Tausend Wetten und ein Kuss

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Tausend kleine Wetten hat Darcy damals übermütig mit ihrem besten Freund Mason abgeschlossen. Bis er die Kleinstadt verließ. Jetzt ist er zurück, so sexy und charmant wie damals. Sofort fällt Darcy eine höchst verführerische Wette ein …


  • Erscheinungstag 10.09.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547741
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

Jules Bennett

Tausend Wetten und ein Kuss

PROLOG

Mason Clark starrte aus den raumhohen Fenstern seines Penthouses auf die geschäftige Stadt unter ihm. Dort herrschte reges Treiben, Autos rauschten durch die Straßen und Menschen eilten über die Bürgersteige, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Für sie alle war die Welt in Ordnung, während er immer noch in seinem verdammten Kopf gefangen war und verzweifelt versuchte, sich von der Verletzung zu erholen, die seine Karriere beendet hatte.

Was sollte er jetzt tun? Er hatte ja nichts anderes gelernt. Er hatte fast zwanzig Jahre lang als Pitcher in der Major League gespielt, davor bei den Minors und im College. Seit er vier Jahre alt war, spielte er Baseball. Er kannte nur ein Leben auf dem Spielfeld. Baseball war sein Leben. Sein Ein und Alles.

Seine Teamkollegen waren für ihn die Familie gewesen. Die Reisen, die Kameradschaft, die Freude über die Siege und die Enttäuschung über die Niederlagen – sein ganzes Lebens hatte sich um seine Karriere und sein Team gedreht. Bis zu diesem Sekundenbruchteil auf dem Spielfeld, der alles verändert hatte.

Mason blinzelte und merkte, dass er immer noch auf dieselbe Stelle des kleinen Cafés an der Ecke starrte. Er musste etwas anderes mit seinem Leben anfangen, als zuzusehen, wie die Welt an ihm vorbeizog und ihn einsam zurückließ. Seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus vor einigen Monaten hatte er sich in seinem Penthouse in Los Angeles verschanzt und sich sogar die Einkäufe liefern lassen und seinen Therapeuten zu sich kommen lassen.

Natürlich war eine Kopfverletzung keine Lappalie, doch er machte Tag für Tag Fortschritte und war schon fast wieder der Alte. Er weigerte sich, etwas anderes zu glauben.

Die Ärzte hatten gesagt, er habe Glück gehabt, aber beinhaltete das Wort Glück nicht etwas Gutes? Er konnte nichts Gutes darin sehen, alles verloren zu haben. Anfangs waren seine Freunde oft vorbeigekommen oder hatten sich gemeldet, doch diese Besuche waren mit der Zeit seltener geworden. Und er wollte sie nicht mit seinem Selbstmitleid nerven und meldete sich daher bei niemandem.

Dalton Allen, der Catcher seiner Mannschaft, war der einzige Teamkollege, zu dem er noch Kontakt hatte. Aber selbst dessen Anrufe ignorierte er manchmal.

Ein Anruf aus der Lobby lenkte seine Aufmerksamkeit von der Welt außerhalb der Glasfenster ab. Er hatte keine Lust auf Gesellschaft, weder heute noch sonst irgendwann.

Seufzend warf einen Blick auf das Display, bevor er antwortete. „Reginald, was gibt es?“

„Ein Einschreiben, dessen Erhalt sie quittieren müssen, Sir“, antwortete der Pförtner. „Soll ich den Kurier hochschicken?“

„Ja, danke.“

Er legte auf und ging den Flur entlang zum Aufzug. Welcher Brief war so wichtig, dass man ihn per Einschreiben schickte? Alle Dokumente zur Beendigung der Verträge mit seinem Team waren längst unterzeichnet. Hatte er etwas übersehen? Sicher hätte ihn sein ehemaliger Agent vorgewarnt, wenn noch etwas auf ihn zukommen würde. Sein Leben war schon ruiniert, also konnte ihn nichts Schlimmeres mehr erwarten. Vielleicht kam der Brief ja von einem unbekannten verstorbenen Verwandten, und es stand darin, dass er Thronfolger irgendeines Zwergstaats war. Im Moment wäre er für jeden Wink dankbar, was in der Zukunft aus ihm werden sollte, da er absolut nicht wusste, was er tun sollte.

Das Geräusch der sich öffnenden Fahrstuhltüren riss ihn aus seinen Gedanken.

„Mr. Clark, Sie müssen bitte hier unterschreiben“, sagte der Kurier, der ihm einen Umschlag sowie ein Formular entgegenhielt.

Mason unterschrieb, der Kurier übergab den Brief und betrat wieder den Aufzug. Schon war Mason wieder allein. Genau wie er es bevorzugte.

Er starrte auf den großen Umschlag und stutzte beim Anblick des Absenders.

Willowvale Springs.

Seit Jahren war er nicht mehr in diesem Ort gewesen. Nicht, seit er von dort weggezogen war, als er in der Minor League angefangen hatte. Kurz darauf war die Major League auf ihn aufmerksam geworden und seitdem hatte er keinen Grund gesehen, zurückzukehren. Der ständige Streit mit seinem Vater wegen des Sports hatte sich endlich ausgezahlt. Seltsam, dass es sich nun anfühlte, als seien die Tage seines Erfolges eine Ewigkeit her. Dafür hatte seine Verletzung gesorgt.

Aber dieser Brief … Mit seiner besten Freundin Darcy hatte er zwar noch Kontakt, aber sie würde ihm nicht so etwas Geheimnisvolles schicken … vor allem, weil er sie seit seinem Unfall von sich gestoßen hatte.

Aber von wem sollte er sonst kommen? Sein Vater war verstorben und seine Mutter kannte er nicht, also gab es keine wirklichen Verbindungen zu diesem Ort. Mason ging zurück in seinen Wohnbereich, direkt zu dem Platz, an dem er eben noch gestanden hatte. Er liebte diese Aussicht auf das Stadtleben. Die Schnelllebigkeit der Stadt war genau das Richtige für ihn, es war, als könnte er sich in der Menge verlieren und sich hier oben verstecken, wo niemand wusste, wie kaputt er war. Er war nur noch eine Hülle des Mannes, der er einmal gewesen war, des Mannes, den er immer gekannt hatte …

Er riss den Umschlag auf und zog ein Dokument heraus. Der Name des Anwalts im Briefkopf sagte ihm nichts. Rasch überflog er das Schriftstück. Als sein Blick auf „Eigentümer der Carson Farm“ fiel, musste er noch einmal ganz von vorne anfangen.

Wie bitte? Er hatte eine Farm geerbt?

Nicht irgendeine Farm, sondern die, auf der er als Jugendlicher jahrelang gearbeitet hatte. Sie gehörte Hank Carson, dem Mann, der von seinem dreizehnten bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr ein fester Halt in Masons Leben gewesen war. Die Farm war ein Rückzugsort für ihn gewesen, als er ihn am meisten gebraucht hatte, ganz zu schweigen von dem Geld für weitere Baseballstunden, Camps und neue Handschuhe, das er dort verdient hatte. Und die Farm hatte ihm die Arbeitsmoral vermittelt, die er auch in seiner Karriere beibehalten hatte.

Doch warum hatte Hank die Farm an Mason vererbt?

Ein Anflug von Schuldgefühlen beschlich ihn und verdrängte den Schock über den Brief. Hank war offensichtlich verstorben und Mason hatte es nicht einmal mitbekommen.

Er schaute wieder aus dem Fenster, als graue Wolken über der Stadt aufzogen, die er seit sieben Jahren sein Zuhause nannte – acht Jahre, um genau zu sein. Ein weiterer Schicksalsschlag, der nicht leicht zu verdauen wäre. Aber er war jetzt stolzer Besitzer einer Farm in Wyoming.

Und es sah ganz so aus, als wäre dies der Wink, der ihm sagte, wie es weitergehen sollte.

1. KAPITEL

Eine Woche später

„Ich hab mich schon gefragt, wann du endlich kommst.“

Mason riss den Blick von dem baufälligen Haus los, das er seit dreißig Minuten angestarrt hatte. Er war gerade aus seinem SUV gestiegen, als die vertraute Stimme hinter ihm erklang. Er war so in seine Vergangenheit vertieft gewesen, dass er nicht einmal gehört hatte, dass sich ein Wagen genähert hatte.

„Ich bin jeden Tag mehrmals vorbeigefahren, um nachzusehen, ob hier ein schickes Auto steht, weil du natürlich nur mit sowas vorfahren würdest.“

Darcy Stephens stand neben ihrem alten Pickup mit den Händen in den Taschen ihres langen Daunenmantels, während die verschneite Luft von Wyoming um sie herumwehte. Mit ihrer weißen Strickmütze auf dem Kopf und ihrer bezaubernden Schildpattbrille wirkte sie jünger als zweiunddreißig und fast ein bisschen unschuldig.

Und sexy, schoss direkt durch seinen Kopf und er hasste es, dass sie nach all der Zeit immer noch diese Wirkung auf ihn hatte. Er hatte gehofft, dass die Zeit und der Abstand diese unterschwelligen Gefühle für seine beste Freundin ausgelöscht hätten. Offensichtlich nicht, was absolut lächerlich war. Sie waren nie über die Grenzen der Freundschaft hinausgegangen oder intim miteinander geworden. Das Risiko, ihre Freundschaft dadurch aufs Spiel zu setzen, war ihm zu groß. Denn er hatte sie sowohl während seiner turbulenten Teenagerzeit als auch während seiner bewegten Karriere immer als seine Freundin gebraucht.

Jetzt, wo er sie ganz nah bei sich hatte, konnte Mason nicht auf Abstand bleiben. Er überquerte den verschneiten Hof und breitete seine Arme aus. Sofort kam Darcy auf ihn zu und drückte ihn so fest, dass er sich in die Zeit zurückversetzt fühlte, als er beschlossen hatte, in der Minor League anzufangen und sie ihm gesagt hatte, sie ihn nicht gehen lassen wollte.

Beim Gedanken an diese glückliche Zeit wurde ihm ganz warm ums Herz. Vielleicht war es gar nicht die schlechteste Idee, hierher zurückzukommen, auch wenn Hanks Testament ihn quasi dazu gezwungen hatte. Damals hatte er es kaum erwarten können, die Stadt zu verlassen, um seine Träumen zu verwirklichen und der Negativität und dem Spott seines Vaters zu entkommen. Willowvale war immer ein dunkler Punkt in seinem Leben gewesen und der einzige Lichtblick war Darcy gewesen.

Sie verkörperte immer noch alles, was an diesem Ort gut gewesen war. Sie war immer das Licht in seinem Leben gewesen und hatte ihm Halt gegeben, wann immer er ihn gebraucht hatte. Und er hatte sie in den vergangenen schweren und düsteren Monaten zurückgewiesen. Das hatte sie nicht verdient, nicht, nachdem sie ihn unterstützt hatte, solange er sich erinnern konnte. Sie hatte zu ihm gehalten, als niemand sonst es getan hatte.

„Darcy, es tut mir leid.“

Sie legte ihre Arme fester um ihn. „Nicht jetzt. Ich bin einfach froh, dass du hier bist.“

Die schwere Last der Schuldgefühle, die er mit sich herumtrug, ließ ein wenig nach. Natürlich wollte Darcy ihn immer noch trösten und liebte ihn bedingungslos. Sie scherte sich nicht um eine Entschuldigung, aber ihm war das wichtig.

Doch dafür wäre später noch Zeit. Im Moment musste er sich überlegen, was er mit der alten Farm machen sollte, die er geerbt hatte. Der einst florierenden Farm, die jetzt wie ein Haus aus einem Horrorfilm aussah.

„Das ist ja zu einer Bruchbude verkommen“, murmelte er. „Und es ist verdammt kalt.“

Darcy lachte. „Ja, sie ist heruntergekommen, und ja, in Wyoming ist es im Winter kalt. Willkommen zu Hause.“

Sie löste sich von ihm, legte ihm die Hände auf die Schultern und schaute mit ihren großen Augen zu ihm auf. „Seit wann starrst du das Haus an und überlegst, ob du Reißaus nehmen sollst?“

„Seit ich angekommen bin.“ Mason ließ sie los und stieß einen Seufzer aus, als er sich das Haus erneut ansah. „Was ist denn hier passiert? Hank ist doch noch gar nicht so lange tot, oder?“

„Er ist vor ein paar Monaten gestorben. Nach Ediths Tod hat er einfach aufgehört, sich um alles zu kümmern. Sie haben sich so sehr geliebt und ihre Krankheit hat ihn komplett in Anspruch genommen. Ohne sie hatte er nichts, wofür es sich zu leben lohnte.“

Mason konnte nicht glauben, dass der mürrische, aber gutmütige Riese sich so hatte gehen lassen können. Aber Mason verstand das ganze Konzept der Liebe sowieso nicht. Zwischen seinem Vater und seiner Mutter hatte es keine starke Bindung gegeben, deshalb war sie auch abgehauen, bevor Mason eingeschult worden war. Sein Vater hatte nur sich selbst geliebt, sodass selbst für seinen Sohn kein Platz gewesen war. Nein, Mason wusste nicht, was ein solcher Verlust mit einem Menschen anstellen konnte. Er konnte nicht nachvollziehen, dass ein Teil eines Menschen mit seinem Partner sterben konnte. Denn er hatte noch nie jemanden so sehr geliebt, dass er dachte, ohne ihn nicht leben zu können. Nichts hatte ihn jemals so erfüllt wie das Baseballspielen. Deshalb wusste er, wie es war, wenn es nichts gab, wofür es sich zu leben lohnte. Diese innere Leere war sehr beängstigend.

„Also, was hast du vor?“, fragte sie.

„Meinst du jetzt oder auf lange Sicht?“

„Beides.“

Mason plante normalerweise alles in seinem Leben sorgfältig, aber im Moment war das nicht so. Er hatte nicht über das bloße Herkommen hinausgedacht. Nie im Leben hätte er geahnt, dass er zu dieser Farm zurückkehren und nur den Schatten von dem sehen würde, was sie einmal gewesen war. Der erbärmliche Zustand der einst florierenden Farm traf ihn ins Mark, was ihn ärgerte, weil es verriet, dass ihm das alles viel zu nah ging.

Die Parallele zwischen seinem Leben und diesem Ort war ihm nicht entgangen. Aber er konnte einer heruntergekommenen Farm kein neues Leben einhauchen, nicht, wenn ihm das tägliche Leben so viel Kraft abforderte.

„Ich würde gern etwas zu Mittag essen. Am liebsten im Warmen“, antwortete er schließlich. „Ich bin heute Morgen sehr früh aufgebrochen.“

Darcy richtete ihre Aufmerksamkeit auf ihn. „Du bist nicht geflogen?“

Mason schüttelte den Kopf. „Ich bin vor drei Tagen losgefahren und habe die ganze Strecke mit dem Auto zurückgelegt.“

Darcy blinzelte und schnaubte. „Du weißt schon, dass ich dich hätte abholen und in ein paar Stunden herbringen können.“

Ja, Mason wusste sehr wohl, was für eine tolle Frau seine Darcy geworden war. Mit siebzehn hatte sie ihren Pilotenschein gemacht und war in der Branche langsam, aber sicher sehr weit gekommen. Inzwischen bot sie private Charterflüge an und er war unglaublich stolz auf diese erfolgreiche Geschäftsfrau. Er erinnerte sich noch gut daran, wie sehr ihren Eltern ihre Pläne missfallen hatten. Sie waren seinem Vater so ähnlich. Darcys Eltern waren der Meinung gewesen, dass ihr „Hobby“ Geld- und Zeitverschwendung war, und sie war fest entschlossen gewesen, ihnen das Gegenteil zu beweisen.

Er wusste genau, dass eine SMS von ihm genügt hätte, damit sie ihn in L.A. abgeholt und nach Hause geflogen hätte. Aber das hatte er nicht gewollt, weil sie nicht das Gefühl haben sollte, sie müsse ein wachsames Auge auf ihn haben.

„Ich brauchte Zeit zum Nachdenken und um alles zu verarbeiten“, erklärte er. „Ich habe nicht vor, hier zu bleiben, aber was zum Kuckuck soll ich mit diesem Haus anfangen?“

Darcy zuckte mit den Schultern. „Da kann ich dir nicht helfen, aber ich kann dich in den neuen Pub der Stadt bringen. Sie haben gutes Bier und die besten Hähnchenflügel.“

Zu jeder anderen Zeit in seinem Leben hätte das fantastisch geklungen, aber so einfach war es nicht.

„Ich darf wegen meiner Medikamente keinen Alkohol trinken.“ Er tippte sich an den Kopf. „Ich bin immer noch nicht ganz wiederhergestellt.“

Blitzschnell griff Darcy nach seiner Hand und hielt sie fest. „Dann bestellen wir eben Hähnchen und Softdrinks.“

Er musterte sie und erwartete, Mitleid oder etwas Ähnliches zu sehen. Aber da war nichts. Nichts außer Freundlichkeit und der Freundin, der er sich stets anvertraut und die er immer angebetet hatte. Verdammt noch mal. Er wollte nicht, dass die Rückkehr in diese Stadt ein warmes Gefühl in ihm auslöste, aber wie sollte er etwas anderes fühlen, wenn er mit Darcy zusammen war?

„Ich fahre“, sagte er.

Darcy runzelte die Stirn. „Du weißt nicht mal, wo der Pub ist.“

„Den finde ich bestimmt innerhalb von zehn Minuten“, erwiderte er. „Die Stadt ist ja nicht so groß.“

„Zehn Minuten? Abgemacht. Was bekomme ich, wenn du verlierst?“

Mason legte seinen Arm um ihre Schultern, während er sie zur Beifahrertür führte. „Ich verliere nicht, aber nenn einfach deinen Einsatz. Was willst du?“

„Kann ich das später entscheiden und ihn bei Bedarf einsetzen?“

Mason hielt inne, als er nach der Tür griff. „Das klingt riskant, aber ich vertraue dir. Abgemacht.“

Als er ihr in den Wagen half, musste Mason lächeln. Genau wie in alten Zeiten. Sie hatten schon immer kleine Wetten abgeschlossen. Vielleicht waren solche alten Gewohnheiten genau das, was er brauchte, um ein neues Kapitel in seinem Leben zu beginnen … wo auch immer das hinführen würde.

Darcy konnte kaum glauben, dass er zurück war. Eigentlich hatte sie erwartet, dass er einen Assistenten oder einen Makler schicken würde, der sich um die Farm kümmerte. Mason war nicht mehr in Willowvale Springs gewesen, seit sein Traum wahr geworden war und er in die Minor League berufen worden war. Natürlich hatte sie ihn im Laufe der Jahre besucht und war zu einigen Spielen gegangen. Denn sie waren in all der Zeit enge Freunde geblieben. Sie war mit Tanner, einem Mann aus der Gegend, zusammen gewesen. Vor kurzem hatte sie mit ihm Schluss gemacht. Allerdings hatte Tanner die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie es sich anders überlegen würde. Ihre Beziehungen hatten nie besonders lange gehalten. Es freute sie, dass Mason zurück war, auch wenn es nur vorübergehend war und er von einer Zwangslage dazu bewegt worden war.

Sie war am Boden zerstört gewesen, als er weggegangen war, um seinen Traum zu verwirklichen und eines Tages in der Major League zu spielen. Damals hatte sie wütend auf ihn sein wollen, weil er sie verlassen hatte, aber natürlich war ihr das nicht gelungen. Er hatte endlich die Chance seines Lebens bekommen und sie war so verdammt stolz auf ihn gewesen, dass sie wochenlang strahlend herumgelaufen war.

Mason war nicht mehr der Mann, der er gewesen war, als er weggegangen war. Er strahlte eine Selbstsicherheit aus, die ihr gefiel.

Nun, nachdem er das Schild des Pubs entdeckt hatte, fuhr Mason schnell auf den nahe gelegenen Parkplatz. Sie stiegen aus und gingen den kurzen Weg zum Pub. Mason hielt ihr die Tür auf. Darcy tätschelte seine Wange, als sie an ihm vorbeiging.

„Dreizehn Minuten.“

Er brummelte, dass der Pub in einer Seitengasse versteckt sei und er sein Navi nicht benutzen durfte, doch Darcy lachte nur.

Sie fand es schön, dass sie so leicht ihre alten Rituale wiederaufnehmen konnten, als ob kaum Zeit vergangen wäre. Leider war aber zu viel Zeit vergangen und zu viel passiert, als dass alles beim Alten geblieben wäre.

So gerne sie ihn im Moment ausfragen wollte, musste sie sich doch beherrschen. Nach seinem Unfall hatte er sich zurückgezogen und sogar ihre Nachrichten nicht beantwortet. Der Sturkopf dachte wahrscheinlich, dass seine Probleme verschwinden würden, wenn er alles und jeden mied. Zweifellos wollte er sich in ein Loch verkriechen und die Welt ausblenden. Aber wenn er dachte, sie würde ihm das durchgehen lassen, hatte er sich gewaltig geirrt. Wäre er nicht zurückgekommen, um sein Erbe anzutreten, wäre sie in sein schickes Penthouse in L. A. marschiert und hätte verlangt, ihn zu sehen. Auf keinen Fall würde sie ihn das alles alleine durchstehen lassen … obwohl er genau das wollte.

Sie würde ihn jetzt nicht allein lassen, so wie sie ihn auch nicht allein gelassen hatte, als seine erste Freundin ihn für den Quarterback ihres Highschool-Footballteams verlassen hatte. Egal, was passierte, sie waren immer füreinander da. Er würde darauf bestehen, das Gleiche für sie zu tun. Denn sie waren ein eingeschworenes Team. Und gerade in seiner aktuellen Situation, mit der Verletzung und den Konsequenzen, musste sie ihm beweisen, dass sich daran nichts geändert hatte.

Darcy erinnerte sich noch gut daran, wie sie das Spiel live im Fernsehen gesehen hatte, als der Schläger den Ball direkt auf den Pitcher warf – und auf Masons Kopf. Er war sofort zu Boden gegangen. Während der Werbepause hatte sie ängstlich den Atem angehalten und wusste, dass es schlimm war, als die Pause länger als gewöhnlich dauerte. Das war der beängstigendste Moment in ihrem ganzen Leben gewesen … noch schlimmer als ihre erste eigenständige Landung mit der Cessna.

„Wo möchtest du sitzen?“, fragte er.

Darcy schaute sich in dem belebten Pub um und bevor sie antworten konnte, drehten die Leute ihre Köpfe, um zu sehen, wer gerade hereingekommen war. Einige ältere Leute kannten Mason noch aus seiner Jugendzeit, aber die Teenager hier sahen einen Helden, den sie noch nie getroffen hatten.

„Vielleicht sollten wir woanders hingehen“, murmelte er ihr ins Ohr.

„Nein.“ Sie bemerkte die Angst in seinen Augen. Beinahe hätte sie nachgegeben, aber sie beschloss, dass Strenge angebracht war. Er hätte dasselbe für sie getan.

„Wir bleiben. Du kannst dich nicht ewig verstecken.“

Der Mason, den sie gekannt hatte, würde niemals vor irgendetwas davonlaufen. Er hat sich immer selbstbewusst verhalten. Seine Kopfverletzung hatte offensichtlich mehr durcheinandergebracht, als sie angenommen hatte. Aber darum würde sie sich später kümmern. Jetzt würden sie erst mal zu Mittag essen und sich unterhalten.

„Mr. Clark.“

Darcy blickte sich um und entdeckte den zehnjährigen Sohn des Pub-Besitzers, Carter. Carter war hier im Betrieb seines Vaters aufgewachsen und half nach der Schule oft aus.

„Hey, Kumpel“, sagte Mason und lächelte sofort, als er den Jungen begrüßte. „Nenn mich Mason.“

Carters Augen weiteten sich. „Ich kann nicht glauben, dass du wirklich hier bist. Mein Dad hat gesagt, dass ihr zusammen zur Schule gegangen seid, aber ich habe ihm nicht geglaubt.“

Mason lachte und schaute sich um. „Wer ist dein Vater?“

„Gabe Winn“, erklärte Darcy und deutete zur Theke. „Erinnerst du dich an ihn?“

Mason richtete seine Aufmerksamkeit auf den hinteren Teil des Pubs, wo Gabe eine Hand hob und winkte, bevor er sich ein Glas schnappte und es mit einem Bier aus dem Zapfhahn füllte.

„Du kennst meinen Vater also wirklich?“, fragte Carter.

„Wir haben zusammen Baseball gespielt, als wir so alt waren wie du, bis dein Vater ins Footballteam wechselte“, berichtete Mason. „Er war der beste Quarterback, den die Stadt je gesehen hat.“

Darcy beobachtete, wie Carter Mason zu einem Tisch im hinteren Teil des Lokals führte. Sie wusste, wie populär er war, aber sie hatte sich so sehr an seinen Status gewöhnt, dass sie vorübergehend vergessen hatte, wie er auf andere wirkte. Sie war so verdammt froh, dass er endlich nach Hause gekommen war. Und sie wollte wissen, wie es ihm ging, denn er war immer sehr vage oder wies ihre Fragen in ihren Nachrichten oder Anrufen ab. Entweder wollte er nicht, dass sie sich Sorgen machte, oder er verleugnete seine Verletzung und das Ende seiner Karriere … oder wahrscheinlich beides.

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