hatte. Vor lauter Arbeit hatte sie einen wesentlichen Teil ihrer selbst zu lange verdrängt, und jetzt schrie ihr Unterbewusstsein nach Freiheit. Nach Befriedigung. Nach Lust.

Toni hatte kein Problem damit, sich mit einem Mann in eine Affäre zu stürzen. Sie war jung, Single und stand auf guten Sex. Doch zuerst musste sie sich aus dieser unglücklichen Situation mit dem Senator befreien.

Da auch nicht die geringste Anziehung zwischen ihnen beiden bestand, hatte sie nicht lange überlegen müssen, um Birdstrums Antrag abzulehnen. Und seitdem hatte sie sich auch nicht mehr mit ihm verabredet und keinen seiner Anrufe entgegengenommen. Dennoch schickte er ihr weiter Blumen und Briefe, in denen er seinen Heiratsantrag wiederholte. Sie hatte jedoch nie damit gerechnet, dass er ihr einen Ring schicken würde. Einen vierkarätigen, mit Diamanten besetzten Verlobungsring! Der Mann musste an Realitätsverlust leiden, wenn er dachte, sie nehme ihn an. Dieser Ring brachte das Fass zum Überlaufen. Es war Zeit, Birdstrums Bemühungen endgültig zu stoppen.

Von all ihren Schwestern würde Mickey sicher am besten verstehen, in welchem Schlamassel Toni sich befand. Ein Schlamassel, der sich zu einer Katastrophe auswachsen und ihren Vater treffen konnte, der einen Job bei Birdstrum wollte.

Verdammt, verdammt, verdammt!

Die beiden jüngsten Maxwell-Schwestern sahen einander zwar nicht besonders ähnlich, hatten aber oft dieselben Gedanken. Toni war blond, mittelgroß, schlank mit weiblichen Kurven. Mickey strotzte nur so vor Sex-Appeal, schien es jedoch gar nicht zu bemerken. Mit ihren von der Sommersonne blond gesträhnten Haaren und einer sinnlichen Figur zog ihre Schwester nicht nur Männer magisch an, sie besaß auch einen ungewöhnlich gesunden Menschenverstand.

Toni brauchte dringend einen praktischen Rat. Mickey schwebte gerade aus der Küche, als ob sie einen Laufsteg entlanglief, gefolgt von dem Duft frisch gebackenen Brotes. Sie hatte wahrscheinlich eine ihrer wunderbaren Mahlzeiten gezaubert.

Bevor Mickey noch einen Blick auf den Ring werfen, geschweige denn einen Rat geben konnte, stürmte Judy in die Wohnung. „Diese Idioten haben mich Baum-Tussi genannt.“

„Na und? Das passt doch“, sagte Mickey freundlich und beugte sich vor, um den Ring anzusehen, den Toni in ihren zitternden Fingern hielt.

Judy trug Jeans und eines ihrer „Rettet den Golf“-T-Shirts. Sie war Studentin und in verschiedenen Umweltschutzgruppen engagiert. Ihr oberstes Ziel, die Ölförderung im Golf von Mexiko zu verhindern, war in letzter Zeit zu Gunsten des Tierschutzes etwas zurückgedrängt worden. Judy nahm streunende Tiere auf, wie andere Frauen Schuhe sammelten. Dank Judys großem Herzen lebten die vier Schwestern mit einem Leguan, drei Katzen, zwei Hunden und einer Schildkröte zusammen.

Judy betrachtete den funkelnden Ring. „Das ist kein Faschingsschmuck, oder?“

„Senator Birdstrums Assistent hat ihn gebracht“, erklärte Toni. Nachdem nun all ihre Schwestern hier waren, musste sie die Geschichte wenigstens nur einmal erzählen. Obwohl es eigentlich gar nicht so viel zu erzählen gab.

„Er hat jemanden geschickt, der für ihn um deine Hand anhält?“, fragte Mickey missbilligend.

„Das kommt aber ziemlich plötzlich, oder?“ Judy sah von dem Ring zu Toni, dann bückte sie sich und nahm eine ihrer Katzen auf den Arm.

„Er will einfach kein Nein akzeptieren.“

„Typisch Mann“, murrte Judy.

Toni seufzte. „Und ich bin nur zweimal mit ihm ausgegangen.“

„Du musst einen ziemlichen Eindruck gemacht haben.“ Bobby kicherte.

„Da ist überhaupt nichts zwischen uns gewesen. Ich bin nur mit ihm ausgegangen, weil ich Dad helfen wollte.“

Ihr Vater war Wirtschaftsexperte und arbeitete derzeit für den hiesigen Gouverneur. Er war daran interessiert, nach Washington D.C. zu wechseln und für den mächtigen Senator Birdstrum zu arbeiten. Das war einer der Gründe, warum Toni einverstanden gewesen war, sich mit dem Senator zu treffen. Wenn sie vorher gewusst hätte, was passiert, hätte sie es nicht getan.

Doch wie hätte sie vorhersehen können, dass Senator Birdstrum sich so auf sie fixieren würde? Toni atmete tief durch. „Anscheinend hat Birdstrum verlauten lassen, wir seien verlobt. Ich habe erst heute Morgen einer Kundin versichert, dass es nur ein Gerücht ist.“

„Du kannst ihn nicht heiraten“, sagte Mickey.

Toni unterdrückte einen Fluch und streichelte stattdessen die Katze, die Judy im Arm hielt. „Natürlich kann ich ihn nicht heiraten.“

Alle drei Schwestern nickten. Zu viert würde ihnen sicher ein Ausweg einfallen, der nicht die Interessen der Familie torpedierte.

Ihr Vater würde niemals den Job in Washington bekommen, wenn sie den mächtigen Senator zu hart anfasste.

Mickey ging allen voran in die Küche, wo sie sich um einen antiken Tisch setzten, um den vier ebenfalls antike Stühle mit weichen gelben Sitzkissen standen. Nach ihrem Einzug im letzten Jahr hatten sie in der ganzen Wohnung die wunderschönen Mosaikfliesen der Böden, die dunkle Holzverschalung und die ursprünglichen Stuckdecken restauriert. In der gemütlichen Küche saßen die Schwestern am liebsten. Von hier aus hatte man einen herrlichen Blick auf die Weide im Hof.

„Ich weiß nicht, was ich tun soll“, gestand Toni. „Letzte Woche stand in der Zeitung ein Artikel über die Verlobung des Senators. Obwohl mein Name nicht erwähnt wurde, wird es sicher nicht mehr lange dauern. Ich möchte gar nicht wissen, was er als Nächstes vorhat.“

„Warum erzählst du den Reportern nicht, er sei verrückt?“, schlug Judy vor.

„Ich kann doch nicht seine Karriere ruinieren, nur weil er mir einen Diamantring geschickt hat. Und ich möchte auch Dads Chancen auf den Job bei Birdstrum in Washington nicht ruinieren.“

Mickey schenkte Saft ein. „Kommt schon, wir stecken unsere Köpfe zusammen und denken uns einen Ausweg aus.“

„Versteh mich bitte nicht falsch, aber warum will er denn unbedingt dich heiraten?“, fragte Judy.

Toni zuckte mit den Schultern. „Unsere Familie ist angesehen, und ich bin so etwas wie eine moderne Karrierefrau. Er hofft, die Heirat mit mir wird ihm bei der bevorstehenden Wahl die Stimmen der jüngeren Generation bringen.“

Judy stieß einen Fluch aus, Bobby seufzte, und Mickey schüttelte den Kopf.

„Und wenn ich mir den Senator zum Feind mache, könnte auch mein Geschäft darunter leiden. Birdstrum hat einflussreiche Freunde in dieser Stadt.“

Bobby nahm sich ein Stück Brot. „Also, wenn du ihn nicht zurückweisen kannst, dann müssen wir uns etwas überlegen, damit er seine Meinung ändert.“

Toni hob eine Augenbraue. „Keine schlechte Idee für jemanden, der nur Pink trägt“, scherzte sie. „Aber wie bekomme ich ihn dazu?“

„Wir könnten ihn mit einer anderen Frau verkuppeln“, schlug Judy vor.

Toni schüttelte den Kopf. „Der Senator ist sowieso nicht in mich verliebt. Ehrlich gesagt, bin ich gar nicht sicher, ob er überhaupt in der Lage ist, für irgendjemanden Gefühle zu empfinden.“

„Dann sag doch, dass du mit jemand anderem verlobt bist und dich nur mit dem Senator getroffen hast, weil du mit deiner wahren Liebe gestritten hattest“, schlug Bobby vor.

„Wen sollte ich denn als Verlobten präsentieren? Vor lauter Arbeit habe ich mich im letzten Jahr mit niemandem getroffen.“

„In den letzten zwei Jahren“, korrigierte Bobby. „Aber wer zählt schon mit?“

Toni unterdrückte einen frustrierten Seufzer. Einer der Gründe, weshalb Birdstrum kein Nein akzeptieren wollte, war, dass es weit und breit keinen anderen Mann gab. Verglichen mit ihren Schwestern führte sie das Leben einer Heiligen.

Letztes Jahr hatte Mickey ein gebrochenes Herz gehabt und Männern abgeschworen, aber letzte Woche war sie nach einem Date glücklich lächelnd und mit verwischtem Lippenstift zurückgekommen. Judy hatte einen festen Freund, und seit Bobby an die dreißig Pfund abgenommen hatte, war sie fast zu einem Partygirl geworden. Klar, jede der vier Schwestern hatte während der vergangenen fünf Jahre ihr Auf und Ab mit verschiedenen Männern gehabt, aber Toni war jetzt schon viel zu lange allein.

„Wie wäre es mit Alan?“, schlug Mickey vor. „Sein Aussehen lässt jeden vor Neid erblassen.“

Alan war Tonis Freund in der High School gewesen. Er sah gut aus, hatte aber keinerlei Sinn für Humor, und so waren sie beide getrennte Wege gegangen, nachdem er ihr in der Nacht des Abschlussballs ihre Jungfräulichkeit genommen hatte. Sie hatte zwar damals nicht vorgehabt, in dieser Nacht Sex zu haben, aber ihre Neugierde und Abenteuerlust hatten gewonnen, und sie hatte ihre Entscheidung nie bereut. Alan war liebevoll, vorsichtig und erfahren gewesen. „Seine Frau und seine beiden Kinder werden wohl etwas dagegen haben, wenn er sich als mein Verlobter ausgibt.“

„Okay, also nicht Alan. Wie wäre es mit einem deiner Collegefreunde?“, schlug Judy vor. „Der rothaarige war echt süß.“

„Und er ist nicht verfügbar. Er studiert Jura in Stanford.“

Bobby nahm einen Schluck von ihrem Saft und legte eine Serviette über das Brot, wahrscheinlich, damit sie nicht ständig der Versuchung ausgesetzt war. „Paul Summers?“

„Er ist nach Tibet gegangen, um sich selbst zu finden und mit seinem Guru zu meditieren.“

„Steven Pascal?“

„Der ist schwul.“

„Kevin McPherson.“

„Vergiss ihn.“ Bei Kevin McPherson hatten ihre Knie gezittert, als sie sich nach einem Footballspiel in einer Bar kennen gelernt hatten. Er war toll im Bett gewesen, aber sein Vokabular war auf zwei Dinge beschränkt: Football und Sex. Wenn er etwas mehr im Kopf gehabt hätte, hätte sie ihn sofort geheiratet. Dennoch hatte sie die Zeit mit ihm genossen. Toni hob jetzt die Hand, um weitere Vorschläge abzuwehren. „Es gibt niemanden aus meiner Vergangenheit, der geeignet wäre.“

Toni war nie übermäßig besorgt gewesen, weil sie noch nicht den Mann fürs Leben gefunden hatte. Jetzt, drei Jahre vor ihrem dreißigsten Geburtstag, hatte sie immer noch genügend Zeit, diesen besonderen Mann kennen zu lernen. Sie wollte einen Mann, den sie respektieren konnte. Er sollte sowohl ein Freund sein, mit dem sie ihr Leben teilen konnte, als auch ein Liebhaber, mit dem sie unglaublich heißen Sex haben konnte, ein Seelenverwandter, an den sie sich nachts kuscheln konnte – und der Senator kam dafür nicht einmal annähernd infrage.

„Wann kommt der Senator denn wieder nach New Orleans zurück?“, fragte Mickey.

Toni zuckte mit den Schultern. „Warum?“

Mickey grinste. „Tja, was hassen Politiker am meisten?“

„Eine Wahl zu verlieren?“, riet Judy.

„Zugeben zu müssen, drogensüchtig zu sein?“, meinte Bobby.

Toni sah Mickey mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Interviews über Ehebruch?“

Mickeys Augen funkelten vor Vergnügen. „Politiker hassen Skandale! Wenn du in einen Skandal verwickelt bist, wirst du in seinen Augen nicht länger die Idealfrau sein.“

Mickeys Idee hatte etwas. Tonis Hoffnungen stiegen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich an die Regeln gehalten, war das brave Mädchen und die verantwortungsvolle Tochter gewesen. Bis jetzt. „Welche Art von Skandal meinst du denn?“

„Damit es in New Orleans ein Skandal wird, muss es etwas Anzügliches sein“, warf Judy ein.

„Je heißer der Skandal, desto besser.“ Bobby seufzte verträumt.

„Aber einer, bei dem niemand zu Schaden kommt“, fügte die vernünftige Mickey hinzu.

„Ich hab’s.“ Toni grinste zufrieden. Mit dieser Idee konnte sie den Senator loswerden und gleichzeitig ihr Liebesleben wieder in Schwung bringen. „Ich werde einen Sexskandal schaffen.“

Mickey verdrehte die Augen. „Einen Sexskandal? Überleg dir das gut!“

„Und wie genau willst du das anstellen?“, fragte Bobby neugierig.

„Ich muss mich mit einer Berühmtheit einlassen. Ein Skandal besteht hauptsächlich aus Anspielungen, Gerüchten und Manipulation der Presse. Ich muss nur den richtigen Mann finden.“

„Müssen wir das nicht alle?“, seufzte Bobby.

„Armer Senator Birdstrum“, sagte Judy. „Er wird gar nicht wissen, wie ihm geschieht. Wenn unsere Toni sich etwas in den Kopf setzt, zieht sie es auch immer durch.“

„Aber ich brauche noch den richtigen Mann.“ Toni blickte auf die Titelseite der Zeitung vom Vortag, blinzelte und nahm sie dann triumphierend in die Hand. „Jemanden wie Grey Masterson.“

„Er ist perfekt“, stimmte Judy zu.

„Perfekt und süß“, sagte Bobby.

Mickey nickte zustimmend. „Ich habe gerade das Buch dieser Schauspielerin über ihn gelesen.“

Toni grinste. „Ich auch. Dieser Mann ist auf jeden Fall sexuell kreativ.“

Judy beugte sich vor und betrachtete Grey Mastersons Foto. „Er ist zumindest der ideale Mann für einen heißen One-Night-Stand.“

Toni verbarg ihre Begeisterung nicht. „Warum sollte ich mich auf eine Nacht beschränken?“

„Aber wie willst du ihn kennen lernen?“, fragte Bobby.

„Ich lasse mir schon etwas einfallen.“ Bei der Herausforderung, ein Zusammentreffen mit dem gut aussehenden Zeitungsverleger zu arrangieren, fühlte sich Toni angeregt wie nach einem Glas prickelnden Champagners. Sie konnte es kaum erwarten, die zwei Jahre ihrer sexuellen Abstinenz wieder wettzumachen. Hoffentlich war der Verleger in Wirklichkeit auch so sexy wie auf dem Foto. Sie würde mit Grey Masterson Spaß haben. Heißen, schweißtreibenden Spaß.

2. KAPITEL

Eine Woche später

„Eine schöne Frau ist hinter dir her. Und du beschwerst dich? Ist mir irgendwas entgangen?“ Zane Masterson lehnte sich auf seinem bequemen pflaumenfarbenen Ledersofa zurück und stellte sich vor, wie sein Zwillingsbruder Grey in einem eleganten Anzug, die übliche rote Krawatte um den Hals, hinter einem überladenen Schreibtisch saß und vor Empörung die Zähne zusammenbiss. Grey hasste es, wenn Zane ihn aufzog. Das vergrößerte natürlich nur noch den Spaß, seinen großen Bruder zu ärgern. Sie mochten sich zwar so ähnlich sehen, dass selbst ihre Eltern sie oft genug verwechselt hatten, aber da endete die Ähnlichkeit auch schon.

Grey war zwei Minuten älter als sein Bruder. Diese zwei Minuten hatten ihn in die Pflicht genommen, das Familienunternehmen zu leiten, den Louisiana Daily Herald, und erlaubten Zane die Freiheit, alles auszuprobieren, worauf er Lust hatte. Natürlich kannten sie einander gut. Zane machte es Spaß, seinen Bruder jetzt noch etwas zu ärgern, und er grinste.

„Das verstehst du nicht.“ Grey schlug den Kommandoton an, der seine Mitarbeiter regelmäßig zusammenzucken ließ.

Zane machte den Versuch, Mitgefühl zu zeigen. „Was verstehe ich nicht?“

„Also, außer von einer Verrückten verfolgt zu werden …“

„Sie ist verrückt?“

„Na ja, nicht direkt, wenn meine Nachforschungen …“

„Du hast Nachforschungen anstellen lassen?“

„Ich wollte wissen, ob sie aus irgendeiner Irrenanstalt entkommen ist, bevor ich mir überlege, was ich ihretwegen unternehmen soll.“

„Warum musst du denn überhaupt irgendetwas tun?“

„Weil sie mich ständig verfolgt, verdammt noch mal.“

„Was will sie denn?“

„Weiß ich nicht …“

„Warum fragst du sie dann nicht?“

„… und es ist mir auch egal. Ich habe andere Probleme als Frauen und ihre unmöglichen Wünsche.“

„In Lanes Buch steht aber etwas anderes“, zog Zane ihn auf.

„Ich bin überrascht, dass du tatsächlich ein Buch gelesen hast, Bruderherz. Und dann muss es ausgerechnet dieses idiotische …“

„Habt ihr es wirklich auf der Rückbank ihres Autos getrieben, während einige Reporter darauf warteten, sie interviewen zu können?“

„Das ist Privatsache.“

Zane lachte kurz auf. „Jetzt nicht mehr.“ Er setzte noch eines drauf. „Nicht einmal ich habe es auf der Toilette im Commander’s Palace gemacht, auch wenn ich dort ausnehmend gern essen gehe, weil sie die beste kreolische Küche in ganz New Orleans haben. All diese Jahre tust du immer so zurückhaltend, und dann lese ich in diesem Buch, dass …“

„Zane!“ Grey unterbrach ihn ärgerlich. „Wenn du damit fertig bist, dich auf meine Kosten zu amüsieren, könnte ich mal kurz deinen Rat brauchen.“

„Meinen Rat? Ich bin gespannt, wozu.“

„Hast du nicht eine Lizenz als Privatdetektiv?“

„Die Kursleiterin war absolut umwerfend. Die einzige Möglichkeit, wie ich mich an sie ranmachen konnte, war, ihren Kurs zu belegen.“ Und dann hatten sie den „Kurs“ natürlich noch in der Badewanne und auf dem Küchentisch fortgesetzt.

„Erinnerst du dich an irgendetwas aus ihrem Kurs?“

„Sie hatte die tollsten …“

„Irgendwas aus dem Unterricht?“

„Ich habe die Abschlussprüfung bestanden, reicht das etwa nicht?“, erwiderte Zane leicht beleidigt. Er fragte sich, was Grey eigentlich von ihm wollte. Die Stimme seines Bruders klang angespannt, und das, obwohl er sich im Allgemeinen kaum eine Gefühlsregung anmerken ließ.

„Ich kann doch auf dich zählen?“

Autor

Susan Kearney
Wussten Sie, dass Susan Kearney eine erfolgreiche Kunstspringerin und dreimalige amerikanische Meisterin war, lange bevor sie sich entschloss, Romances zu schreiben?
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