Eine heiße Affäre - mehr nicht?

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Beim Anblick von Alphas sinnlichen Kurven kann Riley Westmoreland nur noch an eins denken: heißen Sex! Und dass die erfolgreiche Partyplanerin sich von ihm und seinen Millionen nicht beeindrucken lässt, fordert ihn erst recht heraus, sie zu verführen. Zu einer kurzen, heißen Affäre - mehr nicht! Denn Riley hat eine Regel: Langzeitbeziehungen sind tabu. Allerdings muss er sich bald überraschend eingestehen, dass er zum ersten Mal nicht genug von einer Frau bekommen kann. Doch kaum denkt er an eine Zukunft mit Alpha, wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt …


  • Erscheinungstag 02.12.2014
  • Bandnummer 1849
  • ISBN / Artikelnummer 9783733720858
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Ein klirrend kalter Tag Anfang November

In der Nacht hatte es geschneit, und das ganze Land schien unter einer dicken Schneedecke zu schlummern. Laut Wetterbericht würden in Denver die Temperaturen ab Mittag weit unter null fallen und in der Nacht noch weiter sinken. Es war diese schneidende Kälte, die einem in die Knochen stieg und den Atem gefrieren ließ.

Er liebte dieses Wetter!

Riley Westmoreland öffnete die Tür seines Trucks und hielt einen Moment inne, um über das große Gelände zu blicken, das er sein Eigen nennen durfte. „Rileys Station“ hatte er das etwa einhundert Morgen große Ackerland getauft, das er an seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag vor sieben Jahren geerbt hatte. Das Wohnhaus der Ranch hatte er ganz allein entworfen. Auch beim Bau hatte er mit angepackt und hatte voller Stolz den ersten Nagel ins Holz geschlagen. Er war sehr zufrieden mit dem massiven zweistöckigen Haus, das mitten auf dem zugeschneiten Grundstück stand.

Vermutlich war er der einzige Mensch in seiner Familie, der sich auf die alljährlichen Schneestürme freute. Er fand, dass Denver der beste Platz der Welt war, an dem es sich im Winter leben ließ. Aus dem Grund war jedes Zimmer in seinem Haus auch mit einem Kamin ausgestattet. Für ihn war es das Größte, eingekuschelt vor einem knisternden Feuer zu sitzen oder aus dem Fenster zu schauen, wenn es draußen schneite. Schon als Kind hatte ihn das fasziniert. Er erinnerte sich daran, wie er mit seinen Brüdern und Cousins Schneemänner gebaut hatte. Heutzutage genoss er es, mit seinem Schneemobil in den Bergen herumzufahren oder in Aspen Ski zu laufen.

Schließlich stieg Riley in den Truck, setzte sich in den weichen Ledersitz und schnallte sich an. Eigentlich gab es keinen Grund, so früh ins Büro zu fahren. Er könnte genauso gut von zu Hause aus arbeiten. Doch es hatte ihn nach draußen gezogen; er hatte die klare Luft und die erfrischende Kälte spüren wollen. Außerdem stand am Mittag ein wichtiges Meeting im Büro auf der Agenda.

Seit sein ältester Bruder aufgrund der fortgeschrittenen Schwangerschaft seiner Frau Pam kürzergetreten war, hatte Riley als stellvertretender Geschäftsführer Dillons Arbeit im millionenschweren Familienunternehmen Blue Ridge Land Management übernommen. Eine seiner Aufgaben war die Organisation der jährlichen Weihnachtsfeier für die fünfhundert Angestellten.

Dillon hatte im Vorfeld bereits die junge Veranstaltungsagentur Imagine engagiert. Die Inhaberin, eine Frau namens Alpha Blake, hatte vor einiger Zeit eine Wohltätigkeitsveranstaltung ausgerichtet, die auch Dillons Frau Pam besucht hatte. Pam war so beindruckt gewesen von der Arbeit, die Imagine geleistet hatte, dass sie Dillon die Agentur weiterempfohlen hatte. Soweit Riley es beurteilen konnte, kam das einem Ritterschlag gleich. Dillon vertraute dem Urteil seiner Frau in allen Angelegenheiten blind.

Riley wollte gerade den Motor anlassen, als sein Telefon klingelte. Er nahm es aus der Gürtelhülle. „Ja?“

„Mr Westmoreland?“

Unwillkürlich hob er eine Braue, als er die Stimme der Frau hörte. Ihr unglaublich weiblicher Klang gefiel ihm auf Anhieb.

„Ja“, erwiderte er, „was kann ich für Sie tun?“

„Hier ist Alpha Blake. Wir haben heute Mittag einen Termin in Ihrem Büro, aber ich habe eine Reifenpanne und werde mich leider verspäten.“

Er nickte. „Haben Sie den Straßendienst angerufen?“

„Ja, der wird in einer knappen halben Stunde hier sein.“

Davon würde ich an Ihrer Stelle nicht ausgehen, dachte er. Zu dieser Jahreszeit kamen die Jungs nur langsam voran. „Wo stehen Sie denn, Ms Blake?“

„Winterberry Road, etwa eine Meile von der Edgewater-Kreuzung entfernt, nicht weit von einem Lebensmittelladen.“

Er wusste, wo sie war. „Das ist ganz bei mir in der Nähe. Ich schicke Ihnen meinen privaten Service vorbei, um den Reifen auswechseln zu lassen. In der Zwischenzeit hole ich Sie ab, und wir fahren zum Lunch zum McKays anstatt ins Büro. Das ist viel näher. Danach bringe ich Sie zu Ihrem Wagen zurück.“

„Ich … möchte nicht, dass Sie sich meinetwegen Umstände machen.“

„Kein Problem. Ich weiß, dass Sie und Dillon schon ein paar Ideen für die Weihnachtsfeier besprochen haben. Da ich die Sache übernommen habe, bräuchte ich noch ein paar Informationen. Normalerweise kümmert sich meine Assistentin darum, doch sie ist gerade Mutter geworden. Diese Feier ist zu wichtig, um sie einem anderen zu überlassen.“

Riley sparte sich weitere Erklärungen, denn Dillon hatte die Frau bestimmt bereits darüber ins Bild gesetzt: Es handelte sich nämlich gleichzeitig um das vierzigjährige Jubiläum des Unternehmens, das sein Onkel gemeinsam mit seinem Vater gegründet hatte. Hier ging es nicht nur um irgendeine Firmenfeier, sondern um ein Fest, das für jeden in der Westmoreland-Familie von großer Bedeutung war.

„Na gut“, gab sie zurück und unterbrach ihn in seinen Gedanken.

„Ich mache mich sofort auf den Weg.“

Missmutig zog Alpha Blake den Mantel enger um ihren Körper. Woher sollte auch jemand wie sie, die aus dem sonnigen Florida kam, etwas über die Kälte und die vereisten Straßen in Denver wissen?

Sie hatte ihr Meeting mit Riley Westmoreland unbedingt einhalten wollen – und hatte einfach nicht nachgedacht und es vermasselt. Wegen dieser blöden Reifenpanne würde sie nicht nur zu spät kommen, sondern Mr Westmoreland nötigen, sie persönlich abzuholen. Das war unbeschreiblich peinlich, denn sie hatte doch einen guten Eindruck machen wollen. Dillon Westmoreland hatte sie zwar schon engagiert. Doch in der Woche zuvor war ihr am Telefon mitgeteilt worden, dass sie mit dem zweiten Mann von Blue Ridge, Dillons Bruder Riley, zusammenarbeiten würde. Ihrem neuen Ansprechpartner hatte sie sich eigentlich von ihrer allerbesten Seite zeigen wollen …

Sie drehte die Heizung ihres Wagens auf. Trotz der Wärme, die ins Innere strömte, fröstelte Alpha. Sie fragte sich, ob sie sich jemals an das Wetter in Denver gewöhnen würde. Es war ihr erster Winter hier; ihr blieb gar keine andere Wahl, als die Zähne zusammenzubeißen. Kurz vor ihrem Umzug hatte sie das Gefühl gehabt, so weit wie möglich von Daytona Beach wegziehen zu müssen, um den Kopf wieder frei zu kriegen. Obwohl ihre Freunde alle gedacht hatten, dass sie nicht ganz bei Verstand war. Welcher gesunde Mensch tauschte freiwillig das sonnige Daytona Beach gegen das frostige Denver ein? Nur einer wie sie, der ein neues Leben beginnen und seine schmerzhafte Vergangenheit hinter sich lassen wollte.

Ihre Gedanken wurden von dem Geräusch eines Trucks unterbrochen, der von der Straße fuhr und vor ihrem Wagen anhielt. Die Tür wurde aufgestoßen. Zwei lange schlanke Beine in Jeans und Lederstiefeln kamen zum Vorschein, bevor ein Mann ausstieg und in Alphas Richtung schaute. Sie fing seinen Blick durch die Windschutzscheibe ihres Wagens auf und hielt den Atem an. Da kam ein Mann auf sie zu, der so ungeheuer maskulin und atemberaubend war, dass ihr Herz einen Schlag lang aussetzte.

Er war groß, doch der Stetson auf seinem Kopf ließ ihn noch größer erscheinen. Allerdings spielte die Größe nur eine untergeordnete Rolle angesichts der markanten Gesichtszüge, die unter der Hutkrempe zu erkennen waren. Seine Haut wirkte glatt und makellos, seine dunkelbraunen Augen funkelten. Die Kontur seiner Nase war ebenso perfekt wie die seines Kinns.

Unübersehbar waren auch seine breiten und starken Schultern. Kaum zu glauben, dass er sich in der nicht allzu dicken Rindslederjacke offenbar wohlfühlte: Die frostigen Temperaturen schrien geradezu nach einem schweren Mantel.

Alpha musterte seinen athletischen Körper von oben bis unten, während er sich auf ihren Wagen zubewegte. Sein Gang war so elegant und selbstbewusst, dass sie fast neidisch auf dieses offensichtliche Selbstvertrauen wurde. Unwillkürlich richteten sich ihre Brustspitzen auf. Alpha spürte, wie ihr das Blut durch die Adern schoss. Diese Reaktion hatte sie zuvor zwar schon erlebt, aber sie überraschte sie. Es war das erste Mal seit ihrer Trennung von Eddie, dass sie voller Verlangen auf einen Mann reagierte.

Dieser Mann trat nun an die Fahrerseite und klopfte an die Scheibe.

Alpha ließ das Fenster herunter. „Riley Westmoreland?“ Im Prinzip hätte sie sich die Frage sparen können, denn er war Dillon wie aus dem Gesicht geschnitten.

„Ja. Alpha Blake?“, erwiderte er, reichte ihr die Hand und taxierte sie mit einem Blick, der cool und neugierig zugleich war.

„Ja.“ Sie nahm seine Hand und spürte selbst durch die Lederhandschuhe hindurch die Wärme. „Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Mr Westmoreland.“

„Riley“, korrigierte er lächelnd, worauf sie innerlich dahinschmolz. Seine Augen waren unglaublich. Dunkel und verführerisch. „Ganz meinerseits“, fügte er hinzu. „Ich habe nur Gutes über Sie und Ihre Arbeit gehört. Dillon und Pam haben Sie in den höchsten Tönen gelobt, Alpha. Ich hoffe, es ist okay, wenn ich Sie Alpha nenne.“

„Danke, und ja, es ist absolut okay.“

„Mein Reparaturservice wird gleich da sein. Schalten Sie das Warnlicht ein, und legen Sie die Autoschlüssel unter den Sitz“, sagte er und trat einen Schritt zurück, damit sie aussteigen konnte.

Nervös kaute Alpha auf der Unterlippe. „Ist das denn sicher?“

Er lachte amüsiert auf. „Ja. An solchen Tagen trauen sich ­Autodiebe nicht auf die Straße.“ Er öffnete ihr die Tür. „Sollen wir los?“

„Ja.“ Sie deponierte den Schlüssel unter dem Sitz und nahm ihre Handtasche und eine Kuriertasche mit. Den Mantel eng um den Körper gezogen, ging sie mit Riley schnell zu seinem Truck. Er geleitete sie zur Beifahrerseite und machte ihr auf. Im Inneren empfing sie eine wohltuende Wärme. Es roch nach Riley – es war ein männlicher und sinnlicher Duft. Alpha errötete und wunderte sich darüber, dass ihr derartige Gedanken durch den Kopf gingen. Schließlich handelte es sich um den Mann, für den sie arbeiten würde.

Kurz nachdem er die Tür hinter ihr geschlossen hatte, klingelte sein Handy. Im Seitenspiegel beobachtete sie, wie er sprach, während er um den Truck herumging.

Wenig später stieg er ein, setzte sich ans Steuer und startete den Motor. Dann schnallte er sich an. Er legte das Handy beiseite und schenkte Alpha ein Lächeln, das zum Dahinschmelzen war. „Warm genug?“, fragte er. Seine Stimme klang rauer als alle Männerstimmen, die sie jemals gehört hatte.

Wenn du nur wüsstest … Sie verkniff sich diese Antwort und erwiderte stattdessen knapp: „Ja. Danke.“

Riley schaute nun konzentriert in den Rückspiegel und fuhr auf die Straße.

Da sie schwieg, ging Riley davon aus, dass die Frau neben ihm schüchtern war. Der weite Mantel und ihre Größe von etwa einem Meter sechzig ließen außerdem darauf schließen, dass sie vermutlich eher von gedrungener Statur war. Er bevorzugte dagegen Frauen, die groß, schlank und kurvig waren. Doch sie hatte ein wirklich sehr hübsches Gesicht und war definitiv ein Hingucker. Denn er liebte schöne Gesichter.

Um die Stille zu durchbrechen, schaltete er den CD-Player ein, und die Stimme von Whitney Houston erklang. Aber schon nach kurzer Zeit wollte Riley ein Gespräch anfangen und fragte sie: „Ich habe gehört, Sie kommen aus Florida. Was hat Sie nach Denver verschlagen?“

Als sie ihn ansah, war er sofort fasziniert von ihren schokoladenbraunen, katzenförmigen Augen. Ihr ebenfalls braunes, dickes Haar fiel lockig auf die Schultern. Die Farbe war perfekt und bildete einen wunderbaren Kontrast zu ihrer zarten Haut. Und dann hatte sie noch dieses süße Grübchen in der Wange.

„Als meine Großmutter starb, hat sie mir Geld hinterlassen. Da habe ich die Gelegenheit genutzt, um mein Leben zu ändern.“

Er nickte. „Und was haben Sie gemacht, bevor Sie Veranstaltungsplanerin geworden sind?“

„Ich war Tierärztin.“

„Wow, das nenne ich mal eine Veränderung.“

Sie lächelte. „Das stimmt.“

Er musterte sie. „Wie kommt eine Tierärztin auf die Idee, Veranstaltungsplanerin zu werden?“

Sie strich sich eine Locke aus dem Gesicht und sagte: „Meine Eltern wollten, dass ich Tierärztin werde – deshalb.“

„Warum?“ Er hätte sich nie vorstellen können, beruflich einen anderen Weg einzuschlagen als den, den er gegangen war. Natürlich war ein Mensch aber auch fähig, seinen Traumjob für andere Dinge zurückzustellen. So wie sein Cousin Ramsey es getan hatte.

Ramsey hatte immer davon geträumt, Schafzüchter zu sein, und deshalb auch Landwirtschaft studiert. Nach dem Studium hatte er dennoch die Geschäftsführung von Blue Ridge Management übernommen. Er hatte Dillon damit nicht alleinlassen wollen, nachdem beide Elternpaare bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen waren. Sobald aus der Firma ein erfolgreiches Unternehmen geworden war, hatte er jedoch Dillon seine Anteile übertragen. Ramsey war schließlich seinem Traum gefolgt und Schafzüchter geworden.

Als Riley nun vor einer roten Ampel hielt, betrachtete er ­Alpha. Er bemerkte, wie sie auf der Unterlippe kaute und nervös an ihrem Silberarmband herumnestelte. Hm, offenbar ist „Warum“ nicht die richtige Frage gewesen.

„Ich bin Tierärztin geworden, um meine Eltern zufriedenzustellen. Da sie eine Tierarztpraxis haben, dachte ich, ich steige ins Familiengeschäft ein. Doch nach einem Jahr habe ich gemerkt, dass mein Herz nicht daran hing. Das war ihnen zwar klar. Trotzdem waren sie nicht besonders glücklich über meinen Entschluss, Veranstaltungsplanerin zu werden. Erst nachdem ich die Party anlässlich ihres dreißigsten Hochzeitstags ausgerichtet habe, haben sie meinen neuen Beruf akzeptiert.“

„Anscheinend haben Sie gute Arbeit geleistet, was?“, fragte er.

Ihr strahlendes Lächeln war einfach umwerfend. „Ja, ich habe mich selbst übertroffen.“

Er lachte. „Gut für Sie.“ Nach kurzem Schweigen erkundigte er sich: „Sind Sie ein Einzelkind?“

Ihre Antwort kam nur zögernd. „Nein, ich habe eine Schwester.“

Riley sagte lange nichts und beschloss schließlich, das Thema zu wechseln. „Also, was haben Sie sich für unsere Weihnachtsfeier ausgedacht?“

Er hörte aufmerksam zu, als sie ihm ihre Vorschläge erklärte. Einigem konnte er folgen, anderem nicht. Nicht alles, was sie sagte, konnte er sich vor seinem geistigen Auge vorstellen. Um sich ein umfassendes Bild zu machen, brauchte er Fotos.

Offenbar sah sie ihm an, was er dachte. „Ich habe für heute eine Power-Point-Präsentation vorbereitet. Aber da wir uns nun in einem Restaurant treffen, kann ich …“

„… können Sie mir die Präsentation trotzdem zeigen. Ich habe dort bereits angerufen und einen Konferenzraum reserviert.“

„Sehr gut. Alles, was ich brauche, habe ich hier“, sagte sie und klopfte auf die Kuriertasche auf ihrem Schoß.

Das brachte ihn dazu, nach unten zu blicken. Sie trug modische dunkelbraune Lederstiefel. Als er den Blick hob, sah er, dass sie aus dem Fenster schaute.

„Diesen Weg zum McKays kenne ich gar nicht“, meinte sie.

Er konzentrierte sich wieder auf die Straße. „Eine Abkürzung.“

„Oh.“

Erneut trat Stille ein. Riley beschloss, es dabei zu belassen und einfach die Fahrt und den gefühlvollen Gesang Whitney Houstons zu genießen.

Alpha schaffte es nicht, dieses Flattern in ihrem Magen abzustellen. Angestrengt starrte sie zum Seitenfenster hinaus, um nicht ständig den Mann hinter dem Lenkrad anzusehen. Im McKays würde sie noch genügend Augenkontakt mit Riley Westmoreland haben. Eigentlich hätte sie sich denken können, dass er unverschämt gut aussah: Dillon war ebenfalls sehr ansehnlich. Darüber hinaus schien er sehr neugierig zu sein. Allerdings wäre sie seinen Fragen am liebsten ausgewichen. Es war immer noch schmerzhaft, sich daran zu erinnern, warum sie Daytona verlassen hatte. Und nach der hitzigen Diskussion mit ihren Eltern am Abend zuvor hätte sie lieber an etwas anderes gedacht.

Während sie versuchte, die Erinnerungen an Daytona und ihre Eltern zu verdrängen, fuhren sie auf den Parkplatz vor dem McKays. Scheinbar hielt das Wetter die Leute nicht davon ab, zum Lunch hierherzukommen. Das Restaurant schien gut gefüllt zu sein. Riley musste ein paar Extrarunden drehen, bis er endlich eine freie Parklücke fand.

Alpha streckte die Hände aus und genoss die Wärme der Handschuhe. Vorsorglich zog sie sich den Mantel eng um den Körper, um sich gegen die Kälte da draußen zu wappnen. Sie blickte zu Riley hinüber, der keine Handschuhe trug. „Ist das nicht zu kalt?“

Als er sie anlächelte, wünschte sie sich, er würde es nicht tun. Sein Lächeln machte ihr allzu klar, wie lange es zurücklag, dass ein Mann ohne jeglichen Hintergedanken freundlich zu ihr gewesen war.

„Nein. Ich mag die Kälte“, gab er zurück. „Je kälter, desto besser.“

Verständnislos sah sie ihn an. „Warum?“

Er zuckte mit den breiten Schultern. „Keine Ahnung. Ich schätze, ich bin zu heißblütig.“

„Offensichtlich“, murmelte sie.

Er stieg aus, während Alpha den Sicherheitsgurt löste. Danach stieß sie ebenfalls die Tür auf – und wäre beinahe der Länge nach hingefallen. Zum Glück reagierte Riley schnell genug und fing sie auf.

„Ich hätte Sie warnen sollen“, meinte er. „Der Parkplatz ist ziemlich vereist.“

Ja, das hätte er tun können. Aber dann würde sie jetzt nicht in den Armen eines heißblütigen Mannes liegen, dessen herber Duft sie fast um den Verstand brachte.

„Ich denke, es geht schon wieder“, sagte sie und ließ ihn los.

Er legte eine Hand auf ihren Arm. „Dafür werde ich sorgen.“ Dann hob er sie hoch.

2. KAPITEL

Riley trug sie auf seinen Armen bis ins volle Restaurant hinein. Alpha glaubte, vor Scham sterben zu müssen, als einige der Gäste sie verwundert musterten.

Ein Mann, der gerade zur Tür hinausging, klopfte Riley schmunzelnd auf die Schulter und sagte: „Du trägst sie also immer noch auf Händen herein, mein Sohn.“

Grinsend erwiderte Riley: „Scheint zu funktionieren, Mr Daniels.“ Dann sah er Alpha an. „Ab hier schaffen Sie es bestimmt allein“, sagte er und setzte sie behutsam ab.

„Danke.“ Sie schaute ihn nicht an, beobachtete aber aus den Augenwinkeln, wie er einen Schritt zurücktrat. Vermutlich wünschte er sich gerade, nichts mit ihr zu tun zu haben. Bisher hatte sie ihm immerhin nur Unannehmlichkeiten bereitet.

„Herzlich willkommen, Riley. Der Raum, den du haben wolltest, ist vorbereitet“, sagte die Empfangsdame lächelnd und für Alphas Geschmack eine Spur zu freundlich.

„Vielen Dank. Bitte sorge doch dafür, dass wir ungestört sind, Paula.“

Alpha sollte es eigentlich nicht überraschen, dass beide sich offenbar kannten.

„Kein Problem“, erwiderte Paula und deutete ihnen an, ihr zu folgen. „Wir haben dir den besten Raum reserviert.“ Sie blickte über die Schulter, musterte Alpha abschätzig und wandte sich dann direkt an Riley: „Denn du verdienst nur das Beste.“

Alpha versuchte, trotz allem freundlich zu bleiben. Insgeheim überlegte sie, ob diese Stichelei Absicht gewesen war. Wusste die Frau denn nicht, dass es sich hier um ein rein geschäftliches Meeting handelte?

Als Riley ihr eine Hand auf den Rücken legte, überlief sie ein prickelnder Schauer. Selbst durch den Stoff ihres dicken Mantels hindurch konnte sie seine Berührung spüren.

Die Tür schloss sich hinter ihnen, und Alpha sah sich um. Sie standen in einem geschmackvoll eingerichteten Raum. Der kleine Konferenztisch in der Ecke war für zwei Personen hergerichtet. Projektor, Leinwand und Lautsprecher waren bereits angeschlossen. Und dann war da noch dieses Panoramafenster mit seiner unglaublichen Aussicht auf die Berge. Wie sollte man bei diesem wunderbaren Ausblick konzentriert arbeiten?

„Wollen Sie es sofort tun oder erst etwas essen?“, fragte Riley.

Alpha schluckte. Ganz sicher hatte er „es“ nicht so gemeint, wie es geklungen hatte. „Entscheiden Sie. Es ist Ihr Meeting.“

„In dem Fall werde ich Paula sagen, dass wir etwas essen möchten. Ich verhungere nämlich.“

Sie nickte nur. Als er sich daraufhin die Jacke auszog, kamen seine breiten Schultern zum Vorschein. In diesem Moment fiel Alpha auch auf, wie großartig die engen Jeans seinen wohlgeformten Körper – vor allem aber seine Beine – betonten. Er war ein Adonis, verführerisch männlich.

Alpha zog ihren Mantel ebenfalls aus. Danach entledigte sie sich ihres dicken Pullovers und eines Sweatshirts. Sie hatte so viele Kleidungsstücke wie möglich angezogen, um sich vor der Kälte zu schützen.

Sie ging zum Garderobenständer, um alles aufzuhängen. Dabei streckte sie sich: Durch das Gewicht der ganzen Kleidungsstücke war ihr Nacken leicht verspannt. Als sie sich umdrehte, bemerkte sie, dass Riley sie mit einem merkwürdigen Blick betrachtete.

Sie schluckte und fühlte sich etwas unwohl. Nervös fuhr sie sich mit der Zunge über die Lippen. „Stimmt was nicht?“

Riley schaute kurz aus dem Fenster. Als er sie wieder ansah, war der seltsame Ausdruck in seinen Augen verschwunden. „Nein“, sagte er rasch. „Entschuldigen Sie mich einen Moment. Ich werde Paula Bescheid geben, dass wir was essen möchten.“

Verwundert blickte Alpha ihm nach, als er hinauseilte.

Mit zitternden Händen schloss Riley die Tür hinter sich. Er lehnte sich dagegen und holte tief Luft, um sich zu beruhigen. Jeder Muskel in seinem Körper bebte vor Verlangen. So etwas hatte er seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr verspürt.

Woher zum Teufel war plötzlich dieser kurvige Körper gekommen? Er hatte zwar gehört, dass es Frauen mit einer Sanduhr-Figur gab, war aber noch nie einer begegnet.

Unfassbar, was Alpha Blake ihm unter ihren Mänteln und Pullovern vorenthalten hatte! Ihm hatte es die Sprache verschlagen, als sie mit einem Mal in einem rosafarbenen, körperbetonten Kleid und hohen Stiefeln vor ihm gestanden hatte. Sie war so verdammt sexy. Blitzartig war er von einem ihm bis dahin unbekannten Begehren erfasst worden.

Diese Frau war nicht einfach nur ein Hingucker – ihre Kurven waren geradezu zum Niederknien. Die Lust schien ihm die Sinne zu vernebeln. Durch seinen Kopf schossen Gedanken, die absolut unangemessen, unerhört und definitiv nicht jugendfrei waren.

Ihre Taille war so schmal, dass er sie fast übersehen hätte. Und ihre Brüste hatten genau die richtige Form und Größe. Bei dem Anblick des Stoffs, der sich darüber spannte, wären Riley fast die Augen übergegangen. Und erst ihre Hüften: wohlproportioniert und wunderbar gerundet.

Als Alpha zum Garderobenständer gegangen war, hatte er mit männlicher Neugier den Schwung ihrer Hüften bewundert. Eine so sinnliche Frau war ihm bis jetzt noch nie begegnet, so viel stand fest.

„Brauchst du Hilfe, Riley?“

Paulas Frage riss ihn aus seinen Gedanken. Er musterte die Empfangsdame von oben bis unten. Sie hatte eine hübsche Figur, konnte aber nicht mit Alpha Blakes Körper konkurrieren.

Paula und er hatten vor ein paar Jahren ein belangloses Techtelmechtel gehabt. Als er weiterziehen wollte, hatte sie sich von ihm schlecht behandelt gefühlt. Dabei hatte er ihr bereits vorher erklärt, dass Langzeitbeziehungen für ihn tabu waren – so tat er es bei allen Frauen, mit denen er etwas anfing. Er bevorzugte zwanglosen Sex. Einen Monat, maximal sechs Wochen, auf mehr ließ er sich nicht ein. Er nannte es Rileys Regel. Frauen wussten, was sie von ihm erwarten durften – oder was sie nicht von ihm erwarten durften –, und so sollte es auch bleiben. Damit konnte er leben.

Eine Frau, die diese Regel zunächst akzeptierte und ihn dann doch an sich binden wollte, wurde kurzerhand auf die schwarze Liste gesetzt. So wie Paula. Aus unerfindlichen Gründen hatte sie damals geglaubt, diejenige zu sein, die ihn ändern könnte. Da­raufhin hatte er die Sache schleunigst beendet.

„Ja“, antwortete er nun. „Mein Gast und ich haben beschlossen, vor dem Arbeitsgespräch etwas zu essen. Würdest du dich bitte darum kümmern?“

Paula legte den Kopf schief und sah ihn herausfordernd an. „Ich kann mir schon denken, was für ein Arbeitstreffen das werden soll, Riley.“

Er hielt ihrem Blick stand. „Ach ja?“

„Ja. Muss ich dich an unsere gemeinsame Vergangenheit erinnern? Erklär mir, was dich an dieser grauen Maus reizt. Gott, Riley, du hast doch einen besseren Geschmack!“

Graue Maus? Das Bild dieser Frau mit dem unglaublichen Körper kam ihm wieder in den Sinn. Und was er für einen Geschmack hatte! „Erstens handelt es sich um ein Arbeitsgespräch, Paula. Alpha organisiert für Blue Ridge die Weihnachtsfeier. Zweitens geht dich alles, was mich betrifft, absolut nichts an.“

Paula stemmte die Hände in die Hüften. „Eines Tages wird eine Frau dir dein Herz brechen. Und dann bin ich hoffentlich da, um dabei zuzusehen.“

Riley fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Was sollte dieses Drama? Der Tag hatte so gut begonnen. „Schön, nun hast du’s mir ja gegeben“, sagte er, wandte sich um und wollte in den Konferenzraum zurückgehen.

In dem Moment streckte sie schnell die Hand aus und ergriff seine. „Es tut mir leid, Riley. Ich hätte das nicht sagen sollen. Aber du hast nie auf meine Anrufe reagiert“, erklärte sie bitter.

Er starrte sie an. „Nein, das habe ich nicht. Außerdem ist es schon zwei Jahre her, oder?“

„Ja.“

Riley nickte langsam und streng, bevor er die Tür öffnete. Hoffentlich hatte Paula es diesmal kapiert.

Alpha sah von ihrem Laptop auf, als Riley zurückkam. Sie hatte bereits alles für ihre Präsentation vorbereitet.

„Ich dachte, wir essen zuerst“, meinte er, nachdem er es bemerkt hatte.

„Tun wir auch. Aber ich dachte, wenn ich alles herrichte, kann ich direkt loslegen. Dadurch sparen wir Zeit.“

Er nickte und setzte sich an den Tisch. Alpha überlegte, ob er von seinem Stuhl aus die Leinwand erkennen konnte. Gerade wollte sie ihn fragen, als ein Kellner mit einer Karaffe Wasser und zwei Speisekarten eintrat. Also ging sie zum Tisch und ließ den Kellner Wasser in ihre Gläser füllen.

Sie nahm gegenüber von Riley Platz und war froh, als der Kellner ihr eine Karte reichte. Endlich konnte sie sich auf etwas anderes als auf Riley konzentrieren. Vielleicht irrte sie sich ja, aber irgendwie machte er einen aufgewühlten Eindruck. Ärgerte er sich wegen ihr?

Sie legte die Karte nieder. „Es tut mir leid, Riley.“

Überrascht betrachtete er sie. „Was denn?“

„Dass ich Ihnen heute so viele Umstände bereitet habe. Erst die Reifenpanne, dann mussten Sie mich persönlich abholen und das Treffen hierhin verlegen.“

Autor

Brenda Jackson

Brenda ist eine eingefleischte Romantikerin, die vor 30 Jahren ihre Sandkastenliebe geheiratet hat und immer noch stolz den Ring trägt, den ihr Freund ihr ansteckte, als sie 15 Jahre alt war. Weil sie sehr früh begann, an die Kraft von Liebe und Romantik zu glauben, verwendet sie ihre ganze Energie...

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