Versteckt, entdeckt – verführt!

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Er wird sich an denjenigen rächen, die seine Kindheit zerstört haben! Auch die flehentliche Bitte der schönen Vayle, ihre Eltern zu verschonen, kann den Hotelmagnaten Nelios Petralis nicht erweichen. Gewagt hat sie sich in seinem Privatjet versteckt, er hat sie entdeckt, und jetzt knistert es zwischen ihnen so heftig, dass er sich zu einer Liebesnacht hinreißen lässt! Als er erfährt, dass die süße Folgen hatte, ist er zunächst fassungslos. Und dann entschlossen, Vayle von einer Zweckehe zu überzeugen – ohne Liebe, nur zum Wohl seines Kindes …


  • Erscheinungstag 28.04.2026
  • Bandnummer 2751
  • ISBN / Artikelnummer 0800262751
  • Seitenanzahl 144

Leseprobe

Maya Blake

Versteckt, entdeckt – verführt!

1. KAPITEL

Prolog. Parodos. Episoden. Stasimon. Exodus.

Dem großen Aristoteles zufolge war das die Struktur einer klassischen griechischen Tragödie. Als Nelios Petralis am Londoner Flughafen in seinen Privatjet stieg, hoffte er halb und halb, sich schon am Schluss seiner momentanen persönlichenTragödie zu befinden: beim Exodus. Zumindest stand das Finale seines lange vorbereiteten Rachefeldzugs unmittelbar vor dem Abschluss.

Nelios hatte nie um diese Entwicklung der Ereignisse gebeten. Zwei Menschen, die es eigentlich besser hätten wissen müssen, hatten ihn in dieses grausame Drama geworfen. Aber wenn er es schon nicht eingeleitet hatte, wollte er es wenigstens zu seinen Bedingungen beenden.

Während er ein Kristallglas mit seinem Lieblingsdrink an die Lippen führte – sündhaft teurem Whisky – betrachtete er den Mann, der zu seiner Rechten saß: Andreas Barbieri.

Seit Andreas ihn und einen Freund im Jugendalter in einer schäbigen Athener Sackgasse vor einem halben Dutzend brutaler Schläger gerettet hatte, waren sie praktisch unzertrennlich. Voller grimmiger Befriedigung ließ Nelios den Blick über Andreas’ Brioni-Anzug, seine Savile-Row-Krawatte und seine Ulysse-Nardin-Uhr gleiten – alles Dinge, die einen Aufstieg aus der Gosse symbolisierten, buchstäblich und metaphorisch.

Ob Andreas sich damals diesen Erfolg je hätte vorstellen können? Nelios stellte sich diese Frage nicht. Wozu in sentimentalen Erinnerungen schwelgen? Außerdem hatte er gerade ein dreistündiges Meeting voller heiserer Beteuerungen, Krokodilstränen und Angstschweiß hinter sich – auf Seiten seiner Feinde natürlich, nicht umgekehrt –, das für seinen Geschmack schon genug Erinnerungen geweckt hatte. Ein dritter Feind war leider schon vor ein paar Jahren gestorben und ihm daher durchs Netz gegangen, aber das ließ sich leider nicht mehr ändern.

Als er einen weiteren Schluck des exquisiten Whiskys über seine Zunge rollen ließ, blickte Andreas von seinem Laptop hoch.

„Ich habe schon mal das Meeting mit unseren Architekten vorbereitet. Wir fangen an, sobald wir in der Luft sind. Willst du schon mal die Blaupausen sehen?“, fragte er in seinem sizilianischen Akzent, den er nie ganz abgelegt hatte, obwohl er schon ewig in Griechenland lebte.

„Noch nicht.“ Nelios nahm an, dass ihm sein emotionaler Zustand anzumerken war, aber das würde bald wieder vorbei sein. Das war bei ihm immer so. Whisky und ein bisschen Abstand halfen ihm in solchen Situationen enorm. Obwohl dieses Stasimon, dieser vorletzte Akt der Tragödie, vielleicht doch etwas länger dauern würde als gedacht …

Womit er bei dem Meeting nämlich nicht gerechnet hatte, war ein kleines Nebendrama – und zwar mit einer jungen, temperamentvollen und sehr empörten Frau. Und schon gar nicht hatte er damit gerechnet, dass sich bei ihm so etwas wie sexuelles Verlangen regen würde, als sie ihm im Konferenzraum ihr wütendes „Das werden Sie noch bereuen, und wenn es das Letzte ist, was ich tue!“ entgegengeschleudert hatte.

„Wie entwickelt sich eigentlich diese andere Angelegenheit?“, fragte Nelios mit einer seltsam freudigen Erregung, die ihm selbst nicht gefiel. Aber auch daran ließ sich jetzt gerade nichts ändern. „Ist sie schon unterwegs?“

Andreas hob eine Augenbraue und musterte Nelios aufmerksam mit seinen fast schwarzen Augen. „Ja, es läuft alles nach Plan. Sie durchquert gerade das Terminal. Es sieht so aus, als würde sie ihre Drohung wahrmachen wollen.“ Fassungslos schüttelte er den Kopf. „Kaum zu glauben, was ein bisschen Bestechungsgeld und dein Name alles bewirken.“

Nelios lächelte humorlos. „Die Wirtschaft ist gerade so im Keller, dass manchmal schon ein kleiner Anreiz reicht, um Menschen dazu zu bringen, alles zu tun, um zu überleben.“

So wie wir damals.

Andreas nickte zustimmend, bevor das Pingen seines Handys den Eingang einer Nachricht ankündigte. Sein befriedigtes Lächeln verriet Nelios alles, was er wissen musste. Dabei hatte er die Falle nicht mal selbst gestellt – das Opfer war ihm freiwillig ins Netz gegangen.

Aber die Chance, diesen Umstand zu seinem Vorteil zu nutzen, würde er sich natürlich nicht entgehen lassen. Während Nelios sein Glas leerte, stand Andreas auf und ging zum Cockpit, um die Pilotin und die Crew darüber zu informieren, dass sie startbereit waren – jetzt, wo ihre blinde Passagierin an Bord war. Das Flughafenpersonal war ausdrücklich angewiesen worden, die Frau nicht aufzuhalten.

Seit fast zwei Jahrzehnten – seit Nelios den Nachnamen seiner nichtswürdigen, grausamen Eltern abgelegt und unter einem neuen Namen seinen kometenhaften Aufstieg aus der Gosse Athens hingelegt hatte –, plante er sein Leben bis ins letzte Detail durch, und zwar mit tödlicher Präzision. Die Frau, die sich mit dem Vorsatz in seinen Privatjet geschlichen hatte, ihn davon abzubringen, ihr Hotel zu übernehmen, war genau genommen nur ein lästiger Störfaktor, mit dem er sich eigentlich nicht weiter befassen sollte.

Aber aus irgendeinem Grund …

Mit einem Anflug von Unbehagen fragte er sich, warum er sich mit ihr abgab. Lag es daran, dass sie enge Verbindungen zu den Menschen hatte, die ihn in seiner Kindheit so dermaßen im Stich gelassen hatten? Oder hatte ihr Wutausbruch mehr in ihm ausgelöst, als die Wut anderer Menschen sonst in ihm auslöste? Ihre Verzweiflung und ihr Kampfgeist?

Er wollte dieser Frage auf den Grund gehen. Und auch noch ein paar anderen Fragen, die in ihm bohrten. Das war alles, worum es ihm ging. Vielleicht erfuhr er ja schon bis zur Zwischenlandung alles, was er wissen musste, und konnte bei dieser Gelegenheit gleich noch ein paar Informationen über seine Gegnerin sammeln.

Als das Meeting mit den Architekten eine Stunde später vorbei war und Nelios sich aus seinem Clubsessel erhob, grinste Andreas wissend. „Waidmannsheil!“

Nelios grinste. „Die Jagd ist doch schon gelaufen. Fragt sich nur, was ich jetzt mit meiner unerwünschten Beute anfange.“

Das Lachen seines Freundes hallte Nelios noch in den Ohren, als er zu seinem Schlafzimmer auf der Rückseite des Jets ging, wo er sich gleich auf dem Bett ausstrecken würde …

Um zu warten.

Ich habe es tatsächlich getan!

Obwohl Vayle Lancaster ihr erstes Ziel erreicht hatte, konnte sie nicht aufhören zu zittern. Sie war froh, dass sie Rücken und Knie gegen die Innenwände des schmalen Schranks pressen konnte, sonst würde sie jetzt wahrscheinlich wie ein Häufchen Elend zusammengekrümmt auf dem Boden liegen.

Ihr Handybildschirm zeigte den Countdown bis zum nächsten Schritt an – noch fünf Stunden Gefangenschaft, bis sie nach der Zwischenlandung wieder starten würden. Dann würde sie den nächsten Teil ihres Plans in die Tat umsetzen, und mit etwas Glück war sie vielleicht morgen Abend schon wieder zu Hause.

Vorausgesetzt, sie hielt in diesem Schrank so lange durch. Der Duft, den Nelios Petralis’ Kleidungsstücke verströmten, machte sie schwindlig. Himmel, warum roch dieser Mann nur so gut?

Weil er stinkreich ist und sich alles leisten kann, was reiche Menschen so anhäufen, um ihren Status zu unterstreichen!

Unwillig schüttelte sie den Kopf. Das stimmte zwar, es war aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn Nelios Petralis’ Handlanger hatte bei seiner körperlichen Auseinandersetzung mit ihr – Petralis hatte während ihrer Tirade kaum mit der Wimper gezuckt – genauso gut geduftet. Trotzdem hatte sein Duft sie lange nicht so fasziniert wie der von Petralis. Sie schien geradezu süchtig danach und atmete ihn so gierig ein wie den lebensnotwendigen Sauerstoff.

Schluss damit! Lenk dich irgendwie ab. Vayle schlang die Arme um die Knie. Eigentlich hasste sie die Dunkelheit, weil sie dann immer an ihre Kindheit denken musste, aber wenigstens war sie nicht klaustrophobisch veranlagt.

Sie schüttelte die verstörenden Erinnerungen ab, die in ihr aufsteigen wollten, und warf erneut einen Blick auf ihr Handy. Hätte sie jetzt ihre Kopfhörer dabei, hätte sie Musik hören können. Aber wahrscheinlich war es besser so. Das hier war kein Freizeitausflug, Musik zu hören, würde sie nur ablenken. Sie musste schließlich immer mit einem Ohr lauschen, was im Flugzeug vor sich ging.

Wie würde Petralis wohl darauf reagieren, wenn sie sich ihm plötzlich zeigte? Würde er wütend werden oder die gleiche kalte Gleichgültigkeit zur Schau stellen, die er bei dem Meeting gezeigt hatte? Schluckend dachte sie an die Tränen ihrer Ersatzmutter und an ihren eigenen Wutausbruch vorhin. Aber sie hatte sich einfach nicht mehr beherrschen können. Denn statt eine wie auch immer geartete geschäftliche Vereinbarung mit ihr zu treffen, hatte Petralis ihr eiskalt mitgeteilt, dass er ihr das Erbe direkt vor der Nase wegschnappen würde. Dabei kannte sie das Hotel, das er an sich reißen wollte, wie ihre eigene Westentasche, es trug schließlich ihren Namen.

Aber das interessierte ihn anscheinend nicht im Geringsten. Ihn interessierte nur die feindliche Übernahme.

Vier Stunden und fünfundvierzig Minuten noch, bis sie ihm ruhig und sachlich ihren Standpunkt darlegen konnte. Hoffentlich würde er ihr lediglich zuhören und keine drastischen Maßnahmen gegen sie ergreifen wie zum Beispiel, sie aus tausend Metern Höhe in den eiskalten Atlantik werfen.

Atme, Vayle! Atme!

Sie legte die Stirn auf die Knie und praktizierte eine Yoga-Atemtechnik, die sie schon in ihrer Kindheit angewendet hatte, wenn sie mal wieder Angst vor einem Wutausbruch ihres Vaters gehabt hatte. Gott sei Dank waren diese Zeiten lange vorbei. Vayle war inzwischen darüber hinweg – auch dank Agnes Adamis, die für Vayle wie eine Mutter gewesen war. Sie hatte ihr Trost und eine Schulter zum Anlehnen geboten, als sie es am dringendsten gebraucht hatte.

So verrückt Vayles Plan auch war – es war das Mindeste, das sie für Agnes tun konnte. Nach dem Tod ihres Ehemanns hätte Agnes jederzeit nach Griechenland zurückkehren können, war aber bei Vayle geblieben, um ihr durch deren eigene Trauer nach dem Tod ihres Vaters hindurchzuhelfen.

Vayle hatte sich nicht mal von Agnes’ tränenreichem Schuldeingeständnis direkt nach dem Meeting davon abhalten lassen, die Tyrannei des Milliardärs zu beenden. Im Gegenteil, das hatte sie sogar in ihrem Entschluss bestärkt. Sie kannte sich nämlich sehr gut mit Tyrannen aus – schließlich war ihr Vater einer gewesen. Mit seiner psychischen Erkrankung hatte er seinen Mitmenschen das Leben zur Hölle gemacht, statt etwas gegen andere Tyrannen zu unternehmen.

Also würde sie Nelios Petralis dafür zur Rechenschaft ziehen, dass er sie und die Frau, die sie liebte – und die noch dazu seine eigene Mutter war! –, so schlecht behandelte. Und wenn das das Letzte war, was sie machte. Mit frischer Entschlossenheit blickte sie wieder aufs Handy. Immer noch mehrere Stunden Wartezeit. Vielleicht sollte sie für ein paar Minuten die Augen schließen, um zu versuchen, sich etwas zu entspannen. Und einfach atmen.

Atme, Vayle. Atme …

Vayle war sich nicht sicher, welches Geräusch sie geweckt hatte, aber was immer es auch gewesen war, es schien sich ganz in der Nähe abzuspielen. Vor Schreck zuckte sie heftig zusammen und …

Autsch!

„Oh … oh verdammt! Oh je!“ Ihre rechte Wade schmerzte so heftig, dass sie ein zweites Mal leise aufschrie. Auf allen Vieren krabbelte sie aus dem Kleiderschrank und versuchte dabei verzweifelt, ihr Bein zu strecken und gleichzeitig den Fuß anzuziehen. Aber der verkrampfte Muskel wollte einfach nicht nachgeben. Im Gegenteil, die Schmerzen wurden immer schlimmer …

„Ah ja! Da sind Sie ja endlich! Ich habe mich schon gefragt, wie lange Sie in meinem Kleiderschrank noch ein Nickerchen machen wollen.“

Vayle erstarrte vor Schreck, als ihr Blick auf zwei Füße fiel. Zwei nackte, männliche Füße! Schluckend ließ sie den Blick höherwandern … zu zwei starken Schienbeinen … nackten Knien …

Oh nein!

Wahrscheinlich hätte sie wegsehen sollen, aber irgendwie wanderte ihr Blick immer höher. Und noch höher … Sie entspannte sich erst wieder etwas, als sie den Saum eines strahlend weißen Handtuchs sah. Aber ihre Erleichterung war nicht von langer Dauer, denn ihre Wade krampfte erneut schmerzhaft. Vayle ließ sich zu Boden fallen. „Autsch … verdammt.“

„Was ist eigentlich los mit Ihnen?“, hörte sie erneut die grimmige und leider nur allzu vertraute Stimme des Mannes.

Sie verzog das Gesicht. „Ich habe einen Krampf in der Wade. Verflucht noch mal, helfen Sie mir doch!“ Sie konnte kaum glauben, dass ihr bei diesen Worten tatsächlich die Tränen kamen. Sie weinte sonst nie, egal, was passierte. Was war bloß los mit ihr?

Anscheinend machte ihr der Schlafmangel doch mehr zu schaffen als gedacht. Dabei hatte sie sich schon sehr früh antrainiert, mit wenig Schlaf auszukommen. Früher hatte sie oft stundenlang im Halbschlaf wach gelegen, um zu verhindern, dass George Lancaster – ihr unberechenbarer und bösartiger Erzeuger – seine heftigen nächtlichen Wutanfälle an ihr abreagierte. Damals hatte sie auch gelernt, Tränen und Widerworte einfach herunterzuschlucken und den emotionalen Missbrauch stoisch über sich ergehen zu lassen. Und jetzt weinte sie auf einmal wegen eines Wadenkrampfs?!

Während sie sich mit zusammengebissenen Zähnen auf dem bemerkenswert weichen Teppich wälzte, fiel ihr auf, dass der Mann absolut keine Anstalten machte, ihr zu helfen. Mistkerl! Sie rollte auf den Rücken und zog das Knie an, um sich den Krampf selbst wegzumassieren. Aber je mehr Mühe sie sich gab, desto schlimmer wurde es.

„Das kann ja wohl nicht wahr sein!“, hörte sie Nelios Petralis fassungslos sagen. Wieder hob sie den Blick zu ihm und erstarrte, als sie ihn direkt über sich stehen sah. Das nasse Haar hing ihm ins Gesicht, während er sie genervt von oben ansah. Sein unrasierter Unterkiefer wirkte verkrampft, und die äußerst sinnlichen Lippen hatte er missbilligend zusammengepresst.

Aber sogar aus dieser Perspektive sah er absolut spektakulär aus. Er strahlte eine männliche Kraft und Autorität aus, die keinen Zweifel daran ließ, dass er in der gesellschaftlichen Hierarchie ganz oben stand.

Sie drehte sich auf die Seite, um ihn auszublenden und gleichzeitig den Schmerz in ihrer Wade endlich loszuwerden. Aber ihr gelang leider weder das eine noch das andere. Wieder stieß sie ein gequältes Stöhnen aus. Wenn der Schmerz nicht bald nachließ …

Es war so demütigend! Warum hatte sie vorhin nicht mehr Wasser getrunken? Aber sie war viel zu nervös gewesen, um irgendetwas zu sich zu nehmen – egal, ob fest oder flüssig – nachdem sie beschlossen hatte, Nelios Petralis zur Rede zu stellen.

„Ich werde alles versuchen, ihn umzustimmen“, hatte sie Agnes versprochen. „Wenn es sein muss, schmuggle ich mich sogar in sein Flugzeug. Wahrscheinlich bleibt mir gar nichts anderes übrig, er baut nämlich gerade ein neues Hotel in Buenos Aires und will noch heute Abend dorthin fliegen.“

Agnes hatte zwar versucht, sie davon abzuhalten und sie erneut darauf hingewiesen, dass Petralis’ Vorgehen einzig und allein ihre, Agnes’, Schuld war, aber Vayle hatte sich davon nicht beirren lassen. Nelios Petralis mochte ein unfassbarer sexy Milliardär mit dem Körper eines griechischen Gottes sein, aber Vayle würde ihn trotzdem nicht mit seinem perfiden Plan davonkommen lassen!

Und jetzt lag sie hier auf dem Rücken wie ein Käfer und krümmte sich vor Schmerz, während … Ihr stockte der Atem, als sie plötzlich zwei kräftige, warme Hände auf ihrer Wade spürte.

„Halten Sie gefälligst mal still!“ Petralis strahlte eine absolute Kälte und Strenge aus – im Gegensatz zu der Hitze, die sich von Vayles nackter Fußsohle in ihrem ganzen Körper ausbreitete, als ihr Fuß mit seinen harten Bauchmuskeln in Berührung kam. Sie erstarrte vor Schreck – weniger wegen seines scharfen Befehlstons, sondern wegen ihrer heftigen Reaktion auf den Hautkontakt.

Atemlos beobachtete sie, wie er zwei Finger in ihre Wade drückte – direkt ins Epizentrum ihrer Qual. Sie keuchte auf, als der Muskel mehrere Sekunden lang zuckend Widerstand leistete, bevor er sich schließlich unter dem festen Fingerdruck entspannte. Das erleichterte Stöhnen, das sie von sich gab, hallte fast so laut in der Kabine wider, dass es die Flugzeugmotoren übertönte.

Die Muskeln unter ihrem Fuß zogen sich reflexartig zusammen und entspannten sich wieder, als Petralis sie aus dunklen Augen ansah, während er ihr die Wade massierte. Vayle musste ein Wonnestöhnen unterdrücken. Aber je mehr ihre Schmerzen nachließen, desto bewusster wurde ihr, was ihr wahrscheinlich gleich blühen wurde. Nichts Angenehmes jedenfalls – so feindselig, wie Petralis sie die ganze Zeit anfunkelte. Instinktiv versuchte sie, ihren Fuß aus seinem Griff zu befreien, aber er hielt ihn fest.

„Ihr Rückzug kommt ein bisschen zu spät, Miss Lancaster!“

Wieder versuchte sie, ihren Fuß wegzuziehen, und erneut gelang es ihr nicht.

Missbilligend schüttelte er den Kopf.

„Ihre Wade ist noch nicht ganz in Ordnung. Und so unterhaltsam es auch ist, Sie zu meinen Füßen liegen zu sehen – ich habe gerade Wichtigeres zu tun. Also bleiben Sie in Gottes Namen noch dort und lassen Sie mich weitermachen!“

Hilfe! Diese tiefe Stimme … diese Ausstrahlung … Petralis sah aus wie eine zu Leben erwachte Götterstatue! Es hätte Vayle nicht überrascht, würde er plötzlich Blitze schleudern. Er war eindeutig wütend auf sie. Das sah sie an seinen steifen Schultern und seinem verkrampften Unterkiefer.

In seinen Augen sah sie jedoch noch etwas anderes. Hinter der Feindseligkeit in seinem Blick schwelte etwas Hypnotisches, Flirrendes … eine Art weißglühende, schimmernde Hitze … Sexuelle Anziehung womöglich?

Nein! Das konnte nicht sein. Anscheinend hatten ihre Schmerzen und die anschließende Erlösung ihre Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigt. Sie riss den Blick von Petralis los und blickte stattdessen zur Decke hinauf, um sich wieder auf den eigentlichen Grund ihres Kommens zu konzentrieren. Sie würde ihm gleich unmissverständlich klarmachen, was sie von ihm und seinen Einschüchterungsversuchen hielt! Vielleicht konnten sie sich danach ja irgendwie einigen. Sie durfte ihr Hotel einfach nicht verlieren.

„Wie stellen Sie sich das eigentlich vor?“, fragte er spöttisch. „Wollen Sie jetzt weiterhin so tun, als würde ich nicht existieren? Das dürfte Sie Ihren Zielen schwerlich näherbringen.“

Ihr Blick schoss zu ihm zurück. „Was wissen Sie denn von meinen Zielen?“

Ein Muskel zuckte in seinem Unterkiefer. „Sie haben sich bestimmt nicht in meinem Flugzeug versteckt, um in meinem Kleiderschrank ein Nickerchen zu machen, oder?“

Erst jetzt fiel ihr auf, dass er schon vorhin von einem Nickerchen im Kleiderschrank gesprochen hatte. Als hätte er genau gewusst, dass sie da drin war. Eiskalt überlief sie eine Erkenntnis.

„Wenn Sie wussten, dass ich hier bin, warum …“

„Warum ich dann Ihr Eindringen nicht verhindert habe? Wo bliebe denn da der Spaß?“

Sie unterdrückte ein Keuchen, als er den Daumen erneut in ihre Wade bohrte und sich langsam zu ihrer Achillessehne vorarbeitete. Der Mann mochte vielleicht ein Monster sein, aber er wusste eindeutig, wie man verspannte Muskeln massierte. Seine Berührungen jagten ihr eine Hitzewelle nach der anderen durch den Körper. Wieder versuchte sie, ihren Fuß aus seinem Griff zu befreien, und wieder war es vergeblich. Aber bei der Bewegung löste sich etwas aus ihrer Rocktasche.

Petralis’ Blick glitt nach rechts. Als sie seinem Blick folgte, sah sie den Timer auf ihrem Handydisplay aufleuchten.

„Was passiert eigentlich, wenn der losgeht?“, spöttelte Petralis. „Haben Sie dann Ihren Mut wiedergefunden? Oder wäre dann nur Ihr Schönheitsschlaf beendet?“

Es irritierte sie maßlos, dass er sich über sie lustig machte. „Weder noch!“, schnaubte sie. „Dann beginnt der zweite Flugabschnitt nach der Zwischenlandung zum Nachtanken.“

„Ich verstehe. Sie haben anscheinend darauf spekuliert, dass ich zu einem so späten Zeitpunkt nicht mehr umkehren und die Polizei einschalten würde“, mutmaßte er mit plötzlich seidenweicher Stimme.

Vayle schluckte, weil er sie so gut durchschaute. Sie beschloss, ehrlich zu sein. „Stimmt genau.“

„Aha.“

Irgendwie verwirrte dieser Mann sie. Einerseits war er eindeutig sauer auf sie, andererseits massierte er in aller Seelenruhe ihre Wade weiter, als wolle er ihr wirklich helfen. Als sei er … ein guter Mensch.

Aber das konnte nicht sein. Sie kannte niemanden, der bösartiger und rücksichtsloser war als Nelios Petralis! Fast ein Jahr lang hatte sie mit ansehen müssen, wie er Agnes und ihr die Gäste vor der Nase weggeschnappt hatte. Er hatte nicht mal versucht, das zu verbergen. Er hatte ihr Hotel systematisch ruiniert, um schließlich das einzukassieren, was davon noch übrig geblieben war.

Das hier musste ein Trick sein. Petralis erinnerte sie an ein Raubtier, das nur zum Spaß mit seiner Beute spielte, bevor es endgültig zuschnappte, auch wenn seine Hände gerade reinste Wunder vollbrachten. Und sein abwechselnd heißer und kalter Blick verunsicherte sie genauso.

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