Single Dad sucht Nanny für immer!

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„Werden Sie unsere Nanny!“ Bei Daniel Suttons Angebot schlägt Emmas Herz schneller. Der Job ist perfekt für sie, Daniels drei Töchter sind süß – und der alleinerziehende Anwalt ist ein Traummann. Aber leider steht von Liebe nichts im Vertrag …
  • Erscheinungstag 18.10.2021
  • ISBN / Artikelnummer 9783751508568
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Daniel Sutton musterte den Aktenberg auf seinem Schreibtisch. Da er jetzt der einzige Anwalt in Spring Forest war, schaffte er es kaum, alle Termine unterzubringen – ganz zu schweigen davon, Vorstellungsgespräche mit Kindermädchen zu führen.

Wenn nur seine Frau nicht vor zwei Jahren mit seinem Partner in der Kanzlei durchgebrannt wäre …

Seine Sekretärin klopfte leise an die Tür. Raina Clark war verwitwet, Ende dreißig und ein gutes Vorbild für seine Töchter. Sie blieb sogar dann freundlich, wenn er ihr noch mehr Arbeit aufhalste.

Von der Türschwelle aus informierte sie ihn jetzt: „Ihre Töchter sind da.“

Eine Sekunde später stürzten Paris, Penny und Pippa in sein Büro. Sogar Paris, seine älteste, die gerade in die Pubertät kam und sonst ziemlich launisch war, konnte ihre Aufregung kaum im Zaum halten.

Penny, die mittlere seiner Töchter, die die Schule hasste und Fußball liebte, erklärte mit ausgebreiteten Armen: „Das war’s, Dad! Wir haben es hinter uns. Drei Monate lang keine Schule.“

Ja, jetzt waren Sommerferien, und er musste die Mädchen daran erinnern, sich für einen Ferienkurs zu entscheiden, damit sie tagsüber etwas zu tun hatten.

Seine Jüngste, Pippa, rannte auf ihn zu, dass ihre blonden Zöpfe nur so flogen, und schlang die Arme um ihn. „Kannst du jetzt heimkommen, Daddy? Ja?“

Pippa hatte endlich aufgehört, sich nachts in den Schlaf zu weinen. Von ihrer Mutter im Stich gelassen zu werden hatte seine Töchter tief getroffen. Darum musste er eine einfühlsame Frau als Kindermädchen finden, die bereit war, sich um die Mädchen zu kümmern.

Immerhin war er allmählich ein Experte, wenn es darum ging, mit seinen Kindern zu verhandeln. Jetzt starrten ihn alle drei an und warteten ab, ob er seine Arbeit für sie hintanstellen würde. Er wünschte sich, das wäre so einfach.

Wenigstens hatte er ihre volle Aufmerksamkeit. Das kam selten vor. „Wie wäre es, wenn ihr mir fünf Minuten Zeit gebt, damit ich noch einen Anruf erledigen kann?“ Weil er ihre Enttäuschung bemerkte, fügte er hinzu: „Ihr könnt Raina Gesellschaft leisten oder in den Garten gehen.“

Diese Entscheidung fiel Penny leicht. „Lasst uns rausgehen.“

Penny rannte zur Hintertür hinaus, Pippa auf den Fersen. Paris folgte ihnen widerwillig.

Fünfzehn Minuten später beendete Daniel gerade sein Telefonat, als Penny ins Zimmer stürzte. „Dad, du musst mitkommen. Jetzt sofort.“

Er sprang auf. „Ist jemand verletzt?“

„Nein, aber komm mit.“ Sie zerrte ihn nach draußen und um die Veranda herum. Seine Töchter knieten neben der Terrasse und versuchten, durch zerbrochene Latten unter den Bretterboden zu kommen.

„Was macht ihr denn da?“, fragte er. Wenn sich da ein Waschbär oder Schlimmeres versteckt hatte …

„Es ist eine Katze“, sagte Paris, so aufgeregt, wie er sie schon lange nicht mehr erlebt hatte.

„Eine Glückskatze. Das bedeutet, ihr Fell hat drei Farben. Sie muss sich erschreckt haben, weil sie sich da unten verkrochen hat“, fügte Penny hinzu.

„Natürlich hat sie Angst“, sagte er. „Sie kennt euch drei doch nicht.“

Penny schaute zu ihm auf. „Meinst du echt, Dad? Wir machen ihr Angst?“

Paris beugte sich vor und flüsterte: „Ich glaube, sie ist trächtig.“

„Das kannst du erkennen?“, fragte er genauso leise.

Pippa machte eine Kreisbewegung mit beiden Armen. „Sie ist so fett. Sie muss trächtig sein.“

Daniel hatte keine Ahnung von Katzen. Er nahm an, die Katze könnte auch eine Krankheit haben, wegen deren sie so aufgedunsen war. Aber wenn sie tatsächlich trächtig war …

Was in aller Welt sollte er mit der Katze anstellen, wenn sie aus dem Versteck kam? Er sah seine drei Töchter an, die ihn anstarrten und hofften, dass er eine Lösung finden würde. Da erinnerte er sich an das Tierheim am Stadtrand. Er spendete dem Verein jedes Jahr etwas. Dann konnten sie sich wenigstens um diese Katze kümmern. Aber erst mal musste er sie einfangen.

„Ich glaube, ich habe eine Idee“, sagte er. „Ich suche im Bürokühlschrank nach etwas Essbarem, mit dem wir sie herauslocken können. Im Abstellraum ist auch bestimmt noch ein Karton. Da können wir sie reinsetzen und dann ins Tierheim bringen.“

„Das von Fellknäuel fürs Leben?“, fragte Penny.

„Ja. Die sorgen gut für die Tiere. Ich bin mir sicher, die können ein gutes Zuhause für sie finden.“

Pippa meldete sich zu Wort. „Wir könnten sie doch behalten, Dad.“

Diese Idee musste er im Keim ersticken. „Nein, können wir nicht. Ich kenne mich mit Katzen nicht aus. Die Leute im Tierheim wissen, wie man am besten für sie sorgt. Aber jetzt müsst ihr der Katze erst mal gut zureden, damit sie herauskommt.“

„Was sollen wir denn sagen?“, fragte Penny.

„Einfach nur, dass ihr nur wollt, dass es ihr gut geht. Ich besorge jetzt mal Futter und eine Kiste.“

So viel zum Thema, heute noch zu arbeiten. Andererseits würde er Zeit mit seinen Töchtern verbringen. Und das war dringend notwendig, bevor er sich an das Problem heranwagte, ein Kindermädchen anzuheuern.

Emma Alvarez half leidenschaftlich gern bei den Tierrettern von Fellknäuel fürs Leben aus. Das Problem war nur … sie brauchte einen richtigen Job, einen, mit dem sie Geld verdiente. Sie hatte sich erst vor Kurzem ganz spontan entschlossen, von Pennsylvania nach North Carolina zu ziehen – eine falsche Entscheidung, wie sich herausgestellt hatte. Sie war wegen eines Mannes hergekommen. Doch sie war geblieben, weil sie Spring Forest und die Menschen hier mochte. Der andere Grund, warum sie noch da war, war ihr Stolz.

Emma lächelte, als sie an der Wand vorbeiging, an der Werke von Künstlern aus der Gegend hingen, die die verschiedenen Katzen- und Hunderassen zeigten. Sie war auf dem Weg ins Foyer, um sich eine Liste mit den verfügbaren Pflegefamilien zu holen.

Dort bemerkte sie, dass die Theke gerade nicht besetzt war. Vielleicht war der freiwillige Helfer, der gerade Dienst hatte, mit einem Besucher bei den Tieren.

In diesem Augenblick wurde Emmas Aufmerksamkeit auf die Eingangstür gelenkt. Drei Kinder stürmten herein, gefolgt von einem hochgewachsenen Mann, der einen Karton trug. Einem attraktiven Mann. An den Seiten waren Löcher in den Karton gestanzt. Emma vermutete, dass sich ein Tier in der Box befand.

Der Besucher hatte dunkles Haar, das er kurz und sauber geschnitten trug. Er hatte ein weißes Anzughemd an und wirkte Respekt einflößend, als er die Mädchen mit tiefer Stimme ermahnte: „Macht mal langsam, bis wir wissen, wo wir hinmüssen.“

Vielleicht seine Töchter?

Emma hatte ihn hier noch nie zuvor gesehen.

Zwei der Mädchen plapperten ununterbrochen. Die mittlere, die aussah, als ob sie ungefähr neun Jahre alt war, hatte eine Baseballmütze verkehrt herum auf und zerrte am Ellbogen ihres Vaters. „Was werden sie mit ihr machen? Wo kommt sie hin? Wie lange behalten sie sie?“

Die kleinste schien von den Kunstwerken an der Wand fasziniert zu sein. „Ist das nicht toll?“ Sie zeigte auf das Foto von einer Katze, die durch digitale Effekte in Form von bunten Farbflächen abgebildet worden war.

Die älteste blieb scheinbar ungerührt. Elf oder zwölf, schätzte Emma. Alle drei Mädchen trugen bunte Röcke und Blusen.

Der Mann begegnete Emmas Blick. Seine Augen waren grün. Peinlicherweise schaffte sie es nicht wegzuschauen.

Zum Glück unterbrach er den Blickkontakt, indem er auf sie zuging. „Sind Sie hier zuständig?“ Er musterte sie – sie trug ein weißes T-Shirt mit dem roten Logo von Fellknäuel fürs Leben, einem Hunde- und ein Katzenprofil in einem Herzen, und Jeans. Ihre Garderobe war auf ein Minimum reduziert, weil ihr Umzug nach Spring Forest so eine spontane Entscheidung gewesen war. Eine sehr schlechte spontane Entscheidung. Als sie sich das ins Gedächtnis rief, prägte sie sich ein, dass sie sich weder von den Augen noch von den Worten oder dem Lächeln eines Mannes verzaubern lassen durfte. Nie wieder.

„Im Augenblick ja. Wie kann ich helfen?“

Die drei Mädchen scharten sich um sie. Eifrig berichtete die jüngste: „Wir haben sie in der Kanzlei von meinem Dad unter der Veranda gefunden. Wir denken, dass sie trächtig ist.“

„Es ist eine Katze“, erklärte die mittlere. „Sie ist weiß mit schwarzen und goldenen und braunen Flecken.“

„Dann ist sie eine Glückskatze“, sagte Emma.

„Mädchen, stellt euch erst mal vor. Ich bin Daniel Sutton“, sagte er. „Und das sind meine Töchter – Paris, Penny und Pippa.“

„Ich bin Penny“, sagte die mittlere und hob die Hand.

„Ich bin Emma Alvarez“, erwiderte Emma.

„Wer hat die Bilder an den Wänden gemalt?“, fragte die jüngste.

Emma lächelte das kleine Mädchen an. „Künstler hier aus Spring Forest und Umgebung. Malst du gerne?“

„Ja. Aber ich bin nicht sehr gut.“

Mit einem Lächeln – einem Lächeln, bei dem sie ein Kribbeln im Bauch bekam – fragte Daniel Sutton: „Wo sollen wir die Katze hinbringen? Ich kenne mich hier nicht gut aus. Das ist jetzt das erste Mal, dass ich hier bin seit dem Tornado im März.“

Emma wusste, dass das Tierheim seit dem Tornado umgebaut worden war. Einige Bauarbeiten waren immer noch nicht abgeschlossen. „Seid ihr sicher, dass die Katze keinem Nachbarn gehört?“, fragte Emma.

„Ich habe auf beiden Seiten nachgefragt. Die Nachbarn haben keine Katzen und kennen die Kleine hier auch nicht. Sie werden sie doch aufnehmen, oder? Ich spende dem Tierheim auch jedes Jahr etwas …“

Spenden waren wichtig, das musste Emma zugeben. Aber Spenden hatten nichts damit zu tun, ob sie ein Tier aufnahmen oder nicht. „Ich nehme sie mit nach hinten in den Quarantänebereich.“

„Was ist Quarantäne?“, fragte Pippa.

Paris ließ Emma keine Zeit, die Frage zu beantworten. „Wenn ein Tier einzeln gehalten wird, um zu sehen, ob es irgendwelche Krankheiten hat.“

„Ich will aber nicht, dass sie allein ist“, sagte Penny und verzog das Gesicht.

„Sie wird nicht ganz alleine sein“, erklärte Emma. „Nur von den anderen Tieren getrennt, bis wir sicher sind, dass sie gesund ist. Wir werden sie auch scannen, um nachzusehen, ob sie gechipt ist. Wenn ja, könnte uns das helfen, ihre Eigentümer zu finden.“

In Daniel Suttons Augen standen unzählige Fragen. Wahrscheinlich richtig schwierige Fragen, wie etwa, was sie tun würden, wenn die Katze ernsthaft krank war. Emma wollte diese Fragen nicht vor seinen Töchtern beantworten.

„Können wir mitkommen?“, fragte Pippa.

Emma ging vor Pippa in die Hocke, um ihr in die Augen sehen zu können. „Ich sag euch was. Warum begleitet ihr mich nicht ein Stück? Dann könnt ihr durchs Fenster alle anderen Katzen ansehen, die wir haben.“

„Habt ihr auch Hunde?“, fragte Paris.

„Ja, haben wir. Die könnt ihr euch auch ansehen. In der Zwischenzeit bringe ich eure Glückskatze nach hinten und rede mit unserer Tierarzthelferin. Sie wird die Katze untersuchen.“ Emma schaute wieder zu Daniel hinüber. „Ich habe ein Formular, das Sie ausfüllen müssten. Wenn Sie zusammen mit Ihren Töchtern warten wollen, bring ich es Ihnen gleich.“

Sie griff nach dem Karton. Zunächst stellte sie ihn auf einen Tisch in der Nähe. „Ich will nur mal einen Blick hineinwerfen. Ich bin sicher, Ihre Töchter wollen ihr auch noch alles Gute wünschen.“

Pippa, Paris und Penny drängten sich um die Box, als Emma den Deckel abnahm. „Oh, bist du aber eine Hübsche“, sagte Emma. Das weiße Fell war ein bisschen schmutzig, aber die Farben leuchteten.

„Werden Sie sie baden?“, fragte Pippa.

Emma lachte. „Ich glaube nicht. Wenn sie gut versorgt ist und genug zu fressen hat, macht sie sich selbst sauber. So machen Katzen das. Ich vermute, sie ist erschöpft, weil sie so viel herumgerannt ist, um einen Unterschlupf und etwas zu fressen zu finden.“

Die Mädchen hingen ihr förmlich an den Lippen.

Als Emma aufsah, bemerkte sie, dass Daniel Sutton sie beobachtete. Seine Miene war … Er sah neugierig aus, um genau zu sein. Sie war auch neugierig, was ihn anging. Aber dazu hatte sie kein Recht. Wahrscheinlich war er verheiratet.

Er hatte keinen Ring am Finger. Aber sie wusste besser als die meisten Leute, dass so ein Symbol unter Umständen nichts zu bedeuten hatte.

Sie rief sich ins Gedächtnis, dass ihr Interesse nur der Katze gelten sollte. Und vielleicht den Mädchen. Daher fragte sie: „Hat sie euch Schwierigkeiten gemacht, als ihr sie eingefangen habt?“

Daniel schüttelte den Kopf. „Sie war gefügig. Hat sogar geschnurrt, als Penny sie gestreichelt hat.“

„Haben Sie ihr was zu fressen gegeben?“

„Ich hatte Brathühnchen im Bürokühlschrank. Davon habe ich ein Stück abgeschnitten und klein gehackt. Das hat sie verschlungen.“

„Echt schnell“, fügte Pippa hinzu.

Und Paris sagte leise: „Sie hat sich auch an meinen Beinen gerieben. Als ob sie Freundschaft schließen wollte.“

Die Katze sah Emma an, als ob sie fragen wollte, was als Nächstes passieren würde. Emma wünschte, die Antwort auf diese Frage zu kennen. Sie konnte nur hoffen.

Daniel war aufgewühlt, als Emma Alvarez sich mit der Katze entfernte. Seit Lydia ihn verlassen hatte, hatte er sich nicht mehr zu einer Frau hingezogen gefühlt. Was in aller Welt war das jetzt?

Offensichtlich war Emma sehr mitfühlend. Nicht nur was Tiere anging, sondern auch in Bezug auf Kinder. So viel Mitgefühl hatte er bei seiner Ex-Frau nie erlebt.

Keine Vergleiche. Kein Interesse, befahl er sich. Inzwischen fühlte er sich endlich wieder wie ein richtiger Mensch. Aber dafür hatte er zwei lange Jahre gebraucht.

Dann kam ihm der Gedanke, dass Emma Alvarez ein großartiges Kindermädchen wäre. Emma gab ihm ein Gefühl, das er einfach nicht ignorieren konnte. Vor allem, nachdem er gesehen hatte, wie seine Töchter auf sie reagierten.

Als er aufschaute, bemerkte er, dass Emma gerade auf der anderen Seite des Fensters zum Katzentrakt mit einer Helferin sprach. Die Frau kam heraus und fragte Pippa, Penny und Paris, ob sie reinkommen und ein paar der Katzen streicheln wollten. Das wollten sie natürlich.

Schließlich kehrte Emma aus dem Büro auf der anderen Seite der Lobby mit ein paar Formularen an einem Klemmbrett zurück. „Warum setzen wir uns nicht, während Sie das hier ausfüllen? Wenn Sie Fragen haben, kann ich sie dann gleich beantworten“, schlug Emma vor.

Daniel klopfte leise an die Fensterscheibe, und Paris schaute auf. Er zeigte auf das Klemmbrett und in Richtung Lobby. Sie hob den Daumen, um anzudeuten, dass sie verstanden hatte.

Als sie ins Foyer gingen, berichtete Emma: „Die Katze, die Sie uns gebracht haben, war nicht gechipt. Und bei ihr muss ein Test für FIV und Katzenleukämie gemacht werden. Darüber wollte ich in Gegenwart ihrer Töchter nicht sprechen.“

„Was ist, wenn einer dieser Tests positiv ist?“

Emma sah ihn traurig an, und er wusste, was das bedeutete.

„Warum?“, fragte er, überrascht, dass ihm das wichtig war.

„Momentan laufen Forschungen, ob eine FIV-positive Katze ohne Gefahr für andere Tiere aufgenommen werden kann. Aber noch müssen beide Krankheiten als hoch ansteckend eingestuft werden.“ Sanft berührte sie seinen Arm.

Er konnte nicht glauben, wie viel Hitze von so einer leichten Berührung ausstrahlen konnte. Als er aufblickte, bemerkte er ihren beinahe überraschten Gesichtsausdruck. Spürte sie das auch?

Emma räusperte sich. Sie zeigte auf zwei Sessel in der Lobby. Nachdem sie sich gesetzt hatten, reichte sie ihm das Klemmbrett und einen Stift. Sie saßen so eng nebeneinander, dass sein Knie beinahe an ihres stieß. Er zog sein Bein nicht weg, weil das zu offensichtlich gewesen wäre. Offensichtlich, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte? Oder offensichtlich, dass er ihr ausweichen wollte?

Er legte das Klemmbrett auf seine Oberschenkel. Die Bedeutung von Emmas Erklärung traf ihn mitten ins Herz. „Wenn Sie diese Katze und ihre Kätzchen nicht retten können, werden meine Töchter am Boden zerstört sein.“

„Das verstehe ich“, sagte Emma voller Mitgefühl. „Und Sie sollten die Hoffnung nicht aufgeben – das Ergebnis kann ja negativ sein. Ich würde vorschlagen, dass Sie mit Ihren Töchtern nach Hause fahren, und ich rufe Sie später an, wenn die Ergebnisse da sind.“

„Ich gebe Ihnen meine Handynummer. Dann können Sie mich immer und überall erreichen. Haben Sie Ihr Handy da?“

Das hatte sie. Sie zog es von ihrem Gürtel ab und gab Daniels Nummer ein.

Er sollte eigentlich die Formulare ausfüllen und nicht Emma dabei zusehen, wie sie seine Daten eintippte, dachte er. Als sie ihren Blick hob und seinem begegnete, aber sich nicht sofort abwendete, überraschte ihn das.

Doch dann schaute er weg. Die Formulare waren auf einmal viel wichtiger als Emma Alvarez.

An diesem Abend saß Daniel in seinem Arbeitszimmer und hörte zu, wie seine Töchter im Wohnzimmer auf der anderen Seite der Eingangshalle sich mit einem Computerspiel beschäftigten. Der großzügige Grundriss war einer der Gründe, warum seine Ex-Frau und er das Haus gekauft hatten.

Im Wohnzimmer war Pippas Lachen zu hören. Daniel sah sich in seinem Arbeitszimmer um. Er musterte die Bücherregale, den riesigen Schreibtisch, Computer und Drucker. Ohne seine Töchter bedeutete ihm weder dieses Haus noch seine juristische Karriere irgendetwas.

Er widmete sich wieder dem Sommerferienprogramm des örtlichen Colleges. Er hoffte, dass es noch nicht zu spät war, seine Töchter anzumelden. Als er anfing, die Liste durchzugehen, vibrierte sein Handy. Er sah, dass es sich bei dem Anrufer um E. Alvarez handelte. Sein Herz klopfte schneller.

„Mr. Sutton?“, fragte sie.

„Sag doch bitte Daniel“, schlug er vor. Das war nicht zu aufdringlich, oder?

Emma zögerte. Aber dann sagte sie: „Na gut. Daniel. Die Katze ist negativ. Und wir werden sie aufnehmen. Ich habe sie wegen ihrer bunten Farben Fiesta getauft.“

„Ich bin so froh, dass sie jetzt an einem sicheren Ort ist“, sagte Daniel.

„Leider können wir uns nicht besonders intensiv um Fiesta kümmern, weil das Tierheim voll belegt ist. Ich werde mein Bestes tun, ein Auge auf sie zu haben. Aber es wäre wirklich besser, wenn sie bei dir und deinen Töchtern bleiben könnte.“

„Nein.“ Ohne auch nur darüber nachzudenken, lehnte er ab.

„Darf ich fragen, warum?“, erkundigte sie sich sanft.

Nach kurzer Überlegung sagte er ihr die Wahrheit. „Ich bin geschieden und alleinerziehender Vater von drei Töchtern, die viel Zuwendung brauchen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, auch noch mit einem Haustier fertigzuwerden.“

Emma schwieg einen Augenblick. Dann sagte sie leise: „Ich verstehe. Wenn ihr sie nicht adoptieren könnt, warum kommst du sie nicht noch mal mit deinen Töchtern im Tierheim besuchen? Ich bin sicher, ihnen würde das gefallen. Und ihr auch. Sie ist eine sehr zutrauliche Katze.“

„Ich werde darüber nachdenken“, versicherte er ihr. Vielleicht, weil er Emma Alvarez wiedersehen wollte und nicht die Katze.

„Wann immer du Zeit hast. Weißt du, wann wir aufhaben?“

„Ja. Hast du immer dieselbe Schicht?“

„Meine Schicht hängt ganz davon ab, wann das Tierheim mich braucht.“

Daran hatte er nicht gedacht.

„Wir hoffen, dass wir euch bei Fellknäuel fürs Leben bald wiedersehen werden“, sagte sie höflich. „Dann wünsche ich noch einen schönen Abend, und grüß deine Töchter von mir.“

„Mache ich.“

Nachdem Daniel den Anruf beendet hatte, wünschte er sich, das Gespräch hätte länger gedauert. Sollte er sie noch mal bei Fellknäuel fürs Leben besuchen, wenn er sich so zu ihr hingezogen fühlte?

Sein gesunder Menschenverstand sagte ihm, dass er das besser nicht tun sollte.

2. KAPITEL

Der Coffeeshop „Whole Bean“ war ein beliebter Treffpunkt in Spring Forest. Daniel war dankbar, dass seine Schwester sich an diesem Samstag um seine Töchter kümmerte. So hatte er Zeit, ein paar Besprechungen nachzuholen.

Der Coffeeshop war in der Nähe der Kanzlei. Er sah auf die Uhr und stellte fest, dass er noch zehn Minuten Zeit hatte, bevor er im Büro sein wollte.

Er ging hinein, holte sich einen Kaffee und sah sich gerade nach einem Tisch um, als er wie angewurzelt stehen blieb. Emma Alvarez saß allein an einem Tisch für zwei. Wartete sie auf jemanden?

Es sah nicht so aus. Sie hatte die Zeitung vor sich ausgebreitet und einen Stift in der Hand.

Sein Herz klopfte schneller.

Er ging zu ihrem Tisch hinüber und blieb stehen. Sie sah überrascht auf.

Bevor er sich zurückhalten konnte, fragte er: „Darf ich mich zu dir setzen?“

Sie wirkte verlegen, faltete aber die Zeitung zusammen und legte den Stift hin. „Ich habe nichts dagegen.“

Er musterte ihren Kaffee. Das sah ganz nach einem Latte aus.

Sie bemerkte seine Neugierde und bedachte daraufhin sein Getränk mit einem prüfenden Blick. „Ja, ich trinke Latte macchiato – mit Vanillegeschmack. Und du?“

Er setzte sich und deutete mit einem Kopfnicken auf seinen Becher. „Das sieht nur aus wie schwarzer Kaffee. Da ist auch noch ein Espresso drin.“

„Genug Treibstoff für den ganzen Tag?“, scherzte sie. „Oder brauchst du mittags Nachschub?“

„Ich habe mir ein Limit von zwei am Tag gesetzt. Ich habe so schon genug Schwierigkeiten durchzuschlafen.“

„Wegen deiner Töchter?“, fragte sie und wurde rot. „Tut mir leid. Ich wollte nicht neugierig sein.“

„Ich habe doch angefangen. Und jawohl, meine Töchter stören oft genug meine Nachtruhe. Pippa schreit oft im Schlaf. Seit meine Frau uns verlassen hat.“

„Du hast erwähnt, dass du geschieden bist …“

Autor

Karen Rose Smith
Karen Rose Smith wurde in Pennsylvania, USA geboren. Sie war ein Einzelkind und lebte mit ihren Eltern, dem Großvater und einer Tante zusammen, bis sie fünf Jahre alt war. Mit fünf zog sie mit ihren Eltern in das selbstgebaute Haus „nebenan“. Da ihr Vater aus einer zehnköpfigen und ihre Mutter...
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