Liebestraum in der Toskana

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Das traumhafte Anwesen der Verdis in der Toskana verzaubert die hübsche Portia vom ersten Tag an. Allein der Garten der Villa Fontebella - ein einziges Meer von Blüten! Und glücklich sieht sie, wie liebevoll Eduardo Verdi mit seinem Enkel, ihrem kleinen Sohn Sam, umgeht. Wenn nur Lucenzo Verdi auch so freundlich wäre! Doch der attraktive Mann, der Portia von England nach Italien begleitete, hat anscheinend eine Mauer um sein Herz gebaut. Nicht mal Sams fröhliches Kinderlachen scheint ihn zu berühren! Bis er eines Tages etwas Überraschendes macht: Er nimmt Portia in die Arme und küsst sie mit so viel zärtlicher Leidenschaft, dass sie spürt, wie sehr auch er sich nach Liebe sehnt …
  • Erscheinungstag 14.03.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733756024
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Ich mach schon auf“, sagte Portia viel zu munter, als das schrille Klingeln das spannungsgeladene Schweigen zerriss.

In der kleinen Doppelhaushälfte am Rand der Industriestadt Chevington in Mittelengland, wo Portia schon die ganzen einundzwanzig Jahre ihres Lebens zusammen mit ihren Eltern wohnte, waren Besucher selten, und um neun Uhr an einem feuchten Aprilabend wurde bestimmt keiner erwartet.

Portia ging aus dem adrett eingerichteten Wohnzimmer, bevor ihr Vater aufstehen und sagen konnte, sie solle sitzen bleiben. Sich mit dem Besucher zu befassen war eine willkommene Ablenkung von der unausgesprochenen Missbilligung ihrer Eltern, selbst wenn es nur jemand war, der nach dem Weg fragte. Sam bei ihrer Mutter zu lassen fiel ihr nicht einmal ein. Sie hüllte ihr Baby fester in das Wickeltuch, strich sich das hellblonde Haar zurück und öffnete die Haustür, gerade als es wieder klingelte. Ihr Lächeln verschwand, sobald sie sah, wer es war.

Einer aus dem erschreckend mächtigen, megareichen Verdi-Clan. Es musste einfach so sein!

Wie oft hatte sie sich gesagt, sie würden niemals erfahren, was passiert war. Und wenn sie es durch eine grausame Laune des Schicksals tun sollten, würde sich keiner von ihnen für sie oder ihr uneheliches Kind interessieren. Sieht ganz so aus, als hätte ich mich geirrt, dachte Portia mit einem flauen Gefühl im Magen.

Die Familienähnlichkeit war quälend deutlich, von der arroganten Haltung, dem schwarzen Haar, den dunklen Augen und der Römernase bis hin zu dem schockierend sinnlichen Mund. Allerdings war der Fremde nicht so ein hübscher Playboy, wie Vito es gewesen war. Dieser Mann hatte härtere Gesichtszüge und zynische Falten um den Mund. Und er war ein gutes Stück größer und mindestens sechs Jahre älter. Vito, der Vater ihres Babys, war sechsundzwanzig gewesen, als er gestorben war. Vor sechs Wochen und vier Tagen.

Vito hatte nicht nur sie, sondern auch seine Ehefrau getäuscht, und wahrscheinlich Dutzende von anderen leichtgläubigen Frauen … Wirre Gedanken gingen Portia durch den Kopf, der nach Meinung ihrer Eltern nur Stroh enthielt.

„Portia Makepeace?“, fragte der Besucher.

Sie konnte nicht sprechen. Dass man sie gefunden hatte, war ein Schock für sie. Was würden die einflussreichen Verdis tun? Sich darum bemühen, ihr Vitos Sohn wegzunehmen, weil er einer von ihnen war? Sie durfte gar nicht daran denken!

Zu spät versuchte sie, was sie schon früher hätte tun sollen: ihm die Tür vor der Nase zuschlagen. Aber er drängte sich in die enge Diele und musterte verächtlich ihr zerzaustes, schulterlanges Haar, den alten blauen Morgenmantel, der ihre viel zu üppigen Rundungen betonte, und die lächerlichen Hausschuhe, die wie Frösche aussahen und ein Geschenk von ihrer Freundin Betty waren. Dann blickte er aufmerksam den zwei Wochen alten Sam an, den sie beschützend in ihren Armen hielt.

„Schämst du dich zu sehr, um mit mir zu reden? Das kann ich verstehen, auch wenn ich es nicht erwartet habe“, sagte der Italiener grimmig. Er hatte eine tiefe Stimme und sprach fast akzentfrei. „Du willst ja sicher nicht behaupten, dass du nicht einer Frau den Ehemann weggenommen hast oder dass ich nicht der Onkel deines Kindes bin. Das würde deinen Absichten nicht entsprechen, stimmt’s? Es wird dich freuen, zu hören, dass ich dich von Vittorios Beerdigung wieder erkenne.“

Ihr war schwindlig. Freuen? Von ihnen aufgespürt zu werden war das Letzte, was sie gewollt hatte. Aber sie hätte es wissen sollen. Ihre Eltern hatten sie davor gewarnt, an der Beerdigung ihres Liebhabers teilzunehmen. Sich seiner angesehenen Familie, besonders seiner trauernden Witwe, zu zeigen, sei geschmacklos und ein Fehler.

Portia war trotzdem hingegangen, weil sie das Gefühl gehabt hatte, dass sie es einfach tun musste. Sie hatte geplant, nur leise hineinzuschlüpfen und sich ganz hinten in der Kirche zu verstecken, wo sie unbemerkt bleiben würde. Ihr weiches Herz gewann jedoch die Oberhand über den Schock, den sie vor kurzem erlitten hatte. Sie hatte festgestellt, dass Vito sie niemals geliebt und den sprichwörtlichen großen Bogen um sie gemacht hatte, nachdem sie ihm mitgeteilt hatte, sie erwarte ein Kind von ihm. Sie wollte dem Vater ihres ungeborenen Babys die letzte Ehre erweisen, sich von ihm verabschieden. Im achten Monat schwanger, war es jedoch nicht einfach, sich zu verstecken. Und unbemerkt zu bleiben war nicht mehr möglich, als sie, von gemischten Gefühlen überwältigt, ohnmächtig wurde.

Jemand half ihr nach draußen und holte ein Glas Wasser. Eine Frau und zwei Männer sprachen italienisch mit ihr und blickten Portia dabei argwöhnisch an. Sie drängten sie schließlich, ihre Adresse zu nennen. Einer der Männer rief mit dem Handy ein Taxi, in das sie Portia diskret verfrachteten: eine ziemlich verdächtige Person, die so schnell wie möglich von der Bildfläche verschwinden musste.

Portia hatte gedacht, dass damit alles zu Ende sei. Offensichtlich hatte sie sich geirrt. Unbewusst streichelte sie die zarte Wange ihres schlafenden Babys und fand schließlich die Sprache wieder. „Ich muss mich für nichts schämen. Nichts!“, sagte sie energisch. Sie hatte Vito geliebt. Sie hatte ihn bewundert, als er ihr erzählt hatte, er würde hart arbeiten und sparen, um ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Er hatte gesagt, er liebe sie, und sie würden heiraten, sobald es finanziell möglich sei. Das hatte sie auch geglaubt. Sie hatte nicht gewusst, dass er schon verheiratet gewesen war, dass alles gelogen war, was er ihr erzählt hatte. Er hatte ihr die Heirat und ein glückliches gemeinsames Leben versprochen, weil er wohl gemeint hatte, nur so könne er sie dazu bringen, jenes Wochenende mit ihm zu verbringen.

Also welches Recht hatte der Mann, sie anzusehen, als wäre sie völlig verachtenswert?

Er stellte fest, dass sie ihn bewusst auf das neueste Mitglied der Familie Verdi aufmerksam machte. Wütend schob er die Hände in die Taschen seines maßgeschneiderten Mohairmantels. „Nur damit das klar ist: Ich wollte nicht hierher kommen. Ich war absolut dagegen, dass wir irgendeinen Kontakt mit dir haben.“ Er presste die Lippen zusammen, ehe er erklärte: „Auf dem Boden von Vittorios stark beschädigtem Auto wurde ein zerknüllter Brief von einer Portia Makepeace gefunden, in dem diese Adresse angegeben ist.“ Er verzog angewidert das Gesicht. „Der Inhalt des Briefes war hysterisch. Ich dachte, ein Schulmädchen hätte ihm geschrieben, nicht eine erwachsene, gebildete Frau. Dann fiel mir die Schwangere ein, die auf der Beerdigung die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und diese Adresse genannt hatte. Man brauchte kein Genie zu sein, um zur Wahrheit zu gelangen. Es ist das Kind meines Halbbruders.“

Portia kam nicht auf den Gedanken, es abzustreiten, aber die abschätzigen Worte des Fremden machten sie wütend. Sie war nicht hysterisch gewesen, als sie den Brief geschrieben und an das Londoner Luxusrestaurant geschickt hatte, in dem Vito angeblich als Konditor gearbeitet hatte. Er hatte gesagt, sie dürfe ihn niemals dort anrufen, weil er dadurch große Schwierigkeiten mit seinem Boss bekommen würde. Sie war einfach fast verrückt vor Sorge gewesen, weil sie wochenlang nichts von ihm gehört hatte, nicht mehr, seit er sie zuletzt angerufen und sie ihm mitgeteilt hatte, sie sei schwanger. Ihm musste irgendetwas Schreckliches zugestoßen sein. Das war die einzige Erklärung, die ihr eingefallen war.

In Wirklichkeit hatte er nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen. Inzwischen wusste Portia, warum. Und sie wusste auch, dass alles Lüge gewesen war, was er zu ihr gesagt hatte. Sie lernte gerade, sich damit abzufinden. Aber die unverzeihliche Behauptung seines Halbbruders, sie beherrsche die Schriftsprache nicht, hatte einen wunden Punkt getroffen.

„Es tut mir leid, dass ich keine Reinkarnation von William Shakespeare bin!“, stieß sie sarkastisch hervor. Sie bebte am ganzen Körper, ob aus Wut oder weil es in der Diele kalt war, wusste sie nicht. Ersteres, vermutete sie. „Ich möchte, dass du gehst.“ Das hätte ich mir sparen können, dachte sie gereizt. Der herablassende Kerl verschwand nicht. Er zog lediglich die Augenbrauen hoch und lächelte kühl.

„Du wirst übermütig. Ich könnte dich beim Wort nehmen und melden, dass mein Auftrag gescheitert sei.“ Sein Lächeln verschwand, und seine Gesichtszüge wurden härter. „Ich bin sicher, dass du das nicht willst.“ Darauf würde er seine letzte Million wetten! Trotz des Eindrucks, den dieser geistesgestört klingende Brief erweckt hatte, in dem sie sich in weinerlichem Ton über Hochzeitspläne und das Baby ausgelassen hatte, war die Frau keineswegs dumm. Sie hätte die Leute des astronomisch teuren Restaurants, das Vittorio häufig besucht hatte, weiter mit Briefen überschüttet, und dem schulmädchenhaften Gejammer wären nach der Geburt Forderungen nach hohen Unterhaltszahlungen gefolgt.

Aber Vittorio war am Steuer eines der schnellen Autos, in die er vernarrt gewesen war, umgekommen. Deshalb hatte Portia Makepeace die Vorgehensweise geändert. Vielleicht hätte er dazu geneigt, im Zweifelsfall zu ihren Gunsten zu entscheiden, wenn sie nicht die Trauerfeier im engsten Familienkreis mit diesem Ohnmachtsanfall gestört hätte, den sie, im Nachhinein betrachtet, simuliert haben musste, damit sie auch ganz bestimmt bemerkt wurde.

Als hätte irgendeins der eleganten, in Schwarz gekleideten Familienmitglieder dieses schwangere, linkische, in ein großes Taschentuch schniefende Ding in dem schäbigen braunen Mantel übersehen können! So handelte nur eine Frau, die darauf aus war, Schwierigkeiten zu machen. Er seufzte. Ihm gefiel nicht, was er tun sollte, aber er würde die Einladung aussprechen müssen. Sein Vater war unnachgiebig gewesen, nachdem ihm der Inhalt des Briefes bekannt geworden war.

„Portia, was machst du da so lange? Wer ist es?“ Godfrey Makepeace kam aus dem Wohnzimmer. Ihm war anzusehen, unter welcher Anspannung er stand, seit er von der Schwangerschaft seiner Tochter und dem gleichzeitigen Verschwinden des dafür verantwortlichen Mannes erfahren hatte. Er hatte diesen Kerl nur ein einziges Mal getroffen und ihn sofort nicht leiden können.

„Ist okay, Dad.“ Portia drehte sich zu ihrem Vater um und hatte bei seinem Anblick ein schlechtes Gewissen. Die rehbraune Strickjacke ordentlich zugeknöpft, kahlköpfig, sah er so abgehärmt und alt aus. Wieder hatte sie ihn enttäuscht, ihn und ihre Mutter. Diesmal gewaltig. Portia fühlte sich wirklich scheußlich deswegen. Ihre Eltern hatten ihr alle möglichen Gründe genannt, warum sie abtreiben sollte, und sich aufs Bitten verlegt, als Logik versagt hatte. Aber Portia hatte sich geweigert, das neue Leben zu zerstören, das in ihr heranwuchs. Das Baby konnte nichts dafür, dass sein Vater ein Lügner und Betrüger gewesen war. „Der Gentleman will gerade gehen“, sagte sie kühl.

Der „Gentleman“, hatte andere Pläne. Portia machte ein wütendes Gesicht, als er vortrat und die Hand ausstreckte.

„Lucenzo Verdi, Mr. Makepeace. Vittorio war mein Halbbruder. Ich entschuldige mich dafür, dass ich um diese Zeit störe, aber ich bin gerade erst mit einer dringenden Botschaft von meinem Vater Eduardo Verdi, Oberhaupt unserer Familie, aus Florenz gekommen.“ Er sprach nicht weiter, um die Information wirken zu lassen.

Portia hätte ihn schlagen können! Wegen der Berichterstattung nach Vitos tödlichem Unfall wusste jeder von dem eindrucksvollen internationalen Erfolg der „Verdi Mercantile Bank“ und der Stelle, die Vito in der Londoner Zentrale gehabt hatte. Das sah diesem widerlichen Kerl ähnlich, ihnen den Reichtum und den Einfluss seiner Familie unter die Nase zu reiben!

Sam bewegte sich in ihren Armen, und Portia registrierte kaum das vorsichtige „Und?“ ihres Vaters, während sie entzückt das weiche dunkle Haar betrachtete, die blauen Augen, die eines Tages sicher grau werden würden, genau wie ihre. Ihr Baby wollte gefüttert werden, und das hatte Vorrang. Sollte dieser Lucenzo doch seine „Botschaft“ übermitteln und gehen. Ihr Vater würde alle Einzelheiten weitergeben und sie diese ignorieren.

Und wenn die Verdis andeuteten oder offen drohten, dass sie um das Sorgerecht für ihren Sohn kämpfen würden, dann würde sie mit Sam einfach verschwinden. Nachdem sie diesen ermutigenden, aber auch ein bisschen gruseligen Entschluss gefasst hatte, schob sich Portia langsam an dem überwältigend großen Italiener und ihrem viel kleineren Vater vorbei und ging in die Küche, um die Flasche für Sam warm zu machen.

Fünfundvierzig Minuten später legte Portia widerstrebend den schläfrigen, zufriedenen Sam in das Kinderbett neben ihrem Einzelbett und ging zurück nach unten. Der Italiener hatte sich inzwischen wohl verabschiedet. So ein bescheidenes Haus war sicher nicht nach seinem Geschmack. Sie würde ihre Eltern fragen, worum es sich bei dieser großartigen Botschaft gehandelt hatte. Nicht, dass es sie interessierte, aber den hohen Besuch zu ignorieren würde ihre Eltern verärgern. Sie wappnete sich, betrat das Wohnzimmer und wurde blass, als sie den imponierend schlanken und muskulösen Lucenzo Verdi in dem Sessel vor dem elektrischen Kamin sitzen sah. Er wandte sich ihr zu und musterte sie von oben bis unten. Ihr blieb fast das Herz stehen, und dann klopfte es wie verrückt.

„Portia …“

Die Stimme ihrer Mutter, viel weicher und heiterer als sonst, brachte sie dazu, ihren gleichzeitig faszinierten und entsetzten Blick von dem gut aussehenden, einschüchternd strengen Gesicht des Fremden loszureißen. Sie atmete tief durch und erschauerte.

Joyce Makepeace klopfte neben sich aufs Sofa. Ihre Wangen waren gerötet, die braunen Augen strahlten, und sie lächelte.

Die pensionierte Lehrerin sah doch tatsächlich aufgeregt aus! Portia konnte es kaum glauben. Da sie keine Ahnung hatte, was sie sonst tun sollte, kam sie der Aufforderung nach, ging los und stolperte fast wegen der klobigen Hausschuhe über ihre eigenen Füße. Sie kam sich lächerlich vor und wünschte, sie hätte die Dinger niemals angezogen. Sie trug sie nur, weil Betty sie ihr gekauft hatte. Das war wirklich lieb von ihrer Freundin gewesen, und es hätte Portia unerträgliche Gewissensbisse bereitet, wenn sie die Froschpantoffel in den Mülleimer geworfen hätte, wie ihr Vater vorgeschlagen hatte.

Sie schaffte es ohne weitere Zwischenfälle bis zum Sofa und sah nervös ihre Mutter an. Anstatt wie sonst immer missbilligend die Stirn über ihre Unbeholfenheit zu runzeln, lächelte Joyce Makepeace jedoch überraschend und tätschelte ihr die Hand, als hätte Portia ein einziges Mal etwas getan, worauf ihre Eltern stolz sein konnten.

„Signor Verdi … Lucenzo hat dir etwas zu sagen, Portia.“

Er stand auf und griff nach dem eleganten, maßgeschneiderten schwarzen Mantel, den er im Wohnzimmer ausgezogen hatte. Während er ihn sich über den Arm legte, warf er der nervösen Portia einen durchdringenden Blick zu. Wenn die Tatsachen nicht wären, würde er es nicht glauben. Der charmante, unzuverlässige, treulose Vito hatte viele Affären gehabt. Die Veranlagung dazu hatte er von der Engländerin geerbt, die Eduardo Verdi fünf Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, der Mutter seines Erstgeborenen Lucenzo, geheiratet hatte. Ein Jahr später hatte Christine, wie sie es gesehen hatte, ihre Pflicht erfüllt und Vittorio zur Welt gebracht. Danach hatte sie sich auf eine Reihe von unappetitlichen Affären eingelassen.

Lucenzo presste grimmig die Lippen zusammen. Sein Halbbruder hatte schlanke, elegante, langbeinige Blondinen bevorzugt. Also was hatte er mit dieser übergewichtigen, linkischen Portia Makepeace angefangen? Eine Blondine, zugegeben, aber damit endete auch schon jede Ähnlichkeit. Ihr Haar war ungepflegt, und keine Frau mit Selbstachtung würde ihre Füße in knallgrüne Dinger stecken, die aussahen wie gigantische aufgeblasene Frösche!

Sie musste Vittorio in einem schlechten Moment erwischt haben. Wahrscheinlich war er betrunken gewesen, und sie hatte sich ihm an den Hals geworfen … „Tut mir leid, aber ich komme schon zu spät zu einem Termin.“ Lucenzo sah demonstrativ auf die goldene Uhr an seinem Handgelenk. Er hatte genug. Sein Vater hatte nicht auf seine Warnungen hören wollen, und jetzt würde die habgierige, intrigante Portia Makepeace all das bekommen, wovon sie schon immer geträumt hatte. Lucenzo musterte sie kalt. „Deine Eltern werden die Wünsche meines Vaters weitergeben. Wir sehen uns in sechs Wochen. Eine meiner Sekretärinnen wird sich mit dir in Verbindung setzen und den Tag und die Uhrzeit abmachen.“

Eine seiner Sekretärinnen? Wie viele hatte der Mann? Und was sollte das heißen, „wir sehen uns in sechs Wochen“? Das war alles, woran Portia denken konnte, während ihr Vater, der zur Abwechslung einmal wirklich munter aussah, den Italiener hinausbegleitete.

„Lucenzo Verdi ist ein Gentleman“, sagte ihre Mutter. „Ganz anders als sein Halbbruder. Ich wusste von Anfang an, dass der ein Schurke ist.“

„Du hast ihn nur einmal getroffen“, erinnerte Portia sie niedergeschlagen. Sie hatte Vito so gut wie hierher zerren müssen. Aber sie hatten darüber gesprochen, sich zu verloben, deshalb hatte sie darauf bestanden, dass er ihre Eltern kennen lernte. Und er hatte sie gebeten, ein Wochenende mit ihm zu verbringen.

„In einem ruhigen und abgelegenen Hotel“, hatte er gesagt. „Es muss nicht teuer sein, und wenn du kein Geld für einen Verlobungsring verschwenden willst, können wir das Ereignis doch zumindest mit einem gemeinsamen Wochenende zu etwas Besonderem machen. Du weißt, wie sehr ich dich liebe und begehre, carissima. Oder quälst du mich gern?“

„Ein einziges Mal hat völlig gereicht. Jeder mit nur einem Funken Intelligenz hätte ihn sofort durchschaut“, erwiderte Joyce trocken.

Tränen traten Portia in die Augen. Hatten alle anderen auf der Welt mehr Verstand als sie? Hatten ihre Eltern recht, wenn sie ihr vorwarfen, sie sei jedermanns beste Freundin, zu naiv, um irgendeinem Menschen Böses zuzutrauen, so leichtsinnig, dass sie die ausgestreckten Handflächen jedes Bettlers füllte, den sie sah?

Nicht wirklich, dachte sie. Sie hatte Lucenzo Verdi Böses zugetraut, sobald sie ihm aufgemacht hatte, stimmt’s? Und wenn ihre Mutter gehört hätte, was er da zu ihr gesagt hatte, würde sie ihn ganz bestimmt nicht einen „Gentleman“ nennen.

Sich an einen Strohhalm klammernd, fragte Portia hoffnungsvoll: „Hast du erklärt, dass ich nichts von Vitos Ehe und dem Reichtum seiner Familie gewusst habe?“ Sie hatte keine Gelegenheit gehabt, es selbst zu erklären. Und selbst wenn, sie hatte das Gefühl, dass Lucenzo Verdi ihr nicht geglaubt hätte. Aber wenn es von ihren Eltern kam, die so offensichtlich ehrbar und solide waren …

„Das war nicht notwendig. Als erst einmal einwandfrei feststand, dass sein Bruder der Mann war, zu dem du eine Beziehung hattest und von dem du schwanger warst, schien es sinnlos zu sein, schlecht von dem Toten zu reden. So ein Verlust muss schwer zu ertragen sein. Lucenzo die Fehler seines Bruders unter die Nase zu reiben war wohl kaum angebracht.“

Und sinnlos, die Integrität ihrer Tochter zu verteidigen, dachte Portia niedergeschlagen. Vitos Gesicht auf der Titelseite der Tageszeitung zu sehen war ein Schock gewesen, den sie noch nicht verarbeitet hatte. Und sich an den Text unter dem Foto zu erinnern bereitete ihr Übelkeit.

Vittorio Verdi, jüngerer Sohn des international erfolgreichen Bankiers Eduardo Verdi, starb unter tragischen Umständen, als er mit seinem Ferrari von der Straße abkam. Seine Beifahrerin, das Model Kristi Hall, überlebte den Unfall. Ihr Zustand soll stabil sein. Vittorio hinterlässt eine trauernde Witwe …

Tränen wegblinzelnd, stand Portia auf. „Ich gehe ins Bett.“

„Willst du nicht wissen, was der Großvater deines Kindes vorschlägt?“

Ihre Mutter klang entsetzt. Portia blickte sie verständnislos an. „Dad?“

„Versuch doch mal, nicht so dumm zu sein! Sams italienischer Großvater, natürlich!“

Stirnrunzelnd überlegte sie, wie sie erklären sollte, dass sie lieber den Kopf in den Sand stecken und es nicht wissen wollte. Am Morgen würde sie besser mit der Beschuldigung fertig werden können, einer anderen Frau den Ehemann weggenommen zu haben. Oder, viel schlimmer, mit der Drohung, sie vor Gericht zu bringen, um das Sorgerecht für ihren Sohn zu erstreiten. Welche Chance hätte sie gegenüber dem Reichtum und dem Einfluss der mächtigen Verdis?

Sich bewusst, dass ihre Mutter verärgert war, war Portia sehr dankbar, als ihr Vater das Zimmer betrat.

Er rieb sich breit lächelnd die Hände. „Das ist ein prächtiger junger Mann. Vornehm, aber kein Angeber.“ Godfrey Makepeace strahlte seine Tochter an. „Und? Wie findest du das? Noch sechs Wochen, dann wirst du in der sonnigen Toskana im Luxus leben.“

2. KAPITEL

„Ich könnte es mir immer noch anders überlegen“, sagte Portia. Ihre Stimme zitterte vor Nervosität, und sie atmete tief durch, um sich zu beruhigen. „Sogar jetzt noch“, betonte sie hoffnungsvoll. Obwohl Lucenzo Verdi jeden Moment erwartet wurde. Obwohl ihr Gepäck die kleine Diele füllte und Sam gefüttert und gewickelt reisefertig in der Babytragetasche zu ihren Füßen schlief.

„Sei nicht so albern!“, sagte Joyce Makepeace wütend, während sie angestrengt durch den Store blickte. „Das haben wir in den vergangenen sechs Wochen schon tausendmal durchgekaut! Natürlich kannst du es dir nicht anders überlegen. Du musst fahren. Was bleibt dir denn sonst übrig?“ Sie seufzte ungeduldig und ließ die gewohnte, abgenutzte Litanei vom Stapel. „Wenn du dich in der Schule konzentriert hättest, anstatt in einer Traumwelt zu leben, hättest du vielleicht das nötige Rüstzeug für einen ordentlichen Beruf und könntest dir eine eigene Wohnung und eine anständige Kinderbetreuung leisten. Dein Vater und ich bekommen nicht so viel Rente, dass wir dich und das Baby unterhalten können.“

„Wenn ich wieder arbeiten gehe …“

„Dein Job ist weg.“

„Mr. Weston hat gesagt, er würde mich wieder nehmen. Das Mädchen, das er eingestellt hat, als ich in Mutterschaftsurlaub gegangen bin, weiß, dass es nur eine Aushilfskraft ist.“

„Und ich soll wohl babysitten? Und wie willst du dich selbst und ein Kind vom Lohn einer Serviererin ernähren? Außerdem wird Sam nicht ewig ein Baby bleiben.“

Portia biss sich auf die Lippe. Es stimmte. Die Arbeit, die ihr Spaß gemacht hatte, war sehr schlecht bezahlt worden. Eine Serviererin sei auf Trinkgelder angewiesen, hatte ihr Mr. Weston erklärt. Das Problem war, dass sich die Gäste von „Joe’s Place“ keine Trinkgelder leisten konnten. Es waren hauptsächlich Senioren, die sich bei einer einzigen Tasse Tee und einem süßen Brötchen aufhielten, während sie nach dem Einkaufen mit Bekannten plauderten. Und abgesehen von den fehlenden Trinkgeldern hatte sie auch oft von ihrem Geld herzhafte Käse- oder Schinkensandwiches für eine alte Dame gekauft, die immer am Rentenzahltag hereingekommen war, immer allein gesessen und niemals mehr als eine Tasse Tee bestellt hatte. Sie hatte so gebrechlich und blass ausgesehen und war mitleiderregend dankbar gewesen, wenn Portia ihr den Teller hingestellt und sich irgendeinen Grund ausgedacht hatte, warum sie mehr als bestellt servierte, damit sich die alte Dame nicht wie eine Almosenempfängerin fühlte.

Autor

Diana Hamilton

Diana Hamilton gehört zu den populären britischen Autorinnen für Liebesromane. Seit 1986 wurden über 50 Romane von ihr veröffentlicht.

Bereits als Kind trainierte Diana Hamilton ihre Fantasie. Gern wäre das Stadtkind auf dem Land geboren, deshalb verwandelte sie den Baum im Garten des Nachbarn in einen Wald, aus...

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