Julia Collection Band 223

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Infinity Island – Insel der Liebe


Infinity Island: Blauer Himmel, funkelnd grünes Meer und golden glänzende Traumstrände – ein Inselparadies zum Träumen. Und zum Heiraten?

Miniserie von JENNIFER FAYE

MIT DIR AUF DER INSEL DER LIEBE

Überraschend erbt Lea eine Insel vor Griechenland, samt marodem Hotel. Sie braucht einen Investor! Da kommt der milliardenschwere Xander Marinakos gerade recht. Doch leider ist er die Versuchung in Person. Kann Lea nach einer Nacht in seinen Armen das Inselparadies noch retten?

STÜRMISCHES VERLANGEN IN GRIECHENLAND

Hochzeitsplanerin Popi liebt Blumen und Happy Ends, Apollo Drakos hingegen nur seine Freiheit. Als ein Sturm die beiden auf der malerischen griechischen Insel festhält, kann der Milliardär Popis sinnlichen Reizen allerdings nicht widerstehen. Mit ungeahnten Folgen …

NUR EIN VENEZIANISCHER LIEBESTRAUM?

Roberto Carrass an Bord des Kreuzfahrtschiffs? Als Stasia erfährt, dass der überzeugte Single seine Großmutter begleitet, schließen die beiden einen Pakt: Stasia spielt seine Verlobte, damit seine Familie aufhört, ihn zu verkuppeln. Doch als er sie küsst, sehnt sie sich nach mehr …


  • Erscheinungstag 25.04.2026
  • Bandnummer 223
  • ISBN / Artikelnummer 9783751541176
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Jennifer Faye

JULIA COLLECTION BAND 223

Jennifer Faye

PROLOG

März, Infinity Island, Griechenland

Alles würde besser werden. Das musste es einfach!

Lea Romes weigerte sich, etwas anderes auch nur in Betracht zu ziehen.

Entnervt stieß sie sich mit ihrem Chefsessel vom Schreibtisch ab, der unter Unmengen von Papierstapeln zusammenzubrechen drohte.

Papierstapel was für ein Anachronismus! In diesem hoch technisierten Zeitalter sollte so etwas der Vergangenheit angehören. Leider schien der Umgang mit analogen Dokumenten eine unveränderliche Konstante zu sein, während digitale Korrespondenz und Tabellenkalkulation die Arbeitsbelastung noch verstärkten.

Zumindest durfte Lea als Hochzeitsplanerin im Paradies arbeiten.

Mit ihrem Maxi-Kaffeebecher in der Hand trat Lea durch französische Flügeltüren auf die Terrasse, die einen Ausblick auf eine kleine Bucht bot, und hielt ihr Gesicht der wärmenden Sonne entgegen.

Dreizehn Monate waren vergangen, seit sie diese Insel geerbt und sich ihr Leben auf geradezu dramatische Weise verändert hatte. Ihr Umzug von Seattle, Washington, hatte nicht Wochen oder gar Monate in Anspruch genommen, sondern nur wenige Tage. Dass hier ihre eigentlichen Wurzeln lagen, erfuhr Lea von einem Anwalt anstatt von ihren Eltern, die sie um diesen Aspekt ihrer Herkunft betrogen hatten. Ein Verrat, mit dem sie immer noch zu kämpfen hatte.

Mit nur zwei Koffern und einer desillusionierten Sicht aufs Leben hatte sie sich auf die Reise nach Griechenland gemacht. Und nicht im Mindesten geahnt, was sie auf dieser kleinen Insel erwartete.

Infinity Island befinde sich seit Generationen in Familienbesitz, hatte der Anwalt ihr mitgeteilt. Doch erst als sie dort ankam und alte Fotos durchforstete, erfuhr sie, dass ihre eigene Mutter auf dieser Insel geboren und aufgewachsen war. Es traf sie wie ein Faustschlag in den Magen. Warum hatte man diesen Ort samt der dazugehörigen Familiengeschichte vor ihr geheim gehalten?

Seit einer hitzigen Auseinandersetzung, kurz bevor Lea Seattle verließ, herrschte Schweigen zwischen ihr und ihren Eltern, die stur darauf beharrten, dass es richtig gewesen sei, ihrer Tochter gewisse Teile ihrer Biografie vorzuenthalten.

Doch das war momentan nicht Leas größtes Problem.

Sie kehrte an ihren Schreibtisch zurück und starrte sorgenvoll auf den Papierberg vor sich. Egal, wie man es drehte und wendete, dieses romantische Hochzeitsresort befand sich in finanziellen Schwierigkeiten.

„Herein“, rief Lea, als es an der Tür klopfte.

Wie erwartet war es Popi Costas, neue beste Freundin und ebenfalls Hochzeitsplanerin, die ihren Kopf mit dem lustig wippenden dunklen Pferdeschwanz durch die Tür steckte. „Dein Gast ist angekommen.“

„Schon?“ Lea hatte mit noch mindestens einer Stunde Zeit gerechnet. Ihr Blick flog zur Uhr. Himmel! Es war tatsächlich nicht neun, sondern bereits zehn. Dabei hatte sie noch Haare und Make-up auffrischen wollen, bevor sie diesen Mann begrüßte.

Diesen außerordentlich wichtigen Mann

Lea hatte im Internet recherchiert und musste zugeben: Auf eine verwegene, geheimnisvolle Weise war er ausgesprochen attraktiv. Dass sie unbedingt einen guten oder den besten Eindruck auf ihn machen wollte, hatte allerdings nichts mit seinem Freibeutercharme zu tun. Dieser Mann war die eine Person, die für sie auf dieser Insel alles zum Guten wenden konnte.

„Hör auf, die Stirn zu runzeln, das macht nur Falten“, rügte Popi.

Sie hatten sich schnell angefreundet, als Lea auf die Insel gekommen war. Geholfen hatte sicher, dass Popi im selben Alter war und man sie gern um sich hatte. Sie brachte Lea zum Lächeln, selbst wenn ihr nicht danach zumute war.

„Du siehst umwerfend aus, wie immer!“ Popi wedelte auffordernd mit der Hand. „Na komm schon, du willst ihn doch nicht warten lassen, oder?“

Ihre Freundin hatte recht. Das Letzte, was Lea wollte, war, diesem Mann gleich zu Beginn einen schlechten Eindruck zu vermitteln. Hätte sie sich heute Morgen nur mehr Zeit vor dem Spiegel genommen Aber jetzt war es zu spät.

Lea trat durch die Tür ins Freie und blinzelte in die Sonne, die strahlend am blauen Himmel stand. Was für eine Erholung gegenüber Seattle dieses Leben auf der Insel doch war! Nach Infinity Island, hatte sich für sie seltsamerweise angefühlt, wie nach Hause zu kommen.

Lea stieg in ihr Golfcart, das sie dazu nutzte, um sich zügig auf der Insel bewegen zu können. Davon gab es eine ganze Flotte für ihre Gäste sowie gepflasterte Wege, die extra deswegen angelegt worden waren. Rasch steuerte sie das wendige Gefährt hinunter zum Hafen.

Die meisten ihrer Gäste setzten mit einer Fähre vom Festland über oder kamen im gecharterten Wasserflugzeug. In seltenen Fällen wurde ein Hubschrauber eingesetzt, der aber eher Notfällen oder besonders exklusiven Besuchern, die sich derartige Extravaganzen leisten konnten, vorbehalten blieb.

Als sie frisch auf der Insel angekommen war, hatte Lea voller Neugier und Begeisterung jeden mit wilden Blumen und Kräutern gesäumten Pfad auf eigene Faust erkundet. Dabei hatten immer wieder freundliche Insulaner oder wilde Ziegen, von denen es hier jede Menge gab, ihren Weg gekreuzt.

Die meisten Einheimischen arbeiteten auf die eine oder andere Weise für die Hochzeitsplaner-Agentur. Sie waren wie eine große Familie und hießen Lea mit offenen Armen willkommen. Sie konnte sich keinen anheimelnderen Ort vorstellen.

Versonnen schaute Lea einem startenden Wasserflugzeug hinterher, dann fiel ihr Blick auf den Mann im dunklen Anzug, der mit dem Rücken zu ihr auf dem hölzernen Dock stand. Seine stattliche Größe und die breiten Schultern wurden durch das offenkundig maßgeschneiderte Jackett aufs Vorteilhafteste betont.

Lea war sich absolut sicher, dass es mehr als einen durchschnittlichen Monatslohn gekostet hatte.

Sein dunkles Haar trug er, wie auf den Online-Fotos, akkurat getrimmt, und sein markantes Kinn war perfekt rasiert. Unwillkürlich fragte Lea sich, ob sein Leben ebenso ordentlich und strukturiert verlief, und stellte sich gleichzeitig vor, wie es sich anfühlen mochte, mit ihren Fingern durch dieses glänzende schwarze Haar zu fahren …

Während sie nervös das Lenkrad fester umklammerte, beschleunigte sich ihre Atmung. Energisch trat Lea auf die Bremse, und sobald ihr Golfcart zum Stehen kam, schwang sie die langen Beine aus ihrem Gefährt und steuerte über den Steg auf den beeindruckenden Fremden zu.

Seine Kleidung gab ihr immer noch Rätsel auf. Wusste er nicht, dass er auf einer Ferieninsel erwartet wurde? Hier kamen Badehosen häufiger vor als Anzüge. Dann drehte er sich um, und als Lea die korrekt gebundene Krawatte sah, stöhnte sie innerlich.

Grundgütiger wenn dieser Mann genauso zugeknöpft war wie seine Kleidung, dann befand Lea sich in echten Schwierigkeiten!

Seufzend gab sie sich einen Ruck, trat vor und streckte die Hand aus. „Hallo, ich bin Lea Romes.“

Überrascht hob er die dunklen Brauen. „Sie sind hier die Verantwortliche?“

Als sie nickte, nahm er ihre Hand in seine, und Lea zuckte zusammen, zum Glück nur innerlich! Sein Griff war fest und … nachdrücklich. Der Fremde hatte den Mund zu einem schmalen Strich zusammengepresst, und der Blick aus seinen dunklen Augen war nicht zu deuten.

Lea lächelte strahlend, um die etwas gespannte Atmosphäre so vielleicht auflockern zu können. „Willkommen auf Infinity Island.“

„Haben Sie viele Gäste?“

So viel zu unverbindlichen Höflichkeitsfloskeln!

„Morgen werden Gäste einer bevorstehenden Hochzeit erwartet und …“

„Also ist die Insel, abgesehen vom Personal, momentan menschenleer?“

Lea schüttelte den Kopf. „Nicht ganz. Einige Paare verbringen ihre Flitterwochen hier, andere wollen auf der Insel ihr Ehegelübde erneuern und sich einen zweiten Honeymoon gönnen.“

Sein Stirnrunzeln bedeutete wohl, dass ihm diese Erklärung nicht gefiel.

„Wenn Sie sich einen Eindruck verschaffen wollen …“ Sie wies auf ihr Golfcart. „Ich kann Sie auf eine Besichtigungstour mitnehmen.“

„Gibt es hier denn so viel zu sehen?“

War das ernst gemeint oder Sarkasmus? Unmöglich zu sagen, entschied Lea. Weder Ton noch Gesichtsausdruck hatten sich verändert, während der Mann sich umschaute. So tat sie es ihm nach und versuchte, die Insel mit seinen Augen zu sehen.

Um sie herum prangte eine üppige Vegetation in allen erdenklichen Grüntönen, garniert mit roten, gelben, rosa, violetten und blauen Blüten. Überall wuchsen wilde Orchideen. Einige Gästebehausungen boten einen freien Blick auf die Bucht, wie zum Beispiel ihr Büro, andere lagen eher versteckt und willkürlich verstreut.

Wie ärgerlich! Sie hätte eine dieser Orientierungskarten für ihn mitnehmen sollen, die mit einem Willkommenskörbchen an neue Gäste verteilt wurden.

„Leider kann man von hier aus keinen umfassenden Eindruck gewinnen“, erklärte sie beflissen. „Anstatt sich auf einem Punkt zu konzentrieren, liegen die Wohneinheiten über die gesamte Insel verstreut, um jedem Gästepaar möglichst viel Privatsphäre zu sichern. Die Insel an sich hat eine Menge zu bieten“, fuhr sie im Reiseleiterton fort. „Darunter auch viele Gärten mit Obst und Gemüse. Den größten Teil der frischen Lebensmittel bauen wir selbst an.“

Ihre Blicke trafen sich, aber seiner war nach wie vor unmöglich zu deuten.

„Wollen wir …?“

Er beugte sich vor und stellte eine lederne Reisetasche ab, die Lea erst jetzt bemerkte. Hatte er etwa vor, länger zu bleiben? Die meisten Geschäftsleute, mit denen sie bisher konferiert hatte, waren am selben Tag wieder abgereist.

Als sie die Hand nach der Tasche ausstreckte, kam er ihr zuvor und nahm sie wieder an sich. Entweder war er ein Gentleman, oder er hatte Bedenken, ihr sein kostbares Gepäck anzuvertrauen. Was auch immer …

Nachdem er seine Tasche hinten im Golfcart verstaut hatte, setzte er sich neben Lea. Sie sog scharf den Atem ein, als sein Bizeps dabei ihre Schulter streifte. Unmöglich, von einer harmlosen Berührung einen elektrischen Schlag zu bekommen! Ebenso unwahrscheinlich, dass ihr Cart durch sein Zusteigen auf die Größe eines Spielzeugautos schrumpfen konnte, oder?

Ihr Mund fühlte sich staubtrocken an, dafür waren die Handflächen feucht.

Herr im Himmel! Lea startete den Motor. Sie musste sich zusammenreißen!

Die Zukunft von Infinity Island hing maßgeblich davon ab, dass sie und er … dass es zu einem für beide Seiten befriedigenden Deal kam.

Es war später Nachmittag, bis sie die Besichtigungstour beendet hatten. Dass er sich als erster Investor so viel Zeit genommen hatte, ließ Leas Hoffnung steigen. Er hatte viele Fragen, und sie gab ihr Bestes, um sie zu beantworten. Sie war stolz auf ihre kleine Insel, und Mr. Marinakos machte sich ständig digitale Notizen auf seinem Tablet.

Ein warmes Gefühl durchflutete ihren Körper. Es wird funktionieren!

Sie versuchte, nicht triumphierend zu grinsen. Noch war nichts entschieden.

„Miss Romes, ich möchte Ihnen ein Angebot unterbreiten.“

Ja! Ja! Ja!

Sie bemühte sich, ihre Euphorie im Zaum zu halten und noch ein Weilchen Ruhe zu bewahren. Später, wenn alles unter Dach und Fach war, würde sie ihren Erfolg mit Popi feiern … aber so richtig!

„Nennen Sie mich doch Lea“, bat sie lächelnd und fügte, als sie seinen irritierten Blick bemerkte, hinzu: „Wenn wir im Geschäft sind, besteht kein Grund mehr für Formalitäten.“

Er zögerte, aber nur kurz. „Einverstanden, ich bin Xander.“

„Okay … Xander.“ Sie schenkte ihm ihr strahlendstes Lächeln. „Und was schwebt Ihnen vor?“

Die Summe, die er nannte, verschlug ihr den Atem. Nie hätte sie es gewagt, in derartigen Dimensionen zu denken. Sie wusste ja nicht mal, was sie mit einer solchen Unmenge Geld anfangen sollte! „Vielen Dank, das ist … sehr großzügig.“

„Warten Sie, ich glaube, Sie haben nicht ganz verstanden. Ich habe nicht vor zu investieren, ich will die Insel kaufen.“

Kaufen? Ihre Insel kaufen? Ihr Erbe?

Lea schluckte trocken und schüttelte den Kopf. Gerade erst hatte sie Zugang zu ihrer Vergangenheit gefunden, und das wollte sie nicht aufgeben. Auf keinen Fall!

Wie es aussah, endete diese Partnerschaft, ehe sie begonnen hatte.

Xander Marinakos, der sie nicht aus den Augen ließ, spürte, wie ihm der sicher geglaubte Deal durch die Finger zu schlüpfen drohte. Eine ungewohnte Situation für ihn. Innerlich zog er den Hut vor so viel Zivilcourage, aber er war kein Mann, der sich so einfach abspeisen ließ und mit leeren Händen davonging.

„Wenn Sie auf einen lukrativeren Deal spekulieren, muss ich Sie enttäuschen. Dies ist mein einziges Angebot.“

Er war niemand, der mit sich spielen ließ, egal, wie umwerfend diese Frau auch sein mochte. Geschäft war Geschäft.

„Sorry, aber wie es aussieht, sind Sie unter falschen Voraussetzungen hergekommen. Diese Insel ist nicht verkäuflich und wird es auch nie sein.“

Er presste die Lippen aufeinander. Hatte sie überhaupt schon darüber nachgedacht, was sie mit der nicht unerheblichen Summe tun könnte, die er ihr bot?

Für ihn könnte diese Insel jedenfalls das Juwel seines Immobilienimperiums sein. Sie war wunderschön, mit einer Privatsphäre, wie sie heute kaum noch zu finden war. Hier exklusivste Feriendomizile zu errichten und sie für exorbitante Summen einer ausgesuchten Klientel anzudienen …

Vielleicht würde er hier irgendwann sogar für sich selbst einen luxuriösen Fluchtpunkt schaffen. Nicht dass er überhaupt wusste, was Urlaub war, aber das musste ja nicht so bleiben.

„Gibt es etwas, was ich sagen kann, um Ihre Meinung zu ändern?“

Das Kopfschütteln fiel nur umso heftiger aus. „Diese Insel ist seit Generationen im Besitz meiner Familie, und ich habe nicht vor, daran etwas zu ändern.“

Er seufzte, war aber klug genug, um zu wissen, wann eine Sache verloren war. „Dann tun Sie mir wenigstens einen Gefallen …“

„Und der wäre?“, fragte sie misstrauisch.

„Sollten Sie Ihre Meinung bezüglich eines Verkaufs je ändern, dann lassen Sie es mich wissen. Dieses zauberhafte Plätzchen wäre der perfekte Standort für erlesene Anwesen.“

Sie sah nicht beeindruckt aus. „Sie ist bereits ein überaus beliebtes Ziel für verliebte, heiratswillige Paare und Flitterwöchner.“

Er wollte nicht mit ihr diskutieren, aber gehört hatte er zuvor noch nie von diesem angeblichen Hochzeitsparadies. Für ihn war es einfach nur ebenso attraktives wie lukratives Bauland. Was möglicherweise auch daran lag, dass er alles, was mit Romantik und ewiger Liebe zu tun hatte, mied wie der Teufel das Weihwasser.

„Verstehe …“, murmelte er, ohne sich näher zu erklären.

Zugegebenermaßen war die Anlage nicht schlecht konzipiert, aber sichtlich in die Jahre gekommen. In seinen Augen erforderte sie erhebliche Investitionen in Sachen Technologie und Ausstattung, um das Resort für Paare, selbst wenn sie blind vor Liebe sein sollten, attraktiv zu machen.

In den Tiefen ihrer faszinierenden blaugrünen Augen sah er sehr wohl Verzweiflung, egal, wie cool sich diese Lea gab. Aber niemand würde ihr wirklich helfen können, ehe sie nicht einsah, dass es pure Geldverschwendung war, dieses Inselparadies in der Form aufrechtzuerhalten, wie es sich ihm jetzt darbot.

„Ich nehme an, Sie haben nicht vor, über Nacht zu bleiben?“ Ihre Stimme klang enttäuscht, aber nach einer Einladung hörte es sich auch nicht an.

„Sie haben mir Ihre Insel so leidenschaftlich ans Herz gelegt, dass ich sogar ausgesprochen gern hier übernachten möchte“, erwiderte er geschmeidig.

Da er fest mit dem Erfolg seiner Reise gerechnet hatte, gab es keine festen Pläne für diesen Abend und den nächsten Morgen.

„Kein Problem.“ Lea richtete den Blick auf die untergehende Sonne am Horizont, verharrte einen Moment, dann wandte sie sich ihm zu. „Ich bringe Sie am besten gleich zu Ihrem Bungalow.“

Er mochte diese ungewöhnliche Frau. Sie war so angenehm natürlich, und wenn sie lächelte, schien ihr Gesicht von innen heraus zu leuchten.

Es war lange her, seit er sich Zeit für soziale Kontakte genommen hatte. Dafür konnte er stolz drauf sein, noch vor seinem fünfunddreißigsten Geburtstag alles erreicht zu haben, was er sich vorgenommen hatte, und finanziell absolut unabhängig zu sein. Es hatte allerdings auch seinen Preis gefordert: Aufgrund seines Arbeitsvolumens hatte es bisher für ihn kaum ein normales Leben gegeben.

Aber diese Insel … sie hatte so etwas Entspannendes.

Vielleicht lag es ja auch an ihrer Besitzerin. Ihre Blicke trafen sich, und Xander zeigte sein charmantestes Lächeln. „Auch wenn wir nicht ins Geschäft kommen, hoffe ich doch, wir können so etwas wie Freunde sein.“

In Leas Augen blitzte es überrascht auf, doch bereits in der nächsten Sekunde hatte sie sich wieder unter Kontrolle. „Aber sicher … keine Ressentiments.“

„Gut. Darf ich Sie dann zu einem frühen Abendessen einladen?“ Und als er ihr Zögern bemerkte, fügte er schnell hinzu: „Ich würde gern mehr Geschichten von Ihrer Insel und Ihren ausgefallensten Hochzeiten hören. Es sei denn, Sie haben bereits etwas anderes vor.“ Das hatte er nicht bedacht. „Vielleicht mit Ihrem Mann oder Freund?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin ledig … solo.“

„Gut … ich meine natürlich, dass Sie Zeit für mich haben“, erklärte er hastig, als er sah, wie sie errötete.

„Sie müssen nicht so tun, als wären Sie an meinen Geschichten interessiert.“

„Ich mache Ihnen absolut nichts vor“, protestierte Xander. „Tatsächlich habe ich mich lange nicht mehr so gut unterhalten wie heute. Und die Geschichten über die Inselziegen gehören unbedingt dazu. Also?“

„Hm … okay. Zum Hideaway-Café geht es hier entlang.“

In weniger als fünf Minuten saßen sie in einem pittoresken Restaurant mit Deckenventilatoren und vielen bunten Kunstwerken an den Wänden. Ein würziges Aroma von Kaffee lag in der Luft.

Xander lockerte seine Krawatte und zögerte nur kurz, ehe er sie ganz abnahm und die obersten Knöpfe an seinem Hemd öffnete. Es war lange her, dass er sich die Gesellschaft eines weiblichen Wesens gegönnt hatte.

Als man sie zu einem Tisch auf der Außenterrasse begleitete, hob sich seine Laune noch. Wundervoll! Den größten Teil seines Lebens hatte er inmitten von Mauern zugebracht, die letzten fünfzehn Jahre fast ausschließlich in Geschäftsgebäuden.

Was für ein Kontrastprogramm!

Als sein Blick auf Lea ruhte, gratulierte er sich noch nachträglich zu seiner ebenso spontanen wie grandiosen Idee.

Nachdem sie Essen bestellt hatten, lehnte sich Xander zufrieden in seinem Stuhl zurück, um die Aussicht zu genießen. Was für eine wunderschöne Insel und was für eine zauberhafte Frau! Lea war jemand, den er unbedingt besser kennenlernen wollte.

„Ich hätte nie erwartet, jemanden … wie Sie hier zu finden.“ Er vermied es bewusst, sie auf ihre unleugbare Schönheit anzusprechen, das passierte ihr unter Garantie häufig genug. „So jung, und dann mit der Verantwortung für eine ganze Insel. Ihrem Akzent nach würde ich vermuten, Sie sind nicht in Griechenland aufgewachsen?“

„Nein, in Seattle.“

„Das ist ziemlich weit weg. Wie kommt es, dass Sie jetzt eine Hochzeitsinsel verwalten?“

„Ich wollte mehr über mein Erbe erfahren. Wissen Sie, warum man sie die Insel der Unendlichkeit nennt?“

Er schüttelte den Kopf.

„Es heißt, wenn sich zwei Herzen hier finden, bleiben sie für immer und ewig vereint. Nicht für ein paar Jahre oder nur eine Saison. Deshalb sind wir auch ziemlich wählerisch, was die Paare betrifft, die sich hier trauen lassen wollen. Die Glücklichen kommen aus der ganzen Welt.“

„Soll heißen, wenn Sie nicht so wählerisch wären, könnte es weit mehr als nur eine Hochzeit pro Woche geben und keine Ausfallzeiten wie jetzt.“

Lea krauste missbilligend die Stirn. „Hier geht es nicht nur ums Geld. Diese Insel ist etwas Besonderes, und ich werde mich nicht daran beteiligen, überteuerte Domizile für Menschen zu bauen, denen die Bedeutung der Insel und ihre Geschichte egal sind.“

Xander lachte leise. „Sie sagen das mit einer Leidenschaft, als hätten Sie schon immer hier gelebt.“

„Manchmal fühlt es sich tatsächlich so an.“ Lea dachte gar nicht daran, ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit zu machen. „Meine Mutter verließ Griechenland, weil sie sich in einen amerikanischen Soldaten verliebte. Sie folgte ihm in die Staaten und brachte mich dort zur Welt.“

„Und wie sind Sie dann hier gelandet?“

„Meine Tante hatte nie eigene Kinder. Ich war ihre einzige Erbin, weshalb sie mir auch die Insel anvertraut hat.“

„Und was ist mit Ihrer Mutter?“

„Meine Eltern leben immer noch in den Staaten, auf einer kleinen Insel vor der Pazifikküste. Meine Mutter, na ja, sie ist damals im Streit von ihrer Familie gegangen.“

Xander seufzte und machte eine ausholende Handbewegung. „Ich schneide mir damit ins eigene Fleisch, denn ich hoffe immer noch darauf, dass Sie … dass du mich irgendwann anrufst und auf mein Angebot zurückkommst. Aber ich habe ein paar Ratschläge, wie du dein Inselparadies über Wasser halten kannst.“

Wow! Ihre Augen strahlten vor Interesse. „Und wie könnte das funktionieren?“, hakte Lea nach, ohne auf die vertrauliche Anrede einzugehen.

„Dieser zauberhafte Ort ist nahezu verwaist.“ Mit einer Geste wies Xander auf die leeren Tische um sie herum. „Öffne die Insel sowohl für erholungsbedürftige Urlauber als auch für Hochzeitsgäste und Paare in den Flitterwochen. Das sorgt für ständige Auslastung und ein erhöhtes Einkommen.“

Ihre Miene verschloss sich. „Danke für den Tipp.“

Zweifellos hatte sie die Option bereits in Erwägung gezogen und für sich ad acta gelegt. Wie es aussah, ging es hier in erster Linie um die Tradition. Trotzdem fragte er sich, ob es wirklich die Liebe zu dieser Insel war oder ob es noch etwas anderes gab, was sie hier fest- und von ihrer Familie fernhielt.

Und von einem Leben, das ihrer Jugend und ihrem Naturell besser entsprach.

Doch diese Fragen behielt er lieber für sich, während sie eine köstliche Auswahl an frischem Gemüse, Meeresfrüchten und einheimischem Käse genossen. Alles so deliziös, dass Xander ernsthaft versucht war, den Koch für das Skyrise-Restaurant in seinem Hauptgeschäftssitz Athen abzuwerben.

Obwohl die Sonne längst am Horizont versunken war, wovon ein letzter rosa Schimmer am Abendhimmel zeugte, war Xander nicht bereit, sein Date mit Lea zu beenden. Seite an Seite schlenderten sie zum Strand hinunter. Niemand war in der Nähe, sodass sie die Brandung und den Sand ganz für sich allein hatten.

„Ich sollte wirklich wieder an meine Arbeit gehen …“, murmelte Lea, aber so lustlos, dass es ihm ein leises Lachen entlockte.

„Das müsste ich auch, aber warum schwänzen wir heute Abend nicht mal?“, schlug Xander augenzwinkernd vor, und Lea hob skeptisch die Brauen.

„Irgendwie scheint mir das nicht zu Ihnen zu passen.“

„Tut es auch nicht.“

„Warum dann heute Abend?“

Er blieb stehen und wandte sich ihr direkt zu. „Weil du mich daran erinnert hast, dass es im Leben so viel mehr gibt, als Geschäfte zu machen. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so viel gelacht habe …“, sagte er entwaffnend und schaute ihr tief in die Augen. „Es war wirklich ein wundervoller Abend, und ich will nicht, dass er endet.“

„Nicht?“

„Nein.“ Er schaute auf ihre bebenden Lippen. Sie waren so … einladend, rosig und glänzend. Er hatte Lea während des ganzen Abendessens immer wieder angeschaut. Nichts an ihrem Aussehen war übertrieben. Sie wirkte bodenständiger und war viel attraktiver als alle Frauen, mit denen er in der Vergangenheit zusammen gewesen war.

Herrje! Wie oft hatte er sich geschworen, Politik, Arbeit und Vergnügen nicht zu vermischen?

Heute Nacht könnte er versucht sein, diese eiserne Regel zu brechen. Doch da er überzeugt war, Lea würde ihre Meinung bezüglich seines Angebots nicht ändern, gab es eigentlich keinen Grund, sich zurückzuhalten. Warum also nicht herausfinden, wohin der Abend sie führte? Xander trat näher und beobachtete, ob sie sich zurückzog.

Sie tat es nicht …

Er konnte nicht anders, als die Hand auszustrecken und Leas glatte weiche Wange zu berühren. „Du bist die unglaublichste Frau, die ich je getroffen habe.“

Ihre Augen weiteten sich, doch ihr Blick wich seinem nicht aus, im Gegenteil. Und Xander dachte nicht daran, die offensichtliche Einladung zu ignorieren. Er senkte den Kopf, doch weit kam er nicht … sie trafen sich in der Mitte.

Ihre vollen Lippen lagen mit festem Druck auf seinen.

Ihm stockte der Atem, der fordernde Kuss elektrisierte ihn, ließ jede Zelle seines Körpers vor Verlangen vibrieren. Instinktiv legte er einen Arm um Leas schmale Taille und zog sie an sich. Ihre Hände ruhten auf seiner Brust, während sie den Kuss intensivierte.

Ein erotisches Abenteuer war absolut nicht auf seiner Agenda gewesen, als er sich entschloss, Infinity Island zu besuchen. Er hatte die Insel kaufen wollen, aber seine Enttäuschung darüber, dass es ihm nicht gelungen war, wog nichts gegenüber dem Gefühl, das ihn jetzt gerade beherrschte. Je näher er Lea kam, desto mehr wollte er sie.

Sie schmiegte sich hingebungsvoll an ihn, und die weichen femininen Kurven passten perfekt zu seinem fordernden Körper. Xander genoss das untrügliche Gefühl, dass dieser Abend nur noch besser werden konnte …

1. KAPITEL

Ende Juni

Zwei pinkfarbene Streifen

In allen drei Testversuchen…

Diagnose: schwanger.

Jedes Mal, wenn Lea darüber nachdachte – und das war sehr oft –, begann sie zu hyperventilieren. Das konnte … das durfte nicht wahr sein. Nicht jetzt!

Nicht wenn in ihrem Leben gerade alles drunter und drüber ging.

Allerdings wies sie alle typischen Symptome auf: vom ausbleibenden Monatszyklus bis zu spannenden Brüsten. Sosehr sie das alles zu leugnen versuchte, es hatte keinen Sinn. Wie es aussah, wuchs in ihr ein neues Leben heran … ein Baby, um das sie sich würde kümmern müssen.

Und dann gab es da auch noch einen Mann, der keinen Schimmer hatte, dass er Vater wurde! Nun, er würde es wissen, sobald er an sein Handy ging …

Nach einem Arzttermin zur offiziellen Bestätigung hatte Lea wiederholt versucht, Xander zu erreichen, um ihn wissen zu lassen, dass sie schwanger war. Nicht weil sie etwas von ihm wollte, sondern weil sie es für richtig hielt, ihn zu informieren. Jedes Mal wurde sie zur Mailbox weitergeleitet. Erst als sie die Nummer seines Büros in Athen ausfindig machte, erfuhr sie, dass er geschäftlich im Ausland war.

Also rief sie ihn erneut an, holte tief Luft und hinterließ ihm eine Nachricht auf der Mailbox: „Xander, hier ist Lea … “ Ihr Magen flatterte, obwohl Xander gar nicht in der Leitung war. „Ich muss mit dir reden. Meldest du dich mal, wenn du wieder zurück bist?“

Lea seufzte und wünschte, sie wäre souveräner gewesen. Das „mal“ hätte sie sich sparen können, sogar müssen, weil es nicht die Dringlichkeit des Gesprächs ausdrückte, das sie schnellstmöglich hinter sich bringen wollte.

Trotzdem war es besser als nichts. Er würde sicher anrufen, sobald er die Gelegenheit dazu hatte. Bis dahin gab es für sie wahrlich genug zu tun: eine Insel, die gerettet werden wollte, ein Baby, auf das sie sich vorbereiten musste … auf jeden Fall eigentlich genug, um zu verhindern, dass sich ihre Gedanken ständig um Xander drehten.

Als ob das möglich wäre!

Xander hörte die Mailbox ab, runzelte die Stirn und rief die Nachricht erneut ab.

Irgendetwas in Leas Stimme irritierte und beunruhigte ihn, doch er hätte nicht sagen können, was es war. Außer dass sie offenkundig enttäuscht zu sein schien, ihn nicht gleich erreicht zu haben. Wahrscheinlich weil er sich nicht mehr bei ihr gemeldet hatte.

Nicht dass er oft genug daran gedacht, es sich aber immer wieder versagt hatte.

Tatsächlich war ihm Lea seit ihrem gestohlenen Wochenende im Paradies nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Willkürliche Erinnerungsfetzen lenkten ihn ständig von seiner Arbeit ab und füllten nachts seine Träume. Sie war eine erstaunliche Frau, nicht nur wegen ihrer außergewöhnlichen Schönheit, sondern in allem.

Es juckte ihn in den Fingern, nach dem Hörer zu greifen und sie anzurufen, einfach nur, um ihre warme Stimme zu hören. Und wenn es möglich wäre, könnte er versucht sein, alles abzusagen, um auf die Insel zurückzukehren. Doch das ließ sein Terminkalender nicht zu.

Anfangs hätte er es strikt geleugnet, doch als er Infinity Island verließ, war ihm bereits bewusst, dass er dort etwas Außergewöhnliches gefunden hatte, und das war neben der reizvollen Bucht und der ebenso traumhaften wie farbenprächtigen Vegetation eine ganz besondere Frau: Lea. Sie hatte es fertiggebracht, dass er seine eiserne Selbstdisziplin für ein unvergessliches Wochenende aufgeben und einfach nur genießen konnte.

Doch jetzt war er zurück in der Realität und befand sich an der Seite seiner jüngeren Schwester inmitten eines wichtigen Resort-Deals. Es war Stasias erster Geschäftsabschluss. Und nachdem seine Schwester ihren Ehemann verloren hatte, war Xander entschlossen, alles zu tun, um ihr zu helfen und sie zu unterstützen. Zumal seine Schwester entgegen seiner Empfehlung ihre gesamten Ersparnisse in dieses Projekt investierte. Damit drängte sie ihm eine Verantwortung auf, die er nicht übernehmen wollte, aber Stasia hatte sich sehr hartnäckig und ausdauernd gezeigt.

Sosehr es ihn danach verlangte, Lea wiederzusehen, das Geschäft kam zuerst. Schon immer, jetzt und auch zukünftig.

Xander legte sein Handy aus der Hand und löste seine Krawatte. Die Geschäftsreise nach Asien war nicht so erfolgreich verlaufen wie gehofft. Er hatte gewusst, es würde ein langer Weg sein, aber Geduld und Ausdauer hatten ihn schließlich dahin gebracht, wo er jetzt stand – an der unangefochtenen Spitzenposition in seiner Branche. Manchmal verliefen hartnäckige Kundenkontakte im Sande und erwiesen sich als reine Zeitverschwendung, dennoch hatte es ihn nie davon abgehalten, den nächsten großen Deal an einigen der unwahrscheinlichsten Orte zu wittern und abzuschließen.

Er hatte gerade seine Krawatte im begehbaren Kleiderschrank, der die Größe eines zweiten Schlafzimmers hatte, aufgehängt, da summte sein Handy. Da er den ganzen Tag unterwegs gewesen war und sich nach einer heißen Dusche sehnte, überlegte er kurz, die Mailbox anspringen zu lassen. Allerdings hatte er lange Zeit keinen Kundenkontakt gehabt … und vielleicht war gerade dieser Anruf wichtig.

Mit einem tiefen Seufzer kehrte Xander ins Schlafzimmer zurück. Auf dem Weg öffnete er die oberen Knöpfe an seinem weißen Businesshemd, warf einen Blick aufs Handy-Display und stutzte. Schon wieder Lea? Das kam ihm seltsam vor.

Okay, er kannte sie kaum, aber als aufdringlich hätte er sie eigentlich nicht eingeschätzt. Lag er da etwa falsch?

Ohne weiter darüber nachzudenken, griff er zum Handy. „Lea, wie geht’s?“

„Xander … endlich. Ich hatte dich schon in Verdacht, du könntest meinen ständigen Anrufen ausweichen.“

„Hoppla, nun mal langsam …“ Etwas schien sie enorm aufgewühlt zu haben. „Ich bin erst vor wenigen Minuten nach Hause gekommen. Was läuft denn schief?“

„Ich … ich weiß nicht, ob man es so ausdrücken kann.“

„Na, dann raus damit, und wir entscheiden das gemeinsam“, gab er sich locker.

Was folgte, war eine Pause, in der er Lea vor seinem inneren Auge auf ihrer vollen Unterlippe nagen sah, wie sie es tat, wenn sie unsicher war. Ihre kleinen unbewussten Gesten hatten ihn bezaubert, ebenso wie ihr lebhafter Geist und ihre überschäumende Energie – weshalb er es auch vermieden hatte, sie anzurufen. Er wusste, wenn sie ihn bat, auf die Insel zurückzukehren, wäre dies eine zu große Versuchung, um ihr auf Dauer widerstehen zu können.

„Lea, ich kann dir nur helfen, wenn du mir sagst, was los ist.“

„Ich bin schwanger.“

Xander prallte zurück, als habe ihn ein Keulenschlag getroffen, spürte die Bettkante in den Kniekehlen und ließ sich auf die Matratze fallen. Er musste sich verhört haben. „Kannst du das noch mal wiederholen?“

„Ich bin schwanger, und du bist der Vater, Xander.“

Herr im Himmel. Das konnte unmöglich wahr sein. Oder doch?

Er wusste nur zu gut, dass es durchaus möglich war. Schließlich hatten sie vor nicht allzu langer Zeit ein gesamtes Wochenende im Bett verbracht … oder auf der Terrasse … oder am Strand …

Xander unterdrückte seine wilden Fantasien. Normalerweise ließ er sich nicht so gehen. Tatsächlich hatte er so etwas noch nie zuvor erlebt und schon damals gewusst, dieses Wochenende würde ihm unvergesslich bleiben.

Wie es aussah, in mehr als einer Hinsicht!

Sein Herz klopfte so laut, dass es ihm in den Ohren widerhallte. Kraftlos fiel er zurück aufs Bett und massierte mit der freien Hand seine Stirn, hinter der es wie verrückt hämmerte. Die Stille wurde immer lastender, er musste etwas sagen. Aber was?

„Gib mir Zeit, das zu verdauen“, murmelte er. „Wir werden bald darüber sprechen.“

Er war nicht sicher, ob er sich überhaupt verabschiedet hatte, bevor er den Anruf beendete. Und hatte auch keine Ahnung, wie lange er dalag und die Decke anstarrte.

Ich werde Vater

Drei Worte, die seinen Puls rasen und die Handflächen feucht werden ließen.

Seine Gedanken flogen zurück zu dem Wochenende, das er auf Infinity Island verbracht hatte. Nie hätte er damit gerechnet, dass es sein Leben verändern würde … und dann auch noch so drastisch und einschneidend!

Aber es war so, und jetzt musste ein Plan her.

Eigentlich schüttelte er so was lässig und routiniert aus dem Ärmel, doch das hier war etwas anderes. Hier ging es um ein Baby. Um mein Baby

Und er wollte das Beste für sein Kind. Aber wie sah das aus?

War er von ihrer Eröffnung schockiert gewesen? Überwältigt? Entsetzt?

Hatte er das Telefonat deshalb schnell abgebrochen? Sie würden bald reden, hatte Xander versprochen. Aber was genau bedeutete „bald“?

Immer wieder reflektierte Lea am nächsten Tag ihr Gespräch mit dem werdenden Vater, das so abrupt geendet hatte. Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte, aber nicht, dass ein Mann wie er so … still blieb. Vielleicht hatte sie mit Fragen und Vorwürfen gerechnet, aber nichts davon war gekommen. Oder hatte er ihr nicht geglaubt?

Auch das wäre eine mögliche Erklärung, die sie aber gleich wieder verwarf. Bis jetzt hielt sie Xander immer noch für einen Ehrenmann, der sich seiner Verantwortung niemals entziehen würde. Zugegeben, sie kannte ihn kaum, doch Leas Instinkt sagte ihr, dass er ein guter Kerl war, jemand, der sich um seine Angehörigen kümmerte – selbst wenn er sich nach außen als knallharter Geschäftsmann verkaufte.

Oder – was am wahrscheinlichsten war – ihn hatte die Nachricht von dem Baby schlicht überwältigt und sprachlos gemacht. Ihr selbst war es doch kaum anders ergangen, zumal ihre Priorität fürs kommende Jahr darin bestand, ein Dach über dem Kopf zu behalten!

Lea seufzte, nicht wegen des Babys, sondern wegen des Zustands der Insel. Entnervt schob sie die Papierstapel auf ihrem Schreibtisch zusammen. Irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, ihre griechische Familie im Stich zu lassen, obwohl sie die Menschen gar nicht kannte, die sich vor ihr um Infinity Island gekümmert hatten. Und ihre Eltern wollten nichts mit der Insel zu tun haben, wodurch auch sie sich irgendwie im Stich gelassen fühlte …

Als sie von ihrer Erbschaft erfuhr, hatte sie sich riesig gefreut und beschlossen, voller Elan ins Inselleben einzutauchen und Infinity Island zum begehrtesten Reiseziel für Hochzeitspaare aus der ganzen Welt zu machen. Stattdessen flickte sie Löcher, strich Wände und klebte Schläuche. Die Hälfte der Gästezimmer war aus irgendeinem Grund ohnehin verschlossen.

Zudem war Lea auch noch gezwungen, das Personal zu reduzieren und dadurch bedingt zusätzliche Aufgaben selbst zu bewältigen, die jede freie Minute in Anspruch nahmen, sodass sie nachts völlig erschöpft ins Bett fiel.

Lea riss sich vom Schreibtisch los, auf dem eine Menge unerledigter Korrespondenz liegen blieb. Ein dringenderes Problem erforderte ihre Aufmerksamkeit: ein undichter Wasserhahn. Zum Glück hatten ihre Eltern darauf geachtet, in ihrer Erziehung geschlechtsspezifische Vorurteile außer Acht zu lassen. So half sie ihrem Vater wie selbstverständlich bei allen möglichen Arbeiten rund ums Haus – einschließlich Sanitärinstallationen.

Lea ging zum Schrank, öffnete die Tür und zog einen roten Werkzeugkasten hervor. Schade, dass sie keinen Werkzeuggürtel hatte, den sie um ihre Taille schlingen konnte, um noch authentischer zu wirken. Beim Gedanken, was Xander zu ihrer Aufmachung sagen würde, musste sie leise kichern. Über alten Jeansshorts, deren obersten Knopf sie bereits auflassen musste, trug sie ein weites Schlabbershirt und praktische Flip-Flops. So machte sie sich auf den Weg zu dem fraglichen Bungalow am anderen Ende der Insel und hoffte, dass es nur um eine altersschwache Waschmaschine ging und nichts Ernsthafteres war.

Da am kommenden Wochenende hier eine große Hochzeit stattfand, konnte Lea es sich nicht leisten, noch eine weitere Unterkunft zu verlieren.

Sie hatte den Werkzeugkasten gerade in ihrem Golfcart verstaut, als sie das Rotorengeräusch eines nahenden Helikopters hörte. Lea furchte die Stirn. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Für heute erwarteten sie keine neuen Gäste.

Sie beschattete ihre Augen mit einer Hand und nagte nervös an ihrer Unterlippe. Hoffentlich war das kein medizinischer Notfall! Aber dann hätte man sie sicher informiert.

Ihr Herz klopfte wie verrückt, als der Hubschrauber unweit ihres Büros auf dem Landeplatz runterging. Jetzt verkrampfte sich auch noch ihr gesamter Körper, während sich Sekunden zu Minuten oder Stunden auszudehnen schienen. Bitte, keine neuen Probleme! flehte Lea innerlich.

Dann öffnete sich die Helikoptertür, und ein Mann stieg aus. Er hielt den Kopf gesenkt, hatte dunkles Haar und trug anscheinend ein Business-Outfit. Ihr Herz sank.

Ob das ein Anwalt war, der eine Art Pfändung gegen die Insel erwirkt hatte, weil Lea möglicherweise noch offene Rechnungen übersehen hatte? Alle Gläubiger konnte sie ohnehin nicht ad hoc befriedigen. Einige waren in diesem Monat dran, andere würden bis zum nächsten oder noch länger warten müssen.

Als der Mann sich vom Hubschrauber wegbewegte, erschien er ihr für einen Sekundenbruchteil vertraut, aber das war ja schlecht möglich. Dann erreichte er die Stufen, die vom Landeplatz wegführten, und hob den Kopf.

Ihr Herz setzte einen Schlag aus, bevor es unkontrolliert zu rasen begann.

Xander! Er war wirklich da … und schaute sie direkt an.

Lea holte tief Luft und zog den Babybauch ein, was dazu führte, dass ihre schwellenden Brüste noch weiter hervorstachen. Sofort stieß sie den angehaltenen Atem wieder aus. Es war schließlich kein Verbrechen, wenn sich ihr Körper veränderte.

Warum war Xander hier?

Was für eine Frage, du dumme Pute! schalt sie sich in der nächsten Sekunde. Ganz sicher nicht, weil er es vor Sehnsucht nach dir nicht länger ausgehalten hat und dich endlich wieder in seinen starken Armen spüren will!

Natürlich ging es um das Baby. Ihr gemeinsames Baby …

Sie hatte es ihm erst gestern erzählt und war ziemlich schnell abgewimmelt worden. Und jetzt war er hier, sah aber irgendwie anders aus als bei seinem ersten Besuch.

Die Krawatte fehlte, und das Hemd stand am Hals auf. Außerdem war er nicht rasiert, hatte dunkle Schatten unter den Augen und einen verkniffenen Mund …

Wenn er nicht glücklich über das Baby war, warum machte er sich dann überhaupt die Mühe, herzukommen? Es war nicht so, als hätte sie irgendwelche Forderungen an ihn gestellt. Sie war nicht arm, auch wenn der momentane Zustand der Insel etwas anderes vermittelte. Tatsächlich war das Eiland Gold wert, darauf hatte Xander selbst hingewiesen.

Wenn es zum Schlimmsten kam, konnte sie Infinity Island immer noch verkaufen und für den Rest ihres Lebens im Luxus schwelgen. Aber dafür müsste sie schon sehr verzweifelt sein, was momentan noch nicht der Fall war.

Ohne sich auch nur einen Zentimeter zu rühren, schaute Lea ihm entgegen und wappnete sich innerlich. Selbst als der Vater ihres Kindes dicht vor ihr stehen blieb, zwang sie sich zum Schweigen. Sie hatte ihn nicht hierher eingeladen. Es war an ihm, zu entscheiden, wie dieses Gespräch verlaufen sollte.

„Ich bin hier“, sagte er rau und starrte sie aus müden Augen an.

Das ist alles, was er zu sagen hat? Lea straffte die Schultern und schob ihr Kinn eine Spur vor. „Ich habe dich nicht gebeten zu kommen. Du hättest anrufen können.“

„Die Angelegenheit ist zu ernst, um sie am Telefon zu besprechen.“

Aber am Telefon hätte sie sich allein aufs Gespräch konzentrieren können, anstatt darüber nachzugrübeln, wie er es anstellte, trotz offenkundiger Erschöpfung noch heißer auszusehen als bei seinem ersten Besuch. Als sie merkte, wie nervös sie an ihrem Armband herumspielte, zwang sich Lea dazu, ihre Arme zu beiden Seiten locker herabhängen zu lassen.

Gut, dann würden sie also jetzt reden.

Und sobald sie Xander versichert hätte, dass sie weder Präsenz noch finanzielle Unterstützung von ihm verlangte, konnten sie beide in ihr Leben zurückkehren. Erziehen konnte sie ihr Kind auch allein. Tatsächlich freute sie sich inzwischen darauf, Mutter zu werden.

„Wie kommt es, dass du hier bist? Ich dachte, du steckst bis zum Hals in Arbeit?“

„Du kannst doch nicht einfach so eine Bombe am Telefon platzen lassen und dann erwarten …“

„Okay, was willst du wissen?“

„Wie wäre es für den Anfang damit: Bist du dir sicher, dass das Baby von mir ist?“ Er sah sie so an, als könne er allein durch intensives Starren die Wahrheit herausfinden.

Seine Frage verletzte sie tief. Anscheinend kannte er sie überhaupt nicht. Und offenbar hatte ihr das Wochenende weit mehr bedeutet als ihm.

„Ja, ich bin mir sicher“, sagte sie kalt. Doch wenn Xander glaubte, sie hier in aller Öffentlichkeit inquisitorisch verhören zu können, dann irrte er. „War’s das? Ich muss gehen … ein Notfall.“

Ohne seine Antwort abzuwarten, wandte sie sich ab, kletterte in ihr Golfcart und startete den Motor. Als sie losfahren wollte, stellte Xander sich ihr mit vor der Brust verschränkten Armen in den Weg.

Lea seufzte ungeduldig. „Was soll das? Ich will nicht mit dir kämpfen … eigentlich will ich gar nichts von dir.“

„Warum hast du mich dann angerufen?“

Fragte er das im Ernst?

Plötzlich näherte sich ihnen einer der Angestellten. Der Mann schien zu überlegen, ob er einschreiten sollte, weshalb Lea sich zu einem freundlichen Lächeln zwang und ihrem Mitarbeiter anscheinend fröhlich zuwinkte. Der Mann erwiderte ihr Lächeln, nickte und trollte sich.

„Würdest du bitte aufhören, im Weg zu stehen, und endlich einsteigen“, fuhr sie Xander an. „Mach hier bitte keine Szene …“, fügte sie hinzu, als er sich immer noch nicht rührte.

Wortlos kletterte er neben sie auf den Sitz, und als er mit seiner Schulter ihren nackten Arm berührte, jagte Lea ein heißer Schauer über den Rücken. Sie biss die Zähne zusammen und tat ihr Bestes, die alarmierenden Signale ihres verräterischen Körpers zu ignorieren.

Das lastende Schweigen zerrte an ihren Nerven.

Lea warf ihrem stummen Passagier einen verstohlenen Seitenblick zu. Das energische Kinn und seine zusammengepressten Lippen ließen keinen Zweifel daran, dass Xander verärgert war. Sein muskulöser Körper so dicht an ihrem ließ sie die nervöse Energie spüren, die in ihm brodelte. Allerdings wusste sie nicht, woher er sich das Recht nahm, derart aufgebracht zu sein. Es war ja nicht so, als wäre sie allein für die Situation verantwortlich, in der sie sich befanden. Es gehörten immerhin noch zwei dazu …

Hätte sie ihre Schwangerschaft vor ihm verheimlicht, wäre das auch noch etwas anderes gewesen. Aber sie war offen und ehrlich gewesen und hatte absolut nichts von ihm verlangt. Also …?

Wenn er unbedingt sauer sein und vor sich hin schmollen wollte, sollte er! Sie hatte Wichtigeres zu erledigen.

Lea verlangsamte die Fahrt und parkte das Golfcart vor dem Flitterwochenbungalow. Wortlos stieg sie aus, schnappte sich ihren Werkzeugkasten samt Ersatzgummidichtung und ging die vier Holzstufen zur Haustür hinauf. Ihre Gäste sollten inzwischen ausgecheckt haben, aber wie hier üblich, klopfte Lea kräftig an der Tür.

„Hallo, Reparaturservice …“ Dann zählte sie innerlich bis zehn, und als immer noch keine Antwort erfolgte, wollte sie die Schlüsselkarte benutzen, doch ihre Hände zitterten so erbärmlich, dass es ihr nicht gelang.

Verflixt! Warum kann Xander nicht einfach verschwinden?

Lea atmete tief ein und versuchte es erneut. Dieses Mal klappte es.

Hinter ihr erklangen Schritte. Sie brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, wer es war. Sie konnte den schwachen Hauch seines Aftershaves riechen, und prompt begannen jetzt auch noch ihre Knie zu zittern.

Behutsam drückte sie die Tür auf. „Hallo? Jemand hier?“

Keine Leute, kein Gepäck … sie waren allein. Nur Xander und sie im Honeymoon-Bungalow. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, sich in eine derartige Lage zu manövrieren? Aber hatte Xander ihr überhaupt eine Chance gelassen?

Hinter ihr klickte ein Türschloss, und als Lea nervös herumfuhr, bestätigte sich ihre Befürchtung. Die Tür war tatsächlich zu, und Xander stand dicht hinter Lea. So dicht, dass sie nur die Hand ausstrecken müsste, um sie auf seine Brust zu legen … aber sie widerstand der Versuchung und unterdrückte ein Stöhnen.

Stattdessen steuerte Lea auf wackeligen Beinen das Schlafzimmer mit angeschlossenem Bad an. Ihr Herz raste, die Handflächen waren feucht. Wie um alles in der Welt sollte sie konzentriert arbeiten können, mit diesem Mann im Nacken?

„Du kannst das Golfcart nehmen und im Büro auf mich warten“, sagte sie betont forsch. „Ein Fußmarsch wird mir und dem Baby guttun. Ich beeile mich …“

„Warum sollte ich das machen?“

Weil du aus mir ein nervöses Wrack machst?

Lea befeuchtete ihre trockenen Lippen. „Ich dachte nicht, dass es dich interessieren würde, wie ich einen defekten Wasserhahn repariere.“

Xander furchte die Stirn. „Wieso musst du überhaupt derartige Wartungsarbeiten übernehmen? Hast du dafür keine Leute? Ich meine, in deinem Zustand …?“

„Ich bin schwanger, nicht krank. Und seit die morgendliche Übelkeit nachgelassen hat, bin ich wieder voller Energie.“ Stolz hob sie das Kinn. „Du kannst mir vertrauen, ich würde unser Baby nie gefährden.“

Er nickte grimmig. „Trotzdem verstehe ich nicht, warum du so etwas tun musst.“

Sie wollte ihm nicht gestehen, wie unterbelegt sie gerade waren, weil sie immer mehr reparaturbedürftige Unterkünfte schließen mussten. Und je weniger Hochzeiten sie arrangieren und Gäste sie aufnehmen konnten, desto geringer fielen naturgemäß die Einkünfte aus, mit denen sie genau diese notwendigen Instandsetzungen finanzieren mussten.

Momentan befanden sie sich in einer desaströsen Abwärtsspirale, und Lea hatte noch keine Lösung, wie sie diese aufhalten könnte. Wenn sie nur einen Investor finden würde, der ihre Vorstellungen von der Führung des Unternehmens akzeptierte! Und nicht wie Xander alles aufkaufen und einreißen wollte, was ihre Vorfahren aufgebaut hatten.

„Ich bin eben kein typischer Boss, sondern eher Teil des Betriebs und stelle lieber persönlich sicher, dass alles so funktioniert, wie ich es möchte.“

„Und das erreichst du, indem du einen Wasserhahn reparierst?“

Sein Ton besagte, dass er ihr nicht glaubte beziehungsweise sie nicht ernst nahm. Oder beides. Aber das war sein Problem, sie hatte eine Arbeit zu erledigen. Aber als sie ins Schlafzimmer ging, trat sie in stehendes Wasser und stieß einen spitzen Schrei aus.

Ein kleines Leck? Ein tropfender Wasserhahn?

Erbost beeilte sich Lea, ins Bad zu kommen, rutschte auf dem nassen Boden aus und wäre gefallen, wenn nicht starke Arme sie aufgefangen hätten. Doch sie hatte keine Zeit, sich zu bedanken, da sie so schnell wie möglich das Wasser abstellen musste.

Im Bad ging sie gleich auf die Knie, suchte das Absperrventil unter dem Waschtisch, doch es ließ sich nicht bewegen. Sie setzte ihre gesamte Körperkraft ein und stöhnte frustriert, aber nichts tat sich.

„Lass mich das versuchen“, sagte Xander hinter ihr.

Sie drehte sich um und wollte gerade dankend ablehnen, da sah sie, dass er die Anzugjacke bereits abgelegt hatte und die Hemdsärmel aufkrempelte. Er reichte ihr die Hand, um Lea vom Boden aufzuhelfen.

„Los, beeil dich“, forderte er knapp. „Das Wasser läuft immer noch.“

Er hatte recht, jetzt war keine Zeit für unangebrachten Stolz. Wenn sie diesen Bungalow auch noch aufgeben müsste, konnte sie genauso gut gleich das gesamte Resort schließen und ihr Erbe abschreiben. Das durfte sie nicht zulassen.

Lea beobachtete, wie routiniert Xander den Schraubenschlüssel ansetzte, sich sein Bizeps anspannte und er die Lippen erneut zu einem schmalen Strich zusammenpresste. Xander gab wirklich alles, um das verflixte Ventil gangbar zu machen. Nach einigen weiteren Fehlversuchen richtete er sich auf. „Wo ist der Hauptwasserhahn?“

„Irgendwo draußen, auf der Rückseite, glaube ich.“

Als Xander aufstand, war er tropfnass. Sein teurer Anzug war ruiniert, ebenso die bestimmt handgefertigten schwarzen Lederschuhe. Lea stöhnte innerlich, als sie daran dachte, was sie gekostet haben mochten, aber damit würde sie sich später befassen.

Zum Glück war das Hauptventil schnell zu finden, doch das Abstellen nur der erste Schritt, um das Chaos zu bewältigen. Wortlos hasteten sie zurück ins Haus und arbeiteten stumm Seite an Seite, um das Wasser vom Boden aufzuwischen. Xander öffnete alle Fenster, während Lea mit sinkendem Herzen den entstandenen Schaden inspizierte. Zum Glück war der Holzfußboden nicht aufgeweicht. Lange konnte das Wasser nicht dort gestanden haben. Wenigstens etwas!

Sie wandte sich an Xander, der sich gerade erhob, nachdem er den Wasseranschluss unter der Spüle geprüft hatte. „Vielen Dank.“

„Kein Problem.“

Sie schnitt eine kleine Grimasse, während sie ihn von Kopf bis Fuß betrachtete. „Ich befürchte, deine gesamte Garderobe ist ruiniert.“

Er schaute an sich herunter. „Es gibt mehr davon.“

„Ich habe kein Gepäck gesehen.“

„Ich meinte ja auch in Athen.“ Jetzt war er es, der eine Grimasse zog. „Ich hatte es ziemlich eilig.“

„Offensichtlich.“ Lea überlegte kurz. „Lass uns die nassen Klamotten loswerden. Ich finde bestimmt etwas, was du anziehen kannst.“

Xander wirkte skeptisch. „Ich glaube kaum, dass du etwas hast, was mir passt.“

Das setzte ihr Kopfkino in Gang, und Lea konnte ein Grinsen nicht unterdrücken, als sie sich seinen durchtrainierten Körper in Frauenkleidern vorstellte. Sie beeilte sich, ins Golfcart zu kommen, den Motor zu starten und aufs Gaspedal zu drücken.

„Gib es ruhig zu“, brummte ihr Beifahrer. „Du stellst dir mich gerade in deinen Klamotten vor.“

„Ich … äh.“ Es hatte keinen Sinn, sie konnte das Kichern nicht unterdrücken.

„Wusste ich’s doch! Könntest du dich bitte beherrschen?“, forderte er steif.

„Das … das versuche ich doch die ganze Zeit …“ Sie holte tief Luft. „Aber du siehst wirklich furchtbar aus.“ Je mürrischer er wurde, desto attraktiver erschien er ihr. Diese absurde Feststellung ernüchterte Lea. Sich zu ihm hingezogen zu fühlen war etwas, worauf s...

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