Viel zu schön, um Nein zu sagen

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Ex-Rockstar Vaughn Reed hat eine Ranch geerbt und will sie in ein Luxus-Resort umwandeln. Was viel Arbeit bedeutet und keine Ablenkung zulässt! Aber seine schöne Innenarchitektin Allie verführt ihn dazu, diese Regel zu brechen …


  • Erscheinungstag 10.09.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547758
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

Reese Ryan

Viel zu schön, um Nein zu sagen

1. KAPITEL

Vaughn Reed stieg aus dem Privatflugzeug, mit dem er von Dublin nach L. A. geflogen war, und verabschiedete sich von den anderen Musikern. Sie waren als Begleitband auf Welttournee mit einem Popstar gewesen, dessen Talent vor allem darin bestand, fotogen und ein guter Tänzer zu sein und eine große Fangemeinde in den sozialen Medien zu haben. Nicht der beste Job, den er je gehabt hatte, aber auch nicht der schlechteste.

Das Wichtigste war, dass der Job gut bezahlt war und dass Vaughn dadurch im Geschäft bleib – keine Selbstverständlichkeit, seit sich seine legendäre Rockband Sin & Glory, die fünfzehn Jahre lang zusammen gewesen war, vor vier Jahren aufgelöst hatte. Vaughn war der Grund für das Auseinanderbrechen der Band gewesen und sein persönliches und berufliches Leben war dadurch völlig aus der Spur geraten. Einen solchen Fehler wollte er nicht noch einmal machen, daher hatte er für sich einige Regeln aufgestellt.

Erstens: Denk nicht mit deinem Schwanz. Zweitens: Lass dich nicht mit der Schwester deines besten Freundes ein. Drittens: Denk immer zuerst an deine Karriere. Viertens: Verlieb dich nie.

In den letzten vier Jahren hatten ihm diese vier Regeln gute Dienste geleistet. Keine heiklen Situationen mehr, keine Enthüllungen, die die Karriere gefährdeten, keine bösen Überraschungen. Er würde schließlich bald vierzig. Wenn er sich jetzt nicht aufraffte, würde er es wahrscheinlich nie schaffen.

Vaughn stieg in sein Auto und fuhr über den Hollywood Boulevard zu seinem Haus in den Hollywood Hills. Wenig später parkte er seinen Sportwagen in der Garage. Das wunderschöne Haus bestach durch seine moderne Architektur und den herrlichen Blick auf den berühmten Sunset Strip und den Ozean. Doch mit dem Haus waren zu viele schlechte Erinnerungen verbunden. Jetzt, wo er vorhatte, die nächsten Monate in L. A. zu verbringen, würde er vielleicht endlich Zeit haben, einige Renovierungsarbeiten durchzuführen und das Haus zum Verkauf anzubieten.

Er hatte kaum den Motor abgestellt, als sein Telefon klingelte. Es war seine Assistentin, Cherry Bingham.

„Was gibt’s, Cherry?“ Vaughn versuchte, nicht zu schroff zu klingen, obwohl er nach dem anstrengenden Flug erschöpft und enttäuscht von der letzten Nachricht seiner Agentin war. „Wenn es um Hannahs E-Mail geht, die habe ich schon gelesen. Das Label ist nicht daran interessiert, ein Comeback-Album oder eine Sin & Glory-Tour ohne Steven zu finanzieren.“

Steven Iverson war der frühere Leadsänger von Sin & Glory und Vaughns ehemaliger bester Freund. Vaughn hatte den Fehler gemacht, die jüngere Schwester seines Freundes zu heiraten und sich schließlich scheiden zu lassen. Das Scheitern der Ehe führte zum Ende ihrer Freundschaft und der Auflösung der Band. Inzwischen machte Steven einigermaßen erfolgreich solo Karriere, doch Vaughn und der Rest der Band kämpften um ihre Stellung in der Branche.

„Tut mir leid. Ich weiß, wie sehr du dich bemühst, die Band wiederzubeleben. Soll ich Steven noch einen Brief schicken?“

„Er wird ihn einfach ignorieren wie die anderen.“ Vaughn schloss die Garagentür auf und betrat die Küche. Das Haus war blitzblank und duftete nach Zitronen und frischen Blumen. „Das Haus sieht toll aus.“

„Alonzo hat gestern den Pool gereinigt, heute Morgen wurden die Lebensmittel geliefert, und Anita hat vorhin saubergemacht und die Lebensmittel eingeräumt“, sagte Cherry. „Das bringt mich zu dem Grund meines Anrufs. Anita hat einen Umschlag unter der Konsole im Flur gefunden. Er muss vom Stapel gerutscht sein, als ich deine Post dort sortiert habe. Der Poststempel ist von vor zwei Monaten. Es tut mir wirklich leid, Vaughn.“

„Ist schon gut, Cher.“ Vaughn stellte sein Gepäck vor seinem Schlafzimmer ab. „Von wem kommt der Brief?“

„Von einer Anwaltskanzlei deiner Heimatstadt Willowvale Springs.“

Was kann das denn sein?

„Wenn durch die Verzögerung irgendwelche Gebühren oder Verluste entstanden sind, übernehme ich das natürlich.“

„Entspann dich, Cher“, sagte Vaughn ruhig und hoffte, ihre Ängste zu zerstreuen. „Ich bin sicher, dass alles in Ordnung ist. Wo ist der Brief?“

„Deine Post liegt auf dem Schreibtisch in deinem Arbeitszimmer.“

„Danke. Noch mal zurück zu Steven. Ich hatte gehofft, dass wir alle an Bord holen können, aber Matt hat vorgeschlagen, dass wir ohne ihn weitermachen.“ Vaughn rieb sich das Kinn und seufzte. „Vielleicht war Stevens Reaktion auf das Ende meiner Beziehung zu seiner Schwester unfair. Aber es fühlt sich trotzdem falsch an, das ohne ihn zu machen.“

„Viele andere Bands haben ohne ihre Leadsänger weitergemacht, Vaughn“, erwiderte Cherry sanft. „Außerdem gibt es so viele Talente. Du wirst jemand anderen finden.“

„Die Jungs sind definitiv dafür. Aber ich bin mir nicht sicher, wie unsere Fans es aufnehmen würden. Vor allem, weil Steven jetzt eigene Musik macht.“

„Die Fans vermissen Sin & Glory einfach. Es gibt sogar drei Petitionen, die eine Reunion-Tour fordern. Bislang haben etwa fünfzigtausend Leute unterschrieben, Tendenz steigend.“

Es war schön, dass die Fans so treu waren. Aber … „Damit ist die Frage der Finanzierung noch nicht geklärt“, erinnerte er sie.

Er war finanziell gut gestellt, weil er nicht mit Geld um sich warf. Das Haus in den Hills und sein Lamborghini gehörten zu den wenigen Ausgaben, die er getätigt hatte. Er sparte und investierte klug. Aber so sehr er auch das Reunion-Album und die Tournee von Sin & Glory verwirklichen wollte, wäre es unklug gewesen, das Projekt mit seinem eigenen Geld zu finanzieren.

„Du könntest versuchen, Investoren zu finden, die das Projekt finanzieren. Oder du könntest anfangen, Lotto zu spielen.“

„Ich denke mal drüber nach.“ Vaughn lachte. „Aber jetzt will ich erst einmal ein langes, heißes Bad nehmen und dann ein paar Tage abschalten.“

„In Ordnung, aber vergiss nicht, den Umschlag zu öffnen!“, erinnerte Cherry ihn, als sie das Gespräch beendeten.

Vaughn steckte sein Handy in die Gesäßtasche seiner Jeans und machte sich dann auf den Weg in die Küche. Dort holte er seinen Lieblingssaft aus dem Kühlschrank und trank einen Schluck. Er seufzte zufrieden. Jede Tour erinnerte ihn daran, wie schön es zu Hause war.

Dann ging er in sein Büro, um den Umschlag zu holen. Vaughn hielt das braune, handgeschöpfte Papier in der Hand und war einen Moment lang wie erstarrt. Es hatte etwas Surreales, die Worte „Willowvale Springs“ darauf zu sehen. Er lebte seit fast zwanzig Jahren in Los Angeles, doch tief in seinem Inneren würde Willowvale Springs immer der Ort sein, an dem er wirklich zu Hause war.

Nachdem seine Mutter knapp ein Jahr nach seinem Vater gestorben war, hatte er dort von seinem zwölften bis neunzehnten Lebensjahr mit seinen Adoptiveltern gelebt. Das alte Haus, das seine Eltern ihm hinterlassen hatten, gehörte ihm immer noch, weil er sich nicht dazu durchringen konnte, sie zu verkaufen. Aber er konnte auch den Gedanken nicht ertragen, dass es leer stand und hatte es deshalb renoviert und in den letzten Jahren auf Vermietungsportalen angeboten.

Vaughn öffnete den Umschlag mit einem Brieföffner und legte das dicke Dokument und den dazugehörigen USB-Stick auf seinen Schreibtisch. Dann las er den Brief, der daran angeheftet war.

Heiliger Strohsack!

Langsam las Vaughn den Brief von Phil Walker, den er von klein auf kannte. Phil war offenbar Anwalt geworden und hatte eine eigene Kanzlei. Er hatte Vaughn geschrieben, um ihm mitzuteilen, dass der alte Hank Carson gestorben war und ihm seine Ferienranch vererbt hatte.

„Das muss ein Scherz sein“, murmelte Vaughn leise.

Hank war kein Verwandter. Doch er und seine Frau Edith hatten keine Kinder. Als Teenager hatte Vaughn ein paar Sommer lang für Hank als Page und Aushilfe auf der Ranch gearbeitet. Er und der alte Mann hatten sich gelegentlich unterhalten. Als er Hank seine Kündigung überbrachte und ihm mitteilte, dass er nach Los Angeles ziehen würde, um eine Rockband zu gründen, war der alte Mann nicht erfreut. Trotzdem hatte er ihm aufrichtig Glück gewünscht. Eine Geste, die Vaughn zu schätzen wusste.

Vaughn steckte den USB-Stick in seinen Computer und öffnete die Datei darauf. Auf dem Bildschirm erschien ein Video des alten Mannes, das ihm ein schmerzerfülltes Lächeln entlockte.

Der Mann, der ihm überlebensgroß in Erinnerung geblieben war, war dünn und gebrechlich geworden, gezeichnet vom Alter und vielleicht von einer Krankheit. Hank bekam einen Hustenanfall, erholte sich dann aber schnell wieder und wischte sich den Mund mit einem Taschentuch ab.

„Hallo, Vaughn. Ich wünschte, wir würden uns unter besseren Umständen unterhalten, mein Sohn. Und dass wir dieses Gespräch persönlich führen würden. Aber ich kann diese Welt nicht verlassen, ohne dir zu sagen, wie verdammt stolz ich auf dich bin. Du hast gesagt, du würdest eine Rockband gründen und berühmt werden. Du wolltest Arenen auf der ganzen Welt füllen. Ich habe deinen Mut und deine Bemühungen bewundert, habe aber ehrlich gesagt nicht geglaubt, dass du auch nur den Hauch einer Chance hast, das zu schaffen.“ Der alte Mann lachte, was einen weiteren Hustenanfall auslöste. „Aber meine Edith hat an dich geglaubt. Und du hast es geschafft, mein Sohn. Du hast es jedem von uns, der jemals an dir gezweifelt hat, gezeigt. Ich wünschte nur, deine Eltern hätten lange genug gelebt, um das zu sehen. Sie wären verdammt stolz gewesen, Vaughn.“

Die Worte schienen Hank im Hals stecken zu bleiben, und er tupfte sich mit seinem Taschentuch die Augen ab.

Vaughn war sprachlos.

Hank Carson war kein besonders gefühlsbetonter Mensch gewesen – obwohl er seine Frau sehr geliebt hatte. Seine Worte, die mit so viel Respekt und aufrichtiger Zuneigung ausgesprochen wurden, ließen Vaughns Augen brennen und seine Kehle schmerzen. Besonders die freundlichen Worte über seine Eltern. Arthur und Carolyn Reed waren schon weit über fünfzig, als sie ihn aus dem Pflegeheim retteten und beschlossen, ihn bei sich aufzunehmen und aufzuziehen.

Er hatte das Glück, zwei Elternpaare gehabt zu haben, die ihn wirklich geliebt hatten. Aber er hatte auch die wenig beneidenswerte Aufgabe, beide Elternpaare vor seinem zwanzigsten Lebensjahr zu beerdigen.

„Du weißt, dass Edith und ich keine Kinder haben“, fuhr der alte Mann fort. „Aber die Kinder von Willowvale Springs waren unsere Familie. Ein paar von euch haben uns sehr beeindruckt. Jetzt, da die Zeit gekommen ist, dass ich diese Welt verlasse, möchte ich jedem von euch etwas hinterlassen. Und dir hinterlasse ich das Willowvale Springs Resort. Du warst viel mehr als ein Hotelpage. Du warst ein harter Arbeiter. Gewissenhaft. Du hast dich um die Gäste gekümmert. Es fühlte sich nie so an, als ob es für dich nur ein Job wäre, mein Sohn. Ich habe gesehen, wie du am Haus deiner Eltern festgehalten hast und wie du dich darum gekümmert hast – sogar aus der Ferne. Deshalb überlasse ich dir das Resort, damit du damit machen kannst, was du willst. Ich weiß, dass du die richtige Entscheidung treffen wirst, Vaughn. Viel Glück, mein Sohn.“

Der Bildschirm wurde schwarz und Vaughn starrte fassungslos auf die leere Stelle. In seiner Brust pulsierten so viele Gefühle. All die Worte, die er Hank nie würde sagen können, gingen ihm durch den Kopf. Er war dankbar für Hanks Geschenk und seinen Glauben an ihn. Aber er hatte keine Ahnung, was er mit dem Resort anfangen sollte. Er wollte nicht einmal das Haus, das er derzeit in Willowvale Springs besaß. Er hatte es einfach nicht übers Herz gebracht, sich von dem Gebäude zu trennen. Nicht einmal, als er in L. A. um sein Auskommen kämpfte, bevor seine Karriere Fahrt aufnahm.

Vaughn strich sich mit der Hand über das Gesicht und ging ins Bad. Er ließ Wasser in die Wanne laufen und streute das Zitronengras- und Lavendelbadesalz hinein, das seine Haushälterin für ihn gemacht hatte, weil es ihm beim Einschlafen half. Dann zog er die Kleidung aus, die er seit fast zwanzig Stunden trug. Er tauchte in die warme, schaumige Flüssigkeit ein, lehnte sich gegen die gepolsterte Kopfstütze und schloss die Augen, um sich zum ersten Mal seit Wochen richtig zu entspannen.

Vaughn war schon fast eingeschlafen. Doch plötzlich wurde ihm etwas klar und er richtete sich ruckartig auf. Vielleicht brauchte er gar nicht Lotto zu spielen, um ein Comeback-Album für die Band zu finanzieren. Dafür hatte Hank Carson gesorgt.

Innerhalb weniger Minuten hatte er sich abgetrocknet, angezogen und Cherry angerufen, damit sie ein Treffen mit Phil in Willowvale Springs arrangieren konnte. Dann rief er seinen besten Freund aus Kindertagen an, Reynaldo Price, dessen Familie Price Construction besaß. Denn wenn das Willowvale Springs Resort auch nur annähernd so war, wie er es in Erinnerung hatte, musste es komplett renoviert werden, wenn es das Geld einbringen sollte, das er für die Produktion des nächsten Albums von Sin & Glory brauchte.

Vaughn fuhr mit seinem Mietwagen in die Einfahrt des Willowvale Springs Resort. Er hatte den Ort seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Er stieg aus dem Auto aus und sah sich das Hauptgebäude an. Es sah tatsächlich noch so aus wie zu der Zeit, als er vor fast zwei Jahrzehnten dort gearbeitet hatte.

Vaughn stieg die klapprigen alten Stufen hinauf, die zu der großen Veranda führten. Dann trat er ein und machte sich auf den Weg zur Rezeption.

„Vaughn Reed?“ Eine ältere Frau blickte mit schief gelegtem Kopf von der Rezeption auf. „Meine Güte! Ich habe dich nicht mehr gesehen seit … seit der Beerdigung deiner Mutter. Das muss zehn oder fünfzehn Jahre her sein.“

„Zwanzig Jahre“, sagte er. „Es ist schön, Sie wiederzusehen, Mrs. Halston.“

Die Frau arbeitete schon so lange an der Rezeption, wie Vaughn sich erinnern konnte. Ihr blondes Haar war jetzt grau und ihre strahlend blauen Augen waren nicht mehr ganz so klar wie früher. Aber sie hatte immer noch eine tolle Figur und war gekleidet, als wäre sie einem Modemagazin entsprungen.

„Ich heiße jetzt Mrs. Weinstein.“ Sie schmunzelte mit einem Glitzern in den Augen. „Barry ist vor fünf Jahren gestorben. Gott hab ihn selig.“ Sie blickte an die Decke. „Aber nenn mich Barbara. Und meine Güte, lass dich umarmen.“

Barbara kam um den Schreibtisch herum und umarmte ihn fest. „Was führt dich hierher, mein Lieber?“

„Ich bin der neue Besitzer des Resorts.“ Vaughn hielt förmlich den Atem an, als er diese Worte aussprach.

Barbara hatte den Betrieb seit zwanzig oder dreißig Jahren geführt. Bestimmt hatte sie erwartet, dass Hank ihn ihr überlassen würde.

„Gott sei Dank!“ Barbara drückte ihre Hand auf ihre Brust und ließ ihre mit Juwelen besetzten Nägel blitzen. „Ich hatte schon Angst, dass der alte Hank mir den Laden überlässt, so wie er Mabel Miller den Gemischtwarenladen vererbt hat. Mabel wollte den Laden, wohlgemerkt. Ich? Eher nicht.“

„Warum nicht? Ich meine … du arbeitest hier wahrscheinlich länger als alle anderen.“ Er sollte dankbar sein, dass Barbara nicht sauer war, weil Hank ihm das Resort hinterlassen hatte.

„Ich bin jetzt Großmutter.“ Sie lächelte stolz. „Ich habe drei Enkelkinder und ein weiteres ist unterwegs. Dazu kommen noch drei Enkelkinder von Barrys Kindern. Ich möchte mehr Zeit mit den Enkeln verbringen und reisen. Ich habe gewartet, bis ich den Besitzer kennenlerne, damit ich …“

„Du kündigst?“

„Nein, ich gehe in den Ruhestand.“ Sie tätschelte seinen Arm. „Aber mach dir keine Sorgen. Ich bleibe so lange, wie du mich brauchst. Ich hätte sogar Zeit, wenn du jetzt eine Tour durchs Haus machen willst.“

Er schaute auf seine Uhr. „Ich habe etwa fünfzehn Minuten Zeit, bis der Designer und der Bauprojektleiter kommen, um die Renovierung zu besprechen.“

„Wunderbar!“ Barbara schaute sich prüfend um. „Dieser Ort hat wirklich eine Renovierung nötig.“

Vaughn schmunzelte und war froh, dass Barbara mit seinen Plänen einverstanden war. „Meinst du, wir haben noch Zeit für einen kurzen Rundgang, bevor sie kommen?“, fragte er.

„Nein, glaube ich nicht.“ Barbara deutete in Richtung Tür.

Vaughn folgte ihrem Blick zu sexy braun-schwarzen Lederstiefeln mit hohen Absätzen, die an einem Paar wohlgeformter Beine durch die Tür traten.

Verdammt.

Vaughn war nicht nach Willowvale Springs gekommen, um eine Frau aufzureißen. Aber die Frau, die ihm entgegenkam – hüftschwingend in einem schwarzen, mittellangen Blazerkleid, das ihre umwerfende Figur perfekt zur Geltung brachte – könnte ihn schwach werden lassen.

„Schön dich wiederzusehen, Vaughn.“ Die Frau legte eine Hand auf seine Brust, beugte sich vor und küsste seine bärtige Wange. Ihre Stimme war seltsam vertraut.

„Tut mir leid, aber kenne ich …“ Er stockte, als er das wunderschöne Gesicht der Frau betrachtete, mit den schelmischen dunklen Augen, der Stupsnase und dem frechen Grinsen. „Nein … das kann nicht sein.“ Vaughn schüttelte den Kopf. Er drehte sich zu Barbara um, die über den Austausch mehr als amüsiert war. „Das ist auf keinen Fall die kleine Allie Price.“

„Ist sie doch. Sie hatte nur das Glück, sich zu einer hübschen und unglaublich talentierten jungen Frau zu entwickeln.“ Barbara strahlte, als ob sie Allie selbst großgezogen hätte.

„Das sehe ich.“ Vaughn lachte. Er streckte seine Arme aus, um die kleine Schwester seines besten Freundes aus Kindertagen zu umarmen. „Es ist wirklich schön, dich wiederzusehen, Allie.“

Er drückte sie fest an sich und versuchte so gut es ging, seine Erregung zu zügeln, die durch Allies sanfte Kurven ausgelöst wurde, die sich an ihn schmiegten.

Beachte Regeln 1 und 2. Das wird nicht passieren, Kumpel. Also reiß dich zusammen.

Vaughn löste sich aus Allies Umarmung, räusperte sich und schob eine Hand in die Tasche seiner Jeans. Er richtete seinen Blick auf ihr Gesicht, um wenigstens den Anschein zu erwecken, dass er Augenkontakt mit der umwerfend schönen Afro-Latina herstellte, die einst das süße kleine Mädchen mit den Hasenzähnen gewesen war, das ganz unschuldig in ihn verschossen gewesen war.

Denn die Gedanken, die er jetzt an sie hatte, waren alles andere als unschuldig.

„Bist du hier, um mich dem Designer und dem Projektmanager vorzustellen?“ Vaughn rieb sich das Kinn.

Barbara strahlte die junge Frau an. „Vaughn hat deine Familie also mit den Renovierungsarbeiten beauftragt. Wunderbar, in besseren Händen könnten wir nicht sein. Ich habe mir neulich die Farm angesehen, die ihr renoviert habt. Deine Familie leistet großartige Arbeit.“

„Danke, Barb.“ Allie fuhr sich mit ihren manikürten Fingern durch ihre glänzenden schulterlangen Locken.

Vaughn ballte eine Hand zur Faust, um sie davon abzuhalten, durch ihr Haar zu fahren. Er konnte seinen Blick nicht von ihr losreißen.

Das Telefon klingelte und riss die beiden aus ihrer Unsicherheit.

„Ich gehe besser ran“, sagte Barb. „Wenn einer von euch etwas braucht, ruft mich einfach.“

„Machen wir. Danke, Barbara“, antwortete Vaughn. Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Allie. „Also … der Designer und der Projektmanager …“

„Stehen vor dir.“ Allie streckte ihre Hände aus, so wie sie es oft getan hatte, wenn sie als Kind eine kleine Show für sie aufgeführt hatte.

„Du bist also die Raumdesignerin?“ Vaughn runzelte die Stirn, verschränkte die Arme und stützte sein Kinn auf eine geschlossene Faust, während er sie betrachtete.

„Ja.“ Ihre Antwort war diesmal weniger fröhlich und enthielt einen Hauch von Empörung.

„Okay. Super“, sagte Vaughn leicht sarkastisch. „Was ist mit dem Projektmanager?“

„Steht auch vor dir.“

„Moment …“ Vaughn ließ seine Arme fallen und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Er war nicht besonders groß, aber mindestens fünfzehn Zentimeter größer als sie. „Du machst beide Jobs?“

Rey wusste, dass dieser Job wichtig für ihn war, dass das Resort absolut perfekt werden musste und dass er einen straffen Zeitplan hatte. Und was tat er? Schickte seine kleine Schwester, die sowohl den Designer als auch den Projektmanager spielen sollte. Sobald er die kleine Allie weggeschickt hatte, würde er mit seinem besten Freund aus Kindertagen ein paar deutliche Worte wechseln.

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