Kannst du mir verzeihen, Geliebte?

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Endlich da! Erschöpft schleicht Margot sich nachts in das Haus ihres Vaters. Und steht plötzlich einem halbnackten Mann gegenüber, der behauptet, er habe das Anwesen beim Pokern gewonnen! Ist Margot in einem Albtraum gelandet - oder gar in einem Traum?
  • Erscheinungstag 11.05.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733778293
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Draußen wehte ein kühler Oktoberwind, als Margot Sullivan kurz vor drei Uhr nachts in den dunklen Eingangsbereich ihres Elternhauses kam. Sie sog die Luft ein. Es roch viel besser als bei ihrem letzten Besuch vor einem halben Jahr.

Hier in Montana auf dem Land kam man gegen den vielen Staub kaum an, trotzdem hatte ihre Mutter immer großen Wert auf Sauberkeit gelegt. Seit ihrem Tod hatte ihr Vater allerdings alles verwahrlosen lassen, aber inzwischen schien ihm das Haus wieder wichtiger zu sein.

Auf dem Teppich, der die alten Holzdielen bedeckte, blieb sie stehen, um sich die Stiefel auszuziehen. Plötzlich gab ihre Schäferhündin Vivian ein leises Knurren von sich. Margot erstarrte. Das Knurren wurde lauter, und Vivians Nackenhaare sträubten sich.

Wie gebannt starrte die Hündin zur Treppe, die in den ersten Stock führte, und Margot folgte ihrem Blick. Dann schnappte sie nach Luft.

Oben stand ein Mann in Jeans und mit nacktem Oberkörper. In den Händen hielt er einen Baseballschläger. Er war sehr groß, hatte einen dunklen Bartschatten, und sein ebenso dunkles Haar stand in alle Richtungen ab, als wäre er sich gerade mit den Händen hindurchgefahren. Er fixierte sie eindringlich. „Was machst du denn hier?“, wollte er wissen. Er klang eher verwirrt als bedrohlich. Und gleichzeitig seltsam vertraut.

„Ich stelle hier die Fragen.“ Margot legte ihre zitternde Hand auf Vivians Kopf. „Wo ist mein Vater?“

Statt etwas darauf zu erwidern, senkte der Mann den Baseballschläger und kam die Treppe herunter.

„Keinen Schritt weiter!“, fuhr sie ihn an. „Sonst jage ich Ihnen meinen Hund auf den Hals.“

Er hielt inne, legte den Kopf schief und grinste. In diesem Moment erkannte sie, wen sie da vor sich hatte: Brad Crawford aus der berühmten Crawford-Familie! Aber warum schlich er mitten in der Nacht bei ihrem Vater durchs Haus?

„Na, so was, die kleine Margot Sullivan.“ Er schüttelte den Kopf und lächelte. Mit diesem Lächeln hatte er schon als Kleinkind alle Frauen um den Finger gewickelt.

Margot entspannte sich etwas. Trotz allem war sie erleichtert, dass es bloß Brad war, der ihr mit einem Baseballschläger gegenüberstand – und nicht irgendein Fremder.

„Mit dir hätte ich hier nicht gerechnet“, sagte er.

„Nicht? Das Haus gehört doch meiner Familie!“

„Tja …“ Er rieb sich das Kinn. „Da bin ich mir nicht so sicher.“

„Wo ist mein Vater?“ Margot zog sich das Herz zusammen, als sie sich ausmalte, was einem fast Achtzigjährigen so alles passiert sein könnte. „Dad?“, rief sie laut. „Ich bin’s, Margot. Wo bist du denn?“

„Das kannst du dir sparen.“ Brad warf einen kurzen Seitenblick auf Vivian, die immer noch leise knurrte. Dann ging er ins Wohnzimmer und ließ sich in einen Sessel fallen. „Boyd ist nicht mehr hier.“

Margot wandte sich Vivian zu. „Ganz ruhig“, brachte sie widerwillig hervor. „Das ist ein Freund.“

„Freund“ war etwas zu viel gesagt, aber immerhin genoss die Familie Crawford in der Kleinstadt Rust Creek Falls großen Respekt. Das galt sogar für Brad, der gut zehn Jahre älter war als Margot und außerdem in dem Ruf stand, ein Frauenheld zu sein.

Vivian wich nicht von ihrer Seite, als Margot zum Sofa ging und dort Platz nahm. Sie ließ den Blick über Brad gleiten … und erschauderte, als sie seine nackte, muskulöse Brust betrachtete. Ihr war auch schon aufgefallen, dass er den obersten Knopf seiner Jeans nicht geschlossen hatte … und dass er umwerfend sexy nach Duschgel und Shampoo und nach seiner eigenen männlichen Note duftete. Aber das interessierte sie natürlich nicht weiter. Ihr ging es jetzt nur um ihren Vater.

Trotzdem wurde ihr in diesem Moment bewusst, dass ihre roten Locken wahrscheinlich gerade als wilde Mähne in alle Richtungen abstanden – schließlich hatte sie eine zehnstündige Fahrt bei offenem Fenster hinter sich. Sie stützte die Arme auf die Oberschenkel und beugte sich vor. „Jetzt sag mir endlich, wo mein Vater ist.“

„Das weiß ich nicht.“

Ein eiskalter Schauer durchfuhr sie. „Was soll das heißen?“

„Er hat gleich nach dem Nationalfeiertag am 4. Juli die Stadt verlassen“, gab Brad leichthin zurück. „Seitdem ist er nicht wiederaufgetaucht.“

Inzwischen war es Oktober, also lag seine Abreise schon drei Monate zurück. Offenbar war ihr Vater verschwunden, kurz nachdem sie sich am Telefon heftig gestritten hatten. Es war schrecklich gewesen. Am Ende hatte er einfach aufgelegt – aber vorher hatte er Margot noch gesagt, dass sie sich bloß nicht wieder bei ihm blicken lassen solle.

„Wie bitte? Und warum hat mir niemand Bescheid gesagt? Hier in der Stadt wissen doch alle, dass er eine Tochter hat, und es ist ja wohl nicht so schwer, mich ausfindig zu machen.“

„Der Sheriff hat inzwischen herausgefunden, dass Boyd mit dem Zug abgereist ist und ein Ticket nach New York City gekauft hatte.“

„Wow, das beruhigt mich unheimlich.“ Ihre Stimme triefte vor Sarkasmus. „Hat überhaupt jemand versucht, mich zu erreichen?“

„Na ja, zuerst haben wir alle gedacht, dass er seine Schwester besuchen will, die in …“

„… New Jersey gelebt hat und nicht in New York City“, brachte Margot den Satz zu Ende. „Inzwischen ist meine Tante Verna übrigens seit fast zwei Jahren tot. Sie ist ungefähr ein halbes Jahr vor meiner Mutter gestorben.“

„Das wussten wir damals noch nicht“, erwiderte Brad. „Du kennst doch deinen Vater. Er hat nie viel von sich erzählt.“

Margot runzelte die Stirn. „Das ist immer noch keine Erklärung dafür, warum sich niemand bei mir gemeldet hat.“

„Das hat der Sheriff aber versucht – nachdem er herausgefunden hatte, dass Boyds Schwester nicht mehr lebt. Dabei erfuhr er auch, dass du einen schweren Unfall hattest und erst mal nicht mehr beim Rodeo antrittst. Es wusste auch niemand, wo du steckst.“

Das klang logisch. Margot hatte sich beim Reiten einen Schädelbruch zugezogen und war nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus bei einer Freundin in Cheyenne untergeschlüpft. Der Unfall hatte sich kurz nach dem letzten Telefonat mit ihrem Vater ereignet.

Eigentlich war sie davon ausgegangen, in ein, zwei Wochen wieder fit zu sein. Aber die Genesungsphase zog sich über mehrere Monate hin. Schließlich hatte Margot beschlossen, an den einzigen Ort zurückzukehren, der für sie jemals ein Zuhause gewesen war.

Und jetzt war ihr Vater auf einmal spurlos verschwunden. Aber warum bloß? Und wo konnte er bloß sein? Eigentlich war Boyd Sullivan doch ein kluger, vernünftiger Mann. Zumindest, wenn er nicht getrunken hatte …

„Hatte er eigentlich noch ein Alkoholproblem, bevor er verschwand?“

„Ich fürchte, ja“, gab Brad leise zurück.

Abrupt setzte Margot sich auf. Sofort schoss ihr ein scharfer Schmerz durch den Kopf. Die Fahrt von Wyoming nach Montana war schon anstrengend genug gewesen, aber die letzten Minuten hatten ihr den Rest gegeben. Es kam ihr vor, als steckte ihr Kopf in einer Schraubzwinge.

Sie rieb sich den Nacken mit einer Hand, um die Anspannung wegzumassieren. „Was machst du eigentlich hier?“, fragte sie Brad.

„Ich wohne hier.“

„Heißt das, dass du auf das Haus aufpasst, während mein Vater unterwegs ist?“ Das fand sie fast schon wieder bewundernswert.

Brad rückte auf seinem Stuhl hin und her. „N…nicht direkt.“

„Sondern?“

„Na ja, die Sache ist so. Dein Vater hat die Ranch beim Pokern als Einsatz genommen.“ Er grinste schief. „Er hat verloren, und ich habe gewonnen. Jetzt gehört die Leap of Faith Ranch mir.“

Während die schöne, rothaarige Margot Sullivan wütend unten im Wohnzimmer saß, lief Brad nach oben, um sich endlich Hemd und Schuhe anzuziehen. Auch er machte sich Sorgen um ihren Vater. Sonst hätte er wohl kaum einen Privatdetektiv beauftragt, nach dem alten Mann zu suchen. Im Moment ging ihm allerdings eher seine Tochter durch den Kopf.

Die ganze Zeit musste er daran denken, wie sie ihm gegenübergesessen hatte mit ihrer weit aufgeknöpften weißen Bluse … und wie sie ihn mit ihren grünen Augen angefunkelt hatte. Die ganze Situation hatte ihn erregt. Vor allem, als er ihr auch noch großzügig angeboten hatte, doch die Nacht auf seiner neuen Ranch zu verbringen.

Damit hatte er Öl ins Feuer gegossen, und Margot war explodiert. Wutentbrannt hatte sie ihm mitgeteilt, dass das hier immer noch ihr Haus war. Und wenn heute Nacht jemand ausziehen musste, dann gefälligst er.

Brad schloss die Augen. Frauen mit Temperament fand er unheimlich sexy. Wie sehr, das wurde ihm in diesem Moment körperlich bewusst. Auf einmal saßen seine Jeans ganz schön eng. Er grinste. Ein bisschen erleichtert war er deswegen ja auch, denn seit seiner Scheidung vor vier Jahren hatte er sich zwar immer wieder mit Frauen getroffen. Im letzten halben Jahr hatte sich bei ihm allerdings nichts mehr geregt.

Bis heute auf einmal diese wilde Rothaarige zur Tür hereingerauscht war und ihn sofort in ihren Bann gezogen hatte.

Darüber durfte er sich allerdings nicht zu früh freuen. Das rief er sich ins Gedächtnis, während er sich ein Flanellhemd und Stiefel anzog. Wenn zwischen einem Mann und einer Frau etwas passieren sollte, dann musste das Interesse schon gegenseitig sein. Und im Moment sah es nicht so aus, als würden Margot und er zusammen im Bett landen.

Jedenfalls heute noch nicht.

Langsam ging er die altersschwachen Stufen hinunter ins Erdgeschoss und dann ins Wohnzimmer. Margot stand gerade vor dem dunklen Kamin. Wie gebannt betrachtete sie eines der Fotos auf dem Sims, auf dem ihre Eltern mit einem mageren Mädchen mit roten Haaren und Sommersprossen zu sehen waren. Inzwischen war aus dem schlaksigen Kind von damals eine wunderschöne Frau geworden.

Margot trug hautenge, verwaschene Jeans, die ihre schlanken Beine betonten. Ihr volles, rotgolden glänzendes Haar fiel ihr über den Rücken.

Wie alt war sie jetzt eigentlich? Zweiundzwanzig? Oder dreiundzwanzig? Auf jeden Fall alt genug.

Der Schäferhund neben ihr bleckte die Zähne, und Brad musste lächeln. Klarer Fall von Beschützerinstinkt! Schön, dass Margot so ein treues Tier an ihrer Seite hatte. Wie hatte sie ihn doch gleich genannt? Viper? Das passte ja perfekt – obwohl er den Namen wahrscheinlich nicht richtig verstanden hatte.

Als Brad wieder ins Wohnzimmer kam, begann Viper prompt zu knurren.

Margot drehte sich zu ihm um und betrachtete ihn mit eisiger Miene. „Morgen früh rufe ich gleich bei Sheriff Gage Christensen an“, sagte sie. „Dann sprechen wir noch mal zu dritt über die ganze Sache.“

„Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass du richtig süß aussiehst, wenn du wütend bist?“ Ohne weiter auf den knurrenden Hund zu achten, ging Brad ein paar Schritte auf Margot zu. „Aus dir ist eine äußerst attraktive Frau geworden, Margot Sullivan.“ Er schob sich die Hände in die Hosentaschen, lehnte sich zurück und betrachtete sie bewundernd.

Verärgert funkelte sie ihn an. „Du findest dich wohl ganz toll.“

Brad verstand nicht, was sie ihm damit sagen wollte. Er legte den Kopf schief und wartete schweigend ab.

„Kann ja sein, dass du nicht gerade der hässlichste Mann in Rust Creek Falls bist“, sagte sie und hielt dann inne. Ihre Wangen glühten rot. „Aber mich kannst du damit nicht beeindrucken“, fuhr sie fort. „Du hast mir ja schon dein wahres Gesicht gezeigt, als du meinem Vater die Ranch weggenom…“

„Jetzt ist aber gut, ich habe sie beim Pokern gewonnen“, fiel er ihr ins Wort. „Und ich habe die ganze Zeit fair gespielt.“ Leider war Margot offensichtlich nicht in der Stimmung, ihm weiter zuzuhören. Daher hatte es jetzt keinen Sinn, ihr zu erzählen, dass er ihrem Vater die Ranch gleich nach seiner Rückkehr wieder überschreiben wollte.

Vorher allerdings noch nicht. Denn dann würde sie ihn wohl sofort vor die Tür setzen, und das wollte er auf keinen Fall riskieren. Dafür faszinierte sie ihn viel zu sehr.

Margot schäumte vor Wut. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Hatte dieser Brad sie gerade wirklich zu ihrem eigenen Zimmer gebracht und es ihr als Gästezimmer angeboten? Vivian zuliebe hatte sie nichts weiter gesagt, als er darauf bestand, ihr den zerbeulten Koffer hochzutragen. Die Hündin war trächtig, wenn sie sich jetzt zu sehr aufregte, hatte sie womöglich noch eine Fehlgeburt.

Brad stellte den Koffer neben ihrem Bett ab und blieb dann einfach stehen – als würde er noch auf sein Trinkgeld warten.

„Vielen Dank“, murmelte Margot. Wahrscheinlich konnte sie froh sein, dass er sich nicht selbst in ihrem Zimmer einquartiert hatte … oder im ehemaligen Schlafzimmer ihrer Eltern, dem größten von allen. Stattdessen hatte er das Gästezimmer gegenüber von Margot bezogen.

„Wenn du noch etwas brauchst …“, begann er.

„Dann weiß ich schon, wo ich es finden kann“, betonte sie. „Ich bin hier immerhin aufgewachsen.“

Augenblicklich versteifte sich Vivian. Sie hatte gespürt, wie angespannt ihre Herrin war.

„Bist du eigentlich immer so reizbar, wenn du müde bist?“, erkundigte sich Brad und setzte dabei eine Unschuldsmiene auf.

„Ach, lass mich in Ruhe“, gab sie zurück. Jetzt bekam sie ernsthaft Kopfschmerzen.

Brad murmelte irgendetwas Undeutliches vor sich hin.

Margot kümmerte sich nicht weiter darum, sondern ließ sich auf das Bett sinken und stützte den Kopf in die Hände.

Das schmerzhafte Pochen wurde immer schlimmer.

Das lag zunächst mal an ihrem schlimmen Unfall: Sie hatte beim Rodeo gerade aufs Pferd steigen wollen. Im selben Moment war das Tier scheu geworden und hatte sie zurückgeschleudert. Dabei war sie mit dem Kopf heftig gegen einen Anhänger geschlagen. Diagnose: Schädelbruch. Ihre Neurologin hatte sie eindringlich davor gewarnt, wieder zu reiten, bevor die Verletzung vollständig ausgeheilt war. Schon eine Gehirnerschütterung könnte sonst zu bleibenden Schäden führen, hatte sie gemeint.

Aber das war alles noch gar nichts im Vergleich dazu, wie sehr Margot sich jetzt um ihren Vater sorgte. Was, wenn er krank war? Oder verletzt? Vielleicht sogar tot … Sie vergrub das Gesicht in den Händen.

„Hey, alles in Ordnung?“ Brad klang ehrlich besorgt, hielt aber zum Glück Abstand.

Sie atmete langsam aus und nickte. „Ja, alles gut. Lass uns morgen weiterreden, okay?“

Eigentlich hatte sie ihn damit auffordern wollen, sie allein zu lassen, aber er bewegte sich nicht vom Fleck. Schließlich hob sie den Kopf. Dabei fiel ihr auf, wie seltsam er sie anstarrte.

„Wenn du irgendetwas brauchst, egal, was es ist“, begann er, und seine Augen blickten besorgt, „dann bin ich gleich gegenüber, okay?“

Was sollte sie dazu sagen? Vielen Dank, dass du mein Zuhause vereinnahmt hast? Danke, dass du einem alten, betrunkenen Mann seine Ranch weggenommen hast?

Weil er sich aber so sehr bemühte, nett zu ihr zu sein, wollte sie ihn erst mal verschonen. „Alles klar, danke.“

Wenige Sekunden später war er verschwunden. Und mit ihm sein herausforderndes Lächeln und sein männlicher Duft.

Es war immer noch still im Haus, als Brad am nächsten Morgen in den Eingangsbereich kam. Er hatte schon nach dem Vieh gesehen und einen Kontrollritt auf dem Ranchgelände hinter sich. Normalerweise wäre er draußen geblieben, um alles schon mal für die kalten Wintermonate vorzubereiten. Davor mussten er und Margot allerdings einige Dinge klären.

Vorsichtig zog er die Haustür hinter sich zu und blickte sich um. Margot war nirgends zu sehen. Viper auch nicht.

Brad setzte einen Kaffee auf. Dann nahm er sich eine schwere gusseiserne Pfanne und machte Frühstück. Einige Minuten später brutzelten darin Speck und Spiegeleier, und es roch nach frisch getoastetem Brot: herrlich!

Plötzlich riss eine Stimme ihn aus seinen Gedanken. Sie kam von der Küchentür. „Sag mal, geht’s noch? Was machst du da eigentlich?“ Margot klang merklich aufgebracht.

Davon ließ Brad sich aber nicht beirren. Wahrscheinlich brauchte Margot erst mal einen starken Kaffee, um richtig wach zu werden. „Na, was glaubst du denn?“, erwiderte er und konzentrierte sich darauf, die Eier auf zwei Tellern zu verteilen. „Ich mache uns Frühstück.“

„Und warum?“

„Weil ich Hunger habe. Und du wahrscheinlich auch.“ Er wandte sich zu ihr um.

Ein böser Fehler: Offenbar hatte sie gerade geduscht, denn das feuchte Haar fiel ihr in sanften Wellen auf die Schultern. Sie trug ein grünes langärmeliges Shirt, das ihre ebenso grünen Augen zum Leuchten brachte und außerdem ihre vollen Brüste betonte. Und dann diese engen Jeans, die sich um ihre langen, schlanken Beine schmiegten …

Unwillkürlich erschienen faszinierende Bilder vor Brads innerem Auge. Er sah sich selbst, wie er ihr das Oberteil abstreifte und dann mit beiden Händen ihre prallen …

„Hey! Was ist eigentlich los mit dir?“

Er blinzelte, und der Tagtraum löste sich in nichts auf. Verdammt. „Wieso, was soll mit mir los sein?“

Ihre Augen funkelten. „Du hast eben so ausgesehen, als würdest du irgendwas aushecken.“

Dieser Frau entging aber auch gar nichts! Unwillkürlich musste er grinsen. „Ich habe mir bloß gerade vorgestellt, wie es wäre, wenn wir so richtig schön zusammen …“ Gerade noch rechtzeitig konnte er sich bremsen. „… frühstücken würden“, beendete er den Satz. „Ich habe uns Eier und Speck gebraten.“

„Ich muss dringend etwas mit dir besprechen.“

„Gut, aber erst frühstücken wir.“ Brad stellte zwei gefüllte Teller auf den Tisch und schenkte zwei Becher Kaffee ein. „Milch?“

„Nein, ich trinke meinen schwarz.“

„Eine Frau ganz nach meinem Geschmack.“

Margot nahm ihm den Becher ab und begegnete seinem Blick.

„Nein, eine Frau, die dich so schnell wie möglich aus diesem Haus wirft, das übrigens mir gehört.“

Bisher war es Brad gelungen, Viper mehr oder weniger zu ignorieren, aber jetzt ging das nicht mehr. Die Hündin knurrte laut, als wollte sie die Worte ihrer Besitzerin unterstreichen.

„Trink erst mal deinen Kaffee“, forderte er Margot sanft auf.

„Damit stimmst du mich auch nicht um.“ Trotzdem hob sie die Tasse an den Mund und seufzte nach dem ersten Schluck genießerisch auf. Dann blickte sie hoch. „Was ist das denn? Mein Vater hatte doch immer dieses billige Zeug, das man genauso gut als Abflussreiniger hernehmen konnte.“

„Das hier habe ich im Internet bestellt“, erklärte Brad. „Da ist auch Chicoree mit drin.“

Spielte da etwa gerade ein Lächeln um ihre vollen Lippen? Es sah ganz so aus, als würde Margot Sullivan langsam auftauen.

Sollte er ihr vielleicht einen Stuhl anbieten? Er entschied sich, es nicht gleich zu übertreiben, und setzte sich erst mal selbst.

Vor gut zwei Monaten war er hier eingezogen. Auf die Dauer war es ihm zu anstrengend geworden, jeden Morgen herzufahren, um sich um das Vieh zu kümmern. Anfangs war er noch davon ausgegangen, dass Boyd Sullivan praktisch jeden Tag zurückkommen würde. Aber dann hatte er von dem Zugticket nach New York City gehört. Außerdem hatte Boyd keinen seiner Nachbarn gebeten, sich um die Ranch zu kümmern. Wahrscheinlich, weil er davon ausging, dass Brad das jetzt tun würde.

Als er ein Stuhlbein über den alten Linoleumfußboden schaben hörte, blickte er hoch.

Margot hatte sich gerade eben ihm gegenüber an den Küchentisch gesetzt – endlich. Ihre Kaffeetasse umklammerte sie fest mit einer Hand.

„Deine Hündin hat bestimmt Hunger“, sagte er. „Ich habe ihr etwas in den Napf da drüben gefüllt.“ Mit dem Kopf wies er auf eine kleine überdachte Veranda, die in erster Linie als Geräteschuppen diente. „Etwas zu trinken habe ich ihr auch hingestellt.“

Margot wollte den Kaffeebecher an ihre sinnlichen Lippen führen, doch jetzt hielt sie inne. „Woher hast du denn das Hundefutter?“

„Aus deinem Wagen.“ Er schob sich einen großen Bissen Spiegelei mit Speck in den Mund. „Ich habe vorhin deine Sachen reingebracht. Es steht alles im Eingangsbereich.“

„Oh, danke.“ Trotzdem betrachtete sie ihn immer noch argwöhnisch. So als rechnete sie fest damit, dass das Ganze einen Haken hatte. Eine Weile lang aßen beide schweigend ihr Frühstück.

Komisch, aber irgendwie gefiel es ihm ganz gut, dass Viper ihm immer wieder misstrauische Blicke zuwarf, während sie ihr Essen hinunterschlang. Auch dass Margot ihn von der gegenüberliegenden Tischseite aus ihren tiefgrünen Augen argwöhnisch musterte, fand er eher angenehm.

Erneut griff sie nach der Kaffeetasse, trank noch einen Schluck und schloss genießerisch die Augen.

Ob sie nach dem Sex wohl auch so ein Gesicht machte? Er betrachtete ihre Brüste, die sich deutlich unter ihrem engen T-Shirt abzeichneten.

Als er wieder hochschaute, begegnete er ihrem eisigen Blick.

Mit einem lauten Knall setzte sie den Becher ab. „Wenn du fertig gegafft hast, können wir ja vielleicht über ein paar wirklich wichtige Dinge sprechen. Ich habe gerade mit Gage gesprochen. Er kann leider nicht selbst kommen, schickt aber einen Detective vorbei. Der müsste eigentlich jeden Moment hier sein …“

„Wie bitte, hast du wirklich den Sheriff angerufen?“ Brad hätte nicht damit gerechnet, dass sie ihre Drohung von gestern Abend in die Tat umsetzen würde. Andererseits fand er, dass es zu ihr passte – obwohl er sie kaum kannte.

Aus seiner Sicht sprach eigentlich nichts dagegen, ihr die Leap of Faith Ranch zu überlassen. Trotzdem zögerte er mit der Entscheidung. So, wie er es verstanden hatte, war das Verhältnis zwischen ihr und Boyd in den letzten Jahren sehr schwierig gewesen. Wenn er ihr also jetzt die Ranch überließ, konnte sie damit tun und lassen, was sie wollte. Und möglicherweise war das nicht unbedingt das, was Boyd wollte …

Autor

Cindy Kirk
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