Viel Lust und noch mehr Liebe

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Auf einer Hochzeit in Las Vegas trifft der Rodeoreiter Jed die burschikose Kristi wieder. Beinahe hätte er die Pferdezüchterin nicht erkannt - so ungewohnt verführerisch sieht sie als Brautjungfer aus. Das erregende Prickeln, das er bei ihrem Anblick verspürt, schiebt er allerdings auf den Champagnergenuss …
  • Erscheinungstag 28.03.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733756284
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Jed Cullen trat unruhig von einem Bein aufs andere und hätte sich liebend gern von der Krawatte befreit, die ihn fast erwürgte. Auf Hochzeiten kam er sich immer wie eine Distel unter vielen Gänseblümchen vor, ganz besonders in einem so affigen Anzug und mit der Krawatte um den Hals, für deren Knoten er eine gute halbe Stunde gebraucht hatte.

Die Blicke einiger Gäste bohrten ihm Löcher in den Rücken, während er neben Cord McVane stand, seinem Rodeopartner und besten Freund. Der kleine, elegante Raum entsprach so gar nicht seinen Vorstellungen von einer Hochzeitskapelle in Las Vegas.

Zwei riesige Blumenvasen flankierten einen niedrigen Altar mit drei weißen Kerzen, von denen nur eine brannte. Der ernst aussehende Geistliche stand dahinter und betrachtete die Gäste, die gerade Platz nahmen.

Jed musterte Cord aus dem Augenwinkel heraus. Dafür, dass er gleich heiraten würde, wirkte sein Freund erstaunlich gelassen. Ja, Cord schien gar nicht mehr er selbst zu sein. Es war, als hätte er schon das rastlose Leben eines Rodeocowboys hinter sich gelassen, um die Pflichten eines Ehemannes auf sich zu nehmen.

Jed schüttelte leicht den Kopf. Selbst jetzt begriff er noch nicht, dass ausgerechnet Cord McVane sich entschlossen hatte, sich kopfüber in die Ehe zu stürzen. Zuerst sein Kumpel Denver Briggs und jetzt Cord. Die drei Freunde hatten viel gemeinsam durchgestanden, und ohne die beiden würde das Rodeo nie mehr so sein, wie es einmal war.

Jed hatte Cord gefragt, warum er für die Hochzeit einen Frack gewählt hatte, und keinen Anzug im Westernstil. Cord hatte geantwortet, es wäre Loris Wunsch gewesen. Er ist noch nicht mal mit ihr verheiratet, und sie sagt schon, wo es langgeht, dachte Jed verdrossen.

Gereizt steckte er die Hände in die Hosentaschen, zog sie aber gleich darauf wieder heraus. Er hatte einfach schlechte Laune. Dabei mochte er Lori, und er freute sich, dass Cord diese ganz besondere Frau gefunden hatte. Cord und Denver würden ihm beim Rodeo fehlen – das war der wirkliche Grund für seine miese Stimmung.

Gemeinsam waren sie sieben Jahre lang durchs Land gezogen und hatten alles miteinander geteilt, von Rasierklingen bis hin zum Wohnwagen. Ohne die beiden, die nun in festen Händen waren, würde es auf der Straße verdammt leer und einsam werden.

Als Jed die Arme verschränkte, spannte sich das geliehene Jackett über seinen breiten Schultern. Leichte Unruhe entstand, als die vertrauten Klänge des Hochzeitsmarsches einsetzten. Cord wandte sich um und sah seine Braut an.

Da er einfach nicht widerstehen konnte, drehte auch Jed den Kopf. Bei Loris Anblick in einem kurzen weißen Kleid mit Schleier wurde er für einen kurzen Moment neidisch. Sein Freund Denver heiratete in drei Wochen. Diese Heiraterei war wohl ansteckend, aber Jed Cullen ging als Einziger des Teams garantiert nicht in diese Falle. Es gab sowieso keine Frau, die ihn zum Altar schleppen konnte. Die Schönheit, die da vor Lori zum Altar schritt, hätte ihn jedoch zumindest für einige Stunden interessieren können.

Ein oder zwei Sekunden betrachtete er fasziniert die Rundungen, die sich unter dem Kleid der Brautjungfer abzeichneten. Dann sah er sich das Gesicht genauer an.

Zuerst glaubte er an Einbildung, aber es stimmte. Das war wirklich Kristi Ramsett, die da zielstrebig auf ihn zukam.

Heute sah sie jedenfalls ganz anders aus als sonst. Das blonde Haar war glatt hochgekämmt und wurde von einer Art Krone aus blauen und weißen Blumen gehalten. Das blaue Seidenkleid schmiegte sich um ihre schlanke Gestalt, bauschte sich an den Hüften und reichte ihr bis zu den Knien. Jed kam aus dem Staunen nicht heraus. Kristi Ramsett hatte doch tatsächlich Beine! Und was für welche! Bisher hatte er sie immer nur in Jeans und Cowboyhemd gesehen, selbst beim Tanzen.

Sie hatte auch Make-up benutzt, nicht sonderlich viel, aber es machte ihre Augen größer und ihren Mund weicher. Und sie hatte die leuchtendsten blauen Augen, die er jemals gesehen hatte. Früher war ihm das gar nicht aufgefallen, und auf ihren Mund hatte er eigentlich auch nie richtig geachtet. Jetzt aber war das ganz anders.

Ein wohliger Schauer lief ihm über den Rücken, als sie ihn anlächelte. Hastig blickte er nach vorn, bekam aber nur am Rande mit, wie Cord mit der strahlenden Lori an seiner Seite vor den Altar trat. Der Priester begrüßte sie und hielt eine kurze Ansprache.

Vergeblich versuchte Jed sich auf die Hochzeit zu konzentrieren. Seine Gedanken schweiften immer wieder zu der Frau ab, die jetzt hinter ihm stand.

Er kannte Kristi nun schon seit drei Jahren. Ihrem Vater gehörte ein Zuchtbetrieb, der Pferde und Rinder für Rodeos lieferte. Manchmal hatten Cord und Denver ihn damit aufgezogen, dass Kristi ihm offenbar folgte und ständig dann auftauchte, wenn er es am wenigsten erwartete. Jed hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass die beiden nur Unsinn redeten.

Natürlich interessierte er sich für Frauen, und mit einigen hatte er sogar sehr aufregende Nächte verbracht. Er wollte nur nichts von Bindungen wissen, und Kristi war eindeutig keine Frau für eine Nacht, die man am nächsten Tag schon wieder vergaß. Das war sogar ein Grund, weshalb er sich in ihrer Nähe immer wohlgefühlt hatte. Sie machte sich nämlich an keinen Mann heran.

Kristi Ramsett suchte vielmehr den Wettstreit mit Männern. Jed hatte mal aufgeschnappt, dass sie ihrem Vater den Sohn ersetzen wollte, den er nicht hatte. Dementsprechend wirkte Kristi auch nicht sonderlich feminin und war nicht Jeds Typ. Unglaublich, wie sie sich heute verwandelt hatte!

Der Geistliche hatte zu sprechen aufgehört und sah Jed an, als sei er nun an der Reihe. Cord zog die Augenbrauen hoch und flüsterte: „Der Ring.“

Jed zuckte zusammen und fasste in die schmale Westentasche. Verdammt, er hatte seinen Einsatz verpasst! Er fand die kleine Schatulle und zog sie heraus, öffnete sie aber zu hastig und ließ den Ring fallen. Das elende Ding sprang von seinem Stiefel ab und rollte hinter ihn.

In sich hineinfluchend, drehte Jed sich um und blickte genau in Kristis Ausschnitt, als sie sich bückte und den glänzenden Goldring aufhob. Beinahe hätte Jed ihn wieder fallen lassen, als sie ihm den Ring reichte, weil ihm zum ersten Mal bewusst wurde, dass Kristi Ramsett tatsächlich auch Brüste hatte.

Der Priester räusperte sich. Jed wandte den Blick von Kristis lächelndem Gesicht ab und reichte den Ring dem Priester, der ihn mit einem missbilligenden Blick bedachte, bevor er mit der Zeremonie fortfuhr. Was danach geschah, bekam Jed kaum mit. Er konnte nur noch an Kristis Verwandlung denken und daran, was ihm bei ihr bisher alles entgangen war.

Kristi ließ sich kein Wort der Zeremonie entgehen. Zum ersten Mal im Leben war sie Brautjungfer, und sie wollte jeden Moment genießen. Das war jedoch schwieriger als erwartet, weil die Schuhe sie umbrachten. So hohe Absätze war sie nicht gewohnt. Die Waden und die Rückseite der Schenkel taten schon weh, und die Zehen fühlten sich wie Orangen in der Saftpresse an.

Zum Glück konnte ihr Vater sie jetzt nicht sehen. Wahrscheinlich hätte er sie gar nicht erkannt. Nicht mal sie selbst erinnerte sich daran, wann sie das letzte Mal ein Kleid angezogen hatte. Das musste beim Abschluss der High School gewesen sein, und jenes Kleid hatte bis zu den Knöcheln gereicht. In dem heutigen Kleid kam sie sich jedoch vor, als würde sie in der Öffentlichkeit ein kurzes Nachthemd tragen. Allerdings entschädigte sie der Ausdruck auf Jed Cullens Gesicht weitgehend für die Schmerzen.

Wahrscheinlich lässt er mich später dafür bezahlen, dachte sie düster, während Cord und Lori je eine Kerze auf dem Altar ansteckten. Jed ließ keine Gelegenheit aus, sie gnadenlos aufzuziehen, und den heutigen Auftritt genoss er garantiert.

Tränen stiegen ihr in die Augen, als der Geistliche Cord und Lori zu Mann und Frau erklärte und Cord die Braut küssen durfte. Allerdings ließ sie nicht zu, dass ihr auch nur eine einzige Träne über die Wangen lief, weil Weinen ein Zeichen von Schwäche war, und das konnte Kristi Ramsett sich nicht leisten. Neiderfüllt sah sie zu, wie Cord seine Lori küsste. Sicher war es wundervoll, einen Mann so sehr zu lieben und zu wissen, dass er diese Liebe erwiderte. Lori konnte sich glücklich schätzen. Sie hatte einen Mann gefunden, der sie offenbar anhimmelte.

Kristi richtete den Blick sehnsüchtig auf Jed. Drei Jahre wartete sie schon darauf, dass er sie beachtete, aber er behandelte sie wie einen kleinen Bruder. Wenigstens bis heute …

Vielleicht erkannte er jetzt, dass Kristi Ramsett mehr als nur Mut zu bieten hatte, und behandelte sie endlich wie eine erwachsene Frau. Immerhin war sie fast schon dreißig – in den Augen mancher Leute nicht mehr ganz taufrisch.

Das Objekt ihres Interesses drehte sich plötzlich zu ihr um. Erst jetzt merkte sie, dass Lori und Cord schon zum Ausgang schritten. Ein Blick in Jeds goldbraun glänzenden Augen reichte, und sie ging sofort in die Defensive. „Was grinst du denn so, Jed?“, fragte sie leise. „Hast du noch nie im Leben eine Brautjungfer gesehen?“

Es brachte sie völlig aus dem Gleichgewicht, als Jed auf die übliche schlagfertige Antwort verzichtete, sie stattdessen vom Scheitel bis zur Sohle betrachtete und dabei den Blick lange auf ihren Brüsten ruhen ließ. Bevor sie sich davon erholte, bot er ihr lächelnd den Arm, damit sie den Frischvermählten folgen konnten.

Sie hakte ihn unter und bemühte sich tapfer, so zu tun, als wäre es für sie völlig normal, mit hohen Absätzen und in einem kurzen Kleid zu gehen. Unglaublich, wie Jed im Frack und ordentlich gekämmt aussah. Meistens hatte sie ihn nur mit dem Hut tief in der Stirn gesehen. Ohne den Schatten der Krempe hatten seine Augen noch mehr diesen goldenen Glanz … wie die Augen einer Raubkatze aus dem afrikanischen Urwald.

Natürlich war sie nie in Afrika gewesen, aber solche Augen hatte sie bei Tieren im Zoo gesehen. Manchmal erinnerte Jed sie tatsächlich an ein wildes Tier … rastlos und gefährlich. Dann wiederum war er verspielt und lustig wie ein Welpe, der darum bettelt, dass sich jemand mit ihm beschäftigt.

„Du wirkst ungefähr so entspannt wie eine Fliege in einem Glas Whisky“, stellte er mit einem Blick auf ihre Füße fest.

„Im Moment könnte ich einen Whisky brauchen“, sagte sie leise, als sie den Ausgang erreichten.

„Lieber nicht, sonst stolperst du noch mit diesen Schuhen und landest auf deinem hübschen Gesicht.“

Sie sah ihn misstrauisch an, aber er wandte sich ab und war damit beschäftigt, die Gäste von der Kapelle zu ihren Autos zu begleiten. Ihr blieb nichts weiter übrig, als auf der Fahrt zum Hotel, in dem die Feier stattfand, über seine Bemerkung nachzudenken.

Jed bemühte sich, nicht an Kristi zu denken, während er gemeinsam mit Cord die Gäste begrüßte, die in den Festsaal strömten. Kristi stand auf der anderen Seite des Brautpaares, sodass er sie zu seiner größten Erleichterung nicht sehen konnte. Noch mehr Ablenkung hätte ihm gar nicht gut getan.

Er ärgerte sich, dass er wegen Kristi nicht an seine Pflichten gedacht hatte. Das hatte aber ganz sicher nichts damit zu tun, dass sie heute so verändert aussah. Er fühlte sich nicht zu Kristi Ramsett hingezogen, auf gar keinen Fall. Kristi war wie eine lästige, hinterhältige kleine Schwester, die ihn manchmal so sehr ärgerte, dass er sie am liebsten in einen Trog mit kaltem Wasser geworfen hätte.

Er stellte sich lebhaft vor, wie sie sich wehren würde. Mut und Entschlossenheit hatte sie, das stand fest. Er musste sogar lächeln, als er sich ausmalte, dass sie wütend wie eine gebadete Katze um sich schlagen würde. Und das Kleid klebte ihr dabei wie eine zweite Haut am Körper.

Die rundliche Frau, die er gerade begrüßte, bezog das Lächeln auf sich. „Sie unterhalten sich offenbar sehr gut, J. C. Wann sind Sie denn an der Reihe?“

Weil er in Gedanken noch bei Kristis Kleid war, dauerte es einen Moment, bis er Grace erkannte. Sie war die Rodeosekretärin, die ihm den Gewinn auszahlte, wenn er bei einem Ritt Glück gehabt hatte. Schlagartig erlosch sein Lächeln, als er die Frage begriff. „Eher friert die Hölle ein, als dass Sie mich vor dem Altar sehen.“

Grace nickte fröhlich. „Das dachte ich mir schon. Freut mich, dass wenigstens einer von euch Jungs noch einen Funken Verstand in seinem Dickschädel hat. Wenn alle so wie Cord und Denver wären, würde es bald kein Rodeo mehr geben.“

„Die beiden geben das Rodeo doch nicht auf, Grace“, verteidigte Jed seine Freunde. „Denver wird eine Rodeoschule eröffnen und Nachwuchs ausbilden, und Cord möchte im nächsten Jahr sein erstes Rodeo veranstalten.“

„Habe ich gehört“, bestätigte Grace. „Es wird trotzdem nicht mehr wie früher sein, wenn sie nicht selbst den Hintern auf ein Pferd schwingen. Jedenfalls freut es mich, dass Sie im nächsten Jahr wieder dabei sein werden.“

„Diesmal werde ich Champion“, versprach Jed. „Machen Sie schon mal einen Platz an Ihrer Wand frei, damit Sie mein Bild zu den anderen hängen können.“

„Mache ich“, sagte Grace lächelnd und ging weiter.

Eine Frau mit einem Tablett voller Sektgläser blieb vor ihm stehen. „Greif lieber zu“, riet Cord. „Du musst die Rede halten, oder hast du das vergessen?“

„Wie sollte ich?“, fragte Jed stöhnend. „Du hast sie mich oft genug wiederholen lassen.“

„Hoffentlich erinnerst du dich noch an alles“, sagte Cord lachend und nahm seine frisch angetraute Ehefrau in den Arm. „Gehen wir, Mrs. McVane. Höchste Zeit, die Torte anzuschneiden.“

Lori strahlte ihn an. Jed folgte den beiden zu einer langen Tafel, griff nach einer Gabel und schlug damit gegen sein Glas. Es dauerte eine Weile, bis alle Hochzeitsgäste ihre Aufmerksamkeit auf ihn richteten. Dann räusperte er sich, fing einen Blick aus Kristis blauen Augen auf und konzentrierte sich hastig auf eine Gruppe von Männern in seiner Nähe.

„Meine Damen und Herren“, begann er. „Ich wollte nur sagen …“ Schlagartig hatte er keine Ahnung mehr, was er sagen wollte. Zum Teufel mit Kristi und diesem eng anliegenden Kleid, das so gut zu ihren Augen passte! Alle Blicke waren auf ihn gerichtet. Er räusperte sich noch einmal. Schweiß brach ihm auf der Stirn aus. „Nicht jeder Frau gelingt es, das Herz eines Rodeocowboys zu erobern“, setzte er erneut an. „Es muss schon eine ganz besondere Frau daherkommen …“

Er entspannte sich, als ihm die vielfach geprobte Rede wieder einfiel. Problemlos stand er sie bis zum Ende durch, wobei er alle Hochzeitsgäste ansah, nur nicht Kristi Ramsett. Schließlich hob er erleichtert das Glas.

„Sicher wollen alle mit mir dem verliebten Paar ein langes Leben voller Glück und Gesundheit wünschen. Auf unsere guten Freunde Cord und Lori McVane!“

Als die Gäste die Gläser erhoben, kippte Jed den Inhalt seines Glases hinunter. Während Cord und Lori einander mit Torte fütterten, leerte er ein zweites Glas. Und als die Kapelle einen langsamen Walzer anstimmte, damit das glückliche Paar den Tanz eröffnete, schaffte Jed das dritte Glas.

Er griff nach dem Vierten, als Denver hinter ihm sagte: „Du musst keinen Champagner trinken. An der Bar gibt es reichlich Bier.“

„Ich mag Champagner“, erwiderte Jed abweisend, während Cord seine Braut ihrem Vater überließ. Im Moment hätte er alles getrunken, um das flaue Gefühl im Magen loszuwerden. „Hübsche Hochzeit“, fügte er hinzu.

„Ja, und eine gute Vorübung für meine“, warf Denver ein. „Jetzt müssen wir nur noch dich zum Altar schleppen.“

„Nein, Sir.“ Jed schüttelte heftig den Kopf. „Kommt gar nicht infrage. Nicht mich.“

„Und ich dachte, du willst eine Braut nach Promise mitnehmen“, sagte Denver und nahm von einer lächelnden jungen Frau ein Stück Torte entgegen.

„Eine Scheinbraut“, verbesserte Jed seinen Freund. „Ich will für die Leute nur eine Show abziehen, aber nicht mein Leben ruinieren.“

„Die Leute in deiner Heimatstadt müssen ja sehr leicht zu beeindrucken sein, wenn nicht mehr nötig ist.“

„Du weißt, dass es um mehr geht“, wehrte Jed ab. „Übermorgen werde ich die Meisterschaft gewinnen. Wenn ich mit der Gürtelschnalle des Siegers nach Promise komme, wo man ganz verrückt nach Rodeo ist, werden das alle sehen. Falls sie mich selbst dann nicht respektieren, hilft mir gar nichts.“

„Zuerst musst du gewinnen“, bemerkte Denver. „Und das wird gar nicht so einfach. Hier sind einige Männer, die sich durchaus zutrauen, dich zu schlagen.“

„Ich gehöre zum Favoritenkreis.“ Jed schüttelte den Kopf, als ihm die Frau auch ein Stück Torte anbot.

„Und was ist, wenn du gewinnst? Suchst du dir dann trotzdem eine Scheinehefrau?“

Jed zuckte mit den Schultern. „Darauf muss ich wohl verzichten. Ich wollte mir eine elegante, gebildete Frau suchen, mit der ich Eindruck machen kann. Aber es ist gar nicht leicht, so eine Frau zu finden.“

„Nimm dir lieber ein Stück Torte“, riet Denver. „Du hast große Wünsche, und dazu brauchst du Hilfe.“

„Was hat das mit der Torte zu tun?“, fragte Jed.

„Wenn man sich beim Essen einer Hochzeitstorte etwas wünscht, geht es immer in Erfüllung. Weißt du das nicht?“

Jed kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. „Ich weiß, wann du mich veralberst.“

„Warum sollte ich, Partner? Du willst nur vierzehn erfahrene Cowboys schlagen, um den wichtigsten Titel beim Rodeo zu gewinnen. Und dann willst du eine reiche Dame der Gesellschaft finden, mit der du nach Arizona gehst und die Leute in der Kleinstadt Promise beeindruckst. Warum sollte ich daran etwas komisch finden?“

Jed unterdrückte seinen aufkommenden Ärger. Er selbst hatte in der Vergangenheit oft genug herumgescherzt, und er konnte nicht erwarten, dass Denver ihn verstand. Schließlich hatte er ihm und Cord nie die ganze Geschichte erzählt. Und wenn man es so darstellte, wie Denver das tat, klang es wirklich reichlich albern.

„Sie muss nicht reich sein“, behauptete Jed. „Sie soll nur aussehen, als hätte sie Geld. Aber das kann ich wohl vergessen. Ich garantiere dir nur, dass ich diese Gürtelschnalle gewinne.“

„Na ja, da ich in diesem Jahr nicht antrete, hast du vielleicht sogar eine Chance.“ Denver schlug seinem Freund auf die Schulter. „Ich wünsche dir viel Glück, J. C.“

„Und möge der Beste gewinnen“, fügte Cord hinzu, als er zu den beiden trat. „Tust du mir einen Gefallen?“

„Sicher“, sagte Jed bereitwillig. „Was gibt es, Partner?“

Cord deutete zur Tanzfläche. „Es ist Tradition, dass der Trauzeuge des Bräutigams mit der Brautjungfer tanzt. Lori würde sich freuen, wenn du mit Kristi das Tanzbein schwingst. Sie legt großen Wert auf Tradition.“

Jed rang sich ein mattes Lächeln ab. „Richte Mrs. McVane bitte aus, es ist mir ein Vergnügen, wenn ich später mit ihr tanzen kann.“

Cord tat, als müsste er scharf nachdenken. „Ich glaube, ich kann sie dir für einen Tanz anvertrauen“, meinte er schließlich.

„Da wir gerade davon sprechen.“ Jed rieb sich das Kinn. „Du leihst mir wohl nicht zufällig deine Frau, damit ich mit ihr zwei Wochen nach Promise fahre?“

Cord lächelte höchst zufrieden. „Tut mir leid, Partner, aber ich habe mit der Dame schon so einiges vor, sodass sie in der nächsten Zeit ziemlich beschäftigt sein wird.“

Jed wandte sich an Denver.

„Vergiss es!“, wehrte Denver sofort ab. „Such dir selbst eine Frau.“

Jed warf einen Blick zu Kristi, die sich gerade mit Grace unterhielt. „In dem Fall versuche ich es eben mit der Brautjungfer.“

Kristi sah Jed näher kommen. Sofort schlug ihr Herz schneller. Sie wusste, dass sie mit dem Trauzeugen des Bräutigams tanzen sollte, aber sie hatte Jed noch nie auf der Tanzfläche gesehen. Darum wagte sie kaum zu hoffen, dass er sie jetzt aufforderte. Eigentlich wollte sie gar nicht tanzen. Die Füße taten ihr schon so weh, dass sie kaum noch stehen konnte, von tanzen ganz zu schweigen. Und dann auch noch mit Jed Cullen!

Dass Kristi im Alter von dreißig Jahren noch ungebunden war, lag unter anderem daran, dass sie nie einen Mann getroffen hatte, dem sie trauen konnte, ausgenommen vielleicht dem Mann, der sich ihr näherte, und seinen beiden Rodeopartnern.

Alle drei Männer waren beliebt und angesehen, und nun hatten Cord und Denver auch Partnerinnen fürs Leben gefunden. Jed Cullen … na ja, er hatte es faustdick hinter den Ohren, und manchmal trieb er sie mit seinen Scherzen zum Wahnsinn, aber nie hatte jemand über ihn auch nur ein einziges böses Wort gesagt.

Sein größtes Problem war, dass er außer dem Rodeo nichts ernst nahm. Niemand war mehr darauf aus, die Meisterschaft zu gewinnen, als Jed Cullen. Das füllte sein Leben aus, und wahrscheinlich hatte er deshalb nie Zeit für etwas anderes gehabt, auch nicht für sie.

Kristi betrachtete ihn verhalten, als er vor ihr stehen blieb, und machte sich auf eine seiner frechen Bemerkungen gefasst. Oft hatte sie sich eingeredet, dass Jed sie aufzog, weil er sie mochte. Manchmal taten seine Scherze sogar weh, doch das ahnte er sicher nicht, und sie konnte es ihm nicht zeigen. Nie durfte er erfahren, dass sie nachts von ihm träumte und vor allem an ihn dachte, wenn sie sich einsam fühlte. Falls er das jemals herausfand, würde er ihr sicher aus dem Weg gehen, und dann würden ihr seine Scherze fehlen, selbst wenn sie manchmal schmerzten.

„Wahrscheinlich stehen die Cowboys Schlange, um mit dir zu tanzen“, sagte er und hielt ihr die Hand hin. „Darum melde ich mich lieber bei dir, bevor ich die Horden vertreiben muss.“

„Oh ja“, gab sie scherzhaft zurück. „Mir ist auch schon aufgefallen, dass sie es gar nicht erwarten können.“

„Ich meine es ernst.“ Er deutete zur Bar. „Dort streiten sich drei Männer, wer dich als Erster auffordern darf.“ Sein Blick wanderte über ihren Körper. „Wie du aussiehst, kann ich es ihnen nicht verübeln.“

Kristi stockte der Atem. Meinte er das ernst? Ausnahmsweise war sie um eine Antwort verlegen.

„Nimmst du jetzt meine Hand, oder muss ich dich auf die Tanzfläche zerren?“

Sie starrte auf seine Hand, riss sich zusammen und griff danach.

Seine Finger fühlten sich warm und stark an, und diese Wärme zog sich durch ihren Arm hoch. Prompt stolperte sie mit diesen scheußlichen Absätzen, während sie ihm folgte.

Er drehte sich besorgt um. „Alles in Ordnung?“

Sie nickte, biss die Zähne zusammen und zwang sich, natürlich zu gehen. Dass ihre Knie plötzlich zitterten, kam vermutlich vom zu langen Stehen in diesen Schuhen.

Jed wandte sich ihr zu, legte ihr die andere Hand auf den Rücken und zog sie näher zu sich heran. Sie prallte gegen ihn und murmelte: „Tut mir leid.“

„Mir nicht“, widersprach er amüsiert. „Du kannst so oft gegen mich stoßen, wie du willst.“

Verlegen blickte sie zur Bar, an der mehrere Cowboys lehnten. Drei der Männer beobachteten sie tatsächlich. Wahrscheinlich wetteten sie, wie lange es dauerte, bevor Jed sich abseilte und sich eine andere Frau mit mehr Stil suchte.

„Hübsches Kleid“, bemerkte Jed so dicht an ihrem Ohr, dass sie seinen warmen Atem spürte.

Sie zuckte zusammen und stolperte prompt wieder.

Jed hielt sie fester. „Wieso bist du so nervös?“

„Ich kann nicht gut tanzen“, redete sie sich heraus.

„Ich auch nicht. Wir könnten einfach stehen bleiben und uns zur Musik wiegen. Das schaffst du doch, oder?“

Sie zog sich ein Stück zurück und sah ihn vorwurfsvoll an. „Du machst dich über mich lustig.“ Bei seinem herausfordernden Blick lief ihr immer ein wohliger Schauer über den Rücken.

„Aber nein“, versicherte er. „Warum sollte ich mich über eine der hübschesten Frauen im Saal lustig machen? Du siehst überhaupt nicht wie die liebe gute Kristi aus. Ich möchte bloß wissen, wo du die ganze Zeit diese Figur versteckt hast.“

Oh nein, dachte sie hektisch, er hat es gemerkt. Was sollte sie jetzt machen? Sie war verlegen und unsicher. Mit seinen Scherzen konnte sie umgehen, selbst wenn sie derb waren. Darauf hatte sie immer eine schlagfertige Antwort parat. Aber nun war es etwas anderes. Davon hatte sie seit Jahren geträumt, und jetzt wusste sie nicht, wie sie damit umgehen sollte. Ihr fiel absolut nichts ein.

„Diese Figur war die ganze Zeit da“, sagte sie spröde und wünschte sich im selben Moment, den Mund gehalten zu haben.

„Was du nicht sagst.“ Jed lächelte. „Wer hätte gedacht, dass du unter den weiten Westernhemden und den ausgebeulten Jeans so eine tolle Ausrüstung versteckst.“

Weil er etwas schleppend sprach, wurde sie misstrauisch. „Hast du getrunken?“

„Champagner“, bestätigte er. „Eine Menge leckere Brause.“

„Das ist es also.“

„Hey, warte“, protestierte er und hielt sie fest, als sie sich von ihm lösen wollte. „So viel habe ich auch wieder nicht getrunken. Jedenfalls erkenne ich noch eine schöne Frau, wenn ich eine in den Armen halte.“

„Hast du die ganze Flasche allein ausgetrunken?“

Er seufzte. „Was muss ich denn machen, um dich zu überzeugen? Dich küssen?“

Kristi stolperte und wäre diesmal beinahe gestürzt.

Jed packte sie und drückte sie fest an seine Brust. Sekundenlang pressten sie sich aneinander. Kristi konnte nicht atmen, und ihr wurde abwechselnd heiß und kalt. Am liebsten hätte sie sich gar nicht mehr von seinem harten Körper gelöst.

Die Wirkung von Kristis weichem Körper traf Jed völlig überraschend. Während des Tanzes hatte er sich die ganze Zeit gefragt, wieso er bisher nie bemerkt hatte, wie einladend ihr Mund war. Das Grübchen in der rechten Wange war ihm auch nicht aufgefallen. Dafür bemerkte er jetzt, wie wundervoll ihr Körper sich an ihn schmiegte, und wie gut sie gebaut war.

Noch nie hatte er Kristi mit offenem Haar gesehen, und ausgerechnet jetzt sehnte er sich danach. Am liebsten hätte er ihr das Haar gelöst. Außerdem duftete sie wie ein Rosenbeet nach einem Frühlingsschauer.

„Nun bin ich an der Reihe, mit der Brautjungfer zu tanzen“, sagte jemand hinter ihm.

Instinktiv drückte er Kristi noch fester an sich und wollte den Kerl wegschicken. Nie hätte er gedacht, dass es so viel Spaß machte, mit ihr zu tanzen. Diese Seite kannte er nicht bei ihr, und sie gefiel ihm. Sehr sogar.

„Hey, Partner“, sagte der Mann hinter ihm. „Du musst jetzt mit der Braut tanzen.“

Autor

Doreen Roberts
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