Pikantes Geständnis unter griechischen Sternen

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Die Erstausgaben entführen Sie in die aufregende Welt der Reichen und Schönen. Fiebern Sie mit, wenn eine betörende Cinderella auf einer weißen Jacht einen stolzen Milliardär zähmt, ein griechischer Tycoon die scheue Schönheit von nebenan wachküsst oder ein italienischer Conte seine Exfrau in seinen prunkvollen Palazzo entführt. Aber vor allem: Genießen Sie bis zur letzten Seite, wenn zwischen Glamour und heißer Leidenschaft an einem luxuriösen Sehnsuchtsort große Liebesträume wahr werden.
  • Erscheinungstag 20.01.2026
  • Bandnummer 2737
  • ISBN / Artikelnummer 0800262737
  • Seitenanzahl 144

Leseprobe

Abby Green

Pikantes Geständnis unter griechischen Sternen

PROLOG

Tara Simons blickte ihre geliebte jüngere Schwester Mary ungläubig an und versuchte, die aufsteigende Panik zu unterdrücken. „Erzähl mir bitte noch einmal ganz in Ruhe, was passiert ist.“

„Du schüchterst mich ein, wenn du die Hände so in die Hüften stemmst.“

Tara zwang sich zu einem beruhigenden Lächeln und nahm die Hände von den Hüften. „Ist es jetzt besser?“

Mary nickte. Sie war blass. Tara musste an den Tag vor fast zehn Jahren denken. Sie hatten am Grab ihrer Eltern gestanden. Damals war Mary erst dreizehn und sie sechzehn Jahre alt gewesen. Und Tara hatte ihren vier jüngeren Geschwistern plötzlich die Mutter und den Vater ersetzen müssen …

„Deine Eizellen, die du vor zwei Jahren hast einfrieren lassen. Es gab eine Verwechslung. Sie wurden verwendet, um einen Embryo mit den Samenzellen eines Kunden zu zeugen.“

Sie versuchte, zu begreifen, was ihre Schwester gerade gesagt hatte, die als Krankenschwester in einer Kinderwunschklinik arbeitete. „Okay … Aber das muss nicht unbedingt heißen, dass …“ Als sie den Gesichtsausdruck ihrer Schwester bemerkte, verstummte sie.

„Es tut mir so leid, Tara. Ich weiß, dass du deine Eizellen gespendet hast, weil du unabhängig sein und erst mal Karriere machen wolltest, nachdem du uns alle großgezogen hast. Du wolltest den richtigen Zeitpunkt für die Mutterschaft selbst bestimmen können – und jetzt …“

„Was jetzt?“ Ihre Nerven lagen blank.

Mary schluckte. „Dieser Embryo wurde einer Leihmutter hier in Dublin erfolgreich eingepflanzt. Sie ist in die USA zurückgekehrt, um für den Kunden das Baby auf die Welt zu bringen.“

„Für den Kunden“, wiederholte Tara. „Und der Kunde ist ein Mann?“ Als ihre Schwester nickte, schüttelte sie fassungslos den Kopf. „Aber wie? Warum? Wo?“

„Ich habe gerade erst herausgefunden, dass deine Eizellen verwechselt worden sind, als ich für einen anderen Kunden Eizellen entnehmen wollte, Tara, es tut mir so leid.“

„Aber … Es gibt ein Baby, sagst du?“

Mary nickte kläglich. Tara drehte sich der Kopf. „Du willst mir sagen, dass es irgendwo da draußen einen Mann gibt, der jetzt mein Baby hat?“

Die Tatsache, dass sie noch Jungfrau war und trotzdem ein Baby mit einem Fremden gezeugt hatte, kam ihr für eine Sekunde fast komisch vor. Aber nach einem Moment kehrte die Panik zurück. Sie packte ihre Schwester am Arm.

„Aua, du tust mir weh.“

Sie hörte nicht zu, sondern zerrte Mary aus dem Haus zu dem verbeulten Familienauto, das vor dem Haus stand.

„Wohin fahren wir?“

„Zur Klinik. Du wirst sofort die Identität des Mannes herausfinden, der jetzt der Vater meines Kindes ist.“

1. KAPITEL

Dionysos Dimitriou überflog die Crème de la Crème der Athener Gesellschaft in dem überfüllten Saal. Es war die alljährliche glamouröse Wohltätigkeitsveranstaltung – ein Maskenball in einer Privatvilla.

Die weit geöffneten Flügeltüren boten einen Blick auf die von Landschaftsgärtnern gestalteten Gärten und in der Abenddämmerung zauberten Laternen goldfarbene Lichter auf die glitzernden Outfits der Partygäste.

In solchen Momenten war er stets stolz darauf, wie viel er erreicht hatte. Er ließ den Blick über Industriekapitäne, Milliardäre, Politiker und schöne Frauen schweifen. Eine Frau war verlockender als die andere. Dennoch spürte er nicht den Hauch eines Interesses.

Sein Handy vibrierte. Das Kindermädchen hatte ihm eine Nachricht geschickt.

Nikolau schläft. Das Kindermädchen für die Nacht wird gleich hier sein.

Bis morgen. Elena.

Sein kleiner Sohn war der Grund dafür, dass sich seine Prioritäten verschoben hatten. Eine Leihmutter in den USA hatte Niko vor sechs Monaten geboren.

Dion scheute sich davor, zuzugeben, dass er immer noch keine wirkliche Verbindung zu dem Baby spürte. Ärzte und Experten hatten ihm jedoch versichert, dass es sich um eine normale Reaktion handelte – zumal er keine Erfahrung mit Kindern hatte. Väter brauchten manchmal eine Weile, um eine Beziehung herzustellen.

Vater zu werden, war der spontanste Entschluss seines bisherigen Lebens gewesen. Aber er hatte sich immer öfter gefragt, wofür all seine Errungenschaften gut waren, wenn er niemanden hatte, mit dem er sie teilen oder an den er sie weitergeben konnte.

Ihm war klar geworden, dass er sich nach einem Menschen in seinem Leben sehnte. Aber nicht nach einer längerfristigen Geliebten – und schon gar nicht nach einer Ehefrau.

Er wollte ein Kind, dem er eine bessere Erziehung zukommen lassen konnte, als sie ihm vergönnt gewesen war. Ein Kind, das einmal sein immer noch wachsendes Vermögen erben konnte. Er würde seinem Kind nicht den Rücken zudrehen, wie seine Eltern es getan hatten!

Seine Mutter hatte eine Affäre mit einem verheirateten, reichen Manager gehabt, der Kinder hatte. Deshalb hatte der Mann nichts mit Dion zu tun haben wollen. Die traumatische Erfahrung, von der Frau verlassen worden zu sein, die ihn am meisten hätte lieben sollen, hatte Dion geprägt. Er vertraute keiner Frau seine Gefühle an.

Also hatte er sich vor fast zwei Jahren an einige der besten Kinderwunschkliniken Europas gewandt, die Samenzellenspender und Eizellenspenderinnen sorgfältig auswählten. Durch künstliche Befruchtung im Labor mit einer Eizelle aus einer Klinik in Irland war es gelungen, ein Baby zu zeugen, das eine Leihmutter in den USA geboren hatte.

Und was ist mit der Liebe? fragte seine innere Stimme ganz leise. Er runzelte die Stirn. Nicht die Liebe hatte ihn dorthin gebracht, wo er heute war, sondern Wut, Schmerz, großer Mut und die Entschlossenheit, erfolgreich zu sein. Sein Sohn würde etwas Besseres als Liebe bekommen: Sicherheit, Respekt, Unterstützung. Einen Vater. Er brauchte keine Mutter. Auch Dion hatte ohne seine Mutter überlebt.

Dion betrachtete erneut die Partygäste und erkannte trotz ihrer Maske eine Frau, die auf ihn zukam. Da er nicht die Absicht hatte, erneut Kontakt zu der Ex-Geliebten aufzunehmen, ging er schnell auf die andere Seite des riesigen Ballsaales.

Dort bogen sich Tische unter Bergen von Fingerfood und edlen Getränken in allen Variationen. Kellner boten den Gästen Sekt an. In einer Ecke spielte eine Jazzband. Leo Parnassus und seine Frau Angel, die Gastgeber der Wohltätigkeitsveranstaltung, übertrafen sich dieses Jahr wieder einmal selbst.

Als er am Büfett stand, fiel ihm plötzlich eine Frau ins Auge. Er lehnte sich an eine der Marmorsäulen in dem riesigen Ballsaal und betrachtete sie. Ihre kupferroten Haare und der helle Teint mit den Sommersprossen fielen in Athen sofort auf. Die meisten anderen Gäste hatten eine sorgfältig gepflegte, golden gebräunte Haut, die von exklusiven exotischen Reisen oder aus Schönheitssalons stammte.

Die Haare der Fremden waren zu einem strengen Dutt frisiert, der den Blick auf ihren schlanken Hals und ihre Schultern lenkte. Sie trug eine dunkelgrüne Gesichtsmaske mit einer kunstvollen Feder, die die obere Gesichtshälfte bedeckte. Auch das trägerlose, bodenlange Satinkleid mit einem Rock aus mehreren Schichten Tüll und Seide war dunkelgrün. Ein kreuzförmiges Muster betonte ihre Brüste und die Taille.

Er wollte sie aus der Nähe sehen. Ihr Gesicht in Augenschein nehmen. Ihre Haut berühren. Das Blut pulsierte durch seine Adern. Während er sie beobachtete, nahm sie sich eines der Appetithäppchen von einer der Platten.

Jetzt konnte er ihr Profil sehen. Gerade Nase. Zartes Kinn. Ein sinnlicher Mund mit vollen Lippen. Da verzog die schöne Fremde das Gesicht, nahm eine Serviette, sah sich verstohlen um – und spuckte den Appetithappen angewidert in die Serviette, bevor sie sich erneut umsah.

Dion musste lächeln. Sein Interesse war jetzt erst recht geweckt, denn diese Frau lockte mit dem Reiz des absolut Neuen.

Als er aus dem Schatten der Säule heraustrat, drehte sie ihm den Kopf zu. Kurz bevor er vor ihr stehen blieb, stieg ihr die Röte ins Gesicht. Hinter der Maske konnte er grünblaue Augen erkennen. Die Fremde war wirklich atemberaubend.

Oh, du lieber Himmel! Hat er etwa gesehen, wie ich diesen blöden Happen in die Serviette gespuckt habe? Tara versuchte, die Serviette in ihren Händen zu verbergen. Am liebsten wäre sie im Boden versunken. Sie konnte nicht glauben, dass sie überhaupt Zutritt zu der Party bekommen hatte.

Ihr Bruder Oisín, ein Computerfreak, hatte es irgendwie geschafft, sie auf die Gästeliste zu setzen. Und es hatte geklappt: Das angsteinflößend aussehende Sicherheitspersonal hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt und sie einfach durchgewinkt, als sie ihren Namen genannt hatte.

In ihrem ganzen Leben hatte Tara noch nie einen so extravaganten und glamourösen Raum und so viele schöne Menschen gesehen. Das galt besonders für den Mann, der in diesem Augenblick auf sie zuging. Ein halbes Lächeln umspielte seinen sinnlichen Mund. Ihr wurden die Knie weich.

Er war fast zwei Meter groß, hatte dunkle Augen und dicke, dunkle Haare, die ihm bis zum Kragen reichten. Die schwarze Maske im Zorro-Stil verbarg die obere Hälfte seines Gesichts. Dennoch konnte sie erkennen, dass er blendend aussah. Er trug einen schwarzen Smoking, der seinen muskulösen, kraftvollen Körper perfekt in Szene setzte.

Vielleicht war er ein Model oder ein Filmstar? Tara war ziemlich sicher, dass sie auf dem Maskenball schon mindestens einen Hollywoodstar gesehen hatte, während sie sich im Hintergrund des Saales aufgehalten hatte.

Dann hatte sie das Büffet entdeckt und sich daran erinnert, dass sie seit dem Abflug in Dublin nichts mehr gegessen hatte. Und prompt war ihr die peinliche Sache mit dem Fingerfood passiert …

Sie musste den Kopf in den Nacken legen, um den Fremden anzusehen, als er vor ihr stehen blieb. Er war viel größer als sie, obwohl sie überdurchschnittlich groß war.

„Hallo.“

Seine tiefe Stimme klang rau. „Hallo“, brachte sie schließlich über die Lippen.

„Sie sind nicht von hier, nicht wahr?“

„Ich komme aus Irland. Dublin.“

„Nettes Land. Sehr grün und feucht.“

„Da kann ich nicht widersprechen.“

Er streckte seine Hand aus. Mit der Handfläche nach oben. Offenbar wollte er, dass sie ihm die Serviette mit dem ekligen Appetithäppchen reichte. Sie gab ihm zögernd die Serviette, die er kommentarlos an einen Kellner weiterreichte, der hinter einem der Büfetttische stand.

Jetzt war sie wirklich beschämt. Vielleicht war dieser Hüne nur als Gast verkleidet und gehörte einem speziellen Sicherheitsdienst an. Würde er sie jetzt diskret aus dem Saal führen und hinauswerfen lassen?

„Okay, und was würden Sie lieber probieren?“

Tara blinzelte. Er hielt einen Teller und eine Servierzange in der Hand und sah sie fragend an. Sie musterte die angebotenen Speisen und deutete auf die Hähnchenspieße. Er legte ein paar Hähnchenspieße zusammen mit etwas Salat auf den Teller.

„Mögen Sie Hummus?“

Völlig verwirrt nickte sie und sah zu, wie er Hummus, Fladenbrot, Käse und Oliven auf ihren Teller gab. Dann füllte er einen Teller für sich, winkte einen Kellner zu sich, der ihm die Teller abnahm, und schnappte sich zwei Gläser Sekt.

„Bitte folgen Sie mir.“ Er führte sie auf die Terrasse, wo der Kellner ihre Teller auf einen der wenigen noch freien Tische stellte. Im Kerzenlicht saßen bereits andere Partygäste und aßen.

Tara sah, dass die Akropolis auf einem Hügel in der Nähe beleuchtet war. Erst jetzt wurde ihr wirklich bewusst, dass sie in Athen war. Sie hatte darauf gebrannt, in die griechische Hauptstadt zu kommen, um Dionysios Dimitriou finden – und jetzt saß sie hier einem völlig Fremden gegenüber.

Allerdings musste sie etwas essen. Sie brauchte Nahrung, um nicht aus Hunger schwach zu werden, wenn sie den Vater des Babys – und ihren Sohn – ausfindig machte.

Sie trank sich mit einem kleinen Schluck Sekt Mut an. „Danke. Ich war nicht sicher, was die Etikette hier vorsieht.“

Er kostete das Hähnchenfleisch. „Da gibt es nichts zu danken!“

In seinen dunklen Augen hinter der Maske schien etwas Sündhaftes aufzublitzen. Ihr Herz schlug schneller. Ihre Haut fühlte sich heiß an.

Er hob sein Glas. „Yamas.“

Als sie ebenfalls ihr Glas hob, hatte sie das beunruhigende Gefühl, dass die Welt aus den Fugen geraten war. „Prost.“ Sie aß nur, um dieses seltsame Gefühl zu unterdrücken. Aber jedes Mal, wenn sie dem Mann, der ihr gegenübersaß, verstohlene Blicke zuwarf, kehrte es zurück.

Schließlich tupfte sie mit der Serviette ihren Mund ab und sah, dass er alles aufgegessen hatte. „Sie waren auch hungrig.“

„Ich habe vor langer Zeit gelernt, niemals Essen auf dem Teller zurückzulassen“, erwiderte er etwas rätselhaft. „Woher kennen Sie Leo und Angel Parnassus?“

Ihr Bruder hatte ihr eingebläut, dass Leo und Angel Parnassus die Gastgeber der Party waren: „Ich bin ein großer Fan von dem Schmuck, den Angel Parnassus entwirft.“ Tatsächlich hatte Tara sich im Internet über die Griechin informiert und war sofort von den filigranen, dezenten Schmuckstücken begeistert gewesen. Aber sie konnte sich auf keinen Fall jemals auch nur die winzigste Schmuckkreation dieser Frau leisten.

Der Fremde nickte. „Ihre Arbeit ist erstaunlich.“

„Das stimmt.“ Sie war froh, dass sie wenigstens kurze Recherchen angestellt hatte.

„Und dennoch tragen Sie heute Abend keinen Schmuck?“

Sie errötete. Keinen Schmuck mitgebracht zu haben, war ein Anfängerfehler. Sie besaß aber kaum Schmuck. Die wenigen Schmuckstücke ihrer Mutter waren zwischen ihr und ihren beiden Schwestern aufgeteilt worden. Sie hatte den Verlobungsring ihrer Mutter bekommen. Aber sie trug den Ring kaum, weil sie Angst hatte, ihn zu verlieren.

Bevor der attraktive Unbekannte sie vollkommen ablenken konnte und sie womöglich die Nerven verlor, lehnte sie sich nach vorn. Sie sah, wie er den Blick über ihre Brüste und dann wieder zu ihrem maskierten Gesicht wandern ließ. Ihr wurde glühend heiß, aber sie versuchte, seine Wirkung auf sie zu ignorieren. „Eigentlich bin ich hier, um jemanden ausfindig zu machen.“

„Oh?“ Er trank einen Schluck Wein.

Er hat sehr männliche Hände. Sofort schob sie den Gedanken weg. „Ja. Es ist so, dass ich nicht einmal sicher bin, wie der Mann aussieht. Er lebt sehr zurückgezogen.“ Alles, was ihr Bruder im Internet über den Großunternehmer Dionysios Dimitriou herausgefunden hatte, waren einschüchternde Fakten und Zahlen. Der Grieche hatte ein Milliardengeschäft aus dem Nichts aufgebaut.

Es gab nur sehr wenige unscharfe Fotos, die einen großen, dunklen Mann zeigten, der Baustellen besichtigte. Sein Gesicht war auch auf keinem der Bilder zu sehen, die auf gesellschaftlichen Veranstaltungen aufgenommen worden waren. Er war zu diesen Anlässen immer in Begleitung einer anderen schönen Frau gewesen und hatte den Kameras konsequent den Rücken zugedreht.

Dieser Dionysios Dimitriou war ein Rätsel. Die Presse nannte ihn einen einsamen Wolf. Wie, um alles in der Welt, sollte sie ihn erkennen?

„Wie ist sein Name? Vielleicht kann ich behilflich sein.“

Sie sah ihre Zufallsbekanntschaft ein wenig fassungslos an. Wenn sie ihm jetzt sagte, wen sie suchte, würde er ihr noch mehr Fragen stellen. Und sie wollte nur ungern einem völlig Fremden erzählen, warum sie hergekommen war.

In diesem Moment erschien ein Kellner und räumte die Teller ab. Tara nutzte den Moment, um sich zu sammeln. Als sie wieder allein waren, stand sie auf.

„Danke. Aber das wird nicht nötig sein. Und danke dafür, dass …“ Sie hatte sagen wollen, dass er nett war. Aber dieser Mann sah nicht nett, sondern gefährlich aus. Vor allem aber lenkte er sie viel zu sehr von ihrer Aufgabe ab, den Vater ihres Babys zu finden. „Ich sollte Sie nicht länger aufhalten. Bestimmt haben Sie Aufregenderes zu tun.“

Er stand ebenfalls auf. „Tanzen Sie mit mir, bevor Sie gehen?“ Er hielt ihr die Hand hin.

Im Ballsaal hatten die Paare zu tanzen begonnen und wiegten sich im Takt der sanften, sinnlichen Musik. Tara war hin- und hergerissen. Einerseits war sie hier, um eine Mission zu erfüllen. Andererseits hatte sie nie erwartet, dass diese ganze Szenerie so … magisch sein würde. Oder dass dieser aufregende Mann auftauchen und sie derart elektrisieren würde.

Seit dem Tod ihrer Eltern hatte sie sich nur sehr selten Zeit für sich genommen. Auch wenn ihre Tante und ihr Onkel die Vormundschaft übernommen hatten, war es doch Tara gewesen, die über Nacht die Mutter- und Vaterrolle hatte einnehmen müssen.

Ihre Tante und ihr Onkel hatten sich großartig verhalten und sie finanziell unterstützt. Aber sie hatten sich nicht so intensiv um sie kümmern können, wie sie und ihre Geschwister es gebraucht hätten. Zum Beispiel war ihnen nicht aufgefallen, dass ihr jüngster Bruder Oisín angefangen hatte, zu viel Zeit allein in seinem Zimmer zu verbringen.

Vor Kurzem hatte er ein Studium begonnen. Erst jetzt hatte Tara das Gefühl, sich ein wenig entspannen zu können, weil ihre Geschwister erwachsen waren. In all den Jahren hatte sie so viel verpasst. Nicht, dass sie es jemals bereuen oder deswegen verbittert sein würde. Sie hatte nur getan, was getan werden musste.

Aber jetzt sah dieser Mann sie an und forderte sie zum Tanzen auf. Sie hatte nicht einmal den Debütantinnenball ihrer Schule besucht und war als Fünfundzwanzigjährige immer noch Jungfrau. Die Erkenntnis weckte in ihr das Verlangen, zu rebellieren und diesen Moment zu nutzen.

Plötzlich war sie nicht mehr sicher, ob sie wirklich schon dazu bereit war, den Vater ihres Babys zu finden. Wäre es so schlimm, die Angelegenheit noch eine Weile aufzuschieben? Sobald sie ihn gefunden hätte, würde sie wieder Mutter sein.

Außerdem: Wer wusste schon, was passieren würde, wenn sie dem Vater gegenüberstand? Vielleicht würde sie erst um den Zugang zu ihrem Kind kämpfen müssen. Doch eins stand fest: Sie hatte nicht die Absicht, im Leben ihres Sohnes keine Rolle zu spielen.

Aber wäre es denn wirklich so schlimm, die Suche nach dem Vater ihres Kindes ein klein wenig aufzuschieben?

Bevor sie sich darüber zu viele Gedanken machen konnte, legte sie die Hand in die viel größere Hand des Mannes. Seine Finger fühlten sich rau an. Er war nicht bloß ein Geschäftsmann, sondern packte offenbar auch selbst mit an. Ein heißes Prickeln überlief sie, als er sie zurück in den großen Ballsaal führte.

Am Rand der Tanzfläche drehte er sich zu ihr um und zog sie in seine Arme. Ist das alles nur ein Traum? Wache ich gleich in dem beengten Sitz im Billigflieger auf, mit dem ich von Dublin nach Athen geflogen bin?

Nein. Sobald Tara den muskulösen, harten Körper des geheimnisvollen Fremden spürte, wurde ihr heiß – und sie wusste, dass dieser Moment allzu real war. Er hatte den Arm um ihren Rücken gelegt und drückte sie mit der Hand des anderen Armes an seine Brust.

Sie hatte das Gefühl, zu schweben. Er war ein perfekter Tänzer. Sie konnte nicht anders, als sich seiner Führung anzuvertrauen.

Zudem duftete er fantastisch. Sein Eau de Toilette war eine Mischung aus erdigen Duftkomponenten mit einem Hauch exotischer Gewürze.

Bislang hatte sie auf einen Punkt auf seinem Hemd in Augenhöhe gestarrt. Doch als sie jetzt aufsah, geriet sie beinahe ins Stolpern. Sein Blick war so intensiv, dass sie ihn auf der Haut zu spüren schien.

Seine Kiefermuskeln zuckten. Sie bemerkte die Bartstoppeln auf dem markanten Kinn und fragte sich, wie es sich anfühlen würde, wenn er damit über die empfindliche Haut der Innenseiten ihrer Oberschenkel reiben würde …

Als er aufhörte zu tanzen, erschrak sie. Hatte sie die Frage etwa laut ausgesprochen? Aber dann nahm er ihre Hand und führte sie von der Tanzfläche zurück auf die Terrasse. In einer abgelegenen Ecke drehte er sich zu ihr um. Sie atmete tief die frische Luft ein.

Dion wollte diese Frau. Aber er schien nicht nach dem gewohnten Muster vorgehen zu können. Diese Frau, diese Situation war anders.

Er mochte Sex, der für ihn eher ein rein körperliches Bedürfnis war, das es zu befriedigen galt. Aber er wollte keine Verpflichtungen eingehen. Er hatte nie den Wunsch, einer Frau über den Sex hinaus wirklich nahezukommen.

Doch all diese Überlegungen interessierten ihn im Moment nicht. „Darf ich Ihnen die Maske abnehmen?“ Er wollte sie sehen. Sie schluckte, nickte dann und drehte sich um. Ihre helle, durchscheinende Haut mit den Sommersprossen war so zart!

Er nahm ihr vorsichtig die Maske ab und widerstand nur mit Mühe dem Drang, durch ihre kupferfarbenen, seidigen Haare zu fahren, um sie aus dem strengen Dutt zu lösen.

Als sie sich ihm wieder zudrehte, nahm auch Dion seine Maske ab und sah, dass sie ihn mit großen Augen anstarrte. Er hatte das blendende Aussehen seines Vaters geerbt, der damit seine schwache Mutter verführt hatte. Wenn er in den Spiegel blickte, freute er sich nicht über seine ebenmäßigen Gesichtszüge, die ihn zu verhöhnen schienen.

„Wow. Sie sind ein schöner Mann.“

Er lächelte. Ihre Offenherzigkeit überraschte ihn – und er war durch nichts mehr so leicht zu überraschen. Sie hatte nichts von der kühlen Lässigkeit der Frauen an sich, die er gewohnt war, die aber wahrscheinlich nur gespielt war. Das gefiel ihm.

Als ob ihr gerade bewusst geworden wäre, was sie gesagt hatte, errötete sie. Bezaubernd. Er konnte sich nicht erinnern, wann eine Frau in seiner Gesellschaft zum letzten Mal errötet war. Die Frauen, die er kannte, waren so zynisch und hartgesotten wie er – und das war gut so. Denn er wollte nicht weich werden.

Aber vielleicht war es diesmal anders. Denn diese Frau mit ihren sanften Kurven und Rundungen strahlte eine Art von zurückhaltender Wärme und Weichheit aus, die wirklich neu für ihn war.

„Sie sind schön“, erwiderte er. Auf eine sehr erfrischend unverfälschte Art war sie eine Schönheit. Sie hatte riesige blaugrüne Augen, lange Wimpern, fein gezeichnete Augenbrauen und eine wunderschöne Haut. Ihr sinnlicher Mund war jede Sünde wert.

Mit einem Finger hob er ihr Kinn ein wenig an, sah in ihre riesigen Augen, spürte, wie ihr Atem über seine Haut strich, und bekam noch mehr Lust auf sie. Meine Güte. Er hatte sie kaum berührt und stand bereits in Flammen!

„Ich kenne nicht einmal Ihren Namen.“

Plötzlich wurde ihm klar, dass eine Frau zum ersten Mal seit langer Zeit nicht wusste, wer er war. Er hatte die Presse nie hofiert. Dennoch wusste in Griechenland jeder, wer er war.

Möglicherweise log sie ihn an. Aber erneut war er bereit, sich auf diese Fantasie einzulassen und den Moment der Anonymität zu genießen. „Namen werden überbewertet, meinen Sie nicht auch?“

„Ich glaube, da könnten Sie recht haben.“

Er ließ den Blick wieder zu ihrem Mund wandern. Sie biss auf die Unterlippe. Das Blut pulsierte in seinen Adern. „Ich möchte Sie küssen.“ Seine Stimme klang rau.

„Ich … ich glaube, das würde mir gefallen.“

Er legte die Hände auf ihre schlanken Arme und zog sie an sich, bis er ihre Brüste an seinem Oberkörper spürte. Er biss die Zähne zusammen, um sein Verlangen in Schach zu halten. Sie fühlte sich so gut an! 

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