Die stürmische Leidenschaft des griechischen Tycoons

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Seine tiefe Stimme verführt sie, sein Blick weckt in ihr pures Begehren! Nach einer Party lässt sich die schüchterne Alys mit dem atemberaubenden Nikos Drakis auf ein erotisches Abenteuer ein! Nur eine einzige Nacht lang will sie in seinen Armen alle Sorgen vergessen. Doch ihre Affäre hat süße Folgen, und Alys hat keine andere Wahl, als den Milliardär um Hilfe zu bitten! Fassungslos muss sie sich seinen Vorwurf anhören, es nur auf sein Geld abgesehen zu haben! Aber warum will der unnahbare Grieche trotzdem, dass sie ihn in seine Sommervilla begleitet?


  • Erscheinungstag 03.05.2022
  • Bandnummer 2542
  • ISBN / Artikelnummer 9783751509657
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

PROLOG

Alys starrte auf das kleine weiße Stäbchen in ihrer Hand. Die blaue Linie war deutlich erkennbar. Die blaue Linie, die ihr sagte, dass sie schwanger war.

Schwanger.

Das Wort hallte in ihrem Kopf nach, und sie fasste nach dem Rand des Waschbeckens im Badezimmer, als wollte sie sich Kraft geben.

Was soll ich machen? Wie soll ich das schaffen?

Sie sah ihr Spiegelbild über dem Waschbecken an. Ihr Gesicht war schneeweiß, die Augen geweitet. In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken.

Ich kann nicht schwanger sein! Das darf nicht sein! Ich kann es mir nicht leisten! Nicht jetzt!

Angst überflutete sie. Auf dem Küchentisch lag noch immer der Brief mit der schrecklichen Botschaft, der gestern Morgen mit der Post gekommen war. Sie holte zitternd Luft und starrte immer noch ihr Spiegelbild an.

Lieber Gott, waren die letzten vier Jahre nicht hart genug gewesen? Seit jenem entsetzlichen Tag kurz vor ihren Abschlussprüfungen, an dem eine der Kolleginnen ihrer Mutter sie angerufen und ihr mitgeteilt hatte, dass ihre Mutter in der Notaufnahme lag.

Nach einem schweren Verkehrsunfall hatte der Krankenwagen ihre Mutter in die Klinik gebracht. Jemand hatte sie auf der Straße angefahren und Fahrerflucht begangen. Sie lag bereits im OP, war aber so schwer verletzt, dass sie die nächsten Stunden vielleicht nicht überleben würde.

Dieser Tag hatte das Leben ihrer Mutter verändert – und ihr eigenes.

Ihre Mutter hatte sich nie wieder erholt. Sie blieb bettlägerig und brauchte rund um die Uhr Pflege – Pflege, die ihre Tochter mit Hingabe geleistet hatte. Doch vor sechs Monaten war ihre Mutter an den Folgen dieses schrecklichen Unfalls gestorben.

Jetzt schloss Alys die Augen und senkte den Blick. Ihr war, als läge plötzlich ein zu schweres Gewicht auf ihren Schultern.

Sie hatte ihre Mutter geliebt, hatte nicht eine Sekunde gezögert, die Pflege zu übernehmen – aber es war schwer gewesen.

Ihr eigenes Leben musste sie aufgeben, ihre Träume, und sich stattdessen um ihre schwer kranke Mutter kümmern. Es hatte Zeiten gegeben, in denen Alys sich danach sehnte, wegzulaufen und selbst wieder zu leben – aber sie wusste, dass sie ihre Mutter nie verlassen könnte …

Und als das Ende kam, war sie fast daran zerbrochen. Ihre Mutter war nicht mehr da, die einzige Person auf der Welt, die für sie gelebt hatte, die sie geliebt hatte …

Ich habe niemanden – überhaupt niemanden.

Die Stimme, die seit dem Tod ihrer Mutter in ihrem Kopf widerhallte, wurde lauter.

Das weiße Stäbchen mit seinem schicksalhaften blauen Streifen fiel aus ihrer Hand ins Waschbecken. Ohne nachzudenken, ließ Alys die Hände sinken und faltete sie über ihrem noch immer flachen Bauch.

Während eine Welle von Gefühlen in ihr aufstieg, strich sie sanft über ihren Bauch. Liebevoll.

Sie war nicht mehr allein.

Es gab jemanden – jemanden, den sie lieben und von dem sie geliebt werden konnte. Noch unsichtbar, nicht greifbar, und doch da, unter ihrer Hand. Und plötzlich war es nicht mehr nur eine blaue Linie auf einem Stäbchen, die ihr Leben für immer veränderte, sondern etwas sehr Wirkliches.

Mein Baby.

Was auch immer dazu nötig ist, ich werde es tun! Mein Baby wird sicher und geliebt aufwachsen! Ich werde ihm ein gutes Zuhause schaffen – irgendwie …

Aber sie wusste, was dieses „was auch immer dazu nötig ist“ sein musste.

Und dann stieg die Erinnerung an jene Nacht in ihr auf, lebendig und unvergesslich …

1. KAPITEL

Alys tanzte lustlos zu der Musik, die aus den Lautsprechern dröhnte. Ihr Tanzpartner war ein Bekannter von Maisey, mit der Alys seit Uni-Zeiten befreundet war.

Maisey hatte Alys gedrängt, für ein Wochenende zu ihr nach London zu kommen und diese Party mit ihr zu besuchen – als Auszeit von ihren Problemen.

„Das ist eine Riesenparty in einem Luxushotel im West End. Suze hat nur durch ihren Model-Job eine Einladung bekommen. Das wird dir guttun! Nach allem, was du durchgemacht hast, ist eine tolle Party genau das Richtige für dich, Liebes!“

Es hatte sich verlockend angehört, aber jetzt war Alys sich da nicht mehr so sicher. Vielleicht war sie einfach zu lange nicht mehr ausgegangen oder vielleicht war diese Art von Party auch einfach nicht ihr Ding.

Sie spürte die Augen der Männer auf sich und bereute, dass sie Maisey freie Hand bei ihrem Kleid und ihrer Frisur gelassen hatte.

Mit den wilden langen blonden Haaren, den dunkel geschminkten Augen und dem scharlachroten Mund fühlte sie sich viel zu auffallend und gar nicht mehr wie sie selbst. Statt sich zu amüsieren, wollte sie einfach nur davonlaufen.

Als der Song endlich zu Ende war, ging sie auf der Suche nach Maisey zurück in die Cocktailbar, um sich zu verabschieden. Ihr Blick wanderte durch den Raum … und sie blieb wie angewurzelt stehen.

Mit einem Martiniglas in der Hand stand Nikos an der Bar und sah sich missmutig in dem überfüllten Raum um. Seine Stimmung war nicht gut. Er war am späten Nachmittag in London angekommen – nach einem sehr unangenehmen Mittagessen mit Irina in Brüssel. Er hatte mit ihr Schluss machen müssen, was nie eine schöne Sache war. Ihre zunehmend deutlicheren Hinweise, dass sie auf seinen Heiratsantrag wartete, konnte er nicht länger ertragen.

Darum hatte er ihr alles Gute bei ihrer vielversprechenden Zukunft in Europas Finanzwelt gewünscht und gesagt, dass eine Ehe für ihn nicht infrage kam.

Das war noch nicht immer so gewesen. Vor zehn Jahren hatte er sich auf seine Hochzeit gefreut. Damals war er ein gutgläubiger, vertrauensseliger Zweiundzwanzigjähriger gewesen und so naiv, dass er glaubte, sie würde ihn nur um seiner selbst willen lieben …

Es war sein Vater gewesen, der ihn vor dem schlimmsten Fehler seines Lebens bewahrt hatte. Er verzog den Mund.

Noch jetzt konnte er die Worte hören: „Ich musste dir sagen, dass ich dich enterbe. Nur so konnte ich dir beweisen, dass Miriam Kapoulous nur dein Geld wollte!“

Sein Vater hatte sich nicht in Miriam getäuscht. Sobald sie hörte, dass Nikos enterbt war, gab sie ihm seinen Ring zurück.

In seinem Kopf hörte er die Worte seines Vaters so deutlich wie damals: „Ich werde nicht zulassen, dass dir dasselbe passiert wie mir! Keine Frau, die nur auf dein Geld aus ist, wird dich in die Finger kriegen – ganz gleich, mit welchen Tricks sie das versucht!“

Er war unter dem ewig missbilligenden Blick seines Vaters aufgewachsen. Die Hintergründe seiner Geburt hatten sein Leben geprägt. Unzählige Male hatte er sich gewünscht, er wäre der Sohn einer anderen Frau gewesen. Einer Frau, die seinen Vater nicht in eine Ehe gezwungen hatte.

Nikos schob die Erinnerungen beiseite. Er würde nicht zulassen, dass seine Stimmung noch schlechter wurde.

Seine Kindheit hatte er damit verbracht, zu versuchen, seinen Vater stolz zu machen, damit er ihn auch nur ein einziges Mal nicht mit diesem missbilligenden Blick anschaute. Er hatte sein Erwachsenenalter damit verbracht, zu beweisen, dass er ein echter Drakis war. Indem er tat, was ein Drakis am besten konnte. Geld verdienen.

Oh, und er war gut darin – das musste sogar sein Vater anerkennen. Der Instinkt für gute Geschäfte war ihm angeboren, genau wie sein Verhandlungsgeschick.

Dank seiner Bemühungen klingelten die Kassen der Drakis lauter als je zuvor. So verbrachte er sein Leben – immer unterwegs und kaum Zeit für Ruhe und Entspannung. Und wenn er einmal etwas Freizeit hatte, dann besuchte er keine lauten Partys wie diese.

Er war nur hier, weil ein Bekannter von ihm die Party veranstaltete. Sie hatten sich zufällig am Flughafen beim Einchecken getroffen, und er hatte ihn für heute Abend eingeladen.

Nikos ließ den Blick abfällig über die aufgetakelten Models und Filmsternchen gleiten. Viele von ihnen waren in der Hoffnung gekommen, hier einen Mann mit Geld zu finden. Aber er würde keiner davon sein. Nicht heute Nacht. Nicht mein Stil.

Er sah sich nach seinem Bekannten um. Und dann verschwand jeder Gedanke an Nicht heute Nacht. Nicht mein Stil.

Alys blieb stehen, ihr Blick wurde gefesselt von einem Mann, der auf der anderen Seite der überfüllten Cocktailbar am Tresen saß. Groß, schlank, dunkelhaarig, etwa dreißig, schätzte sie, mit markanten Gesichtszügen und einem gebräunten Teint, der nach südlicher Sonne aussah.

Noch nie in ihrem ganzen Leben hatte sie einen so atemberaubend attraktiven Mann gesehen.

Und er schaute sie direkt an.

Unwillkürlich leckte sie mit der Zungenspitze über ihre Lippen. Ihr Puls beschleunigte sich, als sich ihre Blicke trafen. In diesem Moment fasste ihr ehemaliger Tanzpartner nach ihrem Handgelenk. „Hey, Baby, komm zurück.“

Sie wandte sich zu ihm um und versuchte, ihre Hand aus seinem Griff zu befreien. „Nein! Danke, aber nein …“

Weiter kam sie nicht. Eine andere Stimme – tief und befehlsgewohnt mit einem aufregenden Akzent – unterbrach sie. „Sie hat Nein gesagt.“

Alys schnellte herum. Vor ihr stand der Mann von der Bar. Er beäugte finster ihren Möchtegern-Tanzpartner.

Die Hand fiel von ihrem Handgelenk. „Okay, Mann, ich wusste nicht, dass sie zu dir gehört.“

„Jetzt wissen Sie es“, kam die Antwort.

Alys spürte, wie ihr Ellbogen leicht umschlossen wurde, und dann führte sie der Mann, dessen atemberaubendes Aussehen sie völlig außer Gefecht setzte, zur Bar. Sie versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen und scheiterte gründlich. Stattdessen ließ sie sich auf einen Barhocker helfen, dann setzte sich der Fremde mit einer geschmeidigen Bewegung wieder auf seinen.

„Sie sehen aus, als könnten Sie einen Drink gebrauchen“, sagte er zu ihr. Alle Härte war aus seiner Stimme verschwunden.

Ihr Herz hämmerte, und ihr Puls raste, als sie ihn ansah. Großer Gott, aus der Nähe sah er sogar noch besser aus. Er war wirklich der attraktivste Mann, der ihr in ihrem ganzen Leben begegnet war.

Es waren die Augen – unglaublich dunkel, mit den längsten Wimpern, die sie je bei einem Mann gesehen hatte – und noch viel mehr. In seinem Blick lag ein Ausdruck, der Alys verriet, dass er nicht nur aus Ritterlichkeit eingegriffen hatte.

Dass ihm gefiel, was er sah … sehr gefiel …

Dankbar für das Make-up, das Maisey sehr großzügig aufgelegt hatte, spürte sie, wie ihre Wangen glühten.

„Also, was möchten Sie trinken?“

„Ähm … einen Sea Breeze?“ hörte sie sich selbst sagen, ihre Stimme klang heiser, was sie normalerweise nie war. Ihr Atem ging zu schnell, zu flach.

Ich wollte gerade nach Hause gehen. Such Maisey, verabschiede dich und mach dich auf den Weg!

Stattdessen blieb sie auf dem Barhocker sitzen, während ein Mann, der anders war als alle anderen, ihr den frisch gemixten Cocktail aus Wodka und Cranberrysaft präsentierte. Dann hob er sein Martini-Glas. Yammas“, murmelte er.

Ihre Finger umschlossen das eiskalte Glas, ihre scharlachrot lackierten Nägel leuchteten vor dem Preiselbeerrot ihres Cocktails.

„Yammas?, hörte sie sich sagen und sah zu ihm auf.

Ein halbes Lächeln zuckte um seinen Mund – eines, das Alys’ weiche Knie noch weicher werden ließ.

„Griechisch für Prost“, antwortete er und nahm einen Schluck von seinem Martini.

Er ließ seinen Blick fast beiläufig über sie gleiten, als würde er sie abschätzen.

Wieder stieg ihr glühende Röte in die Wangen. Alys war sich nur zu genau bewusst, was er sah. Ihre kunstvoll zerzausten blonden Haare lockten sich über die Schultern bis auf den Rücken, ihre Augen wirkten riesig durch den dunklen Lidschatten, schwarz getuschte Wimpern, scharlachrote Lippen.

Das Kleid, das Maisey ihr geliehen hatte, war eng, fast eine Nummer zu klein, und präsentierte ein Dekolleté, das sie selbst in ihren Uni-Tagen nicht gezeigt hätte. Plötzlich spürte sie, wie eng der Stoff ihre Hüften und Schenkel umspannte.

In der Hoffnung, dass es dadurch weniger eng wirkte, schlug sie die Beine übereinander. Doch damit erreichte sie nur, dass dieser dunkle Blick zu ihren Beinen wanderte …

„Griechisch?“ hörte sie sich sagen, als könnte das seine allzu aufmerksamen Augen von dem kurzen Saum ablenken.

Sein Blick kehrte zu ihrem Gesicht zurück, und er trank noch einen Schluck Martini. Dann stellte er das Glas ab und streckte die Hand aus. „Nikos,“ sagte er. „Nikos Drakis.“

Als er seinen Namen aussprach, war der Akzent deutlicher zu hören. Er sagte ihn auf eine Weise, als erwartete er eine Reaktion von ihr.

„Alys“, sagte sie und legte ihre Hand in seine. „Alys Fairford.“

Sie berührten sich nur eine Sekunde lang, aber wieder glühten ihre Wangen.

Ihre Blicke trafen sich. Hielten einander fest.

„Schön, Sie kennenzulernen, Alys. Der Abend war sehr langweilig, aber jetzt …“ Noch immer lag das halbe Lächeln auf seinen Lippen. Aber in seinen Augen sah sie mehr als Belustigung.

Etwas, das ein Feuer in ihrem Inneren auflodern ließ. Sie hatte vergessen, dass sie so fühlen konnte, nach den vier langen Jahre, in denen sie ihre Mutter gepflegt, sich von der Welt abgeschottet und allem den Rücken gekehrt hatte. Doch jetzt vergaß sie das Gefühl, dass ihre Jugend an ihr vorüberzog …

Eine wilde Sehnsucht nach allem, was sie versäumt hatte, stieg in ihr auf, als dieser unglaubliche Mann sie mit diesen dunklen, unwiderstehlichen Augen ansah, wie noch nie ein Mann sie angesehen hatte.

Und plötzlich erfüllte sie Gewissheit.

Heute Nacht würde sie sich nichts verbieten.

Eine Stimme in Nikos’ Kopf versuchte, sich Gehör zu verschaffen. Was zum Teufel tat er hier? Wollte er etwa wirklich eins dieser aufgetakelten Partygirls mit auf sein Zimmer nehmen?

Er konnte sich nicht einmal erklären, warum er ihr geholfen hatte, diesen Dummkopf loszuwerden, der sie belästigte. Das hatte er gar nicht vorgehabt. Er wollte sie nur ansehen, von der seidigen Flut ihrer Haare bis zum kurzen Saum ihres Kleids, das so viel von ihren langen schlanken Beinen zeigte.

Aber sie hatte etwas an sich, etwas, das mehr war, als ihr auffälliges Aussehen …

Vielleicht lag es an den Augen. Blaugrau und groß sahen sie ihn auf eine Weise an, die ihn berührte. Irgendwie stand ihr Blick im Widerspruch zum Rest ihrer Aufmachung. Nicht, dass er etwas gegen ihre Aufmachung einzuwenden hätte. Nicht im Geringsten …

Was gab es daran auszusetzen, wenn eine Frau ihre körperlichen Reize zur Schau stellte, vor allem, wenn sie so atemberaubend aussah wie diese?

Es gehörte nicht zu seinen Angewohnheiten, fremde Frauen anzusprechen, aber für diese würde er eine Ausnahme machen …

Unwillkommene Erinnerungen stiegen in ihm auf. Nur zu gut kannte er die Geschichte seines Vaters. Auch sein Vater hatte an einem schicksalhaften – und verhängnisvollen – Abend eine Fremde angesprochen.

Nikos schüttelte die Erinnerung ab. Er würde nicht den gleichen Fehler machen wie sein Vater.

Gewarnt war gut gerüstet.

Entspann dich, sagte er sich und trank noch einen Schluck von seinem Martini.

Diese umwerfende Frau war ihm über den Weg gelaufen, warum sollte er die Gelegenheit also nicht genießen?

Den Abend genießen und, falls sie es auch wollte, die Nacht, die vor ihnen lag …

Aber wollte sie es auch?

Ihrer Aufmachung nach zu urteilen, blieb daran kaum ein Zweifel, und doch spürte er wieder diesen Widerspruch, den Unterschied zwischen ihr und den anderen Partygirls. Vielleicht lag es an diesen riesigen Augen, mit denen sie ihn so offen ansah. Als könnte sie einfach nicht aufhören, ihn anzusehen.

Dann senkte sie den Blick wieder auf ihren Cocktail, und plötzlich brannten unter dem dicken Make-up zwei rote Flecken auf ihren Wangen. Auch das passte nicht ganz zu der glitzernden Aufmachung …

Er stellte sein Martiniglas ab. Zeit für den nächsten Schritt. Er lächelte sie an. Warm und einladend. „Lassen Sie uns etwas essen gehen, Alys“, sagte er.

Im Hotelrestaurant war es ruhig, und nach der überfüllten Cocktailbar und der dröhnenden Musik genoss Alys die gedämpfte Atmosphäre.

Bin ich wirklich hier?

Seit sie den Fremden zum ersten Mal gesehen hatte, kam sie sich vor wie in einem Traum. Aber dieser Traum wurde mit jeder Minute wirklicher.

Ein Bedürfnis, das sie so lange unterdrückt hatte, stieg mit Macht in ihr auf. Der Wunsch, sich zu nehmen, was sie wollte, mit beiden Händen zu ergreifen, was das Leben ihr vier Jahre lang verwehrt hatte.

Passiert das wirklich?

Sie konnte es kaum glauben. Aber das Essen schmeckte köstlich und sehr real, und die Art, wie Nikos sie immer wieder ansah, war noch realer.

Beim Essen unterhielten sie sich. Alys konnte kaum glauben, dass sie in der Lage war, eine auch nur halbwegs normale Unterhaltung zu führen, während sie sich innerlich in ein zitterndes Nervenbündel verwandelt hatte.

Sie kostete eine Gabel von der Ente mit schwarzen Johannisbeeren, dann fragte sie ihn nach seinen Reisen. Er hatte ihr schon erzählt, dass er geschäftlich viel unterwegs war. Anscheinend hatte er irgendetwas mit Investitionen und internationalem Finanzwesen zu tun – Dinge, von denen sie nichts wusste.

Darum fragte sie ihn nach den Orten auf der Welt, an denen er gewesen war – Orte, die sie nie sehen würde, und selbst wenn, dann immer nur als Billigreisende.

„Diese Orte sind längst nicht so aufregend, wie Sie denken, Alys“, sagte er jetzt. „Brüssel, Frankfurt, Genf – alles nur Städte, in denen Geschäfte gemacht werden. Das gilt auch für New York, Shanghai und Sydney – und meistens sieht man nur den Flughafen, ein Hotel und Büros! Ich habe nicht viel Freizeit.“

Sie hielt beim Essen inne und sah ihn an. Er klang abgestumpft – fast … bitter? „Warum arbeiten Sie dann so viel?“, fragte sie.

Er lächelte schmal. „Entgegen der landläufigen Meinung wächst das Geld nicht auf Bäumen.“

Alys runzelte die Stirn. „Aber wenn Sie schon genug Geld haben, um sich all Ihre Wünsche zu erfüllen, warum wollen Sie dann immer noch mehr?“

Er nahm sein Weinglas, lehnte sich zurück und sah sie mit einem seltsamen Ausdruck an. „Wie viel Geld würden Sie brauchen, Alys?“

Sie blinzelte. „Nun, genug, um die Rechnungen zu bezahlen … und ein bisschen mehr vielleicht.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Für diese Frage bin ich wirklich die Falsche. Ich musste immer bescheiden leben.“

Noch während sie sprach, verspürte sie einen Anflug von Schuldgefühlen. Sie biss sich auf die Lippe. „Es tut mir leid. Ich sitze hier und genieße dieses absolut köstliche Essen, das ich mir alleine nie leisten könnte und frage Sie, warum Sie so viel Geld verdienen wollen …“ Ihre Stimme verstummte.

Der seltsame Ausdruck in seinen Augen verschwand. Stattdessen sah er sie voller Wärme an. „Ich freue mich sehr, wenn es Ihnen schmeckt, Alys. Schließlich habe ich Sie eingeladen, nicht wahr?“

Sie nickte und fühlte sich besser. Aber nicht ganz. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, seine Einladung anzunehmen. Sie griff nach ihrem Weinglas, dann zögerte sie und dachte an den Preis. Dieser Wein wäre für sie bestimmt unerschwinglich.

Alys trank einen Schluck und stellte das Glas wieder auf den Tisch. „Also, wenn Sie von diesen fantastischen Ländern, in die Sie fliegen, nur den Flughafen, ein Hotel und Büros sehen, was ist dann mit Ihrer eigenen Heimat?“ Ihre Stimme klang lebhaft. „Ich war noch nie in Griechenland – ist es dort wirklich so schön, wie es auf Bildern aussieht? All diese ägäischen Inseln!“

„Ich reise nicht viel in Griechenland. Ich lebe in Athen. Auf einer der Inseln besitzen wir ein Haus, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal dort war.“

„Oh, das ist schade!“, sagte sie spontan. Sie lächelte ihn an. „Sie sollten sich auf jeden Fall vornehmen, bald einmal dorthin zu fahren. Nehmen Sie sich eine Auszeit!“

„Mit der richtigen Gesellschaft wäre das vielleicht verlockend …“, sagte er gedehnt und sah ihr in die Augen.

Alys spürte, wie ihre Wangen glühten. Sie trank wieder von ihrem Wein und aß dann weiter. Plötzlich stiegen Bilder in ihr auf, wie sie und Nikos sich am Strand vor einer wunderschönen griechischen Villa sonnten …

Sie war froh, als er ihre Gedanken unterbrach. „Und was ist mit Ihnen, Alys? Sind Sie Londonerin?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich stamme aus den Midlands, aber ich besuche an diesem Wochenende eine Freundin von der Universität. Wir haben während des Studiums zusammengewohnt, nicht weit von Stratford-upon-Avon, Shakespeares Heimat.“

Ihre Stimme erwärmte sich vor Begeisterung, als sie über den großen Dichter sprach. Zu ihrer Überraschung ging Nikos bereitwillig auf das Thema ein, und bald plauderten sie über das klassische griechische Theater.

Auf dem Gebiet kannte er sich gut aus, und sie konnte kaum glauben, wie gut sie sich mit ihm unterhielt – mit einem Mann, dessen Aussehen ihre Knie weich werden ließ. Ihr war, als würde sie ihn schon viel länger als zwei Stunden kennen.

Irgendwann sah er sie neugierig an. „Ich dachte, Sie hätten mit der Modebranche zu tun. Arbeiten Sie als Model?“

Ihre Wangen röteten sich wieder. „O nein, dafür bin ich nicht groß genug – und nicht dünn genug.“

Sein Weinglas hebend, sah er sie über den Rand hinweg an. „Ich würde nichts an Ihrem Aussehen ändern, Alys.“

Als sie in seine unglaublich dunklen Augen sah, beschleunigte sich ihr Herzschlag.

Er prostete ihr mit dem Weinglas zu. „Auf Sie, Alys – und auf unseren gemeinsamen Abend …“

Sein Blick hielt ihren fest, und sie schaffte es nicht, die Augen zu senken – konnte nichts tun, außer in seinen Augen zu versinken.

„Ich bedaure nur eins … morgen muss ich wieder abfliegen. Nach Genf. Ich bin nur für einen Zwischenstopp in London.“

Er sah sie bedeutungsvoll an, und Alys hatte den Eindruck, als wollte er ihr etwas sagen. Einen Moment lang wusste sie nicht, was. Dann begriff sie.

Sie errötete und griff nach ihrem Weinglas. Sie schwieg, und nach einem Augenblick der Stille begann er, Genf mit Zürich zu vergleichen. Bald plauderten sie so angeregt wie vorher.

Doch während der ganzen Zeit gab es unter der Oberfläche noch ein anderes Gespräch. Sie wusste es, fühlte es – wollte es.

Und als er es am Ende aussprach, sagte sie nicht Nein.

Mit seinem Weinglas in der Hand lehnte er sich zurück und sah sie an. Sein dunkler Blick gab nichts preis – und gab doch alles preis.

„Sollen wir unseren Kaffee oben trinken?“, murmelte er. „Was sagen Sie dazu, Alys?“

Sie fühlte, wie ihr Herz unter dem engen Kleid raste. Spürte die Bedeutung des Augenblicks.

So etwas kommt nicht wieder. Wenn ich jetzt Nein sage, lächelt er, akzeptiert meine Antwort und bestellt mir ein Taxi. Er wird mir für den Abend danken … und alles ist vorbei …

Den Gedanken, dass diese berauschende Begegnung mit diesem unglaublichen Mann vorbei war, konnte sie nicht ertragen – noch nicht.

Sie hörte ihre eigene Stimme. Sie sprach aus, was sie sich wünschte.

„Warum nicht?, antwortete sie.

Und ihr Herz klopfte schneller als je zuvor.

2. KAPITEL

Vorsichtig erhob sich Nikos aus dem Bett, dann stand er da und blickte auf die schlanke, noch schlafende Gestalt, die halb von der Bettdecke bedeckt war. Das helle Haar lag ausgebreitet wie ein Fächer über dem Kissen.

Er runzelte die Stirn. Sie sah so anders aus als am Abend. Irgendwann in der Nacht musste sie ins Bad gegangen sein und ihr Make-up entfernt haben. Ihre Haut war blass und zart, die Augenlider waren fast durchscheinend, und ihre Wimpern lagen sanft auf ihren Wangen.

Sein Stirnrunzeln vertiefte sich. Sie sah jünger aus.

Unschuldig.

Das Wort war unerwartet in seinem Kopf aufgetaucht, und er schob es beiseite. Schob auch die Erinnerungen beiseite, wie sie sich in seinen Armen verloren hatte, an die Leidenschaft in ihren Augen, an ihre Lippen, wie sie sich ihm öffneten, als er sie an sich zog.

Sie war bereit für ihn gewesen. Und doch … im letzten Moment, als er sie in sein Schlafzimmer führte, hatte sie gezögert. Er hatte sie wieder geküsst, dann auf die Arme gehoben, auf sein Bett getragen und ihr das zu enge Kleid ausgezogen.

Ihr geschmeidiger Körper hatte ihn den ganzen Abend lang verführt. Er konnte nicht länger widerstehen.

Könnte ihr Zögern Schüchternheit gewesen sein? Oder hatte sie ihm etwas vorgespielt?

Gestern Abend war es ihm egal gewesen – er wollte sie nur endlich in den Armen halten. Wieder flammte die Erinnerung auf. Sein Körper reagierte sofort.

Er hatte ihr die Erfüllung geschenkt. Wieder und wieder. Ihre schlanken Schenkel umklammerten ihn, während sie sich ihm entgegenhob. Er sah wieder ihr Gesicht vor sich, als sie gemeinsam den Gipfel der Lust erreichten.

Noch nie hatte er etwas Ähnliches erlebt.

Wieder runzelte er die Stirn. Fragen stiegen in ihm auf, die er nicht beantworten wollte. Er biss die Zähne zusammen und unterdrückte den überwältigenden Wunsch, sich wieder zu ihr zu legen und sie mit einem Kuss zu wecken …

Er wandte sich ab – zwang sich dazu. Ihm blieb keine Zeit mehr. Sein Morgen war mit Terminen angefüllt, danach flog er nach Genf.

Sie war aus dem Nichts gekommen, nur für eine Nacht, und ob seine Entscheidung, die Nacht mit ihr zu verbringen, ein Fehler gewesen war oder einfach unvermeidlich, spielte keine Rolle. Es war vorbei.

Alys bewegte sich, als würde sie langsam erwachen. Nikos küsste sie, aber nicht so, wie er es sich gewünscht hätte.

Ein kurzer Abschiedskuss, mehr nicht.

Autor

Julia James
Julia James lebt in England. Als Teenager las sie die Bücher von Mills & Boon und kam zum ersten Mal in Berührung mit Georgette Heyer und Daphne du Maurier. Seitdem ist sie ihnen verfallen. Sie liebt die englische Countryside mit ihren Cottages und altehrwürdigen Schlössern aus den unterschiedlichsten historischen Perioden...
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