Verheerende Sehnsucht in deinen Armen

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Er soll 100.000 Dollar für Jasmines Unschuld bieten, um sie aus einem Nachtclub freizukaufen? Kein Problem! Denn für die Schwester seines Freundes zahlt der griechische Tycoon Dimitri Karegas jede Summe, das ist er ihrem toten Bruder schuldig. Aber sich deshalb nehmen, was ihm zusteht? Dafür ist der atemberaubende Playboy viel zu stolz - auch wenn aus dem frechen Mädchen von damals eine hinreißende Schönheit geworden ist! Erst als Jasmine ihn feurig küsst und mit ihrer Leidenschaft eine verheerende Sehnsucht in ihm weckt, gerät sein eiserner Vorsatz ins Wanken …


  • Erscheinungstag 27.09.2016
  • Bandnummer 2251
  • ISBN / Artikelnummer 9783733707026
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Jasmine, ich hätte eine Idee, wie du die Schulden deines Bruders innerhalb eines Jahres begleichen könntest.“

Ihr war, als griffe eine kalte Hand nach ihrem Herzen, doch Jasmine Douglas zwang sich, Noah King direkt in seine kalten grünen Augen zu schauen.

Dass Männer ihr unmoralische Vorschläge und Angebote unterbreiteten, war sie gewohnt. Die Kunden in Noahs Club waren durchweg der Meinung, ihr aufreizend um die Pole-Dance-Stange gewundener Körper sei käuflich. Sie sei käuflich.

Aber das war sie nicht, und sie würde es auch niemals sein.

Sie hatte diesen Job nur angenommen, weil sie sich nicht anders zu helfen wusste angesichts ihrer Schulden bei Noah, dem drei berüchtigte Nachtclubs in London gehörten. Ihr Bruder Andrew war kaum beerdigt gewesen, da hatte sie von dem enormen Schuldenberg erfahren, den er ausgerechnet bei Noah King angehäuft hatte. Pure Verzweiflung trieb sie seither dazu, ihren Körper Nacht für Nacht an der Tanzstange zu präsentieren.

Noahs Worte ließen ihr das Blut in den Adern gefrieren. „Ich habe bisher alle Raten pünktlich überwiesen“, verteidigte sie sich und schluckte.

„Ja, aber du kommst kaum über die Runden. Und wenn du so weitermachst wie jetzt, wirst du es nie schaffen, alles abzuzahlen.“

Auf einmal fröstelte sie in dem stickigen Lagerhaus, dem Hauptquartier von Noahs Imperium. Heute Morgen hatten einige seiner Männer bei ihr geklingelt und sie höflich darum gebeten, sie zu begleiten. Noah wolle sie sprechen. Sie hatten völlig harmlos gewirkt.

Mittlerweile jedoch hatte sich ein kalter Schweißfilm auf Jasmines Haut ausgebreitet, denn ihr war klar, dass im Zusammenhang mit Noah überhaupt nichts harmlos war.

„Dann bin ich jetzt also dein Eigentum?“, entfuhr es ihr. Sogleich biss sie sich auf die Zunge.

Noah zuckte nicht einmal mit der Wimper und fuhr unbeeindruckt fort, eine Orange zu schälen. „Gewissermaßen ja. Bis wir eine zufriedenstellende Lösung finden“, entgegnete er und bot ihr ein Stück von der Frucht an.

Eine zufriedenstellende Lösung. Ihr drehte sich fast der Magen um bei diesen Worten. Am liebsten hätte sie auf dem Absatz kehrtgemacht und wäre geflohen.

Warum nur hatte Andrew niemals darüber nachgedacht, wohin seine Schulden eines Tages führen würden? Wie hatte er sie hier zurücklassen können mit diesem gefährlichen Mann?

Fünf Jahre lang schuftete sie nun bereits wie eine Sklavin für Noah, und noch immer war sie ihm ausgeliefert. Wie eine Fliege im Netz einer großen, schwarzen Spinne. Je mehr sie versuchte, sich herauszuwinden, desto mehr wickelte er sie ein.

Im nächsten Augenblick hatte sie Schuldgefühle, und ein Kloß machte sich in ihrer Kehle breit. Andrews freundliches Gesicht erschien vor ihrem geistigen Auge. Ihr Bruder hatte immer nur das Beste für sie gewollt.

Eines Tages kommen wir raus aus diesem Elend, Jas. Vertrau mir. Ich hole uns hier raus.

Andrew war ohne besondere Talente gewesen. Und er musste nicht nur mit der Alkoholsucht ihrer Mutter umgehen, sondern auch für seine Schwester Verantwortung tragen. Er hatte einfach keine andere Möglichkeit gefunden, ein besseres Leben für sie beide aufzubauen als Noahs Spielhölle.

Und dann der Unfall, bei dem er sein Leben gelassen hatte, mit nur 29 Jahren. Er hatte keine Schuld daran gehabt, ebenso wenig wie er etwas dafür konnte, dass alle, auf die er und Jas gezählt hatten, sie enttäuscht hatten.

Ohne dass Jasmine es wollte, tauchte ein weiterer Mann in ihren Gedanken auf. Wie ein Dorn unter ihrer Haut, den sie einfach nicht loswurde, drängte sich schmerzend der Gedanke an Dimitri zwischen die Erinnerungen an ihren Bruder.

Dimitri Karegas, Adoptivsohn des Textil-Tycoons Giannis Katrakis und international bekannter Playboy. Sammler teurer Spielzeuge wie Yachten, Bugattis und … schöner Frauen.

Dimitri, der mit ihnen zusammen aufgewachsen war in den Straßen von London. Den Andrew mehrere Male vor seinem alkoholkranken Vater gerettet hatte. Dimitri, den Andrew wie einen Bruder behandelt hatte. Dimitri, der Andrew Jahre später arrogant abgewiesen hatte, als dieser ihn um Hilfe gebeten hatte, während er selbst seinem Luxusleben frönte. Der sie auf Andrews Beerdigung so eiskalt angesehen und ihr Geld angeboten hatte.

Dimitri, dessen Leben sie in den Medien wie eine Besessene verfolgte.

Doch sie verschwendete nur ihre Energie, wenn sie jetzt an ihren Bruder und den einzigen Mann dachte, der ihr vielleicht helfen könnte.

Ihre Kehle brannte, als sie Noah wieder ansah. „Wie viel schulde ich dir noch?“

„Dreißigtausend Pfund. Wenn du nicht zusiehst, dass du mehr Geld verdienst, dann brauchst du dafür noch mindestens zehn Jahre. Aber wenn du dein Serviceangebot im Club um einige spezielle Leistungen erweiterst, dann wärst du bald fein raus. Du bist unheimlich gefragt, Jasmine. Ich bekomme ständig Anfragen deinetwegen …“

Noahs Stimme schien von weit weg zu kommen. Als passierte all das einer ganz anderen Person und nicht ihr. Denn anders konnte ihr Verstand es nicht verarbeiten. Schweißperlen traten ihr auf die Stirn. Der Geruch von Alkohol und verschwitzten Männerkörpern raubte ihr in dem stickigen Lagerhaus die Luft.

Wenn sie sich jetzt nicht irgendwie aus der Affäre zog, dann würde sie es wohl nie schaffen. Noah schien entschlossen, über ihren Kopf hinweg zu handeln. Sie durfte nicht zulassen, dass sie auch noch ihren Körper verkaufte.

Aber wie kam sie am besten aus der Sache raus? Mit einem Mal fühlte sie sich unendlich schwach.

Du hast keine Wahl. Es sei denn, jemand erklärt sich bereit, dich freizukaufen.

Wieder kamen ihr Noahs Worte in den Sinn. Sie wusste, er hatte recht. Das war die Lösung. Jemand musste Andrews Schulden bezahlen und Jasmine damit aus Noahs Fängen befreien.

Und dieser Jemand konnte nur Dimitri sein.

Nein! schrie etwas in ihr beschämt. Wenn sie ihn um Hilfe anbettelte, dann wusste er, wie tief sie gesunken war.

Oder war es doch besser, sich an einen bekannten Teufel zu verkaufen als an einen unbekannten?

Aber selbst Dimitri würde Schwierigkeiten haben, sie aus diesem Sumpf herauszuziehen. Noah King hatte eine Menge Macht. Und Dimitri hatte sich in einen Softie verwandelt, der den ganzen Tag über nichts anderes tat, als sich auf seiner Yacht zu rekeln und jede Nacht mit einer anderen Frau zu verbringen.

Jasmine würde Dimitri geschickt um den Finger wickeln müssen, in der Hoffnung, dass er den Köder schluckte. Sollte er es nicht tun, dann wollte sie über die Konsequenzen lieber gar nicht weiter nachdenken.

Der Artikel, den sie neulich in einem Magazin gelesen hatte, kam ihr wieder in den Sinn. Eigentlich hatte sie nichts zu verlieren. Sie konnte nur gewinnen.

„Gut. Biete deinen Männern meine Jungfräulichkeit an“, sagte sie bewusst laut, wenngleich die Worte ihr fast in der Kehle steckenblieben. „Dann hab ich vielleicht die Chance, die Schulden demnächst komplett zu begleichen.“

In der Halle herrschte eine tödliche Stille. Jasmine spürte, wie sich die Augen aller anwesenden Männer auf sie gerichtet hatten. Ihre Haut kribbelte angesichts des plötzlichen männlichen Interesses an ihr. Doch sie hielt Noahs eindringlichem Blick stand und war fast dankbar, dass wenigstens er sie nicht mit diesem lüsternen Funkeln in den Augen ansah, das sie von ihren Auftritten gewöhnt war.

Doch Noah war durch und durch Geschäftsmann. Die Art, wie er sie schweigend mit prüfenden Blicken bedachte, machte ihr Hoffnung.

„Du bist also überzeugt, dass jemand dich kaufen wird“, entgegnete er schließlich, und Jasmine atmete erleichtert auf. Endlich hatte sie sein Interesse.

„Ja“, gab sie knapp zurück, all ihre Überzeugungskraft auf dieses eine Wort gerichtet. „Gib mir eine Woche.“

„Drei Tage“, murmelte er.

Auf ein Kopfnicken von ihm wurde Jasmine von seinen Angestellten zurück in den Raum gebracht, in dem sie zuvor gewartet hatte.

Einige Sekunden lang zitterte sie unkontrolliert. Sie hatte Angst. Aber sie durfte jetzt nicht die Nerven verlieren.

Rasch schaltete sie ihr Handy ein, schrieb eine kurze Nachricht und tippte die vertraute Nummer ein, überrascht, wie gut sie sie noch im Kopf hatte. Womöglich hatte er mittlerweile eine neue Nummer. Oder er ging gar nicht erst ran, wenn er sah, dass sie es war.

Für einen Augenblick presste Jasmine das kühle Gerät gegen ihre Stirn und drängte die heißen Tränen, die hinter ihren Lidern brannten, zurück.

Es musste einfach funktionieren.

Ihr Magen krampfte sich zusammen, als sie es endlich wagte, ihre Nachricht zu versenden. Dann ließ sie sich auf den Boden sinken und lehnte den Kopf an die Wand.

Während er sein zerknittertes Hemd wieder anzog, warf Dimitri Karegas einen kurzen Blick auf die hübsche Blondine, die sich provokativ auf seinem Bett rekelte.

„Komm zurück ins Bett“, flüsterte sie verführerisch.

Wie hieß sie nochmal? Mandy? Maddie?

Dimitri erinnerte sich nur selten an die Namen seiner Gespielinnen. Er schämte sich noch nicht einmal dafür.

Arbeit, Party, Sex – das waren seine drei Lieblingsbeschäftigungen im Leben. Er hasste Frauen nicht. Aber er hatte auch nicht besonders viel Geduld mit ihnen.

Die letzten beiden Monate hatte er fast rund um die Uhr gearbeitet, um Katrakis Textiles aus dem Schlamassel wieder herauszuholen, in das sein Geschäftspartner und ältester Freund, Stavros, das Unternehmen hatte abrutschen lassen. Ungewöhnlich für Stavros, aber gut, es war eben passiert. Doch Dimitri hatte die Dinge wieder in den Griff bekommen, unter anderem, indem er endlich einen vielversprechenden Nachtclub in sein Portfolio übernahm, den er schon seit Ewigkeiten im Auge hatte.

Zur Belohnung hatte er sich eine Nacht mit einer der hübschen Blondinen aus dem Club gegönnt. Sie hatte alles, was er an Frauen liebte: Sie war heiß, hatte einen üppigen Körper und küsste einfach umwerfend. Und was das Beste war: Sie versuchte nicht, das Schweigen zwischen ihnen mit unermüdlichem Geplapper zu füllen wie die meisten Frauen. Sie hatte noch nicht einmal versucht, das Gespräch in Richtung Beziehung zu lenken.

Als sie sich im Bett aufsetzte, fiel sein Blick auf ihre schlanken Schenkel und ihre rosigen Nippel. Dennoch spürte er nicht mehr als eine leise Erregung. Wie ein Hund, der eine verlockende Fährte aufgenommen hatte.

So wie immer eben. Wie es die letzten zehn Jahre gewesen war. Er arbeitete, sammelte kostspieliges Spielzeug und schlief mit Frauen. Trotzdem spürte Dimitri eine vage Leere. Es war das Gefühl, dass ihn das alles eigentlich nichts anging. Was er auch tat: Er spürte kaum etwas. Und das erweckte manchmal den Eindruck in ihm, als schaute er dem echten Leben durch eine Schaufensterscheibe zu.

Vor vielen Jahren hatte er selbst dafür gesorgt. Hatte eine imaginäre Mauer um sich herum errichtet, damit er nicht mehr so viel fühlte. Und jetzt gelang es ihm nicht mehr, diese Mauer zu durchbrechen.

Vom Deck drang Gelächter zu ihnen herunter. Er erkannte Leahs Stimme. Sie hatte sich und Stavros an diesem Tag zum Mittagessen auf seine Yacht eingeladen.

Während er in seine Jeans stieg, dachte er über Leah nach. Er hatte die Enkelin seines Adoptivvaters immer gemocht. Doch seit Leah und Stavros endlich zueinandergefunden hatten – worüber er sich eigentlich sehr gefreut hatte – ging es mit den Aktien ihres Unternehmens immer mehr bergab.

Und da war noch etwas: Er fühlte sich nicht mehr wirklich wohl in der Gegenwart des glücklichen Paares. Er kannte den Grund für sein Unwohlsein, auch wenn er es niemals offen aussprechen würde. Auf Stavros’ missbilligenden Blick konnte er gut verzichten.

Obwohl dieser nur drei Jahre älter war, behandelte er ihn, als sei Dimitri noch immer der sechzehnjährige Rowdy, den ihr Adoptivvater vor so vielen Jahren mit nach Haus gebracht hatte.

„Ich glaube, du solltest jetzt besser gehen“, forderte er die Frau in seinem Bett auf, ohne sie anzusehen.

Kaum dass er das obere Deck betreten hatte, sprang Leah vom Tisch auf, wo sie gemeinsam mit Stavros auf ihn gewartet hatte, und begrüßte ihn mit einer festen Umarmung. „Schön, dich zu sehen, Dimitri.“

Ihre vertraute Stimme und die Wärme ihrer Umarmung überforderten ihn fast. Unerwartete Emotionen stiegen in ihm auf, was man ihm wohl ansah, denn Stavros betrachtete ihn prüfend.

Seit Stavros sich seine Liebe zu Leah eingestanden hatte, wusste er, wie leer sich Dimitri fühlen musste.

Während Dimitri einen Stuhl für Leah heranzog, setzte er bemüht ein Lächeln auf. Eigentlich war ihm gerade gar nicht nach seichter Konversation.

„Was bringt euch zwei dazu, kurz vor eurer Hochzeit euer Liebesnest zu verlassen?“

Leah seufzte. „Giannis ist ja leider nicht mehr unter uns, und du bedeutest mir sehr viel, Dimitri … Darum wollte ich dich fragen, ob du derjenige sein möchtest, der mich zum Traualter führt?“

„Wie oft muss ich dich denn noch zum Altar führen?“, scherzte er. Stavros und Leah hatten bereits vor Jahren geheiratet. Doch es war keine echte Hochzeit gewesen. Zumindest für Leah nicht. Dimitri freute sich, dass sie ihn heute fragte.

Mit verräterisch funkelnden Augen griff Leah nach Stavros’ Hand und verschränkte ihre Finger mit seinen. „Nur noch dieses eine Mal.“

Nach all den Jahren harter Arbeit und Verpflichtungen hatte Stavros mit Leah endlich sein Glück gefunden.

Nach einem kurzen Blickwechsel mit Stavros, um zu sehen, ob sein Freund einverstanden war, nickte Dimitri. „Es wäre mir eine Ehre, Leah.“

Das Vibrieren seines Handys unterbrach den Moment. Stirnrunzelnd zog Dimitri das Gerät aus der Tasche und drückte eine Taste, um die Nachricht zu lesen.

Ich brauche Hilfe, Dimitri. Bitte ruf Noah an. Er wird dir alles erklären. Tu es für Andrew.

Wie erstarrt blickte Dimitri auf das Display.

Bilder und Gedanken erschienen vor seinem geistigen Auge – die Aussetzer seines betrunkenen Vaters, das müde Gesicht seiner Mutter, seine eigene Ohnmacht, dreckige, stinkende Straßen, fliegende Fäuste und gebrochene Nasen, sein Schluchzen, während Andrew ihn fest umarmte. Und ein Mädchen mit viel zu großen dunklen Augen für ihr schmales Gesicht …

Jasmine.

Christos, die Nachricht war von Jasmine.

Sein Magen krampfte sich so sehr zusammen, dass er leise aufstöhnte und vom Tisch aufsprang. So aufgewühlt hatte er sich seit Jahren nicht gefühlt.

Noah … Noah King … Der Mann, der über die Londoner Unterwelt herrschte. Bars und Nachtclubs, krumme Geschäfte, Prostitution – Noah hatte in all diesen lukrativen Segmenten seine Finger im Spiel.

Und Jasmine war in seine Fänge geraten.

Der sanfte Druck einer Hand auf seinem Arm holte ihn zurück in die Realität. Leah stand vor ihm und blickte ihn erschrocken an. Offenbar sah man ihm an, was gerade in ihm vorging.

Auf der anderen Seite des Tisches stand Stavros und blickte besorgt zu ihm herüber. „Dimitri, von wem war die Nachricht?“

„Jasmine.“ Allein ihren Namen auszusprechen, ließ Dimitris Herz schneller schlagen. Als hätte er eine Tür geöffnet, die er in der schlimmsten Nacht seines Lebens für alle Zeit verschlossen hatte und eigentlich nie wieder hatte öffnen wollen. Die gewohnte Leere in ihm war heftig brodelnden Emotionen gewichen.

„Jasmine, Andrews Schwester?“ Stavros verstand sofort.

„Ja, sie steckt in Schwierigkeiten“, entgegnete Dimitri und strich sich nervös mit der Hand durchs Haar. Am liebsten hätte er sich jetzt an seinem Boxsack abreagiert. Er hatte das dringende Bedürfnis, auf irgendetwas einzuschlagen …

„Wir werden eine Lösung finden, Dimitri“, schlug Stavros so ruhig wie möglich vor, als ahnte er, wie Dimitri sich gerade fühlte. Natürlich wusste er es. Niemand kannte ihn besser als sein bester Freund.

Dimitri las die Nachricht erneut. Fassungslos schüttelte er den Kopf. Er hatte immer geglaubt, Jasmine sei ohne ihn besser dran. Stattdessen …

Warum um Himmels willen hatte sie Ärger mit Noah King? Was hatte Andrew verbrochen?

Mit einer schnellen Geste bedeutete er Stavros zu warten, um während der nächsten zwanzig Minuten so ziemlich alle seine Kontakte abzuklopfen. Kontakte, die er damals geknüpft hatte, als er noch auf Londons Straßen lebte.

Schließlich hatte er alle Informationen zusammen und glaubte fast, den Verstand zu verlieren.

Noah King wollte Jasmines Unschuld versteigern, und nun hoffte sie, dass Dimitri ihr helfen würde.

Hätte er nicht die ersten 15 Jahre seines Lebens in diesem Millieu verbracht, er hätte es wohl nicht geglaubt. Was ihm jedoch zu schaffen machte, war die Tatsache, dass sie im Grunde nur indirekt um Hilfe bat. Indem sie ihn daran erinnerte, dass er Andrew gegenüber noch etwas gutzumachen hatte. Weil Andrew ihn unzählige Male vor den Wutanfällen seines alkoholkranken Vaters bewahrt und ihm obendrein bei einer Reihe von Schlägereien das Leben gerettet hatte.

Glaubte sie etwa, er würde ihr sonst nicht helfen?

Angestrengt versuchte er, die vielen Fragen in seinem Kopf zu verdrängen, und wandte sich wieder zu Stavros um. „Ich brauche so viel Bargeld wie möglich. Mindestens hunderttausend Pfund, am besten sofort.“

Stavros zögerte keine Sekunde und rief seinen Buchhalter an. „Sonst noch etwas?“, erkundigte er sich, nachdem er aufgelegt hatte.

„Du bist der Einzige, dem ich vertraue. Wenn irgendetwas schiefgeht, dann möchte ich, dass du … dass du dich um Jasmine kümmerst, ja?“

Statt einer Antwort nickte Stavros bloß. Er versuchte gar nicht erst, ihm etwas auszureden, denn er selbst war es gewesen, der Dimitri gelehrt hatte, wie man seiner Verantwortung nachkam.

Vielleicht war das hier Dimitris Chance, noch einmal von vorn zu beginnen. Die Chance, sich von seinen Schuldgefühlen und der Leere zu befreien, die ihn seit mehr als einem Jahrzehnt belastete. Seit er Jasmine freigegeben hatte.

Jasmine erwachte durch das leichte Knarren der Tür aus einem unruhigen Schlaf. Sofort schoss ihr Adrenalin durch den Körper, und sie setzte sich abrupt auf. Gerade so schaffte sie es, einen Aufschrei zu unterdrücken. Dann griff sie langsam nach dem Messer auf ihrem Nachttisch und rutschte bis zur Bettkante vor. Jetzt nur kein Risiko eingehen.

Glücklicherweise stand das Bett im dunkelsten Teil des Raums. Von Noah hätte sie nichts zu befürchten, er würde sie nicht anrühren. Aber John, sein jüngerer Bruder … Sein lüsterner Blick, jedes Mal, wenn sie sich im Club begegneten, war ihr nicht entgangen.

Nun hörte sie leichte Schritte auf dem billigen Linoleumboden. Mit angehaltenem Atem wartete sie, bereit, sich gegen ihren nächtlichen Besucher zur Wehr zu setzen.

In dem Moment, als der schemenhafte Umriss einer Gestalt sichtbar wurde, stieß sie geräuschlos zu. Das Messer durchschnitt die Luft und ratschte die Kleidung ihres Angreifers auf. Im gleichen Augenblick fühlte sie sich vom Bett hochgehoben, als wäre sie leicht wie eine Feder.

Sofort begann sie, wild um sich zu schlagen und zu treten. Ihre Schreie wurden sogleich von einer rauen Hand erstickt.

„Hör auf zu zappeln, oder ich gehe wieder.“

Völlig panisch vor Angst schlug Jasmine ihre Zähne in die Handfläche des Fremden, der sie mit seinem Schraubstockgriff fest an seinen harten muskulösen Körper presste, sodass sie kaum noch Luft bekam.

John ist doch überhaupt nicht muskulös, ging es ihr durch den Kopf. Der Mann jedoch, der sie festhielt, fühlte sich extrem fest und kräftig an. Auch roch er nicht nach Schweiß, wie sie es von den Männern aus dem Club gewöhnt war. Stattdessen stieg ein sauberer Duft an ihre Nase, der sie an eine frische Meeresbrise erinnerte.

Und es gab nur einen Mann auf der Welt, der sie mit eben diesem Duft schon immer aus der Fassung gebracht hatte.

„Dimitri?“, flüsterte sie hoffnungsvoll, und ihr Puls ging so schnell, dass ihr das Blut in den Ohren rauschte.

Sein Griff lockerte sich ein wenig. Sie spürte seinen heißen Atem an ihrem Ohr.

„Zu deinen Diensten, Jasmine.“

Erleichterung machte sich in ihr breit. Für einen kurzen Augenblick schloss sie die Augen und genoss das Gefühl, wie ihre Lungen sich wieder mit Luft füllten.

Beruhigend strich er ihr über die nackten Armee. „Vergiss nicht zu atmen, pethi mou.“

Der plötzliche Anflug von Sehnsucht und Lustgefühlen traf sie völlig unvorbereitet. Ihr wurde auf einmal bewusst, wie lange sie nun schon in dieser selbstauferlegten Einsamkeit lebte. Wie sehr sie sich eigentlich nach menschlicher Nähe sehnte. Es schien ihr eine Ewigkeit her zu sein, seit sie zuletzt so umarmt worden war wie jetzt.

„Du bist gekommen“, flüsterte sie benommen und ungläubig zugleich.

„Es schmeichelt mir, dass du mir so viel Vertrauen entgegenbringst“, entgegnete er sarkastisch. Sein verführerischer Unterton ließ ihre Willenskraft schwinden.

Entschlossen legte sie die Hände auf seine Oberarme und drückte ihn von sich.

„Nach allem, was man so von dir hört, scheint dein Ego ja groß genug zu sein. Und nicht nur dein Ego.

Er lachte schallend. Und löste mit seinem strahlenden Gesicht eine Hitzewelle in ihr aus, die sie noch mehr verunsicherte, als sie ohnehin schon war.

Warum reagierte sie so heftig auf ihn?

„John liegt draußen …“

Erschrocken versuchte sie, sich aus seinem Griff zu winden. „Du meine Güte, hast du ihn etwa umgebracht?“

Wieder schenkte er ihr ein umwerfendes Lächeln. „Mein Adoptivvater hat mir das Leben gerettet. Dafür habe ich ihm versprochen, ein guter Mensch zu werden.“

„Gut zu wissen, dass du deine Versprechen einhältst.“

„Und dann ist da noch Stavros …“, fuhr er unbeirrt fort, als hätte er ihre bissige kleine Bemerkung gar nicht gehört, „… dessen Hochzeit in einer Woche ist. Sicher wäre er nicht sonderlich erfreut, wenn die Feier von einem Drama überschattet wird.“ Dimitri seufzte. „Darum habe ich ihn nicht umgebracht. Auch wenn ich der Versuchung nur schwer widerstehen konnte.“

Jasmine schossen tausend Gedanken durch den Kopf. Noch immer war sie überrascht, dass er sie höchstpersönlich aufgesucht hatte. Wahrscheinlich hatte sie erwartet, dass der berühmt-berüchtigte Playboy sich zu fein dafür sein würde. Vielleicht hatte sie auch nur gehofft, dass sein neuer entspannter Lifestyle ihn irgendwie gezähmt hatte. Ihn weicher und weniger dominant gemacht hatte. Doch sein stahlharter Körper sprach eine andere Sprache. Erst jetzt realisierte sie, dass sie sich instinktiv an ihn gelehnt hatte, und riss sich hastig von ihm los.

Dimitri stieß die Luft aus. „Ich hoffe, ich habe damit alle deine Fragen beantwortet. Bist du jetzt bereit, dieses Sumpfloch zu verlassen?“

„Dimitri … sag mir, warum hast du John angegriffen? Und warum kommst du mitten in der Nacht hierher?“

Ein Schatten glitt über sein Gesicht. Im sanften Mondlicht, das durch die Fenster fiel, konnte sie gerade so seine hellgrauen Augen erkennen, die nun so wild funkelten, dass sie seinem Blick nicht mehr standhielt. „Ich habe ihm einen Kinnhaken verpasst, der ihn erst mal außer Gefecht gesetzt hat, weil er vor deiner Tür herumlungerte. Und ich habe mich sofort auf den Weg zu dir gemacht, weil ich Noah nicht traue. Womöglich erhöht er morgen früh den Einsatz …“

Eine weitere Frage brannte ihr auf der Zunge, auch wenn sie sich kaum traute, sie auszusprechen. „Hast du … hast du meine Schulden beglichen, Dimitri?“

„Nicht nur das, Jasmine …“ Er murmelte etwas auf Griechisch, das sie nicht verstand. „Ich habe auch die Auktion gewonnen. Und jetzt hör auf, dir so viele Gedanken zu machen und pack deine Sachen, thee mou.“

Seine spöttischen, wenngleich liebevoll gemeinten Worte, brachten sie erneut auf.

„Glaub nur nicht, dass ich so naiv bin zu glauben, dass du mein Ritter auf einem weißen Pferd bist.“

Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, bereute sie es.

Seine weißen Zähne leuchteten im Dunklen. „Ich weiß noch, wie du mich auf Andrews Beerdigung genannt hast. Einen egoistischen Bastard, der die Begriffe Ehre und Loyalität noch nie gehört hat. Es ist eine Sache, dich für eine Menge Geld von Noah loszukaufen. Aber meine Großzügigkeit geht leider nicht so weit, dass ich mein Leben für dich riskieren würde. Also lass uns dieses Gespräch vertagen und von hier verschwinden, ja?“

Autor

Tara Pammi

Tara schreibt sexy Romanzen mit anbetungswürdigen Helden und sexy Heldinnen. Ihre Heldinnen sind manchmal laut und rebellisch und manchmal schüchtern und nerdig, aber jede von ihnen findet ihren perfekten Helden. Denn jede Frau verdient eine Liebesgeschichte!

Tara lebt in Texas mit ihrem ganz persönlichen Helden und zwei Heldinnen in der...

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