Prickelndes Spiel mit dem Feuer

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Ausgerechnet Finn McConnell! Es geht um den wichtigsten Auftrag in Zoeys Karriere und den soll sie gemeinsam mit dem berüchtigtesten Playboy von New York erledigen! Für Zoey zählt nur, sich in ihrem Job zu beweisen, damit ihr Vater sie endlich akzeptiert. Doch Finn ist mit seinem charmanten Lächeln und der sexy Bariton-Stimme verführerischer als gedacht. Seine Nähe wird zum prickelnden Spiel mit dem Feuer und lässt Zoey von süßen Küssen träumen. Mehr als eine heiße Nacht kann es für sie beide allerdings nicht geben, dafür sind sie zu verschieden!


  • Erscheinungstag 27.07.2021
  • Bandnummer 2503
  • ISBN / Artikelnummer 9783733718893
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Kaum hatte Zoey das Auditorium in London betreten, in dem die Konferenz der Werbebranche stattfand, entdeckte sie ihn. Es war nicht schwer, Finn McConnell in der Menge auszumachen. Er war immer von einem Pulk Frauen umgeben, die ihn anschwärmten. Mit seinen mehr als ein Meter neunzig überragte er alle, und mit seinem Aussehen konnte er eine Frau, die nicht aufpasste, mitten ins Herz treffen.

Doch dieses eine Mal gestattete Zoey sich, ihn insgeheim selbst ein wenig anzuschmachten. Sie mochte ihn zwar leidenschaftlich hassen, aber das hieß nicht, dass sie nicht einige Punkte an ihm bewunderte – wie zum Beispiel seinen straffen, durchtrainierten Körper, seine muskulösen Beine, die unglaublich breiten Schultern, seinen wohlgeformten Kiefer und die lachenden braunen Augen. Andere Punkte hingegen gefielen ihr nicht so sehr. Würde es eine Akademie für Arroganz geben, wäre Finn McConnell Klassenbester.

Als hätte er gespürt, dass sie ihn anstarrte, wandte Finn seinen Kopf in ihre Richtung und hob leicht die schwarzen Augenbrauen. Während er sie mit spöttischem Blick betrachtete, war Zoey froh, dass man sie nicht so leicht zum Erröten bringen konnte. Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, bei dem ihr ein wohliger Schauer über den Rücken lief. Es war das Lächeln eines Eroberers, eines Mannes, der genau wusste, was er wollte und wie er es bekommen würde.

Er verließ die Schar seiner Bewunderinnen und schlenderte zielbewusst in Zoeys Richtung. Sie wusste, dass sie sich umdrehen und den nächsten Ausgang ansteuern sollte, bevor er bei ihr war, doch ihre Füße schienen ihr nicht gehorchen zu wollen. Als hätte er sie mit seinem gebieterischen Blick erstarren lassen. Sie versuchte immer, nicht allein mit ihm zu sein, weil sie nicht wusste, ob sie dem Drang widerstehen könnte, ihn zu schlagen oder sich in seine Arme zu werfen. Warum ausgerechnet er solch eine Wirkung auf sie hatte, war ihr schleierhaft. Er war zu selbstbewusst, zu charmant, zu männlich.

Finn blieb schließlich so nahe vor ihr stehen, dass sie den Zitrusduft seines teuren Aftershaves riechen konnte und das teuflische Leuchten in seinem Blick bemerkte, das besagte: Jetzt wird es lustig. „Guten Morgen, Ms. Brackenfield.“

Seine Verbeugung und sein gespielt förmlicher Ton stachelten Zoeys Hass noch mehr an, und das Blut kochte in ihren Adern. Zoey straffte die Schultern und setzte einen kühlen Blick auf. „Wie es aussieht, hast du dein Liebesleben für die nächsten Monate schon in trockenen Tüchern“, meinte sie steif und sah kurz zu der Frauengruppe, die er eben stehen gelassen hatte. Ihre Stimme troff vor eisiger Verachtung.

Sein Lächeln wurde noch breiter, und das Leuchten in seinen Augen schimmerte so hell, dass Zoey ein Kribbeln überlief. „Mit der Gruppe könnte ich in einer Woche durch sein.“ Bei seinem tiefen, sexy Bariton musste sie an zerwühlte Laken und verschwitzte Körper denken. An Bedürfnisse, die sie seit Monaten ignorierte und es auch weiter tun würde … zumindest würde sie es versuchen. Was jedoch nicht so einfach war, da Finn so verdammt sexy aussah und so nah vor ihr stand, dass sie ihn berühren könnte.

In Gesellschaft von Finn geriet sie immer aus dem Lot. Ihre übliche Gelassenheit wurde verdrängt von dem Verlangen, ihm ins Gesicht zu schlagen und ihn mit einer Flut von unflätigen Beleidigungen zu bombardieren. Leicht hob sie das Kinn, entschlossen, seinem Blick standzuhalten, ohne zusammenzuzucken. „Was mich zu der Frage bringt, ob du eine Drehtür in deinem Schlafzimmer hast.“

Finn sah zu ihrem Mund, und bei seinem trägen Lächeln erfasste sie erneut ein Schauer. „Du bist herzlich willkommen, es irgendwann selbst herauszufinden.“

Zoey umfasste ihre Stofftasche, die über ihrer Schulter hing, um ihre Hände zu beschäftigen. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, dann zwei, dann drei, als würde sie plötzlich unter schweren Herzrhythmusstörungen leiden. „Funktioniert dieser Spruch normalerweise bei dir?“ Wäre ihre Stimme noch eine Spur frostiger gewesen, müsste man die Heizung im Auditorium andrehen.

„Immer.“ Bei seinem trägen Lächeln kribbelte ihr Nacken, und ihre Willensstärke meldete sich krank.

Zoey merkte genau, warum er den Ruf eines Playboys hatte. Er war der personifizierte Charme. Aber sie würde ihm widerstehen, selbst wenn es sie umbringen sollte. Sie verzog die Lippen zu einem schmalen Lächeln. „Ich lasse dich jetzt besser zu deinen gierigen Fans zurückgehen.“

Sie wollte sich abwenden, doch er hielt sie zurück, indem er seine Finger leicht auf ihr Handgelenk legte und damit einen Stromschlag durch ihren Körper jagte. Wenig später nahm er seine Hand wieder weg, aber das Gefühl blieb und wanderte von ihrem Handgelenk ihren Arm hinauf und den Rücken hinunter, wie ein kleines zischendes Feuerwerk.

„Ich hatte eigentlich damit gerechnet, deinem Dad hier zu begegnen. Vielleicht habe ich ihn in der Menge übersehen.“ Finns Blick schweifte durch das Auditorium, ehe er Zoey erneut musterte. „Er hat neulich in einer Nachricht erwähnt, dass er sich mit mir auf einen Kaffee treffen wolle.“

Zoey konnte sich nicht vorstellen, was Finn mit ihrem Vater gemeinsam haben sollte, außer dass sie beide Werbeagenturen besaßen. Und was den Kaffee betraf – es wäre schön, würde ihr Vater nur von Koffein abhängig sein. Es war kein Geheimnis, dass ihr Dad ein Alkoholproblem hatte. Denn er hatte sich in der Öffentlichkeit schon zu oft blamiert, auch wenn sie sich bemühte, ihn davon abzuhalten, seiner Agentur damit zu schaden.

Sie wollte die Brackenfield Werbeagentur von ihrem Vater übernehmen, wenn er aufhörte. Sie hatte ihre Karriere darauf ausgerichtet und würde fast alles tun, um das Unternehmen über Wasser zu halten. Was bedeutete, dass sie sich manchmal ein wenig bloßgestellt fühlte, wenn es darum ging, mit ihrem Vater fertigzuwerden. Im Moment war er zu Hause, um wieder einmal einen Kater auszukurieren. Und der stammte ganz sicher nicht von zu viel Koffein.

„Mein Vater ist heute zu Hause, um einiges an Arbeit aufzuholen.“

„Dann könnten wir beide vielleicht einen Kaffee trinken.“

„Ich habe zu tun.“ Zoey hob ihr Kinn und kniff die Augen zusammen. „Ich wusste gar nicht, dass du und mein Vater Busenfreunde seid.“

Ein rätselhaftes Lächeln umspielte seinen Mund. „Geschäftsrivalen können doch trotzdem Freunde sein, oder nicht?“

„Der Meinung bin ich nicht.“ Zoey rieb ihr Handgelenk, verärgert darüber, dass ihre Haut noch immer prickelte. Eines war sicher – sie würde niemals Finn McConnells Freundin sein. Er war ein Spieler, und davon hatte sie genug. Für immer. Sie zog den Ärmel wieder über ihr Handgelenk. Seit Monaten hatte sie kein Mann mehr angefasst. Warum sollte Finns Berührung solch eine starke Wirkung auf sie haben?

Sie konnte nicht leugnen, dass er ungeheuer attraktiv war. Groß, schlank, athletisch und mit olivfarbener Haut sah er von Kopf bis Fuß wie ein weltgewandter, aalglatter Geschäftsmann aus. Obwohl enorm vermögend, war er heute lässig gekleidet, wie die meisten hier. Sein leichter Pulli mit dem Rundhalsausschnitt betonte seine breiten Schultern und die blaue Hose seine langen muskulösen Beine.

Auch wenn er lässig aussah, war er in Bezug auf seine Agentur alles andere als locker. Er war rücksichtslos und zog so lukrative Aufträge an Land, dass Zoey vor Neid nur erblassen konnte.

Sie spürte seine starke Sinnlichkeit und war sich seiner Anwesenheit bewusst, wie noch bei keinem Mann zuvor. Zoey kannte ihn schon seit einigen Jahren, weil sie ihm bei verschiedenen Ausschreibungen über den Weg gelaufen war. Vor ein paar Monaten war er ihr einziger Konkurrent bei einem Auftrag gewesen, und es machte sie immer noch rasend, dass er ihn bekommen hatte. Was, wie sie wusste, vor allem daran lag, dass ein Freund von ihm im Aufsichtsrat des Unternehmens saß – besser gesagt eine Freundin.

„Ich habe gehört, dass du einen Entwurf für den Frascatelli-Auftrag vorstellen willst“, sagte Finn mit einem breiten Lächeln. „Leonardo Frascatelli zieht nur drei Vorschläge für seine Kampagne in die engere Auswahl. Also ein Kampf zwischen Freunden, nicht wahr?“

Zoey zuckte zusammen. Oh nein, hieß das, er wollte auch antreten? Mit nur drei Kandidaten im Rennen war sie zuversichtlich gewesen, eine Chance zu haben. Aber was würde passieren, wenn Finn auch dabei war?

Der Auftrag der italienischen Hotelkette war der größte, um den sie sich je beworben hatte. Und falls sie ihn bekäme, müsste sie sich keine Sorgen mehr darum machen, dass ihr Vater das Geschäftsvermögen verprasste. Sie könnte ihm endlich beweisen, dass sie das Zeug dazu hatte, die Agentur zu leiten. Zoey fuhr mit der Zunge über ihre plötzlich staubtrockenen Lippen, und ihr Herz schlug so schnell, dass es zu explodieren drohte. Sie musste diesen Auftrag einfach ergattern.

Und vor allem nicht Finn McConnell.

An diesem Abend wollte sie nach New York fliegen und am nächsten Tag ihren Entwurf vorstellen. Die Präsentation befand sich auf ihrem Laptop, der zusammen mit ihrer Reisetasche in der Garderobe stand. Hieß das, er würde auch nach New York fliegen? „Mir fällt keine einzige Gelegenheit ein, bei der ich mich als mit dir befreundet bezeichnen würde.“

„Nicht sehr kreativ von dir“, meinte er süffisant und musterte sie langsam von Kopf bis Fuß. „Mir fallen viele ein.“

Zoey warf ihm einen eisigen Blick zu. „Ich kann mir vorstellen, mit was für einem lächerlichen Szenario jemand mit deiner Denkweise daherkommen würde.“

Finn stieß ein tiefes Lachen aus, bei dem ihr ein Kribbeln über den Rücken lief. Zur Hölle mit diesem Mann, der so unglaublich attraktiv war. Warum konnte er nicht wenigstens einen körperlichen Makel haben? Seine wohlklingende Stimme war eines der ersten Dinge, die ihr an ihm aufgefallen waren. Er könnte den langweiligsten, ermüdendsten Geschäftsbericht vorlesen, und sie würde trotzdem an seinen Lippen hängen. Und wenn sie in seine lächelnden braunen Augen sah, regte sich etwas in ihr, auch wenn sie noch so sehr versuchte, seinem geübten Charme nicht zu verfallen.

Sein Mund war wohlgeformt und versprach erotische Kompetenz. Ein Mund, von dem sie sich wohlweislich fernhalten sollte. Denn sie würde sich ganz sicher nicht in die endlose Schlange der Frauen einreihen, um in seinem Bett zu landen.

„Dazu möchte ich lieber nichts sagen.“ Er warf ihr ein Lächeln zu. „Vielleicht wärst du sonst zutiefst schockiert.“

Zoey hatte immer noch Mühe, sich von seinem trägen Lächeln zu erholen. Sie spürte ein leichtes Prickeln zwischen den Schenkeln und hasste sich dafür, dass sie so schwach war. Auch wenn er noch so scharf war, musste sie ihm widerstehen. Sie wäre nur eine weitere Kerbe in seinem Bettpfosten, eine flüchtige Affäre, die er nur als eine weitere Eroberung ansehen würde.

„Nichts an dir würde mich schockieren, Finn. Du bist so ermüdend vorhersehbar, dass es ekelerregend ist.“ Was nicht ganz stimmte. Er ließ sie wie kein anderer Mann zuvor nicht zur Ruhe kommen. Ständig überraschte er sie mit seiner brillanten Schlagfertigkeit. Sie genoss sogar ihre Wortgefechte – Gott möge ihr verzeihen. Sie erregten sie insgeheim, weil seine Schlagfertigkeit der ihren mehr als ebenbürtig war.

Finns Augen leuchteten auf, als wäre ihre achtlos dahingeworfene Bemerkung eine Herausforderung für ihn, der er sich stellen wollte. „Dann muss ich mich wohl mehr anstrengen, damit du vielleicht eine bessere Meinung von mir bekommst.“ Er schenkte ihr ein Lächeln, bei dem ihr wieder heiß wurde.

„Finn!“ Eine junge Blondine stöckelte auf schwindelerregend hohen Absätzen auf ihn zu und wedelte mit einer Visitenkarte in der Luft herum, die sie in ihren perfekt manikürten Fingern hielt. „Ich habe vergessen, dir meine Nummer zu geben. Ruf mich an, damit wir uns bald treffen können.“

Finn nahm die Karte und steckte sie in seine Hosentasche, immer noch ein Lächeln auf dem Gesicht. „Mach ich.“

Die junge Frau sah aus, als hätte sie gerade den Hauptpreis bei einer Lotterie gewonnen. Ihre Augen strahlten so hell, dass sie ein ganzes Fußballstadion hätte erleuchten können. Sie winkte Finn mit den Fingerspitzen, dann stöckelte sie wieder zurück zu ihren schnatternden Freundinnen.

Zoey verdrehte die Augen und tat so, als müsste sie sich übergeben, ehe sie Finn ansah. „Also wirklich.“

„Sie ist eine Praktikantin. Ich betreue sie.“

Zoey verschluckte sich beinahe an einem zynischen Lachen. Sie wusste nicht, was sie mehr ärgerte – seine unbewegte Miene oder dass er glaubte, sie würde sich davon hinters Licht führen lassen. „Im Sitzungs- oder im Schlafzimmer?“

Unverwandt sah er sie an, während es um seine Mundwinkel zuckte. „Deine Eifersucht ist ungeheuer schmeichelhaft. Wer hätte gedacht, dass hinter der Maske der Eisprinzessin eine Frau steckt, die so heiß auf mich ist?“

Zoey ballte die Hände zu Fäusten, während sie vor Wut nur noch rotsah. Es machte ihm Spaß, sie zu reizen, das erkannte sie in seinem Blick. Und er ließ nie eine Gelegenheit aus, sie zu provozieren. Er spielte mir ihr, und sie war so dumm, darauf zu reagieren. Aber wie sollte sie ihn auch ignorieren können? Das war unmöglich bei einem Mann wie ihm. Wie gern hätte sie ihm ins Gesicht geschlagen. Ihm gegen das Schienbein getreten. Oder ihm mit ihren Nägeln – nicht manikürt – das Gesicht zerkratzt.

Und – Gott helfe ihr – wie gern würde sie mit ihm schlafen, um herauszufinden, ob er wirklich ein so aufregender Liebhaber war, wie man sich erzählte. Nicht dass sie diesem Wunsch je nachgeben würde. Seit sie von ihrem langjährigen Freund betrogen worden war, hatte sie genug von Männern. Sie hatte sich Rupert ganz hingegeben, und sein Betrug hatte sie aus heiterem Himmel getroffen. Sie wollte sich nicht mehr auf die Komplikationen und Kompromisse einer Beziehung einlassen.

Doch wann immer sie in Finn McConnells Nähe war, spielten ihre weiblichen Hormone komplett verrückt. In seiner Gegenwart war sie sich ihres Körpers sehr bewusst, und es war beinahe unmöglich, dieses Kribbeln der Lust zu ignorieren. Aber das musste sie. Mit dem Feind zu schlafen kam für sie nicht infrage.

Zoey warf ihm einen wütenden Blick zu, während sie versuchte, ihren Zorn im Zaum zu halten. „Ich würde nicht einmal mit dir schlafen, wenn du mir Abermillionen Pfund geben würdest.“

Seine dunklen Augen funkelten, und sein selbstbewusstes Lächeln war kaum zu ertragen. „Ach, Süße, du glaubst doch sicher nicht, dass ich zu den Männern gehöre, die für Sex bezahlen müssen.“ Er trat näher, legte zwei Finger unter ihr Kinn und sah ihr in die Augen. „Spürst du das?“ Seine Stimme war zu einem heiseren Knurren geworden, sein Blick hypnotisierend.

„Was … was soll ich spüren?“ Zoey ärgerte sich, dass ihre Stimme zitterte. Ihr Herz hämmerte wie verrückt, und Finns Finger an ihrem Kinn sandten sengende Hitze durch ihren Körper.

Finn fuhr mit dem Daumen über ihr Kinn. Sein warmer Atem, der nach Pfefferminz roch, strich über ihre Lippen und vermischte sich mit ihrem eigenen. „Die Energie, die wir zusammen erschaffen. Ich habe es sofort gespürt, als du den Raum betreten hast.“

Sie würde auf keinen Fall zugeben, dass sie genauso empfand. Zoey spürte ein Prickeln zwischen den Beinen, als hätte er sie dort berührt. Warum trat sie nicht zurück? Weshalb schlug sie ihm nicht in sein arrogantes Gesicht? Sie stand unter einem sinnlichen Bann, gefesselt von dem Gefühl seines Daumens, mit dem er ihr Kinn streichelte. Berauscht von dem frischen, sauberen Duft seiner Kleidung und seinem Aftershave, das nach Goldmelisse roch.

Ihr war fast schwindlig, weil er ihr so gefährlich nahe war. Auch wenn er sie nur mit dem Daumen berührte, spürte sie, wie die Hitze weiterhin ihren Körper durchflutete.

Zoey hatte seit Monaten keinen Sex mehr gehabt. Sie hatte seit vielen Wochen nicht einmal daran gedacht. Doch jetzt schwirrten Bilder in ihrem Kopf herum, wie sie mit Finn im Bett lag und leidenschaftlichen Sex hatte. Sie bezweifelte nicht, dass es umwerfend mit ihm sein würde. Denn allein seine Nähe weckte eine Sehnsucht in ihr, die sie am liebsten verdrängen, niederknüppeln wollte. Es war ein anhaltend süßer Schmerz zwischen ihren Schenkeln, den er durch seine Berührung geweckt hatte.

Trotzdem schaffte sie es irgendwie, sich wieder zusammenzureißen. „Das bildest du dir nur ein …“ Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, entzog sich Finn und rieb über ihr Kinn, ehe sie ihm einen vernichtenden Blick zuwarf. „Solltest du mich je wieder berühren, übernehme ich für die Folgen keine Verantwortung“, meinte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen.

Er tat, als würde er erschauern, während sein ausgelassenes Lächeln seine Augen aufleuchten ließ. „Hör zu, Süße, du wirst diejenige sein, die darum bettelt, dass ich dich wieder berühre. Ciao.“

Ohne ein weiteres Wort ging er davon und ließ Zoey vor Wut schäumend zurück. Sie hasste ihn jetzt noch mehr, weil sie das entsetzliche Gefühl hatte, er könnte vielleicht recht haben.

2. KAPITEL

Finn stand gerade am Londoner Flughafen Heathrow in der Schlange vor der Sicherheitskontrolle der Business Class, als er Zoey Brackenfield entdeckte, die zwei Personen vor ihm stand. Er hatte ihre Anwesenheit bereits gespürt, bevor er sie gesehen hatte, als hätte er eine Warnung erhalten, dass sie sich in seiner Nähe befand. Bei der Konferenz an diesem Morgen war es genauso gewesen. Er hatte sie in dem Raum gespürt wie eine Störung des elektromagnetischen Felds. Ein Kribbeln erfasste seine Kopfhaut und lief über seinen Rücken – auch bekannt als toll gewordene Lust.

Finn freute sich immer darauf, sie bei den verschiedenen Veranstaltungen der Werbebranche zu sehen. Es machte ihm Spaß, sie zu provozieren, was erfreulich einfach war. Sie war kratzbürstig und zickig und machte ihn mit ihrer scharfen Zunge bei jeder sich bietenden Gelegenheit nieder. Aber tief im Inneren wusste er, dass sie hinter ihrer spröden Fassade genauso scharf auf ihn war wie umgekehrt. Schon seit Monaten lieferten sie sich immer wieder Wortgefechte, und er wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bevor sie dem Verlangen nachgab, das jedes Mal zwischen ihnen aufflammte.

Jetzt nahm Zoey ihren Laptop aus der Tasche und legte ihn für den Scanner auf ein Tablett. Er merkte, dass sie den gleichen Laptop hatte wie er – selbst die graue Tasche war gleich. Zwei Dumme, ein Gedanke, dachte er amüsiert und trat vor, um sich ein Tablett vom Stapel zu nehmen.

Sie legte ihre Stofftasche auf ein weiteres Tablett und trat dann wartend zur Seite, wobei sie nicht sehr geduldig wirkte. Sie schob ihren linken Ärmel hoch und sah auf ihre Uhr, ehe sie die halblangen seidig schwarzen Haare zurückwarf. Sie trug eine enge schwarze Lederhose, die ihre langen schlanken Beine und den wohlgeformten kleinen Po bestens zur Geltung brachte. Dazu eine hellblaue Bluse, und als sie sich hinunterbeugte, um ihre High Heels auszuziehen, erhaschte er einen erfreulichen Blick in ihren Ausschnitt. Verlangen schoss in seine Lenden.

Als hätte sie seinen Blick gespürt, richtete sie sich wieder auf und sah ihn mit einem Stirnrunzeln an, die Lippen geschürzt.

Finn lächelte und schob seinen Laptop weiter vor über das Transportband. Dann machte er seinen Gürtel auf, um ihn zu seiner Uhr, seiner Geldbörse und den Schlüsseln auf das Tablett zu legen. Zoeys Augen folgten der Bewegung seiner Hände, als er den Gürtel öffnete, und zwei rote Flecken erschienen auf ihren Wangen. Dann biss sie sich auf die Lippe und wandte sich schnell ab, als hätte sie Angst, er könnte sich ganz ausziehen. Wären sie allein, hätte er das sicher getan und ihr zu gern dabei zugesehen, wie sie sich ebenfalls auszog.

Es gab eine leichte Verzögerung, weil jemand vor Zoey vergessen hatte, die Münzen aus seiner Tasche zu nehmen. Als Zoey dann durch die Sperre ging, um ihre Sachen vom Förderband zu nehmen, kamen Finns Habseligkeiten ebenfalls am anderen Ende zum Vorschein. Sie warf ihm kaum einen Blick zu, als sie nach ihrem Laptop und ihrer Stofftasche griff und dann weitereilte. Doch kurz danach wurde sie durch eine Personenkontrolle aufgehalten, die hin und wieder wahllos vorgenommen wurde. Sie stieß die Luft aus und folgte dem Mann in Uniform, um elektronisch abgetastet zu werden.

Gedankenverloren schob Finn seinen Laptop wieder in die Tasche, während sein Blick wie von einem starken Magneten angezogen zu Zoey schweifte. Sie war so verdammt süß, dass er es kaum aushalten konnte. Doch er musste weitergehen, weil hinter ihm Leute durch die Sperre drängten. Er hängte die Laptoptasche über die Schulter, legte seinen Gürtel wieder um und steckte Geldbörse, Handy und Schlüssel in seine Hosentaschen.

Dann schaute er wieder zu Zoey und musste lächeln, als er ihre frustrierte Miene bemerkte. Sonst war er bei jedem Flug kontrolliert worden, doch heute musste sein Glückstag sein. Er wurde nicht abgetastet, wobei er nichts dagegen gehabt hätte, wenn Zoey diese Aufgabe übernommen hätte.

Schließlich bekam Zoey Entwarnung, sammelte ihre Sachen ein und ging mit hoch erhobenem Kopf an ihm vorbei, wobei sie ihn bewusst ignorierte.

„Hast du Zeit für einen Drink?“, fragte Finn, als er sie mit ein paar Schritten eingeholt hatte.

„Nein danke. Ich will meinen Flug nicht verpassen.“ Selbst das Klackern ihrer High Heels auf dem Boden klang verärgert.

„Welchen Flug nimmst du denn?“

Sie nannte ihm die Fluglinie und die Abflugzeit, und er spürte, dass er ein wenig enttäuscht war. Was hätte in siebeneinhalb Stunden in ihrer Gesellschaft nicht alles passieren können? Allein der Gedanke daran erregte ihn schon.

„Viel Glück mit deiner Präsentation“, meinte er lächelnd. „Vielleicht gewinnt der Beste.“

Zoey blieb stehen, um ihn anzusehen, und schoss mit ihren violetten Augen tödliche Pfeile ab. „Hätte es gleiche Wettbewerbsbedingungen gegeben, hätte ich beim letzten Mal schon gewonnen, als wir uns um den gleichen Auftrag bemüht haben. Sag mal, hast du mit irgendjemandem geschlafen, um die Entscheidung des Vorstands zu beeinflussen?“

„Auf solche Spielchen muss ich nicht zurückgreifen, Sweetheart, denn ich mache einfach einen verdammt guten Job. Aber dein Entwurf war auch gut. Und die Werbung für Hundefutter, die du vor einer Weile gemacht hast, hat mir wirklich gefallen. Süß, wirklich süß.“

Sie blinzelte übertrieben heftig, während sie eine Hand auf ihre Brust legte, als würde ihr Herz zu schnell schlagen. „Oh mein Gott. Habe ich richtig gehört? Du hast mir gerade ein Kompliment gemacht?“

Finn musste lachen, weil sie sich schockiert gab. „Hat dir noch nie jemand gesagt, wie brillant du bist?“

„Nicht dass ich wüsste.“ Sie warf ihm einen überheblichen Blick zu, ehe sie hinzufügte: „Aber du hast zweifellos von Geburt an schon Komplimente bekommen.“

Wenn sie nur wüsste, wie weit entfernt von der Wahrheit sie damit lag. Seit seinem sechsten Lebensjahr hatte Finn seine Eltern kaum gesehen. Für ihren chaotischen Lebensstil war die Erziehung eines Kindes mit zu vielen Einschränkungen verbunden. Sie hatten es nicht geschafft, nach einer Nacht voller Alkohol und Drogen früh genug aufzuwachen, um ihn für die Schule fertigzumachen oder ihn danach abzuholen. Deshalb hatten sie ihn bei entfernten Verwandten abgeladen, die ihn nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen hatten. Dass er damals viele Komplimente bekommen hatte, daran konnte er sich nicht erinnern. Stattdessen war ihm mehr als deutlich gemacht worden, dass er eine Belastung war und man sich nur aus Pflichtgefühl um ihn kümmerte.

„Du wärst überrascht“, sagte Finn mit einem hohlen Lachen.

Zoey sah ihn noch einen Moment an, die Stirn leicht gekräuselt. Dann warf sie einen Blick auf ihre Bordkarte. „Ich sollte jetzt besser zu meinem Gate gehen …“

Ohne ein weiteres Wort wandte sie sich ab, und Finn spürte erneut einen leichten Anflug von Enttäuschung. Schließlich ging er zu seinem Abfluggate. Er sollte sich am Riemen reißen. Sonst könnte man den Eindruck bekommen, er wäre allmählich besessen von Zoey Brackenfield. Er war nicht der Typ, der sich zu sehr an eine Frau hängte – oder an überhaupt jemanden. Sein Leben auf der Überholspur ließ keine Zeit für langfristige Beziehungen. Eine Nacht, maximal zwei, mehr war bei ihm nicht drin. Wenn eine Beziehung länger dauerte, wurde er unruhig und wollte unbedingt weg, um sich nicht eingeengt zu fühlen. Vielleicht hatte er doch mehr Ähnlichkeit mit seinen freiheitsliebenden Eltern – ein beängstigender Gedanke.

Es war beinahe drei Uhr früh, als Zoey in ihrem Hotel in New York ankam. Während des Flugs hatte sie ein wenig geschlafen und ein paar Filme angesehen, statt auf dem Laptop an ihrer Präsentation zu feilen. Sie wusste aus Erfahrung, dass Verbesserungen in letzter Sekunde eher mehr Schaden anrichteten. Denn ihre Selbstzweifel würden die Oberhand gewinnen, und ehe sie sich’s versah, hätte ihre Präsentation nichts mehr mit der Originalversion gemein.

Davon abgesehen reiste sie sehr gern in der Business Class. Aber so, wie die Agentur ihres Vaters im Moment lief, würde sie vielleicht nicht mehr lange derart bequem und luxuriös reisen können. Daher hatte sie beschlossen, den Flug zu genießen, so lange es ihr noch möglich war. Zweifellos hatte Finn McConnell in dieser Hinsicht keine Sorgen. Sie konnte sich lebhaft vorstellen, wie er sich zurücklehnte, französischen Champagner trank und mit dem weiblichen Bordpersonal plauderte. Grr.

Zoey hatte geduscht, einen Bademantel angezogen und ein Handtuch wie einen Turban um den Kopf gewickelt, ehe sie die Tasche mit dem Laptop auf den Schreibtisch der Suite gestellt hatte. Jetzt öffnete sie den Reißverschluss der Tasche, nahm den Laptop heraus und legte ihn auf die Schutzunterlage aus Leder. Sie klappte ihn auf, machte ihn an und wartete, dass er hochfuhr. Ein seltsames Kribbeln erfasste sie, als der Bildschirm aufleuchtete. Sie beugte sich vor und betrachtete blinzelnd den unbekannten Bildschirmschoner.

Den unbekannten Bildschirmschoner 

Zoeys Herz schlug bis zum Hals, und ihre Hände zitterten, als habe sie eine Bewegungsstörung. Das war nicht ihr Laptop. Sie war in New York, ohne ihren Laptop. In dem sich ihre Präsentation befand.

Keine Panik. Keine Panik. Keine Panik. Sie versuchte, sich zu beruhigen, aber sie war noch nie gut darin gewesen, sich durch Meditation in einen Zustand der Gelassenheit zu versetzen. Angst kroch in ihr hoch und raubte ihr den Atem. Sie würde den Auftrag nicht bekommen, denn ihr Laptop befand sich weit weg von ihr. Was sollte sie jetzt machen? Atme. Atme. Atme. Tief atmete Zoey durch, starrte auf den Laptop und betete darum, dass dies nur ein Albtraum war, aus dem sie jeden Moment erwachen würde.

Wem gehörte dieser Laptop?

Ihre Gedanken wanderten zurück zu der Sicherheitskontrolle am Flughafen Heathrow, und es lief ihr eiskalt über den Rücken. Könnte das Finn McConnells Laptop sein? Ihr drehte sich der Magen um. Oh nein. Hieß das, er hatte ihren? Hinten auf ihrem Laptop befand sich ein Aufkleber mit ihrem Namen und ihrer Nummer, aber auf seinem Laptop war nichts zu finden.

Der Bildschirmschoner fragte nach einem Passwort. Sie trommelte mit den Fingern auf den Tisch. Brauchte sie ein Passwort, um herauszufinden, dass es sein Laptop war? Vielleicht würde sie in der Laptoptasche einen Hinweis darauf finden, wem dieser Computer gehörte. Sie griff in die Tasche und nahm ein paar Stifte und Visitenkarten heraus. Eine war von einer Frau namens Kimba, mit einem roten Lippenstiftkuss auf der Rückseite und einer handgeschriebenen Nachricht darunter.

Autor

Melanie Milburne

Eigentlich hätte Melanie Milburne ja für ein High-School-Examen lernen müssen, doch dann fiel ihr ihr erster Liebesroman in die Hände. Damals – sie war siebzehn – stand für sie fest: Sie würde weiterhin romantische Romane lesen – und einen Mann heiraten, der ebenso attraktiv war wie die Helden der...

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