Darling, du spielst falsch

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Worauf hat Celena sich bloß eingelassen? Um ihrem Chef Luciano Segurini einen Gefallen zu tun, hat sie sich gegenüber seiner geliebten Urgroßmutter als seine Verlobte ausgegeben - natürlich nur zum Schein. Doch jetzt soll sie Luciano plötzlich heiraten - einen Mann, der sie nicht liebt...
  • Erscheinungstag 24.05.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733777760
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Für einen kurzen Moment setzte Celenas Herz aus, als sie den Raum betrat. Sie war sich nicht ganz sicher gewesen, wie sie sich Luciano Segurini vorzustellen hatte. Aber dass er so groß und stattlich war und dazu noch so männlich, darauf war sie nicht gefasst gewesen!

Ein Mann in einer solchen Stellung musste freilich Selbstbewusstsein besitzen. Neben Autorität strahlte er eine ungeheure sexuelle Kraft aus.

Das schwarze Haar hatte er gescheitelt und zurückgekämmt. Es war lackschwarz und glänzte wie bläulicher Stahl. Hohe Wangenknochen, eine längliche Nase und volle, sinnliche Lippen ergaben ein sympathisches Gesicht, dessen Ausstrahlung man sich kaum entziehen konnte.

„Miss Coulsden!“ Mit seinen dunkelbraunen Augen sah er sie durchdringend an. Und als er ihre Hand zur Begrüßung ergriff, fühlte sich Celena wie elektrisiert. „Bitte, setzen Sie sich doch!“

Celena hatte erwartet, dass jemand mit dem Namen Segurini Englisch mit leichtem Akzent sprechen würde. Aber nichts dergleichen war zu hören. Nur seine tiefe Stimmlage berührte sie in ihrem Innersten.

Was passierte mit ihr? Eigentlich wollte sie doch nur ein Bewerbungsgespräch führen, und nun hatte sie mit ihren Gefühlsregungen zu kämpfen …

Nachdem die Beziehung mit Andrew Holmes so dramatisch auseinander gegangen war, hatte sie keinen Mann mehr an sich herangelassen. Instinktiv misstraute sie nun der Männerwelt und hatte so etwas wie einen Schutzwall um sich herum errichtet. Und als ihre Eltern einige Jahre später bei einem Skiunfall gemeinsam ums Leben kamen, war sie froh gewesen, dass sie Andrew nicht geheiratet hatte.

Celenas jüngere Schwester Davina war damals noch im Internat gewesen, und Celena wollte, dass sie dort ihre Schulausbildung abschloss. Das aber hatte Andrew abgelehnt, denn er war jemand, der nicht verstehen konnte, warum man für eine gute Erziehung Geld ausgab. Er hatte es stets als Verschwendung angesehen. Für ihn waren die öffentlichen Schulen gleichwertig.

Dass Celena selbst auf einem Internat gewesen war, hatte stets zu Streitgesprächen zwischen ihnen geführt.

War die Zeit mit Andrew schon nicht leicht gewesen, weshalb musste sie nun derart intensiv auf diesen fremden Mann reagieren? Er wäre sicher entsetzt gewesen, hätte er ihre Gedanken lesen können.

„Danke!“ Celena setzte sich.

Er wartete, bis sie es sich bequem gemacht hatte, bevor er selbst Platz nahm. „Nun wollen wir mal sehen.“ Er schien zu sich selbst zu sprechen. „Celena Coulsden, ledig und achtundzwanzig Jahre alt. Gute Abschlussnoten in Design und Grafik am Brampton College. Zu arbeiten begonnen haben Sie am …“

„Moment mal!“ unterbrach sie ihn und hob ungläubig eine Hand. „Wie sind Sie an alle diese Daten und Informationen gekommen?“

„Es gibt nichts, was ich nicht herausfinden könnte, Miss Coulsden, wenn ich es wollte, und es gibt nichts, was ich nicht erreichen könnte.“

Seine unerschütterliche Selbstsicherheit erstaunte sie. Was für eine Herausforderung wartete hier auf sie? Ruckartig stand sie auf, warf das schulterlange rötliche Haar energisch zurück und funkelte ihn mit wild dreinblickenden Augen an. „Ich denke, wir verschwenden gegenseitig unsere Zeit, Mr. Segurini. Ich hätte gar nicht erst herkommen sollen. In meinem jetzigen Job bin ich ganz zufrieden, vielen Dank also!“

Celena war rot gekleidet, was eigentlich zu stark wirken musste bei ihrer Haarfarbe. Aber beides hatte den gleichen Ton, so dass Kleidung und Haar farblich gut aufeinander abgestimmt waren. Celena schwang ihre Handtasche über die Schulter und ging in Richtung Tür.

„Warten Sie!“ befahl er, und sie blieb stehen, noch ehe sie den Raum zur Hälfte durchquert hatte.

Langsam drehte sie sich um. Ihre Blicke trafen sich. „Sie sind verärgert, weil ich schon Auskünfte über Sie eingeholt habe?“ Der graue Anzug saß leger, verbarg aber nicht seine breiten Schultern. Das weiße Seidenhemd und die rot-graue Krawatte wirkten dezent und edel zugleich.

„In der Tat, das stört mich!“ Celena war verwundert, dass sich ihre Stimme so heiser anhörte. „Ich arbeite noch nicht einmal für Sie, und Sie besitzen bereits ein Dossier über mich. Das erachte ich als völlig inakzeptabel!“

„Ich denke, Sie stimmen mir darin zu, dass heutzutage die meisten Menschen auf irgendeiner Computerliste stehen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Informationen über jeden einzelnen Menschen so zugänglich sind. So weiß wohl Ihr Bankdirektor eine Menge mehr über Sie, als Sie ahnen.“

„Mag sein“, gestand sie ihm zu, „aber warum Sie?“

Er lächelte wieder. Es war eben diese genüssliche Art dabei, die Celena erschauern ließ. „Machen Sie sich bitte eins klar, ich würde einen wichtigen Job wie diesen keinem Menschen anbieten, über den ich gar nichts wüsste.“

„Zugegeben“, antwortete sie, fragte sich aber, was er wohl unter wichtig verstand. „Aber wie sind Sie an diese Informationen herangekommen? Wir haben uns doch vorher nie getroffen! Und woher kennen Sie mich überhaupt? Und weshalb wollen Sie gerade mich? Es muss doch Hunderte von Leuten geben, die Entwürfe und Modelle erstellen können in einer Qualität, wie Sie es wünschen!“

Er neigte den Kopf zur Seite und verzog abwägend den Mund. „Sie haben gute Empfehlungen. Ihre Reklameprojekte waren die erfolgreichsten Ihrer Firma.“

Celena bildete sich nichts auf ihre Erfolge ein. „Das war nichts Besonderes, nur hinzugefügte Worte“, sagte sie und zuckte mit den Schultern.

„Aber was für Worte!“ Er musterte sie anerkennend.

Sie versuchte, ihre Nervosität zu verbergen.

„Ich kann jedoch nicht verstehen, warum Sie sich auf diesen Bereich der Werbung konzentriert haben, wo Sie doch das Talent zu gutem Design besitzen?“

„Das hat mir eben mehr Spaß gemacht.“

„Und ich will, dass Sie in meinem Team arbeiten.“ In diesem Punkt ließ er wohl nicht mit sich diskutieren. Er wollte sie, ob sie dem zustimmte oder nicht.

Als Luciano Segurinis Angebot eintraf, war sie zunächst sehr aufgeregt und verwirrt gewesen. Sie war aber auch stolz, dass er sie für gut genug erachtete, sie für eine der besten Werbeagenturen Englands zu verpflichten. Es würde ihr Vorteile bringen, hatte er gesagt. Celena dachte dabei an ein höheres Gehalt. Und das konnte sie in ihrer momentanen Situation wirklich gebrauchen.

Wie oft hatte sie nachts wach gelegen und darüber nachgedacht, wie sie wohl Davinas Schulgebühren für das nächste Semester bezahlen konnte. Das Geld ihrer Eltern war bereits aufgebraucht. Davina wusste davon jedoch nichts, und das sollte auch so bleiben, hatte Celena entschieden. Tag und Nacht würde sie dafür arbeiten, damit ihre Schwester das Internat nicht verlassen musste, denn Davina war dort sehr glücklich.

Und dann war Luciano Segurinis Angebot gekommen … Warum nur hatte er sie ausgewählt?

„Ich möchte, dass Sie am wichtigsten Projekt meines Lebens arbeiten.“

Celena sah ihn fragend an.

„Sie sind genau die richtige Person dafür und haben die passenden Qualifikationen.“

„Ich möchte annehmen, dass Sie bereits andere fähige Mitarbeiter haben, nach dem Erfolg Ihrer Firma zu urteilen.“

„Es besteht stets die Notwendigkeit zur Verbesserung.“

„Frisches Blut, meinen Sie? Man hat Sie enttäuscht und im Stich gelassen, ist das der Grund?“

Er lächelte gequält. „Ja, man hat mich im Stich gelassen, leider … Werden Sie den Job nun annehmen, Celena?“

Sie bemerkte kaum, dass er sie mit dem Vornamen ansprach. Nur seine vollen, sinnlichen Lippen zogen sie an, und sie fragte sich, wie es wohl sein würde, von diesem Mann geküsst zu werden.

Endlich bemerkte sie, dass er anscheinend etwas gefragt hatte und nun auf eine Antwort wartete.

„Entschuldigung, was haben Sie gesagt?“

„Ich biete Ihnen das doppelte Gehalt von dem, was Sie momentan verdienen.“

„Sehen Sie doch in Ihrem Computer nach, Mr. Segurini, er sagt Ihnen, wie viel es ist.“

Er schmunzelte vergnügt. „Ja, das stimmt. Er sagt mir aber auch, dass Sie zurzeit keinen Freund haben. Wie kommt das? Sie sind doch eine attraktive Frau, Celena!“

Sie sah ihn wütend an. „Mein Privatleben geht Sie gar nichts an und hat nichts mit unseren geschäftlichen Ambitionen zu tun!“ Ob er auch etwas über ihre Schwester wusste? Kannte er ihre Geldprobleme und war deshalb so großzügig?

Er grinste belustigt. „Eigentlich war das reine Spekulation, aber auf Grund Ihrer Reaktion schätze ich, dass ich Recht habe. Und das ist gut so, denn Sie werden viel Arbeit bekommen, so dass keine Zeit für einen Liebhaber bleibt.“

„Ich habe noch nicht zugesagt“, verteidigte sich Celena.

„Sie wären töricht, wenn Sie den Job ausschlagen würden. Bis ans Lebensende hätten Sie doch ausgesorgt.“

„Ich vertraue Ihnen doch nicht mein Leben an, Mr. Segurini!“ Ihre Stimme überschlug sich fast.

„Aber Interesse hätten Sie schon?“ Mit seinem Lächeln versuchte er, sie zu gewinnen.

„Ich habe einen Arbeitsvertrag, der …“

„Der leicht aufgekündigt werden kann“, unterbrach er sie. „Ich habe auch Kenntnisse darüber, dass es momentan nicht so gut läuft bei Hillier & Jones. Sie könnten also leicht arbeitslos werden.“

Celena musterte ihn streng. „Das wäre mir neu!“ Sie vermutete, dass er die Sache nur hochspielte.

„Aber es ist wahr. Wie ist nun Ihre Antwort?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann Ihnen unmöglich schon heute eine Zusage geben. In einer so wichtigen Angelegenheit brauche ich etwas Bedenkzeit.“

Er beobachtete sie unverhohlen. „Was gibt es denn da noch nachzudenken?“

„Eine ganze Menge. Würde ich, zum Beispiel, direkt unter Ihrer Aufsicht arbeiten?“

„Wir sind ein Team, Celena, und wir arbeiten zusammen.“

Das beantwortete ihre Frage überhaupt nicht.

„Setzen Sie sich, ich bitte meine Sekretärin, Ihnen einen Kaffee zu bringen. Ich muss mit jemandem etwas besprechen und bin in zehn Minuten wieder zurück.“

Und nur so viel Zeit gestand er ihr zu. Was wird er wohl unternehmen, wenn ich ablehne? Ob er dann mit einem noch höheren Gehalt versucht, mich umzustimmen? Wie gut konnte sie doch das Geld gebrauchen! Und was war, wenn Hillier & Jones tatsächlich Pleite gingen? Merkwürdig war nur, dass sie darüber noch überhaupt nichts gehört hatte.

Ihr Hauptproblem in dieser Sache aber war Luciano Segurini selbst und die Art, wie sie auf diesen Mann reagierte.

Andrerseits hatte sie mit ihrem jetzigen Chef kaum Kontakt, vielleicht würde das mit Luciano Segurini auch der Fall sein. War es nicht albern, dieses hohe Gehalt auszuschlagen, nur weil sie sich vor der Ausstrahlung und Anziehungskraft dieses Mannes fürchtete? Aber sie hatte trotz seiner Argumente das Gefühl behalten, dass hinter der ganzen Sache noch etwas anderes steckte, was noch gar nicht zur Sprache gekommen war. Und dieses Motiv hatte nicht viel damit zu tun, dass sie eine gute Grafikerin war.

Für Celena waren zehn Minuten noch nie so schnell vergangen. Als Segurini zurückkam, schien sich das Büro wie elektrisch aufzuladen. Aber Celena hatte sich noch nicht entschieden.

„Nun, Celena?“

Jetzt war es auch ihr aufgefallen, dass er sie beim Vornamen nannte. Diese Vertraulichkeit passte ihr jedoch ganz und gar nicht. Außerdem nannte sie niemand Celena, sondern jeder verwendete die Kurzform Lena.

Er setzte sich auf die Kante seines Schreibtisches und beobachtete sie aufmerksam. Die langen Beine hatte er ausgestreckt, und er war ihr so nahe, dass sie sein dezentes After Shave wahrnehmen konnte. Dieser Duft verstärkte noch die Wirkung, die er auf sie hatte. Kein Mann vorher hatte sie dermaßen beeindruckt, vor allem nicht so gegen ihren Willen!

Plötzlich richtete sie sich auf und zeigte sich entschlossen. „Ich kann diesen Job nicht annehmen, Mr. Segurini!“

„Und warum nicht, Celena?“ Sein dünnes Lächeln zeigte ihr, dass er mit ihrer Ablehnung sehr unzufrieden war.

„Ich muss erst herausfinden, ob es wahr ist, was Sie über Hillier & Jones gesagt haben.“

„Und wenn Sie das wissen, welche Ausrede wollen Sie dann benutzen?“

Celena atmete tief ein. „Alles erscheint mir sehr ungewöhnlich, Mr. Segurini. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Sie mit Ihrem Angebot noch etwas anderes bezwecken.“

„Wollen Sie damit sagen, dass Sie das höhere Gehalt nicht brauchen können?“ Seine tiefe Stimme jagte ihr ein leises Schaudern über den Rücken.

„Geld kann man immer brauchen, aber es ist nicht die Antwort auf alles.“ Was sagte sie da nur? Warum war sie nur so ängstlich? Sie sollte doch jubeln und sein Angebot annehmen! Was war sie für eine Idiotin!

Er stand auf und stellte sich hinter ihren Sessel. Er stützte die Arme auf die Lehnen und senkte den Kopf, so dass sein Mund dicht an ihrem Ohr war. „Sie sind eine erstaunliche Frau, Celena Coulsden.“

Seine Stimme verwirrte sie vollends. Er wusste, dass er sie so überreden konnte. Das war doch nicht zu fassen! Oder hatte er bereits entdeckt, welche Wirkung er auf sie hatte? Nein, er schien nur zu spielen und war sich sehr sicher, der Gewinner zu sein.

Sie stand rasch auf und entfernte sich etwas von ihm. „Dies ist ein sehr ungewöhnliches Vorstellungsgespräch, Mr. Segurini.“

„Ich bin ein ungewöhnlicher Mann.“

„Benutzen Sie immer Ihren Sex-Appeal, um das zu erreichen, was Sie wollen?“ Celena versuchte, kühl zu bleiben, und sah ihn mit erhobenem Kinn herausfordernd an. Ihr Gesicht hatte schöne weiche Züge, und die hohen Wangenknochen unterstrichen das noch. Helle Augen und ein großer Mund, zusammen mit ihrer schlanken Figur und dem rotbraunen Haar machten sie zu einer aparten Schönheit. Und sie wusste, wie sie Vorteile daraus ziehen konnte, dass sie so auf Männer wirkte. Nun sah sie Luciano Segurini mit einem grimmigen Blick an.

Er verzog das Gesicht. „Habe ich das getan?“ fragte er amüsiert.

„Für mich sah es ganz danach aus“, erwiderte sie distanziert.

„Das war mir gar nicht bewusst!“

„Ach, wirklich nicht?“

„Vielleicht spielt Ihnen Ihre Fantasie einen Streich“, sagte er und setzte sich in den Sessel, in dem sie vorher gesessen hatte. Dann legte er die Füße auf die Kante seines Schreibtisches. „Aber wie auch immer, wenn es nützt, zu Ihnen durchzudringen und Sie davon zu überzeugen, dass es für Sie und für mich von Vorteil wäre, wenn Sie diesen Job annähmen, dann ist das nichts Verwerfliches.“ Er kreuzte die Arme und machte einen völlig entspannten Eindruck.

Celena irrte sich nicht, er beherrschte noch immer die Situation, obwohl sie froh war, dass nun ein kleiner räumlicher Abstand zwischen ihnen bestand. Sie sah ihn abweisend an. „Sie werden mich nicht überzeugen. Es ist eher so, dass mir Ihr Verhalten deutlich gemacht hat, dass es ein großer Fehler wäre, wenn ich Ihr Angebot annähme.“

Er stutzte und sprang verärgert auf. „Es tut mir Leid, Miss Coulsden. Ich dachte, dass die etwas unkonventionelle Art helfen würde. Offensichtlich habe ich mich getäuscht.“ Er ging hinter seinen Schreibtisch zurück und musterte sie kühl. Sein Gesicht hatte den Ausdruck, als ob es sich nun um ein ganz normales Einstellungsgespräch handelte.

„Und Sie haben sich geirrt, als Sie glaubten, ich würde Ihr Angebot so einfach annehmen“, erklärte sie ihm. „Ich denke, wir haben uns weiter nichts mehr zu sagen. Guten Morgen, Mr. Segurini!“ Celena wusste, dass sie später ihren jetzigen Entschluss bereuen würde, aber jetzt blieb sie hart.

Zu ihrem Erstaunen ließ er sie gehen. Sie kehrte in ihr Büro zurück. Doch nachdem sie einige Dinge heimlich nachgesehen hatte, stellte sie fest, dass alles, was Luciano Segurini gesagt hatte, den Tatsachen entsprach. Es sah demnach aus, als würde sie bald arbeitslos und Davina ohne Schule sein. Celena war verzweifelt.

Als sie an diesem Tag abends nach Hause kam, erwartete sie ein riesiger Strauß weißer Rosen. Sie hob ihn von der Türschwelle auf und las die Karte.

Für die erstaunlichste Frau, der ich je begegnet bin. Das Angebot gilt noch, falls Sie Ihre Meinung ändern sollten.

Die Karte war nicht unterschrieben, aber das brauchte sie auch nicht zu sein. Natürlich wollte sie annehmen, aber die Aussicht, noch einmal mit diesem Mann zu tun zu haben, bereitete ihr erhebliches Kopfzerbrechen.

Bisher hatte sie niemandem von ihrem Treffen erzählt, sondern einen Zahnarzttermin vorgeschoben. Celena betrat ihr Haus.

Als ihre Eltern gestorben waren, hatte sie das Haus in Norfolk verkauft und war in die Nähe von London gezogen. Und das neue gemütliche Heim sagte ihr sehr zu. Wenn Davinas Schulgebühren nicht wären, hätte sie ihr Auskommen gehabt. Aber so lebte sie stets in einer angespannten finanziellen Situation.

Celena brachte die Blumen in die Küche, um sie in Wasser zu stellen. Oder sollte sie den Strauß gleich in den Abfall werfen? In einer Vase würden die Blumen sie lange an jenen Mann erinnern, der sie in kürzester Zeit dermaßen durcheinander gebracht hatte.

Celena entschloss sich zu duschen und es sich richtig behaglich zu machen. Als Abendessen bereitete sie sich zu kaltem Hühnchen einen frischen Salat und kochte neue Kartoffeln. Die duftenden Rosen lagen noch auf der Anrichte.

Gerade als sie mit ihrem Imbiss fertig war, läutete es an der Haustür. Wer mochte das jetzt noch sein?

Normalerweise schaute Celena erst durch den Spion, bevor sie öffnete. Aber diesmal schloss sie gleich auf, ohne nachzudenken.

Sie war sprachlos. „Mr. Segurini, was machen Sie denn hier?“

Er lächelte. „Ich wollte nur nachsehen, ob meine Blumen sicher angekommen sind.“

Celena blieb reserviert. „Ein Anruf hätte doch genügt. Ja, danke, das sind sie. Aber wozu das Ganze?“

„Ich hoffe, Sie mögen weiße Rosen.“ Er musterte sie interessiert von Kopf bis Fuß, bevor er ihr wieder in die Augen sah.

Celena wagte kaum zu atmen. „Ja“, flüsterte sie. Es waren ihre Lieblingsblumen, obwohl er das doch wohl nicht wissen konnte!

„Es ist schade, dass man die bestellten Blumen selbst nie zu Gesicht bekommt …“

„Falls Sie darauf aus sind, hereingebeten zu werden, so haben Sie kein Glück.“ Sie versuchte ihre Nervosität zu verbergen.

„Ich dachte, wir könnten noch etwas trinken gehen, damit wir uns besser kennen lernen und ich Ihnen vielleicht weitere Einzelheiten über mein Angebot mitteilen könnte.“ Ein Schimmer lag in seinen Augen, als er sie anlächelte.

Wie konnte dieser Mann nur so selbstsicher sein? Celena spürte, dass ihr Herz abermals zu hämmern begann. Aber sie nahm sich zusammen. „Können Sie überhaupt je ein Nein akzeptieren?“

„Nicht, wenn ich etwas wirklich will.“

„Und Sie wollen mich?“ Das hätte sie nicht sagen sollen. Sie spürte, wie ihr die Röte in die Wangen stieg. Das war ihr seit Jahren nicht mehr passiert. „Ich meine, Sie wollen unbedingt, dass ich für Sie arbeite?“

„Sie sind wie geschaffen für den Job.“

„Ich denke, da steckt noch etwas anderes dahinter.“

„Wie kommen Sie darauf?“

„Zum einen, weil Sie so hartnäckig sind.“

„Und zum anderen?“

„Das ist weibliche Intuition.“ Ihre Stimme klang kühl. Sie hatte sich wieder unter Kontrolle.

„Ach so“, lächelte er.

„Jawohl, genau das“, sagte sie gereizt. „Leugnen Sie, dass ich Recht habe?“

„Das ist eine interessante Theorie. Wie wäre es, wenn wir das irgendwo diskutierten?“

Celena seufzte. „Ich will aber gar nicht ausgehen, ich hatte einen verrückten Tag, dank Ihrer Hilfe. Deshalb möchte ich früh schlafen gehen.“

Er sah auf die Uhr. „Es ist doch noch früh, erst kurz nach acht. Vielleicht könnten wir auch bei Ihnen darüber sprechen? Ich werde nicht länger als eine Stunde Ihrer Zeit in Anspruch nehmen.“

„Fremden erlaube ich in der Regel nicht, mein Haus zu betreten.“

Er hob die Brauen. „Ich denke, dass wir uns nicht mehr so ganz fremd sind, und ich verspreche Ihnen, Miss Coulsden, dass meine Absichten vollkommen ehrenhaft sind.“ Er lächelte schelmisch, als er das sagte. „Das klingt altmodisch. Besser wäre zu sagen, dass ich es nicht auf Sie abgesehen habe, obwohl Sie sehr schön sind. Sie können sich völlig sicher fühlen.“

Celena staunte über sich selbst, dass sie ihm das glaubte. „Nun gut, aber ich kann Ihnen gleich sagen, dass Sie Ihre Zeit verschwenden. Wenn ich mich einmal entschieden habe, ändere ich meine Einstellung nicht wieder.“

Er verzog den Mund. „Und ich akzeptiere nie ein Nein als Antwort. Wir werden sehen, wer gewinnt.“

Sofort, als er das Haus betrat, verschwand die entspannte Atmosphäre. Sie wurde plötzlich geschäftsmäßig. Das wird eine schwierige Unterredung werden, dachte Celena.

Sie führte ihn in ihr Wohnzimmer. „Bitte, nehmen Sie Platz!“ Sie bot ihm einen bequemen Sessel an, während sie sich gegenüber auf einen Stuhl setzte. Sie versuchte ihre Aufregung zu verbergen. „Okay, wiederholen Sie Ihr Angebot.“

Er musterte sie für einige Sekunden, in denen Celenas Herz wieder zu rasen begann.

„Ich denke, wir sollten zunächst untersuchen, was Ihnen bei diesem Angebot missfällt.“

Sie zog eine Braue hoch. „Untersuchen? Da gibt es nichts zu untersuchen.“

„Nicht?“ fragte er skeptisch. „Keiner, nicht einmal die ganz Reichen, würde es ablehnen, mehr Geld zu verdienen als bisher.“

In ihren Augen blitzte es auf. „Und Sie gehören zu denjenigen, die glauben, dass Sie mit Ihrem Geld alles kaufen können, worauf nun einmal Ihre Aufmerksamkeit gestoßen ist. Aber glauben Sie mir, Mr. Segurini, ich will nicht gekauft werden! Habe ich das nicht schon klar gemacht?“

„Haben Sie die finanzielle Situation Ihres gegenwärtigen Arbeitgebers untersucht?“

Sie senkte den Kopf. „Sie hatten Recht“, gab sie leise zu.

„Und Sie haben dieses Haus mit einer Hypothek belastet?“

„Das geht Sie nichts an“, erwiderte sie scharf.

„Und natürlich ist da noch Ihre Schwester und deren Schulgebühren, nicht wahr?“ fragte er, wohl wissend, was er da ansprach. „Das muss sehr anstrengend für Sie sein, Celena.“

Sie sprang auf. „Verschwinden Sie sofort, Sie Schuft! Was stöbern Sie in meinen Privatangelegenheiten herum!“

„Wenn Sie wütend sind, sind Sie noch hübscher als sonst“, unterbrach er sie sanft. „Es wundert mich, dass noch niemand bis jetzt Interesse an Ihnen gezeigt hat. Sie brauchen den Job, warum greifen Sie nicht einfach zu?“

Er hatte Recht. Sie konnte sein Angebot nicht ein zweites Mal ausschlagen. „Aber nur, wenn Sie mein jetziges Gehalt verdreifachen!“

Er lächelte sie zufrieden an. „Ist schon erledigt.“ Er war ebenfalls aufgestanden und streckte ihr die Hand entgegen. Celena konnte sie nicht ignorieren.

„Ich wusste, dass Sie vernünftig werden würden. Schließlich hat jeder seinen Preis.“ Sein Händedruck war kräftig.

Celena hatte das Gefühl, als ob elektrische Wellen ihren Körper durchströmten. Es war genauso wie in seinem Büro, nur jetzt viel stärker. Sie hoffte inständig, dass sich ihre Wege nicht zu oft kreuzen würden.

2. KAPITEL

Einen Monat später begann Celena für die Firma Luse zu arbeiten.

Sie war sehr erleichtert, dass sie Luciano die ersten anderthalb Wochen überhaupt nicht zu sehen bekam.

Noch immer war sie irritiert darüber, wie sie eigentlich zu dem Job gekommen war, schließlich war niemand entlassen worden. Es gab also keinen wirklichen Bedarf!

Sie hatte den Eindruck, dass ihre Stelle künstlich eingerichtet worden war. Auch alle übrigen Teammitglieder konnten sich dies nicht erklären.

Ein zweites Blumenbouquet war für sie eingetroffen, es waren wieder weiße Rosen! Auf der Karte stand nur ein kurzes Danke.

Und dann wurde Celena in das Büro des Chefs gerufen. Die Ansage versetzte Celena in Angst und Schrecken. Ihr Herz hämmerte wie wahnsinnig, als sie den langen Flur zu seinem Zimmer entlangging.

Bevor sie eintrat, versuchte sie sich zu beruhigen und tief durchzuatmen, als plötzlich von innen die Tür aufgerissen wurde.

„Was machen Sie denn da, Miss Coulsden?“ fragte Luciano Segurini, sichtlich amüsiert. „Suchen Sie nach Ihrer Courage, bevor Sie die Höhle des Löwen betreten?“

„Aber natürlich“, antwortete Celena trotzig und rang nach Fassung. „Schließlich werden Sie sehr hoch gehandelt, Mr. Segurini. Außerdem hat man nicht oft die Gelegenheit, in Ihr Heiligtum gerufen zu werden. Sagen Sie deshalb bitte gleich, um was es geht. Werde ich gefeuert oder befördert?“

Er verzog den Mund und bat sie herein. „Ich glaube, dass nur wenige meiner Angestellten so mit mir reden würden.“

„Ach, wirklich?“ Celena gab sich überrascht. „Sagten Sie mir nicht, kurz nachdem ich den Job angenommen hatte, dass Sie alle eine große Familie seien? Dass es sozusagen keine Klassenunterschiede gäbe? Falls das so ist, sehe ich nicht ein, warum ich Ihnen nicht offen meine Gedanken mitteilen sollte.“ Nachdem er sich große Mühe gegeben hatte, sie einzustellen, glaubte Celena eigentlich nicht, dass sie jetzt wegen ihrer schlagfertigen Antworten entlassen werden würde.

„Lassen wir das jetzt!“ Er bat sie, sich zu setzen, und nahm selbst hinter seinem riesigen Schreibtisch Platz, wie bei ihrer ersten Begegnung.

Celena fühlte sich genauso wie damals durch ihn gleichzeitig irritiert und angezogen. Noch nie hatte sie so auf einen Mann reagiert.

„Haben Sie momentan irgendwelche privaten Pläne?“

Sie runzelte die Stirn und sah ihn fragend an.

„Ich meine persönliche Pläne, so wie Urlaub und dergleichen.“

„Nein“, war ihre knappe Antwort.

„Das ist sehr gut. Ich möchte Sie nämlich darum bitten, mich nach Sizilien zu begleiten.“

„Nach Sizilien?“ wiederholte sie völlig überrascht.

„Ja, in meine Heimat.“

„Und weshalb soll ich mit Ihnen reisen?“ Wieder hörte sie eine innere Stimme, die ihr nun von dieser Reise abriet.

Autor

Margaret Mayo
Margaret Mary Mayo wurde am 7. Februar 1935 in der Grafschaft Staffordshire, England, geboren und hat diese Region noch nie verlassen. Sie hatte nie vor Autorin zu werden, obwohl sie das Lesen liebte. Nachdem ihre beiden Kinder, Adrian und Tina, geboren waren und schließlich zur Schule gingen, nahm sie ihre...
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