Liebesmond über Montana

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Cass muss untertauchen und findet Unterschlupf auf einer einsam gelegenen Ranch. Womit sie nicht gerechnet hat: Ihre erste große Liebe Emilio arbeitet dort. Bei ihm gerät ihr Geheimnis in Gefahr – und zum zweiten Mal ihr Herz …


  • Erscheinungstag 15.07.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751538565
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Joanne Rock

Liebesmond über Montana

1. KAPITEL

Cass

Es goss wie aus Kübeln auf Cassandra Lindgrens verbeulten Minivan, als sie auf die Bremse trat, um von der Landstraße im Westen des US-Bundesstaats Montana abzubiegen.

„Ich glaube, ich bin jetzt an der Kingsland-Ranch angekommen“, sagte sie laut in das Mikro ihres Handys, um den prasselnden Regen zu übertönen. „Laut Navi muss ich noch eine Meile auf dieser Straße bleiben.“

Erschöpft von der zwölfstündigen Fahrt von St. Paul in Minnesota, wo sie die letzten sechs Jahre gewohnt hatte, war Cassandra ihrer Freundin Lauryn Hamilton dankbar, dass sie ihr so kurzfristig eine Bleibe angeboten hatte. Eine sichere Bleibe.

Cass schauderte, als sie an den Vorfall dachte, der sie hierhergeführt hatte, und sie war froh, dass sie in den kommenden Wochen nicht darüber nachgrübeln musste.

„Bleib am Handy, bis du im Haus bist, okay?“

Lauryn war ihre Freundin, seit sie beide in Pflegefamilien untergekommen waren. Und sie war die Erste gewesen, an die Cass gedacht hatte, nachdem ihr klar geworden war, dass sie für den Rest des Frühjahrs aus Minnesota verschwinden musste.

Das Band dieser Freundschaft aus Kindertagen war unzertrennlich. Lauryn hatte ihre Pflegeeltern viel früher als sie verlassen und in Silent Spring, Montana, eine feste Familie gefunden. Cass dagegen war noch in drei weitere Familien gekommen. In der letzten hatte sie sich verliebt. Bis über beide Ohren.

Prompt war ihr Herz gebrochen, als er die Affäre beendete. Zweifellos hatte Emilio Medina es auch getan, um die Gespenster der Vergangenheit hinter sich lassen zu können – genau wie sie in dem Moment, als sie achtzehn wurde.

„Das mache ich, aber … um Himmels willen, du kannst doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich hierbleibe?“ Cass parkte vor einem massiven zweistöckigen Holzhaus mit einem Dach aus Zedernholzschindeln. Im Kopfteil der aufwendig gestalteten Einfahrt war das Logo der Kingsland-Farm eingearbeitet – zwei kunstvoll verschlungene „K“. Dank der Außenbeleuchtung war die Größe des Anwesens trotz der Dunkelheit und des strömenden Regens gut zu erkennen.

„Ist es nicht groß genug für dich?“, neckte Lauryn sie am anderen Ende der Leitung. „Ehrlich gesagt habe ich ein schlechtes Gefühl, weil ich gerade nicht in der Stadt bin. Dann hättest du nämlich mit Gavin und mir im Broken Spur bleiben können.“

Cass holte tief Luft, schaltete den Motor ihres Minivans aus und sagte sich, dass alles in Ordnung war. Sie wollte auf keinen Fall undankbar erscheinen. „Es ist perfekt, Lauryn. Und ich weiß wirklich zu schätzen, was du für mich tust.“

Ihre Freundin kannte den wahren Grund, wieso sie mindestens für ein paar Wochen aus St. Paul verschwinden musste: Cass war entschlossen eingeschritten, als sie auf einem leeren Hotelparkplatz Zeugin wurde, wie ein Teenager von einem brutal aussehenden Kerl auf die Rückbank seines protzigen SUV gezerrt wurde.

Das Mädchen hatte sich mit Händen und Füßen gewehrt, und Cass konnte nicht untätig bleiben und einfach nur zusehen und warten, bis die Polizei auftauchte. Also eilte sie dem Mädchen zu Hilfe und fing sich dabei ein paar Schrammen ein. Bei dem Handgemenge verlor sie ihre Geldbörse und befürchtete nun, dass der Angreifer ihre Identität kannte.

Die Polizei hatte ihr geraten, eine Weile aus der Stadt zu verschwinden, denn bei dem Typen, mit dem sie sich angelegt hatte, handelte es sich um einen berüchtigten Gangster.

Dennoch bedauerte sie keine Sekunde lang, dass sie dem Mädchen geholfen hatte. Ihr Leben war allerdings von einem Moment auf den anderen aus den Fugen geraten.

„Hier ist es am sichersten, Cass“, erinnerte Lauryn sie. „Es gibt mehrere Eingänge, alle mit eigenem Schloss, und ein ausgezeichnetes Überwachungssystem. Außerdem ist einer von den Kingsleys ständig in der Nähe. Gavins Halbbruder Levi wohnt im Haupthaus. Gavin meint, du würdest dich im Haus mit dem Pool am wohlsten fühlen.“

Cass blinzelte in den strömenden Regen hinein. „Ist es das ganz hinten?“, fragte sie, wobei sie auf dem Boden ihres Minivans nach einem Regenschirm suchte. Sie fand jedoch nur ein paar Hockeypucks, Überbleibsel von den Spielen des Mädchenteams, das sie trainierte.

„Ja. Ist das okay?“

„Es ist perfekt. Ich suche nur noch meinen Schirm. Es regnet nämlich ein bisschen.“ Cass zog das Ladekabel aus ihrem Handy und löste es aus der Freisprechhalterung. Sie beschloss, ihr Sweatshirt als Schutz zu benutzen, damit wenigstens das Telefon trocken blieb, während sie sich weiter mit ihrer Freundin unterhielt.

„Ich habe einen der Aushilfsarbeiter gebeten, dich am Tor in Empfang zu nehmen. Er müsste jeden Moment da sein. Ich habe ihm eine Nachricht geschickt, als du auf die Zufahrtsstraße zur Ranch eingebogen bist.“

„Danke, Lauryn. Ich kann es kaum erwarten, mich häuslich einzurichten.“ Sie öffnete die Schiebetür des Minivans, hielt sich das Sweatshirt über den Kopf und das Handy fest ans Ohr gedrückt.

„Emilio hat mir gerade geantwortet, dass er dich hat parken sehen“, fuhr Lauryn fort. „Kannst du ihn auch ausmachen?“

Cass blieb wie vom Donner gerührt stehen, wobei sie in einer tiefen Pfütze landete. „Emilio?“

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