Hannahs sinnlicher Plan

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Hannah ist entschlossen, alles auf eine Karte zu setzen: Der gut aussehende Immobilienmakler Abel Kennedy soll der Vater ihres Kindes werden! Dass er für sein Bauprojekt unbedingt ihr Grundstück braucht, passt da bestens in ihre Pläne. Hannah schlägt ihm einen ungewöhnlichen Handel vor …


  • Erscheinungstag 19.05.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733757199
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Samenhandlung. So sollte der Katalog eigentlich heißen, dachte Hannah Harrington und blätterte um.

Nummer 325: ein Meter neunzig groß, knapp achtzig Kilo, kastanienbraunes Haar, braune Augen, Geschichtswissenschaftler.

Oder Nummer 5571: ein Meter achtzig, fünfundsiebzig Kilo, blond, blaue Augen, Doktor der Chemie.

Oder …

Hannah arbeitete sich mit wachsender Unlust durch den Katalog. Die Beschreibungen der Kandidaten ähnelten sich mehr oder weniger, und sie hatte bald genug von all den selbst ernannten Traummännern. Sie kam sich vor wie damals als kleines Mädchen im Spielwarenladen, als sie sich für eine von unzähligen nahezu gleichartigen Barbiepuppen hatte entscheiden müssen. Nur ging es jetzt nicht um etwas so Unwichtiges wie eine Puppe, sondern um einen Mann aus Fleisch und Blut. Denn sie war auf der Suche nach dem richtigen Vater für ihr Kind.

Sie wünschte sich nichts sehnlicher als ein Baby, aber sie zweifelte zunehmend daran, dass es der richtige Weg war, den dazu notwendigen Vater aus einem Katalog von Samenspendern auszusuchen. Zwar war sie selbst Hebamme und hatte tagtäglich mit schwangeren Frauen und Säuglingen zu tun, aber das half ihr trotzdem nicht weiter bei der Verwirklichung ihres eigenen Kinderwunsches, solange sie keinen Mann dafür hatte. Seit Monaten knabberte sie schon an diesem Problem, ohne dass sie seiner Lösung näher gekommen wäre.

Fest stand nur eines: Sie wollte ein Kind, und zwar bald.

Sie war bei einer Pflegemutter aufgewachsen, deren Haus ständig von Babys bevölkert gewesen war, und hatte dabei einfach eine Schwäche für diese kleinen hilflosen Wesen entwickelt. Sie liebte einfach alles an ihnen: ihren Geruch, wie sie sich anfühlten, ihr Strampeln … Gut, auf die vollen Windeln hätte sie verzichten können, genauso auf das Spucken, aber das waren kleine Unannehmlichkeiten, die ihrer Liebe nicht den geringsten Abbruch taten. Als kleines Mädchen schon war ihr vollkommen klar gewesen, dass sie einmal selbst möglichst viele Kinder haben wollte.

Und so blätterte sie weiter in ihrem Samenspenderkatalog. Aber so sehr sie auch von der Sorge getrieben war, dass ihre biologische Uhr in absehbarer Zeit ablaufen würde, so wenig glaubte sie inzwischen daran, dass eine anonyme Samenspende der richtige Weg war, Mutter zu werden.

Die Sprechanlage auf ihrem Schreibtisch summte und riss Hannah aus ihren Babyträumen.

„Ja?“

„Hier ist ein Abel Kennedy, der dich sprechen möchte. Willst du ihn sehen?“ Aus Sharons Stimme klang mehr als nur eine einfache Frage. Schließlich war eine Hebammenpraxis nicht gerade der Ort, an dem üblicherweise Männer verkehrten.

„Schick ihn rein.“

Hannah hätte es nie zugegeben, aber sie selbst war genauso neugierig auf diesen Abel Kennedy. Die Männer, die sie sonst in ihrer Sprechstunde zu sehen bekam, waren entweder Pharmavertreter oder die Männer von Patientinnen. Mr. Kennedy gehörte keiner der beiden Kategorien an. Ihn führten private Gründe hierher. Das hatte er jedenfalls gesagt, als er sich telefonisch angemeldet hatte. Allerdings konnte sie nichts mit seinem Namen anfangen und sich um alles in der Welt nicht vorstellen, welche Art von privaten Verbindungen es zwischen ihr und ihm geben konnte.

„Erzählst du mir nachher, was er wollte?“, erkundigte Sharon sich noch schnell.

Hannah lachte. „Mal sehen.“

„Wenn er schwanger ist, will ich es aber auf jeden Fall wissen“, beharrte Sharon. „Dann könnte ich vielleicht mein Einkommen mit einem Tipp an die Boulevardpresse aufbessern.“

Hannah lachte wieder. „Schick ihn endlich rein.“

Sie schob ihren Katalog unter einen Stapel Papiere. Diese Samenbank mochte eine anerkannte Möglichkeit sein, zu einem Kind zu kommen, aber das musste sie ja nicht jedem kundtun. Außerdem kam sie immer mehr davon ab. Eine anonyme Samenspende war zu klinisch und unpersönlich, und das wollte sie für ihr Kind nicht. Das hieß, wenn sie je ein Kind haben würde …

Es klopfte leicht, und unmittelbar danach öffnete Sharon die Tür und schob einen Mann herein. „Mr. Kennedy“, verkündete sie, ohne Anstalten zu machen, danach den Raum zu verlassen.

„Danke, Sharon.“

Mr. Kennedy hatte dunkle Haare und ebenso dunkle Augen und sah rundherum fantastisch aus. Und er hat eine angenehme Größe, stellte Hannah fest, als sie ihm die Hand zur Begrüßung gab. Es gehörte nicht viel dazu, größer als sie zu sein. Verglichen mit ihr war er mit seinen schätzungsweise ein Meter achtzig fast schon riesig.

„Mr. Kennedy, nehmen Sie doch bitte Platz“, forderte sie ihn auf.

Ihr Besucher war schlank und sehnig und hatte eine eindrucksvoll athletische Figur. Ob er Sport trieb? Dann war es sicher lohnenswert, ihm dabei zuzuschauen, auch wenn sie selbst alles andere als ein Sportsfan war. Und doch würde sie sich praktisch jede Sportveranstaltung antun – als Zuschauerin! –, einfach nur, um diesen Mann in Aktion zu sehen.

Hannah fiel jetzt erst auf, dass Sharon sich immer noch im Hintergrund ihres Besprechungszimmers herumdrückte. „Danke, Sharon. Im Moment brauche ich dich nicht mehr.“

Sharon setzte sich mit sichtlichem Widerstreben in Bewegung und schloss die Tür hinter sich.

Hannah wandte sich an ihren Besucher. „Mr. Kennedy, was kann ich für Sie tun? Ich kann mir nicht recht vorstellen …“ Sie ließ den Satz in der Luft hängen. Wenn sie ehrlich war, war sie auf den Grund seines Besuchs ebenso gespannt wie Sharon.

„Ich vermute, Sie sehen nicht sehr viele Männer in Ihrer Praxis“, meinte Abel Kennedy mit einem Lächeln, das absolut umwerfend war. Der Mann gewann mit jeder Sekunde, die er hier war.

„Jedenfalls nicht allein“, erwiderte sie und konnte nur hoffen, dass er nicht merkte, wie er auf sie wirkte. „Normalerweise kommen sie mit ihrer Frau oder Freundin. Also, was kann ich für Sie tun? Ich muss gestehen, dass Sie mich neugierig machen.“

„Es geht um ein Grundstück, das Ihnen gehört“, begann er und machte eine kleine Pause. „Ich komme von Mrs. Cahill“, fügte er dann noch hinzu.

Dahin schwand Sharons Hoffnung, der Regenbogenpresse einen Sensationsbericht liefern zu können. Hannah lächelte. „Ich kann mir vorstellen, um welches Grundstück es sich handelt“, meinte sie. „Irene hat es mir zwar geschenkt, aber, genau genommen, gehört es mir eigentlich nicht.“

Irene war ihre Pflegemutter und „Durchgangsstation“ für viele Babys gewesen, die auf Adoptiveltern warteten. Vor einiger Zeit war sie nach Florida gezogen, um ihr Rentnerinnendasein zu genießen, und hatte Hannah drei aneinander grenzende zentral gelegene Grundstücksparzellen in der Stadt geschenkt. Darauf sollte eines Tages das kleine Gesundheitszentrum entstehen, von dem Hannah immer geträumt hatte.

Abel Kennedy kam Hannahs Erklärung zuvor. „Mrs. Cahill hat mir von Ihrem Plan erzählt“, sagte er.

„Ich fürchte, ich weiß immer noch nicht so recht, wie ich …“

„Ich hatte mich mit Mrs. Cahill in Verbindung gesetzt, weil ich ihr dieses Grundstück abkaufen wollte, und da hat sie mir erzählt, dass es inzwischen Ihnen gehört. Und jetzt wollte ich Ihnen anbieten, für Sie ein anderes geeignetes Stück Land zu suchen, wenn Sie mir dafür Ihres überlassen. Es wäre praktisch ein Tausch.“

„Ich verstehe.“

„Vielleicht nicht ganz. Ich brauche dieses Grundstück nämlich unbedingt. Für Ihr Gesundheitszentrum findet sich bestimmt ein anderes, das Ihren Bedürfnissen genauso entspricht.“

„Aber warum muss es ausgerechnet mein Land sein? So attraktiv ist die Gegend ja nun auch wieder nicht.“

„Mein Partner und ich wollen dort eine kleine Siedlung bauen. Die inneren Stadtviertel müssen dringend aufgewertet werden, das ist das Ergebnis einer städtischen Untersuchung. Viel zu viele Bewohner wandern in die Außenbezirke und Vorstädte ab, und die Innenstadt von Erie verödet allmählich. Wir müssen die Stadt wieder attraktiv für die Bewohner machen, indem wir zum Beispiel den Verkehr teilweise herausnehmen und …“

Hannah hörte nur mit halbem Ohr zu, als Abel Kennedy sich zunehmend für sein Thema erwärmte, das ihm offenbar sehr am Herzen lieg. Er erläuterte ihr ausführlich sein Vorhaben, neue Wohngebiete zu erschließen, jonglierte mit Zahlen, die beweisen sollten, wie wichtig es war, junge Menschen mit guten Berufen in die Stadt zurückzulocken, zitierte Steuersätze und schwärmte von Zukunftsinvestitionen.

Hannah bekam davon kaum etwas mit. Stattdessen studierte sie ihren Besucher ausführlich. Abel Kennedy entsprach rein äußerlich genau dem Bild, das sie sich vom Vater ihres Kindes gemacht hatte. Schade, dass der Katalog kein solches Exemplar enthielt. Andererseits traf man die Samenspender ja nicht persönlich.

Abel Kennedy sprach mit Leidenschaft und Überzeugung. Das gefiel ihr. Seine Bewegungen waren beherrscht und gleichzeitig geschmeidig, fast hätte man sie graziös nennen können. Er war eine Augenweide von der Art, die Frauen um den Verstand brachte und Männer blass vor Neid werden ließ. Er war zum Anbeißen, um es auf den Punkt zu bringen.

Außerdem schien er intelligent zu sein, und damit war ein weiteres Auswahlkriterium erfüllt. Und er sah gesund aus, auch das war wichtig. Jetzt fehlte nur noch die Antwort auf die Frage, ob er Humor besaß. Aber das war nicht wirklich ausschlaggebend. Humor wurde nicht vererbt, sondern man erwarb ihn im Laufe der Zeit.

Zusammenfassend war festzustellen, dass Abel Kennedy der perfekte Kandidat war. Sie brauchte als Vater für ihr Kind einen gesunden, intelligenten Mann. Das waren die Grundanforderungen, und denen schien er hundertprozentig zu entsprechen. Zusätzlich brachte er noch einige angenehme Extras mit.

Inzwischen war er mit seinem Vortrag zum Ende gekommen und lehnte sich in seinen Stuhl zurück. Offenbar wartete er auf eine Reaktion.

„Sie wollen also lieber in der Stadt als am Stadtrand leben und arbeiten.“ Hannah musste sich zwingen, in die Gegenwart zurückzukehren. „Das kann ich verstehen.“ Sie war froh, dass sie immerhin so viel mitbekommen hatte.

„Wenn wir alle Areale aufkaufen können, die wir für unsere Wohnsiedlung brauchen, bekommen wir von der Stadt die Genehmigung, die größeren Straßen für den Durchgangsverkehr zu schließen. Ein ganzes kleines Stadtviertel ohne Verkehrsbelastung! Wäre das nicht wunderbar?“ Abel Kennedy begeisterte sich sichtlich für seine Vision. „Aber um unser Konzept verwirklichen zu können, fehlt uns noch Ihr Grundstück.“

„Mr. Kennedy, Sie werden sicher verstehen, dass ich Bedenkzeit brauche, bevor ich mich entscheide. Ihr Vorschlag kommt doch ziemlich unerwartet.“

„Miss Harrington, ich verkaufe selbst Immobilien und weiß, dass es nicht besonders schlau ist, wenn man sich an einem Objekt allzu interessiert zeigt, denn das treibt den Preis hoch. Aber ich will Ihnen nichts vormachen. Ich brauche Ihr Grundstück und werde alles tun, um es zu bekommen. Sie erhalten ein neues Areal für Ihr Gesundheitszentrum, und ich bin auch bereit, einen größeren Betrag dafür zu spenden. Es soll Ihr Schaden nicht sein. Sagen Sie mir, was Sie wollen, und ich werde mich darum kümmern, dass Sie es bekommen.“ Abel Kennedy legte eine kleine Pause ein und sah Hannah erwartungsvoll an. „Was kann ich also für Sie tun, Miss Harrington?“

„Ich will ein Baby, und zwar bald. Und dazu brauche ich einen Mann.“

Hannah klappte erschrocken den Mund zu. War sie völlig verrückt geworden? Sie konnte nur hoffen, dass sie diese letzten Sekunden nur geträumt hatte. Aber an der Reaktion ihres Gastes merkte sie, dass es eine vergebliche Hoffnung war.

„Wie bitte?“ Er war eindeutig überrascht – nein, mehr als das: Er war regelrecht schockiert.

Hannah wäre am liebsten im Boden versunken. Sie lachte nervös und versuchte verzweifelt, sich ein neues Gesprächsthema einfallen zu lassen, um von ihrer peinlichen Entgleisung abzulenken.

Dann hörte sie unvermittelt auf zu lachen, als ihr klar wurde, dass sie zwar mit ihrem Wunsch nicht einfach so ohne Vorwarnung hätte herausplatzen sollen, Abel Kennedy aber tatsächlich die ideale Lösung für ihr Problem war. Einen besseren Vater als ihn konnte sie gar nicht finden.

Diese ganze Situation war so absurd und verrückt, dass sie am liebsten gelacht und ihrem Gegenüber versichert hätte, dass sie nur einen Witz gemacht hatte. Andererseits kam sie ohne einen Schuss Verrücktheit mit Sicherheit nicht zu ihrem ersehnten Baby. Und das wünschte sie sich mehr als alles andere in ihrem Leben. Und so holte sie tief Luft, bevor sie es sich noch anders überlegen konnte, und stieß atemlos hervor: „Ich hätte Sie gern als Vater für mein Kind.“

Diesmal war es Abel Kennedy, der zu lachen anfing. Er schien gar nicht mehr aufhören zu wollen.

Hannah stellte fest, dass sie recht gehabt hatte. Er erfüllte alle Voraussetzungen. Denn er sah nicht nur gut aus und war intelligent und gesund, sondern er hatte tatsächlich Humor, auch wenn sie darauf zur Not verzichtet hätte.

„Mr. Kennedy, das ist keineswegs komisch“, unterbrach sie ihn. Diese ungezügelte Heiterkeit war doch ein wenig unangebracht, fand sie. „Mir ist es durchaus ernst damit. Ich habe sogar schon mit dem Gedanken gespielt, mir einen Samenspender zu suchen.“ Sie zog ihren Katalog hervor und hob ihn hoch. „Aber damit kann ich mich, ehrlich gesagt, nicht so richtig anfreunden.“

Sie räusperte sich. „Ich erwarte natürlich nicht, dass Sie sich sofort entscheiden. Und ich wollte das eigentlich auch gar nicht sagen. Es ist mir einfach herausgerutscht. Aber jetzt ist es nun mal passiert, und Sie sind ja auch nicht ganz unschuldig daran. Schließlich haben Sie mich gefragt, was Sie für mich tun können. Nun, ich wünsche mir ein Baby, und zu diesem Zweck brauche ich einen Mann.“

Abel hörte abrupt auf zu lachen, als ihm dämmerte, dass Hannah ihren Vorschlag wirklich ernst gemeint hatte. Er räusperte sich. „Miss Harrington …“

„Bitte lassen Sie mich aussprechen.“ Hannah hob die Hand. „Wenn ich es jetzt nicht sage, traue ich mich nie mehr.“

Er setzte sich zurück und wartete. Offenbar befand er sich immer noch im Schockzustand.

Diese ganze Situation war vollkommen unwirklich und bizarr, aber was hatte sie schon zu verlieren? „Ich habe keinen Partner und auch keine Hoffnung darauf, dass sich das in absehbarer Zeit ändert. Und eine Beziehung nur auf einen Kinderwunsch zu gründen, wäre wohl nicht sehr Erfolg versprechend.“ Sie atmete tief durch. „Natürlich könnte ich mir vorübergehend einen Liebhaber suchen und ihn dann hereinlegen, aber das will ich auf keinen Fall. Also muss ich jemanden finden, der freiwillig dazu bereit ist, sich als Vater zur Verfügung zu stellen. Eine Beziehung will ich nicht. Das scheint allerdings auch das Problem für manche Männer zu sein.“

Hannah fingerte nervös an ihrem Katalog herum. „Natürlich könnte ich einen Freund darum bitten. Aber der würde sich wahrscheinlich dauernd in die Erziehung einmischen wollen. Wir würden uns ständig streiten, und das wäre das Ende der Freundschaft. Das möchte ich auf keinen Fall riskieren. Ich habe nur einen einzigen richtig guten Freund. Aber Rick und ich arbeiten zusammen, und das will ich nicht aufs Spiel setzen. Also scheidet er auch aus.“

Sie sprach so überstürzt, als wollte sie die Erklärung möglichst schnell hinter sich bringen. „Damit bleiben noch Bekannte und Fremde übrig. Das Problem ist, dass ich die Männer, die bereit wären mitzumachen, nicht für geeignet halte. Und die, die geeignet wären, weigern sich. Damit bleibt mir im Grunde nur die Samenbank. Und das will ich wiederum nicht.“

„Und jetzt sind Sie auf mich gekommen“, stellte Abel fest. Seine Stimme klang nicht so, als bereitete der Gedanke ihm große Freude.

„Sie wollten wissen, was ich mir wünsche. Und ich wünsche mir ein Baby.“

„Wie kommen Sie überhaupt auf die Idee, dass ich etwas so … so …“

„So Verrücktes?“, sprang Hannah ihm hilfreich bei.

„… etwas so Verrücktes in Erwägung ziehe?“

„Weil ich etwas habe, das Sie haben wollen.“

„Das ist Erpressung.“

Hannah seufzte. Er hatte natürlich recht. Aber was hatte sie schon für eine Wahl? „Ich weiß, dass ich Ihnen einen Schock versetzt habe. Aber Sie müssen ja nicht sofort in Aktion treten.“

Unwillkürlich stellte sie vor sich, wie Abel Kennedy sie festhielt, über den Schreibtisch nach hinten beugte und … Schnell dachte sie an etwas anderes. Schließlich hatte sie ihren Vorschlag nicht deshalb gemacht, weil der Mann ihre Hormone in Wallung gebracht hatte. Das war eine rein geschäftliche Angelegenheit, Gefühle irgendwelcher Art spielten dabei keine Rolle.

„Ich bitte Sie einfach nur, darüber nachzudenken“, sagte sie nach einer kleinen Pause. „Sie lernen mich kennen und ich Sie. Und dann treffen wir eine Entscheidung. Sie scheinen zwar alle meine Bedingungen zu erfüllen, aber vielleicht haben Sie ja einen Charakterfehler, der erst nach einer Weile zum Vorschein kommt und den mein Kind nicht erben soll.“

Abel betrachtete Hannah eine Weile aus schmalen Augen. „Was also schlagen Sie vor?“, fragte er dann langsam.

Seine Frage verblüffte sie. Über Einzelheiten hatte sie noch gar nicht nachgedacht. „Dass wir zunächst einmal versuchen, uns näher kennenzulernen, und uns deshalb ein paar Mal treffen“, antwortete sie schließlich.

Abel beugte sich vor, ohne auch nur einen Moment den Blick von ihr zu lassen. Es sah aus, als versuchte er, ein schwieriges Rätsel zu lösen. „Ich hätte nur einen einzigen Grund, Sie zu treffen: um Sie zu dem Verkauf des Grundstücks zu überreden.“

Seine Ehrlichkeit nötigte Hannah Respekt ab. „Das ist nur fair. Und ich würde im Gegenzug versuchen, Sie zu überreden, mir zu einem Kind zu verhelfen.“

„Miss … äh …“ Offenbar hatte er über ihrem Ansinnen ihren Namen vergessen.

„Harrington. Hannah“, informierte sie ihn sanft. Er machte einen etwas konfusen Eindruck, und sie verspürte Mitgefühl mit ihm. Ihr Plan war wirklich verrückt, aber was sollte sie tun? Es erschien ihr einfach so viel weniger geschmacklos, sich mit einem Mann aus Fleisch und Blut zu arrangieren, als sich auf eine Samenspende einzulassen.

„Miss Harrington, Sie wissen nichts von mir“, sagte Abel schließlich.

Sie wusste, dass er ihr zu ihrem Traum verhelfen konnte, und mehr musste sie nicht wissen.

„Und Sie wissen nichts von mir“, gab sie zurück. „Aber das lässt sich ändern. Andere Mädchen träumen von einem tollen Beruf und einer großen Karriere, aber ich habe immer nur von Kindern geträumt. Ich habe Babys zu meinem Beruf gemacht, aber das genügt mir nicht. Ein eigenes Kind ist etwas anderes. Letztes Jahr wurde mir dann plötzlich klar, dass ich nicht mehr unbegrenzt Zeit habe und meinem Traum immer noch nicht näher bin. Ich bin fast dreißig, und irgendwann wird es zu spät sein. Das möchte ich nicht riskieren.“

„Miss Harrington, ich glaube nicht …“

„Ich hatte ja auch nicht damit gerechnet, dass es so schwierig werden würde, schwanger zu werden. Aber es ist offenbar nicht nur schwierig, es scheint unmöglich zu sein.“ Hannah zögerte ein wenig. „Ich weiß, das kommt Ihnen alles etwas merkwürdig vor, vielleicht ist es sogar peinlich. Aber es ist kein leichtfertiger Entschluss. Ich habe lange genug darüber nachgedacht und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen Versuch wert ist.“

Sie zog eine Schublade auf und holte ein Blatt Papier heraus. „Ich habe eine Liste von all den Eigenschaften, die mir an einem Mann wichtig sind, aufgestellt, und ich glaube nicht, dass meine Anforderungen zu hoch sind. Ich wünsche mir einfach einen intelligenten Mann. Er muss kein Nobelpreisträger sein, sondern einfach nur ein bisschen Grips haben. Dann soll er natürlich gesund sein, und wenn er auch noch Humor hätte, wäre es schön, wenn auch nicht unbedingt notwendig. Aber als Sie eben gelacht haben, war mir klar, dass Sie diesen Humor haben.“

„Ich will keine Kinder.“ Abel fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare.

Hannah verspürte plötzlich das Bedürfnis, ihm über den Kopf zu streichen. Dann erst sank in ihr Bewusstsein, was er eben gesagt hatte. „Sie wollen keine Kinder? Umso besser. Dass mir das nicht vorher eingefallen ist! Ein Mann, der keine Kinder haben will, ist geradezu ideal für mich. Dann würde er sich wenigstens nicht in die Erziehung einmischen.“

„Sie erlauben, dass ich noch einmal zusammenfasse: Sie kennen mich nicht, aber das finden Sie gut. Sie wollen nicht mehr von mir wissen, als dass ich gesund und einigermaßen intelligent bin und keine Kinder will. Und deshalb bin ich für Sie ein idealer Vater?“ Abel schüttelte ungläubig den Kopf.

„Zunächst einmal sind Sie lediglich ein vielversprechender Kandidat“, berichtigte Hannah. „Ich kann natürlich nach einer einzigen Begegnung noch keine abschließende Entscheidung treffen. Außerdem haben Sie den Humor vergessen. Der ist zwar nicht ausschlaggebend, aber unbedingt ein positiver Aspekt.“

Sie machte eine kleine Pause, um nachzudenken, wie sie ihren Antrag weniger bizarr erscheinen lassen konnte. „Wir leben in einem neuen Jahrtausend, und es ist nichts Ungewöhnliches mehr, dass Frauen sich auf diese Weise Väter für ihre Kinder suchen. Ich verlange ja nicht, dass Sie sofort ja sagen. Aber denken Sie wenigstens über meinen Vorschlag nach. Selbstverständlich müssten Sie keinen Unterhalt bezahlen und bekämen auch kein Besuchsrecht. Das würden wir vorher vertraglich absichern.“

„Darf ich noch erfahren, ob wir das Baby auf die herkömmliche Weise zeugen würden, oder soll ich nur meinen Samen …“

Hannah unterbrach ihn hastig, als sie spürte, wie ihr heiß wurde. „Darüber können wir sprechen, wenn Sie sich entschieden haben, ob Sie mitmachen“, sagte sie schnell, bevor der Mut sie verließ.

Ein Baby auf „herkömmliche“ Weise zeugen? Mit Abel Kennedy? Ein Kribbeln lief an ihrer Wirbelsäule entlang. Sie hatte den Verdacht, dass sie das vermutlich keine sehr große Überwindung kosten würde.

„Und Sie glauben allen Ernstes, dass ich mich dazu bereit erkläre?“ Abel trommelte mit den Fingerspitzen auf die Schreibtischplatte.

Das Kribbeln hörte auf, und Hannah stieß einen Seufzer aus. „Eigentlich nicht“, gab sie zu. „Ich weiß, dass Ihnen mein Vorschlag ziemlich ausgefallen vorkommen muss. Aber andererseits habe ich etwas, das Sie haben wollen, und Sie haben etwas, das ich will. Das sind die besten Voraussetzungen für ein Tauschgeschäft.“

Und für dieses Tauschgeschäft könnte sie sich durchaus erwärmen. Allein die tiefe Denkfalte über seiner Nase, als er ihr zuhörte, ließ ihn unglaublich begehrenswert erscheinen.

„Und wenn ich mich bereit erkläre, Ihnen zu einem Kind zu verhelfen, und mich ein paar Mal mit Ihnen zu treffen, dann verkaufen Sie mir das Grundstück?“

„Ja. Wenn ich keine Bedingungen stellen würde, wäre das Thema doch für Sie erledigt. Dieses Grundstück ist mein Faustpfand, und ich werde den Teufel tun, es einfach so herauszurücken. Dann kann ich meinen Wunsch gleich vergessen. Es könnte ja auch sein, dass Sie sich ja als gar nicht so ideal herausstellen, wie ich mir jetzt einbilde.“

Abel betrachtete Hannah ausführlich. Er wusste noch immer nicht so recht, wie ihm geschah. Er war in der Überzeugung gekommen, dass er sie problemlos zu dem Grundstücksverkauf überreden konnte, und jetzt auf einmal saß er da und sollte sie schwängern.

„Das ist lächerlich“, sagte er schließlich. Eigentlich hätte er aufstehen und gehen sollen. Aber er brauchte nun einmal dieses Grundstück. Also blieb er sitzen und ertappte sich bei den Worten: „Aber vielleicht …“

„Vielleicht?“, wiederholte Hannah hoffnungsvoll.

Wenn er sich bereit erklärte, sie besser kennenzulernen und ihren Vorschlag ernsthaft in Erwägung zu ziehen, dann wäre das nicht sehr ehrlich. Niemals würde er sich dazu hergeben, mit einer wildfremden Frau ein Kind zu zeugen und dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Er sollte wirklich aufstehen und einfach gehen. Aber er wollte sich nicht so widerstandslos von seinen Träumen verabschieden, selbst wenn das bedeutete, dass er das Spiel eine Weile mitmachen musste, bis ihm etwas Besseres einfiel.

„Vielleicht“, wiederholte er. „Sie haben die Trumpfkarte, und ich bin auf Ihr Wohlwollen angewiesen. Deshalb werde ich zunächst einmal nachgeben. Wir könnten mit einem Abendessen anfangen.“

„A-Abendessen?“, stammelte Hannah.

Auf einmal hatten sich die Seiten gewendet, und Abel hatte die Initiative übernommen. Damit hatte sie nicht gerechnet.

„Abendessen“, bekräftigte er. „Sie versuchen, mich zu diesem Baby zu überreden, und ich werde versuchen, Sie zu überzeugen, mir das Grundstück ohne Bedingungen zu verkaufen.“

Autor

Holly Jacobs
Seitdem Holly Jacobs 1997 ihr erstes Buch verkauft hat, ist die Anzahl an verkauften Manuskripten bis heute auf über 30 gestiegen. Ihre Romane erschienen auf Waldenbooks‘ Bestsellerliste und haben unzählige Preise, wie z.B. die „Holt Medaille“, das „Golden Quill“, das „Golden Leaf“ und den „Madcap Award“ bekommen.
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