Weihnachtszauber auf Blakeley Castle

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Nur aus einem Grund lockt Finn seine Jugendfreundin Lola in der romantischen Adventszeit nach Blakeley Castle: Bis Heiligabend will er endgültig mit ihr und der Vergangenheit abschließen! Aber bei zärtlichen Umarmungen vor dem Kamin träumt er stattdessen von einer Zukunft mit Lola …


  • Erscheinungstag 08.10.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547840
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Jessica Gilmore

Weihnachtszauber auf Blakeley Castle

PROLOG

Von einem Kellner, der in seiner Linken ein Tablett mit Getränken balancierte, ließ sich Finn Hawkin ein Glas Champagner reichen und sah sich mit einem anerkennenden Lächeln im riesigen Ballsaal um.

Die Lichterketten, die hauchdünnen weißen Vorhänge und die vielen Menschen in kunstvollen Kostümen – an ihn selbst mochte all das verschwendet sein, aber seine kleinen Nichten würden jede Einzelheit über diesen Abend wissen wollen. Der Mittsommerball in Armaria war für sie eines ihrer Lieblingsmärchen, das nun zum Leben erwacht war.

Eine verhüllte Gestalt mit Maske blieb neben ihm stehen. „Amüsierst du dich gut?“

„Laurent!“ Aufrichtig erfreut begrüßte Finn seinen alten Freund, den Gastgeber dieses Balls. „Danke für die Einladung.“

„Du bist mehr als willkommen. Schön, dass du kommen konntest.“

Ein Anflug von Mitgefühl schwang in seiner Stimme mit. Finn vertraute sich nicht vielen Menschen an, aber Laurent wusste, wie schwierig das vergangene Jahr für ihn gewesen war und welchen schweren Entscheidungen Finn sich gegenübergesehen hatte.

„Wie geht es deinen Nichten?“

„Sie sind völlig erschöpft nach einer Woche an deinen wunderschönen Stränden. Zugeben würden sie es allerdings nicht. Jetzt sind sie aber vor allem sauer, weil sie nicht mitkommen durften zu einem echten königlichen Ball. Ich habe ihnen versprochen, Kuchen für sie herauszuschmuggeln. Hoffentlich wird sie das besänftigen.“

„Nimm sie doch mit in den Palast“, bot Laurent an. „Morgen wird es noch chaotisch zugehen, aber vielleicht übermorgen? Im Stallgebäude sind Welpen, die sie sich ansehen können. Und ich nehme sie mit auf den höchsten Turm und erzähle ihnen gruselige Geschichten darüber, wie meine Vorfahren angebliche Eindringlinge abgewehrt haben.“

„Das wird ihnen gefallen. Danke, Laurent.“

„Und wir beide können uns richtig unterhalten. Es ist einfacher, wenn ich nicht für siebenhundert Leute den Gastgeber spielen muss.“

„So ist das eben, wenn man ein Prinz ist.“

Doch Finn merkte, dass Laurent unbefangener wirkte als sonst. Normalerweise war er sehr reserviert und steif, wenn er unter Menschen war, doch an diesem Abend schien er ein anderer Mensch zu sein. Sein Lächeln war echt, und er verströmte eine Leichtigkeit und Freude, die Finn schon lange nicht mehr verspürt hatte.

„Wer ist das Mädchen?“

„Welches Mädchen?“ Laurents Lächeln wurde noch breiter, und mit zärtlichem Blick sah er zu einer schlanken Gestalt in Gelb und Silber, die gerade einer Gruppe von Kellnern Anweisungen gab.

„Das Mädchen, das du den ganzen Abend nicht aus den Augen lässt. Das heißt, wenn du nicht gerade mit ihr nach draußen verschwunden bist.“

Es sah Laurent nicht ähnlich, sich öffentlich mit einer Frau zu zeigen. Obwohl ihm sein Kostüm einen gewissen Grad an Anonymität verlieh, konnte es seine Identität nicht ganz verbergen. Nein: Wenn Laurent in aller Öffentlichkeit tanzte und flirtete, dann musste es ihm ernst sein. Was man von einem Mann, der sich mit der Aussicht auf eine Vernunftehe ausgesöhnt hatte, nicht erwartet hätte.

„Das ist Emilia. Sie ist die Eventmanagerin und hat all das in weniger als einem Monat organisiert.“ Laurent hatte wohl gleichmütig klingen wollen, aber der Stolz in seiner Stimme verriet ihn. Er war schwer verliebt.

„Sie hat das toll gemacht. Ein märchenhafter Abend.“

„Sagt der Mann, der allein am Rand steht. Ich habe nicht erwartet, dass du in Begleitung kommst, Finn, aber hier gibt es viele schöne Frauen, die sicher gerne mit dir tanzen würden. Soll ich dich irgendeiner Frau vorstellen? Wie wäre es mit der Gräfin dort drüben?“ Laurent deutete auf eine hochmütige Blondine, die mit einem Fächer wedelte und einer Gruppe junger, eifriger Männer keine Beachtung schenkte.

Finn lachte. „Sie scheint ein bisschen über meiner Gehaltsklasse zu liegen.“

„Bescheidenheit steht dir nicht, Finn. Du bist jung, tatkräftig und hast noch all deine eigenen Haare und Zähne. Damit erhebst du dich über die Hälfte der Männer hier. Wobei wir noch nicht einmal dein erfolgreiches Unternehmen mit eingerechnet haben und dass du dir gerade ein Schloss gekauft hast. Selbst für die Gräfin wärst du damit für mindestens einen Tanz ein geeigneter Partner.“

„Blakeley lässt sich kaum mit einem königlichen Palast vergleichen“, protestierte Finn. Trotzdem war er von Stolz erfüllt über das altertümliche Gebäude, das kürzlich restauriert worden war, um seinen Nichten ein Zuhause zu bieten. Außerdem diente es ihm als Stützpunkt für sein schnell expandierendes Unternehmen.

Er hatte das Schloss nicht geerbt, sondern es mit seinem selbst verdienten Geld gekauft. Auch wenn er auf dem Anwesen aufgewachsen war, war ihm nichts geschenkt worden. Sein Erfolg gründete einzig auf harter Arbeit – und auf einigen glücklichen und klugen Entscheidungen.

„Ich freu mich für dich“, sagte Laurent. „Du hast dein Ziel erreicht. Wie viele Männer können das schon von sich sagen?“

Finn nippte an seinem Champagner. Laurent hatte recht. Er war kaum dreißig und hatte jedes seiner Ziele erreicht, die er sich gesetzt hatte, als sie beide in Paris studiert hatten. Er hatte sein eigenes Unternehmen gegründet, ein Vermögen gemacht und lebte auf dem Anwesen, auf dem er aufgewachsen war. Nur dass er diesmal in dem großen Haus wohnte und nicht mehr der Sohn des Gärtners war, der seine Kappe vor den Leuten ziehen musste, die weit über ihm standen.

„Wir hören nie auf, uns Ziele zu setzen, Laurent, wir setzen nur andere Prioritäten. Jetzt stehen meine Nichten an erster Stelle. Ihnen das Glück und die Sicherheit zu schenken, die sie brauchen … das ist für mich das Wichtigste.“

„Wenn es jemand schafft, dann du.“

Schweigend standen sie einen Moment da und betrachteten die Gäste in ihren aufwändigen Kostümen. Schließlich schaute Laurent wieder zu der jungen Organisatorin im gelben Kleid. Finn folgte seinem Blick. Sie war weitergegangen und sprach jetzt angeregt mit einer großen, eleganten Frau, die ein schlichtes schwarzes Kleid trug, die hellbraunen Haare zu einem Knoten hochgesteckt.

Finn glaubte, seinen Augen nicht zu trauen. Das konnte doch nicht …

Oder doch? War dies das Mädchen, das er jahrelang vergeblich gesucht hatte?

Als er sie das letzte Mal gesehen hatte, waren ihre Haare platinblond gebleicht und in einem stufigen Bob geschnitten, der sofort tausendfach imitiert worden war. Sie war zehn Jahre jünger gewesen und hatte die Titelblätter von Magazinen in aller Welt geziert, bevor sie von einem Tag auf den anderen von der Bildfläche und aus seinem Leben verschwunden war, als hätte es sie nie gegeben.

„Lola?“, flüsterte er. Als hätte sie ihn gehört und Gefahr gewittert, sah sie alarmiert hoch.

Seine Fantasie musste ihm einen Streich spielen. Lola Beaumont hatte sich in Luft aufgelöst. Er wusste es, weil er lange genug nach ihr gesucht hatte. Er musste sich irren. Denn diese Frau arbeitete hier. Lola hingegen war immer der Ehrengast gewesen, keine Angestellte. Es war nur eine flüchtige Ähnlichkeit, mehr nicht. So musste es sein.

Trotzdem wandte er sich an Laurent. „Wer ist die Frau, die mit Emilia redet?“

„Wer? Ach, das ist Alex – Alexandra Davenport. Ihr gehört die Agentur zusammen mit Emilia und zwei anderen Frauen. Ich glaube, sie ist gestern angekommen, um sich heute Abend um alles zu kümmern, damit Emilia an dem Ball teilnehmen kann. Weshalb fragst du?“ Laurents Lächeln wirkte nun durchtrieben. „Soll ich sie dir vorstellen?“

„Nein danke. Ich war nur neugierig.“

Doch in Finns Kopf überschlugen sich die Gedanken. Alexandra war Lolas mittlerer Vorname, oder nicht? Sicher war es ein Zufall – ähnliche Gesichtszüge, der gleiche Name, mehr nicht. Doch als sein Blick wieder zu der Frau ging, hatte er das Gefühl, dass diese Begegnung mit Zufall nichts zu tun hatte. Sondern dass Lola Beaumont zurückgekehrt war, gerade jetzt, wo er an seinem Ziel angekommen war, um all das wieder zu zerstören.

Die Frage war, was er dagegen unternehmen würde.

1. KAPITEL

Alexandra zwang sich zu warten, bis sie die Passkontrolle hinter sich hatte, ehe sie ihr Handy einschaltete. Ungeduldig zog sie ihren kleinen Koffer hinter sich her, während sie am Zoll vorbei weiter zum Ausgang eilte.

Die Halle war voller Menschen, die nach dem Nachtflug übermüdet aussahen. Alex hingegen fühlte sich überraschend ausgeruht. Sie hatte geschlafen, sich frisch gemacht und war bereit für alles, was kommen würde.

Als sie auf ihr Handy sah, war sie nicht überrascht, etliche Nachrichten vorzufinden. Irgendwo gab es immer eine Krise, die sie als PR-Expertin forderte.

Sie rief die Sprachbox auf und wartete auf die erste Nachricht.

„Alex? Ich bin’s.“

Alex lächelte, als sie Ambers Stimme hörte. Sie war ihre Kollegin und, wichtiger noch, ihre Freundin. Kurz gesagt: ihr Zuhause, ein Ort, an dessen Existenz sie nicht mehr geglaubt hatte. Außerdem hatte sie sich vor langer Zeit schon geschworen, sich nicht mehr von Menschen oder Orten abhängig zu machen.

„Hoffentlich bekommst du die Nachricht rechtzeitig. Ach, was sage ich? Natürlich. Du machst doch dein Handy immer sofort an, kaum dass du gelandet bist. Also, wir haben eine Last-Minute Buchung. Und der Klient will, dass du sofort kommst. Deshalb musst du gleich los. Ich habe einen Wagen organisiert, der dich abholt und hinfährt. Ruf mich an, wenn du unterwegs bist, dann kann ich alles mit dir durchgehen. Und keine Sorge. Ich habe ein paar Sachen für dich eingepackt und mitgeschickt. Toller Job wieder von dir in New York. Ich kann noch nicht glauben, dass wir jetzt international mitspielen. Ruf bald an.“

Alex speicherte die Nachricht. Sie hatte nicht erwartet, schon wieder loszumüssen. Denn nach einer Woche unterwegs wollte sie am liebsten erst einmal in ihr Stadthaus in Chelsea zurück. Sie hatte es geerbt, und jetzt war es auch für ihre drei engsten und einzigen Freundinnen ihr gemeinsames Zuhause. Unten befanden sich die Geschäftsräume ihrer Agentur Happy End, die sie zusammen gegründet hatten. Sie boten einen Allround-Service an, der Event- und Haushaltsmanagement genauso umfasste wie die Bereitstellung von Chefsekretärinnen oder die Planung von Kindergeburtstagen.

Acht Monate nach der Eröffnung hatten sie bereits einen hervorragenden Ruf, unterstützt von begeisterten Empfehlungsschreiben früherer Klienten. Natürlich war es ihrer Reputation entgegengekommen, dass einer ihrer früheren Klienten, Prinz Laurent, Erzherzog von Armaria, derzeit um Emilia warb, ihre Eventmanagerin, während der Tech-Milliardär Deangelo Santos mit Harriet verlobt war, die früher seine persönliche Assistentin gewesen war und bei Happy End für die Verwaltung zuständig war.

Alex unterdrückte einen Seufzer. Sie hatten vor knapp einem Jahr eröffnet, und so vieles hatte sich schon verändert. Im nächsten Jahr würde Harriet Deangelo heiraten und aus dem Stadthaus ausziehen. Und sie alle wussten, dass Laurent Emilia bald einen Heiratsantrag machen würde.

Harriet hatte vor, auch nach der Hochzeit weiterzuarbeiten, und Emilia würde Geschäftspartnerin bleiben. Aber sie konnte unmöglich jeden Job annehmen, wenn sie Erzherzogin war. Alex freute sich zwar sehr für ihre Freundinnen, wünschte sich aber, sie hätten vorher mehr Zeit miteinander gehabt, um die Agentur noch weiter auszubauen.

Sie war so glücklich gewesen in den letzten Monaten, in denen sie mit ihren Freundinnen zusammengelebt und zusammengearbeitet hatte. Würde das Haus leer wirken, wenn nur noch zwei darin wohnten?

Sie schob die dunklen Gedanken beiseite und checkte ihre E-Mails, um nachzusehen, ob etwas ihre sofortige Aufmerksamkeit erforderte.

In der Ankunftshalle blieb sie einen Moment stehen und suchte nach einem Schild, auf dem ihr Name stand. Doch ihre Aufmerksamkeit wurde auf ein junges Mädchen gelenkt, das auf ein strahlendes Paar in mittleren Jahren zulief und sich in deren ausgebreitete Arme warf. Es war offensichtlich, dass sie sich sehr freuten, das Mädchen wiederzusehen.

Auf Alex hatte noch nie jemand gewartet, außer er wurde dafür bezahlt – wie der Fahrer heute.

Sie straffte sich. Genug von diesem Unsinn. Sie hatte gerade ein paar sehr erfolgreiche Tage hinter sich und die Agentur international vorangebracht. Und jetzt war sie auf dem Weg zum nächsten Job. Erfolg, Sicherheit, all das, worauf sie seit Langem hinarbeitete, war in greifbarer Nähe. Allein darauf sollte sie sich konzentrieren.

Erleichtert entdeckte sie das Schild mit ihrem Namen und ging darauf zu.

Zehn Minuten später saß sie hinten in einer bequemen Limousine, den Laptop neben sich, ein Notizbuch auf dem ausklappbaren Tablett, eine gekühlte Flasche Wasser und eine Schale mit Früchten neben sich. Schnell las sie noch einmal ihre E-Mails durch, doch von Amber fand sie kein Wort darüber, wohin sie fahren würde und was dort ihre Aufgabe war.

Der Chauffeur hatte sie informiert, dass die Fahrt etwa eineinhalb Stunden dauern würde, hatte aber kein Ziel genannt. Egal. Amber würde sie aufklären.

Sie warf einen Blick durch die getönten Scheiben auf die winterliche Dämmerung und merkte, wie tief die Wolken hingen. Es war auch kälter geworden, ähnlich wie in New York, woher sie gekommen war.

Bis Weihnachten blieben nur noch drei Wochen, und der Winter hatte Einzug gehalten.

Als sie ein Schild bemerkte, zuckte sie zusammen. Hoffentlich würden sie bald abbiegen. Normalerweise vermied sie das Gebiet um die Chiltern Hills. Es war mit zu vielen Erinnerungen verbunden.

Sie sah auf ihr Handy und entschied, dass es spät genug war, um Amber anzurufen. Kaum hatte sie die Anruftaste gedrückt, war ihre Freundin schon dran und klang wie immer viel zu aufgeweckt für einen frühen Morgen.

„Hi, Alex. Hast du meine Nachricht bekommen?“

„Ja. Wer ist der Klient, und was ist so dringend, dass ich gleich vor Ort sein muss und jetzt in einem Wagen sitze, der mich nicht nach London, sondern aus der Stadt hinausbringt? Ein Exposé, das nicht passt? Eine PR-Katastrophe?“ Je schwieriger das Problem, desto mehr Spaß hatte sie daran.

„Nichts so Aufregendes, tut mir leid. Aber ich hoffe, es wird dir trotzdem gefallen. Hast du schon mal von Hawk gehört?“

Alex dachte einen Moment nach. „Kommt mir bekannt vor.“

„Eine Marke, die für Outdoor-Lifestyle steht, strapazierfähige Kleidung, die beliebt ist bei Leuten, die einen Kurztrip an den Strand machen, aber auch bei Bergsteigern und Forschungsreisenden. Sie haben als Symbol diesen niedlichen Falken, so wie auf meinem Wintermantel.“

„Ich weiß, wen du meinst.“ Sie besaß zwar keine Kleidung dieser Firma, kannte jedoch deren herausragenden Ruf. „Was ist passiert? Warum brauchen die mich?“

„Ihre PR-Managerin hat es geschafft, sich mehrere Brüche am Bein zuzuziehen. Sie ist ans Bett gefesselt.“

„Verstehe.“

„Sie haben ihre Zentrale gerade in ein vornehmes Haus irgendwo Richtung Swindon verlegt. Und da fährst du jetzt hin.“

Alex stieß die Luft aus. Swindon befand sich nicht in der Gefahrenzone. „Okay …“

„Der Besitzer will das gesamte Anwesen für Outdoor-Aktivitäten öffnen. Du weißt schon, Abenteuerspielplätze, Waldlehrpfad, alles in Zusammenhang mit der Marke Hawk. Das Unternehmen ist in umgebauten Schuppen und Ställen untergebracht. Offizielle Eröffnung ist Ende der Woche mit jeder Menge Veranstaltungen, die Weihnachten zum Thema haben. Anscheinend waren das Haus und die Außenanlagen lange vernachlässigt. Es ist ein Gebiet, in dem es nur wenig Jobs gab. Inzwischen gibt es viele Zuzügler, die sich dort einen Zweitwohnsitz kaufen. Die Stadt verjüngt sich also, und mit den Jobs für die Einheimischen läuft es auch wieder recht gut.“

„Beachtlich“, meinte Alex. „Und wofür brauchen sie mich?“

„Du sollst dich um alles kümmern, solange die PR-Managerin das Bett hüten muss.“

Alex sah aus dem Fenster, hinter dem sich der Himmel rosa färbte. „Das ist kein schwieriger Job, Amber. Jeder unserer Zeitarbeiter könnte einen Plan entwerfen und ihn umsetzen. Für so etwas Einfaches brauchen sie mich doch nicht. Außerdem bin ich nicht gerade billig.“

„Sie haben darauf bestanden, dass du kommst. Es ist eine große Sache, Alex. Das Anwesen nach so langer Zeit wieder zu eröffnen, ist ein riesiges Unterfangen und völlig anders als das, was sie vorher gemacht haben. Für sie ist es der Inbegriff ihrer Marke. Sie legen sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung und brauchen eine zuverlässige Person, die das angemessen publik macht. Außerdem haben sie angedeutet, dass noch ein größerer Auftrag kommt, falls sie zufrieden sind. Vielleicht ist das eine Art Test.“

„Vielleicht …“ Doch Alex hatte ein Gespür dafür, ob jemand Märchen erzählte oder die Wahrheit, und an dieser Sache war etwas faul. „Schick mir den Auftrag, ja?“

„Muss ich nicht. Sie wollen das mit dir persönlich durchgehen. Sie eröffnen mit einer riesigen Weihnachtsfeier. Also wirst du entsprechend beschäftigt sein.“

Alex war schon Feuer und Flamme. Sobald sie aufgelegt hatte, würde sie versuchen, alles über Hawk und seinen Besitzer herauszufinden.

„Eins noch, Alex … Dalstone hat seine Presseerklärung für dich zum Durchsehen geschickt, und sie wollen sie vor neun heute Morgen zurückhaben. Könntest du jetzt einen Blick drauf werfen?“

„Natürlich. Ich schicke sie gleich zurück. Ist sonst alles okay?“

„Alles gut. Harriet arbeitet heute von zu Hause aus, weil Deangelo gerade von einer Auslandsreise zurück ist und sie ihn sehen will. Emilias Veranstaltung ist richtig gut gelaufen, aber sie ist erst nach zwei ins Bett gekommen und wird sich wohl ausschlafen wollen.“

Amber klang wehmütig. Sie blühte in der Gemeinschaft auf und war am glücklichsten, wenn sie alle zusammen waren. Dass bald Weihnachten war, dämpfte ihre Laune. Die letzten Jahre hatten alle vier die Feiertage zusammen verbracht, doch in diesem Jahr wollte Deangelo mit Harriet Weihnachten in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro verbringen, und Emilia würde zwei Wochen in Armaria sein. Die drei Freundinnen rechneten damit, dass sie mit einem Verlobungsring zurückkommen würde.

„Ich habe gerade überlegt“, sagte Alex ungewohnt spontan, „dass wir beide an Weihnachten etwas unternehmen sollten. Skilaufen vielleicht?“

„Wirklich?“

„Aber ja. Nach all der harten Arbeit in den letzten Monaten haben wir uns eine kurze Pause verdient.“

„Und sie wird auch nur kurz sein“, rief Amber ihr in Erinnerung. „Dein Vertrag mit Hawk geht bis Heiligabend, und wir haben den Wohltätigkeitsball an Neujahr für Van Daemon. Aber die drei Tage dazwischen sind kein Problem.“

„Drei Tage klingen sehr gut.“

„Ruf mich an, wenn du da bist. Tut mir leid, dass du gleich zum nächsten Job musst und nicht zuerst nach Hause kommen kannst.“

„Ist schon in Ordnung. Dafür sind wir ja da.“

Nach dem Anruf öffnete Alex ihren Laptop, um sich die Presseerklärung anzusehen. Dann fiel ihr ein, dass sie sich Informationen über ihre neuen Arbeitgeber beschaffen wollte. Doch die Presseerklärung erforderte weit mehr Arbeit, als sie erwartet hatte, und bald vergaß sie ihre Recherche.

Sie merkte nicht, dass der Wagen lange vor Swindon von der Autobahn abfuhr und dann einige idyllische Dörfer hinter sich ließ.

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