Liebesschwüre auf Umwegen

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Magische Küsse und sinnliche Leidenschaft? Obwohl die schöne Leah mit dem atemberaubend attraktiven Milliardär Stavros Sporades verheiratet ist, kann davon nicht die Rede sein. Denn ihre Ehe existiert nur auf dem Papier! Vor fünf Jahren sollte der Deal das leichtsinnige Partygirl vor Mitgiftjägern schützen, doch heute will Leah nur noch ihre Freiheit! Zu ihrer Überraschung willigt der unnahbare Tycoon in die Scheidung ein. Unter einer Bedingung, die für Leah unmöglich zu erfüllen ist! Aber warum weckt sein Vorschlag in ihr plötzlich dieses unbezähmbare Verlangen?


  • Erscheinungstag 02.08.2016
  • Bandnummer 2243
  • ISBN / Artikelnummer 9783733706906
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Leah Huntington spürte, wie ihre Knie nachgaben. Sie ließ sich auf den Plastikstuhl hinter ihrem kleinen Schreibtisch fallen. Der rote Stempel mit dem Schriftzug ‚ABGELEHNT‘ auf dem Antragsformular verschwamm vor ihren Augen. Schmerzhaft krampfte sich ihr Herz zusammen, als sie mit zitternden Fingern durch die Skizzen auf dem Zeichenbrett blätterte. Leahs Traum, ihre eigenen Kreationen Gestalt annehmen zu sehen, hatte sich gerade in Luft aufgelöst.

Schweiß rann ihr über den Rücken, während das Surren des Ventilators an ihren Nerven zerrte. Stöhnend rieb sie mit der Hand über ihren verspannten Nacken und schloss die Augen.

Mrs. DuPont, die Einkaufsleiterin einer Modekette, hatte Leah nur zwei Monate gegeben, um ihre erste Kollektion zusammenzustellen, und alles, was sie bis jetzt hatte, waren ein paar grobe Skizzen. Und da sie alles allein machen musste, zählte jede Minute.

Sie musste Stoffe und tausend andere Dinge kaufen. Aber ohne Geld? Sie besaß nichts. Und die Bank hatte ihren Kreditantrag abgelehnt.

Leah holte tief Luft und griff nach dem Telefon. Mit wild klopfendem Herzen wählte sie die Nummer des Bankangestellten, mit dem sie erst vor zwei Tagen gesprochen hatte. Sie ahnte längst, wer hinter den Problemen mit ihrem Kredit steckte. Ihr Magen schien sich umzudrehen, als sie hörte, wie der Bankangestellte am anderen Ende der Leitung verlegen hüstelte. Seine Antwort war kurz und knapp, so als hätte er ihren Anruf erwartet und seine Erklärung einstudiert.

Sie konnten den Treuhandfonds als Sicherheit zur Genehmigung ihres Kredits nicht anerkennen, weil – Leah entging der ehrfürchtige Unterton in der Stimme des Angestellten nicht, als er den Namen aussprach – der Treuhänder, der ihren Fonds verwaltete, die Verwendung des Treuhandfonds – ihres Treuhandfonds! – als Sicherheit abgelehnt hatte.

Stavros.

Wütend schleuderte Leah das Handy durch das Zimmer. Sie zitterte am ganzen Körper, sprang auf und stieß den Stuhl zur Seite.

Wie lange wollte er sie noch bestrafen? Und wie lange würde sie das noch zulassen?

In ihren Augen brannten Tränen. Sie bückte sich, um das Telefon aufzuheben, und tippte eine neue Nummer ein. Ihre Kehle war wie zugeschnürt, sie würde kaum ein Wort herausbekommen. Doch sie wollte eine Erklärung. Sie wollte …

Eigentlich hatte das alles keinen Sinn. Seine Sekretärin würde ihr höflich, aber bestimmt mitteilen, dass er gerade nicht verfügbar war. So wie sonst auch. Seit einem Jahr versuchte sie immer wieder, ihn zu erreichen. Ohne Erfolg. Sie lebten beide in Athen, doch es fühlte sich an, als lägen Kontinente zwischen ihnen.

Frustriert biss sie sich auf die Unterlippe, ihre Nägel gruben sich in die Innenfläche ihrer Hände. Wie von ganz weit her drang ein Schluchzen an ihr Ohr. Es war ihr eigenes. Eine ohnmächtige Wut machte sich in ihr breit.

Sie musste das hier alles beenden. Sich aus dieser Abhängigkeit von ihm befreien. Er kontrollierte jeden ihrer Schritte, während er selbst sein Leben unbehelligt in vollen Zügen genoss.

Fünf Jahre eines sterilen Lebens. Fünf Jahre als seine Gefangene. Vor lauter Schuldgefühlen und Angst hatte sie es akzeptiert. Sich nicht dagegen gewehrt.

Während sie sich die Tränen von den Wangen wischte, suchte sie nach dem Beitrag des Klatschmagazins, das sie an diesem Morgen auf ihrem Laptop bewusst weggeklickt hatte.

Stavros’ Geschäftspartner und zweiter Patensohn ihres Großvaters, Dimitri Karegas, gab eine Party auf seiner Yacht.

Stavros und Dimitri waren aus dem gleichen Holz geschnitzt – atemberaubend attraktiv und höchst erfolgreich. Sie hatten ihre Imperien mit Hilfe von Leahs Großvaters Giannis aus dem Nichts aufgebaut und sahen sich selbst als Halbgötter an. Ihr Wort war Gesetz für die Normalsterblichen um sie herum.

Stavros hatte eine heftige Abneigung gegen Partys, was Leah nie hatte verstehen können. Aber Dimitri würde da sein. Das reichte.

Sie musste nur dafür sorgen, dass der Playboy sie an Bord seines neuesten Spielzeugs bemerkte. Das könnte schwierig werden. Stets war er von einem Schwarm hübscher Frauen umringt.

Ihr Magen krampfte sich zusammen, als sie die Schlafzimmertür aufstieß und auf ihren Schrank zuging. Ihr war, als liefe sie freiwillig in ihr eigenes Verderben.

Aber Stavros hatte ihr keine Wahl gelassen. Es gab keinen anderen Weg, um ihn auf sich aufmerksam zu machen.

Nervös griff sie an den baumwollenen Blusen und Röcken vorbei in den hinteren Teil des Schranks und zog ein goldfarbenes Seidenkleid heraus. Es war das einzige Designerkleid, das sie besaß. Ihre Finger zitterten, als sie es vor dem Spiegel an ihren Körper hielt und erschrocken feststellte, dass das Kleid mehr enthüllen als verdecken würde. Ihr Rücken würde ganz frei sein, also würde sie auf einen BH verzichten müssen.

Noch vor fünf Jahren hatte sie nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als sie in diesem Kleid ausgegangen war, gemeinsam mit Alex und Calista. Und damals hatte sie noch zehn Kilo mehr auf den Rippen gehabt.

Der Gedanke daran, wie sie ausgesehen haben musste, ließ sie unwillkürlich schmunzeln.

Eigentlich war es auch nicht wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, was sie heute Abend tragen sollte. Sie hatte andere Probleme. Sie musste aus diesem Leben raus, das ihr die Luft nahm. Schon lange fühlte sie sich, als würde sie von den Wänden ihres kleinen Apartments erdrückt, als rückten diese immer näher …

Ihre Handflächen waren feucht vor Nervosität, als sie das Kleid überzog. Nur knapp bedeckte es ihren Po.

Es war das provokanteste Kleid, das sie besaß, und doch beeindruckte es durch seine schillernde Eleganz, die nur aus der Hand eines Designers stammen konnte. Sie hatte es in der Nacht getragen, als Stavros ihr Schicksal bestimmt hatte. Wenigstens hatte sie so ein wenig Aufmerksamkeit bekommen an der Seite des Mannes, der dann zu ihrem Gefängniswärter geworden war.

Jeder Muskel in ihr war zum Zerreißen gespannt. Ihr Mund war trocken, und nackte Angst machte sich in ihr breit, als sie ins Badezimmer ging, um sich ein wenig Wasser ins Gesicht zu spritzen.

Er würde explodieren. Er würde sie noch mehr verachten, wenn das überhaupt möglich war. Doch sie konnte das hier nicht länger ertragen. Diese Isolation hier war nicht mehr auszuhalten.

So konnte es nicht weitergehen. Sie musste es tun, auch wenn sie einen hohen Preis dafür zahlen würde.

Als das Taxi hielt, grub Leah krampfhaft die Finger in das weiche Leder des Rücksitzes, fast so, als umklammerte sie eine Rettungsleine. Der Fahrer warf ihr neugierige Blicke durch den Rückspiegel zu. Doch noch konnte sie sich nicht aufraffen auszusteigen.

Mit einem tiefen Atemzug wandte sie den Kopf und blickte durch die schmutzigen Scheiben des Wagens hinaus auf den geschäftigen Hafen. Die unzähligen weißen Yachten leuchteten golden im Licht der untergehenden Sonne. Eine Yacht stach aus der Masse heraus. Sie war um einiges größer und wirkte schon aus der Ferne noch viel exklusiver als die übrigen Schiffe.

Seufzend kramte Leah in ihrer Handtasche nach ihrer Geldbörse und reichte dem Fahrer einige Scheine. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Mit hoch erhobenem Kopf schritt sie auf die von zwei breitschultrigen Sicherheitsmännern bewachte Planke zu, die von der Yacht auf den Anleger führte. Der Gesichtsausdruck der Männer blieb regungslos. Bis auf das kurze Aufblitzen in ihren Augen.

Sie hatten sie erkannt. Leah nickte unmerklich. Die Geste kostete sie Überwindung.

Ja, sie hatte die letzten fünf Jahre damit verbracht, in einem mäßig erfolgreichen Modehaus zu arbeiten, fern vom Rampenlicht. Weggesperrt in ihre eigene kleine Welt, wo niemand sie finden konnte. Wo sie tun und lassen konnte, was sie wollte, solange sie sich nur an die Regeln hielt.

Sie schlief, sie stand auf, ging zur Arbeit und dann wieder in ihr Apartment, aß zu Abend und fiel wieder ins Bett. Alles unter strengster Beobachtung durch Stavros’ persönlichen Wachhund Mrs. Kovlakis, ihre Haushälterin. Dieser Frau entging nichts. Sie stellte sicher, dass Leah für keine weiteren aufsehenerregenden Skandale sorgte. Das bedeutete jedoch nicht, dass die Öffentlichkeit vergessen hatte, was sie getan hatte. Oder womit Stavros sie bestraft hatte.

Gerade diese Leute hier, von denen sie wusste, dass sie geradezu an Stavros’ Lippen hingen, sobald er sprach. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, doch es waren nur wenige Sekunden, bis einer der Sicherheitsmänner ihr die Hand reichte, um ihr über die Planke auf das Deck zu helfen. Mittlerweile war Leah, als ob ihr Magen Purzelbäume schlug, so nervös war sie.

Während sie auf ihren hohen Absätzen die ersten unsicheren Schritte machte, vergaß sie für einige Momente sogar, warum sie überhaupt hier war. Die Party war in vollem Gange. Kellner in eleganten Uniformen eilten mit Tabletts umher und boten den Gästen Champagner an. Auf dem oberen Deck bewegten sich sichtlich angeheiterte Tänzer mit ekstatischen Bewegungen im Takt der Musik.

Es schien, als stimmte es, was sie über Dimitris berühmt-berüchtigte Partys gehört und gelesen hatte. Was sie hier sah, war all das, was Stavros verabscheute. Er würde nicht hier sein. So viel war klar. Aber sie musste dafür sorgen, dass man sie wahrnahm. Also würde sie Dimitris Aufmerksamkeit erregen müssen, auch wenn er mit seiner neuesten Eroberung noch so beschäftigt war.

Mit dem ersten Lächeln dieses Tages im Gesicht schritt sie auf die glitzernde gläserne Bar zu, die sie bereits auf Bildern in den Hochglanzmagazinen bewundert hatte, ließ sich auf einen der Barhocker sinken und bestellte einen Cocktail. Erst einmal wollte sie so schnell wie möglich betrunken werden.

Stavros Sporades runzelte die Stirn, als sein Handy zum zehnten Mal in den letzten fünf Minuten klingelte. Seufzend nahm er den Anruf entgegen und warf Helene ein entschuldigendes Lächeln zu. Es ärgerte ihn, ihr gemeinsames Dinner unterbrechen zu müssen. Zum ersten Mal seit einem Monat verbrachte er einen entspannten Abend. Normalerweise verteidigte er seine begrenzte Freizeit ebenso, wie er sonst seiner Arbeit Priorität einräumte. Dieser Anrufer jedoch war wirklich hartnäckig.

Dimitris Stimme drang an sein Ohr. „Sie ist hier“, sagte er bloß, nachdem Stavros sich gemeldet hatte. „Auf meiner Yacht.“

Geschockt ließ Stavros sich gegen die Stuhllehne zurücksinken. Es gab nur eine Frau, wegen der Dimitri ihn benachrichtigen würde.

Leah.

Das Blut pochte ihm in den Adern. „Bist du sicher, dass sie es ist?“

Aus dem Handy drang Dimitris spöttisches Lachen. „Ich musste zwei Mal hinschauen, aber ja, sie ist es. Und sie ist betrunken und tanzt.“

Betrunken und tanzt

Statt Leahs Gesicht sah er das seiner Schwester Calista vor sich. Starr und blass im Angesicht ihres Todes. Er hatte sich so sehr bemüht, den frühen Tod seiner kleinen Schwester irgendwie zu verarbeiten. Doch die Gefühle von Wut und Hilflosigkeit waren noch immer so frisch und lähmend wie damals.

Mit versteinertem Gesicht ließ Stavros sein Handy wie in Zeitlupe wieder in der Hosentasche verschwinden. Dann entschuldigte er sich bei Helene, stand auf und verließ das Restaurant auf der Dachterrasse.

Es geht ihr sehr gut, Mr. Sporades, hatte Mrs. Kovlakis mit ihrer nasalen Stimme bei seinem letzten wöchentlichen Anruf über Leah gesagt. Sie mögen es kaum glauben, aber sie wirkt wie ein ganz anderer Mensch.

Hatte die ältere Frau ihm bloß das gesagt, was er hören wollte?

Innerhalb weniger Minuten hatte sein Pilot den Helikopter auf Dimitris Luxusyacht gelandet. Mit verärgertem Gesichtsausdruck öffnete Stavros die Tür und stieg auf den kleinen provisorischen Landeplatz. „Wo ist sie?“, knurrte er, als er Dimitri sah.

Dimitri bemühte sich, ruhig zu bleiben, wenngleich seine Augen trügerisch funkelten. Er deutete auf die Tanzfläche auf dem unteren Deck. „Ich hätte das Sicherheitspersonal einschalten können, aber ich glaube, das hätte die Situation nur verschlimmert.“

Stavros nickte und vermied es, seinem ältesten Freund in die Augen zu blicken. Er wollte es vermeiden, dass dieser sah, wie aufgewühlt er tatsächlich war. Immerhin konnte er froh sein, dass sie offenbar nur betrunken war und keine Drogen genommen hatte.

Christos, er wollte sie einfach nicht sehen. Leah, die Frau, die er nur aus einem einzigen Grund geheiratet hatte. Nämlich, um sie zu bestrafen.

Selbst in dem Zustand, in dem sie sich nach drei hochprozentigen Cocktails befand, wusste Leah sofort, dass Stavros die Bar betreten hatte.

Sie spürte es. Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf, ihre Knie drohten, unter ihr nachzugeben. Trotz der lauen Meeresbrise machte sich eine unerträgliche Kälte in ihrem Körper breit. Stirnrunzelnd versuchte sie, den Nebel in ihrem Kopf zu vertreiben und schüttelte sich leicht, ehe sie sich umsah.

In der glitzernden Bar aus Glas sah sie hundert Mal das Spiegelbild von Stavros. Sein markantes schmales Gesicht mit der leichten Hakennase, die ihm diesen typisch arroganten Ausdruck verlieh. Der entschlossene Zug um seinen Mund, der sie sofort an jenen strafenden Kuss erinnerte, und die dunklen Augen mit den langen Wimpern …

Der Hass in seinen Augen, als ihre Blicke sich trafen, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Fast wäre sie auf der Tanzfläche gestolpert. Unkontrolliert begann sie zu zittern in den Armen des jungen Mannes, mit dem sie die letzten fünfzehn Minuten getanzt hatte.

Glücklicherweise sah sie so verschwommen, dass sie kaum das Gesicht ihres Verehrers erkannte. Sie wollte sich morgen an kein einziges Detail dieser Nacht erinnern. Wie betäubt zwang sie sich, die Füße weiter zum Rhythmus des Hip-Hop-Sounds zu bewegen. Seine Hände glitten über ihre Hüften. Sie spürte, wie er zögerte, ehe er sie an sich zog.

Eigenartigerweise hatten seine Berührungen etwas Tröstliches. Gleichzeitig musste sie daran denken, wie armselig ihr Leben geworden war, wenn sie durch die Nähe eines betrunkenen Fremden schon einen Anflug von Geborgenheit fühlte.

Ihr war, als braute sich allein durch Stavros’ Anwesenheit ein Sturm um sie herum zusammen. Ein Großteil der Tänzer wich zurück, machte ihm den Weg frei. Man hatte ihn erkannt. Die Atmosphäre veränderte sich mit einem Schlag.

Leah rang nach Luft. Sie gab dem jungen Mann einen Kuss auf die Wange und flüsterte ihm eine Entschuldigung ins Ohr. Hätte er gewusst, wer sie war, hätte er es nicht gewagt, sie um einen Tanz zu bitten. Ganz im Gegenteil, er hätte sich gehütet, sie überhaupt anzusehen. So wie die anderen männlichen Gäste, die offenbar realisiert hatten, dass sie Leah Huntington Sporades war. Ehefrau und Eigentum von Stavros Sporades.

Man wusste, was mit Alex passiert war. Ihrem einzigen Freund, der sich nicht von ihr abgewandt hatte. Nur er allein hatte versucht, nach Calistas Tod und ihrer Heirat Kontakt zu Leah aufzunehmen. Er war im Gefängnis gelandet. Aufgrund irgendwelcher an den Haaren herbeigezogener Anschuldigungen, die Stavros und Dimitri sich hatten einfallen lassen.

Eine Hand legte sich um ihre Taille, dann ging ein harter Ruck durch ihren Körper, der ihr für einen kurzen Augenblick den Atem nahm. Im nächsten Moment spürte sie, wie sie gegen einen harten, muskulösen Körper gepresst wurde und erschrak, als ihr bewusst wurde, dass es Stavros war.

Mit der anderen Hand hatte er ihren Arm gegriffen. So fest, dass es fast wehtat. Er zwang sie, sich zu ihm herumzudrehen. Die Wärme, die sein Körper abstrahlte, traf sie wie eine mächtige Welle.

Leah blinzelte und wagte es kaum, zu ihm aufzusehen. Als ihre Blicke sich für eine Sekunde trafen, schrak sie zurück und wandte den Kopf.

Feigling, sagte eine spöttische Stimme in ihrem Inneren, doch es war ihr egal. Die betäubende Wirkung des Alkohols sorgte dafür, dass sie nicht einmal protestierte, als er sie packte und über seine Schulter schwang.

Ihre Welt stand Kopf – im wahrsten Sinne des Wortes. Zu ihrem Unmut rann ihr auch noch eine Träne über die Wange. Aber sie hatte genau das getan, was sie sich vorgenommen hatte.

Sie hatte alles gegeben, um sich in Szene zu setzen, und jetzt hatte sie endlich Stavros’ ganze Aufmerksamkeit.

Das verräterisch zufriedene Blitzen in seinen Augen war ihr zuvor nicht entgangen. Trotz ihres trunkenen Zustands. Es machte ihr Angst. Und weil sie nichts dagegen tun konnte, schloss sie die Augen und ließ sich fallen in den wattigen Nebel in ihrem Kopf.

Leah keuchte und japste. Um sie herum war eiskaltes Wasser, und sie hatte keine Ahnung, wie sie hier gelandet war. Verzweifelt versuchte sie, sich aufzurichten, doch sie wusste nicht, wo sie sich festhalten sollte. Ihr Atem ging immer schneller, und sie zitterte in ihrem dünnen goldenen Kleid, das sich komplett mit Wasser vollgesogen hatte.

Egal wohin sie griff, überall waren glatte Oberflächen, an denen sie immer wieder abrutschte. Stöhnend rieb sie sich das Wasser aus den Augen und blinzelte. Ihre schwarze Mascara lief ihr in kleinen dunklen Bächen über die Wangen und tropfte ihr auf die Finger, doch sie bemerkte es kaum.

Sie saß in einer marmornen Badewanne. Und sie musste sich gar nicht umdrehen, sie wusste, Stavros war da und beobachtete sie mit teuflischer Freude. Seine kleine Strafe für sie war ihm gelungen.

Heiße Wut stieg bei diesem Gedanken in Leah auf, sodass sie für eine Sekunde die Kälte völlig vergaß. Dabei wollte sie eigentlich nichts lieber, als die Augen schließen und sich in der Wanne zusammenrollen wie ein kleines Kind. Kraftlos ließ sie sich gegen den Wannenrand sinken. Ihr war, als hätte sie keine Kontrolle über ihre Muskeln mehr.

„Komm raus!“ Sein leiser Befehl ließ sie aufschrecken, als hätte man ihr eine Ohrfeige verpasst. Nur zu gern hätte sie das Fegefeuer, das sie erwartete, einfach verdrängt. Und den Mann, der sie für den Rest ihres Lebens bestrafen wollte, gänzlich aus ihrem Gedächtnis gestrichen.

Selbst nach all den Jahren hatte sie noch immer nicht die Kraft, Stavros in die Augen zu sehen … Aber sie würde jetzt nicht in Selbstmitleid versinken. Nicht nach den Anstrengungen, die sie heute unternommen hatte, bloß, um mit ihm reden zu können.

Also klammerte sie sich an den Badewannenrand und zog sich hoch, bis sie stand. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ihre Beine nicht mehr zitterten und das elegante Badezimmer aufhörte, vor ihren Augen zu schwanken.

Das helle Licht des Kristallleuchters über ihr ließ sie kurz die Augen zusammenkneifen. Dann sah sie sich um und nahm den dunklen Eichenfußboden und das blaue Wasser des Meeres hinter dem großen Bullauge wahr.

Von der lauten Partymusik auf dem Deck war hier unten im Bauch der Yacht nichts zu hören. Ganz im Gegenteil, es war verdächtig ruhig.

Das Wasser tropfte von ihrem Körper auf den Holzboden unter ihr, nachdem sie aus der Wanne gestiegen war. Sie fröstelte.

Wie aus dem Nirgendwo flog ihr ein Handtuch entgegen. „Bedeck dich.“

Dankbar rieb sie sich mit dem Handtuch trocken und verbarg für einige Augenblicke ihr Gesicht in dem weichen Frottee, um sich zu wappnen für das, was sie als Nächstes erwartete. Der verächtliche Tonfall in seiner Stimme traf sie mehr, als sie sich eingestehen mochte.

Am liebsten hätte sie sich hinter dem Handtuch versteckt, stattdessen richtete sie sich auf und warf das Handtuch zurück in seine Richtung. „Das brauche ich nicht, ich trage ein Kleid“, erklärte sie knapp. „Es ist deine Schuld, wenn es mich jetzt mehr entblößt als bedeckt.“

Sie sah, wie er sich verspannte, als das Handtuch gegen seine Schulter flog und auf dem Boden landete. Seine Verärgerung war nicht zu übersehen, und sie machte ihr Angst.

„Ich merke schon, du weißt immer noch nicht, was gut für dich ist, Leah.“

Betont gleichgültig griff sie in ihr Haar, um es über der Wanne auszuwringen. Innerlich rang sie noch immer um Fassung. Ihre Reaktion auf diesen Mann war einfach zu beängstigend.

„Lieber fang ich mir eine Lungenentzündung ein und sterbe, als mich von dir retten zu lassen.“

Ehe sie sich versah, hatte er einen schnellen Schritt auf sie zu gemacht und griff nach ihr. Sofort kamen all die verwirrenden, unangenehmen Gefühle in ihr hoch, gegen die sie die letzten Jahre angekämpft hatte.

Der Leuchter an der Decke ließ seine markanten Gesichtszüge bedrohlicher erscheinen. Ihr Anblick war beinahe überwältigend. Es waren vor allem seine dunkelbraunen Augen, die ihr die Luft zum Atmen nahmen.

Calista.

Calista hatte die gleichen Augen gehabt wie er. Mit dem Unterschied, dass Stavros’ Schwester immer freundlich geschaut und viel gelächelt hatte. In Scharen waren ihr die Männer nachgelaufen, und sie hatte sie nur zu gern zappeln lassen wie eine Spinne ihre Beute im Netz.

Wie jedes Mal, wenn sie an Calista und die schicksalsträchtige Nacht dachte, bildete sich ein harter Knoten in ihrem Magen, gegen den sie nicht ankämpfen konnte.

Doch da war noch ein anderes Gefühl, das er in ihr geweckt hatte. Und es wurde immer klarer, je näher er ihr kam. Die langen schwarzen Wimpern ließen seine funkelnden Augen in seinem Gesicht wie eine Oase inmitten der Wüste erscheinen. Verheißungsvoll und verführerisch.

Sein Duft war fremd und doch betörend.

Leah rang nach Luft. Innerlich begann sie zu zittern, und sie wusste, es hatte diesmal nichts mit ihrem nassen Kleid zu tun.

„Stavros, ich …“

Lange schlanke Finger glitten über ihren Hals und durch ihr Haar und zwangen sie, ihn anzusehen.

Er betrachtete sie, als sähe er sie zum ersten Mal. Als wollte er sich jedes einzelne Detail in ihrem Gesicht einprägen. Seine Berührungen brannten wie Feuer auf ihrer Haut. Es war lange her, dass jemand sie berührt hatte …

Und doch wollte sie nichts lieber, als sich seinen Liebkosungen hingeben. Sich an ihn lehnen und die Augen schließen … Es irritierte sie, dass ihr plötzlich so unglaublich heiß war.

Dann wurde ihr klar, was er tat.

Er prüfte, ob ihre Pupillen erweitert waren. Um herauszufinden, ob sie Drogen genommen hatte.

„Ich habe nichts genommen, Stavros“, flüsterte sie und erschrak selbst über ihren flehenden Unterton, den sie nicht beabsichtigt hatte. Es war sein misstrauischer Gesichtsausdruck, der sie dazu gebracht hatte, sich verteidigen zu wollen.

Als er nicht antwortete, griff sie nach seinen Handgelenken. Jeder einzelne Nerv in ihrem Körper war gespannt, als sie die kleinen Härchen auf seiner Haut berührte, seine Wärme spürte. Es war elektrisierend.

„Ich erinnere mich noch gut daran, dass Du das schon einmal gesagt hast …“ Er klang, als sei er ganz weit weg. An einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit.

Nur widerwillig ließ sie ihn los. Zu gern hätte sie seine warme Haut noch ein wenig länger gespürt, auch wenn sie das nur ungern zugeben wollte. Erst recht nicht vor ihm. „Ich sage die Wahrheit, Stavros.“

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Drogen angerührt, wollte sie schreien. So wie in der Nacht als Calista gestorben war. Doch er hatte ihre tränenerstickten Worte nicht einmal richtig wahrgenommen.

Sein Mund verzog sich zu einem kalten Lächeln. „Du veräppelst deinen Sicherheitsdienst, lügst Mrs. Kovlakis an, tauchst hier auf Dimitris Yacht auf und betrinkst dich … Tut mir leid, ich glaube dir kein einziges Wort!“

Wie freundlich er wieder zu ihr war. Sie kannte nichts anderes von ihm.

Entweder du heiratest mich, oder du gehst ins Gefängnis, Leah. Du hast die Wahl.

„Immerhin habe ich deine Aufmerksamkeit bekommen, oder nicht?“, entgegnete sie und bemerkte zu spät, dass sie sich verraten hatte.

2. KAPITEL

„Was?“

Stavros lockerte seinen Griff um Leahs Nacken und hatte sichtlich Schwierigkeiten, sich wieder unter Kontrolle zu bringen. Gleichzeitig nagten die Schuldgefühle an ihm, und ein dumpfer Schmerz breitete sich in ihm aus. Ein Blick auf Leah reichte aus, und er fühlte sich hilflos und traurig.

Unwillkürlich trat er einen Schritt zurück, als der zarte Duft ihrer Haut an seine Nase drang. Erleichtert, sich endlich aus dem Griff ihrer kalten Finger winden zu können.

Es brachte ihn völlig aus dem Gleichgewicht, dass er zum ersten Mal in seinem Erwachsenenleben seine normalerweise so gefasste Haltung verloren hatte. Seinen so scharfsinnigen Verstand, für den er in Geschäftskreisen Athens bekannt war. Er fühlte sich schwach in der Gegenwart dieser jungen Frau, und das gefiel ihm überhaupt nicht.

„Was hast du gerade gesagt?“

Abschätzig sah sie ihn an. „Es ging mir nur um dich, Stavros. Nur für dich habe ich diese Show hier abgezogen. Hättest du auch nur auf einen meiner Anrufe reagiert oder auf eine meiner unzähligen E-Mails geantwortet, dann wäre das hier alles nicht nötig gewesen. Aber so musste ich mich leider auf dein Niveau begeben. Anders kommt man ja nicht an dich ran.“

„Mein Niveau?“ Er merkte selbst, wie albern er klang. Als könnte er gar nicht mehr klar denken. Irgendwo in der Gegend um sein Herz herum vernahm er ein leichtes Ziehen. Einen Anflug von Sehnsucht. Sein Blick glitt über ihren Körper mit einer Gier, die ihn selbst überraschte. Ihr goldenes Seidenkleid hatte fast die Farbe ihrer natürlich gebräunten Haut. Und es spannte sich verlockend über ihren Brüsten, klebte wie eine zweite Haut an ihrer Taille und zauberte ein Bildnis von fast gänzlicher Nacktheit. Es war ein Anblick, der ihm fast den Verstand raubte.

„Ja, genau dieses Verhalten hast du doch von mir erwartet, oder nicht? Und jetzt stehst du hier vor mir – das erste Mal in fünf Jahren – und schaust mich an wie verhext.“

Verhext. So lächerlich das auch klang, es war der einzig vernünftige Grund dafür, warum er sich so überrumpelt und benommen fühlte.

Autor

Tara Pammi

Tara schreibt sexy Romanzen mit anbetungswürdigen Helden und sexy Heldinnen. Ihre Heldinnen sind manchmal laut und rebellisch und manchmal schüchtern und nerdig, aber jede von ihnen findet ihren perfekten Helden. Denn jede Frau verdient eine Liebesgeschichte!

Tara lebt in Texas mit ihrem ganz persönlichen Helden und zwei Heldinnen in der...

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