Julia Exklusiv Band 398

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DER MILLIARDÄR UND DIE BRAUT von MELANIE MILBURNE

Nicoló Sabbatini stammt nicht nur aus einer der reichsten Dynastien Europas, er gilt zudem geschäftlich als unerbittlich – und bei Frauen als unbezähmbar. Umso wütender macht ihn das Testament seines Großvaters: Nicoló erbt nur, wenn er Jade Sommerville heiratet …

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  • Erscheinungstag 31.01.2026
  • Bandnummer 398
  • ISBN / Artikelnummer 9783751541275
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Melanie Milburne, Angela Bissell, Scarlet Wilson

JULIA EXKLUSIV BAND 398

Melanie Milburne

1. KAPITEL

„Da ist eine Jade Sommerville, die Sie sprechen möchte, Signor Sabbatini“, verkündete Nics Sekretärin Gina, als sie ihm seinen allmorgendlichen Kaffee brachte. „Sie will das Gebäude nicht verlassen, bevor sie nicht ihren Termin bei Ihnen bekommen hat.“

Nic sah nicht einmal von der Grundstücksliste hoch, die über seinen Computerbildschirm flimmerte. „Dann soll sie einen offiziellen Termin vereinbaren wie jeder andere auch“, brummte er und grinste in sich hinein, während er sich vorstellte, wie Jade sich im Empfangsbereich die Beine in den Bauch stand. Typisch für sie, einfach nach Rom zu fliegen und davon auszugehen, dass sich jeder nach ihren Wünschen richtet. Als besäße sie ein angeborenes recht dazu, immer und überall ihren Willen durchzusetzen.

„Ich fürchte, sie meint es ernst“, wand Gina ein. „Um ehrlich zu sein, glaube ich sogar …“

Die Tür flog auf und knallte krachend gegen die Wand. „Bitte lassen Sie uns allein, Gina“, verlangte Jade mit einem aufgesetzten Lächeln. „Nic und ich haben einige private Dinge zu besprechen.“

Besorgt starrte Gina ihren Vorgesetzten an. „Schon gut, Gina“, sagte dieser bereitwillig. „Es wird ohnehin nicht lange dauern. Halten Sie Anrufer fern, und sorgen Sie dafür, dass wir unter keinen Umständen gestört werden!“

„Si, Signor Sabbatini.“ Betont leise schloss die Sekretärin die Bürotür hinter sich.

Nic lehnte sich in seinem Schreibtischsessel zurück und betrachtete die schwarzhaarige Sirene vor sich. Ihre grünen Augen glitzerten vor Wut, und auf ihrer hellen Alabasterhaut zeichneten sich rote Flecken ab.

Ihre zarten Hände hatte sie zu Fäusten geballt, und die runden, sexy Brüste – die Nic schon einige Jahre zuvor heimlich bewundert hatte – bebten bei jedem Atemzug. „Nun, Jade? Was verschlägt dich in diese Gegend?“, fragte er und lächelte träge.

Ihre Katzenaugen wurden noch schmaler. „Du Bastard!“, fuhr sie ihn an. „Ich wette, du hast ihn auf diese Wahnsinnsidee gebracht, oder? Das ist doch genau deine Handschrift!“

Er hob eine Augenbraue. „Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon du sprichst. Wen habe ich wozu gebracht?“

Jade stellte sich direkt vor seinen Tisch und schlug mit einer Hand auf die lederne Schreibunterlage. „Mein Vater streicht mir die Bezüge. Er hat meinen Treuhandfond aufgelöst und rückt keinen Penny mehr raus. Und das ist alles deine Schuld!“

Für einen kurzen Moment gestattete Nic sich das Gefühl von Triumph und Genugtuung. Und er stahl sich einen verbotenen Blick in ihr Dekolleté, als sie sich vorbeugte. So nah war er ihrem erotischen Körper nicht mehr gekommen, seit … seit Jades sechzehntem Geburtstag!

Genüsslich atmete Nic den exotischen Duft ein, der Jade umgab. Eine Mischung aus Jasmin, Orangenblüten und noch etwas Undefinierbarem, die wunderbar zu ihr passte. Dann widmete er sich seelenruhig wieder dem Feuerwerk in ihren Augen. „Man kann mir vieles vorwerfen, aber mit dieser einen Sache habe ich tatsächlich nichts zu tun. Ich habe schon seit Jahren nicht mehr mit deinem Vater gesprochen.“

„Das glaube ich dir nicht“, zischte sie und richtete sich wieder auf.

Dann verschränkte sie die Arme, was Nic einen noch direkteren Blick auf ihre grandiosen Brüste gewährte. Er spürte ein plötzliches Verlangen, das ihn grundsätzlich in Jades Gegenwart erfasste. Dieses Phänomen störte Nic extrem!

Er hatte nichts gegen One-Night-Stands, aber irgendetwas hielt ihn davon ab, Jade dafür ernsthaft in Betracht zu ziehen. Außerdem war ihr liederliches Verhalten hinreichend bekannt. Erst vor Kurzem war ihr skandalöses Privatleben Thema in den Medien gewesen. Angeblich hatte sie sich auf einen verheirateten Mann eingelassen und damit eine junge Familie zerstört.

Nic fragte sich ernsthaft, wie viele Männer wohl schon das Vergnügen hatten, mit ihr zu schlafen. Jade war eine richtige Hexe, die sich nahm, was und wen sie wollte, und die überall im Mittelpunkt stehen musste.

„Nun?“ Sie stemmte beide Hände auf ihre schmalen Hüften. „Willst du gar nichts dazu sagen?“

Mit einem goldenen Stift klopfte er ein paar Mal auf die Schreibunterlage. „Was soll ich denn dazu sagen?“

Wütend pfiff sie durch die Zähne. „Spielst du jetzt absichtlich den Begriffsstutzigen? Du weißt genau, was wir tun müssen. Du wusstest es schon seit Monaten. Und jetzt haben wir nur noch vier Wochen Zeit, um eine Entscheidung zu treffen, sonst ist all das Geld verloren.“

Der Gedanke an den letzten Willen seines Großvaters weckte Nics eigenen Unmut. Monatelang hatte er nach einem Ausweg aus dem Dilemma gesucht, gemeinsam mit einem Heer von Rechtsexperten, war aber zu keinem Ergebnis gekommen. Das Testament war absolut wasserdicht.

Wenn Nic Jade nicht bis zum ersten Mai heiratete, war ein Drittel des Familienvermögens der Sabbatinis für immer verloren. Immerhin blieb ihnen noch ein Monat Zeit, und Nic würde sich von Jade nicht manipulieren lassen, damit alles nach ihrer Nase ging. Wenn er sie wirklich heiraten musste – und momentan sprach alles dafür – dann nur zu seinen eigenen Bedingungen.

„Also“, begann er gedehnt und machte mit seinem Schreibtischsessel eine schwungvolle Vierteldrehung zur Seite. „Du möchtest mich demnach als Ehemann haben, Jade?“

In ihrer Aufgekratztheit wirkte sie auf ihn wie eine Wildkatze. „Aber nur auf dem Papier. Ich will dieses Geld. Es wurde mir hinterlassen, und mir ist egal, ob ich dafür durch einen Reifen oder sonst etwas springen muss! Ich lasse es mir nicht mehr wegnehmen.“

Nic grinste. „Wie ich das sehe, cara, bin ich derjenige, der dir dabei Steine in den Weg legen könnte.“

Mit schnellen Schritten kam sie um den Tisch herum, packte die Rückenlehne seines Stuhls und drehte ihn so, dass sie Nic direkt ansehen musste. Jade stand zwischen seinen geöffneten Schenkeln, und ihr warmer Vanilleduft umfing ihn. Ja, das war es. Jasmin, Orangenblüten und Vanille. Sie stach ihm mit einem perfekt manikürten Finger in die Brust, und Nic war noch nie in seinem Leben so heiß auf eine Frau gewesen.

„Du wirst mich heiraten, Nicoló Sabbatini!“, verlangte sie und betonte dabei jedes einzelne Wort.

Gelassen hielt er ihrem giftgrünen Blick stand. „Sonst was?“

Ihre Augen weiteten sich, und die stark geschminkten, schwarzen Wimpern erreichten beinahe den schmalen geschwungenen Bogen ihrer Brauen. Mit der Zunge fuhr sie sich über die Lippen und brachte damit das einladende Rosa zum Glänzen – was einen neuen Lustschauer durchs Nics Körper schickte.

Nic packte Jades Hand, bevor sie sich ihm entziehen konnte. „Du fängst das alles ganz falsch an, cara“, sagte er und zog sie etwas weiter zwischen seine Schenkel. „Warum wendest du nicht deinen unnachahmlichen Charme an, anstatt dich wie eine gefangene Raubkatze zu gebärden? Wer weiß, wozu du mich so überreden könntest?“

„Lass mich los!“, befahl sie ihm barsch und biss die Zähne aufeinander.

Spöttisch lächelte er. „Das klang aber noch ganz anders, als du sechzehn warst.“

Die roten Flecken auf ihren Wangen färbten sich noch eine Nuance dunkler, was gar nicht zu ihrer schnippischen Antwort passte. „Du hast deine Chance vertan, Italoboy. Der Preis ging stattdessen an deinen besten Freund. Er war zwar nicht der Beste, den ich hatte, aber zumindest der Erste.“

Es fiel Nic mit einem Mal schwer, ruhig weiterzuatmen, so heftig traf ihn eine eiskalte Welle von Frust und Hass. Andererseits wusste er, dass Jade ihn absichtlich provozierte. Das tat sie schon, seit sie sich kannten. Und auch ihre Gewohnheit, sich mit Sex ihren Willen zu erschleichen, war nicht neu.

Aber Nic hatte sich damals wie ein Ehrenmann verhalten und Jades Avancen entschieden abgewehrt. Schließlich waren sie nicht mehr gewesen als die Versuche eines jungen, unreifen Mädchens, Aufmerksamkeit zu bekommen. Und er hatte ihr einen Vortrag über ihr freizügiges Benehmen gehalten, woraufhin sie einfach einen seiner engsten Freunde verführte, nur um am Ende recht zu behalten.

Die Freundschaft zwischen Nic und seinem Kumpel war dahin, ebenso wie Nics Respekt gegenüber Jade. Er hatte dem Mädchen eine echte Chance geben wollen. Doch sie war entschlossen, ihr Leben genauso in den Dreck zu werfen, wie ihre unmoralische Mutter es getan hatte, als Jade noch sehr jung gewesen war.

„Du gibst mir die Schuld, wenn dein Vater dir Bezüge streicht?“, begann Nic. „Meinst du nicht, es könnte auch etwas mit der skandalträchtigen Affäre zwischen dir und Richard McCormack zu tun haben?“

Jade löste ihr Handgelenk aus seiner Umklammerung und rieb es mit übertriebener Sorgfalt. „Das war nichts weiter als eine Zeitungsente. Er wollte etwas von mir, und ich hatte kein Interesse.“

Nic schnaubte nur verächtlich. „Mir scheint es, als wärst du immer interessiert. Du bist doch der klassische Männertraum. Ein wildes Partygirl, das um jeden Preis im Mittelpunkt stehen will.“

„Und das ausgerechnet von dir“, erwiderte sie voller Sarkasmus. „Du hast dich mit mehr Frauen herumgetrieben als jeder andere Mann, den ich kenne.“

Mit einem überheblichen Grinsen legte er den Kopf schief, weil er wusste, dass Jade diese Geste hassen würde. „Ja, das will ich gar nicht abstreiten. Ein typischer Fall von Doppelmoral, aber so ist das eben in dieser Welt. Kein echter Kerl will ein Flittchen zur Frau haben.“

Missbilligend runzelte sie die Stirn. „Soll das heißen, du kehrst deinem Erbe den Rücken zu?“

Gleichgültig hob er die Schultern. „Ist doch schließlich nur Geld.“

„Aber es ist ein Vermögen!“

„Für dich vielleicht, aber ich war schon immer reich.“ Ihm gefiel es, mit ihrem Temperament zu spielen, das sie so mühsam unter Kontrolle zu halten versuchte. „In zwei Jahren kann ich das Doppelte verdienen, wenn ich mich anstrenge.“

Ihre Miene verfinsterte sich. „Aber was ist mit deinen Brüdern? Sind ihre Unternehmensanteile nicht in Gefahr, wenn sich eine unbekannte dritte Partei einschaltet?“

„Falls das geschieht, kann ich es auch nicht ändern. Ich würde es mir nicht wünschen, aber ich kann mein Privatleben auch nicht der wahnwitzigen Fantasie eines alten Mannes opfern.“

Ganz offensichtlich stand Jade kurz vor einem weiteren Wutausbruch. „Es geht hier nicht nur um dich, sondern auch um mich! Ich brauche dieses Geld dringend!“

Zufrieden lehnte Nic sich zurück, streckte die Beine aus und kreuzte die Knöchel. „Dann geh los und suche dir einen vernünftigen Job“, schlug er vor. „Das machen andere Leute auch, die nicht in reiche Verhältnisse hineingeboren wurden. Vielleicht gefällt es dir ja sogar. Auf jeden Fall wäre es eine Abwechslung zu deinem üblichen Alltag, der sich nur um Friseurtermine und Maniküre dreht.“

Ihr Blick hätte töten können. „Ich will keinen Job“, sagte sie schlicht. „Ich will dieses Geld, weil dein Großvater, mein Patenonkel, es mir gegeben hat. Er wollte, dass ich es habe. Bevor er starb, sagte er zu mir, er würde immer für mich da sein.“

„Ich stimme zu, er wollte dir dieses Geld tatsächlich geben. Er hatte schon immer eine Schwäche für dich, weiß der Himmel warum, aber so war es nun einmal. Allerdings wollte er auch mich dazu bringen, in seinem Sinne zu handeln, und dafür gebe ich mich nicht her.“

Mit zusammengepressten Lippen marschierte Jade auf und ab. Nic beobachtete ihre wachsende Unruhe mit Genugtuung. Ohne den großzügigen Unterhalt ihres Vaters war sie finanziell aufgeschmissen. Nic wusste, dass Jade über keinerlei Ersparnisse verfügte. Sie lebte von einem Kredit und erwartete von ihrem Vater, Monat für Monat die Abzahlungen zu leisten.

Jade hatte noch nie in ihrem Leben gearbeitet, sie besaß nicht einmal einen vernünftigen Schulabschluss. Sie war von drei verschiedenen englischen Privatschulen geflogen und verließ die vierte freiwillig eine Woche vor den Abschlussprüfungen. Seitdem brachte sie sich regelmäßig in ernsthafte Schwierigkeiten.

Schließlich blieb Jade vor Nic stehen und setzte ein lammfrommes Gesicht auf. „Bitte, Nic“, jammerte sie. „Bitte tu diese eine Sache für mich! Ich flehe dich an.“

Er atmete zögernd durch. Dieses Frauenzimmer war wirklich eine gefährliche Hexe. Nic spürte förmlich, wie ihre verführerischen Tentakeln ihn unsichtbar umsponnen und seinen eigenen Willen erstickten. Ihm wurde heiß und kalt zugleich.

Ein ganzes Jahr verheiratet sein. Zwölf lange Monate sollten sie als Mann und Frau leben, um sich ein Vermögen zu sichern. Zum Glück hatte die Presse bisher keinen Wind von dieser Klausel bekommen, und so wollte Nic es weiterhin halten. Es wäre eine unerträgliche öffentliche Schande, wenn man herausfände, wie unrühmlich er zum Altar geschleift wurde.

Jade hatte recht. Es handelte sich um sehr viel Geld, und Nic hatte schamlos übertrieben, als er behauptete, in kurzer Zeit selbst so viel verdienen zu können. Zudem machte er sich ernsthaft Sorgen um einen möglichen dritten Anteilseigner im Unternehmen. Seine Brüder hatten sich grundsätzlich extrem fair verhalten und ihn niemals wirklich unter Druck gesetzt. Doch Nic wusste, dass sich Giorgio als Hauptverantwortlicher für die Finanzen der Firma große Sorgen um die wachsende Instabilität des europäischen Marktes machte.

Dies war Nics einmalige Chance, seiner Familie und auch den Medien zu beweisen, dass mehr als nur ein egozentrischer Lebemann in ihm steckte. Er könnte dieses eine Opfer bringen und damit den Familienkonzern absichern. Und nach einem Jahr tat er dann, was er am besten konnte: Er löste sich so schnell es ging von allen emotionalen Verwicklungen. Dann war er frei und konnte wieder unbeschwert die Welt bereisen, um Risiken einzugehen, vor denen andere Menschen zurückscheuten. Und sein Ruf wäre trotzdem rehabilitiert.

Adrenalin schoss durch seine Adern. Eine euphorische Energie, die er zu recht vor dieser millionenschweren geschäftlichen Abwicklung verspürte.

Er würde sich den testamentarischen Bedingungen seines Großvaters fügen, aber nicht, weil Jade es von ihm verlangte. Niemand sagte ihm jemals, was er zu tun hatte.

Mit Schwung stieß Nic sich vom Tisch ab und stand auf. „Wir müssen ein anderes Mal weiter darüber sprechen“, schloss er. „Ich muss nach Venedig und mir dort eine Villa ansehen, die ganz neu auf den Markt kommt. Deshalb bin ich für ein paar Tage nicht in der Stadt. Aber ich rufe dich an, sobald ich wieder zurück bin.“

Verwundert blinzelte sie ein paar Mal, so als hätte sie nicht mit dieser Antwort gerechnet. Doch sie hatte sich schnell wieder gefasst. „Du lässt mich demnach auf deine Antwort warten?“

Er lachte spöttisch. „Das nennt man Belohnungsaufschub, cara. Hat dir denn noch niemand beigebracht, dass es am Ende ausgesprochen befriedigend sein kann, länger auf etwas zu warten?“

„Das wirst du mir büßen, Nic Sabbatini“, versprach sie bitter. Dann stolzierte sie zu der Ecke, wo sie zuvor ihre Designerhandtasche hatte fallen lassen, und warf sich das gute Stück über die Schulter. Nach einem letzten finsteren Blick auf Nic ging sie mit den Worten: „Darauf kannst du dich verlassen.“

2. KAPITEL

Jade erreichte das Hotel in Venedig um fünf Uhr nachmittags. Von einem Paparazzo hatte sie erfahren, dass Nic dort direkt am Canal Grande eingecheckt hat. Und sie war mit ihrer detektivischen Arbeit recht zufrieden. Eine zuverlässige Quelle hatte ihr verraten, Nic würde sich bis circa acht Uhr abends in einem Meeting befinden und anschließend für eine Massage und Dinner ins Hotel zurückkehren. Allerdings wusste Jade nicht, ob er allein essen würde oder sich eine Begleitung aus dem Heer seiner Bewunderinnen ausgesucht hatte.

Um Nic schwirrten ständig Frauen herum. Und zu ihrer unendlichen Schande musste Jade gestehen, dass sie selbst einst eine von ihnen gewesen war. Sein Korb von damals, als sie sechzehn Jahre alt und unsterblich in ihn verliebt war, setzte ihr noch heute zu. Natürlich war sie selbst schuld, nachdem sie sich ihm so willig an den Hals geworfen hatte. Trotzdem machte sie ihn zum Teil für ihr fürchterliches erstes Mal mitverantwortlich, obwohl sie das noch nie laut ausgesprochen hatte.

Nicht einmal der Mann, an den sie ihre Jungfräulichkeit verlor, ahnte, was für ein Martyrium diese Erfahrung für sie gewesen ist. Jade konnte sich eben gut verstellen. Irreführung war ihr zweiter Vorname.

Oder er wäre es, wenn ich ihn buchstabieren könnte, dachte sie trocken.

Jade strahlte den Concierge am Empfang an und klimperte mit den Wimpern, wie sie es immer tat, wenn sie etwas von einem Mann wollte. Diese Kunst hatte sie über die Jahre regelrecht perfektioniert. „Scusi, signor. Ich möchte mich hier mit meinem Verlobten treffen, Signor Nicoló Sabbatini. Es soll eine große … wie sagt man das am besten auf Italienisch … eine riesengroße Überraschung sein!“

Der Mann schenkte ihr ein vertrauliches Lächeln. „Si, signorina, ich verstehe schon. Eine sorpresa. Aber ich wusste gar nicht, dass Signor Sabbatini verlobt ist. In den Zeitungen stand nichts darüber, da bin ich mir sicher.“

Das wird nicht lange auf sich warten lassen, überlegte Jade mit einem selbstzufriedenen Grinsen. „Si, signor. Es ging alles sehr schnell, und Sie wissen ja auch, wie sehr die Sabbatini-Brüder jede Einmischung durch die Presse missbilligen.“ Sie holte ein Foto von sich und Nic hervor, das auf der Beerdigung seines Großvaters aufgenommen worden war. Es wirkte zwar nicht sonderlich intim, aber zumindest zeigte es, wie Nic ihr direkt vor dem Trauergottesdienst etwas ins Ohr flüsterte.

Lächelnd zeigte Jade dem Concierge das Bild. „Wie Sie sehen, lassen uns die Reporter wirklich zu keinem Zeitpunkt in Ruhe. Deshalb möchten wir diese kostbare Zeit hier auch noch ganz allein genießen, bevor die ganze Welt von unserer bevorstehenden Hochzeit erfährt. Ich weiß Ihre Kooperation wirklich zu schätzen, genau wie mein zukünftiger Mann.“

„Aber natürlich, es ist mir ein Vergnügen, signorina“, antwortete er und reichte ihr ein Formular zum Ausfüllen. „Sind Sie bitte so freundlich und füllen dies hier aus? Wir brauchen Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse für unsere Unterlagen.“

Ein vertrautes Gefühl der Panik befiel Jade, wie üblich in einer Situation wie dieser. Ihr Magen begann zu flattern, und in ihrer Brust wurde es unangenehm eng. Jade holte tief Luft und setzte ein Megawatt-Lächeln auf. „Es tut mir leid, signor, aber ich habe für den Flug meine Kontaktlinsen herausgenommen“, erklärte sie mit scheinbar aufrichtigem Bedauern. „Sie befinden sich jetzt irgendwo in meinem Gepäck vergraben. Ohne sie bin ich praktisch blind, und ich hasse es mehr als alles andere, Brillen zu tragen. Sie sind hässlich, finden Sie nicht auch? Wären Sie so lieb, meine Daten direkt in Ihren Computer einzugeben?“

Der Mann lächelte bereitwillig. „Aber sicher, signorina“, entgegnete er, und seine schlanken Finger bewegten sich mit geübtem Geschick über die Tastatur.

„Das ist ausgesprochen freundlich von Ihnen.“ Sie diktierte ihm ihre Daten und nahm die Schlüsselkarte entgegen.

„Signor Sabbatini bewohnt die Penthousesuite im Obergeschoss. Ich werde Ihr Gepäck sofort hinaufbringen lassen.“

Grazie, signor. Aber ich hätte da noch eine Bitte.“ Vertraulich kam sie ihm näher. „Könnten Sie der Masseurin absagen, die für acht Uhr bestellt wurde? Ich werde mich höchst persönlich um meinen zukünftigen Gatten kümmern. Das wird ihm besser gefallen, si?“

Der Concierge grinste wissend. „Si, signorina. Das wird es ganz sicher!“

Frohen Mutes spazierte Jade zum Fahrstuhl und lächelte ihr Spiegelbild an, während sich die Türen hinter ihr lautlos schlossen. Sie trug ihr hübschestes und auffälligstes Outfit: ein schwarzes, sündhaft kurzes Schwarzes, eng anliegend und tief ausgeschnitten, mit eleganten High Heels und teuren Juwelen.

Nachdem sie die Suite gefunden hatten, bestellte sie eine Flasche Champagner und legte sich einen Schlachtplan zurecht. Jetzt war es wichtig, alle Sinne beisammen zu halten, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Natürlich würde Nic außer sich sein, aber das geschah ihm als Rache für seine Dickköpfigkeit ganz recht.

Kein Wunder, dass er als Milliardär die Ruhe weg hat, überlegte Jade. Aber wie soll ich bitte ohne meinen Treuhandfond über die Runden kommen?

Schließlich konnte sie nicht einfach losmarschieren und sich eine Arbeit suchen, wie er es vorgeschlagen hatte. Wer würde sie denn schon einstellen?

Nachdenklich sah sie durch das riesige Fenster hinunter zu den umhereilenden Touristen. Das Netzwerk der kleinen Kanäle in dieser Stadt sah von oben genauso aus wie auf den Postkarten, die Jade mal gesehen hatte. Selbst das Licht stimmte. Die untergehende Sonne fabrizierte ein Spektrum unterschiedlicher Pastellfarben am Himmel und tauchte die alten Gebäude der Umgebung in zartes Pink, Orange oder Gelb.

Jade wünschte, sie hätte die Zeit, das Panorama zu malen. Ihr kleines provisorisches Atelier in ihrem Londoner Apartment war bis zum Bersten mit ihren Arbeiten vollgestopft. Nicht, dass jemals jemand einen Blick auf die Werke geworfen hätte. Es war ihre ganz private Leidenschaft. Etwas, das niemand als ungebildeten, unkultivierten Schund bezeichnen konnte!

Seufzend ging sie zum Bett hinüber und testete mit den Händen die Festigkeit der Matratze. Ruckartig zog sie die Hände zurück und richtete sich auf, während ihr durch den Kopf ging, mit wie vielen Frauen sich Nic hier wohl schon amüsiert hatte. Schließlich residierte er nicht zum ersten Mal in diesem Hotel …

Wahrscheinlich wusste er es selbst nicht mehr und hatte komplett den Überblick verloren. Und Jade selbst konnte ihre Liebhaber an einer halben Hand abzählen, ganz gleich, wie dreist die Klatschpresse ihre angeblichen Sexeskapaden breittrat. Offen gesagt, fragte Jade sich, warum die ganze Welt wegen dieses Themas Kopf stand. Ihr selbst kam es weniger erstrebenswert vor, überall begrapscht und vollgeschwitzt zu werden. Neckisch und frech zu flirten, war meist kein Problem für sie, vor allem, wenn sie damit ein bestimmtes Ziel verfolgte. Aber mehr?

Der Champagner wurde gebracht, und Jade gab dem jungen Kellner ein Trinkgeld. Dann gönnte sie sich ein Glas, um ihre Nerven zu beruhigen. Die Zeit zog sich quälend langsam dahin, und Jade wollte die Konfrontation mit Nic endlich hinter sich bringen, bevor sie der Mut verließ.

Er hatte sie im Unklaren darüber gelassen, ob er kooperieren würde oder nicht. Aber es war viel zu riskant, die Entscheidung ihm allein zu überlassen. Sie musste ihn überzeugen, sonst würde sie schon bald am Hungertuch nagen. Es machte ihr zwar nichts aus, wenn man sie von Zeit zu Zeit für ein leichtes Mädchen hielt, aber sie würde niemals aus der Not heraus wirklich zu einem werden wollen!

Die Hochzeit mit Nic würde all dies verhindern. Ihre Sorgen wären vom Tisch, und Salvatores Letzter Wille wurde erfüllt. Während des Ehejahres mussten beide Partner absolut treu sein, das war Bedingung. Aber Jade hatte sowieso nicht vor, mit Nic zu schlafen. Schließlich hatte er sie schon einmal verschmäht, und sollte das wieder geschehen, würde sie diese Demütigung ganz sicher nicht verkraften.

Gerade trank sie ihr zweites Glas Champagner, als Nic plötzlich die Suite betrat. Seine haselnussbraunen Augen wurden schmal, als er Jade mit gekreuzten Beinen mitten auf seinem Bett sitzen sah.

„Was, zur Hölle, machst du hier?“, knurrte er missgelaunt.

„Ich feiere unsere Verlobung“, gab sie lächelnd zurück und hob ihr Glas.

Wie vom Donner gerührt blieb er stehen. „Was sagst du da?“, hakte er gedehnt nach.

Jade nahm noch einen großen Schluck und sah Nic durch ihre langen Wimpern hindurch an. „Die Presse weiß schon Bescheid“, fuhr sie dann fort. „Ich habe ihnen ein Exklusivinterview gegeben. Jetzt brauchen sie nur noch ein geeignetes Foto.“

Nics Wut war ihm deutlich anzumerken, man hätte sie beinahe mit beiden Händen greifen können. Instinktiv reagierte Jade mit dem unbändigen Drang nach Flucht. Sie war in ihrem Leben schon geschlagen worden, weil ihr Vater auf diese Weise jede ihrer Frechheiten geahndet hatte. Und obwohl sie wusste, wie schmerzhaft eine schallende Ohrfeige war, verbot ihr ihr Stolz, sich in Sicherheit zu bringen.

Stattdessen sah sie Nic herausfordernd an. „Wenn du mich hinauswirfst, erzähle ich den Journalisten vom Testament deines Großvaters. Und das willst du doch sicherlich nicht, oder?“

„Du widerwärtiges, durchtriebenes Miststück!“

Die Beleidigung prallte an Jade ab. „Worte können mir nicht schaden“, sang sie leise vor sich hin und wiegte den Kopf, bevor sie ihr Glas an die Lippen hob.

Blitzschnell griff Nic danach und zog es ihr aus der Hand. Dabei verschüttete er den Inhalt in ihrem Schoß.

„Du Idiot!“, brauste sie auf. „Das Kleid ist nagelneu, und jetzt hast du es ruiniert.“

Seine Nasenflügel bebten wie bei einem wilden Bullen. „Raus!“, brüllte Nic und zeigte mit ausgestrecktem Arm auf die Tür. „Raus hier, bevor ich dich eigenhändig hinausbefördere!“

Jade warf den Kopf in den Nacken und verdrehte ihren Arm nach hinten, um den Reisverschluss ihres Kleids zu öffnen. „Wenn du mich anrührst, werde ich noch mehr Geheimnisse deiner Familie an die Medien weitergeben“, drohte sie.

„Hast du denn gar keinen Anstand?“

„Jede Menge“, behauptete Jade und wand sich aus ihrem nassen Designerstück.

Er zog die Augenbrauen zusammen. „Was tust du da?“

Achtlos warf sie das nasse Kleidungsstück auf den Boden und stellte sich kerzengerade neben das Bett – nur in schwarzer Spitzenunterwäsche und mörderischen High Heels.

So wie Nic sie ansah, hätte Jade genauso gut nackt sein können.

Sie spürte seine Blicke warm über ihre Haut streifen, überall. Tief in sich verspürte sie ein aufregendes Kribbeln, das mit jedem einzelnen Herzschlag stärker wurde. „Ich werde ein Bad nehmen“, verkündete sie und nahm dabei all ihren Mut zusammen. „Und sobald ich mich frisch gemacht habe, gehen wir aus, um unsere Verlobung in aller Öffentlichkeit zu feiern.“

Schwer atmend stand er vor ihr, und in seinen Augen stand ein Hass, den sie nie zuvor bei ihm gesehen hatte. „Damit lasse ich dich nicht durchkommen, Jade“, warnte er sie. „So kannst du mit mir nicht umspringen, hörst du?“

„Was für eine reizende Wortwahl“, spottete sie und machte sich auf ins Badezimmer. „Übrigens, miteinander umzuspringen ist nicht Teil unserer Abmachung“, setzte sie mit einer vieldeutigen Betonung hinzu. Dann winkte sie ihm frech mit einem Finger zu und warf die Tür hinter sich ins Schloss.

Erst jetzt atmete Nic aus, und es hörte sich an wie von einer Dampfmaschine. Er war bereits jenseits von Wut und Hass angekommen. Es gab keine Beschreibung für das, was in ihm vorging.

Jade hatte ihm eine Falle gestellt, und er hatte keine andere Wahl, als direkt mitten hineinzutappen. Wenn die Geschichte mit dem Testament gedruckt werden sollte, würde er noch viel schlimmer an den Pranger gestellt und zum Idioten gemacht werden. Ihm blieb die Wahl zwischen Regen und Traufe, wobei die Ehe mit Jade das kleinere Übel darstellte. Leider!

Nic ballte die Hände zu Fäusten und entkrampfte sie wieder, so lange, bis sich seine innere Anspannung etwas gelöst hatte. Am liebsten hätte er die Badezimmertür aus den Angeln gehoben und dieser schwarzhaarigen, dreisten Hexe gezeigt, was er von ihrem Benehmen hielt.

Hatte Salvatore es tatsächlich darauf abgesehen, dass sein Enkel und sein Patenkind sich hassten? Was wollte der Alte erreichen, indem er sie beide für ein Jahr aneinanderkettete? Es würde die Hölle auf Erden werden. Überhaupt zu heiraten, war schon schlimm genug.

Nic konnte sich nicht vorstellen, für eine längere Zeit an ein und dieselbe Person gebunden zu sein – geschweige denn für den Rest seines Lebens.

Man brauchte sich nur anzusehen, wie es seinem Vater ergangen war. Er hatte es nicht geschafft, seiner Frau treu zu bleiben. Nicht nach dem fürchterlichen Tod der kleinen Tochter, denn dieser Schicksalsschlag hätte Nics Mutter beinahe zerstört.

Nic war selbst noch zu jung gewesen, um irgendeine Beziehung zu Chiara aufbauen zu können, allerdings erinnerte er sich noch gut an die Jahre, die dieser Tragödie folgten. Seine Eltern waren beide emotional völlig abwesend, weil sie den Verlust ihrer Tochter nicht zu verarbeiten vermochten.

Den Großteil seiner Kindheit war Nic über die Stränge geschlagen, unablässig auf der Suche nach der Bestätigung, dass er ebenfalls ein geliebtes Mitglied dieser tieftraurigen Familie war. Doch seine Eltern lebten in der ständigen Angst, noch ein Kind verlieren zu müssen, und hielten deshalb ihre Gefühle fest unter Verschluss. Giorgio und Luca war es etwas besser ergangen, da sie schon älter waren. Nur Nic hatte leider nie erfahren, was viele andere Kinder für absolut selbstverständlich hielten: Nestwärme.

Jade heiraten zu müssen, war für Nic das schlimmstmögliche Szenario. Zuerst einmal würde sie es ohnehin nicht schaffen, ein ganzes Jahr treu zu bleiben. Kein Wunder, dass sie ausschließen wollte, mit ihm ins Bett gehen zu müssen. Ihr konnte man eben nicht über den Weg trauen.

Das wurde allerdings für die Testamentsklauseln zum Problem. Jade durfte nicht fremdgehen, und Nic musste mit ihr schlafen, um die Ehe real zu vollziehen. Er musste Jade in jeder Hinsicht befriedigen, damit sie gar nicht erst auf die Idee kam, sich anderweitig umzuschauen.

Nachdenklich rieb er sich das Kinn. Mit Jade ins Bett zu steigen, versprach eine außergewöhnliche Erfahrung zu werden. Ihm wurde ganz heiß, wenn er nur daran dachte. Gerade eben war er selbst Zeuge geworden und hatte erlebt, dass sie keine Schamgrenze kannte. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als er sich ausmalte, wie er Jade in einem ungezügelten Wahn der Lust zu der Seinen machte.

Solange er sich zurückerinnern konnte, war da eine knisternde Chemie zwischen ihnen, und Nic freute sich regelrecht darauf, Jade seinen Namen keuchen zu hören …

Es dauerte eine volle Stunde, bis sie das Badezimmer wieder verließ. Sie trug einen der flauschigen weißen Hotelbademäntel und hatte sich ein Handtuch um die nassen Haare geschlungen. Ohne Make-up und hohe Schuhe, dafür frisch und mit leicht geröteten Wangen, wirkte sie ausgesprochen jung und fast niedlich. Als sie an ihm vorbeihuschte, bemerkte Nic, dass sie ihm barfuß kaum bis zu den Schultern reichte. Ihre Zehnägel waren pechschwarz lackiert und setzten sich auffällig stark von ihrer hellen Haut ab.

„Was ist mit meinem Massagetermin geschehen?“, erkundigte er sich.

Ohne von ihrer geöffneten Reisetasche hochzusehen, steckte Jade sich eine nasse Strähne, die unter dem Handtuchturban hervorgerutscht war, hinter das Ohr. „Habe ich abgesagt.“

„Dazu hattest du kein recht. Ich habe mich schon darauf gefreut.“

Mit dem ganzen Arm voller Kleider ging sie zum Schrank hinüber. „Ich kann dich auch massieren, wenn du willst“, bot sie an und begann damit, ihre Röcke und Hosen auf Bügel zu hängen. „Ich bin sehr gut darin.“

„Kein Zweifel“, brummte Nic und beobachtete sie dabei, wie sie ihre Tasche weiter auspackte.

Jade hielt sich zwei Kleider abwechselnd vor die Brust. „Was meinst du, welches soll ich anziehen?“

Es dauerte einen Moment, ehe er sich wieder konzentrieren konnte. Sie tat es schon wieder: Sie war eine Frau mit vielen Facetten und brachte Nic mit ihren spontanen Stimmungswechseln völlig durcheinander. Zuerst gab sie den wilden streitsüchtigen Besen, und im nächsten Augenblick spielte sie das kleine Mädchen, das sich hübsch machen wollte. Und Nic war sicher, in absehbarer Zeit würde er wieder eine vollkommen neue Seite an ihr entdecken.

„Das rote“, antwortete er knapp und schlenderte zum Tisch, um sich ein Glas Champagner einzuschenken. Dann sah er dabei zu, wie Jade sich anzog.

Es wirkte wie eine rückwärts abgespielte Stripshow, aber nicht minder erotisch. Ihr beinahe nackter, makelloser Körper machte ihn fast rasend, und während Jade mehr und mehr von ihrer Pracht unter Stoff verbarg, wäre Nic am liebsten eingeschritten und hätte die Unterwäsche und das Kleid in die Ecke geschleudert. Vor allem ihre nackten, leicht wippenden Brüste mit den neckischen rosa Spitzen hatten es ihm angetan. Er stand kurz vor einer Explosion, dabei hatte er Jade noch nicht einmal berührt.

„Willst du dich denn gar nicht duschen und umziehen?“, fragte sie und ging an ihm vorbei zu ihrer Kosmetiktasche.

Blitzschnell packte Nic ihren Arm und sah ihr direkt in die blitzenden grünen Augen. „Was ist mit der versprochenen Massage?“

Jade schenkte ihm einen verführerischen Schlafzimmerblick. „Später. Zuerst gehen wir essen. Wenn du ein guter Junge bist, kümmere ich mich um dich, sobald wir zu Hause sind.“

Als sie sich losmachen wollte, wurde sein Griff nur noch fester. „Bringst du auf diese Weise alle Männer dazu, zu tun, was du willst? Lässt du sie wie ausgehungerte Hunde um deine Gunst betteln?“

Mit einer schnellen Kopfbewegung warf sie ihr feuchtes Haar zurück über die Schultern. „Du musste nicht betteln, Nic, denn für dich wird ohnehin nichts abfallen“, sagte sie schnippisch. „Unsere Ehe findet lediglich auf dem Papier statt.“

Er lachte laut. „Ach, komm schon, Jade! Wie lange soll das gut gehen? Du bist eine geborene Genießerin.“

„Ich werde nicht mit dir schlafen“, bekräftigte sie ihren Entschluss. „Du darfst gucken, aber nicht anfassen. Das ist die Abmachung.“

Nic ließ ihren Arm los. „Eines solltest du noch über mich lernen, Jade. Ich suche mir meine Bettgefährtinnen selbst aus. Ich bin der Jäger. Und ich bettle nie. Niemals.“

Auf dem Absatz wandte sie sich zum Schminkspiegel um und öffnete ihre Kosmetiktasche. „Wir werden sehen“, sagte sie zu ihrem Spiegelbild.

Frustriert biss Nic die Zähne aufeinander und verschwand im Badezimmer. Ja, das werden wir, dachte er und schaltete das kalte Wasser in der Dusche an.

Als Nic fertig umgezogen war, saß Jade bereits entspannt auf dem Sofa und trank wieder Champagner. Sie hatte ihr übliches, ihm vertrautes Gesicht aufgesetzt: stark geschminkte smoky eyes, tiefroter Lippenstift und bronzefarbenen Glanzpuder, der ihre hohen Wangenknochen betonte.

Ihre Füße steckten wieder in hochhackigen Sandalen, deren Absätze noch höher als die letzten waren, und an ihren Ohren funkelten dicke Brillanten vor dem glänzenden Hintergrund ihrer offenen dunklen Haare. Doch die vollen Lippen hatte sie schmollend vorgeschoben, und es war zu befürchten, dass eine weitere unangenehme Szene auf Nic wartete.

Unter der Dusche hatte er seine Möglichkeiten gründlich abgewogen. Er würde Jade natürlich heiraten, daran führte kein Weg vorbei, aber dafür wollte er zumindest seine eigenen Bedingungen aufstellen. Jade mochte annehmen, ihn manipuliert zu haben, aber er tat es nicht ihretwegen, sondern ausschließlich für seine Familie.

„Bevor wir Essen gehen, möchte ich ein paar grundsätzliche Regeln festlegen“, begann er.

Sie schwang ihre schlanken Beine übereinander und wippte betont gelangweilt mit dem Fuß. „Na, dann los! Trage sie vor, und ich werde dir dann sagen, ob ich zustimme oder nicht.“

Mit geübten Griffen band er sich die Krawatte. „Du wirst ihnen zustimmen, sonst kannst du die Hochzeit vergessen. Denk dran, du brauchst das Geld dringender als ich!“

Ihr Blick wurde um einige Grade eisiger. „Und wie lauten deine blöden Regeln?“

„Ich verlange, dass du dich an jedem Ort und zu jeder Zeit entsprechend deiner repräsentativen Position als eine Sabbatini-Ehefrau benimmst. Du hast doch meine beiden Schwägerinnen kennengelernt, si?“

„Ja, sie sind sehr nett“, erwiderte Jade. „Ich habe auf Salvatores Beerdigung kurz mit Bronte gesprochen, und Maya, der Frau von Giorgio, bin ich in London begegnet. Sie hat mich sogar angerufen, damit ich ihren Sohn sehen kann, weil ich es nicht zur Taufe geschafft habe. Matteo ist wirklich ein süßer Fratz.“

„Ja, das ist er“, stimmte Nic etwas irritiert zu. „Warum warst du eigentlich nicht bei der Taufe?“

Jade wich seinem Blick aus. „Ich hatte andere Verpflichtungen.“

„Und was war mit der Taufe von Brontes und Lucas Sohn Marco? Sie fand gleich einen Monat später statt. Hattest du da auch etwas Besseres vor?“

Jetzt blickte sie ihn gerade an. „Ich bin eben beschäftigt. Mein Terminkalender ist schon Monate im Voraus absolut voll.“

Missbilligend verzog er die Oberlippe. Er konnte sich lebhaft vorstellen, um was für Termine es sich dabei handelte. Partys und Nachtclubbesuche, ein inhaltsloser Abend nach dem anderen mit nichtsnutzigen Männern an Jades Seite.

„Schön, dass du es wenigstens zu Salvatores Beerdigung geschafft hast“, brummte er voller Ironie. Vermutlich hatte sie geahnt, im Testament bedacht worden zu sein. Warum sonst sollte sie die Mühen der Reise auf sich genommen haben? Er kannte Jade gut genug, um zu wissen, dass sie niemals etwas für andere, sondern nur für sich selbst tat. „Du bist auch kurz vor seinem Tod bei ihm gewesen, richtig?“

Sie nickte. „Es war das Mindeste, was ich für ihn tun konnte. Salvatore war immer gut zu mir. Ich war sein einziges Patenkind. Niemand nimmt diese Rolle heutzutage besonders ernst, aber er hat sich wirklich fürsorglich um mich gekümmert.“

„Einmal abgesehen von seinem Letzten Willen, oder?“

„Schon, aber auch dafür wird er seine Gründe gehabt haben.“

„Warum, glaubst du, hat er das getan?“, überlegte Nic laut. „Ich meine, wieso tut er uns das an? Schließlich ist es nicht so, als wären wir in den vergangenen Jahren die besten Freunde gewesen.“

Ihre schmalen Schultern zuckten leicht. „Wer weiß? Vielleicht glaubte er, auf diese Weise zwei Dynastien miteinander zu vereinen: die Summervilles und die Sabbatinis. Das würde Sinn machen. Mein Vater hat keinen männlichen Stammhalter, also ist diese Lösung die zweitbeste. Ich schätze, die beiden haben das zusammen ausgeheckt.“

Nic betrachtete sie eine Weile. „Eigentlich solltest du zusammen mit deinem Bruder in diesen Skiurlaub fliegen, oder?“

Hastig wandte sie sich ab und zuckte scheinbar gleichgültig die Achseln. „Hab den Flieger verpasst, weil ich nach einer durchfeierten Nacht verschlafen habe.“

„Hast du mal darüber nachgedacht, dass du auch in dieser Lawine hättest sterben können, wenn du mitgeflogen wärst?“, fragte er leise.

Ihre Augen wurden wässrig. „Was dagegen, wenn wir uns wieder deinen dummen Regeln widmen?“

„Du sprichst nicht gern über Jonathan?“

„Du hast deine kleine Schwester verloren. Redest du denn gern darüber?“

„Ich erinnere mich nicht einmal daran“, gab er zurück. „Schließlich war ich erst achtzehn Monate alt. Jonathan dagegen war fast einundzwanzig Jahre alt, und du beinahe achtzehn. Deine Erinnerung an diesen Schicksalsschlag dürfte also ziemlich klar sein.“

„Ist sie, und trotzdem steht das Thema nicht zur Debatte“, erwiderte sie hart. „Als mein zukünftiger Ehemann räumst du dir vielleicht gewisse Rechte ein, aber es steht dir trotzdem nicht zu, alte Wunden aufzureißen.“

Nic zog noch ein letztes Mal seine Krawatte glatt und beobachtete dabei, wie sich Jades Miene vollends verschloss. Es war erstaunlich, wie rasant ihre Launen sich abwechselten. „Die zweite Bedingung ist: Ich werde keine Seitensprünge tolerieren. Wir können uns in vielen Punkten miteinander arrangieren, aber ich lasse mich auf keinen Fall zum Idioten machen und mir öffentlich Hörner aufsetzen.“

„Ich habe nicht vor, dich zu betrügen“, antwortete sie kühl. „Bestimmt bin ich viel zu sehr damit beschäftigt, mein Geld zu zählen.“

„Wenn du dich nicht benehmen solltest, wird das Konsequenzen für dich haben“, warnte Nic. „Ein falscher Schritt, und du stehst ohne einen Penny da. So steht es auch im Testament. Wir müssen uns gegenseitig die Treue halten, sonst sind die Vertragsklauseln sofort hinfällig.“

„Dann wirst du also ziemlich diskret vorgehen müssen, was?“, bemerkte sie provozierend.

„Das traust du mir wohl nicht zu.“

Sorgfältig arrangierte sie ihre langen, schwarzen Haare. „Was genau? Im Zölibat zu leben? Nein, das traue ich dir nicht zu, ehrlich gesagt. Wer war eigentlich deine letzte Eroberung? Diese brasilianische Großerbin, oder hast du inzwischen schon wieder eine Neue?“

Man sah ihm an, dass er sich einen bissigen Kommentar darauf verkneifen musste. „Ein Jahr ohne Sex wird für uns beide eine lange Zeit werden, Jade. Deshalb sehe ich auch nicht ein, warum wir nicht gleich das Beste aus der Situation machen.“

Jade verdrehte die Augen. „Im Gegensatz zu dir geht es mir um das Geld, Nic. Ich dachte, das hätte ich inzwischen klargestellt.“

„Du hast es gesagt, aber in deinen Augen habe ich etwas anderes gesehen. Ich gebe dir höchstens einen Monat, bevor du einknickst. Das ist doch alles Teil deines Spiels, das du mit den Männern treibst. Du machst sie solange an, bis sie ihre sämtlichen Versprechen und Prinzipien vergessen.“

„Wie ich sehe, kennst du mich bereits in- und auswendig“, höhnte sie. „Da gibt es wenigstens keine bösen Überraschungen, sobald wir verheiratet sind.“

Darauf ging Nic nicht weiter ein. „Wir werden eine riesige Hochzeit planen müssen, mit allem Drum und Dran. Meine Familie und auch die Öffentlichkeit erwarten das von uns.“

„Gut“, stimmte sie bereitwillig zu. „Aber ich werde weder ein weißes Kleid noch einen Schleier tragen.“

Sein Kopf schnellte hoch. „Du denkst doch nicht daran, in Schwarz zu erscheinen?“

Jade legte den Kopf schief. „Ich bin keine Jungfrau mehr“, erklärte sie. „Und ich will nicht so tun, als wäre ich etwas, das ich definitiv nicht bin.“

Über diese ungewöhnliche Bemerkung musste er kurz nachdenken. „Ich glaube, das wird laut der testamentarischen Klauseln auch gar nicht verlangt. Außerdem war ich selbst ebenfalls kein Engel. Eigentlich sollte ich mich dafür schämen, aber ich habe tatsächlich den Überblick verloren, mit wie vielen Frauen ich schon geschlafen habe. Bei dir sieht es sicherlich übersichtlicher aus?“ Erwartungsvoll sah er sie an, doch Jade schüttelte den Kopf.

„Nein, da geht es mir genau wie dir. Habe keine Ahnung, schon seit einer Ewigkeit nicht mehr.“ Eine unangenehme Stille folgte, die sie schließlich entschlossen beendete. „Sonst noch was? Hast du noch mehr fiese, kleine Bedingungen, an die ich mich halten soll?“

„Nein.“ Er nahm sein Jackett zur Hand und schlüpfte hinein. „Das wäre vorerst alles. Und überlasse die Interviews bitte mir, ich werde alle Fragen beantworten!“

Elegant erhob sie sich vom Sofa. „Natürlich, Meister.“ Damit nahm sie ihre kleine Umhängetasche, warf sich den schmalen Riemen über die Schulter und schritt zur Tür.

„Vorsicht, Jade! Nur ein einziger Patzer von dir, und der Deal ist abgeblasen. Darauf kannst du dich verlassen!“

Sie ließ ihn nicht spüren, wie ernst sie seine Warnung nahm. Es stimmte, sie war tatsächlich viel mehr als er auf das Geld angewiesen. Aber in nur einem Jahr war sie endlich unabhängig von ihrem Vater. Dann brauchte sie niemanden mehr, um ihr Überleben zu sichern. Mit einer unschuldigen Grimasse drehte sie sich zu Nic um. „Ich werde ein braves Mädchen sein, Nic, du wirst schon sehen.“

3. KAPITEL

Kaum hatten sie das Gebäude verlassen, scharten sich auch schon zahllose Paparazzi um Jade und Nic.

Ein Reporter hielt Nic sein Mikrofon direkt unter die Nase. „Mr. Sabbatini, die Nachricht von Ihrer Verlobung und der bevorstehenden Hochzeit mit Miss Sommerville hat uns alle ziemlich überrascht. Sie müssen Ihre Beziehung konsequent geheim gehalten haben. Darf man ein paar Details Ihrer glücklichen Romanze erfahren?“

Nic lächelte charmant, aber Jade merkte, wie schwer ihm diese Fassade fiel. „Miss Sommerville und ich sind durch unsere Familien schon seit vielen Jahren befreundet. Irgendwann haben wir uns dann entschieden, mehr als nur Freunde zu sein. Und wir freuen uns wahnsinnig auf unsere Hochzeit nächsten Monat. Wenn Sie uns nun bitte entschuldigen würden, wir möchten unsere Verlobung ganz privat feiern. Machen Sie bitte den Weg frei!“

Ein anderer Journalist stürmte mit seinem Mikrofon auf Jade zu, bevor Nic es verhindern konnte. „Miss Sommerville, vor wenigen Monaten waren sie noch mit Richard McCormack liiert, dem Ehemann einer Ihrer besten Freundinnen. Glauben Sie, die Verlobung mit Nic Sabbatini könnte Ihr Verhältnis zu Julianne McCormack wieder kitten?“

Sie spürte, wie Nics Finger sich fest um ihre Hand schlossen. „Ich gebe keinen Kommentar bezüglich meines Privatlebens ab, bis auf die Freude, die ich über die Verlobung mit Nic empfinde. Es ist das Beste, was mir jemals widerfahren ist. Ich bin so wahnsinnig …“

„Entschuldigen Sie uns!“ Energisch führte Nic Jade durch die Gruppe von Touristen, die sich zusätzlich eingefunden hatte.

„Ich sagte doch, überlasse die Presseanfragen mir!“, zischte er, während sie sich vorankämpften.

„Es würde doch wohl sehr komisch aussehen, wenn ich überhaupt nichts sage“, konterte Jade. „Immerhin ist dies ein immenses gesellschaftliches Ereignis.“

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich von Verärgerung zu Erstaunen. Schweigend gingen sie weiter und betraten schließlich eines der Restaurants, die direkt am Kanal lagen.

Man wies ihnen einen sehr privaten Tisch zu, der von rot gepolsterten Stühlen umringt war. Funkelnde Kristallleuchter hingen von der Decke und warfen ihr warmes Licht auf den Gastraum. Die Wände zierten venezianische Masken und kunstvolle Gemälde, und die ganze Atmosphäre war einfach magisch.

Wieder fragte sich Jade, wie oft Nic mit einer seiner Gefährtinnen hier gewesen war. Wein und Dinner, bevor er sie mit in sein Hotel nahm und sich mit ihnen zwischen den Laken vergnügte.

Ihr wurde plötzlich schlecht vor Eifersucht, und sie rutschte erschrocken auf ihrem Stuhl herum. Warum sollte sie eifersüchtig sein? Nic war nicht der Typ, der monogam lebte. Er war ein charmanter, erfahrener Verführer und konnte jede haben, die er wollte. Das hatte er in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen.

Die Speisekarten wurden gebracht und mit ihnen eine Flasche eisgekühlter Champagner. Jade zog die Augenbrauen hoch. Sie hatte bereits mehr getrunken, als üblich für sie war, sonst wäre sie wohl kaum unbekleidet vor Nic in der Suite umherstolziert.

Sie hatte sich Mut angetrunken, um ihn zu provozieren, aber als er ebenfalls fast nackt aus dem Badezimmer trat, war ihr Plan nach hinten losgegangen. Vergeblich hatte sie sich bemüht, Nic nicht gierig anzustarren.

Natürlich kannte sie jede Menge perfekter Männerfiguren – vom Strand oder auch aus dem Fitnessstudio. Aber etwas an seiner Erscheinung zog sie magisch an und hatte bei ihr die seltsamsten Auswirkungen. Sie wurde ruhelos, nervös und eindeutig erregt.

Dabei war sie es für gewöhnlich, die mit den Männern Katz und Maus spielte, ohne dass jemals echte Gefühle oder gar Verlangen im Spiel waren. Ihr gefiel nicht, dass Nic sie durch seine bloße Präsenz derart stark beeinflussen konnte.

Der aufmerksame Kellner füllte ihre Gläser, bevor er diskret wieder im Hintergrund verschwand.

Nic hob sein Glas und prostete Jade zu. „Trinken wir auf das erste Jahr unserer Ehe!“

Ironisch verzog sie das Gesicht. „Du meinst, auf das einzige Jahr unserer Ehe. Schließlich lautet die Bedingung lediglich, nächsten Monat zu heiraten und exakt ein Jahr verheiratet zu bleiben.“

Er trank einen großen Schluck, bevor er antwortete. „Schon. Aber was ist, wenn es uns gefällt, miteinander verheiratet zu sein? Wenn es viel schöner wird, als wir uns gerade vorstellen können? Dann können wir so lange zusammenbleiben, wie wir wollen.“

Jade warf sich auf ihrem Stuhl zurück, als hätte jemand sie absichtlich geschubst. „Das kann unmöglich dein Ernst sein!“

Sein Grinsen sah äußerst selbstzufrieden aus. „Ich mache doch nur Spaß“, entgegnete er und zwinkerte vergnügt. „Nächsten Mai, wenn das Jahr vorüber ist, können wir beide unser Geld schnappen und verschwinden.“

Plötzlich fühlte Jade sich tief gekränkt. Ihr war klar, dass er den testamentarischen Bedingungen nur zustimmte, um das Geld zu erhalten, das ihm zustand. Genau wie sie. Deshalb konnte sie ihm wohl kaum einen Vorwurf machen. Seine beiden älteren Brüder mussten laut Testament keine Konditionen erfüllen, aber sie waren auch beide glücklich verheiratete Väter.

Giorgio und Maya hatten sich zwar einmal vorübergehend getrennt, aber wieder zueinander gefunden, bevor der alte Mann das Zeitliche segnete. Es war Salvatores ausdrücklicher Wunsch gewesen, alle seine Enkel gebunden zu sehen, bevor er starb. Und als plötzlich eine tödliche Krankheit ins Spiel kam, beschloss er offensichtlich, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.

Also zwang er Nic, sein loses Leben zu beenden. Aber warum er ausgerechnet Jade aussuchte, um seinen wildesten Enkel zu bändigen, war ihr persönlich schleierhaft. Ihm musste doch klar gewesen sein, dass sie sich nicht mochten. Die letzten zehn Jahre hatten sie sich bei jeder Gelegenheit und jedem Fest ihrer Familien in die Haare bekommen.

Jade wusste viel über die Sabbatinis, nachdem sie so viele Jahre zu ihrem inneren Kreis gehört hatte. Ihr australischer Vater hatte sich bereits sehr früh mit Salvatore angefreundet. Mit Hilfe seines italienischen Freundes schaffte ihr Vater es schließlich, ein europaweit operierendes Buchhaltungsunternehmen aufzubauen.

Genau wie Nic und seine Brüder wuchs Jade inmitten der Reichen und Berühmten auf. Ihre Mutter Harriet war eine bekannte Größe der Londoner Gesellschaft, bis sie leider viel zu früh an einer Überdosis starb. Damals war Jade erst fünf Jahre alt gewesen.

Man hatte Jade und ihrem Bruder Jonathan niemals erzählt, ob es sich um Selbstmord, einen Hilferuf oder um einen Unfall handelte. Es gab allerdings Spekulationen bezüglich der Ehe von Jades Eltern.

Während ihrer gesamten Kindheit hatten all die sich abwechselnden Kindermädchen Jade ans Herz gelegt, in Gegenwart ihres Vaters nicht von ihrer Mutter zu sprechen. Ihr war nie klar geworden, ob es ihn traurig oder wütend gemacht hätte …

Konzentriert studierte Jade die Karte und kaute dabei unablässig auf ihrer Unterlippe herum. Sie hasste es, auswärts zu essen, und vermied es, so gut sie konnte.

Damals war es durch alle Zeitungen gegangen. Man hatte sie mit fünfzehn in eine Spezialklinik eingewiesen, und dann noch einmal mit achtzehn, als ihr Gewicht unter eine kritische Marke gesunken war – kurz nach Jonathans Tod. Mittlerweile hatte Jade all das hinter sich gelassen, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sie keine Speisekarte lesen konnte.

Nics Blicke lagen schwer wie Blei auf ihr. „Was willst du bestellen?“, fragte sie unsicher.

„Für den Anfang Krabbenfettuccine und als Hauptgang vielleicht das panierte Kalbsfilet. Was ist mit dir?“

Mit der Zunge fuhr sie sich über die staubtrockenen Lippen. „Warum suchst du es nicht für mich aus? Scheinbar kennst du dich hier gut aus, und ich esse fast alles.“

Spöttisch hob er eine Augenbraue. „Ach, ja?“

„Ich habe während der letzten Jahre hart an mir gearbeitet, Nic“, erwiderte sie barsch. „Und ich werde dich schon nicht in Verlegenheit bringen, indem ich mein Essen sofort wieder im Badezimmer loswerde, sobald du mir den Rücken zukehrst.“

„Darauf wollte ich gar nicht hinaus“, entschuldigte er sich. „Du hattest es damals nicht leicht. Zuerst verlierst du so früh deine Mutter, und dann verunglückt dein Bruder auf tragische Weise.“

Über die Jahre hatte Jade sich einen professionellen abwehrenden Blick angeeignet, den sie auch in diesem Moment benutzte. „Darüber möchte ich lieber nicht reden. Sie sind tot, aber das Leben geht weiter.“

Der Kellner erschien, um ihre Bestellung aufzunehmen. Anschließend betrachtete Nic sein Gegenüber nachdenklich.

Nach einer Weile fühlte Jade sich wie ein Objekt unter dem Mikroskop. Das schaffte Nic immer wieder, ihr genau dieses Gefühl zu geben. Er sah Dinge, die anderen Leuten entgingen. Sein Blick drang durch alles hindurch, er war penetrant. Und sie fühlte sich dieser Musterung schutzlos ausgeliefert, deshalb war sie ihr in der Vergangenheit ausgewichen, wann immer es möglich erschien.

„Siehst du deinen Vater noch oft?“, fragte Nic jetzt.

Unschlüssig spielte sie mit dem Stiel ihrer Champagnerflöte. „Vor unserem letzten Streit schon“, räumte Jade ein. „Er kam dann und wann mit seiner neuesten Freundin vorbei. Die letzte war ein oder zwei Jahre älter als ich, und ich glaubte, die beiden würden in absehbarer Zeit heiraten. Er wünscht sich einen Sohn, um Jonathan zu ersetzen. Davon spricht er schon seit Jahren. Es scheint ihm sehr wichtig zu sein.“

Nic entging nicht, wie viel Schmerz sich hinter ihren Worten verbarg. „Du hast ihm nie sonderlich nahegestanden, was?“

Jade schüttelte den Kopf und sah Nic noch immer nicht in die Augen. „Wahrscheinlich erinnere ich ihn zu sehr an meine Mutter.“

„Und du? Erinnerst du dich noch an sie?“

Ihre tiefgrünen Augen begegneten seinen und hellten sich auf, als hätte er einen versteckten Lichtschalter umgelegt. „Sie war so wunderschön“, begann Jade verträumt. Sie nahm ihr Glas in die Hand, drehte den Stiel und beobachtete, wie die kleinen Luftbläschen zügig aufstiegen und an der Oberfläche zerplatzten. „So glamourös, und sie roch immer so gut – wie exotische Wildblumen nach einem langen Sommertag.“

Jade stellte das Glas ab und spielte mit den Fingerspitzen an dem dünnen Rand herum. „Und sie war so liebevoll. Wenn meine Mutter an John oder mir vorbeiging, musste sie uns einfach umarmen oder küssen. Sie hat mir oft vorgelesen, das habe ich geliebt. Ich konnte ihrer Stimme stundenlang zuhören.“ Seufzend nahm sie noch einen kleinen Schluck und hing dann schweigend einen Moment lang ihren Gedanken nach. „Sie hat uns sehr geliebt. Wirklich geliebt. Daran habe ich nie gezweifelt, nicht für einen...

Autor

Angela Bissell
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Scarlet Wilson
<p>Scarlet Wilson hat sich mit dem Schreiben einen Kindheitstraum erfüllt, ihre erste Geschichte schrieb sie, als sie acht Jahre alt war. Ihre Familie erinnert sich noch immer gerne an diese erste Erzählung, die sich um die Hauptfigur Shirley, ein magisches Portemonnaie und eine Mäusearmee drehte – der Name jeder Maus...
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Melanie Milburne
<p>Eigentlich hätte Melanie Milburne ja für ein High-School-Examen lernen müssen, doch dann fiel ihr ihr erster Liebesroman in die Hände. Damals – sie war siebzehn – stand für sie fest: Sie würde weiterhin romantische Romane lesen – und einen Mann heiraten, der ebenso attraktiv war wie die Helden der Romances....
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