Heißer Karneval in Rio

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Die hübsche Ellie wird entführt – von ihrem eigenen Boss. Nach einer leidenschaftlichen Affäre beim Karneval in Rio verlangt der gefährlich attraktive Geschäftsmann Diogo Serrador plötzlich von ihr: Heirate mich! Doch von Liebe spricht er dabei nicht.


  • Erscheinungstag 27.08.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751543071
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Leseprobe

Jennie Lucas

Heißer Karneval in Rio

1. KAPITEL

Schwanger!

Ellie Jensen bebte am ganzen Körper, als sie die Treppe der U-Bahn-Station hinaufstieg. Nur wie aus weiter Ferne drangen die Flüche der Taxifahrer und das laute Hupen an ihr Ohr. Auf dem Bürgersteig verkauften Straßenhändler Hotdogs und Salzbrezeln an ihren Ständen. Nach einem langen grauen Winter sonnte New York sich endlich im warmen Maiwetter.

Ellie jedoch spürte eine Eiseskälte bis ins Mark. Schon seit Stunden fühlte sie weder ihre Finger noch ihre Füße. Seit sie heute Morgen den Test gemacht hatte. Der positiv ausgefallen war.

Schwanger!

In sechs Stunden sollte sie heiraten, und sie war schwanger.

Mit dem Kind eines anderen Mannes.

Mit dem Kind ihres Chefs.

Vor dem Serrador-Firmengebäude blieb sie stehen und blickte zum dreißigsten Stockwerk hoch. Ein Schauder überlief sie.

Diogo Serrador, der dunkle, skrupellose Stahlmagnat, für den sie seit einem Jahr arbeitete, würde Vater werden.

Von mir kannst du nicht schwanger werden, querida. Noch immer hörte sie seine tiefe sinnliche Stimme an jenem heißen, schwülen Abend, untermalt von den Trommelrhythmen des Karnevals in Rio. Er hatte ihr die Worte zärtlich ins Ohr geflüstert. Es ist unmöglich, du brauchst dir keine Sorgen zu machen.

Und sie hatte ihm tatsächlich geglaubt!

Wie hatte sie nur so dumm sein können? Es war doch so vorhersehbar: Das unschuldige Mädchen vom Lande, das in die große, sündige Stadt zog und sich von ihrem selbstbewussten, reichen, verboten attraktiven Boss verführen ließ.

Sie hätte die Firma zu Weihnachten verlassen sollen, als Timothy auch gegangen war. Zumindest hätte sie schon vor Wochen kündigen sollen, wie sie es ihm versprochen hatte. Doch sie war unentschlossen gewesen, hatte es weiter und weiter hinausgeschoben. Als ob es ihr irgendwie erspart bleiben könnte, die Stadt zu verlieren, die sie liebte. Das Leben, das sie liebte. Den Mann, den sie …

Abrupt hielt sie inne. Es war nur eine wilde Anwandlung gewesen, ein Strohfeuer, das in einer leidenschaftlichen Nacht ausgebrannt war.

Nur weil sie schwanger war, würde das Diogo nicht automatisch zum Vater werden lassen. Der notorische Playboy konnte frei aus einer Vielzahl von eleganten Schönheiten wählen. Er führte sie aus, behandelte sie wie Göttinnen und ließ sie dann einfach fallen. Wenn solche Frauen ihn schon nicht halten konnten, da war es kein Wunder, dass er sie schon vergessen hatte – Ellie, die Schulabbrecherin mit den billigen Kleidern und dem unscheinbaren Äußeren.

Diogo Serrador, ein fürsorglicher Vater? Das wahrscheinlichste Szenario war, dass er ihr Geld für die Abtreibung anbieten würde.

Sie schlug die Hände vors Gesicht. Die Schwangerschaft mochte ungeplant gewesen und als Schock gekommen sein, doch schon jetzt liebte sie dieses Kind. Es war ihr Kind, ihre Familie.

Diogo hatte jedoch ein Recht darauf, es zu erfahren. Oder?

Ellie sammelte all ihren Mut. Sie würde ihm seine Lügen ins Gesicht zurückschleudern!

Sie ging durch die Drehtür und nahm den Aufzug ins dreißigste Stockwerk hinauf, betrat durch die Glastür das Vorzimmer.

„Sie kommen zu spät“, tadelte Carmen Alvarez sie unfreundlich, als Ellie an ihrem Schreibtisch vorbeikam. „Die Zahlen, die Sie mir gestern gegeben haben, sind komplett falsch. Was ist nur los mit Ihnen?“

Vor ihren Augen drehte sich alles. Fast hätte sie sich auf der Fahrt von ihrem kleinen Apartment zur Firma in der U-Bahn übergeben müssen. Schon seit Monaten wurde ihr immer wieder jäh übel. Das hätte ihr Zeichen genug sein sollen. Doch sie hatte sich eingeredet, ihr Zyklus sei einfach nur unregelmäßig. Diogo Serrador hatte ihr sein Wort gegeben. Von mir kannst du nicht schwanger werden.

„Fühlen Sie sich nicht wohl?“ Abschätzig kniff Mrs. Alvarez die Augen zusammen. „Wohl die ganze Nacht gefeiert, was?“

„Gefeiert?“ Ellie lachte schwach auf. Heute Morgen, als sie endlich den Reißverschluss des engen Rocks zubekommen hatte, war sie zu dem Drugstore an der Ecke gegangen und hatte sich von dem pickelgesichtigen Teenager hinter dem Tresen einen Schwangerschaftstest geben lassen. „Nein, keine Party.“

„Dann geht es um einen Mann“, schloss die ältere Frau. „Moment …“ Das Telefon schrillte. Die Chefsekretärin griff nach dem Telefonhörer. „Diogo Serradors Büro“, flötete sie beflissen in die Muschel.

Eine der Junior-Sekretärinnen tippte Ellie von hinten auf die Schulter.

„Hast du Mr. Serradors Foto in der heutigen Zeitung gesehen?“, wollte Jessica mit ihrem schleppenden Südstaatenakzent lauernd wissen. „Er war gestern mit Lady Allegra Woodville auf dem Galaabend. Sie ist unglaublich elegant, nicht wahr? Aber sie kommt ja auch aus der High Society. Genau wie er. Der Stammbaum macht’s, sagt meine Mama immer. Entweder man hat Klasse …“, Jessica musterte Ellie mit eiskaltem Blick, „… oder man hat sie eben nicht.“

Ellie war enttäuscht und ärgerte sich gleichzeitig über sich selbst. Sie hätte sich Jessica niemals anvertrauen dürfen. Die Jüngere sah in ihrem Job nur eine Möglichkeit, sich die Zeit zu vertreiben, bis sie einen reichen Mann gefunden hatte. Diogo war ihr auserkorenes Ziel. Ellie hatte das Mädchen mit ihrer eigenen Erfahrung warnen wollen, doch nun kursierten die bösartigsten Gerüchte in der Firma über sie. Sie sei ein unmoralisches Luder, eine geldgierige Schlampe. Ellie – eine Schlampe! Sie, die noch nie mit einem Mann geschlafen hatte, bis Diogo sie in Rio in seine Arme gezogen hatte.

Ihre Großmutter hatte recht gehabt. Weder war sie hart noch modern genug, um in der großen Stadt zu überleben. Sie hatte einfach aufgegeben. Und hatte nachgegeben.

Vor drei Wochen hatte sie Ja zu Timothy gesagt.

Kurz vor Weihnachten hatte er urplötzlich seinen hoch dotierten Job als Diogo Serradors Firmenanwalt aufgegeben, um eine eigene Kanzlei in der kleinen Stadt, aus der sie beide stammten, zu eröffnen. Er hatte Ellie gedrängt, mit ihm zu gehen, doch sie hatte sich geweigert.

Nach dem heutigen Tag würde sie nichts mehr mit New York zu tun haben – oder mit Diogo. Sie würde in einer soliden Ehe leben, mit einem Mann, der sie liebte. Einem Mann, dem sie bedingungslos vertrauen konnte.

Wenn Timothy sie noch wollte. Nachdem sie mit dem Kind eines anderen schwanger war.

Mrs. Alvarez hatte das Telefongespräch beendet und drehte sich wieder ihr zu um. „Hören Sie, was Sie in Ihrem Privatleben machen, geht mich nichts an, aber Ihre Arbeit hier kann ich so nicht akzeptieren. Sie …“

Durch die Sprechanlage ertönte Diogos tiefe Stimme. „Mrs. Alvarez, kommen Sie bitte zu mir.“

„Sofort, Sir.“ Die Chefsekretärin ließ kritisch ihre Augen über Ellies blasses Gesicht wandern. „Sie werden die Analyse von Changhun Steel noch einmal überarbeiten und das Ganze in Dollarwerten angeben.“ Als Ellie sich nicht rührte, fuhr sie sie scharf an: „Nun machen Sie schon, Mädchen.“

„Nein.“

Mrs. Alvarez, schon halb beim Chefbüro, drehte sich ungläubig wieder um. „Wie bitte?“

Innerlich zitternd, aber entschlossen hielt Ellie dem vernichtenden Blick der anderen stand. „Ich muss zu ihm.“

Die Chefsekretärin war fassungslos über so viel Dreistigkeit. „Ganz bestimmt nicht!“ Als Ellie auf die Tür zusteuerte, stellte sie sich ihr in den Weg. „Das ist der allerletzte Tropfen“, zischelte sie wütend. „Was immer Sie sich mit Ihrer Arbeit verdient zu haben glauben, mir reicht es mit Ihrer Inkompetenz! Mit Ihrer Unverschämtheit. Räumen Sie Ihren Schreibtisch aus. Sie sind gefeuert!“

Die Verzweiflung gab ihr den Mut, sich an Mrs. Alvarez vorbeizuschieben.

Diogo Serrador hatte eine höllische Woche hinter sich.

Nach einem Jahr konstanter Verhandlungen und Millionen von investierten Dollar war die Übernahme von Trock Nickel Ltd. gescheitert.

Weil er seinen besten Verbündeten im Aufsichtsrat verloren hatte.

Weil seine Junior-Chefsekretärin das falsche Datum aufgeschrieben und er so ein entscheidendes Meeting verpasst hatte.

Es war der aktuellste in einer endlosen Serie von Fehlern. In den letzten Wochen war Ellie Jensens Arbeitsleistung rapide auf ein geradezu lachhaftes Niveau gesunken. Sie kam zu spät, dafür ging sie früher. Sie nahm endlose Mittagspausen und versteckte sich mehrmals täglich auf der Damentoilette.

Heulte dort wahrscheinlich.

Unter angehaltenem Atem fluchend, stand Diogo von seinem Schreibtisch auf und stellte sich an die Fensterfront seines Büros. Die Skyline von Manhattan breitete sich vor ihm aus, von hier hatte er freien Blick auf den Hafen und die Freiheitsstatue. Er legte die Stirn an das kühle Glas.

Trotz Miss Jensens fehlender Erfahrung hatte er sie eingestellt – auf die Empfehlung seines ehemaligen Senioranwalts hin. Und sie hatte ihre Arbeit gut gemacht; so gut, dass er sie auf die Geschäftsreise nach Rio mitgenommen hatte, als Mrs. Alvarez krankgeschrieben war. Ellie Jensen war auf dem besten Wege gewesen, eine wertvolle Mitarbeiterin seiner Firma zu werden.

Wirklich schade, dass er den Fehler gemacht hatte, sie zu verführen.

Diogos Miene verfinsterte sich. Verflucht, er hätte sie nie mit nach Rio nehmen sollen. Er hätte sie noch vor Weihnachten feuern sollen, zusammen mit seinem niederträchtigen Senioranwalt. Wie konnte man einer Frau trauen, die mit Timothy Wright befreundet war? Aber sein Gewissen hatte nicht zugelassen, dass er sie entließ. Weil es nicht fair gewesen wäre.

Und vielleicht auch, weil es ihm gefiel, sie im Büro um sich zu haben. Weil sie anders war als seine meisten anderen Sekretärinnen – immer fröhlich, immer nett. An dem Firmenklatsch hatte sie sich nie beteiligt. Sie hatte das Büro irgendwie heller, freundlicher gemacht.

Bis er mit ihr geschlafen hatte.

Er hatte gewusst, dass sie vom Lande kam. Aber da sie immerhin vierundzwanzig war, wäre ihm nie in Sinn gekommen, dass sie auch noch Jungfrau sein könnte. Hätte er es vorher gewusst, hätte er sie nicht angerührt. Jungfrauen waren nichts für ihn. Die nahmen Sex viel zu ernst. Für sie war Sex der Anfang einer festen Beziehung.

Aber Ellie Jensen war so süß gewesen. Mit ihren dunkelblauen Augen, dem hellblonden Haar und einer Figur, mit der sie für Schwimmmoden Reklame machen könnte, hatte er angenommen, sie sei erfahren. Er hatte sich von der Stimmung beim Karneval in Rio mitreißen lassen, hatte impulsiv gehandelt. Oh ja, es war eine tolle Nacht gewesen … Sein Körper reagierte allein bei der Erinnerung.

Nein, das Kapitel war zu Ende. Es gab viele schöne Frauen auf der Welt, und er hatte kein Interesse daran, unschuldige Herzen zu brechen. Oder naive Farmerstöchter zu ermutigen, sich einzubilden, sie wären diejenigen, die ihn zähmen könnten.

Er hörte den Aufruhr vor seiner Tür, und dann flog sie auch schon auf. Doch anstatt seine Chefsekretärin zu sehen, bereit zum Diktat, stand dort das Joch seines Lebens. Die Frau, deren Schönheit und Unschuld ihn einen Millionen-Dollar-Deal gekostet hatte.

„Ich muss mit dir reden!“ Während sie die Worte ausstieß, wehrte sie sich gegen Mrs. Alvarez.

„Miss Jensen“, meinte er schneidend, dann hielt er inne. Was war aus seiner adretten, heiteren Junior-Chefsekretärin geworden? Das Haar hatte sie achtlos in einem Pferdeschwanz zusammengefasst, unter ihren Augen lagen Ringe, als hätte sie nächtelang nicht geschlafen. Sie war weiß wie ein Laken, und das seltsame Kleid, das sie da trug, ließ sie aussehen, als hätte sie über Nacht zehn Kilo zugenommen.

Diogo seufzte still. Das Mädchen war mit Sicherheit hier, um ihm ihre Liebe zu erklären. Genau das, was er zu vermeiden versucht hatte. Natürlich hätte er gern mehr Zeit mit ihr verbracht als nur diese eine Nacht, doch das hatte er sich versagt. Er hatte sie bewusst ignoriert, in der Hoffnung, dass sie den Wink verstehen würde. Es gab keine Zukunft für sie. Und es war ihm schwergefallen. Ziemlich oft, wenn er sie an ihrem Schreibtisch hatte sitzen sehen, hätte er sie am liebsten in sein Büro gezerrt, die Tür abgeschlossen und sie an die Wand gedrückt, auf seinen Schreibtisch gelegt, auf sein Sofa geworfen und sie geliebt. Aber er hatte sich zurückgehalten. Er hatte versucht, anständig zu sein.

Und das war jetzt nun das Resultat. Drei Monate ohne eine Frau in seinem Bett und ein geplatzter Multi-Millionen-Dollar-Deal.

„Es tut mir leid, Sir.“ Mrs. Alvarez zerrte an Ellies Ärmel. „Ich habe versucht, sie aufzuhalten, aber …“

„Lassen Sie uns allein, Mrs. Alvarez.“

Der Chefsekretärin stand verblüfft der Mund offen. „Aber Sir …“

Ein Blick von Diogo reichte aus, dass sie das Büro ihres Chefs verließ und die Tür hinter sich zuzog.

Er stützte die Fingerspitzen auf die Schreibtischplatte. „Setzen Sie sich, Miss Jensen.“

Trotzig rührte sie sich nicht von der Stelle, verschränkte stattdessen die Arme vor der Brust. „Meinst du nicht, du solltest mich Ellie nennen?“

Ellie? So unprofessionell würde er nie sein, eine seiner Angestellten mit dem Vornamen anzusprechen. Mrs. Alvarez arbeitete jetzt seit über zehn Jahren für ihn, und er würde nie auf die Idee kommen, sie Carmen zu nennen. Allerdings hatte er auch nicht beim Karneval in Rio mit ihr eine wilde, leidenschaftliche Nacht verbracht …

„Setzen Sie sich“, wiederholte er, und dieses Mal gehorchte sie. Sie schlang die Arme um sich und sah entsetzlich unglücklich aus, richtig krank. Er fühlte sich schuldig und ärgerte sich darüber. Maldição, er hatte doch nicht gewusst, dass sie noch unberührt gewesen war! Sonst hätte er sie in Ruhe gelassen!

Nun, er war auf Abstand zu ihr gegangen, was sie offensichtlich nicht verstanden hatte. Er musste es erst deutlich und unmissverständlich aussprechen, dass er nicht vorhatte, sich auf eine Beziehung einzulassen. Mit keiner Frau, ganz gleich, wie süß oder wie gut im Bett sie auch sein mochte. Mit etwas Glück würde sie es akzeptieren, sich zusammenreißen und wieder die kompetente Sekretärin werden. Obwohl … jeden anderen, dessen Fehler ihn einen Millionendeal gekostet hätte, würde er fristlos entlassen. Doch Ellie konnte er das nicht antun, nicht, wenn er aus einer impulsiven Laune heraus das wahrscheinlich einzige unschuldige Mädchen in ganz New York verführt hatte.

„Worüber möchten Sie denn mit mir reden, Miss Jensen? Was ist so wichtig, dass Sie sich einen Ringkampf mit Mrs. Alvarez liefern?“

Ellie schluckte. „Ich muss dir etwas mitteilen.“

„Ja?“ Er wappnete sich für ein tränenreiches Liebesgeständnis oder dass sie zusammenziehen sollten, irgendeinen Unsinn in der Art. Er hatte das schon so oft mitgemacht.

Stattdessen sagte sie: „Ich verlasse dich.“ Sie holte einmal tief Luft. „Ich kündige. Mit sofortiger Wirkung.“

Diogo war erleichtert … und dann spürte er Bedauern.

Bedauern? Lächerlich. Er war einfach nur überrascht, mehr nicht. Dennoch …

Er ließ sich auf seinem Stuhl nieder. „Tut mir leid, das zu hören. Aber ich verstehe es. Ich werde Ihnen ein Empfehlungsschreiben mitgeben, damit Sie sich bei anderen Firmen bewerben können.“

„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich brauche deine Empfehlung nicht. Ich werde heiraten.“

Seltsam, aber plötzlich hatte er einen Eisklumpen in der Brust sitzen. „Heiraten? Wann?“

„Heute Nachmittag.“

So bald schon? „Das ging aber schnell.“

„Ich weiß.“

All die Monate … Sie war gar nicht vor Liebeskummer um ihn umgekommen. Er hatte Ellie also gar nicht verletzt. Sie war wegen einer neuen heißen Romanze so abgelenkt. Diogo sollte froh sein.

Stattdessen flammte kalte Wut in ihm auf. Völlig grundlos hatte er das Bedürfnis, dem Mann, der jetzt bald jede Nacht neben Ellie Jensen im Bett liegen und ihren Körper besitzen konnte, einen Faustschlag zu versetzen. „Wer ist denn der Glückliche?“, fragte er gepresst.

Sie setzte sich gerader auf. „Interessiert dich das?“

Seine Miene wurde hart. „Nein.“

„Sicher, warum auch.“ Selbstvergessen nickte sie. „Frauen sind beliebig austauschbar für dich. Nützlich, wenn es darum geht, deinen Terminkalender zu führen, dir Kaffee zu bringen oder dir das Bett zu wärmen.“

Sein Bett wärmen? Wäre es nach ihm gegangen, so hätte sie das die gesamten vergangenen drei Monate getan. Und wieso hatte er sie nicht einfach dorthin geholt? Es hatte irgendetwas mit Anständigsein zu tun gehabt. Im Stillen fluchte er. Er hätte sich mit ihr amüsieren sollen, jetzt war die Gelegenheit vorbei.

Und offensichtlich war er leicht ersetzbar!

Diogo war noch nie von einer Frau verlassen worden. Das war also die Belohnung dafür, dass er Anstand bewiesen hatte? Mit ansehen zu müssen, wie ein anderer Mann triumphierte?

„Nützlich, Miss Jensen?“ Nur mühsam hielt er seine Wut im Zaum. „Wohl kaum. Ihre Liebesangelegenheiten haben mich soeben den Trock-Deal gekostet.“

„Ich sagte bereits, du sollst mich Ellie nennen, und ich bin auch noch nicht fertig.“

Er gratulierte sich zu seiner Geduld, er kam sich vor wie ein Heiliger.

Langsam stand sie auf. Ihre Augen schimmerten tränenfeucht. „Es tut mir leid wegen des geplatzten Deals. Aber da gibt es etwas, das du wissen musst.“ Sie sprach so leise, dass er sie kaum verstehen konnte. „Ich … ich bekomme ein Baby.“

Die Kälte breitete sich aus, kroch ihm ins Mark. Ellie war schwanger. Mit dem Kind eines anderen Mannes.

Er hielt den Atem an. Die Stimme einer Frau, eine Stimme aus der Vergangenheit, hallte in seinem Kopf wider. Wirst du mich heiraten, Diogo? Wirst du? flehte die Frau auf Portugiesisch. Und dann die Stimme eines Mannes, in derselben Sprache: Es tut mir leid, senhor, sie ist tot. Erschlagen …

„Diogo?“

Jetzt war es Ellies Stimme, die ihn zurück in die Gegenwart brachte. Sie war schwanger. Nun, das erklärte die Gewichtszunahme und die Blässe und die häufigen Aufenthalte auf der Damentoilette. Sie hatte sich nicht wegen einer unerwiderten Liebe die Augen aus dem Kopf geheult. Es war banale morgendliche Übelkeit.

Während er seit der Rückkehr aus Rio wie ein Mönch gelebt, wie ein Besessener gearbeitet und sich Vorwürfe gemacht hatte, einem süßen, unschuldigen Ding die Unschuld geraubt zu haben, da war sie nonchalant in das Bett des nächsten Mannes gekrochen.

Und jetzt war sie schwanger.

Und heiratete in aller Eile.

Plötzlich sah er die ganze Situation in einem anderen Licht. „Das ist wirklich eine clevere Show, die du da abziehst.“ Er lächelte schmal. „Dir muss rasch klar geworden sein, dass du bei mir nicht weiterkommst, also bist du zum Nächsten weitergewandert und bist dann auch rein zufällig schwanger geworden, was? Ich nehme an, er ist reich? Herzlichen Glückwunsch.“

Ellie sah ihn schockiert an, ihre Augen riesengroß und aufgewühlt wie der Atlantik während eines Sturms. „Du glaubst, ich sei absichtlich schwanger geworden?“, wisperte sie entsetzt. „Um einen Mann zur Heirat zu zwingen?“

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