Über den Dächern von Monaco

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Eine verwöhnte Millionenerbin! Dante Allegris Urteil über die junge Edie steht fest, als er sie am Spieltisch seines Kasinos in Monaco trifft. Wie sehr er sich getäuscht hat, begreift er erst, als es zu spät ist – und das Feuer seiner Lust heißer brennt als die Mittelmeersonne …


  • Erscheinungstag 27.08.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751543095
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

Heidi Rice

Über den Dächern von Monaco

1. KAPITEL

Ich versuchte, die aufsteigende Panik zu unterdrücken, während ich das Schild über dem Eingang zu Dante Allegris Kasino in Monaco las.

Willkommen im Inferno.

Die glitzernden Lichter verliehen dem imposanten Gebäude aus dem achtzehnten Jahrhundert in dieser Sommernacht einen märchenhaften Glanz, und ich kam mir in meinem Secondhand-Designerkleid und den unbequemen High Heels, die meine Schwester und ich online erstanden hatten, umso mehr vor wie eine Hochstaplerin. Was ich vorhatte, würde über das Schicksal meiner Familie entscheiden.

Bitte, lieber Gott, mach das Dante Allegri heute nicht im Haus ist.

Ich hatte Fotos von Dante Allegri gesehen und in den vergangenen Monaten als Vorbereitung auf diesen Abend unzählige Artikel über ihn gelesen. Als Spieler respektierte ich ihn, als Mann fürchtete ich ihn.

Allegri war berüchtigt für seine Rücksichtslosigkeit. Aufgewachsen im Armenviertel von Neapel, hatte er in Europa und den Vereinigten Staaten ein milliardenschweres Kasinoimperium aufgebaut. Wenn ich gegen ihn spielen musste und er mein System durchschaute, würde er keine Gnade walten lassen.

Eine leichte Brise vom Jachthafen unterhalb des Kasinos spielte mit den Haarsträhnen in meinem Nacken, die sich aus der aufwendigen Hochsteckfrisur gelöst hatten, für die meine Schwester mehrere Stunden gebraucht hatte. Mir lief ein Schauer über den Rücken, doch es war nicht die laue Sommernacht, die mich frösteln ließ – es war die Angst.

Ich hob den Saum meines Kleides und schritt die Marmortreppe zum Haupteingang hoch, den Rücken stolz, den Blick geradeaus. Der Scheck über eine Million, die ich mir vom Kredithai meines Schwagers geliehen hatte, in der juwelenbesetzten Handtasche an meinem Handgelenk fühlte sich tonnenschwer an.

„Wenn Sie gutes Geld schlechtem hinterherwerfen wollen, ist das Ihre Entscheidung, Miss Trouvé, aber ich werde morgen abkassieren, egal was passiert.“

Die Worte von Brutus Severin, Carsonis Muskelprotz, klangen noch in meinem Kopf.

Dies war meine letzte Chance, den Drohungen und Einschüchterungsversuchen ein Ende zu machen, der Angst, nicht nur unseren Familiensitz endgültig zu verlieren, sondern auch unsere Würde, unsere Selbstachtung. All das hatte Jason, der Ehemann meiner Schwester Jude, uns vor zwölf Monaten genommen – nachdem er an Allegris Roulettetischen ein Vermögen verloren hatte.

Scheitern war keine Option. Das Buy-in für das heutige Spiel betrug eine Million Euro. Und ich konnte mir nicht leisten, diese Million zu verlieren.

Ich näherte mich der Security und zeigte meinen Ausweis. Ich betete, dass Carsonis Fälscher sein Geld wert gewesen war. Der Türsteher nickte und gab mir den Ausweis zurück.

Was, wenn mein System nicht funktionierte? Ich war ein Mathe-Wunderkind, kein Pokerprofi! Wenn Allegri hier war und beschloss mitzuspielen – wie er es meinen Recherchen nach gelegentlich tat – und mich schlug, wäre Belle Rivière nicht nur für immer verloren, ich würde Carsoni auch eine weitere Million schulden, die ich nicht zurückzahlen konnte. Denn der Erlös aus dem Verkauf des Anwesens würde, nachdem wir alle Wertgegenstände und die meisten Möbel schon verkauft hatten, gerade mal reichen, um Jasons Schulden und die astronomischen Zinsen zu decken, die Carsoni uns seit der Nacht von Jasons Verschwinden aufgebrummt hatte.

Bitte, ich flehe dich an, lieber Gott. Mach, dass Allegri nicht hier ist.

Der Türsteher gab einem großen, gutaussehenden Mann ein Zeichen, der daraufhin zu uns herüberkam.

„Willkommen im Inferno, Miss Spencer“, sagte der Mann. „Ich bin Joseph Donnelly, der Direktor des Kasinos. Sie sind für das heutige Pokerturnier gelistet.“ Er bedachte mich mit einem fragenden Blick. Offenbar war es unüblich, dass jemand meines Alters und Geschlechts an der wöchentlichen Pokerrunde des Kasinos teilnahm. „Ist das korrekt?“

Ich nickte und versuchte, die elitäre, privilegierte Millionenerbin in mir hervorzukehren – immerhin war meine Mutter die Enkelin eines französischen Grafen.

„Ich habe gehört, die Pokerrunde im Inferno gehört zu den anspruchsvollsten“, sagte ich. „Ich hatte gehofft, dass Allegri heute hier ist“, log ich dreist und ging ganz in meiner Rolle der reichen, verwöhnten Tochter auf. Wenn meine Mutter mich eins gelehrt hatte, dann wie man Zuversicht ausstrahlte, obwohl man das Gegenteil empfand.

Der äußere Schein ist alles, ma petite chou. Wenn sie glauben, du bist eine von ihnen, kannst du nicht scheitern.

Der Kasinodirektor schenkte mir ein Lächeln, und ich wartete auf die erhoffte Antwort – dass Dante an diesem Abend in Nizza weilte, um das Model auszuführen, mit dem die Klatschpresse ihm seit einigen Wochen eine Liebschaft nachsagte.

„Dante ist heute Abend hier. Ich bin sicher, er freut sich auf die Herausforderung.“ Erst drangen Donnellys Worte gar nicht zu mir durch, dann trafen sie mich wie ein Schlag.

Nein. Nein. Nein.

Ich setzte ein Lächeln auf, dasselbe Lächeln, mit dem ich bei der Beerdigung meiner Mutter die Beileidsbekundungen der Journalisten entgegengenommen hatte, die sie ihr Leben lang gejagt hatten.

Doch meine Bewegungen waren steif, als Donnelly mich zum Kassierer begleitete, um den Einsatz zu hinterlegen, den ich mir geliehen hatte.

In Gedanken spielte ich alle Möglichkeiten durch. Konnte ich jetzt noch einen Rückzieher machen? Mir irgendeine Ausrede einfallen lassen? So tun, als wäre ich krank? Denn das war nicht mal gelogen – mir drehte sich wirklich der Magen um.

Allegri war einer der besten Pokerspieler der Welt. Es bestand nicht nur die Gefahr, alles zu verlieren, sondern auch, dass er mein System durchschaute und mir in allen namhaften Kasinos Hausverbot erteilen ließ. Sodass ich keine Chance hatte, Jasons Verluste zurückzugewinnen.

Bevor ich Zeit hatte, mich zu fangen, hörte ich eine tiefe, dröhnende Stimme hinter mir.

„Joe, Matteo sagt, dass alle Spieler eingetroffen sind.“

Ich drehte mich um und stand dem Mann gegenüber, der mich seit Monaten, seit ich angefangen hatte, diesen Plan auszutüfteln, bis in meine Träume verfolgte. In natura war Allegri noch größer, breitschultriger und attraktiver als in den zahlreichen Celebrity-Blogs und Zeitschriften, die ich studiert hatte.

Ich wusste, er war erst dreißig, aber die harten Gesichtszüge, der muskulöse, sehnige Körper, der sich unter dem Smoking abzeichnete, verrieten, dass er die Sanftheit und Unerfahrenheit der jungen Jahre längst hinter sich gelassen hatte. Alles an ihm strahlte Macht und Selbstvertrauen aus, eine angsteinflößende Arroganz.

Er musterte mich mit seinen strahlend blauen Augen, wobei sich eine der dunklen Augenbrauen um den Bruchteil eines Zentimeters hob. Das gewagte Kleid fühlte sich unter seinem Blick durchsichtig an und schien die Luft aus meinen Lungen zu drücken, als hätte sich der dünne Satin in Gusseisen verwandelt, das meine Rippen zusammenquetschte wie ein mittelalterliches Folterwerkzeug.

Anders als bei den lüsternen Blicken von Carsoni und seinen Leuten empfand ich bei Dante Allegri keinen Abscheu, sondern etwas viel Verstörenderes. Ein schweres Gewicht sank tief in meinen Bauch, und ich spürte ein Prickeln auf der Haut, als hätte ich einen elektrischen Schlag bekommen. Seine Aufmerksamkeit war aufregend und aufwühlend, schön und schmerzlich zugleich. Meine Reaktion schockierte mich, da ich keine Kontrolle darüber zu haben schien. Meine Beine zitterten, meine Brüste drängten gegen das mittelalterliche Folterinstrument, und es kostete mich eine Kraft titanischen Ausmaßes, nicht zuzulassen, dass mein Atem sich beschleunigte.

„Das ist korrekt, Dante“, informierte Joseph Donnelly seinen Boss. „Das ist Edie Spencer“, fügte er hinzu, und ich erwachte aus der Trance, in die Allegris Gegenwart mich versetzt hatte. „Sie ist soeben eingetroffen und hofft, gegen dich zu spielen.“

Die Belustigung in Donnellys Stimme ließ mich innerlich zusammenzucken. Als wäre es nicht schon schlimm genug, mich in die Höhle des Löwen zu begeben, hatte ich den Löwen auch noch provoziert.

Allegri wirkte nicht besonders beeindruckt, während er mein Gesicht studierte.

„Wie alt genau sind Sie, Miss Spencer?“, fragte er und sprach mich zum ersten Mal persönlich an. Sein Englisch war perfekt, der Akzent eine Mischung aus Amerikanisch und Britisch mit einem Hauch Italienisch. „Ist es Ihnen überhaupt gesetzlich erlaubt, hier zu sein?“, fragte er mit einer Herablassung, die ich als unverschämt empfand.

„Natürlich – ich bin einundzwanzig“, erklärte ich trotzig, was wahrscheinlich nicht besonders klug war. Doch irgendetwas an der Art, wie er mich ansah – als würde er mich wirklich sehen – löste einen Flächenbrand an Empfindungen in mir aus.

Er starrte mich weiter an, als würde er in meine Seele schauen, und ich zwang mich, den Blickkontakt zu unterbrechen.

Der Lärm aus dem Kasino, wo Europas Elite ihr Glück beim Roulette und Siebzehnundvier herausforderte, verblasste unter seinem intensiven Blick zu einem fernen Summen – bis ich nur noch das dröhnende Pochen meines eigenen Herzschlags hörte.

„Wie lange spielen Sie schon Texas Hold’em, Miss Spencer?“, fragte er schließlich – die bei professionellen Spielern bevorzugte Pokervariante.

Mit fünf aufgedeckten Karten, den community cards, in der Mitte des Tisches und zwei Karten, die verdeckt an die Spieler verteilt wurden, erforderte Texas Hold’em das größte Können beim Berechnen der Wahrscheinlichkeiten und der Risikoabwägung, da man sein Blatt aus den beiden hole cards und den fünf community cards zusammensetzte. Und da kam mein System ins Spiel. Ich hatte eine mathematische Formel entwickelt, um das Wettverhalten der anderen Spieler einzuschätzen, was mir einen Vorteil verschaffte. Doch wenn man mich dabei erwischte, konnte ich in Schwierigkeiten geraten, genau wie Spieler, die beim Blackjack die Karten zählten.

Sobald die Kasinos so einen Spieler entdeckten, bekam er lebenslänglich Hausverbot und büßte alle Gewinne ein – auch wenn es streng genommen kein Schummeln war. Das konnte ich nicht riskieren.

„Lange genug“, erwiderte ich bemüht selbstbewusst.

In einer Sache hatte meine Mutter recht gehabt. Der äußere Schein war alles. Wenn ich gewinnen wollte, durfte ich keine Schwäche zeigen. Selbstbewusst wirken, war genauso wichtig, wie selbstbewusst zu sein. Tatsächlich konnte es sogar zu meinem Vorteil sein, ihn glauben zu lassen, dass ich zu selbstsicher war – der ultimative Doppelbluff, denn dann würde er mich unterschätzen.

Er verzog keine Miene, doch das Funkeln in seinen Augen und das Muskelzucken in seinem Kinn verriet, dass meine schnippische Bemerkung ins Schwarze getroffen hatte. Die Genugtuung über seine Reaktion wäre größer gewesen, hätte sich das Kribbeln in meinem Bauch und auf meiner Haut dadurch nicht vervielfacht.

Was geschah mit mir? Noch nie hatte ich auf einen Mann so reagiert.

„Wir werden sehen, Miss Spencer“, sagte er, dann wandte er sich an seinen Kasinodirektor. „Begleiten Sie Miss Spencer in den Salon, Joe. Stellen Sie ihr die anderen Spieler des heutigen Abends vor.“ Er warf einen Blick auf seine Uhr, wieder ganz geschäftsmäßig, doch ich hatte immer noch weiche Knie.

„Ich muss mit Renfrew reden, aber ich bin in dreißig Minuten oben“, fügte er hinzu. „Dann können wir anfangen.“

„Sie nehmen heute an der Runde teil?“, fragte Donnelly und klang überrascht.

„Ja“, sagte er, und seine tiefe Stimme strich über die Stelle in meinem Innern, die zu pulsieren begonnen hatte. „Ich drücke mich nie vor einer Herausforderung, besonders nicht, wenn sie von einer schönen Frau kommt.“

Ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass ich die schöne Frau war, wahrscheinlich weil der Blick, mit dem er mich bedachte, nicht so wirkte, als hätte er es als Kompliment gemeint.

Doch während mich der Kasinodirektor zu den Fahrstühlen begleitete, sah ich Allegri fasziniert nach. Seine breiten Schultern wirkten unbezwinglich und in dem maßgeschneiderten Designeranzug zugleich unwiderstehlich. Die Menge teilte sich, um ihn durchzulassen.

Ich musste heute gewinnen, um jeden Preis – die Zukunft meiner Familie hing davon ab. Doch immer noch pulsierte diese unerklärliche Hitze in meinem Innern, all meine Sinne waren durch diese eine kurze Begegnung in Aufruhr, und ich hatte die dunkle Ahnung, dass ich bereits verloren hatte.

2. KAPITEL

Edie Spencer war ein Rätsel, das ich nicht lösen konnte, und das machte mich verrückt.

Wir spielten jetzt schon seit drei Stunden, und ich kam nicht hinter ihr System. Es fiel mir sogar schwer, ihre Tells zu lesen – jene kaum wahrnehmbaren Reaktionen, derer die Spieler sich nicht bewusst waren und die sie zu einem offenen Buch machten. Und der Grund, warum ich ihre Tells nicht lesen konnte, war ebenso schlicht wie überraschend. Ich konnte mich nicht auf das Spiel konzentrieren – weil ich zu sehr damit beschäftigt war, mich auf sie zu konzentrieren.

Obwohl ihre Gewinne bisher bescheiden ausfielen, wuchsen sie stetig, anders als bei den anderen Spielern am Tisch. Ich hatte alle bis auf einen ausgeschaltet, und so waren wir nur noch zu dritt. Doch während mein Freund Alexi Galanti, der Formel-1-Boss, der neben ihr saß, seine letzte Million anbrach, saß Edie Spencer vor einem Haufen sauber gestapelter Chips, der meinem entsprach.

Ich wusste, dass sie ein System haben musste, das noch genialer war als meins. Doch mein Verlangen, es herauszufinden, war nicht halb so stark wie mein Verlangen, sie aus dem gewagten Kleid zu schälen, das sie trug. Die Spitze, die ihr Dekolleté bedeckte, zog meine Blicke auf das verlockende nackte, weiche Fleisch darunter.

„Ich erhöhe um zweihundert“, sagte Alexi und warf einen Zweihunderttausend-Euro-Chip auf den Tisch.

Ich unterdrückte meine Enttäuschung, als Edie mit schlanken Fingern ihre hole cards aufnahm, um einen Blick darauf zu werfen.

Ich wollte, dass Alexi aufgab, damit ich allein gegen Miss Spencer spielen konnte. Doch Alexi war ein guter Spieler.

Es war nicht nur ihre Schönheit, die mich verrückt machte. Ich hatte vorhin etwas aufblitzen sehen, als ich sie nach ihrem Alter gefragt hatte, das mich erregte. Doch seither war es mir nicht gelungen, dieses Funkeln von vorhin wieder hervorzulocken.

Ihre Haut war blass, ihre Hände brav gefaltet, wenn sie nicht gerade in ihre Karten sah, und sie atmete ruhig und gleichmäßig. Ihr leuchtend grünen Augen wichen meinen Blicken aus.

Ich verstand selbst nicht, was mich an ihr so faszinierte.

Zum einen war sie einundzwanzig. Und sah sogar noch jünger aus. Als ich sie zum ersten Mal sah, hätte ich sie auf neunzehn geschätzt, höchstens zwanzig. Mit dem gewagten Kleid und den stark geschminkten Augen wirkte sie mit ihrer fohlenhaften Figur fast wie ein Kind, das sich verkleidet hatte.

Ich stand nicht auf junge Frauen. Ich bevorzugte grundsätzlich Frauen, die älter waren als ich, Frauen mit Erfahrung, die zu meinem Appetit im Bett passten und mit denen man sich anregend unterhalten konnte – die sich nicht in eine Beziehung stürzten und nicht emotional wurden, wenn ich sie mit einem teuren Geschenk abfertigte.

Ich hatte auch noch nie das Verlangen gehabt, eine Frau zu verführen, die mir nicht deutlich signalisierte, dass sie interessiert war. Wenn junge Frauen sich in eine meiner Pokerrunden einkauften, dann meistens, weil sie beides wollten – Poker und Sex.

Natürlich war es mehr als möglich, dass Miss Spencers prüdes Benehmen nur eine Taktik war, um mich zu ködern. In dem Fall musste ich den Hut vor ihr ziehen. Doch das beantwortete nicht die Frage, warum es so gut funktionierte.

Während ich sie beobachtete, unfähig, den Blick abzuwenden, versuchte ich, mich zu konzentrieren.

Dieses Mädchen unterschied sich nicht von den vielen anderen Millionenerbinnen, denen ich im Lauf der Jahre begegnet war. Die verwöhnten, privilegierten Töchter von reichen Geschäftsmännern und Aristokraten, arabischen Scheichs und Mitgliedern europäischer Königsfamilien, die noch nie einen Tag in ihrem Leben gearbeitet hatten und nicht wussten, was Not bedeutete. Sie kamen ins Kasino, um ihrem Leben den Kick zu geben, der ihrer nichtswürdigen Existenz fehlte – ohne zu begreifen, dass das Risiko und der Gewinn des Glücksspiels keinen Wert hatten, wenn Geld keinen Wert hatte.

Doch während ich versuchte, ihre Wirkung auf mich abzutun und kleinzureden, hing mein Blick an ihr und die Glut meines Verlangens brannte in meinem Innern.

Ihre Haut besaß den Schimmer der Jugend, und der V-Ausschnitt ihres Kleides unter der Spitze betonte ihre prallen Alabasterbrüste. Die aufgerichteten Brustspitzen, die sich unter dem Satin abzeichneten, schienen die einzige Reaktion, die sie nicht kontrollieren konnte.

Das hätte mir eine gewisse Genugtuung bereiten sollen … Aber das stetig wachsende Verlangen, ihre Brüste von dem feinen Stoff zu entblättern, machte meine eigene Selbstbeherrschung mürbe.

„Ich steige aus“, sagte sie, reichte ihre Karten Alexi und vereitelte so ein weiteres Mal meine Versuche, sie aus der Deckung zu locken.

Ich biss mir auf die Zunge, um nicht zu fluchen wie ein blutiger Anfänger. Doch als hätte sie meine Enttäuschung gespürt, hob sie den Blick.

Ich sah fast sofort zur Seite, doch in dem kurzen Moment, wo unsere Blicke sich trafen, sah ich wieder dieses Feuer aufblitzen.

Ihre Brust hob und senkte sich, dann hielt sie inne, während sie um Fassung rang. Ihre Brustspitzen zeichneten sich nun noch deutlicher unter dem Satin ab.

Verlangen schoss durch meinen Körper wie ein Meteoritenschauer, als ich wenigstens einen Teil des Rätsels durchschaute. Ihre Contenance war nur Fassade.

Welches System Edie auch erdacht hatte, sie hatte gerade ihre Schwachstelle verraten.

Vielleicht war sie in gewisser Weise noch immer ein Rätsel. Doch eins wusste ich nun mit absoluter Sicherheit – sie begehrte mich ebenso sehr wie ich sie. Und aus irgendeinem Grund wollte sie das verbergen. Was mir Oberwasser gab, denn diese Schwäche konnte ich ausnutzen.

Es war sogar eine Schwäche, die auszunutzen mir großes Vergnügen bereiten würde.

Herausforderung angenommen, bella.

3. KAPITEL

Er weiß es.

Ich hatte einen furchtbaren Fehler gemacht. Das wusste ich in dem Moment, als ich Allegris Blick traf und für eine Nanosekunde zu lang hielt.

Den ganzen Abend hatte ich vermieden ihn anzusehen, denn unter seinem durchdringenden Blick verwandelte sich mein Magen in geschmolzene Lava.

Ich verstand meine Reaktion auf ihn nicht. Ich wusste nur, dass ich mir keine Blöße geben durfte, sonst war ich verloren. Doch je mehr ich versuchte, meine Reaktion zu kontrollieren, desto schwerer wurde es. Und desto schwerer fiel es mir, mich auf das Spiel zu konzentrieren.

Als unsere Blicke sich trafen, verzog er den Mund zu einem sinnlichen Lächeln.

Mir stockte der Atem. Er setzte einfach aus. Während ich meine Lungen zwang, Luft einzusaugen und in einem regelmäßigen Rhythmus weiterzuarbeiten, wurden meine Brustspitzen so hart, dass sie durch den Stoff meines Kleides zu stechen drohten.

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