Texas Cattleman's Club Edition Band 22

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Im Texas Cattleman’s Club treffen die Gentlemen der Stadt Royal zusammen – hier werden Deals angebahnt und Kontakte gepflegt. Und einige der wohlhabenden und erfolgreichen Mitglieder begegnen hier zum ersten Mal ihrer großen Liebe …

EIN TRAUMMANN ALLEIN IM BETT? von SARA ORWIG

Diplomat Aaron Black ist von den Frauen verwöhnt – und ein bisschen gelangweilt. Bis er unerwartet die schöne Pam kennenlernt. Sie fasziniert ihn, alles setzt er daran, sie zu erobern. Sie ist die Richtige für ihn! Doch nach einer atemberaubenden Liebesnacht erwacht er allein …

DER MILLIARDÄR UND DIE SCHÖNE LADY von CINDY GERARD

Lady Helena vor den grausamen Intrigen ihrer Feinde schützen? Für Matt Walker Ehrensache. Schließlich bietet sein Anwesen den idealen Zufluchtsort für sie. Aber ihrem Charme verfallen? Niemals! Erst als sie ihn feurig küsst, gerät sein Vorsatz gefährlich ins Wanken …

SINNLICHE NÄCHTE MIT DEM WÜSTENSOHN von KRISTI GOLD

Noch nie wollte Jamie einen Mann so sehr wie Ben Rassad. Warum ist er bloß so distanziert? Sie spürt doch, dass er sie auch begehrt. Allmählich kommt Jamie ihre Lust auf den feurigen Bodyguard gefährlicher vor als der unheimliche Verfolger, vor dem Ben sie beschützen will …


  • Erscheinungstag 27.06.2026
  • Bandnummer 22
  • ISBN / Artikelnummer 8204260022
  • Seitenanzahl 384

Leseprobe

Sara Orwig

PROLOG

„Du willst zurück nach Royal?“

„Du hast richtig gehört. Kannst du mir den Familienjet schicken?“ Aaron blieb geduldig am Telefon. Er wusste, dass seine Bitte ein Schock für seinen Bruder war.

„Du lässt dich beurlauben“, wiederholte Jeb Black. „Ich fasse es nicht. Der Botschafter unseres Landes in Spanien, mein weltoffener Bruder, will Urlaub in unserer Heimatstadt Royal, Texas, machen. Es fällt mir verdammt schwer, das zu glauben.“

„Das Außenministerium hat es abgesegnet, ich kann eine Zeit lang nach Hause“, sagte Aaron. „Verdammt, du machst doch auch Urlaub!“

„Ja, mit der Familie. Und wir reisen in die Länder, in denen du arbeitest. Wir verlassen Houston nicht, um in Royal herumzuhängen.“

„Vielleicht solltet ihr es einmal tun. Royal ist schön.“

„Ja, wenn man Rinder und Mesquitebäume mag. Ich wette, nach zwei Tagen hast du genug davon und rufst an, damit ich dir wieder den Flieger schicke. Was ist mit der Botschaft, solange du weg bist?“

Zum ersten Mal an diesem Tag musste Aaron lächeln. „Die amerikanische Botschaft in Spanien kommt gut eine Weile ohne ihren Chef aus.“

„Spreche ich wirklich mit meinem Bruder? Ist alles in Ordnung mit dir, Aaron?“

„Alles bestens. Grüß Mary und die Jungs von mir. Besser noch, drück sie. Und danke, dass du mir den Flieger schickst.“

„Gern. Melde dich. Und sag mir noch einmal, dass es dir gut geht.“

„Es geht mir gut, ‚Mom‘.“

„Hey, ich bin dein großer Bruder und muss manchmal ihren Platz einnehmen. Und du musst zugeben, dass dein Wunsch etwas befremdlich ist, Aaron. Hat es etwas mit diesem Texas Cattleman’s Club zu tun?“

„Ja“, erwiderte Aaron aufrichtig. Sein Bruder gehörte zwar nicht dazu, aber er wusste, dass die Mitglieder in geheimen Missionen das Leben Unschuldiger retteten. Der Club diente nur als Fassade.

„Warum hast du das nicht gleich gesagt?“ Jeb klang jetzt entspannter. „Pass auf dich auf!“

„Danke, Jeb.“ Aaron legte auf und starrte aus dem Fenster auf den herumwirbelnden Schnee. „Nein, es passt nicht zu mir“, flüsterte er. „Wegen einer großen schwarzhaarigen Frau aus Texas tue ich Dinge, dich ich nie in meinem Leben getan habe.“ Wie gebannt starrte er auf die tanzenden Schneeflocken und dachte an das Fest vor drei Wochen im Cattleman’s Club.

Sein Pulsschlag beschleunigte sich, als er sich des Moments entsann, als sein Blick auf die gertenschlanke dunkelhaarige Frau in dem schlichten schwarzen Kleid gefallen war. Sie lachte gerade über etwas, was jemand zu ihr sagte. Ihre Blicke trafen sich. Als er ihre großen blauen Augen sah, die Grübchen und das unwiderstehliche Lächeln, verspürte Aaron den unerklärlichen Drang, die schöne Fremde kennenzulernen.

Es dauerte fast zwanzig Minuten, bis er sich durch die Menge hindurchgekämpft hatte und ihr vorgestellt wurde. Nach weiteren zwei Minuten schwebte er mit ihr über die Tanzfläche. Und dann später – er hatte die Bilder vor Augen, wie sie in seinen Armen lag. Die Erinnerung an ihre heißen Küsse und ihr ungezügeltes Verlangen war noch lebendig genug, dass sein Körper darauf reagierte. Pamela Miles.

Aaron dachte an seine Kindheit und daran, wie viel Spaß er mit seinen beiden Brüdern und seiner Schwester gehabt hatte. Jetzt umgab ihn Leere. Leeres Haus, leeres Leben.

An dem Abend mit Pamela Miles war es anders gewesen. Die Einsamkeit, der Eindruck, dass seinem Leben etwas Wichtiges fehlte, das Gefühl der Sinnlosigkeit, das ihn in den letzten Jahren oft befiel, alles war in dem Moment vergessen, als er in ihre Augen geblickt hatte. Es hatte sofort geknistert zwischen ihnen, und dieses Erleben fand seinen Höhepunkt in einem wilden Liebesspiel. Ihm wurde jetzt noch ganz heiß, wenn er daran dachte. Aber da war mehr gewesen als nur dieses körperliche Verlangen. Zumindest für ihn.

Als er am nächsten Morgen erwachte, war sie fort. Ohne ein Wort verschwunden. Er hatte versucht, den Abend zu vergessen. Wann hatte er sich je von einer Frau irremachen lassen? Wenn die Lady die Sache so beenden wollte – schön. Er musste zurück nach Washington und dann nach Spanien. Und sie wollte als Austauschlehrerin nach Asterland gehen. Vieleicht würde er sie dort einmal besuchen, wenn er wieder in Übersee war.

Er hatte Royal verlassen, ohne sie noch einmal zu sehen, war nach Washington geflogen, dann nach Spanien. Zwei Tage nach dem Ball im Cattleman’s Club hatte eine Privatmaschine Royal, Texas, mit dem Ziel Asterland verlassen. Pamela Miles war an Bord gewesen. Kurz nach dem Start musste die Maschine notlanden. Als Matt Walker, Rancher und ebenfalls Clubmitglied, wegen der Notlandung und anderer merkwürdiger Geschehnisse in Royal Kontakt zu ihm aufnahm, hatte Aaron versucht, Pamela zu erreichen. Vergeblich.

Aus dem Krankenhaus war sie schnell wieder entlassen worden, doch er wusste so wenig über sie, dass es nicht leicht war, sie zu finden. Ganz offensichtlich hatte die Lady kein Interesse daran, ihn zu sehen. Besser, er vergaß sie.

Aber Pamela Miles blieb beharrlich in seinen Gedanken und lenkte ihn ab, was so ungewöhnlich für ihn war, dass er beschloss, sie wiederzusehen.

Als er die Schneeflocken beobachtete, verspürte er innerlich ein Frösteln, das weitaus kälter war als der Schnee. Er war vom Geheimdienst in den diplomatischen Dienst gewechselt – in der Hoffnung, etwas bewegen zu können und dazu beizutragen, kleine Dinge auf der Welt zu verändern. Doch jetzt verlor er gerade dieses Gefühl.

In letzter Zeit war er sich seiner siebenunddreißig Jahre sehr bewusst geworden, und er hatte gemerkt, wie wenig wirklich Wichtiges es in seinem Leben gab.

„Verdammt“, fluchte er. „Pamela, ich weiß, zwischen uns war etwas, was du genauso gespürt hast wie ich.“ Er schüttelte den Kopf. Er war ein Weltklasse-Idiot. Die Lady war nicht an ihm interessiert. Wirklich nicht? Er würde es herausfinden.

Am folgenden Nachmittag, dem letzten Tag im Januar, raste Aaron mit dem Wagen, der am Flughafen für ihn bereitgestanden hatte, die staubige, von Mesquitebäumen gesäumte Straße entlang nach Royal, Texas. Seine Gedanken kreisten um Pamela.

Er war zu Hause und würde seine Lady finden.

1. KAPITEL

„Ich kann Ihnen sagen, woher diese Übelkeit stammt.“

Pamela saß mit übergeschlagenen Beinen auf dem Untersuchungstisch und sah den weißhaarigen Doktor Woodbury an, der sie seit ihrer Geburt betreute.

„Sie sind schwanger“, sagte er auf seine gewohnt unverblümte Art.

„Schwanger!“ Die Welt verschwamm vor ihren Augen, und sie hielt sich mit beiden Händen krampfhaft am Tisch fest. Schwanger. Es war ein einziges Mal gewesen. Eine einzige Nacht vor drei Wochen. Das konnte doch nicht sein.

Dr. Woodbury sprach weiter, aber sie hörte nichts mehr außer dem Dröhnen in ihrem Kopf. Ihre Lehrerstelle – man würde sie nicht wollen. Schwanger! Sie würde ein Baby haben. Baby ... Baby ... Das Wort hallte in ihrem Kopf wider. Unmöglich! Aber natürlich, es war möglich. Diese Nacht mit Aaron Black. Pamela schloss die Augen und klammerte sich an dem kalten Metall fest. Sie hatte das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden.

„So wie ich Sie kenne, werden Sie das Baby behalten wollen.“

Dr. Woodburys Worte durchdrangen ihre Benommenheit ... das Baby behalten ...

Sie öffnete die Augen und legte die Hand schützend an ihren Bauch. „Ja! Natürlich behalte ich es“, fuhr sie ihn an. Wie konnte er auch nur denken, sie würde es nicht tun?

Er sah sie unverwandt an. „Nach Ihnen hatte Ihre Mutter zwei Abtreibungen.“

„Ich bin nicht meine Mutter“, erwiderte Pamela steif. Ihr war plötzlich klar, dass nicht nur Dr. Woodbury, sondern auch jeder andere in der Stadt glauben würde, sie würde es mit der Moral ebenso locker halten wie ihre Mutter. Dolly Miles – das Flittchen der Stadt. Als solches war ihre Mutter viele Male bezeichnet worden. Pamela erinnerte sich an das Gerede und schlimmer noch, an den stetigen Strom von Männern, die in dem winzigen Haus der Miles ein und aus gingen.

„Ich behalte mein Baby.“

„Das habe ich mir gedacht“, erwiderte er zufrieden. „Ich werde Ihnen ein paar Vitamine verschreiben. In einem Monat sehen wir uns wieder.“

Die nächste Stunde lief Pamela wie in Trance umher, erledigte Einkäufe, besorgte sich die Vitamine und ging dann zum Essen ins Royal Diner. Es war früh, das Lokal leer. Das Mittagsgeschäft hatte noch nicht begonnen. Was Pamela nur recht war. Ihr stand im Moment nicht der Sinn danach, mit jemandem zu sprechen. Gott sei Dank war Aaron Black nach Übersee zurückgekehrt. Und die Schwangerschaft würde erst in drei bis vier Monaten zu sehen sein. Sie hatte also Zeit, für sich zu planen.

Das kleine Glöckchen über der Tür bimmelte, als sie eintrat. Sie setzte sich in eine Nische, stützte die Ellenbogen ab, legte den Kopf in die Hände und dachte über die Schwangerschaft nach.

„Hi, Pamela.“ Sheila Foster stand am Tisch und drückte ihr eine laminierte Speisekarte in die Hand. „The Royal Diner – einfach königlich!“ stand oben drauf. Pamela überflog die Karte und bestellte einen von Mannys leckeren Hamburgern und dazu einen Schokomilchshake. Ihr war klar, dass sie anfangen musste, sich des Babys wegen gesund zu ernähren. Das Baby. Sie würde ein Baby bekommen. Sie war schwanger!

Sie konnte es nicht glauben. Zuerst hatte sie die blanke Panik ergriffen, weil es in Royal immer noch ein Skandal war, unverheiratet und schwanger zu sein. Doch dieses Gefühl verwandelte sich schnell in Ehrfurcht vor dem werdenden Leben, und ihr war mit jeder Faser ihres Seins klar gewesen, dass sie das Kind bekommen wollte.

Ein wunderbares Baby für sie allein. Sie hatte nicht damit gerechnet, jemals ein Kind zu bekommen, denn sie ging nur selten mit einem Mann aus. Was Aaron in ihr gesehen hatte, selbst für eine Nacht, konnte sie sich nicht vorstellen. Außer dass er leichtes Spiel bei ihr gehabt hatte. Sie war seinem Charme schnell erlegen und hatte sein Liebesspiel mit ungezügelter Leidenschaft erwidert.

Während sie auf ihr Essen wartete, wanderten ihre Gedanken zurück zu jener magischen Ballnacht im Texas Cattleman’s Club.

Das Fest fand zu Ehren der europäischen Würdenträger statt, die aus Asterland und Obersbourg nach Royal gekommen waren, um den Mitgliedern des Texas Cattleman’s Club für ihre Hilfe bei der Rettung von Prinzessin Anna von Oberland zu danken, die jetzt mit Greg Hunt verheiratet war.

Es war ein glanzvolles Aufgebot an Diplomaten und Adeligen, einschließlich Lady Helena Reichard aus Asterland. Insgeheim hatte Pamela sich gefragt, was sie eigentlich hier tat. Thad Delner, seit Kurzem Witwer und ihr Vorgesetzter, hatte sie eingeladen, ihn zu der Gala zu begleiten.

Während Thad mit seinen Freunden gesprochen hatte und sie mit Leuten, die sie kannte, hatte sie sich aus irgendeinem Grund umgedreht und in die grünen Augen eines großen, unglaublich attraktiven Mannes geschaut. Sein Blick war etwas zu intensiv und etwas zu lang gewesen, um beiläufig zu sein. Der Mann war schlank, hatte breite Schultern, gepflegtes dunkelbraunes Haar und sah in seinem Smoking einfach umwerfend aus. Er hatte markante Gesichtszüge, doch es waren die grünen Augen mit den dichten Wimpern, die sie faszinierten und nicht losließen.

Pamela erwiderte seinen Blick, und die Sekunden verstrichen. Ihr Pulsschlag erhöhte sich.

Sie wusste, wer der Mann war. Aaron Black aus Royal. Amerikanischer Diplomat in Übersee. Jeder in der Stadt kannte die Familie Black. Alter Geldadel, aber bodenständige, gute Menschen.

Sie versuchte, sich auf die Unterhaltung mit ihren Bekannten zu konzentrieren und den Blick des Mannes zu vergessen.

Doch dann sah sie wieder in diese Augen. Diesmal stand er nur wenige Schritte entfernt und reichte ihr die Hand. „Aaron Black.“ Seine Stimme klang leise und etwas rau. Sie nahm seine Hand. Sein Händedruck war fest, die Finger warm.

„Pamela Miles.“

„Von hier?“

„Ja“, antwortete sie und wunderte sich, dass er es nicht wusste. Sie hatte gedacht, dass jeder Dolly Miles und ihre Tochter kannte.

„Ich sehe nirgendwo einen Mann, der ein eifersüchtiges Auge auf Sie hat.“

Sie lachte. „Das werden Sie auch nicht. Ich bin mit Thad Delner hier, meinem Vorgesetzten. Ich unterrichte an der Grundschule in Royal, und Thad ist seit Kurzem Witwer. Er hatte eine Einladung für heute Abend und wollte sich zumindest kurz blicken lassen, um die Schule zu repräsentieren. Er hat mich gefragt, ob ich Lust habe, ihn zu begleiten. Ich war noch nie auf einem solchen Fest.“

„Nun, da ich nichts von jemand anderem zu befürchten habe – möchten Sie tanzen?“

Als sie nickte, nahm er ihren Arm und zog sie auf die Tanzfläche. Im nächsten Moment war sie ihm so nah, dass sie den Duft seines gestärkten Hemdes und dezenten Aftershaves wahrnehmen konnte. Dann schwebten sie über die Tanzfläche, als hätten sie schon immer miteinander getanzt.

Er hatte hohe Wangenknochen und eine volle, sinnliche Unterlippe. Als sie merkte, dass sie auf seinen Mund starrte, hob sie hastig den Blick wieder zu seinem Gesicht. Sie sah das Feuer in der Tiefe seiner smaragdfarbenen Augen. Wieder hielt er ihren Blick gefangen, und ihr Herz pochte laut.

„Erzählen Sie mir von Ihrem Leben, Pamela“, sagte er. „Sie sind mit Ihrem Vorgesetzten hier. Heißt das, dass es im Moment keinen Mann in Ihrem Leben gibt?“

„Ja, allerdings. Ich führe das übliche Leben einer Grundschullehrerin, außer dass ich in zwei Tagen als Austauschlehrerin nach Asterland gehen werde.“

„Ach, Sie sind das!“ Aaron neigte leicht den Kopf und betrachtete sie. „Heute ist mein Glückstag. Ich bin bei der amerikanischen Botschaft in Spanien. Am Wochenende können wir uns sehen“, sagte er mit einer Wärme in der Stimme, die ein Prickeln durch ihren Körper jagte. „Glückliches Asterland! Es ist ein schönes Land. Unterscheidet sich sehr von Westtexas.“

Sie lachte. „Ja, kann ich mir vorstellen.“

Sie tanzten noch zwei weitere Tänze, dann zog er sie näher zu sich heran. Sie tanzten Wange an Wange, und ihr Puls raste.

Anschließend tanzte sie mit Matt Walker. Er war Rancher und ein alter Freund von ihr. Dann forderte Aaron sie wieder auf. Sie merkte, dass andere Frauen ihn beobachteten, und ahnte, dass sie gern an ihrer Stelle gewesen wären. Während sie zu einem schnellen Lied über die Tanzfläche wirbelten, betrachtete Pamela die Frauen in ihren eleganten Abendroben, die sie für Tausende von Dollars in den exklusiven Boutiquen in Royal, Dallas oder Houston gekauft hatten. Sie selbst trug nur ein schlichtes schwarzes Kleid, das wenig über fünfzig Dollar gekostet hatte. Eigentlich wunderte sie sich darüber, dass Aaron mit ihr tanzte – wunderte sich und war glücklich.

Nach einer Stunde, zwischen zwei Tänzen, kam Thad Delner zu ihnen. Pamela hatte ihn gerade mit Aaron bekannt gemacht, da verkündete Thad ihr, dass er gehen wollte. Noch bevor er zu Ende gesprochen hatte, mischte Aaron sich ein.

„Ich bringe Pamela nach Hause, Mr. Delner.“

Thad Delner sah Pamela fragend an. „Ist das in Ordnung für Sie?“

Sie nickte atemlos, erstaunt über Aarons Angebot. „Ja, das ist in Ordnung.“ Sie sah zu ihm hin, und sein attraktives Äußeres ließ ihr Herz schneller schlagen.

„Okay. Dann noch viel Spaß. Wir sehen uns noch vor Ihrer Abreise nach Asterland, Pamela.“

„Danke, dass Sie mich auf dieses Fest mitgenommen haben, Thad.“ Dann lag sie schon wieder in Aarons Armen, und sie tanzten weiter.

Als er sie zu einem Drink zu sich nach Hause einlud, akzeptierte sie gern, und der traumhafte Abend setzte sich fort. In Pine Valley, einem vornehmen Wohngebiet, drosselte er das Tempo, bis sich die großen Eisentore zu seiner Wohnanlage öffneten. Er fuhr hindurch und winkte den Wachleuten zu.

Die prächtigen Villen ernüchterten Pamela. Die Rasenflächen waren riesig und sehr gepflegt, die Häuser sehr beeindruckend. Seine Welt, die Welt der Reichen und Privilegierten, schien Lichtjahre von ihrer Welt als Lehrerin mit einfachem Lebensstil entfernt zu sein.

„So still plötzlich?“

„Ich habe nur über die Unterschiede in unserer beider Leben nachgedacht“, sagte sie und betrachtete die luxuriösen Häuser. „Wie Tag und Nacht.“

„Gott sei Dank!“ Er nahm ihre Hand und strich mit ihr über seine Wange. „Wenn Sie wie ich wären, würde ich Sie nicht mit nach Hause nehmen, das kann ich Ihnen versichern.“

Sie lächelte ihn an und entspannte sich. Aber ihre Beklemmung kehrte zurück, als sie sein Haus betraten, und er die Alarmanlage ausschaltete.

„Tore, Wachleute und Alarmanlage. Sie leben gut geschützt.“

Er zuckte mit den Schultern. „Dies ist mein Elternhaus. Zu neunzig Prozent der Zeit wohnt hier niemand.“ Er nahm ihren Arm.

„Tut mir leid, dass Sie Ihre Eltern verloren haben.“ Sie erinnerte sich an die Berichte über einen Flugzeugabsturz in Dänemark vor ein paar Jahren, bei dem seine Eltern und sechs weitere Texaner ums Leben gekommen waren.

„Danke. Was ist mit Ihren Eltern?“

„Sie sind tot“, erwiderte sie steif und wunderte sich erneut, dass er über ihre Mutter nicht Bescheid wusste. Ihren Vater hatte sie gar nicht gekannt. Sie war nicht einmal sicher, dass ihre Mutter wusste, von wem sie geschwängert worden war.

Aaron führte sie in ein elegant eingerichtetes Wohnzimmer. Auf einer Seite des Raumes gab es einen großen Kamin, ein dicker Orientteppich bedeckte einen Teil des Holzfußbodens. Er ging an den Kamin und entzündete ein Feuer, während Pamela die wunderschönen Ölgemälde betrachtete. Als sie wieder zu Aaron herüberschaute, hatte er inzwischen sein Jackett ausgezogen. Ihr Blick fiel auf die breiten Schultern, und sie holte tief Luft. Er entfernte die Krawatte und öffnete seinen Kragen. Der Moment hatte etwas so Intimes, dass sie rot wurde.

„Wein, Bier, Whiskey, Soda. Was möchten Sie trinken?“

„Gern einen Weißwein.“ Sie setzte sich auf das Ledersofa und beobachtete seine schön geformten Hände, als er einschenkte. Er gab ihr ein Glas, setzte sich zu ihr und prostete ihr zu. „Auf den Abend, an dem wir uns kennengelernt haben, Pamela“, sagte er leise. Seine Worte waren wie eine Liebkosung.

Sie lächelte und stieß leicht mit ihm an. „Sie meinen, wir werden uns immer an diesen Abend erinnern? Sie sind ein Charmeur, Aaron Black. Sehr gefährlich“, flirtete sie mit ihm und sah das Funkeln in seinen grünen Augen.

„Ich bin gefährlich? Das klingt gut.“ Er rutschte näher an sie heran und ließ eine Locke ihres Haars durch seine Finger gleiten. Sie war sich seiner zarten Berührung mehr als bewusst, obwohl seine Hand nur so eben ihren Hals, ihr Ohr und ihre Wange streifte. „Und warum bin ich gefährlich?“

„All diese schönen Worte können einem Mädchen ganz schnell den Kopf verdrehen. Texanische Männer sind gut darin.“

„Texanische Frauen sind die schönsten Frauen auf der ganzen Welt.“

Sie lachte und stellte ihr Glas auf den Tisch. Amüsiert blickte sie ihn an. Er zog die Augenbrauen fragend hoch. „So ein Quatsch, Aaron. Ich bin zu groß und habe zu viele Sommersprossen. In meinem ganzen Leben hat mir noch keiner gesagt, dass ich schön bin.“

Er erwiderte ihr Lachen nicht, sondern sah sie ernst an, während er mit den Fingern durch ihr Haar strich. „Vielleicht sehe ich etwas, was andere nicht gesehen haben.“

„Oh Mann. Sie tragen ganz schön dick auf!“

„Ich sage nur die Wahrheit.“ Er lächelte sie an.

Sie befanden sich auf gefährlichem Terrain, und Pamela versuchte, die Unterhaltung in sichere Gefilde zu führen. „Wenn hier die meiste Zeit niemand lebt, wer kümmert sich dann um das Haus?“

„Wir haben Personal“, antwortete er, ohne den Blick von ihr zu wenden. Federleicht strichen seine Fingerspitzen über ihren Nacken. Seine Stimme war leise. Das warme Licht des Feuers verlieh dem Moment einen intimen Charakter, seine Nähe brachte die Atmosphäre zum Knistern. „Warum sind Sie Lehrerin geworden?“

„Ich liebe Kinder“, antwortete sie. „Ich finde, alle Kinder sollten lesen können, deshalb unterrichte ich dieses Fach besonders gern. Ich hatte nie eine Familie. Vielleicht sind mir Kinder deshalb so wichtig. Warum sind Sie in den diplomatischen Dienst gegangen?“

„Alles hat mich daran fasziniert“, sagte er ruhig. Er betrachtete sie, als wollte er sich ihre Gesichtszüge genau einprägen. „Ich dachte, ich könnte dabei helfen, die Welt zu retten.“

„Und jetzt?“

„Jetzt weiß ich, dass das unmöglich ist. Die Welt dreht sich weiter, egal, was ich tue. Es wird immer Kriege und, mehr denn je, Terrorismus geben.“

„Sie klingen desillusioniert.“

„Nicht heute Abend. Der heutige Abend ist ein guter Abend.“ Er sah ihr tief in die Augen und zeigte offen seine Begierde.

„Benehmen Sie sich, Aaron! Sie gehen ganz schön ran!“

„Sie werden es mir nicht glauben, aber das ist eigentlich nicht meine Art.“ Als sie lächelte, berührte er ihre Wangen. „Grübchen. Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Sie süße Grübchen haben?“

„Vielleicht. Erzählen Sie mir von Spanien.“

„Gern, aber ich möchte es Ihnen auch zeigen. Wenn Sie in Asterland sind, haben Sie die Wochenenden frei. Dann kann ich Ihnen meine Lieblingsorte zeigen.“

Sie lauschte seiner Beschreibung von Spanien und Asterland und beantwortete seine Fragen nach ihrem Job. Ihre Unterhaltung drehte sich um eine Vielzahl von Themen, als hätten sie sich unendlich viel zu erzählen. Die ganze Zeit strich er mit den Fingerspitzen über ihren Nacken oder ihr Ohr oder spielte mit ihren Haaren.

„Ihre Familie lebt seit mehr als hundert Jahren in Texas, nicht wahr?“, fragte Pamela, konnte sich aber kaum auf seine Antwort konzentrieren, weil er gerade sanft über ihr Ohr strich, was kleine Wellen der Erregung in ihr auslöste.

„Ja. Mein Urgroßvater, Pappy Black, hat eine Viehranch betrieben, als er nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg nach Hause kam. Mein Großvater, Aaron Rainier Black – ich bin nach ihm benannt – war texanischer Senator, deshalb bin ich unter Politikern aufgewachsen. Ich bin so texanisch, wie man nur sein kann.“

„Sicher, Aaron.“ Seine Finger strichen von ihrem Ohr über ihren Hals, ihren Arm entlang bis zu ihrem Knie. In seinen von dichten Wimpern umrahmten Augen funkelte Verlangen, und sie verspürte ein Prickeln im ganzen Körper von all den federleichten Berührungen. „¿Habla Español?“, fragte sie.

„Sì. ¿Y usted?“

Muy poco. Nur das, was ich in Royal aufgeschnappt habe. Welche Sprachen sprechen Sie noch?“

„Französisch, Deutsch, Arabisch, Italienisch, Polnisch und Chinesisch. Ich habe meinen Bachelor in Sprachen und Politikwissenschaften gemacht. Arabisch habe ich beim Militär gelernt. Polnisch habe ich mir dann im Auswärtigen Amt angeeignet.“

Sie dachte wieder an die enormen Unterschiede in ihren Leben. „An welchem College waren Sie?“

„Meinen Bachelor habe ich in Harvard gemacht. Aber jetzt verraten Sie mir, was Sie gern tun. Was macht Ihnen Spaß?“

„Mit kleinen Kindern spielen, lesen. Ich zeichne gern, einfache Dinge, und ich habe mal Aerobicunterricht gegeben, allerdings im letzten Jahr nicht mehr.“ Ihr Blick fiel auf seinen Mund, und sie fragte sich, wie es wäre, ihn zu küssen. Sie wollte ihn küssen. Warum übte er diese Wirkung auf sie aus? Pamela hatte das Gefühl, als würden ständig Funken zwischen ihnen sprühen. Nur mit Mühe konnte sie sich auf seine Worte konzentrieren.

Sie saßen und redeten, bis die Standuhr in der Diele drei Uhr morgens schlug. Die Zeit war wie im Flug vergangen, und sie hatte das Gefühl, ihn schon ihr ganzes Leben zu kennen.

Mittlerweile hatte er die Manschettenknöpfe entfernt, die Ärmel hochgekrempelt und seine Schuhe ausgezogen. Ihre Nervenenden kribbelten. Sie blickte wieder auf seinen Mund und fragte sich erneut, wie es sein mochte, ihn zu küssen.

Beim dritten Glockenschlag stand sie auf. „Es ist spät.“

Sofort sprang er auf, legte ihr die Hand um die Taille und drehte sie zu sich. Ein Blick in seine Augen, und ihr stockte der Atem. Er zog sie näher.

„Ich habe das Gefühl, als hätte ich schon mein ganzes Leben auf diesen Moment gewartet“, sagte er leise.

Pamelas Herz pochte laut, und sie ermahnte sich, nicht zu glauben, was er sagte. Doch seine Worte ließen sie erbeben. Er legte eine Hand an ihren Hinterkopf und zog sie mit der anderen noch näher zu sich. Er senkte den Kopf, sein Mund streifte ihren, und ihr Pulsschlag erhöhte sich beim ersten Kontakt seiner Lippen mit ihren. Feuer und Magie. Dazu der begehrliche Blick in seinen Augen – als hätte er tatsächlich sein ganzes Leben auf sie gewartet.

Was hatte der Mann an sich, dass sie körperlich und emotional dahinschmolz? Er nahm ihr den Atem und ließ ihren Puls höher schlagen. Alles fühlte sich so unglaublich richtig an, als wäre diese Nacht ihr seit ihrer Geburt vorherbestimmt. Wieder streiften seine Lippen sanft die ihren.

„Aaron“, flüsterte sie.

Sein Mund bedeckte ihren. Dann tauchte seine Zunge hinein, berührte ihre und begann einen Tanz, der so erotisch war, dass sie erbebte. Sie schlang die Arme um seinen Nacken und erwiderte seine Küsse voller Leidenschaft. Sie spürte seine Erregung, fühlte seine Hände, die an ihrem Reißverschluss zerrten. Ein kühler Luftzug streifte ihre Schultern, als ihr Kleid auf den Boden fiel. Ihr BH folgte, dann bedeckte er ihre Brüste mit seinen Händen. Sein Atem ging keuchend, als er sich niederbeugte und mit der Zunge die harten Spitzen umkreiste.

„Du bist wunderschön“, flüsterte er. „Ich brauche dich.“

Seine Worte waren so verführerisch wie seine Küsse. Lustvoll seufzend erbebte sie und legte ihm die Hände auf die Schultern. Sie wusste, dass sie aufhören sollte, doch jede seiner Berührungen war die reine Magie. Sie wurde von Gelüsten, die ihr völlig fremd waren, und heftiger Begierde heimgesucht. Nie zuvor hatte ein Mann ein so loderndes Feuer in ihr entzündet. Sie würde ihn stoppen, aber nicht jetzt. Noch nicht ...

Mit dem Daumen umkreiste und streichelte er die harten Brustwarzen, und ihr Inneres erbebte bis in die Tiefe. Sie öffnete seine Hemdknöpfe, schob das Hemd weg und legte die Hände auf seinen muskulösen Oberkörper. Sie tauchte die Finger in die dunklen Härchen.

Ohne den leidenschaftlichen Kuss zu unterbrechen, hob er sie hoch und trug sie ins Schlafzimmer. Dann lagen sie eng umschlungen auf dem Bett. Wenige Sekunden später war sie nackt, und er bedeckte ihren Körper mit heißen Küssen.

War es der Wein? Der Mann? Der Zauber der Nacht? Seine betörenden Worte, die sie sein unglaubliches Verlangen nach ihr allein spüren ließen?

Ihre innere Stimme mahnte zur Vorsicht, doch die Warnung verpuffte, als er tiefer rutschte und ihre Schenkel küsste. Er schob die Hand zwischen ihre Beine, streichelte sie, trieb sie dem Höhepunkt entgegen und weckte in ihr das Verlangen nach etwas, was sie nie gehabt hatte, aber mit ihm erleben wollte. Mit dem Mann, der vom ersten Moment an einen besonderen Zauber auf sie ausgeübt hatte.

Sie half ihm, die Hose und den Slip auszuziehen. Er legte sich auf sie, hart, bereit, und sie schlang die Beine um ihn und zog ihn zu sich. Sie hörte ihn leise fragen, ob es sicher war, und sie antwortete „Ja, ja“, wollte ihn mit einer Verzweiflung, die sie nie für möglich gehalten hätte. Das Verlangen war so heftig, dass sie alle Klugheit und Vorsicht vergaß.

Sein Mund bedeckte ihren, fing ihre Lustschreie auf, als er langsam in sie eindrang. Kurz hob er den Kopf und sah sie fragend an, doch sie bäumte sich ihm entgegen, schlang die Beine fester um ihn und zog ihn in sich.

„Bitte, Aaron.“ Diese Nacht war mehr als nur Magie für sie, und sie wollte ihn, wie sie nie etwas gewollt hatte. Nur zu gern verlor sie ihre Jungfräulichkeit an diesen Mann, der sie so wunderbar in die Welt der Ekstase einführte und sie fest in den Armen hielt, als sie die heiß ersehnte Erlösung fand.

In der Stille der ausklingenden Nacht überhäufte er sie mit Küssen. Dann hielt er sie fest an sich gedrückt, während sie redeten.

„Was gefällt dir auf dieser Welt am meisten, Aaron?“ Pamela wollte alles über ihn wissen.

„Diese Nacht. Du in meinen Armen. Lange, heiße Küsse, mitfühlende Menschen, die Schweiz, die Ranch. Was magst du?“, gab er die Frage zurück, während er mit seinen Fingern zärtlich über ihre Hüften strich.

„Auch diese Nacht. Mit dir zusammen zu sein. Kleine Kinder. Bücher.“ Sie berührte sanft sein Kinn. „Was möchtest du vom Leben?“

„Ah, das ist eine leichte Frage. Ich möchte eine Familie haben, eine Frau, die meine Freundin und meine Geliebte ist. Ich möchte Menschen Gutes tun, mich auf der Ranch niederlassen und ...“

„Du möchtest hier auf der Ranch leben?“, unterbrach sie ihn überrascht.

„Natürlich. Ich bin auf der Ranch aufgewachsen und liebe sie. Ich will noch ein paar Jahre im diplomatischen Dienst bleiben, aber dann möchte ich nach Hause kommen und die Ranch führen. Was wünschst du dir vom Leben?“

„Ich denke nicht viel darüber nach. Ich möchte eine gute Lehrerin sein. Ich möchte, dass jedes Kind nach dem zweiten Schuljahr lesen kann, und dass keins weiterkommt, solange es das Lesen nicht richtig beherrscht.“

„Hast du nicht den Wunsch, zu heiraten?“

Sie war froh, dass es dunkel war, und er nicht sehen konnte, dass sie rot wurde. „Du weißt, dass du der erste Mann in meinem Leben bist, Aaron. Ich bin nicht viel ausgegangen, und habe nie daran gedacht, dass ich mal heiraten könnte.“

„Ich würde die Ranch darauf verwetten, dass du es tust.“

Als sie lachte, berührte er ihr Grübchen. „Bist du ein Zocker?“

„Eigentlich nicht. Aber in diesem Fall kann ich gar nicht verlieren. Du wirst heiraten, Lady.“

„Im Moment denke ich daran, nach Asterland zu gehen. Erzähl mir mehr darüber.“

„Asterland ist ein wunderschönes kleines Land. Es wird dir gefallen.“ Sie hörte ihm weitere zwanzig Minuten gebannt zu. Als sie selbst dann zu erzählen begann, vernahm sie seine tiefen, gleichmäßigen Atemzüge und merkte, dass er eingeschlafen war. Sie schmiegte sich an ihn mit dem Wissen, dass sie die Erinnerungen an diese Nacht für den Rest ihres Lebens bei sich tragen würde, denn sie hatte sich verliebt.

Pamela lag in Aarons Armen, hörte auf seinen Herzschlag und seinen Atem. Er hielt sie fest umschlungen, als hätte er Angst, sie zu verlieren. Das Wunder der Nacht machte sie benommen. Ihr Liebesspiel war ungeahnte Ekstase gewesen. Sie schlief ein und regte sich erst wieder, als das erste Morgenlicht in das Schlafzimmer fiel und damit die Realität zurückkehrte.

Im Licht des Tages wurde Pamela dann auf schockierende Weise bewusst, wie Aaron die Nacht sehen musste.

Wie hatte sie schon am ersten Abend mit ihm schlafen können? Sie schloss die Augen und dachte an ihre Mutter und die Bemerkungen, die sie als Kind immer wieder gehört hatte: „... deine Mama ist ein Flittchen“, „... sie ist billig“, „... leicht zu haben“, und noch schlimmer.

Scham, Schock und Angst, was er über sie denken könnte, überkamen sie. Ähnelte sie ihrer Mutter doch so sehr? All die Jahre war sie zurückhaltend und vorsichtig gewesen, doch in dem Moment, als ein toller, welterfahrener Mann sie mit seinem Charme einwickelte, hatte sie alle Besonnenheit vergessen.

Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und schlüpfte aus dem Bett. Sie konnte nur ahnen, wie Aaron sie einschätzen musste. Dann fiel ihr Blick auf ihn, und heftiges Verlangen ergriff sie. Er lag lang ausgestreckt im Bett, das Laken bedeckte ihn bis zur Taille. Er war schlank und muskulös, hatte den Körper eines Athleten. Seine Brustbehaarung verjüngte sich zum Bauchnabel. Ihr Blick wanderte schließlich tiefer, zu dem Laken, das ihn bedeckte, aber ihre Erinnerung beschwor Bilder von ihm herauf, als er hart gewesen war, für sie bereit und so unglaublich männlich und anziehend.

Pamela schüttelte sich ein wenig und wollte nicht erleben, wie er die grünen Augen öffnete und sie auf erniedrigende Weise ansah. Auch wollte sie nicht hören, dass er sich für einen Abend entschuldigte oder ihn herunterspielte, der für sie so wunderbar gewesen war. Wieder fragte sie sich, wie sie so schnell mit ihm im Bett hatte landen können. Lag es ihr in den Genen? Gegen den Gedanken hatte sie sich ihr ganzes Leben lang gewehrt. Sie hatte den Jungs die kalte Schulter gezeigt, hatte eine Mauer um sich errichtet und sich Männern gegenüber mehr als distanziert gegeben.

So leise wie möglich sammelte sie ihre Sachen zusammen und zog sich an. Dann schlich sie nach unten und rief Royals einziges Taxi.

Schon nach wenigen Minuten stand sie in der Einfahrt und betete, dass Aaron nicht aufwachen würde. Heute würde sie nach Midland fahren, um sich mit ihrer besten Freundin, Jessica Atkins, die ebenfalls Lehrerin war, zu treffen. Aaron würde sie nicht finden, selbst wenn er das gewollt hätte. Sie rechnete jedoch nicht damit. Auch wenn er vergangene Nacht den Anschein erweckt hatte, sie würde ihm etwas bedeuten.

„Mach dir doch nichts vor“, sagte sie leise zu sich selbst. „Er hat dich verführt, und du bist bereitwillig mit ihm ins Bett gegangen – es war ein One-Night-Stand, mehr nicht.“

Das Taxi kam, und sie stieg ein. Als sich die großen Eisentore hinter ihr schlossen, hatte sie das Gefühl, einen Teil ihres Lebens wegzuschließen. Von jetzt an würde die vergangene Nacht nur noch eine Erinnerung sein, auch wenn sie wusste, dass sie Aaron weit mehr als nur ihren Körper geschenkt hatte.

Verwirrt und traurig fuhr sie nach Hause, packte schnell ein paar Sachen fürs Wochenende ein und machte sich dann auf den Weg nach Midland zu Jessica. Doch egal, wie viele Meilen sie zwischen Aaron und sich legte, sie konnte ihn nicht aus ihren Gedanken verdrängen. Ihr wurde bewusst, dass sie nicht verhütet hatten. Er hatte gefragt, ob es sicher war, und sie, total verloren in dem Moment, hatte mit Ja geantwortet, weil sie ihn wollte, wie sie noch nie etwas in ihrem Leben gewollt hatte.

„Wie konntest du so unvorsichtig sein?“, sagte Pamela laut zu sich selbst.

Als ihr bewusst wurde, dass sie im Royal Diner saß und Selbstgespräche führte, holte sie tief Luft. Aaron konnte sie keinen Vorwurf machen, er hatte sie gefragt, ob es sicher war. Und wenn er von ihrer Schwangerschaft erfuhr – das durfte einfach nicht passieren.

Sie dachte an die Blacks. Jeder in der Stadt wusste, dass seine Eltern missionarisch engagiert gewesen waren. Sein Bruder war Pfarrer, unterstützte weltweite Missionsstationen finanziell, seine ältere Schwester war Ärztin in einem Dritte-Welt-Land. Sie wusste nicht, was der andere Bruder tat, aber es waren gute Menschen, und sie nutzten ihren immensen Reichtum, um anderen zu helfen. Aaron hatte ihr erzählt, dass er in den diplomatischen Dienst gegangen war, weil er glaubte, Menschen auf diese Weise helfen zu können.

Er durfte nie erfahren, dass er der Vater ihres Kindes war, denn dann würde er sie aus Pflichtgefühl heiraten wollen. Aaron ...

Sie hatte ihm nicht nur ihren Körper geschenkt, sondern auch ihr Herz. Doch sie war realistisch. Sie hatte erlebt, dass Stützen der Gesellschaft mit ihrer Mutter schliefen, ihr Geschenke als Zeichen der Wertschätzung machten – große Geschenke, wie Autos und Schmuck – ihr jedoch irgendwann den Rücken kehrten und ihren eigenen Weg gingen. Und sie hatte erlebt, wie diese Männer Dolly in der Öffentlichkeit begegnet waren, hatte ihre verstohlenen Blicke gesehen, die Kälte, die Respektlosigkeit.

Pamela hätte es nicht ertragen, von Aaron so behandelt zu werden. Sie legte die Hand auf ihren flachen Bauch und verspürte Mutterfreuden. Schon jetzt liebte sie dieses Baby von ganzem Herzen und würde ihm ihr Leben widmen.

Sie würde aus Royal wegziehen müssen, denn hier wurde zu viel geredet, doch darüber musste sie sich heute noch keine Gedanken machen. Aaron war wieder in Übersee, deshalb bestand wenig Gefahr, dass er von ihrer Schwangerschaft erfuhr.

Bestürzt dachte sie daran, wie leicht zu haben und wie unvorsichtig sie gewesen war. Was mochte Aaron nur von ihr denken?

„Geht es Ihnen wieder besser, Pamela?“

„Alles in Ordnung, danke“, antwortete sie der Kellnerin. Sheilas pinkfarbenes Kellnerinnen-Outfit war knallig, ihr Blick scharf.

„Es ist schrecklich, was passiert ist. Aber irgendwann kommen Sie darüber hinweg. Tut mir echt leid, dass Sie jetzt dieses Schuljahr nicht mehr nach Alsterland kommen werden. Ich habe gehört, dass das Programm ausgesetzt wurde.“

„Stimmt.“ Sie wollte nicht darüber sprechen.

Sheila ging, und Pamela starrte auf den riesigen Hamburger und die knusprigen Pommes auf ihrem Teller. Sie würde keinen Bissen essen können. Aber sie konnte auch nicht alles unberührt lassen, das würde nur zu Spekulationen führen. Also nippte sie an ihrem Milchshake und aß zwei Bissen von ihrem Burger. Dann konnte sie nicht mehr. Sie wickelte den Burger und ein paar Fritten in ihre Serviette und stopfte das Ganze in ihre Tasche. Bestimmt würde sie nach Hamburger riechen, doch sie wollte jedes Gerede vermeiden. Niemand bestellte einen von Mannys saftigen Burgern und aß ihn dann nicht.

Pamela stand auf, bezahlte und verließ eilig das Restaurant, bevor sie in ein weiteres Gespräch verwickelt werden konnte.

Auf dem Weg nach Hause beschloss sie, Jessica zu bitten, Ausschau nach einer Lehrerstelle in Midland zu halten. Der Lehrauftrag in Asterland war für dieses Semester ausgesetzt worden. Im nächsten würde sie hochschwanger sein. Außerdem wollte sie jetzt gar nicht mehr nach Asterland gehen, selbst wenn es möglich wäre. Sie wollte, dass ihr Baby in Texas geboren wurde, wo sie Freunde hatte.

Sie bog in ihre Straße ein und fuhr um ihr Apartmenthaus herum. Als sie sich ihrem Stellplatz näherte, fing ihr Herz an zu rasen. Auf der Ladeklappe eines glänzenden schwarzen Pick-ups saß Aaron Black.

2. KAPITEL

Pamela schnürte es die Kehle zu, sie bekam keine Luft mehr. Da war er, und er sah einfach großartig aus. Ihr Puls schoss wie eine Rakete in die Höhe, als Aaron von der Ladeklappe rutschte. In Jeans und Pullover sah er mindestens genauso gut aus wie im Smoking.

Seine grünen Augen waren so, wie sie sie in Erinnerung hatte – sie blickten direkt in ihre Seele. Wie könnte sie ihr Geheimnis für sich behalten? Warum war er hier und nicht am anderen Ende der Welt? Was sollte sie ihm sagen? Was wollte er?

Eine zynische Stimme beantwortete diese Frage sofort – eine weitere heiße Nacht mit ihr. Sie hob das Kinn und presste die Lippen aufeinander, während sie versuchte, tief durchzuatmen. Es wäre leichter gewesen, wenn sie einfach in Ohnmacht hätte fallen können. Doch das war ihr nicht gegeben.

„Verschwinde, Aaron Black“, murmelte sie, als sie parkte. Sie wusste, dass er jede ihrer Bewegungen beobachtete. Dann war er schon an ihrer Tür und öffnete sie für sie.

Als sie ausstieg und zu ihm aufsah, blieb ihr fast das Herz stehen. Am liebsten hätte sie sich sofort in seine Arme geworfen.

„Hi, Pamela.“

Sie brachte kein Wort über die Lippen.

„Hat es dir die Sprache verschlagen?“ Er strich mit der Fingerspitze über ihre Wange.

Bei seiner Berührung schoss ein Prickeln durch ihren Körper, und sie wusste, dass sie verloren war, wenn sie nicht sofort ihren Abwehrmechanismus einschaltete. „Hallo, Aaron. Ich dachte, du bist in Spanien.“

„Das war ich“, sagte er mit seiner melodischen Stimme, die wie eine Liebkosung klang. „Ich bin nach Hause gekommen, weil ich dich sehen wollte.“

„Du bist nach Hause gekommen, um mich zu sehen?“, flüsterte sie geschockt. Hatte sie richtig gehört? Wusste er es etwa? Sie verwarf den Gedanken sofort.

Er blickte sich um. Der kalte Wind wirbelte die Blätter hoch. „Könnten wir vielleicht drinnen weiterreden?“

„Natürlich. Komm rein.“ Pamela kam sich lächerlich vor. Die Frauen in seinem Leben gingen vermutlich souverän mit solchen Situationen um, während sie sich wie eine Zwölfjährige verhielt, die das erste Mal verliebt war. Sie ging voran, wollte aufschließen und ließ den Schlüssel fallen. Er hob ihn auf, öffnete die Tür für sie und ließ ihr den Vortritt. Hastig trat sie ein. Seine Nähe machte sie nervös.

Sie blickte sich in ihrer winzigen Küche um und dachte an sein palastartiges Elternhaus in Pine Valley. Ihr ganzes Apartment würde in seine Küche passen.

Sie öffnete ihre Tasche, um die Schlüssel einzustecken, und der Duft des Hamburgers wehte durch die Luft. Er zog die Augenbrauen hoch und griff nach dem eingewickelten Burger. Sie konnte das Lachen in seiner Stimme hören. „Du trägst Hamburger und Fritten in der Tasche mit dir rum?“

„Normalerweise nicht. Aber ich hatte keinen Hunger. Möchtest du etwas trinken?“

„Nein, danke.“

„Dann lass uns ins Wohnzimmer gehen.“

Aaron blickte sich in ihrem kleinen Wohnzimmer mit den weißen Rattanmöbeln, den bunten Kissen und farbenfrohen Bildern um – ein wunderbares Zimmer für sie, aber weit entfernt von seinem Lebensstil.

Er streifte mit der Anmut und Neugier einer Katze herum und trat in das Schlafzimmer, das sich an das Wohnzimmer anschloss. „Hier schläfst du also“, stellte er fest, und sie überlegte, in welchem Zustand sie das Zimmer heute Morgen verlassen hatte. Er kam ins Wohnzimmer zurück und ging zum Sofa.

„Willst du dich nicht setzen?“

„Doch“, antwortete sie. Ihr war klar, dass ihr Verhalten albern war, aber er hatte sie mit seinem unerwarteten Erscheinen durcheinandergebracht.

Pamela ließ sich auf einer Ecke des Sofas nieder, er setzte sich neben sie. Ganz entspannt, als würde ihm die Wohnung gehören. „Große blaue Augen, genau wie ich sie in Erinnerung hatte“, sagte er leise und strich mit dem Finger über ihre Wange. Ob er ihren Herzschlag hören konnte?

„Warum bist du hier?“

Wieder schien Belustigung in seinen Augen zu schimmern. „Freust du dich, mich zu sehen?“

„Ja“, erwiderte sie vorsichtig.

„Das klingt aber nicht so“, sagte er gedehnt. „Darf ich dich etwas fragen?“

„Natürlich.“

„Warum bist du am nächsten Morgen einfach verschwunden?“ Seine Stimme klang ruhig, seine Worte unverfänglich, doch sein Blick nagelte sie fest, und das Blut stieg ihr in die Wangen.

„Ich hatte eine Reise vor mir und musste nach Hause.“

„Ach ja.“ Der Klang seiner Stimme sagte ihr, dass er ihr nicht eine Sekunde glaubte.

Sie faltete die Hände im Schoß. „Normalerweise gehe ich nicht gleich am ersten Abend mit einem Mann ins Bett“, flüsterte sie. Ihre Wangen brannten, doch die Wahrheit war heraus.

„Das weiß ich“, sagte er mit solch zärtlicher Stimme, dass sie sich ihm am liebsten in die Arme geworfen hätte. Er legte den Finger unter ihr Kinn und drehte ihr Gesicht zu sich. Als sie in seine Augen sah, merkte sie, dass ihr Widerstand schmolz.

„Geh heute Abend mit mir essen!“

„Ich kann nicht ...“

„Deshalb bin ich nach Hause gekommen“, unterbrach er sie.

Sie starrte ihn an. „Du bist nicht nach Hause gekommen, um mit mir essen zu gehen.“

„Doch. Ich finde, wir müssen noch einiges klären.“ In seiner sanften Stimme schwang eiserne Entschlossenheit mit.

Sie dachte an ihren Zustand und schüttelte den Kopf. „Das finde ich nicht“, sagte sie. „Du bewegst dich in einer Welt, ich mich in einer ganz anderen. Ich bin nur ein Mädchen vom Lande, Aaron, also lass uns realistisch sein. Du bist nicht nach Hause gekommen, um mich zum Essen einzuladen!“

„Doch, das bin ich. Und was soll dieser Unsinn mit Mädchen vom Lande? Was denkst du, wo ich aufgewachsen bin?“

„Hier, aber es ist trotzdem etwas anderes. Du bist an der Ostküste zur Uni gegangen und hast in Übersee gelebt. Du bewegst dich in Kreisen, die mir fremd sind, und die Frauen in deinem Leben ...“

„Langweilen mich zu Tode.“ Er rutschte näher zu ihr. „Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass es da etwas zwischen uns gab.“

Widersteh diesem Süßholzgeraspel, widersteh ...

Sie rutschte von ihm ab.

„Wir hatten Sex, aber ...“

„Wir haben uns geliebt, Pamela“, unterbrach er sie so ernst, dass ihr Herz einen Satz machte. „Es war gut, schön und wichtig.“ Er betrachtete sie. „Vielleicht müssen wir uns jetzt etwas Zeit nehmen, um uns kennenzulernen.“

„Nein!“

„Warum nicht?“

Ihre Gedanken rasten. Was sollte sie darauf antworten? Warum musste er so nah bei ihr sitzen? Das machte das Nachdenken schwer. „Das habe ich doch bereits gesagt. Ich bin vom Land, und du bist es nicht. Behaupte jetzt nicht das Gegenteil. Wir leben in verschiedenen Welten, und du kannst mir nicht weismachen, dass du hier bist, weil du mich so faszinierend findest.“

„Du glaubst mir nicht?“

„Nein. Wie kommt es, dass du mitten in der Woche freihast?“

„Ich habe Urlaub genommen, um dich zu sehen.“

Sie starrte ihn fassungslos an.

„Es ist wichtig“, verkündete er ernst.

Ihr Herz hörte für einen Moment auf zu schlagen. Dann setzte es wieder ein. Nein. Nicht jetzt, war alles, was sie denken konnte. Nicht jetzt. Bitte, nicht. Er darf es nicht wissen. Ihr wurde schwindelig. Es ist zu spät. Viel zu spät für uns.

Sie schüttelte den Kopf. „Geh zurück nach Spanien, Aaron. Die Nacht mit dir war wunderbar, aber es war nur eine Nacht. Jetzt muss ich ...“

Er rückte näher. „Pamela, ich möchte die Chance bekommen, dir zu zeigen, dass unsere Welten nicht so unterschiedlich sind. Ich möchte, dass wir uns besser kennenlernen und herausfinden, ob wir zusammenpassen. Vielleicht hast du recht, vielleicht ist von dem Zauber nichts mehr da. Aber ich finde, wir sollten unserer Beziehung eine Chance geben.“

„Davon halte ich nichts.“ Sie brachte die Worte kaum heraus.

„Was spricht dagegen?“ Er ließ nicht locker.

Wenn du wüsstest, was los ist, würdest du ganz schnell abhauen. Sie starrte ihn an, ihr Herz pochte. Sie musste ihn wegschicken.

„Du sitzt so nah.“

„Schön, dass du es merkst. Also, was spricht dagegen?“

Ich werde mich noch mehr in dich verlieben, und du wirst herausfinden, dass ich ein Baby von dir bekomme. Und dann wirst du mich aus den falschen Gründen heiraten wollen.

„Eine kleine Einladung zum Essen.“ Er beugte sich vor und streifte ihren Hals mit seinen Lippen. „Geh heute Abend mit mir aus, okay? Komm schon. Ich wette, wir werden eine schöne Zeit haben.“ Er war ihr jetzt so nah, dass sie seine Wärme spüren und sein würziges Aftershave riechen konnte.

„Wir sollten nicht ...“

„Du isst lieber allein als mit mir?“, flüsterte er.

„Nein, aber ...“

„Dann ist es also abgemacht.“ Er bedeckte ihren Hals mit federleichten kleinen Küssen. Pamela sehnte sich danach, den Kopf zu drehen und ihn richtig zu küssen. Er lehnte sich zurück. „Ich hole dich um sieben Uhr ab. Ich habe im Claire’s einen Tisch für uns reserviert.“

Sie öffnete die Augen. Was hatte sie getan? Wie hatte er sie nur so leicht umstimmen können?

„Aaron, es kann nicht sein, dass du extra zurückgekommen bist, um mich zum Essen einzuladen.“

„Bin ich aber.“

„Was ist mit deinem Job?“

„Ich habe so viele Urlaubstage angesammelt, dass ich lange Zeit freinehmen kann. Anfangs habe ich meinen Job geliebt. Ich dachte, ich könnte meinen Teil dazu beitragen, die Welt zu retten. Ich habe alles gegeben und mir nur selten freigenommen. Aber jetzt habe ich Urlaub beantragt und auch bekommen.“

Erschreckt sah sie ihn an. „Urlaub! Du bist länger als nur heute Abend in Royal?“

„Du klingst nicht gerade begeistert.“ Sein Blick war voller Fragen. „Du siehst mich an, als wäre ich ein Monster.“

„Nein! Ich muss mich nur erst an den Gedanken gewöhnen, dass du in Royal und nicht in Spanien bist.“

Er nahm ihr Gesicht zwischen die Hände und sah sie durchdringend an. „Warum musst du dich daran gewöhnen? Das ist nicht sehr schmeichelhaft für mich.“

„Entschuldige.“ Ihre Wangen brannten. „Ich bin einfach überrascht.“

„Gewöhn dich daran, Lady, denn ich bin nach Hause gekommen, damit wir uns besser kennenlernen“, sagte er mit rauer Stimme.

Sie stand auf. Ihr Knie stieß dabei gegen seins. Sofort war er auch auf den Beinen und legte die Hand um ihre Taille.

„Pamela, ich weiß nicht, was in deinem hübschen Kopf vorgeht, aber ja, ich möchte, dass wir uns besser kennenlernen. Seit jener Nacht denke ich ständig an dich.“

„Oh mein Gott. Ich glaube es nicht.“

Er runzelte die Stirn. „Das sollest du aber, und ich werde alles tun, dich davon zu überzeugen. Du hast eine vorgefertigte Meinung von dem Typ Frau, auf den ich stehe, aber die ist falsch.“

„Aaron, ich ...“

„Gib uns etwas Zeit. Vielleicht passen wir nicht zusammen, aber gib uns die Chance, es herauszufinden.“

Unmöglich. Trotz ihrer Sehnsucht, trotz ihrer Gefühle für ihn, trotz seiner charmanten Beharrlichkeit, sie musste ihr Geheimnis vor ihm bewahren und ihn zurück nach Spanien schicken.

„Ich halte das für keine gute Idee.“

„Du hast versprochen, heute Abend mit mir essen zu gehen. Ich bestehe darauf.“ Sie blickte zu ihm auf, war sich seiner Hand um ihrer Taille bewusst, seiner Nähe, der Entschlossenheit in seinen grünen Augen. Ihr Herz schlug schneller.

Er küsste sie flüchtig auf den Mund und wich dann zurück. „Wir sehen uns um sieben, Darling.“ Er ging durch ihre winzige Wohnung und öffnete die Tür. „Ich glaube, der Hamburger schmeckt jetzt nicht mehr. Heute Abend gibt es etwas Leckeres.“

Dann war er weg, und sie starrte auf die geschlossene Tür, wie gelähmt vor Schock darüber, dass sie wieder so schnell vor ihm kapituliert hatte. Sie hörte das Brummen des Pick-ups. Ein Pick-up, Cowboystiefel und Jeans. Das schien zu ihm zu passen, doch sie wusste es besser. Aaron arbeitete im diplomatischen Dienst und hatte fast sein ganzes Erwachsenenleben in Übersee verbracht. Sie konnte sich die Frauen vorstellen, mit denen er verkehrte. Schön, weltgewandt – sie ließen keine Schlüssel fallen und hatten keine Hamburger in der Tasche. Pamela rieb sich die Schläfen und wanderte rastlos durch ihr Wohnzimmer. Als er sie zum Essen eingeladen hatte, war all ihre Entschlossenheit einfach geschmolzen. Heute Abend musste sie es besser machen.

Warum ging sie überhaupt? Was sollte sie anziehen? Diente die Einladung lediglich dem Ziel, wieder mit ihr zu schlafen? Bei dieser Frage stutzte sie, und die Schamesröte stieg ihr in die Wangen.

Sie sah in den Spiegel und drohte ihrem Spiegelbild mit dem Zeigefinger. „Pamela, du warst leicht zu haben. Zeig jetzt, dass du Willensstärke hast! Bleib ganz cool und sorg dafür, dass er packt.“

Sie dachte an die Jungs, die sie frigide genannt hatten. Wo war diese Kälte, die sie anderen gegenüber so leicht an den Tag legen konnte?

Sie sah auf ihren flachen Bauch und legte die Hand darauf. Ein Baby. Aarons Baby.

Sie wusste um die Probleme, die junge alleinerziehende Mütter und Väter hatten, ahnte, wie schwer es werden würde, Kind und Job unter einen Hut zu bringen. Doch sie würde es schaffen. Ihr eigenes Baby. Aarons Baby. Dieses Baby hatte einen wundervollen Vater.

Aaron hat ein Recht darauf, es zu wissen.

Ein Gedanke, der unerwünscht war. Er mochte ein Recht darauf haben, doch dann würde er sie aus einem Pflichtgefühl heraus heiraten wollen. Seine Familie würde sie hassen und glauben, sie hätte ihn in die Falle gelockt. Nein, er durfte es nicht erfahren. Irgendwann würde er eine wunderschöne Frau heiraten und mit ihr eine Familie gründen.

„Geh mit ihm essen, und schick ihn zurück nach Spanien. Du weißt doch, wie man Männer abtörnt.“

Resigniert ging sie ins Schlafzimmer, um nach dem richtigen Outfit für den Abend zu suchen. Ihr Leben hatte sich heute für immer geändert – schwanger, Dinner mit Aaron. Er war gekommen, um mit ihr essen zu gehen! Um sie besser kennenzulernen. Eine quälende Sehnsucht ließ sie erbeben. Warum musste das so sein? „Wegen deiner eigenen Unachtsamkeit“, gab sie sich selbst die Antwort.

Vor langer Zeit hatte Dr. Woodbury sie gefragt, ob er ihr die Pille verschreiben sollte. Sie hatte verneint und ihm gesagt, dass sie keinen Freund und somit keinen Bedarf hatte. Seine anschließende Belehrung war bei ihr auf taube Ohren gestoßen. Sie hätte auf ihn hören sollen! Aber dann legte sie wieder die Hand an den Bauch und wusste, dass sie nichts bereute. Sie liebte kleine Kinder und würde ihr eigenes haben.

Dinner mit Aaron. Wenn nur ... sie dachte den Gedanken nicht weiter, doch sie berührte ihren Hals und erinnerte sich an seine zärtlichen Küsse.

Aaron pfiff beim Fahren vergnügt vor sich hin. Er war aufgeregt, gespannt und musste bei dem Gedanken an den Hamburger in Pamelas Tasche lachen.

„Nein, Darling, ich kenne keine Frau wie dich, und das ist das Wundervolle an dir. Ich mag ein Mädchen vom Lande“, sagte er laut. Ihre Art zu sagen, was sie dachte, sich nicht zu verbiegen und keine Spielchen mit ihm zu spielen, war erfrischend.

Um sieben stand er mit klopfendem Herzen an ihrer Tür und klingelte. Sie öffnete die Tür und lächelte ihn an. Sein Pulsschlag steigerte sich noch bei ihrem Anblick. Sie hatte schimmerndes schwarzes Haar und einen Haarschnitt, der so schlicht und unkompliziert war wie der Rest von ihr. Sie trug ein blaues Kleid, das ihrer schlanken Figur schmeichelte, keinen Schmuck und nur wenig Make-up. Sie raubte ihm den Atem, und einen Moment lang sah er sie ohne Kleid, so wie er sie aus jener ersten Nacht in Erinnerung hatte. Schlank, kurvenreich, biegsam, warm, unglaublich offen für alles.

„Hi“, sagte er. Seine raue Stimme verriet, was er fühlte.

„Komm herein“, erwiderte sie ruhig.

Beim Blick in ihre blauen Augen wollte er das Abendessen vergessen, sie in die Arme nehmen und direkt in ihr kleines jungfräuliches Schlafzimmer führen. Stattdessen beobachtete er sie nur, denn er spürte, dass er besser auf Distanz bleiben sollte. Die Lady schien nicht besonders erpicht darauf zu sein, heute Abend mit ihm auszugehen.

„Du siehst toll aus.“

„Danke.“ Sie lächelte. Ihre Wangen röteten sich leicht, und ein Funkeln trat in ihre Augen. Sofort fühlte er sich besser. Warum war sie nur so ernst? So war sie in der ersten Nacht nicht gewesen. Er hatte das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, wusste aber nicht, was.

„Ich hole meinen Mantel. Du siehst auch gut aus, Aaron, sehr elegant in dem blauen Anzug“, sagte sie schüchtern. Spontan streckte er die Hand aus und strich leicht über ihre Wange.

„Danke, Darling. Ich habe mich auf dieses Date gefreut, seit ich heute Nachmittag von hier weggefahren bin.“

Sie bedachte ihn erneut mit diesem ungläubigen Blick und ging dann, um ihren Mantel zu holen. Er beobachtete das sexy Schwingen ihrer Hüften und versuchte, seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, denn jede ihrer Bewegungen jagte einen Schauer der Erregung durch seinen Körper.

Wenig später saßen sie in seinem schwarzen Wagen. Als Aaron sich in den Verkehr auf der Straße vor dem Apartmentkomplex einfädelte, sah er automatisch in den Rückspiegel – und bemerkte den schwarzen Wagen, der sich ein paar Autos hinter ihm in den Verkehr einreihte. Als sie das Claire’s erreichten, Royals elegantestes Restaurant, bog er, anstatt direkt auf den Parkplatz zu fahren, in die nächste Straße ein.

„Wenn du einen Parkplatz suchst, es gibt einen direkt hinter dem Restaurant“, sagte Pamela.

„Ich fahre nur ein bisschen durch die Gegend“, erwiderte er leichthin. Im Rückspiegel sah er, dass der schwarze Wagen in die Straße einbog, gerade als er um die nächste Ecke fuhr. „Ich glaube, wir werden verfolgt.“ Er drehte sich zu ihr, um ihre Reaktion zu sehen.

„Du meinst, dir ist jemand von Spanien bis hierher gefolgt?“, fragte sie ungläubig. „Das kann doch nicht sein!“

Er fuhr zurück auf die Hauptstraße und hielt an der Bordsteinkante an.

„Nein, Darling, das glaube ich auch nicht.“ Er wartete. Der Wagen kam um die Ecke und musste an ihm vorbei. Aaron reihte sich hinter ihm ein.

Die Limousine hatte getönte Scheiben, doch er konnte die Silhouette von zwei Männern erkennen. Er merkte sich das amtliche Kennzeichen. An der Ecke bog der Wagen ab, während Aaron vor dem Restaurant hielt und sein Auto von einem Bediensteten parken ließ. Doch der Vorfall machte ihm Sorgen. Er nahm Pamelas Arm und führte sie ins Restaurant.

„Wenn sie dich nicht verfolgen – eine Grundschullehrerin ganz bestimmt nicht, Aaron. Das ist doch lächerlich.“

„Vielleicht.“ Er dachte daran, was Justin über die Notlandung des Jets aus Asterland gesagt hatte, und welche Fragen wegen der Funktionsstörung aufgetaucht waren. War Pamela in Gefahr? Er hielt ihr die Tür auf.

„Du hast zu viele Krimis gesehen. Du bist in Royal, Texas, zusammen mit einer Grundschullehrerin. Wirklich nichts Aufregendes.“

Er blieb stehen. Verwirrt schaute sie zu ihm auf. „Au contraire“, entgegnete er ernst und strich ihr das Haar aus dem Gesicht. „Mit dir zusammen zu sein ist das Aufregendste, was ich seit langer, langer Zeit erlebt habe.“

„Du Charmeur übertreibst mal wieder maßlos“, gab sie locker zurück. Aber ihre Worte klangen atemlos, und ihre Wangen röteten sich.

„Ich meine es ernst, Lady.“ Er ließ sie vorbei und folgte ihr ins Restaurant. Sie wurden an einen elegant gedeckten Tisch mit Kerzen und einer roten Rose geführt. Als Aaron eine Flasche französischen Weißwein bestellte, fiel sie ihm ins Wort.

„Für mich bitte nur ein Wasser. Ich trinke nicht viel Wein oder sonst irgendwelchen Alkohol.“

An jenem Abend hatte sie Wein getrunken. Zuerst auf der Feier, dann noch ein Glas bei ihm zu Hause. Vielleicht passierte das ja nur einmal im Jahr. Ihm fiel auf, dass er viel zu wenig über sie wusste.

„Magst du die französische Küche?“, fragte er „Wenn nicht, brät dir Etienne, der Chefkoch, auch ein Steak – ein Zugeständnis an die fleischliebenden Texaner. Ich weiß es, weil ich dazugehöre.“

Pamela studierte die Karte mit den ausgefallenen Speisen. „Es gibt Lachs. Den würde ich gern essen.“

Als der Kellner kam, um die Bestellung aufzunehmen, sagte Aaron: „Die Lady nimmt den saumon fumé avec pommes de terre primeurs au beurre de persil“, was für sie nach perfektem Französisch klang. „Und für mich bitte ein Steak, medium, mit Ofenkartoffel.“

„Du sprichst fließend Französisch, oder?“, fragte sie, als sie wieder allein waren.

„Du sagst das so, als würde ich öfters Tankstellen überfallen“, antwortete er mit einem Augenzwinkern.

„Entschuldige. Das ist nur ein weiterer Unterschied zwischen uns.“

„Nun, ich werde mich mit dir nicht auf Französisch unterhalten, Darling“, erwiderte er in seinem gedehnten Westtexas-Tonfall.

Pamela lächelte, sah aber nicht glücklich aus.

„Glaube mir, wir würden nicht zusammen ausgehen, wenn es diese Unterschiede zwischen uns nicht gäbe“, sagte er, und sie zuckte mit den Schultern.

Während des Essens spürte er eine Reserviertheit in ihr, die damals nicht da gewesen war. Irgendetwas stimmte nicht, doch er wusste nicht, was es war. Aber wenn er in ihre blauen Augen sah, raste sein Herz. In ihrer Tiefe sah er Begierde.

Er spürte wieder diese explosive Chemie. Elektrische Funken schienen zwischen ihnen zu tanzen, immer wieder musste er sie berühren. Er wollte sie in den Armen halten, sehnte sich nach einer weiteren Nacht mit ihr. Und er merkte, dass sie auf seine Berührungen und Blicke reagierte. Egal wie kühl sie sich gab, in ihren Augen brannte ein Feuer.

Die Freunde, die wussten, dass er sie am Abend der Gala nach Hause gebracht hatte, neckten ihn gnadenlos, sprachen von der Eisjungfrau, von der Frau, die keinen Mann an sich heranließ. Er hatte von ihrer Mutter und den vielen Männern erfahren, mit denen Dolly geschlafen hatte. Justin hatte ihn aufgeklärt. War das der Grund für Pamelas Reserviertheit? Doch Dolly Miles gehörte der Generation seiner Eltern an. Als Jugendlicher hatte er den Gerüchten um sie keine Aufmerksamkeit geschenkt. Er hatte nicht einmal gewusst, dass sie eine Tochter hatte, aber Pamela war auch um einiges jünger als er.

Gelegentlich schaffte er es, ihr ein Lachen zu entlocken, und einmal schien sie sich zu vergessen und griff nach seinem Handgelenk, als sie ihm von einem kleinen Jungen in ihrer Klasse erzählte.

Während er mit ihr lachte, ergriff er ihre Hand, hob sie an die Lippen und küsste sie. ...

Autor

Sara Orwig

Sara’s lebenslange Leidenschaft des Lesens zeigt schon ihre Garage, die nicht mit Autos sondern mit Büchern gefüllt ist. Diese Leidenschaft ging über in die Liebe zum Schreiben und mit 75 veröffentlichten Büchern die in 23 Sprachen übersetzt wurden, einem Master in Englisch, einer Tätigkeit als Lehrerin, Mutter von drei Kindern...

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