Nie wieder ohne deine Küsse

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

"Ich werde sie heiraten!" Als Frauenschwarm Jackson sieht, wie unwohl sich die hübsche Laila angesichts einer Horde von Verehrern fühlt, eilt er ihr zu Hilfe. Aber was als Spaß beginnt, wird bald ernst: Plötzlich spürt der bekennende Single, dass er diese Frau besitzen will …


  • Erscheinungstag 08.10.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547819
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Crystal Green

Nie wieder ohne deine Küsse

PROLOG

Strahlend lächelnd stand Laila Cates vor der applaudierenden Menge auf der Bühne. Über ihrem weißen Abendkleid trug sie eine blaue Schärpe. In den Händen hielt sie einen großen Blumenstrauß.

„Zum fünften Mal ist sie die Gewinnerin“, schallte die Stimme des Moderators durch das Zelt, in dem die Misswahl stattfand. „Applaus für Laila Cates, die wieder einmal zur Miss Frontier Days gekürt wurde!“

Lächelnd berührte Laila die Krone auf ihrem Kopf. Es war lange her, seit sie das letzte Mal hier gestanden hatte. Vor sieben Jahren hatte sie zuletzt an dem Schönheitswettbewerb teilgenommen. Damals war ihr bewusst geworden, dass sie lieber an ihren inneren Werten gemessen werden wollte.

Doch dieses Jahr war sie zurückgekehrt, um den Menschen in Thunder Canyon etwas zu beweisen.

Als sie in die fröhlichen Gesichter blickte, erkannte sie viele Nachbarn und Freunde, mit denen sie aufgewachsen war. Aber auch viele ihrer Arbeitskollegen der First Fidelity Bank von Thunder Canyon waren anwesend.

Ihre beste Freundin Dana applaudierte am lautesten. Sie hatte Laila ohne ihr Wissen am Schönheitswettbewerb angemeldet. Es war ihre Idee gewesen, dass Laila als gestandene Frau der Stadt beweisen sollte, was sie konnte. Und Laila war darauf eingegangen, indem sie während des Talent-Wettbewerbs ein Lied über die Leistungen von Frauen gesungen hatte.

Bei der Jury war der Auftritt sehr gut angekommen. Die Mitglieder hatten sofort verstanden, dass Frauen mit Lebenserfahrung die Gemeinschaft nur bereichern konnten.

Als der Beifall verklang, ging Laila zum Mikrofon und schaute nachdenklich ins Publikum. „Ich bin nun fast dreißig Jahre alt. Bei den meisten Frauen scheint diese Zahl viele Ängste zu schüren. Mit dreißig haben wir anscheinend unsere besten Jahre hinter uns. Ehrlich gesagt hat mich dieser Gedanke etwas nervös gemacht. Denn das ist das Alter, in dem wir Falten bekommen und unsere Schönheit zu verblassen beginnt, oder?“ Sie lächelte. „Und genau aus diesem Grund habe ich beschlossen, dieses Jahr wieder am Schönheitswettbewerb teilzunehmen. Ich wollte wissen, ob es wirklich schon so schlecht um mich steht.“

Gejohle erklang aus dem Publikum.

„Ihr alle habt heute Abend bewiesen, dass nicht das Alter zählt, sondern die Lebenserfahrung“, fuhr sie fort. „Sie macht uns zu dem, was wir sind. Obwohl dies meine letzte Teilnahme hier war, freue ich mich jedes Jahr aufs Neue über einen Sieg – nicht auf der Bühne, sondern im täglichen Leben.“

Erneut applaudierte das Publikum. Laila winkte kurz und wollte gerade die Bühne für die anderen reiferen Frauen freigeben, die Thunder Canyon ihr Können beweisen wollten.

In diesem Moment bahnte sich ein breitschultriger blonder Mann den Weg durch die Menge.

Zuerst dachte Laila, dass Cade Pritchett ihr nur gratulieren wollte. Seit Jahren verabredete sie sich regelmäßig mit ihm, ohne dass etwas Ernsthaftes daraus wurde. Cade hatte scheinbar akzeptiert, dass Laila ihn nicht heiraten wollte. Es schien ihm nichts auszumachen.

Bis jetzt jedenfalls.

„Heirate mich, Laila“, sagte er laut.

Überrascht blinzelte sie und hielt verspätet die Hand vor das Mikrofon, damit seine tiefe Stimme nicht durch den ganzen Raum getragen wurde. Dadurch kam es jedoch zu einem unangenehmen Pfeifen, das die Situation noch peinlicher machte.

Es passte nicht zu Cade, solche Witze zu machen. Trotzdem nahm sie an, dass es sich um einen Scherz handeln musste, denn Cade benahm sich sehr sonderbar. Vielleicht hatte der Tischler sogar ein paar Bierchen heruntergekippt – seinen roten Wangen nach zu urteilen war das nicht abwegig. Normalerweise trank Cade jedoch selten.

Wie ließ sich dann sein gefühlvoller Blick erklären?

In dem Moment stieg sein Bruder Dean auf die Bühne und stellte sich neben Cade. Er grinste und schlug seinem Bruder spielerisch auf die Schulter. „Hör nicht auf ihn, Laila. Ich bin derjenige, der dich heiraten sollte.“

Alles klar. Jetzt war es eindeutig, dass die beiden getrunken hatten. Wie sein Bruder war Dean zwar muskulös, aber ein eher stiller Typ. Normalerweise erlaubte er sich keine Späße wie diesen.

Das Publikum war mittlerweile in lautes Gelächter ausgebrochen und bestärkte die Brüder in ihren Albernheiten.

Laila beherrschte sich und hielt ihre Wut im Zaum. Das Ganze wurde langsam zu einer Art Zirkusvorstellung. Vielleicht war ihre Teilnahme an der Misswahl der Auslöser dafür gewesen. Manche hätten wohl lieber ein junges Mädchen als Siegerin gesehen.

Nicht jeder verstand die tiefere Bedeutung ihres Sieges und die Botschaft, die sie damit vermitteln wollte. Es war klar, dass einige der Besucher sie nicht ernst nahmen.

Im nächsten Moment kam ein weiterer Mann zur Bühne. Laila kannte ihn nicht ganz so gut wie die Brüder, doch sie wusste ganz genau, wer er war.

Gab es überhaupt jemanden, der ihn nicht kannte?

Er war groß und schlank und wirkte in seinen engen Jeans, den Stiefeln und dem schwarzen Westernhemd wie ein Cowboy. Jackson Traub war neu in der Stadt. Wie viele andere Texaner auch, war er nach Thunder Canyon gekommen, um das Ölunternehmen seiner Familie auf Vordermann zu bringen.

Außerdem war er zum Gesprächsthema geworden, als er vor einigen Monaten die Hochzeit seines Bruders auf den Kopf gestellt hatte.

Hatte er etwa vor, auch hier für Ärger zu sorgen? Sein Ruf eilte ihm jedenfalls voraus.

Eigentlich sollte Laila ihn zurechtstutzen, doch sie starrte ihn einfach nur an.

Als er sie anlächelte, durchfuhr ein Kribbeln ihren ganzen Körper. Sie verstand nicht, warum dieser Schurke so eine Reaktion in ihr auslöste. Sie, das unschuldige Mädchen vom Land, passte so gar nicht zu ihm.

Lässig zog er den Hut ab und presste ihn gegen seine Brust. „Keiner dieser Jungs hat die hübsche Laila verdient. Ich werde sie heiraten!“

Sie schnappte nach Luft.

Doch das hatte nichts mit dem lächerlichen Antrag zu tun.

Sein entschlossener Blick und sein Lächeln zogen sie in den Bann.

Und zu ihrer eigenen Überraschung erwiderte sie sein Lächeln – auch wenn ihres eher von Sarkasmus zeugte. Sie wollte nicht zulassen, dass dieser bedeutungsvolle Abend ins Lächerliche gezogen wurde.

Niemand, nicht einmal dieser gewiefte Texaner, würde ihr diesen Abend kaputt machen.

Jackson Traub hob die Brauen. Er schien die Entschlossenheit in ihren Augen bemerkt zu haben.

Obwohl es ihr schwerfiel, widmete sie dem Publikum wieder ihre Aufmerksamkeit. „Seht ihr, Mädels? Das ist der Beweis dafür, dass das Leben nicht mit dreißig endet. Je älter man wird, desto mehr Aufmerksamkeit erhält man.“

Wieder waren Rufe zu hören.

Laila wartete, bis sie verstummten, und fuhr fort: „Ihr wisst alle, dass mein Herz Thunder Canyon gehört. Bevor es noch mehr Heiratsanträge gibt, möchte ich euch Männern sagen, dass ich euch alle sehr schätze. Allerdings werde ich nie und nimmer heiraten. Dafür ist das Leben zu kurz.“

Aus dem Publikum kamen Pfiffe, aber auch einige begeisterte Zurufe.

Laila wandte sich wieder den beiden Brüdern zu und versicherte ihnen, dass sie ihnen ihre Faxen nicht übel nehmen würde.

Dean sah seinen Bruder an und schien genau auf seine Reaktion zu achten.

Und als Laila in Cades Augen blickte, wurde ihr das Herz schwer. Er wirkte tatsächlich mitgenommen und wütend. Sein Gesicht war gerötet, und er hatte die Hände zu Fäusten geballt.

Du meine Güte! Hatte er den Antrag wirklich ernst gemeint?

Das konnte nicht sein. Er wusste doch, dass sie keine Familie gründen wollte. Außerdem passte es nicht zu ihm, ihr vor Hunderten von Menschen einen Heiratsantrag zu machen.

Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und verließ mit hängenden Schultern die Bühne. Dean folgte ihm und ließ Laila mit dem Cowboy allein.

Als Laila diesem in die Augen sah, lächelte er und setzte sich den Hut wieder auf. Kurz tippte er mit zwei Fingern an die Krempe. Wollte er damit zum Ausdruck bringen, dass er ihr Singledasein respektierte? Auf der Hochzeit seines Bruders hatte er, der eingefleischte Junggeselle, allen klargemacht, was er von der Ehe hielt.

Ein letztes Mal lächelte er sie schelmisch an. Dann drehte er sich um und verschwand in der Menge.

Laila blickte ihm hinterher. Sie wünschte sich jetzt schon, ihn wiederzusehen – obwohl es vielleicht nicht gut für sie war …

1. KAPITEL

Fast eine Woche später saß Laila an einem Ecktisch im Hitching Post. Immer wieder sah sie zum Eingang der Bar. Die Limonade, die vor ihr stand, hatte sie bisher nicht angerührt.

Unzählige Male hatte sie in den letzten Tagen versucht, Cade zu erreichen. Als er schließlich ans Telefon gegangen war, hatten sie sich geeinigt, sich heute Abend zu treffen.

Laila versuchte, die Cowboys an der Bar zu ignorieren, die ständig in ihre Richtung schauten. Besonders Duncan Brooks konnte es nicht lassen, immer wieder seine Aufmerksamkeit auf ihren Tisch zu richten. Er arbeitete auf der Ranch des Bürgermeisters Bo Clifton und hatte schon oft Annäherungsversuche bei Laila gestartet.

Sie war schon lange an die verträumten Blicke von Männern wie Duncan gewöhnt. Seit sie das erste Mal zur Schönheitskönigin gewählt worden war, konnte sie sich vor Angeboten kaum retten. Manchmal wünschte sie sich, dass sie niemals an einer Misswahl teilgenommen hätte. Dann hätten die ganzen Männer sie vielleicht gar nicht registriert.

Höflich nickte sie Duncan zu – nicht mehr und nicht weniger. Anschließend nahm sie einen Schluck von ihrer Limonade und musterte das Gemälde über der Bar. Es zeigte die zwielichtige Lady Lily Divine mit einem mysteriösen Lächeln auf den Lippen und in ein durchsichtiges Gewand gekleidet.

Lange bevor Thunder Canyon den Goldrausch erlebt, sich zu einem wohlhabenden Ort entwickelt hatte und in eine tiefe Krise gestürzt war, von der sich die Stadt bis heute nicht erholte hatte, war Lily als Herzensbrecherin bekannt geworden.

Laila fragte sich, was Cade jetzt von ihr hielt, nachdem sie ihn bei der Misswahl abserviert hatte. War er deshalb nicht ans Telefon gegangen? Bald würde sie es wissen, denn in diesem Moment betrat er die Bar und hielt nach Laila Ausschau.

Sie winkte ihm zu und bemerkte, dass seine Fäuste geballt waren, wie an dem Abend der Misswahl. Langsam ging er auf sie zu. Er trug eine Schaffelljacke – eine Notwendigkeit, denn in den letzten Tagen war der Indian Summer zu Ende gegangen, und der kühle Oktober hielt Einzug.

Laila legte die Stirn in Falten. Es war schwer für sie, Cade in so einem Zustand zu sehen. Er war ein unerschrockener Mann, ein Lokalheld. Vor etwa einem Jahr hatte er einem Mädchen das Leben gerettet, das fast in einem See ertrunken wäre. Selbstverständlich hatte er seine Tat heruntergespielt.

Er war ein guter Mensch und seit Jahren ihr bester Freund, zumindest bis jetzt.

Sie hatte bereits ein Wasser für ihn bestellt. Und als er die Jacke über den Stuhl warf und sich setzte, schob sie es ihm wie ein Friedensangebot zu.

„Ich war nicht sicher, ob du heute Abend kommen würdest“, begann sie.

Cade schwieg. Nach all den Jahren, in denen sie sich getroffen hatten – aber sich nie körperlich nahe gekommen waren –, wusste sie, dass er seine Worte genau wählen würde. Er würde mit dieser leisen und tiefen Stimme reden, die die meisten Frauen faszinierte. Erneut fragte Laila sich, warum er diese Wirkung nicht auf sie ausübte.

Was stimmte nicht mit ihr? Es fiel ihr schwer, Gefühle für Männer zu entwickeln. Von den paar wenigen, die sie für Mr Right gehalten hatte, war sie bitter enttäuscht worden.

In diesem Moment musste sie an Jackson Traub denken. Sie konnte nicht vergessen, wie er sie angesehen hatte. Schnell verdrängte sie den Gedanken. Jackson war ganz sicher nicht ihr Typ. Das redete sie sich die ganze Woche schon ein.

Cade hielt ihrem Blick stand. „In der letzten Zeit habe ich viel nachgedacht. Das, was ich jetzt sage, habe ich mir reiflich überlegt. Schon lange vor dem Schönheitswettbewerb.“

Oje, das klang nicht gut. „Ich bin mir nicht sicher, worüber du redest.“

„Über die Zukunft, Laila.“

Seine direkte Art missfiel ihr.

„Du bist nicht die Einzige, die einen neuen Lebensabschnitt begonnen hat“, fuhr er fort. „Wenn man älter wird, wird man nachdenklicher.“

Sein Blick war unglaublich ernst. Laila hoffte, dass er nicht das sagen wollte, was sie befürchtete.

Doch genau das tat er.

„Ich habe es ernst gemeint, als ich sagte, dass ich dich heiraten möchte.“

Sie versuchte, keine Reaktion zu zeigen. Allerdings fiel ihr das schwer. „Cade, ich wollte dich nicht vor all den Leuten bloßstellen. Aber du weißt, was ich von der Ehe halte.“

„Ich weiß, was du mir gesagt hast.“

Jetzt war sie verwirrt. Hatte sie etwa den Eindruck bei ihm hinterlassen, dass sie tief in sich drin doch heiraten wollte? Das konnte nicht sein. Sie hatte sich immer sehr klar ausgedrückt.

„Cade …“, begann sie sanft.

„Hör mir zu. Ich weiß genau, dass du mich nicht liebst. Doch wir können einander viel bieten.“

Er machte eine Pause, und Laila sah ihm in die Augen. Es schien ihm wirklich ernst zu sein. Lag es vielleicht daran, dass er vor Jahren seine Verlobte verloren hatte?

Möglicherweise hatte Laila sich deshalb zu ihm hingezogen gefühlt. Sie wollte ihm Beistand leisten. Nach dem Tod seiner Verlobten hatte er sich emotional sehr verschlossen. Vielleicht sah er in Laila einen Menschen, mit dem er einfach Zeit verbringen konnte – ohne dass es kompliziert wurde.

Glaubte er wirklich, dass sie eine Ehe mit ihm führen könnte, die keine Liebe beinhaltete?

Dieser Gedanke beunruhigte sie. Es war nicht so, dass sie keine Liebe empfinden konnte. Doch sie hatte sich immer eher als Karrierefrau gesehen. Immerhin hatte sie hart daran gearbeitet, Abteilungsleiterin in der Bank zu werden.

Erwartungsvoll schaute Cade sie an. „Direkt vor der Misswahl habe ich ein langes Gespräch mit meinen Brüdern geführt“, sagte er.

„War dein Freund Jack Daniels auch dabei?“

Cade errötete leicht. „Na gut, ich muss zugeben, dass wir uns ein bisschen Whiskey gegönnt haben. Und je mehr ich getrunken habe, desto entschlossener wurde ich, dir die Frage aller Fragen zu stellen. Ich wollte wissen, woran ich bin. Und ich bereue nicht, dass ich es getan habe – obwohl es weitaus spektakulärer war, als es sonst meine Art ist. Mich hat nicht einmal gestört, dass ich einen Idioten aus mir gemacht habe. Dass mein Bruder auf die Bühne gekommen ist und dir ebenfalls einen Antrag gemacht hat, war natürlich nicht geplant gewesen.“

Laila war dieses Gespräch schrecklich unangenehm. Am liebsten wollte sie auf der Stelle weg. „Ich …“

„Ich möchte zu Ende bringen, was ich sagen wollte“, unterbrach er sie so energisch und laut, dass Duncan Brooks kurz von der Bar hersah.

„Ich möchte nicht mehr allein sein“, offenbarte Cade. „Geht es dir nicht genauso?“

Sie seufzte. Nur ungern wollte sie direkt sein. „Nein.“

Er runzelte die Stirn.

„Warum überrascht dich das?“, fragte sie. „Du weißt, dass ich mein Leben liebe, so wie es ist. Ich genieße es, abends in meine Wohnung zu gehen und selbst zu wählen, wann und was ich esse. Ich kann das im Fernsehen schauen, was mir gefällt.“

„Bist du nie einsam? Wachst du nie nachts auf und fragst dich, ob der Platz neben dir immer leer sein wird?“

Laila wusste nicht, was sie ihm entgegnen sollte, denn diese Frage stellte sie sich tatsächlich manchmal. Wenn sie ehrlich war, wurde ihr wirklich von Zeit zu Zeit bewusst, dass sie einsam war. Doch wenn sie am nächsten Morgen aufwachte, war sie froh über das Leben, das sie führte – auch wenn die Einsamkeit sie manchmal traurig machte.

Allerdings gab es gute Gründe dafür, nicht zu heiraten. Das beste Argument war das Beispiel, das ihre Mutter ihr gegeben hatte: Sie hatte stets versucht, sich nicht anmerken zu lassen, wie enttäuscht sie vom Leben war. Obwohl sie ihre sechs Kinder sehr liebte, war Laila nicht entgangen, wie sehr ihre Mom sich nach mehr Bildung und einem Studium gesehnt hatte. Mehrere Male hatte sie erwähnt, dass sie die Schule ernster hätte nehmen sollen, und dass Laila sich nicht auf ihr gutes Aussehen verlassen dürfe.

Ihre Mutter hatte sich einfach zu früh an einen Mann gebunden.

Laila hatte sich geschworen, dass sie erst etwas aus ihrem Leben machen wollte, bevor sie etwas Festes mit einem Mann anfing. Und das hatte sie bisher nicht bereut. Oder?

Im nächsten Moment schob sie ihre Limo beiseite und stemmte die Ellbogen auf den Tisch. „Nur weil man einsam ist, heißt das nicht, dass man gleich heiraten muss.“

Sein Blick wurde entschlossener. „Wir könnten mit der Zeit lernen, uns zu lieben. Und ich könnte dir Kinder schenken, bevor es zu spät ist.“

Warum trafen seine Worte sie wie ein Schlag ins Gesicht?

Sie musste sich eingestehen, dass sie in der letzten Zeit häufiger über das Älterwerden nachgrübelte. Hatte sie nicht genau deswegen an der Misswahl teilgenommen? Um allen zu zeigen, dass sie zwar nicht mehr jung, aber immer noch begehrenswert war?

Ihr Hals wurde trocken. Es gefiel ihr nicht, dass Cades Worte sie so aufwühlten. Sie wusste nicht, wie sie ihm beibringen sollte, dass er nicht mehr für sie war als ein guter Freund.

Während sie sich wünschte, sich in Luft aufzulösen, öffnete sich die Tür, und ein neuer Gast kam herein: Jackson Traub. Als sie ihn mit seinem Cowboyhut und in einen dunklen Mantel gekleidet zur Bar gehen sah, wurde ihr auf der Stelle warm.

Ein Kribbeln durchfuhr ihren ganzen Körper.

Bei Cade passierte ihr das nie.

Jackson bestellte einen Drink. Er schien zu spüren, dass sie ihn anstarrte, denn er hob seinen Hut und blickte ihr in die Augen.

Ihr wurde noch wärmer.

Sie rechnete damit, dass er ihr wieder dieses unwiderstehliche Lächeln schenken oder ihr wenigstens zuwinken würde. Doch stattdessen drehte er sich zum Barkeeper um, nahm ein Glas Whiskey von ihm entgegen und leerte es in einem Zug. Anschließend bestellte er ein weiteres und ignorierte Laila, als wäre niemals etwas zwischen ihnen passiert.

Verwirrt starrte sie den Tisch an.

Warum ignorierte Jackson sie? Oder erinnerte er sich einfach nicht mehr an ihren besonderen Moment bei der Misswahl? Vielleicht hatte es für ihn auch keine Bedeutung gehabt.

Dieser Schurke! Er ging ihr einfach nicht aus dem Kopf. Aber sollte er doch ruhig seine Spielchen spielen. Sie wusste, wann ein Mann an ihr interessiert war.

„Laila?“, fragte Cade.

Er schien beleidigt zu sein, weil sie ihm nicht mehr ihre Aufmerksamkeit schenkte. Sein Gesichtsausdruck war noch ernster. Und Laila wünschte sich verzweifelt, dass sie sich in Luft auflösen und nicht mehr mit Cade über die Dinge reden müsste, die sie mehr berührten, als sie zugeben wollte.

Jackson war ein sehr geduldiger Mensch.

Und er war recht aufmerksam. Er registrierte es, wenn eine Schönheit wie Laila Cates sich seiner Anwesenheit bewusst war.

Er nippte an seinem zweiten Whiskey und nickte einem Bekannten am Ende der Bar zu, den er vor Kurzem kennengelernt hatte. Woody Paulson war der Manager von LipSmackin’ Ribs, einem Spareribs-Restaurant, das mit dem von Jacksons Cousin DJ konkurrierte.

Jackson fragte sich, ob Laila ihn immer noch beobachtete. Doch er blickte nicht zu ihr hin. Stattdessen erinnerte er sich daran, wie er die bekannte Schönheit von Thunder Canyon zum ersten Mal in dem weißen Abendkleid auf der Bühne gesehen hatte. Ihr langes blondes Haar, ihre leuchtend blauen Augen und ihre cremefarbene Haut hatten ihn sofort gefesselt.

Diese Frau war eine einzige Versuchung. Er verzehrte sich nach ihr.

Doch er war nicht nach Thunder Canyon gekommen, um sich zu amüsieren. Das erste Mal war er vor ein paar Monaten wegen der Hochzeit seines Bruders Corey in der Stadt gewesen. Jackson war lange genug geblieben, um seine Meinung zur Ehe zu äußern und damit für einen Eklat zu sorgen. Danach war er zu seiner Ranch nach Midland in Texas aufgebrochen und hatte sich wieder um das Ölunternehmen seiner Familie gekümmert.

In den letzten Monaten war er ins Grübeln darüber geraten, was er auf der Hochzeit seines Bruders angestellt hatte. Zuerst hatte er sich eingeredet, dass er nur einen schlechten Tag gehabt hatte. Außerdem hatte er ein paar Gläser Champagner zu viel getrunken und sich zu sehr darauf eingeschossen, wie naiv sich seine Brüder der Ehe hingaben. Er hatte nie verstehen können, wie man überhaupt heiraten konnte.

Das Ganze endete dann damit, dass er bei der Trauung seine Stimme erhob und allen mitteilte, dass die Ehe die beste Möglichkeit wäre, eine Beziehung zu zerstören. Und als wäre das nicht genug gewesen, bezeichnete er seine zwei verheirateten Brüder als Waschlappen. Er selbst würde nie sein Leben für eine Frau verändern, fügte er noch hinzu. Und so hatte er es auch gemeint.

Verständlicherweise reagierten seine Brüder nicht gerade positiv auf seine Aussagen. Und als Jackson Thunder Canyon verließ, wusste er, dass er zu weit gegangen war. In der letzten Zeit hatte er darüber nachgedacht, wie er sein Fehlverhalten wiedergutmachen konnte.

Zudem überlegte er, was er in seinen vierunddreißig Lebensjahren alles erreicht und nicht erreicht hatte. Das Ergebnis war nicht gerade erfreulich.

Als sein älterer Bruder Ethan vermeldet hatte, dass er Möglichkeiten der Ölschiefergewinnung untersuchen wollte, war Jackson sofort hellhörig geworden. Das war eine Gelegenheit, um sich durch Engagement wieder mit seiner Familie zu vertragen.

Obwohl er nicht mit allem einverstanden war, liebte er seine Familie mehr als alles andere. Er wollte ihr zeigen, dass er kein Verlierer war, der sich auf Hochzeiten mit seinen Brüdern prügelte. Er wollte beweisen, dass er mehr konnte, als große Aufträge an Land zu ziehen und Kunden zu umwerben.

Jetzt war er also wieder in Thunder Canyon und fest entschlossen, hier bald die neue Filiale von Traub Oil Industries zu eröffnen. Sein Bruder Ethan hatte ihm erlaubt, sich um die Kommunikation mit der Bevölkerung zu kümmern. Die Menschen hier sollten wissen, dass Traub Oil alles tat, um auf möglichst umweltfreundliche Weise Öl zu gewinnen. Hierbei war vor allem der Kontakt mit den Ranchern und Landbesitzern wichtig, von denen das Unternehmen das Land gekauft oder gepachtet hatte.

Jackson wollte das Beste aus seiner Zeit in Thunder Canyon machen – und dazu gehörte, dass er sich auch ein wenig amüsierte.

Schließlich schaute er erneut zu Laila Cates, die in eine Unterhaltung mit Cade Pritchett vertieft war. Jackson kannte ihn nur von der Misswahl. Ehrlich gesagt hatte ihm der Mann fast etwas leidgetan. Sein Heiratsantrag war mehr als in die Hose gegangen. Und als auch noch Cades Bruder auf die Bühne getreten war, um Laila zu fragen, ob sie nicht lieber ihn heiraten wollte, hatte Jackson sich genötigt gefühlt, einzuschreiten.

Jackson hatte eine Schwäche für Frauen in Not – vor allem, wenn es so hübsche waren wie Laila. Er hatte sofort bemerkt, wie unangenehm ihr die Heiratsanträge der Brüder gewesen waren.

Ganz sicher war Laila daran gewöhnt, dass die Männer ihr zu Füßen lagen. Aber so in der Öffentlichkeit überfallen zu werden, schien ihr überhaupt nicht gefallen zu haben.

Im Moment schien sie sich erneut in einer unangenehmen Situation zu befinden, mit demselben Mann. Es war nicht zu übersehen, dass sie am liebsten sofort das Gespräch beendet hätte.

Deshalb überlegte Jackson, ob er erneut eingreifen sollte. Er konnte nicht mit ansehen, wie sie sich quälte.

Sie sah aus, als wäre sie gerade von der Arbeit gekommen. Der dunkelgraue Hosenanzug passte ihr wie angegossen, und das glänzende blonde Haar umrahmte ihr hübsches Gesicht. Sie war ganz klar eine Schönheit: mit feinen Gesichtszügen, hohen Wangenknochen und vollen sinnlichen Lippen.

Sein Herz schlug schneller bei ihrem Anblick.

Sollte er ihr zu Hilfe eilen oder nicht? Ihm blieb keine Wahl. Er ließ sein Whiskeyglas stehen und ging auf sie zu.

Intuitiv schien sie zu wissen, dass er zu ihr kam. Hatte sie etwa auf ihn gewartet? Der Gedanke ließ sein Herz noch schneller schlagen.

Autor

Gefahren

  • Dieses Produkt enthält keine bekannten Gefahren.

Kontakt zum Herausgeber für weitere Informationen zur Barrierefreiheit

  • Weitere Informationen zur Barrierefreiheit unserer Produkte erhalten Sie unter info@cora.de.

Navigation

  • Dieses E-Book enthält ein Inhaltsverzeichnis mit Hyperlinks, um die Navigation zu allen Abschnitten und Kapiteln innerhalb dieses E-Books zu erleichtern.