Verführ mich in Vegas

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

„Sie wird meine Frau“, wettet Deacon, ganz fasziniert von der eleganten Schönen, die er auf dem Überwachungsbildschirm seines Casinos entdeckt hat. Als erfahrener Verführer weiß er auch schon, wie. Seine Traumfrau darf nur nichts davon merken – selbst die leidenschaftlichsten, verliebtesten Frauen wollen keinen Mann, der auf sie wettet, das weiß er …


  • Erscheinungstag 27.08.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751543088
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Katherine Gabera

Verführ mich in Vegas

PROLOG

„Hast du etwas daraus gelernt, einmal als Frau unterwegs gewesen zu sein?“, fragte Didi, als ich vor ihr auftauchte. Daran, wie sich mein Körper in Luft auflöste, konnte ich mich einfach nicht gewöhnen. Fünfundzwanzig Jahre als Mafiaboss hatten mich nicht auf das Leben nach dem Tod vorbereitet.

Ich hatte einen Deal mit Gott – oder besser gesagt mit Didi, der göttlichen Gesandtin am Himmelstor. War jetzt Kuppler für Liebeskranke. Es war nicht so schlimm, wie ich vor Didi tat. Doch sie ging mir auf die Nerven. Deshalb brauchte sie nicht zu wissen, dass es mir gefiel, all diese guten Taten zu tun. Allerdings hatte mir die Überraschung ganz und gar nicht gefallen, die sie letztes Mal für mich parat gehabt hatte: Sie hatte mich im Körper einer Frau auf die Erde geschickt. Diese Erfahrung sollte kein Mann je machen müssen.

„Nein, das habe ich nicht“, antwortete ich. „Diesmal möchte ich einen Job, bei dem ich ein Mann sein kann. Aber kein alter Knacker.“

„War der Auftrag schwierig?“, fragte sie.

Ich mochte ihren Ton nicht. Aber ich brauchte sie ja nicht zu mögen. Hier oben zu bleiben, statt zur Hölle zu fahren, war ein verdammt gutes Angebot.

„Lass uns zur Sache kommen“, meinte ich. „Gib mir einfach meinen Auftrag.“

Ein riesiger Stapel Akten erschien auf ihrem Schreibtisch. Ich war stolz darauf, den Berg immerhin schon um zwei Mappen verringert zu haben.

Didi lächelte mich an, was mich misstrauisch machte. Obwohl sie ein Engel war, hatte sie eine hinterlistige Ader.

„Wie wäre es mit einem Einsatz in Vegas?“, gab sie zurück.

Wenn sie nett zu mir war, traute ich ihr erst recht nicht über den Weg. „Soll ich als Showgirl auftreten?“

Sie lachte und sah plötzlich gar nicht mal so schlecht aus. „Diesmal nicht.“

Offenbar wollte sie mir Angst machen. Es würde nicht funktionieren. Ich hatte einem Mann mit gezückter Pistole gegenübergestanden und nicht gezittert.

„Dieser Job ist etwas Besonderes“, fügte sie hinzu.

Etwas Besonderes? Die Worte hallten in meinem Kopf wider, und ich erschauerte.

Maledizione! Verdammt, ich wusste nicht, ob in den Himmel zu kommen all die Mühe wert war. „Wie besonders?“

„Du wirst schon sehen“, sagte sie nur.

Ich schlug die Mappe auf und las, um wen es ging. Die Frau hieß Kylie Smith und war eine Sekretärin aus Los Angeles. Der Name des Mannes lautete Deacon Prescott. Er war ein Typ nach meinem Geschmack: Er war auf der Straße aufgewachsen und hatte als Eintreiber für die Mafia in Vegas gearbeitet. „Das scheint nicht so schwer zu sein.“

„Gut. Dann wirst du keine Probleme haben.“

Mein Körper löste sich auf, bevor ich etwas erwidern konnte. Didi liebte es, das letzte Wort zu behalten. Doch das war okay. Ich stand nun auf dem Las Vegas Strip, der berühmten Vergnügungsmeile der Stadt. Und zum ersten Mal seit meinem Tod fand ich mein Schicksal gar nicht mehr so schlimm.

1. KAPITEL

Deacon Prescott lehnte sich näher zum Zehn-Zoll-Monitor des Überwachungssystems und entdeckte die Frau seiner Träume. Ihr Gesicht war nicht zu erkennen. Aber alles andere sah perfekt aus.

Ihr braunes Haar war im Nacken zusammengebunden, ihre Kleidung von schlichter Eleganz. Deacon zoomte heran, um genauer hinzuschauen.

„Perfekt“, murmelte er. Diese Frau war genau das, was er gesucht hatte. Vornehm, klassisch – so wie er sich seine zukünftige Ehefrau immer vorgestellt hatte. Er hatte bloß nie erwartet, sie ausgerechnet in der Lobby seines Casinohotels Golden Dream zu finden.

Sie blickte sich suchend um. Verdammt. Wahrscheinlich war sie mit ihrem Freund oder ihrem Ehemann da. Deacon stellte das Bild scharf: Nein, sie trug keinen Ehering. Ihre Augen waren von einem atemberaubenden Grün, ihre Gesichtszüge wirkten fein. In der richtigen Welt war sie eine ganz normale Frau, die kaum auffallen würde. Doch in dieser grellbunten Kulisse stach sie heraus und schien irgendwie fehl am Platz.

Mit achtunddreißig wurde es höchste Zeit, dass er eine Familie gründete. Dazu fehlte ihm nur noch die passende Frau. Eine Frau, die ihn ergänzte und gleichzeitig nicht seine Gefühle für sich beanspruchte. Das Leben in Vegas hatte ihn eins gelehrt: Das Schicksal änderte sich praktisch mit jedem Würfelrollen. Glück und ewig währende Liebe waren nichts als Illusionen.

„Wohin starrst du so angestrengt?“

Deacon schaute über die Schulter zu Hayden MacKenzie. Mac gehörte das Chimera Casino and Resort. Das Chimera war nach dem Golden Dream das erfolgreichste Unternehmen in Vegas.

Mac war einer der wenigen Menschen, die Deacon als Freunde bezeichnete. Sie kannten sich noch aus der Zeit, als Deacon sich in der Grauzone am Rande der Gesetzlosigkeit bewegt hatte. Mac hatte seinen Einfluss genutzt und ihm eine andere Möglichkeit gezeigt, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Deacon musste offen zugeben, dass er seinen gesellschaftlichen Schliff in erster Linie von Mac erhalten hatte.

„Ich starre nicht“, gab Deacon zurück.

Mac beugte sich über Deacon und betrachtete das vergrößerte Bild der Frau. Ihr Gesicht füllte den ganzen Monitor aus. Mac kicherte. „Oh, das nenn ich mal eine Frau.“

„Lassen Sie mich mal sehen“, mischte Angelo Mandetti sich ein. Er war von der Spielaufsicht und für die jährliche Überprüfung von Deacons Betrieb zuständig. Seit einer Woche hielt er sich bereits im Hotel auf. Deacon mochte ihn. Er erinnerte ihn an einen der Jungs, die bei seiner Mutter herumgehangen hatten, als er klein gewesen war. An einen bestimmten Mann, der Lorraine Prescotts mageren Jungen bemerkt und sich Zeit für ihn genommen hatte.

Mac trat zurück und machte Mandetti Platz, der einen leisen Pfiff ausstieß.

„Sie ist nicht einfach nur eine Frau“, meinte Deacon.

„Was dann?“, fragte Mac.

„Nichts … Noch nicht“, antwortete Deacon.

Mac hatte etwas an sich, das Deacon sich immer gewünscht hatte. Seine selbstbewusste Lässigkeit rührte daher, dass Mac mit allen Privilegien aufgewachsen war. Obwohl sie gleichaltrig waren, kam Deacon sich oft viel älter vor. Er wollte Sicherheit – und die Frau im Visier der Überwachungskamera war der Schlüssel zu dem Leben, nach dem er sich immer gesehnt hatte.

„Das heißt?“, hakte Mac nach.

„Sie wird meine Frau werden.“

„Ihre Frau?“, fragte Mandetti. „Herzlichen Glückwunsch.“

Mac lachte. „Er ist ihr noch nie begegnet.“

„Wirklich?“ Mandetti beugte sich weiter vor und musterte die Fremde auf dem Bildschirm. „Sie sieht nicht so aus, als wäre sie Ihr Typ.“

Deacon zuckte mit den Schultern. Genau aus diesem Grund wollte er sie, doch das sprach er nicht laut aus.

Er beobachtete sie, während sie ein Buch aus ihrer Handtasche zog und zu lesen begann. Ein Anflug von Zweifel überkam ihn. Was, wenn sie zu steif war, um die Ruhelosigkeit in ihm zu bändigen? Anständige Männer betrogen ihre Ehefrauen nicht. Zuerst würde er testen müssen, ob es einen Funken Anziehung zwischen ihnen gab. Erst dann könnte er sich auf sie als Ehefrau festlegen.

„Ich bin gleich zurück“, meinte Deacon. Als Mac und Mandetti ihm folgen wollten, fuhr er fort: „Bleiben Sie hier.“

Mandetti hob die Hände und wich zurück.

Mac lachte leise und ließ sich in einen der Ledersessel vor den Monitoren sinken. „Als ob wir nicht von hier aus alles mitbekommen würden.“

Ohne ein weiteres Wort verließ Deacon den hochmodernen Kontrollraum und ging durch den langen Flur, in dem sich die Büros des Empfangschefs und des Casinomanagers befanden. Dabei überlegte er, was er zu der Frau sagen würde.

Er richtete seine Designerkrawatte und öffnete schließlich die Tür, die in eine andere Welt führte. Eine Welt, in der er lebte, seit er laufen konnte. Eine Welt voller prunkvoller Leuchter und sich ständig drehender Rouletteräder. Er blieb einen Moment stehen, um den Blick über sein Königreich schweifen zu lassen.

Stolz auf das, was er erreicht hatte, erfüllte ihn. Und falls es auch nur ansatzweise zwischen ihm und der fremden Frau knisterte, würde er sie verführen und zu Mrs Deacon Prescott machen. Zur Königin seines kleinen Reichs.

Es dauerte eine ganze Weile, sich den Weg durch das Casino zu bahnen. Immer wieder hielten Stammgäste ihn auf, und dann wollte noch ein kürzlich eingestellter Kartengeber mit ihm sprechen. Deacon rief seine Sekretärin Martha an und ließ sie einen Termin für den Kartengeber nach Ende seiner Schicht machen. Endlich war er aus dem Casino heraus und stand in der Lobby des Hotels. Suchend schaute er sich nach der Frau um.

Plötzlich vergaß er all die geschliffenen Formulierungen, die er sich über die Jahre angeeignet hatte. Ihm fiel nichts ein, was er sagen konnte. Für einen Moment war er wieder der schmuddelige kleine Junge von der Straße, für den der Glamour unerreichbar war, den er nun täglich sah.

Er rieb die Hände an den Seiten seiner Hose und richtete sich noch ein wenig gerader auf. Verdammt, er war Deacon Prescott. Seit zwei Jahren galt er für die Zeitschrift Entrepreneur als Mann des Jahres. Eine ganz gewöhnliche Frau würde ihn gewiss nicht davon abhalten, sein Ziel zu erreichen.

Kylie Smith hörte, wie sich ihr jemand näherte. Das Golden Dream war ein nobles Hotel mit dem Charme der alten Welt. Die Herren, die das Casino besuchten, wirkten dagegen jedoch nicht so nobel. Sie war inzwischen von vier verschiedenen Männern angesprochen worden, seit sie hier auf ihre Freundin wartete.

Die unerwartete Aufmerksamkeit, die ihr zuteilwurde, war ihr unangenehm. Sie wusste, dass es nicht etwa damit zu tun hatte, dass sie umwerfend schön gewesen wäre. Es lag nur daran, dass sie verfügbar zu sein schien.

Sie hatte ihr Haar lässig zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, ihre Lesebrille mit der großmütterlichen Kette daran aufgesetzt und ihr Lieblingsbuch in die Hand genommen. Ihre Haltung hätte entmutigend genug sein sollen, um selbst den entschlossensten Mann abzuschrecken. Aber diese Person ging nicht weg. Vielleicht war es ja Tina. Doch als sie über den Rand ihres Buches lugte, erkannte sie, dass es sich nicht um ihre Freundin handelte. Es sei denn, Tina trug neuerdings italienische Herrenhalbschuhe. Was höchst unwahrscheinlich war. Kylie wandte den Blick ab und versuchte, sich auf Das scharlachrote Siegel zu konzentrieren.

Aber dieser Mann roch einfach zu gut. Sein Eau de Cologne duftete nach Wald und reizte sie, tief einzuatmen. Sie wollte nur kurz aufschauen. Als sie sein Gesicht sah, konnte sie ihn jedoch bloß anstarren.

Seine Züge waren nicht klassisch schön, doch es lag etwas Atemberaubendes in seinen grauen Augen. Etwas, das auf eine verborgene Leidenschaft und inneres Feuer hindeutete – zwei Dinge, die sie nie gehabt hatte. Nervös schob Kylie ihre Brille höher auf die Nase und bemühte sich, einen gleichmütigen Eindruck zu machen.

Attraktive Männer redeten für gewöhnlich nicht mit ihr.

„Hallo“, sagte er. Seine Stimme klang nicht weich und kultiviert, sondern eher rau – und sie weckte unwillkürlich Gefühle in Kylie, die sie schon fast vergessen hatte.

„Hi“, erwiderte sie. Ja, man nannte sie auch die Königin der geistreichen Konversation.

„Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze?“ Er nahm neben ihr auf dem Zweiersofa mit Brokatbezug Platz, ohne ihre Antwort abzuwarten.

„Wohl nicht“, meinte sie ironisch.

„Ich wusste es.“

„Wirklich? Weshalb?“

„Schicksal.“

„Schicksal?“, wiederholte sie. Dieser Mann sah nicht so aus, als ob er viel dem Schicksal überließ. Sie spürte einen stahlharten Willen unter dem Tausend-Dollar-Anzug.

„Mein Engel, ich kenne mich mit Zufall und Glück bestens aus.“

„Die haben beide nichts mit Schicksal zu tun“, gab sie zurück. Als er daraufhin fragend die Brauen hochzog, erklärte sie stockend: „Schicksal ist etwas, das vorherbestimmt ist. Glück – eher nicht.“

„Hängt davon ab, ob es einem vorherbestimmt ist oder nicht, Glück zu haben.“

Sie konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Er war sehr charmant, obwohl ihr sein schmeichelhafter Ton irgendwie routiniert vorkam. Höchstwahrscheinlich war sie nicht die erste Frau, die diese Sätze zu hören bekam.

„Darf ich Sie zum Dinner ausführen?“, fragte er.

„Ich kenne Sie doch gar nicht.“

Er stand auf und streckte ihr die Hand entgegen. „Deacon Prescott.“

Als sie seine Hand schütteln wollte, ergriff er plötzlich ihre Finger. Streichelte die Knöchel mit seinem Daumen, führte sie an seine Lippen und hauchte einen warmen Kuss auf den Handrücken. Kylie zitterte leicht. Nicht nur das Hotel hatte den Charme der alten Welt.

„Und Sie sind …?“, wollte er wissen.

„Kylie Smith.“

„Darf ich Ihnen Gesellschaft leisten, Kylie?“

Am liebsten wollte sie so tun, als wäre sie nicht interessiert. Aber sie war es. Ehe sie etwas sagen konnte, setzte er sich wieder. Und diesmal ließ er einen Abstand von kaum mehr als fünfzehn Zentimetern zwischen ihnen. Kylie fühlte sich bedrängt. Deacon war groß und schlank, und neben seinen breiten Schultern kam sie sich zierlich, fast winzig vor.

„Was machen Sie hier?“, erkundigte er sich.

„Ich warte auf jemanden.“

„Einen Mann?“

„Das geht Sie nichts an.“

„Stimmt. Was führt Sie nach Vegas?“ Er legte den Arm auf die Rückenlehne des Sofas. Seine Hitze und sein Duft hüllten Kylie vollkommen ein und führten sie in Versuchung, sich an ihn zu schmiegen.

Stattdessen rückte sie schnell von ihm ab. „Ein Mädelswochenende.“

Er lächelte leicht und schob ihr eine lose Haarsträhne hinters Ohr. Dabei erschauerte sie vor Erregung. Sie war von Natur aus niemand, der gern viel Körperkontakt hatte. Außerdem war es lange her, dass jemand sie berührt hatte – abgesehen von ihrer Mom. Wenn sie sich einmal wöchentlich zum Brunch trafen, begrüßte ihre Mutter sie stets mit einer Umarmung.

„Sie haben schönes Haar“, sagte er.

Wollte er etwas von ihr? Kylie war sich nie sicher, ob ein Mann nur nett war oder sich wirklich für sie interessierte. Für einen Moment wünschte sie sich, wie Tina zu sein. Ihre Freundin flatterte von einem Mann zum anderen und genoss, was jeder einzelne zu bieten hatte. Aber Kylie war nie so gewesen. Sie war dazu erzogen worden, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Und genau danach hatte sie sich immer gesehnt. Selbst nach ihrer gescheiterten Ehe hoffte sie immer noch, irgendwann den richtigen Mann zu finden und Kinder zu bekommen. Doch das bedeutete nicht, dass sie ihn in Vegas finden wollte.

Als sie nun noch weiter von Deacon abrückte, verlor sie auf der Sofakante fast das Gleichgewicht. Er packte sie am Arm und zog sie zurück.

„Was machen Sie in Vegas, Deacon?“, fragte sie, um von ihrem Beinahesturz abzulenken.

„Ich lebe hier“, sagte er, als ob nichts geschehen wäre.

„Wirklich?“, platzte sie heraus. „Oh, tut mir leid, antworten Sie nicht darauf. All das Geklingel hier scheint mich zu verwirren.“

Er lachte. Es war ein gutmütiges Lachen und passte nicht so recht zu diesem Mann, der so streng wirkte. Pechschwarzes Haar und gebräunter Teint. Große Hände. An seinem kleinen Finger trug er einen Goldring mit einem Abzeichen, das sie nicht kannte.

Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass sie Deacon ein bisschen zu lange angestarrt hatte. Rasch sah sie ihm in die Augen, um zu prüfen, ob er es bemerkt hatte. Er hatte es. Mit einem Finger berührte er ihr Gesicht. Warum berührte er sie? Sie sollte besser zurückweichen.

Aber sie konnte es nicht. Seine undurchdringliche Miene ließ sie regungslos verharren. Sein intensiver Blick gab ihr das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Eine Märchenprinzessin. Und er war der Ritter, der für sie Drachen töten würde. Zum ersten Mal kam sie sich nicht viel zu ernst und langweilig vor. Sie war eine Frau, bei deren Anblick ein Mann über eine Urlaubsaffäre nachdachte.

Doch in Wirklichkeit war sie es nicht. Als ihr Magen knurrte, spürte sie, wie sie rot wurde.

„Meine Einladung zum Essen steht noch“, sagte Deacon.

„Ich lese gerade ein richtig gutes Buch“, erwiderte sie. Es war die wohl lahmste Ausrede, die ihr je eingefallen war.

„Der Tag, an dem ein Buch einer Frau mehr Spannung bietet als ich, wird ein trauriger sein.“

„Dann halten Sie schon mal die Taschentücher bereit.“ Im Grunde wollte sie die Einladung annehmen. Ja, ich werde es tun, dachte sie, klappte das Buch zu und steckte es in die Handtasche. Aber sie wollte es ihm nicht so leicht machen.

„Kommen Sie. Es wird bestimmt lustig“, lockte er sie.

„Lustig? Ich bin mir nicht sicher, ob mir danach zumute ist.“

„Wie wäre es mit nett?“

Eigentlich war sie ja nach Vegas gekommen, um ein wenig zu leben. Auf ihrem Zimmer zu sitzen und zu lesen klang nicht gerade aufregend. Dagegen lag etwas in Deacons Blick, das mehr versprach als einen lustigen und netten Abend. Und außerdem hatte Kylie es satt, immer nur … sie selbst zu sein.

„Gern“, erwiderte sie nun. „Ich würde mich freuen.“

„Treffen Sie mich hier in einer Stunde wieder.“

„In einer Stunde?“

„Schicksal braucht Zeit.“

„Dann ist es nicht wirklich Schicksal.“

Er zuckte mit den Schultern.

„Worauf muss ich mich denn gefasst machen?“, fragte sie.

„Darauf, im Sturm erobert zu werden“, antwortete er mit einem Augenzwinkern und ging.

2. KAPITEL

Auf dem Weg zurück in den Kontrollraum rief Deacon seine Sekretärin an und bat sie, herauszufinden, wo Kylie wohnte. Erfreut hörte er, dass sie Gast in seinem Hotel war. Daraufhin ließ er seinen Chefkoch ein Picknick-Dinner vorbereiten und ordnete an, dass sein Jaguar vorgefahren wurde. Danach telefonierte er mit dem Floristen und bestellte ein Bouquet, das auf Kylies Zimmer gebracht werden sollte.

„Gute Arbeit“, meinte Mandetti, als Deacon den Kontrollraum betrat.

„Ja. Mir gefiel besonders der Teil, als sie von dir abrücken wollte und dabei fast vom Sofa gefallen wäre“, fügte Mac grinsend hinzu.

Deacon ignorierte die beiden. Seine Gedanken kreisten nur um Kylie. Dank Martha wusste er, dass sie im Ostturm wohnte, in Zimmer 1812. Sogleich ließ er sich den entsprechenden Korridor auf dem Monitor anzeigen. Der Flur war leer. Deacon versuchte nicht an sie als Frau zu denken. Sie war lediglich ein Mittel zum Zweck. Wie das gesichtslose Model in der Ralph-Lauren-Werbung, das einen Pullover mit Zopfmuster trug und ein Kind im Arm hielt.

Doch Kylie Smith war keine gesichtslose Frau. Sie hatte einen scharfen Verstand und außerdem Sinn für Humor – und damit hatte er bei ihr nicht gerechnet. Humor hatte er nie als notwendig empfunden, um eine Familie zu gründen.

Mac beugte sich über ihn. „Dich hat es ja richtig erwischt.“

„Was soll mich erwischt haben?“, fragte Deacon.

„Der Lustbazillus.“

„Ha. Das hat nichts mit Lust zu tun.“ Das stimmte zwar nicht ganz, aber Deacon redete nicht mit Mac über Frauen. In dieser Hinsicht waren sie grundsätzlich verschiedener Meinung. Mac glaubte, dass Frauen nur hinter einer Sache her waren: Geld. Deacon hingegen hatte selbst erlebt, dass Geld über Leben und Tod einer Frau auf der Straße entscheiden konnte.

„Sie sieht nicht aus, als wäre sie für einen One-Night-Stand zu haben“, stellte Mandetti fest.

Deacon wusste das bereits. Aber er hatte ganz andere Absichten. Kylie passte sogar noch besser zu seiner Vorstellung von einer Ehefrau, als er gedacht hatte.

„Ich kann es nicht glauben“, sagte Mac.

„Was?“ Deacon drehte sich zu Mandetti um. „Sieht sie nicht aus wie der Typ zum Heiraten?“

Mandetti nickte.

Mac lehnte sich an die Wand und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du denkst also ernsthaft, dass du sie heiraten wirst.“

Deacon zuckte mit den Schultern. Sofern er seine Wirkung auf Frauen nicht völlig verloren hatte, würde er Kylie mit absoluter Sicherheit heiraten.

Autor

Gefahren

  • Dieses Produkt enthält keine bekannten Gefahren.

Kontakt zum Herausgeber für weitere Informationen zur Barrierefreiheit

  • Weitere Informationen zur Barrierefreiheit unserer Produkte erhalten Sie unter info@cora.de.

Navigation

  • Dieses E-Book enthält ein Inhaltsverzeichnis mit Hyperlinks, um die Navigation zu allen Abschnitten und Kapiteln innerhalb dieses E-Books zu erleichtern.