Verführung unter tausend Sternen

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Er sieht aus wie ein Märchenprinz aus 1001 Nacht, denkt die zarte Gouvernante Fern Davenport, als Scheich Zafir sie und ihre kleinen Schützlinge nach der langen Reise durch die Wüste begrüßt. Dass er sie überhaupt wahrnimmt, ist für die schüchterne Engländerin eine Überraschung. Und dass Zafir sie nach einem nächtlichen Bad in der Oase unter tausend Sternen küsst und auf seidenen Kissen leidenschaftlich liebt, ist noch viel erstaunlicher! Was kann sie ihm schon bieten? Doch wie viel sie ihm zu geben hat, wird ihr erst klar, als sich ihre Wege bereits wieder getrennt haben …


  • Erscheinungstag 12.04.2016
  • Bandnummer 2226
  • ISBN / Artikelnummer 9783733706654
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Die Ankunft in der Oase erweckte Fern Davenport zu neuem Leben. Zwei Tage Kameltreck quer durch die Wüstendünen, auf die sie sich wahnsinnig gefreut hatte, lagen hinter ihr. Die Reise war aber auch genauso anstrengend gewesen, wie ihr ihre Chefin und Freundin Amineh prophezeit hatte. Eine echte Prüfung in Sachen Durchhaltevermögen.

Aber die Mühe war es definitiv wert gewesen. Genau wie versprochen.

Nach den endlosen Schattierungen von blendendem Weiß, hellem Gelb, Orange und Rot ließ der Anblick von sattem Grün der Palmen und Gräser Fern plötzlich senkrecht im Sattel stehen. Und genau wie ihr Kamel hielt sie die Nase in die Luft auf der Suche nach dem Geruch von frischem Wasser.

Als sie den äußeren Rand der Oase erreichten, fühlte sie sich wie eine Riesin, die auf eine fremde Welt hinabblickte. Die Sonne hatte sich bereits hinter der Wand des Canyons versteckt, und eine kühle Brise ließ die langen Enden ihrer Abaya um Ferns nackte Beine flattern.

Ihre Furcht, die Strapazen nicht zu überleben, legte sich allmählich, und am liebsten hätte sie vor Erleichterung einen lauten Jubelschrei ausgestoßen.

Doch Ausbrüche dieser Art passten nicht zu ihrer ruhigen Art. Sie zog es vor, so unsichtbar wie möglich zu bleiben.

Fern betrachtete sich eher als eine Beobachterin des Lebens; sie nahm nicht wirklich aktiv daran teil. Aber heute verspürte sie zum ersten Mal einen Adrenalinschub, wie ihn ein stürmischer Halbwüchsiger haben musste: einen Drang nach Freiheit und Selbstverwirklichung. Durch ihre Adern floss neue Energie, und ihr Puls pochte stärker denn je.

Sie wollte ihre schwere Kleidung abwerfen und die frische Luft auf ihrer nackten Haut spüren, sie mit jeder Pore ihrer Haut in sich aufsaugen. Sie wollte eins werden mit der Natur.

Neugierig sah sie sich um und entdeckte auf der Lichtung, wo die Karawane endlich haltmachen würde, ihn.

Ein Mann in traditioneller Landestracht gekleidet. Er hätte ein einfacher Kamelhüter sein können, soweit sie das von Weitem beurteilen konnte, doch ein tief verborgener Teil ihrer Weiblichkeit ahnte, dass er jemand war, vor dem Frauen in die Knie gingen. Ein Anführer, dem andere Männer ergeben Respekt zollten. Selbstbewusst und außergewöhnlich gut trainiert, was man trotz des weißen Kaftans deutlich erkennen konnte. Seine ganze Haltung strahlte Souveränität und Härte aus.

Sie zwang sich, den Blick auf sein Gesicht zu richten, und war kaum in der Lage, die Wirkung, die seine besondere Attraktivität auf sie hatte, auszuhalten. Wie konnte ein Mann so schön und gleichzeitig so rau und verwegen aussehen? Er war ganz offensichtlich ein Sohn der Wüste: die Wangen tief gebräunt und von Bartstoppeln übersät, seine Hände wirkten außerordentlich kräftig. Den Mund hatte er zu einem schmalen Strich verzogen, aber die Lippen wirkten dennoch ungeheuer sinnlich. Eine markante Nase, gerade dunkle Augenbrauen und darunter … grüne Augen! Ein überraschender und seltener Anblick in dieser Region. Und für Fern erfrischender als die ganze Oase! Die schiere Pracht dieses ungewöhnlichen Mannes raubte ihr den Atem.

„Onkel!“, riefen die beiden Mädchen, und der schwermütige Ausdruck des Mannes veränderte sich schlagartig. Ein wehmütiges Lächeln blitzte auf, das Fern direkt unter die Haut ging.

Männer waren für sie rätselhafte Wesen, mit denen sie bisher kaum zu tun gehabt hatte. Sie war auf einer reinen Mädchenschule gewesen, ohne jegliches männliches Personal. Der Bibliothekar, der Arzt ihrer Mutter und die wenigen Jungen, die sie als Teenager in Miss Ivys Club getroffen hatte, waren die einzigen Vertreter des anderen Geschlechts, die sie wirklich kannte.

Meistens beobachtete sie Männer nur aus der Ferne, studierte ihr Verhalten und versuchte zu verstehen, wie sie tickten. Und sie war stets aufs Neue überrascht, wenn sie menschliche Züge an ihnen entdeckte – so fremd waren sie ihr.

Diejenigen, die gut mit Kindern umgehen konnten, fand sie besonders faszinierend. Schon oft hatte sie sich gefragt, wie es wohl wäre, einem von ihnen wirklich nahe zu sein.

Natürlich erwartete sie nicht, dass sie ausgerechnet bei diesem Prachtexemplar Chancen haben könnte! Ihr war inzwischen klar, dass dies Zafir sein musste, Aminehs Bruder.

Aminehs Ehemann Ra’id gab seinem Kamel den Befehl, auf die Knie zu sinken. Er stieg ab, und die Männer schüttelten die Hände und legten die Köpfe aneinander, während sie sich herzlich umarmten.

Wie hatte sie auch nur ansatzweise glauben können, er wäre eventuell einer der Kamelhüter? Fern schämte sich für diesen Fauxpas. Zafir, der Onkel ihrer kleinen Schützlinge, war offiziell Scheich Abu Tariq Zafir ibn Ahmad al-Rakin Iram. Und er war das Oberhaupt des kleinen Landes Q’Amara, das an Ra’ids Reich grenzte.

Sie musste instinktiv gespürt haben, wer er war, daher auch ihr großes Interesse an ihm. Es lag schlicht an seinem natürlichen Charisma und an der Bedeutung, die ein Treffen mit einer solch außergewöhnlichen Persönlichkeit mit sich brachte. Fern war nicht nur von Natur aus schüchtern, sondern litt als Rothaarige auch noch unter dem Umstand, dass sie bei jeder kleinsten Aufregung im Gesicht rot anlief.

Das war ihr schon passiert, als Ra’id zum ersten Mal mit ihr gesprochen hatte. Sie fühlte sich in Gegenwart eines mächtigen Menschen einfach schrecklich unsicher. Ihrer herrschsüchtigen, bösen Mutter hatte sie es zu verdanken, dass sie gegenüber allen Autoritäten extrem empfindlich reagierte. Sie tat wirklich alles, um kein Missfallen zu erregen. Es war also völlig verständlich, wenn ihre Nerven verrücktspielten, weil sie plötzlich einem echten Scheich gegenüberstand.

Aber noch nie hatte sie sich derart elektrisiert gefühlt … als würde sie innerlich brennen. Das fand sie äußerst beunruhigend.

Andere Männer kamen hinzu, und die waren tatsächlich Kamelhalter oder Lagerbegleiter. Doch Fern hatte nur noch Augen für den Scheich. Er bemerkte ihr Interesse allerdings nicht, wie sie erleichtert feststellte. Warum sollte er auch? Schließlich war sie hinter einem Schleier verborgen und trug eine Sonnenbrille, um sich gegen das grelle Licht und den umherwehenden Sand zu schützen. Außerdem war er damit beschäftigt, mit seinen zwei Nichten zu plaudern, die inzwischen beide auf seinen kräftigen Armen saßen.

Zappelnd bestanden die Mädchen darauf, wieder runtergelassen zu werden, als ein Junge dazukam. Die Kleinen riefen aufgeregt seinen Namen, den Fern auf dem Weg durch die Wüste schon mehrmals von ihren Schützlingen gehört hatte: „Tariq!“

Ihr Cousin, selbst erst zehn Jahre alt, trug wie sein Vater eine lange Tunika und forderte die Mädchen lachend zu einem Wettrennen in Richtung der bunten Zelte auf. Er ließ ihnen sogar einen kleinen Vorsprung.

Ra’id half währenddessen seiner Frau dabei, von ihrem knienden Kamel abzusteigen. Amineh nahm ihren Schleier ab und fiel anschließend ihrem Bruder zur Begrüßung in die Arme. Sie strahlte voller Zuneigung, während sie auf Arabisch ein paar Worte wechselten.

Fern liebte diese Sprache, beherrschte sie nur leider viel zu wenig.

„Oh!“, rief sie erschrocken, als sich ihr Kamel vornüberneigte.

Denk daran, dich rechtzeitig zurückzulehnen! hatte Amineh sie millionenfach gewarnt. Doch Fern war so von dem Anblick abgelenkt gewesen, wie Zafir seine Schwester anlächelte, dass sie nicht bemerkt hatte, wie ihr Kamel in die Knie ging. Hilfe suchend klammerte sie sich am Sattel fest und rutschte zur Seite, als das Tier mit einem Ruck auf den Boden sank. Sie konnte gerade noch verhindern, mit der Nase voran im Dreck zu landen.

Ihr Abstieg war mit Sicherheit der ungeschickteste in der gesamten arabischen Geschichte! Und alle sahen ihr dabei zu. Wie peinlich!

„Alles in Ordnung, Fern?“, erkundigte sich Amineh. „Beim letzten Halt dachte ich, du hättest den Bogen raus. Ich hätte Ra’id bitten sollen, dir zu helfen!“

„Nein, alles gut. Ich war bloß ein bisschen abgelenkt. Es ist so wunderschön hier“, plapperte sie drauflos und versuchte, ihr offensichtliches Interesse an Zafir zu verbergen. Es war, als würde sie plötzlich im Rampenlicht stehen. Dann hörte sie Ra’id etwas auf Arabisch sagen, das sie nur zum Teil verstand. Er nannte sie die Englischlehrerin.

„Genau, sie ist unsere Hauslehrerin“, bestätigte Amineh. „Oh, danke, Nudara“, fügte sie hinzu, als jemand vom Personal mit einer Segeltuchtasche auf sie zukam. Amineh zog ihren Umhang aus und verstaute ihn in der Tasche. Dann bedeutete sie Fern, dasselbe mit ihrem eigenen staubigen Gewand zu tun. „Sie wird den Sand ausschütteln, damit wir sie wieder anziehen können, sobald die Nomaden hier ankommen.“

Bevor sie diese Anstellung angenommen hatte, war Fern nie mit dem Umstand, eigene Diener zu haben, in Berührung gekommen. Ihr ganzes Leben lang war ihre Mutter zu müde gewesen, den eigenen Haushalt zu machen, weil sie ihr Geld mit der Reinigung fremder Häuser verdiente. Aber sie hatte dennoch gewollt, dass alles um sie herum in penibler Ordnung war. Also hatte Fern ihre kleine gemeinsame Wohnung blitzsauber gehalten.

In den letzten Monaten hatte sie dann zusätzlich die Pflege ihrer Mutter auf sich genommen. Angefangen beim Baden bis hin zur medizinischen Grundversorgung. Sie war es daher absolut nicht gewohnt, Aufgaben wie Wäschewaschen oder Kochen anderen zu überlassen. Es fühlte sich vermessen an, obwohl Nudara naturgemäß keinen Anstoß daran nahm.

Vielleicht wäre es Fern leichter gefallen, wenn sie eine gehobene Stellung wie Amineh innegehabt hätte. Aber sie war ja selbst im Grunde bloß eine Angestellte der Familie – für sie persönlich ein recht seltsamer Schwebezustand.

Ehrlich gesagt, dachte sie mit einem leisen Seufzer, zieht sich genau dieser Zustand wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben. Stets war sie die Außenseiterin, die in keine Gruppe passte!

Dieser Moment heute bewies es erneut. Während sie ihre dunkle Brille und anschließend den Schleier abnahm, schämte sie sich mal wieder. Es lag am Haar. An ihren karottenorangen Korkenzieherlocken, die ständig alle Blicke auf sich zogen. Ihr war es ganz recht, dass sie sich verschleiern konnte, seit sie als Englischlehrerin für Aminehs Kinder tätig war.

Sie trug ihr Haar extra lang, denn nur dadurch unterschied es sich überhaupt von einem grellen Putzmob. Und gerade nach den anstrengenden zwei Tagen, die sie hinter sich hatte, war ihre Frisur mit Sicherheit völlig ruiniert. Trotzdem atmete sie erleichtert auf, als die kühle Luft ihrer verschwitzten Kopfhaut Erfrischung brachte.

Schnell streifte sie noch den Umhang ab – offenbarte dabei ihr ärmelloses Shirt mit dem Aufdruck Vergiss mein nicht – und schüttelte dann den kornblumenblauen Rock aus, der an ihren klammen Beinen klebte.

„Ist das zu gewagt?“, fragte sie Amineh unauffällig. „Ich wusste nicht, dass wir unsere Abayas hier im Freien ablegen würden.“

„Nein, das ist schon in Ordnung“, versicherte ihr Amineh abwesend und trat einen Schritt beiseite, um mit einem Diener zu sprechen.

Fern sah zum Scheich hinüber, als suchte sie auch seine Bestätigung.

Sein prüfender Blick wanderte über ihren Körper, bis ihre gesamte Haut zu kribbeln begann.

Männer sahen sie nie länger an als nötig, höchstens mal, um nach der Zeit oder dem Weg zu fragen. Menschen im Allgemeinen versäumten es meist, Fern zu bemerken. Sie kleidete sich betont konservativ und simpel, trug kein Make-up und sprach sehr leise. Außerdem gab es an der schottischen Grenze, wo sie aufgewachsen war, massenweise dünne, sommersprossige rothaarige Mädchen. Doch in diesem Teil der Welt war sie optisch etwas ganz Besonderes. Außergewöhnlich. Und das war eher Fluch als Segen!

Nur wenige der Diener in Ra’ids Palast waren weiß, und niemand war so weiß wie sie. Nicht, dass sie viel Haut zeigen würde! Ihr war es ganz recht, dass man als Frau in diesen Breitengraden einen Großteil des eigenen Körpers bedeckte. Sie mochte es, praktisch unsichtbar zu sein.

Doch der Scheich schien durch die klamme Baumwolle direkt auf ihre helle Haut zu starren, katalogisierte bestimmt insgeheim alle ihre Fehler, und sie spürte seine … Missbilligung. Ihr Herz wurde schwer. Sie hasste es, Fehltritte zu begehen, und noch mehr hasste sie es, verurteilt zu werden, ehe sie sich beweisen konnte.

„Willkommen in der Oase“, sagte er.

Sein heiserer Bariton wehte über sie wie eine verheißungsvolle Brise, die Ferns Bewusstsein anregte. Ähnlich wie bei Aminehs englischer Aussprache war auch sein Akzent eine faszinierende Mischung aus exotischem Nahen Osten und kühler britischer Oberschicht. Zafir war schlicht ein beeindruckender Mann.

Ein Witwer, wie sie von ihrer Freundin wusste. Seine Frau war vor drei Jahren an Krebs gestorben. Es hatte ihn schwer getroffen, und er sprach nicht viel über sie. Doch wenn er es tat, war es immer voller Bewunderung, hatte Amineh gesagt.

Das bedeutet wohl, ich sollte eigentlich Mitleid für ihn empfinden, dachte Fern. Stattdessen erlebte sie einen Ansturm von unerklärlicher Feindseligkeit, was ihr gar nicht gefiel. In den meisten Fällen vermied sie nämlich Konflikte jeglicher Art. Wenn sie in die Enge getrieben wurde, war sie zwar durchaus in der Lage, sich mit scharfem Sarkasmus zu verteidigen, aber im Grunde wollte sie es überhaupt nicht so weit kommen lassen.

Und dieser Scheich starrte sie weiter an, als ob er etwas über sie wüsste, das ihm missfiel.

Seine eindringliche Musterung machte sie allmählich unsicher. Sie erinnerte sich an Miss Ivys Verhaltenskodex, den die ältere Dame unablässig gepredigt hatte: Haltung bewahren. Und Fern rief sich ihre eigenen guten Eigenschaften ins Gedächtnis. Sie war klug und freundlich, beherrschte ihr Handwerk ausgezeichnet und besaß Ehrgeiz.

Daher irritierte sie seine abweisende Reaktion auch sehr, denn insgeheim wollte sie ihn zumindest mit ihrem Fachwissen beeindrucken. Ihr war es wichtig, auf Persönlichkeiten – wie er eine war – einen guten, überzeugenden Eindruck zu machen.

Doch sie erkannte, dass in diesem Fall mehr dahintersteckte. Etwas, das sie noch nie wirklich erlebt hatte. Eine fatale Anziehungskraft. Keine vorübergehende, sondern eine elementare, verzehrende Attraktion, die sie ins Verderben stürzen könnte.

Diese spontane Sehnsucht nach dem Unbekannten war zutiefst verwirrend und darüber hinaus höchst unangemessen!

Die Röte kroch ihr ganz langsam über den Hals ins Gesicht bis hin zu den Ohren, und Fern hatte das Gefühl, in Brand gesetzt zu werden. Sie hasste sich in diesen Momenten. Hasste ihren Körper für seine sichtbare Überreaktion. Es war ihr zutiefst peinlich, wie ein gekochter Hummer auszusehen, am liebsten wäre sie vor Verlegenheit tot umgefallen.

Zafir beobachtete eine Million Sommersprossen, die in einem Meer aus tiefem Rot verschwanden, und er verspürte den unerwarteten Drang zu lachen.

Da dies extrem unhöflich gewesen wäre, schaute er schnell weg. Er wollte diese Englischlehrerin nicht mögen, die vor lauter sexueller Erregung aus der Fassung geriet. Er war nämlich erfahren genug, um zu wissen, was in ihr vorging … und Manns genug, es zu lieben.

Aber eine Engländerin!

Obwohl er wusste, wie unpassend sie für ihn war, hatte sie sein männliches Interesse geweckt. Sein Blick wanderte wie automatisch zurück zu ihr, und er begann die Sommersprossen zu zählen, die ihre Arme bedeckten. Sie waren überall, auch auf ihren Fußspitzen – wie winzige Kakaopünktchen auf feinem Milchschaum. Die volle Wirkung dieses Anblicks, splitternackt, wäre bestimmt umwerfend!

Hastig rief er seine Libido zur Ordnung und hob den Blick zu ihren verklärten Augen, in denen ein seltsamer Ausdruck lag: eine Mischung aus verschrecktem Häschen und liebestollem Groupie.

Als Enkel eines Herzogs hatte man Zafir eine akademische Ausbildung zukommen lassen. Doch neben Wirtschaft und Diplomatie hatte er auch das Verhalten westlicher Frauen studiert. Und wenn er eine von ihnen begehrte, konnte er sie auch haben.

Allerdings bevorzugte er tief gebräunte Blondinen. Amerikanische oder skandinavische Blondinen und auch nur, während er auf Reisen war. Er führte schon genug Machtkämpfe mit den Konservativen in seinem Land, da sparte er sich lieber Affären dieser Art innerhalb der eigenen Landesgrenzen.

Auch aus diesem Grund ließ er die Engländerin absichtlich seine Ablehnung spüren und reckte arrogant das Kinn vor.

Sie schluckte und sah zu Boden.

Dabei hätte er ihren süßen Puppenmund zu gern mit einem leidenschaftlichen Kuss verschlossen, bis ihre Lippen glühten! Er konnte fast fühlen, wie sich seine Finger in ihrem Haar verhedderten, und er sah schon den Nebel der Ekstase in ihren Augen …

Engländerin! erinnerte er sich mit einem milden Fluch. Wie unheimlich, dass er aus reiner Gier nach dieser Frau kein Lächeln zustande brachte, ans Sprechen war gar nicht zu denken!

Er reagierte bestimmt nur so stark auf sie, weil er seit über zwei Monaten mit keiner Frau mehr zusammen gewesen war. Es hatte jedenfalls nichts mit seinem genetischen Erbe zu tun. Er war nicht wie sein Vater, der auf obsessive Weise der falschen Frau verfallen und am Ende deswegen ums Leben gekommen war. Seinem unehelichen Sohn hatte er es überlassen, die Scherben dieses Desasters aufzuräumen.

„Fern, das ist mein Bruder Zafir. Sie darf dich beim Vornamen nennen, solange wir hier sind, nicht wahr?“ Amineh drehte sich um und nahm seinen Arm. „Und sei nett zu ihr! Sie ist ein bisschen schüchtern.“

Fern. Der Name passte zu ihr. Er erinnerte ihn an die tiefgrünen Farnpflanzen, die er bei den Streifzügen über das Anwesen seines englischen Großvaters entdeckt hatte … auf der Suche nach ersten Anzeichen des Frühlings. Oder am Ende eines Semesters, wenn er sich nach der Wärme eines Heims sehnte.

„Natürlich“, schaffte er es zu reagieren, doch seine Stimme klang kalt. Ein einziger Gedanke ging ihm durch den Kopf: falsche Zeit, falscher Ort. Das Gefühl ärgerte ihn genug, um in seiner Stimme widerzuhallen. Dennoch hörte er sich selbst sagen: „Wenn ich dich dafür Fern nennen darf.“

Kapitulation.

Verdammt! Er sollte sie wirklich nicht so sehr begehren, dass er jetzt schon nach Möglichkeiten suchte, ihr näherzukommen. Wahrscheinlich lag es einfach daran, dass er im Urlaub war. Entspannt und ohne Verpflichtungen! Natürlich reagierte er in einer solchen Situation auf eine attraktive Frau. Das war Instinkt, und er würde dieser Versuchung energisch widerstehen.

Ihre Lider flatterten, und sie nickte stumm. Dabei verschränkte sie fest die Finger ineinander.

Ihr Unbehagen erfüllte ihn mit ungeahnter Zufriedenheit. Für ihn war es grundsätzlich von entscheidender Bedeutung, sich als Alphamann durchzusetzen. Außerdem reizte ihn Ferns offensichtliches Interesse.

„Im Moment sind wir hier unter uns“, erklärte Amineh. „Das ändert sich allerdings, wenn die Beduinen herkommen; dann werden wir einander ein wenig förmlicher begegnen müssen. Aber im Moment freue ich mich schon auf die Zeit hier.“ Wieder drückte sie seinen Arm, dann runzelte sie plötzlich die Stirn. „Wieso guckst du so mürrisch? Wir werden viel Spaß zusammen haben, genau wie früher als Kinder. Komm mit, Fern! Wir gehen zum Lager und richten uns ein.“

Fern fing an, ihre Taschen über die Schulter zu hängen.

Zafir verkniff sich einen Kommentar und den Impuls, für sie einen Diener herbeizuwinken. Schließlich gehörte sie zu Ra’ids Personal und war keine Botschaftertochter oder Ähnliches. Allerdings behandelte sie ihr Gepäck wie jemand, der noch nie seine eigenen Koffer getragen hatte.

Er bewegte sich vorwärts, um sie ihr abzunehmen.

„Ich kann gleich zurückkommen und den Rest holen“, widersprach sie, aber er beugte sich wortlos vor, um ihr die Last abzunehmen. Dabei streifte sein Daumen ihre weiche Haut, und er zuckte zusammen, als hätte er sich verbrannt.

Was zum Teufel? Dabei hatte er sie kaum berührt!

Sie hielt den Kopf gesenkt, sodass er nicht erkennen konnte, ob sie genauso intensiv auf ihn reagierte. Aber wenn er sich nicht irrte, zeichneten sich ihre Brustwarzen jetzt etwas deutlicher durch die dünne Baumwolle ab. Ein Anblick, der ihn innerlich verbrannte.

Amineh war schon mit Ra’id vorausgelaufen und hatte es ihrem Bruder überlassen, Fern zu begleiten. Er zwang sich, ein neutrales Gesprächsthema zu finden.

„Die Oase ist etwa siebzehn Quadratkilometer groß. Mein Vater hat sie angelegt, als wir noch Kinder waren. Wir haben einem Beduinenstamm erlaubt, hier ohne Genehmigung zu zelten, wenn er die Wüste durchquert. Sie werden wohl auch durchkommen, während wir hier sind, aber ansonsten ist der Zutritt streng begrenzt.“

„Ich habe davon gelesen.“ Ihre hastige Antwort klang, als wollte sie ihm vermitteln: Danke, aber ich weiß bereits alles, was ich über diesen Ort wissen muss. Dann beeilte sie sich, ihrer Arbeitgeberin zu folgen.

Lass sie gehen! sagte er sich. Wenn sie jetzt verstanden hatte, dass er für keine Romanze zu haben war, musste er die Sache auf sich beruhen lassen.

Aber seine langen Beine gehorchten ihm nicht und erhöhten sein Tempo, bis er die hübsche Engländerin mit dem bemerkenswerten Haar und den kleinen, festen Brüsten eingeholt hatte.

Sie starrte geradeaus, als ob sie versuchte, ihn zu ignorieren.

„Wie lange unterrichtest du die Mädchen schon?“, fragte er.

„Drei Monate.“ Sie warf ihm einen kurzen Blick zu. „Ich fühle mich ein bisschen wie eine Betrügerin, um ehrlich zu sein. Amineh, ich meine natürlich, die …“

„Schon in Ordnung“, unterbrach er sie. „Wir sind hier tatsächlich nicht formell. Es besteht kein Grund, ihren Titel zu verwenden.“

„Danke. Was ich sagen wollte, ist, dass deine Schwester selbst perfektes Englisch spricht. Und auch die Mädchen bewegen sich sicher zwischen beiden Sprachen. Abgesehen von der Korrektur ihrer Grammatik und Rechtschreibung, bin ich nicht sicher, ob sie mich wirklich brauchen. Andererseits ist es für mich eine wunderbare Gelegenheit, eine andere Kultur zu erleben.“ Sie räusperte sich, und ihr Blick glitt über ihn wie ein Suchscheinwerfer – fast gierig. „Ich bin sehr glücklich, hier zu sein“, murmelte sie dann leise.

Wieder wurde sie rot, und er fand ihr sexuelles Interesse an ihm äußerst fesselnd.

„Ich bin sicher, Amineh freut sich, dich im Haushalt zu haben“, versicherte er ihr mit fester Stimme. „Meine Schwester und ich bevorzugen zwar die Heimat unsers Vaters, aber wir haben auch oft Heimweh nach England.“ Er schloss den Mund und war nicht sicher, warum er das gerade eben gesagt hatte. Es war sein stilles Geheimnis, dass er sich schon sein ganzes Leben lang wünschte, er könne an beiden Orten zur gleichen Zeit leben. Diese Sehnsucht fühlte sich wie Hochverrat an dem Land an, das er regierte. Dabei war er bereit, große Opfer für sein Reich zu bringen … sehr große sogar.

Er runzelte die Stirn.

Neben ihm hielt Fern abrupt an und sah sich irritiert um. Direkt vor ihr standen unzählige Zelte, und dazwischen lagen Kissen, Körbe oder ausgerollte Teppiche herum. „Ich, ähm, ich weiß nicht, wohin ich gehen muss. Schlaf ich bei den Kindern?“

„Nein, die haben ein eigenes Zelt.“ Er zeigte hinüber zu seinem Sohn, der gerade eine Trennwand im Kinderzelt montierte.

Die Diener lagerten in der Nähe der Wasserpumpe am anderen Ende des kleinen Strandes, wo auch die Kochfeuer errichtet wurden. Ein großes Zelt befand sich nicht weit weg von dem der Kinder, dort sollten Amineh und Ra’id schlafen. Zafirs eigenes Zelt stand bereits am Ende einer kleinen Sandbank mit Blick aufs Wasser. Und der Sicherheitsdienst hatte mehrere kleine Zelte an strategisch wichtigen Stellen der Oase platziert.

Die letzte Behausung lag noch verpackt unter ein paar Palmen im hohen Gras. Wurde von Fern etwa erwartet, zu wissen, wie man ein solches Zelt selbst aufbaute?

„Das ist deines“, sagte er und streifte dabei leicht ihren Oberarm.

Ja, er war schwach. Er konnte nicht widerstehen und musste sie einfach berühren.

Ihr Atem stockte, und er empfand ein überraschend starkes Gefühl von Zufriedenheit darüber, dass sie so heftig auf seine Berührung reagierte.

Das würden zwei extrem schwierige Wochen werden.

Fern wäre es am liebsten gewesen, Zafir würde sie allein lassen, damit sie in Ruhe herausfinden konnte, was eigentlich in ihr vorging.

Also, ganz offensichtlich fand sie ihn attraktiv. Wer würde ihn nicht umwerfend finden? Er war wunderschön, maskulin, einfach umwerfend. Und bestimmt hatte er bemerkt, wie beeindruckt sie von ihm war. Es gelang ihr eigentlich nie, ihre Gedanken und Gefühle zu verbergen. Deshalb versteckte sie sich auch lieber hinter Büchern oder Schreibtischen und hatte obendrein einen Job, der sie weit weg von ihrem Zuhause brachte. Momentan hatte sie dankenswerterweise nur zwei Schülerinnen und auch sonst wenig mit anderen Menschen zu tun.

Männer machten sie nervös, machten ihr manchmal sogar richtig Angst. Auch wenn eine mögliche Partnerschaft für sie verlockend klang, zögerte sie, weil es ihr an Vertrauen fehlte. Es war bisher viel einfacher gewesen, zu Hause zu bleiben und ihre Mutter nicht damit zu verärgern, dass sie sich mit fremden Männern herumtrieb. Stattdessen hatte sie sich auf ihr Studium gestürzt und hart dafür gearbeitet, die Miete zahlen zu können. Und ja, sie war sogar stolz auf ihre Märtyrerrolle als pflichtbewusste Tochter. Sie redete sich seit jeher ein, zu beschäftigt zu sein, um Zeit für Romantik zu haben. Dabei war sie in Wirklichkeit schlicht zu feige dafür gewesen.

Oder hatte sie vielleicht einfach nicht den Richtigen gefunden? Die Tatsache, dass heute etwas Gieriges, Erregendes in ihr geweckt worden war, machte ihr jedenfalls große Angst. Und es machte sie emotional verwundbar.

Ihr wurde auf erschreckende Weise bewusst, wie sich körperliche Leidenschaft anfühlte. Noch nie hatte sie mit derartiger Begierde auf einen Mann reagiert. Ihr Wissen über Sex stammte vor allem aus den vielen Liebesromanen, die sie verschlungen hatte. Bücher schenkten ihr immer einen schönen, fantasievollen Rausch, den man im wirklichen Leben nicht unbedingt wiederholen musste.

Doch jetzt fragte sie sich, was Zafir wohl mit den Frauen anstellte, die das Bett mit ihm teilten? Sie malte sich aus, wie seine Hände und sein Mund über ihren nackten Körper wanderten. Und diese verwegene Fantasie löste starke Gefühle in ihr aus …

Es war nervenaufreibend.

Autor

Dani Collins

Dani Collins verliebte sich in der High School nicht nur in ihren späteren Ehemann Doug, sondern auch in ihren ersten Liebesroman! Sie erinnert sich heute immer noch an den atemberaubend schönen Kuss der Helden. Damals wurde ihr klar, dass sie selbst diese Art von Büchern schreiben möchte. Mit 21 verfasste...

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