Baccara Extra Band 31

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  • Erscheinungstag 13.06.2023
  • Bandnummer 31
  • ISBN / Artikelnummer 9783751516570
  • Seitenanzahl 496
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Cathy Gillen Thacker, Barbara Benedict, Patricia Knoll, Jennifer Drew

BACCARA EXTRA BAND 31

1. KAPITEL

„Können Sie mir behilflich sein?“

Jenna Lockhart spürte, wie ihr beim Klang dieser samtweichen, tiefen männlichen Stimme ein Kribbeln über den Rücken lief. Diese Stimme kannte sie doch … Das Blut schoss ihr in den Kopf, und sie wandte sich langsam zur Tür, um zu sehen, wer so kurz vor Ladenschluss noch etwas einkaufen wollte. Und plötzlich wurden ihre Knie weich. Über sechs Jahre war es her, seit sie Jake Remington zum letzten Mal gesehen hatte. Er hatte sich kaum verändert, außer, dass er noch besser aussah und noch selbstbewusster wirkte als früher. Er war gut einen Kopf größer als sie und hatte einen Hang zu lässiger Kleidung und noch lässigerem Benehmen, ungeachtet seines Reichtums und seines Erfolges.

„Was machst du denn hier?“ fragte Jenna.

Er schien sich kein bisschen unwohl zu fühlen in dieser betont femininen Umgebung und betrachtete interessiert die maßgeschneiderten Hochzeits- und Abendkleider. Während er auf sie zuging, schob er seinen schwarzen Cowboyhut nach hinten und brachte sein dichtes schwarzes Haar zum Vorschein. Wohlgefällig ließ er seine Blicke von ihrem Gesicht bis zu den Fußspitzen wandern. „Ich wollte dir zu deinem Erfolg gratulieren“, sagte er lächelnd. „Deine Modelle machen Furore. Offenbar wollen jetzt alle Hollywood-Starlets von dir eingekleidet werden.“

Das stimmte. Jenna war gut eingedeckt mit Aufträgen und würde bald neben Raelynn noch eine zweite Schneiderin einstellen müssen. Doch das wollte sie Jake nicht unbedingt auf die Nase binden. „Du selbst stehst auch nicht schlecht da, wie ich hörte. J&R Industries ist ja wohl ein milliardenschweres Unternehmen.“

Jake grinste sie an, die Hände lässig am Bund seiner schwarzen Jeans. „Ich sehe, du bist auf dem Laufenden.“

Jenna versuchte, seine schmalen Hüften zu ignorieren, und wandte sich ab. „Schließlich liest man Zeitung.“

Jake folgte ihr durch den Laden, während sie aufräumte. „Normalerweise mache ich vorher einen Termin, aber ich nehme an, du hättest mir keinen gegeben.“

Während sie ihren Computer herunterfuhr, versuchte Jenna die Erinnerung daran zu unterdrücken, wie gut es sich anfühlte, an seiner warmen, starken Brust zu liegen. „Da hast du ganz recht.“

Jake wurde ernst. „Was ist bloß damals mit uns geschehen?“

Sie lächelte matt. „Komm zur Sache.“

Jake sah plötzlich verletzlich aus. „Ich möchte, dass wir wieder Freunde werden.“

Jenna mied seinen Blick, um nicht weich zu werden. „Unmöglich“, sagte sie und schloss ihre Kasse ab.

Er neigte sich über den Ladentisch zu ihr hin. „Wie willst du das wissen, ohne es probiert zu haben?“

Sie machte sich steif. „Ich habe nicht das geringste Interesse daran, das auszuprobieren, Jake.“

„Immer noch genauso starrköpfig und hitzig wie früher“, bemerkte er und sah sie mit so viel männlichem Selbstbewusstsein an, dass ihr vor Empörung fast die Luft wegblieb.

„Immer noch genauso arrogant und selbstgefällig wie früher“, schoss sie zurück.

Statt beleidigt zu sein, grinste Jake noch unverschämter. „Jenna, ich möchte dir einen Vorschlag machen.“

Jenna legte eine Plastikhülle um ein Hochzeitskleid.

„Ich möchte eine komplette Garderobe bei dir bestellen.“

„Ich entwerfe keine Herrenkleidung.“ Und selbst wenn, würde sie bestimmt nicht für ihn arbeiten!

Jake half ihr beim Einpacken des Kleides. „Es ist für die Dame meines Herzens.“

Jenna war sich seiner Nähe nur zu bewusst und als sich ihre Hände zufällig berührten, erschauerte sie. „Kein Interesse“, lehnte sie ab, während sie das Kleid ins Lager trug. Sie wünschte, ihr Herz würde aufhören, wie wild zu klopfen.

Aber Jake ließ sich nicht so leicht abwimmeln. „Es ist ziemlich eilig“, rief er hinter ihr her.

Jenna kam zurück in den Laden und machte sich hinter dem Tresen zu schaffen. „Ich gebe dir ein paar gute Adressen.“

„Ich brauche keine Adressen. Ich will dich.“

„Zu dumm“, erwiderte Jenna, „denn leider wirst du mich nie bekommen.“ Nie wieder.

Sie sah, wie Begehren in seinen Augen aufflackerte, als er warnte: „Mach keine Versprechungen, die du vielleicht nicht halten kannst.“

Wut stieg in ihr hoch. „Und hör du auf, so zu tun, als wüsstest du, was ich denke und fühle.“

Draußen hielt ein roter Wagen neben Jakes anthrazitfarbenem Range Rover und Jennas weißem Kombi.

Jake sah stirnrunzelnd auf die Uhr. „Sie ist zu früh.“

„Und du gehst jetzt besser“, fuhr Jenna ihn wütend an, gerade als die erwähnte Person hinter dem Jeep hervorkam. Zu Jennas Überraschung war es kein Glamourgirl, mit dem Jake verabredet war, sondern eine mollige, freundlich aussehende Frau um die fünfzig in Jeans, Cowboystiefeln und blauem Baumwollhemd. Sie hatte einen Strohhut auf den Kopf gestülpt und trug ein rotes Nickytuch um den Hals. Als sie die hintere Tür öffnete, erkannte Jenna, dass sie nur die Chauffeurin war. Sie hob, in Jakes Richtung gewandt, fragend die Arme. Jake nickte ihr zu und gab ihr ein Zeichen zu warten.

Dann blieb er vor Jenna stehen und legte ihr die Hände auf die Schultern. „Hör zu. Bitte!“ sagte er beschwörend. „Alex hat eine ziemlich schwierige Phase hinter sich. Als sie deine Modelle im Fernsehen sah, war sie hingerissen. Ich versprach ihr, du würdest einige Kleider für sie entwerfen, genau nach ihren Angaben.“

Jenna fand seine Bitte immer unmöglicher. „Dann brich dein Versprechen. Darin hast du ja schließlich Übung.“

Leises Bedauern stieg in ihm hoch, als er an sein herzloses Verhalten ihr gegenüber erinnert wurde. Aber dann sagte er ungerührt: „Es ist nicht so einfach, wie du denkst, Jenna.“

„Für mich schon“, stieß Jenna hervor.

„Ich zahle das Doppelte deiner üblichen Preise“, beschwor Jake sie von neuem.

Jenna sah ihn an, als ob er nicht ganz richtig im Kopf sei. „Such dir eine andere Exfreundin, die du quälen kannst“, murmelte sie.

Er ließ sie los. Ihre Schultern prickelten noch von der Wärme seiner Hände. „Es gibt niemand anderen“, sagte er.

Sie blickte in seine hellgrauen Augen, die sie wie magisch anzogen. Fast glaubte sie ihm, was nur bewies, dass sie immer noch auf ihn hereinfiel. „Du meinst, niemanden, der eine Nähmaschine bedienen kann“, gab sie eisig zurück.

In diesem Moment sprang Jakes Lady aus dem Wagen. Sie drückte etwas an die Brust, das aussah wie ein Ochsenfrosch. Ihr Gesicht war völlig verschmiert, sie hatte eine rosafarbene Sonnenbrille auf der Nase, und auf ihrer rotblonden struppigen Lockenmähne saß eine umgedrehte Baseballmütze. Sie trug eine olivgrüne Latzhose, Turnschuhe und ein viel zu großes T-Shirt, das um ihren schmalen Körper schlotterte. Amüsiert und erleichtert, aber auch irritiert, weil Jake nichts weiter erklärt hatte, fragte Jenna: „Das also ist die Lady deines Herzens?“ Sie schätzte das Kind auf ungefähr fünf bis sechs.

„Die Einzige“, gestand Jake lächelnd, als die Kleine auf ihn zulief. „Was dachtest du denn?“

Zu spät erkannte Jenna, dass Jake ihre Gefühle für ihn hatte testen wollen. Sie hatte sich verraten. „Kinderkleidung entwerfe ich auch nicht“, sagte sie und wappnete sich innerlich.

Die Chauffeurin winkte Jenna fröhlich zu und wartete, bis Alex im Laden war. Dann gab sie Jake einen Wink, dass sie gleich zurückkomme, und ging die Straße hinunter.

„Ich hoffte, du würdest für Alexandra eine Ausnahme machen“, sagte Jake und drückte das Kind an sich.

„Ist schon in Ordnung, Daddy.“ Die Kleine lehnte ihren Kopf an ihn. „Ich will sowieso keine Kleider. Und nenn mich nicht Alexandra, sondern Alex.“ Dann zog sie an seinem Ärmel. „Komm, wir gehen. Ich will zur Ranch fahren“, erklärte sie resolut. Während sie hinter dem Frosch herlief, der von ihrem Arm gehüpft war, rief sie Jenna zu: „Daddy hat das Haus ganz neu gebaut, nur für uns. Damit ich draußen spielen und Ponys und Hunde und Katzen und all so was haben kann.“

Jenna sah Jake überrascht an. „Ich dachte, deine Familie würde ihre Ferien nicht mehr hier verbringen.“

„Tun sie auch nicht, aber sie wollten das Gelände nicht verkaufen.“

„Und warum bist du wieder hier?“ fragte Jenna.

Jake zuckte die Schultern. „Ich bin immer gern nach Laramie gekommen.“ Er beobachtete Alex, die immer noch ihren Frosch jagte. „Und ich dachte, Alex würde es auch gefallen.“

Jenna verspürte einen Stich, als sie daran dachte, wie das arrogante Verhalten seiner Familie sie verletzt hatte. „Glaubst du, das ist eine gute Idee? Laramie ist ein angenehmer Ort, freundlich, gemütlich, jeder kennt jeden. Aber was den sozialen Status anbelangt – nun, wir können es wirklich nicht mit eurem Dallas aufnehmen, nicht wahr?“ Sie sah ihn durchdringend an.

Jake erwiderte den Blick. „Ich wusste gar nicht, was für ein Snob du bist.“

„Ich?“

„Okay, ich nehm’s zurück“, sagte Jake.

Bevor sie ihre Unterhaltung fortsetzen konnten, kam Alex’ Begleiterin in den Laden. „Jenna“, stellte Jake sie vor, „das ist Clara, unsere Haushälterin. Clara, das ist Jenna Lockhart, von der ich dir und Alex erzählt habe.“

„Ich hörte, ihr habt euch gekannt, als ihr Kinder wart“, sagte Clara.

Jenna nickte. „Wir haben viele Sommer zusammen verbracht. Aber das ist lange her.“

Alex sprang hinter dem Ladentisch hervor, den Frosch in der Hand. „Ich hab ihn!“

„Nun, es war nett, euch alle zu treffen, aber ich habe jetzt Feierabend“, erklärte Jenna.

„Fein! Hast du das gehört, Mr. Froggie? Wir fahren zur Ranch!“ Alex winkte und sauste zur Tür hinaus, Clara hinterher. „War nett, Sie kennen gelernt zu haben!“

Jake blickte den beiden stirnrunzelnd nach. „Keine sehr günstige Gelegenheit zum Reden, wie ich sehe.“

Jenna seufzte. „Gut, dass du das endlich merkst.“

„Lass uns heute Abend zusammen essen“, schlug er vor.

Jenna sah ihn mit großen Augen an. „Du träumst wohl.“

Aber Jake wäre der Letzte, der sich geschlagen geben würde. „Ich hole dich gegen acht Uhr ab.“ Während er zur Tür ging, rief er ihr über die Schulter zu: „Zieh dir was Bequemes an. Ich will, dass du dich wohl fühlst.“

„Der hat Nerven!“ Meg Lockhart schäumte vor Wut. Sie war direkt nach der Arbeit zu der kurzfristig anberaumten Krisensitzung der vier Lockhart-Schwestern gekommen und trug immer noch ihre Schwesternuniform.

„Das kann man wohl sagen!“ schnaubte Kelsey verächtlich. Sie legte den Stapel von Katalogen für Landwirtschaftsbedarf ab, den sie unter dem Arm trug, schob ihren Cowboyhut aus der Stirn und nahm sich einen Stuhl. Alle vier saßen sie an Jennas Esstisch in ihrem Apartment über dem Laden.

„Nach all den Jahren einfach hereinzuschneien, als ob nichts passiert wäre!“ Die frisch verheiratete Dani schüttelte ungläubig den Kopf. Als Filmkritikerin liebte sie das Drama und die Aufregung, aber das war denn doch zu viel. „Ich meine, du hast ihn so geliebt, Jenna. Aber so dumm kann er wohl nicht sein zu glauben, du würdest immer noch mit wehenden Fahnen auf ihn fliegen.“

Die vier Schwestern nippten an ihrem Eistee.

„Also, ich finde, es ist am Klügsten, wenn du zu der Verabredung gehst“, entschied Meg nach einiger Überlegung, entfernte die Haarnadeln aus ihrem Knoten und schüttelte ihr langes kastanienbraunes Haar.

Die anderen sahen Meg – die Älteste und Verantwortungsbewussteste von ihnen – schockiert an. „Du musst ihm ein für alle Mal klarmachen, dass dir nicht mehr das Geringste an ihm liegt“, fuhr Meg fort. „Lass dich von ihm ausführen und verwöhnen. Und dann, wenn er seine ganze Trickkiste ausgespielt hat, zeigst du ihm die kalte Schulter.“

Es folgte eine längere Diskussion, und bevor sich alle wieder verabschiedeten, wurde vereinbart, dass Jenna Megs Rat befolgen sollte. Sie zog ihr schönstes, verführerischstes Kleid an. Jake Remington sollte sehen, was er damals aufgegeben hatte, als er sie wie eine heiße Kartoffel fallen ließ.

Jake sprang aus seinem Wagen und eilte die Außentreppe zu Jennas Wohnung hoch, indem er immer zwei Stufen auf einmal nahm. Als er auf die Klingel drückte, fragte er sich, ob sie überhaupt da sei. Er könnte es sogar verstehen, wenn sie ihn diesmal stehen lassen würde.

Eine Sekunde später schwang die Tür auf. Er sah sie an und hatte denselben Gedanken wie heute Nachmittag. Dass sie die schönste Frau war, die er je gesehen hatte. Und die Einzige, die sein Herz verrückt spielen ließ. Besonders in diesem schulterfreien, hautengen Sommerkleid, das ihre wohlgeformten Brüste, ihre schlanke Taille und ihre Hüften hervorhob. Sie trug hochhackige weiße Sandalen, und ihr kurzer Rock brachte ihre traumhaften Beine voll zur Geltung.

Und das war noch nicht alles. Sie hatte ihr dichtes rotblondes Haar gelöst, so dass es in schmeichelnden Locken auf ihre Schultern fiel und ihr feingeschnittenes Gesicht umrahmte. Auf ihrer elfenbeinfarbenen Haut lag derselbe Duft wie damals, als sie frisch verliebt waren. Ihre klaren blauen Augen blickten ihn herausfordernd an. Jake nahm die Herausforderung an. „Gehst du mit mir aus oder mit jemand anderem?“ fragte er augenzwinkernd.

Jenna legte kokett die Hände auf die Hüften. „Nun, was glaubst du?“ Dann nahm sie Handtasche und Schlüssel und stolzierte an ihm vorbei die Treppe hinunter.

Jake öffnete die Beifahrertür und half ihr in den Wagen. Als er eingestiegen war, fragte sie mit hochgezogenen Augenbrauen: „Was werden deine Eltern davon halten, dass du mich darum gebeten hast, die Garderobe für ihre Enkelin zu entwerfen?“

Stirnrunzelnd bog Jake in die Hauptstraße ein und fuhr stadtauswärts. „Ich brauche meine Eltern nicht mehr nach ihrer Erlaubnis zu fragen, Jenna“, erwiderte er ruhig und warf ihr einen kurzen Blick zu.

„Das heißt, sie wissen es nicht“, entgegnete Jenna.

Jake spannte die Schultern an. „Das heißt, es ist mir egal, ob sie es wissen oder nicht. Das heißt, ich habe mein eigenes Leben. Genau wie du.“

Jennas Stimme veränderte sich plötzlich. „Wo ist übrigens Alex?“

„Auf der Ranch.“ Jake entspannte sich wieder. Sie hatten gerade die letzte Ampel passiert und fuhren jetzt übers Land.

„Und was ist mit deiner Frau?“

Jake konnte an ihrem Blick sehen, dass sie – wie wohl jeder in Laramie und halb Texas – gehört hatte, dass er sich ein Jahr nach der Geburt seiner Tochter von Melinda Carrington hatte scheiden lassen. „Melinda ist in Europa und versucht, über ihre Romanze mit einem italienischen Grafen hinwegzukommen. Sie würde so gern wieder heiraten, jemanden, der ihr das glamouröse Leben bietet, das sie sich wünscht. Offenbar hat das Single-Dasein seinen Reiz für sie verloren.“ Er verstand das nur zu gut. Auch er war es satt, alleine zu sein.

„Ich habe ihre Fotos in den Klatschspalten gesehen. Sie ist sehr schön.“

„Ja, oberflächlich gesehen“, bemerkte Jake.

„Und aus gutem Hause“, fuhr Jenna fort. „Deine Eltern waren sicher mit ihr einverstanden.“

Sie waren es immer noch, trotz allem. Aber er wollte darauf nicht weiter eingehen, nicht an diesem Abend mit Jenna. Er verlangsamte die Fahrt und bog in eine schmale Straße ein. Der Landgasthof war aus Naturkalkstein gebaut und lag in einem Eichenwäldchen. Sanftes Licht schimmerte durch die Fenster. „Ich hoffe, es gefällt dir. Ich wollte, dass wir unter uns sind und ungestört reden können“, erklärte er. „Ich habe den Gasthof für den Abend gemietet.“

„Du meinst, den Speisesaal?“ hakte Jenna nach.

„Nein, das ganze Haus.“

Jenna sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. „Du machst Scherze.“

„Nein.“

Er stieg aus dem Wagen. Wahrscheinlich hatte er wieder einen Fehler gemacht, wie so oft, wenn es um Jenna ging. Aber er war es leid, sich immer verteidigen zu müssen und ihren vorwurfsvollen Blick zu spüren, als hätte er nichts Eiligeres zu tun, als sie ins Bett zu zerren. „Ich habe Geld, und ich mache Gebrauch davon.“

Zögernd ließ Jenna sich zur Eingangstür führen. Jake ging ihr voraus durch die große Halle in den wunderschönen Speiseraum. Auf einem weiß gedeckten großen Tisch an der Wand standen silberne Kasserollen. Der Raum war über und über mit Fresien und Gladiolen geschmückt – Jennas Lieblingsblumen. Vor dem großen Kamin war ein kleinerer Tisch für zwei Personen gedeckt. Romantische Musik schwebte leise durch den Raum.

Jake goss Wein in die Gläser und hob die Abdeckung von den Salattellern.

Jenna setzte sich ihm gegenüber und sah ihn an. „Warum jetzt?“ flüsterte sie und sah plötzlich genauso unglücklich aus, wie er sich all die Jahre ohne sie gefühlt hatte.

„Weil ich nicht aufhören konnte, an dich zu denken.“ Weil ich all die Jahre dachte, ich hätte dich genug verletzt, und es wäre besser, dir fern zu bleiben. Und dann sah ich dich im Fernsehen, und es wurde mir klar, dass ich niemals jemanden so lieben würde wie dich.

Einen Moment lang dachte er, Jenna fühle genau wie er, aber der süße, nostalgische Ausdruck verschwand aus ihren Augen, und sie blickte ihn eisig an. „Schade“, sagte sie. „Es gibt nichts Schlimmeres als Zeit- und Energieverschwendung.“ Sie erhob sich.

Jake ergriff sie am Handgelenk und drückte sie auf den Stuhl zurück. „Du hast noch nicht meinen Vorschlag gehört“, sagte er ruhig. Jenna spießte ein Salatblatt auf ihre Gabel und mied seinen Blick. „Ich höre“, meinte sie in gelangweiltem Ton.

Jake griff in die Brusttasche seines Blazers und zog einen Vertrag heraus. „Ich biete dir an, dir über J&R Industries die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit du eine Bekleidungsmarke unter deinem Namen kreieren kannst.“

Jenna legte ihre Gabel hin und studierte den Vertrag sorgfältig. „Und wo ist der Haken?“

Jake hatte inzwischen seinen Salat gegessen und trank einen Schluck Wein. „Alexandra braucht eine neue Garderobe.“

Jenna sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an. „Warum denn, wenn sie offenbar eine hat, in der sie sich wohl fühlt?“

Jake schüttelte den Kopf. „Sie soll wie eine kleine Dame aussehen“, erklärte er in bestimmtem Ton.

Jenna zog die Augenbrauen hoch und wandte sich wieder ihrem Salatteller zu. „Wer sagt das und warum?“

Jake bestrich sein Brötchen dick mit Butter. Dann begann er zögernd: „Melinda findet, dass Alex zu burschikos ist. Sie nimmt das als Beweis dafür, dass ich unfähig bin, sie zu erziehen.“

Jenna hielt inne, die Salatgabel in der Hand. „Aber du hast das Sorgerecht, oder?“

„Ja, das alleinige Sorgerecht, seit sie zwei Jahre alt ist.“ Jake trank einen Schluck Wein.

„Ist das nicht ungewöhnlich?“

„Melinda hat auf das Sorgerecht verzichtet. Sie war nur an der finanziellen Regelung interessiert.“

„Das tut mir leid. Ich weiß, wie schwer es ist, seine Mutter zu verlieren. Und in diesem Fall wäre es ja gar nicht nötig gewesen.“

Jake seufzte und stand auf, um das Hauptgericht zu holen, delikat zubereiteter Fisch, überbackene Kartoffeln und Prinzessbohnen. „Als Alex kleiner war, schien sie ihre Mutter nicht zu vermissen.“ Jake füllte die beiden Teller und brachte sie an den Tisch. „Melinda hat sich schließlich auch nicht viel um sie gekümmert, als wir noch verheiratet waren. Als sie dann auszog, wollte ich Alex nicht allein zu Hause lassen. Meine Eltern hätten sie zu sich genommen, aber ich wollte nicht, dass sie deren snobistisches Verhalten übernimmt. Also schleppte ich sie überall mit hin, wenn ich auf Geschäftsreise ging – zusammen mit Clara, die gleichzeitig als Chauffeur und Kindermädchen fungierte.“

Jenna sah Jake aufmerksam an. „Und war Alex glücklich mit dieser Regelung?“

„Ja, sehr.“ Er seufzte. „Aber als sie im vergangenen Herbst in die Schule kam und alle anderen Kinder Mütter hatten, die um ihre Sprößlinge herum scharwenzelten, war das nicht leicht für sie. Und plötzlich wollte sie keine Kleider mehr tragen – nicht, dass sie das vorher übermäßig gern getan hätte. Aber wenn es nötig war, ließ sie sich kämmen und schön anziehen.“

„Und jetzt nicht mehr?“ fragte Jenna, während der CD-Player von Trisha Yearwood auf Garth Brooks umschaltete.

„Nein. Ich vermute, sie dachte sich, wenn sie schon nicht wie alle anderen eine Mutter hatte, die mit ihr zu Hause lebte, wollte sie richtig anders sein. Ich dachte, das würde sich bald legen, und ließ sie gewähren. Aber jetzt hat Melinda von Freunden erfahren, wie wild Alex herumläuft, und ist außer sich. Sie denkt, das werfe ein schlechtes Licht auf sie selbst. Und ich weiß, dass sie als nächstes damit droht, Italien zu verlassen, wo sie die letzten Jahre verbracht hat, und versuchen wird, das Sorgerecht zu bekommen.“

„Und du willst nicht, dass sie in die Staaten zurückkommt?“ fragte Jenna und sah ihn halb spöttisch an.

Jake seufzte. „Wenn ich das Gefühl hätte, es wäre besser für Alex – wenn Melinda eine liebende Mutter wäre, dann ja. Aber sie hat so gar nichts Mütterliches an sich. Ihr liegt nur an Geld und gutem Aussehen, und an einem Mann, dessen einziges Lebensziel es ist, sie glücklich zu machen.“

„Und ich soll dir helfen, Alex umzukrempeln?“

Jake nickte. „Leider braucht sie nicht nur entsprechende Kleidung, sondern auch einen Benimmkurs, bevor ihre Mutter aufkreuzt.“

Jenna zog eine Grimasse. „Könnte das nicht besser deine Mutter übernehmen?“

Jake schüttelte den Kopf. Er liebte seine Mutter, aber er wusste auch, dass sie belehrend und ungeduldig war. „Nein, du bist die Richtige für diesen Job.“

Jenna sah ihn zweifelnd an und stand auf, um zu sehen, was sonst noch auf der Tafel angerichtet war. Jake trat neben sie.

„Betrachte es als Freundschaftsdienst“, sagte er und nahm sich ein Stück Schokoladenkuchen, während Jenna sich am Käsekuchen und warmen Pfirsich-Heidelbeer-Pudding bediente. „Ich brauche deine Hilfe dringend.“

Sie gingen zum Tisch zurück. Jenna schüttelte den Kopf. „Nachdem du mich so behandelt hast …“

Jake hatte genug davon, als Sündenbock dazustehen. „Hey! War ich es oder du, die kalte Füße bekam, als wir heimlich abhauen wollten?“

Jenna verdrehte die Augen und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. „Du weißt sehr gut, dass deine Eltern uns mit den Koffern in der Hand erwischten.“

„Wir hätten trotzdem weggehen können.“ Jake zuckte die Schultern. „Was hätten sie denn unternehmen sollen? Hinter uns herzurennen, wäre unter ihrer Würde gewesen.“

Jenna seufzte. „Okay, vielleicht hätte es keine Verfolgungsjagd gegeben, aber deine Eltern hätten Mittel und Wege gefunden, uns auseinander zu bringen, Jake. Sie mochten mich nicht.“ Sie sah ihn mit schmerzerfüllten Augen an. „Eine Ehe zwischen uns hätte nie funktioniert.“

Jake ergriff ihre Hand. „Ich weiß nur, dass wir unsere Liebesbeziehung aufgegeben haben“, brachte er heiser hervor, „und das habe ich seither jeden Tag aufs Neue bereut.“

Jenna machte sich los und stand ärgerlich auf. „Wenn das wahr wäre, hättest du Kontakt mit mir aufgenommen, mich angerufen – irgendwas …“

„Ich wollte es“, beteuerte Jake zerknirscht, als er daran dachte, wie elend sie sich beide nach der Trennung gefühlt hatten. „Aber wie hätte ich das tun können, ohne dein Leben zu zerstören?“

2. KAPITEL

Jenna starrte ihn ungläubig an. Was glaubte er eigentlich, was er anderes getan hatte, als ihr Leben zu zerstören?

„Meine Eltern drohten damit, deiner Schwester Meg die Vormundschaft für euch wegzunehmen, wenn ich mich dir wieder nähern würde, weil Meg unseren Kontakt ja offenbar nicht verhindern konnte. Natürlich wärst du bald achtzehn geworden, also volljährig, aber für Dani und Kelsey wäre es ziemlich schlimm gewesen.“ Jake fuhr sich mit den Fingern durch sein dichtes schwarzes Haar. „Und ich dachte, vielleicht hätten meine Eltern recht, und es wäre besser, wenn ich dich in Ruhe ließe, damit du aufs College gehen und deine Jugend erleben könntest wie jeder andere Teenie.“ Jakes Gesichtsausdruck war bitter. „Also ging ich weg und schaute nicht mehr zurück.“

Jenna versuchte, alles zu verdauen, was er ihr gesagt hatte. Langsam ließ sie sich auf einen Stuhl nieder. Jake nahm einen zweiten Stuhl und setzte sich direkt vor sie, so dass ihre Knie sich berührten. „Du hättest mir das doch alles erklären können“, brachte sie mit zitternder Stimme hervor.

Jake nahm ihre Hände. „Was hätte das genützt?“ fragte er sanft. „Denkst du, dass du mit diesem Konflikt besser hättest leben können?“

Jenna seufzte. Er hatte recht. Dann hätte sie zwischen zwei Stühlen gesessen, und das hätte ihr und ihren Schwestern noch mehr Kummer bereitet.

„Ich wollte gegen meine Eltern ankämpfen, aber ich war erst zweiundzwanzig und hatte gerade das College abgeschlossen. Was hätte ich schon ausrichten können? Ich hätte deine Schwestern und dich nicht zu mir nehmen können. Und ich fühlte mich schuldig, dass ich dich überredet hatte, mit mir wegzugehen.“

Jenna sah das Bedauern in seinen Augen und wusste, dass er die Wahrheit sagte. „Ich wusste, du warst so verletzlich und überhaupt noch nicht bereit, eine solche Entscheidung zu treffen“, fuhr er fort. „Aber ich wusste nicht, was ich sonst tun sollte, wie ich dir hätte helfen können – außer, indem ich dich liebte.“

„Und das hast du getan“, fügte Jenna leise hinzu. Wie warm und sicher sie sich bei ihm gefühlt hatte in den schrecklichen Tagen nach dem Tod ihrer Eltern. Jake war immer für sie da gewesen, hatte sie in den Armen gehalten, wenn sie weinte, hatte sie zur Beerdigung begleitet.

Jake schluckte schwer und hielt ihre Hände fester. „Aber als meine Eltern uns mit unseren Koffern entdeckten und ich den Zweifel in deinen Augen sah, und als du sagtest, wir sollten es besser lassen, du hättest es dir anders überlegt, da dachte ich, es wäre besser für dich, bei deinen Schwestern zu bleiben und nicht schon so früh eine feste Bindung einzugehen.“

Jenna erinnerte sich an ihren Gefühlsüberschwang beim Kofferpacken und als sie sich um Mitternacht aus dem Haus schlich, um Jake auf dem Parkplatz der High School in Laramie zu treffen. Und dann die Demütigung, als sie feststellte, dass seine Eltern ihm zu dem geheimen Treffpunkt gefolgt waren. „Natürlich hatte ich Zweifel“, verteidigte sie sich. Sie entzog Jake ihre Hände, stand auf und ging im Raum auf und ab. „Ich hatte gerade meine Eltern verloren. Ich wollte dich nicht von deinen trennen, und das wäre bei einer übereilten Heirat der Fall gewesen.“ Sie versuchte, den Knoten in ihrem Hals herunterzuschlucken. „Als du sagtest, du würdest mich so schnell wie möglich anrufen, glaubte ich dir, Jake.“ Der Gedanke an die vielen Stunden, die sie wartend vor dem Telefon verbracht hatte, war ihr unerträglich. Und an die vielen schlaflosen Nächte.

„Ich hätte nicht geglaubt, dass du mich für immer verlassen würdest“, murmelte sie. Sie hatte gehofft, sie würden sich weiterhin sehen und einfach ein paar Jahre warten. Bis dahin könnten seine Eltern sie besser kennen lernen und verstehen, wie sehr sie sich liebten. Sie stand am Fenster und starrte in die dunkle Nacht. „Und dass du noch in dem Sommer Melinda heiraten würdest.“ Sie drehte sich um und sah ihn wütend an.

Jake kam auf sie zu. „Es war ein Fehler, ein Versuch, dich zu vergessen.“

Jenna verstand das. Auch sie hatte einen solchen Versuch unternommen. „Aber das beantwortet noch nicht meine Frage, warum du jetzt zu mir kommst.“ Warum hatte er sie nicht in Ruhe gelassen? Sie hatte den Schmerz überwunden, und jetzt wurde alles wieder aufgewühlt.

Jake atmete tief aus. „Weil ich möchte, dass wir Freunde sind.“

„Freunde?“ Jenna sah ihn ungläubig an. Ihre Beziehung war noch nie platonisch gewesen. „Oder mehr als das?“

„Das liegt bei dir.“

Jenna hielt seinem Blick stand, dann sagte sie herausfordernd: „Du bist wirklich nicht sehr anspruchsvoll.“

Jake nahm wieder ihre Hände und trat dicht vor sie. „Wenn du mir sagst, dass du nicht willst, gehe ich auf der Stelle. Aber wenn auch du denkst, wir könnten unsere Beziehung wieder in Ordnung bringen, und mir auch noch mit meiner kleinen Tochter hilfst …“ Da war wieder dieses verführerische Lächeln, das ihre Knie weich werden ließ. „Werde ich für immer in deiner Schuld sein.“

War es nicht das, was sie gewollt hatte? Dass er auf Händen und Knien zu ihr zurückgekrochen kam? Und er würde ihre geschäftlichen Träume wahr machen. Was war also verkehrt daran?

Jenna sah ihm fest in die Augen. „Aber ich werde nicht mit dir ins Bett gehen.“

Jake grinste nur, als wolle er sagen: An deiner Stelle wäre ich da nicht so sicher. „Das habe ich auch nicht erwartet. Gewöhnlich ist das nicht Teil meiner Geschäftsverträge.“

„Aber in unserem Fall wärst du bereit, eine Ausnahme zu machen, stimmt’s?“

Sein anzügliches Grinsen wurde immer breiter. Er rieb sich gedankenvoll die Wange, dann murmelte er mit tiefer einschmeichelnder Stimme: „Unsere geplante Hochzeitsnacht hat noch nicht stattgefunden.“

„Das wird sie auch jetzt nicht“, gab Jenna trocken zurück. Sie konnte diese Art von Leidenschaft in ihrem Leben nicht gebrauchen.

Jake legte seine Hand auf ihre nackte Schulter und sah ihr tief in die Augen. „Willst du leugnen, dass du es nicht auch noch fühlst?“

Warum hatte sie heute ausgerechnet dieses sexy Kleid anziehen müssen, das ihn völlig aus dem Häuschen brachte? „Was soll ich denn fühlen?“ fragte sie.

Jake zog sie an sich. „Das.“

Im nächsten Moment fühlte sie seine starken Arme um ihren Körper und seine weichen Lippen auf ihrem Mund. Sie versuchte zu protestieren, aber dann wurde sie von einer Welle von Emotionen überschwemmt. Genießerisch fuhr sie mit den Fingern durch sein Haar und erwiderte seinen Kuss mit jeder Faser ihres Körpers. Sie liebte seinen Geruch, seine Haut, seine Art, sie zu küssen – so als wolle er sie mit Haut und Haar, Herz und Seele besitzen. Ja, sie hatte das vermisst, dieses besondere, übermächtige Gefühl, das er in ihr auslöste.

Jake hatte sie nicht hier im Gasthof küssen wollen. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, diesmal bedächtiger vorzugehen. Ihr erst einmal zu zeigen, wie viel sie ihm noch bedeutete. Aber wenn sie ihn so ansah, hatte er noch nie widerstehen können. Dann hatte er nur noch den Wunsch, ihren weichen Körper an seinem zu spüren, ihre honigsüßen Lippen zu küssen, ihren verführerischen Duft einzuatmen und ihre rotgoldenen Locken zu zerwühlen. Er wollte ihr Begehren spüren, auch wenn sie es nicht aussprechen würde.

Jenna wusste, wenn er so weitermachte, würden sie in einem der Betten im oberen Stockwerk landen. Das hatte sie sich immer gewünscht – diesen absoluten Höhepunkt ihrer Liebe zu erleben, die intimste Begegnung, die zwischen Mann und Frau möglich war. Aber hier war nicht der richtige Ort dafür.

Plötzlich wurde sie wütend, dass er es wieder einmal geschafft hatte, sie um den Finger zu wickeln. Sie legte beide Hände auf seine Brust und schob ihn von sich. „Du hast dich kein bisschen verändert“, sagte sie ärgerlich.

Jake massierte grinsend seine Wange. „Dieser Kuss war phantastisch, was?“

Ja, das war er, dachte Jenna. Aber körperliches Begehren hatte nicht unbedingt etwas mit Glücklichsein zu tun. Sie sah ihn von oben bis unten an. „Du denkst immer noch, dass man alles erreichen kann, wenn man es nur stark genug will.“

Der glückliche Ausdruck verschwand aus Jakes Gesicht. Irritiert sagte er: „Ja, wir können alles erreichen. Und schau mich nicht mit deiner Leidensmiene an. Auch du hast deine Interessen im Auge, wie zum Beispiel, die berühmteste Modedesignerin zu werden.“ Er sah sie durchdringend an. „Warum also solltest du es nicht auch im Privatleben tun? Du brauchst es nur zu wollen.“

Schuldgefühle überkamen sie wieder. „Weil ich es nicht will!“ Sie wandte sich zum Gehen, wütend auf sich selbst, dass sie etwas wollte, was sie nie bekommen würde: eine glückliche Liebesbeziehung mit ihm.

Schweigend fuhren sie nach Laramie zurück. Kaum waren sie vor ihrer Wohnung angekommen, riss Jenna die Wagentür auf und rannte die Treppe hoch. Zu ihrer Verblüffung machte Jake nicht einmal den Versuch, ihr zu folgen, sondern wartete nur, bis sie sicher in der Wohnung war, und fuhr dann los. Nicht mit quietschenden Reifen, wie er es früher nach einem Streit getan hatte, sondern ganz langsam.

Tränen strömten ihr übers Gesicht, als sie die Tür hinter sich verschloss. Dann warf sie ihre Tasche wütend an die Wand und ihre Schuhe hinterher.

Als Kelseys Kopf über der Sofalehne erschien, erschrak sie zu Tode. Sie hatte vollkommen vergessen, dass Kelsey hier schlafen würde, bis sie zusammen mit ihrem Partner Brady Anderson die alte Lockhart Ranch beziehen konnte, die zurzeit renoviert wurde. Eine Hälfte würde sie bewirtschaften, die andere er. Ein gewagtes Unterfangen für zwei junge Leute, die sich mal eben einen Monat kannten, und alle Lockharts waren etwas beunruhigt. Jenna hoffte nur, ihre kleine Schwester wusste, was sie tat. Von sich selbst konnte sie das leider nicht sagen, wenn sie daran dachte, wie sie eben Jake Remington geküsst hatte. Als wären sie nie getrennt gewesen!

Kelsey warf Jenna einen prüfenden Blick zu. „Dein Rendezvous war nett, was?“

Jenna funkelte ihre Schwester an. „Der Mann ist unmöglich! Und arrogant, anmaßend und rechthaberisch dazu.“

Kelsey nickte mit übertriebener Empörung. „Und genau das sind die Interessantesten.“

Jenna warf Kelsey einen warnenden Blick zu. Sie war nicht zu Späßen aufgelegt. „Ich meine das ernst“, sagte Kelsey.

Jenna wurde es plötzlich zu heiß. Sie ging zum Kühlschrank, um sich etwas zu trinken zu holen. „Eigentlich hatte ich es mir anders vorgestellt. Aber dieser Jake Remington hat sich kein bisschen verändert.“

Kelsey folgte ihr in die Küche. „Du aber auch nicht, wie es scheint.“

„Wie meinst du das?“ fragte Jenna.

„Na komm, Jenna.“ Kelsey grinste. „Ich bin doch deine kleine Schwester. Weißt du noch, wie ich immer in dein Zimmer geschlichen kam und du mir von deinen heimlichen Verabredungen mit Jake erzählt hast? Seine Eltern durften natürlich nichts davon wissen, dass er mit einem armen Mädchen aus der Stadt zusammen war statt mit einer reichen Biene aus Dallas.“

„Er hat eine geheiratet. Melinda Carrington.“

„Und hat sich wieder von ihr scheiden lassen“, meinte Kelsey schulterzuckend.

„Also, was wolltest du mir sagen?“ fragte Jenna, als sie wieder auf dem Sofa saßen.

„Dass es ziemlich klar ist, dass du ihn immer noch liebst. Und er hat wahrscheinlich auch nicht aufgehört, dich zu lieben. Sonst wäre er nicht hier.“

„Ach, er will doch nur Geld machen mit meinen Entwürfen. Und das will ich auch. Schon lange will ich das, ich habe nur noch das Startkapital gebraucht und die Rückendeckung, um zu expandieren.“

„Liebe Schwester, Jake hätte ein Dutzend andere Möglichkeiten, um Geld zu machen, wenn das alles wäre“, erwiderte Kelsey ungerührt.

Jenna musste zugeben, dass sie recht hatte. „Außerdem will er, dass ich seine Tochter neu einkleide“, sagte sie seufzend.

„Auch dafür hätte er hundert andere Kinderboutiquen gefunden.“

„Aber nicht in Laramie. Und er braucht die Sachen in zwei Tagen.“

Kelsey verdrehte die Augen. „Warum willst du es nicht zugeben? Jake Remington hat nur einen einzigen Grund, hier aufzutauchen. Er will dich zurückhaben. Wahrscheinlich will er dich heiraten. Deshalb will er dich mit seiner Tochter zusammenbringen. Um zu sehen, ob ihr beide miteinander klar kommt, bevor er einen wirklichen Annäherungsversuch macht.“

Kelsey war nie länger mit einem Jungen zusammen gewesen – dafür war sie viel zu unbeständig –, aber sie konnte gut analysieren, was zwischen einem Mann und einer Frau vor sich ging. Manchmal zu gut, dachte Jenna.

„Diese Tür ist verschlossen“, entgegnete Jenna starrköpfig.

„Ich verstehe“, grinste Kelsey. „Und hast du ihm das gesagt, als er dich küsste?“

Jenna hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund. „Wie hast du …?“

„Oh, bitte.“ Kelsey rollte verzweifelt mit den Augen. „Ihr beide allein beim romantischen Abendessen! Weißt du nicht mehr, wie du mir von seinen Küssen erzählt hast?“

Jenna hatte plötzlich das Gefühl, es sei höchste Zeit, ins Bett zu gehen. Sie stand auf und lief in ihr Zimmer. Kelsey hinterher. „Damals war ich noch jung und unerfahren“, wehrte sie ab und legte ihre Ohrringe auf den Toilettentisch.

„Und jetzt bist du alt genug, um all die Dinge zu tun, von denen du nur geträumt hast“, meinte Kelsey anzüglich und öffnete den Verschluss von Jennas Halskette.

Jenna schüttelte den Kopf. „Du bist unverbesserlich.“

Kelsey bestätigte dies mit einem Grinsen. Dann wurde sie plötzlich ernst. „Aber glaubst du wirklich, ein Mann wie Jake würde sich einfach so zurückweisen lassen?“

Jenna verspürte einen Stich. Jake hatte einmal ihr Herz gebrochen, und es hatte Jahre gebraucht, bis sie darüber hinweggekommen war. Das wollte sie nicht noch einmal erleben. „Es ist mir gleichgültig, was er will. Diesmal wird er es nicht bekommen.“ Entschlossen hängte sie ihr Kleid in den Schrank. „Ich mache das Geschäft mit ihm und kleide seine Tochter ein. Das ist alles.“

Jenna hatte gehofft, Jake würde seine Tochter von Clara bringen lassen. Aber am nächsten Morgen hielt sein Wagen vor ihrer Boutique, und er und Alexandra stiegen aus. Jake öffnete die Tür und ließ seine Tochter eintreten, die sich sofort, die Hände resolut in die Hüften gestemmt, vor Jenna aufbaute. „Ich glaube, es ist besser, wenn ich es dir gleich sage“, imitierte sie altklug ihren Vater. „Ich wollte nicht herkommen. Lieber wäre ich zu Hause geblieben und hätte mir einen neuen Frosch gesucht – Daddy wollte, dass ich den anderen freilasse.“ Ihre Unterlippe schob sich trotzig nach vorne.

„Ich habe dir doch erklärt, warum“, seufzte Jake. „Frösche gehören in die Natur. Er wäre gestorben, wenn du ihn zu lange behalten hättest.“

„Was hast du denn sonst noch für Haustiere?“ fragte Jenna und führte Alex zu dem großen gemütlichen Sofa hinüber.

Alex verzog enttäuscht das Gesicht. „Gar keine.“

Jenna warf Jake einen verwunderten Blick zu. „Wir haben in einem Hochhaus in Dallas gewohnt“, erklärte dieser. „Dort waren keine Haustiere erlaubt. Auf der Ranch wollte ich das sofort ändern. Aber bisher hatte ich noch keine Zeit.“

„Ah“, machte Jenna. Das war eine Erklärung für sie, aber sicher nicht für Alex. Sie begann, ein einfaches, gerüschtes Kinderkleid mit Schürze zu zeichnen. Jake nicht weiter beachtend, sagte sie lächelnd zu Alex: „Welches Haustier möchtest du denn gerne?“

Alex schob ihren Cowboyhut nach hinten und legte die Hand ans Kinn. „Vielleicht ein Zebra oder einen jungen Bären.“

„Ich finde Kätzchen oder kleine Hunde besser als Haustiere geeignet“, meinte Jenna.

„Wieso?“ fragte Alex.

Jenna lächelte. „Weil sie weich sind und flauschig und man mit ihnen kuscheln kann, und weil sie im Haus leben können.“

Alex dachte nach. „Vielleicht nehme ich dann doch lieber ein Kätzchen. Oder einen Hund. Oder beides.“ Ihre Augen strahlten plötzlich vor Begeisterung.

„Wenn du bereit bist, wieder Kleider anzuziehen, können wir darüber reden“, sagte Jake.

Alex sah ihn trotzig an. „Vielleicht solltest du mir zuerst ein Kätzchen und einen kleinen Hund besorgen, und dann werde ich mir überlegen, ob ich wieder Kleider anziehe.“

Jake schüttelte den Kopf. „Zuerst musst du dich besser benehmen.“

Alex betrachtete ihren Vater, als überlege sie, wer der Stärkere sei. „Für die Schule brauche ich keine Kleider.“

„Nein, aber wenn du wolltest, könntest du welche anziehen. Und du würdest sehr hübsch darin aussehen“, meinte Jake.

Alex verzog das Gesicht und rückte näher an Jenna. „Ich will aber nicht hübsch aussehen.“

„Wie möchtest du denn aussehen?“ fragte Jenna, und ihr Bleistift flog über das Papier.

„So wie jetzt.“

„In einem Kleid kann man sich auch wohl fühlen“, sagte Jake betont fröhlich. „Stimmt’s, Jenna?“

Jenna wollte keine Partei ergreifen und sagte schulterzuckend: „Das hängt von dem Kleid ab.“ Dann wandte sie sich Alex zu, die mit ihrem Yo-Yo spielte. „Was ist deine Lieblingsfarbe?“

Da brauchte Alex nicht lange nachzudenken. „Rot.“

„Und was noch?“ fragte Jenna und machte sich Notizen.

„Blau.“

„Und wie ist es mit Grün?“

„Das ist auch okay. Aber rot und blau mag ich lieber“, sagte Alex ernsthaft.

„Hast du in der Schule schon Buchstaben und Zahlen gelernt?“ fragte Jenna.

Alex nickte eifrig. „Ich kann das Alphabet aufsagen und bis zwanzig zählen.“ Sie demonstrierte beides.

„Na super!“ rief Jenna bewundernd, was ihr ein schüchternes Lächeln von Alex eintrug. „Malt ihr auch?“

„Hm.“

„Was malst du denn am liebsten?“ fragte Jenna, während sie ihre Skizze farbig ausmalte.

„Kätzchen und Hunde, und einmal habe ich einen großen Baum mit vielen Blättern gemalt.“

Jenna nickte. Jetzt war sie mit Alex auf einer Wellenlänge. „Ich möchte dir etwas zeigen“, sagte sie und bedeutete Jake und Alex, ihr zu folgen. Sie ging voraus ins Lager, wo eine Menge Stoffballen lagen. Sie zog drei verschiedene Blautöne heraus. „Welchen magst du am liebsten?“ fragte sie.

Alex berührte alle drei Stoffe. „Ich mag den, der aussieht wie Blue Jeans.“

„Okay, Indigo. Und jetzt die Rottöne. Scharlach, Feuerrot oder Rosa.“

„Feuerrot.“

„Gut.“ Sie gingen zurück in den Laden, und Jenna nahm ihre Skizze wieder auf. Dann zeigte sie Alex das Ergebnis.

Alex blickte auf den kurzen Jeanskleiderrock und die feuerrote Bluse. Der Rock war mit jungen Katzen und Hunden verziert sowie mit Buchstaben und Zahlen. Passend dazu hatte Jenna rote Cowboystiefel gezeichnet und einen blauen Cowboyhut. „Meinst du, du könntest so etwas tragen?“

Einen Moment lang sah Alex aus, als wolle sie begeistert Ja rufen. Aber leider wurde Jenna enttäuscht. „Nein, keine Kleider. Nicht einmal welche mit Kätzchen und Hunden darauf. Daddy, ich will jetzt gehen.“

Jake hockte sich vor seiner Tochter hin und warf Jenna einen dankbaren Blick zu. „Alex, wir haben doch schon darüber gesprochen. Du musst ein paar neue Kleider haben, ob es dir gefällt oder nicht.“

„Nein.“ Alex verschränkte starrköpfig die Arme vor der Brust. „Ich will nach Hause.“

„Honey …“ Jake machte noch einen verzweifelten Versuch. Die Zeit lief ihm davon, bald würde Melinda hier sein. Hilfesuchend blickte er zu Jenna hinüber.

„Ich glaube, für heute war das genug“, bestimmte sie. „Sicher möchte Alex gerne was anderes machen.“ Sie wandte sich an Alex. „Hast du heute Nachmittag schon etwas vor?“

„Warum?“ fragte Alex misstrauisch.

Jenna zuckte mit den Schultern, um Alex zu zeigen, dass zumindest sie keine Überredungskünste bei ihr anwenden würde. „Ich dachte, ich könnte mit dir spielen. Sagen wir gegen eins?“

Alex blinzelte sie ungläubig und entzückt zugleich an. „Du willst mit mir spielen?“

Jenna nickte. Wie sehr dieses Kind Zuwendung brauchte! „Wenn dein Daddy einverstanden ist.“

„Natürlich, mein Schatz, wenn du willst“, sagte Jake lächelnd.

„Okay. Dann bis später.“ Alex gab ihrem Vater einen Kuss und lief zur Tür hinaus, wo Clara mit ihrem Wagen inzwischen auf sie wartete.

Als sie weggefahren waren, sagte Jake unzufrieden: „Ich dachte, du würdest mir den Rücken stärken. Du weißt doch, wie eilig wir es haben. Du hättest sie zumindest zu einem Kleid überreden können.“

Jenna nahm ihren Zeichenblock und trug ihn ins Hinterzimmer, Jake auf ihren Fersen. „Das habe ich doch. Hast du nicht ihr Gesicht gesehen? Zugegeben, das Kleid ist ein bisschen alltäglich, aber es gefiel ihr.“

„Vielleicht gefiel es ihr für eine Sekunde. Das heißt aber nicht, dass sie es tragen wird“, gab Jake stirnrunzelnd zu bedenken.

Jenna versuchte, ruhig zu bleiben. „Doch, das wird sie. Aber nur, wenn sie will.“

„Und genau dazu solltest du sie bringen“, beharrte Jake.

Jenna zog eine Grimasse. „Warum lässt du mich nicht einfach machen?“ Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging in den Laden zurück.

Jake sah sie unsicher an. Dann sagte er ernst: „Gut. Du weißt ja, was auf dem Spiel steht.“

„Oh ja.“ Jenna lächelte gezwungen. „Die Vergrößerung meines Geschäftes.“

Enttäuschung flackerte in Jakes Augen auf. „Und das Sorgerecht für Alex“, fügte er hinzu und trat neben sie.

Sie sah ihm in die Augen. „Weiß Alex, was zwischen dir und ihrer Mutter vor sich geht?“ fragte sie.

„Nein.“ Jake lehnte sich an die Wand. „Und es wäre sicher keine gute Idee, es ihr zu sagen.“

„Übrigens“, fuhr er fort, „habe ich mir schon Gedanken über unser Geschäft gemacht. Wir sollten mit einer kompletten Kollektion auf den Markt gehen, die in Warenhäusern verkauft wird.“

„Nein“, widersprach Jenna. „Ich möchte eine kleine exklusive Marke entwickeln, die in einem einzigen Geschäft verkauft und in einer Fabrik in Laramie hergestellt wird.“

Jake sah sie konsterniert an. „Jenna, ich weiß, dass du daran gewöhnt bist, unter eigener Regie zu arbeiten. Aber du musst dich nicht derartig einschränken.“

Jenna verschränkte die Arme vor der Brust und sah Jake unnachgiebig an. „Ich möchte Qualitätsartikel herstellen, und das kann ich nur, wenn ich nicht zu sehr expandiere.“

Jake steckte die Papiere in seine Aktentasche zurück. „Offensichtlich hast du dir das genau überlegt.“

„Ja, das habe ich. Machen wir nun einen Vertrag oder nicht?“

Jake nickte zustimmend und sah sie unverwandt an. „Morgen suche ich einen Standort für die Schneiderei.“

„Den habe ich schon.“ Jenna lächelte. „Das alte Teppichhaus etwa zwanzig Minuten außerhalb der Stadt. Es steht zum Verkauf.“

„Ich werde es mir ansehen und den Preis erfragen.“

„Vielleicht können wir es uns gleich heute Nachmittag ansehen, nachdem ich bei Alex war.“

Jake blätterte in seinem Kalender. „Vier Uhr?“

Jenna nickte und reichte ihm seinen Hut. „Bis später dann.“

„Schau, Daddy, wir feiern eine Teeparty!“ rief Alex.

Kokett drehte sie sich in ihrem Federhut, dem langen Chiffonschal und den weißen Handschuhen. „Ich habe auch Perlen und Stöckelschuhe.“ Jake, dem es langsam dämmerte, welche Absicht bei Jenna dahintersteckte, grinste. Er gesellte sich zu den beiden an dem kleinen Tisch im Kinderzimmer, wo sie aus Puppentassen Tee tranken und winziges Teegebäck aßen. Jenna sah so glücklich aus, dass er sich fragte, wie es wohl wäre, wenn sie ihn eines Tages wieder wie früher anlächeln würde.

„Und morgen verkleiden wir uns dann richtig“, rief Alex begeistert.

Jenna sah Jake lächelnd in die Augen, zog ihren Seidenschal um die Schultern und setzte sich eine Brautkrone auf. „Ich hatte keine Zeit, richtig schöne Sachen aus meinem Lager zu holen“, erklärte sie, „aber morgen bringe ich richtige Kostüme und Sachen, die meine Schwester und ich als Kinder getragen haben.“

„Die hast du immer noch?“ fragte Jake.

Jenna nickte. „Mom brachte es nicht übers Herz, sie wegzugeben. Sie dachte, vielleicht würden ihre Enkelkinder sie noch tragen. Und Megs Sohn Jeremy tut es tatsächlich.“

„Wie alt ist Jeremy?“ fragte Jake, während Clara ihm in Spitzenhäubchen und Stola einen Teller mit leckeren Sandwiches reichte.

Jennas Augen bekamen einen liebevollen Ausdruck. „Er ist so alt wie Alex, knapp sechs.“

Alex zog Jenna am Ärmel. „Kann er auch zu unserer Teeparty kommen?“

„Wenn seine Mutter einverstanden ist“, sagte Jenna und warf Jake einen Blick zu. „Aber das musst du deinen Dad fragen.“

„Na klar, mein Schatz.“ Jake lächelte. „Lad ihn doch ein.“

Alex musterte ihn kritisch. „Daddy braucht auch einen lustigen Hut.“

Jenna gab ihm einen geblümten Gartenhut, und Alex kicherte. „Nicht den, Dummerchen. Wir geben ihm … diesen.“ Sie griff nach einem Zaubererhut für Kinder und setzte ihm den viel zu kleinen Hut auf den Kopf. „Viel besser.“

Alex strahlte. „Möchten Sie einen Apfelsaft?“ fragte sie, ganz feine Dame.

„Ja, gerne.“ Jake tauschte zufriedene Blicke mit Jenna, während Alex ihm einschenkte.

Claras Handy bimmelte. „Das ist Lisa, meine Tochter“, sagte sie mit einem Blick auf das Display, nahm den Hörer ab und hörte ihrer offenbar aufgeregten Tochter zu. „Hast du den Frauenarzt angerufen? Ist Randall schon unterwegs? Ja, natürlich, ich fahre sofort ins Krankenhaus, Liebes.“

„Gibt es Probleme?“ fragte Jake.

Clara nahm schnell ihre Haube und den Schal ab. „Bei Lisa ist die Fruchtblase geplatzt, und sie hat Wehen.“

„Soll ich dich zum Krankenhaus fahren?“ fragte Jake.

Clara schüttelte den Kopf. „Es ist ihr erstes Kind, und wer weiß, wie lange es dauern wird.“

Jake stand auf, legte ihr den Arm um die Schultern und drückte sie an sich. „Grüß Lisa und Randall von mir. Und falls sie etwas brauchen, sag mir Bescheid.“

Clara drückte ihn ebenfalls an sich. „Ja, das werde ich. Tschüs, ihr Lieben.“

„Darf ich das Baby sehen, wenn es auf der Welt ist?“ fragte Alex.

„Na klar“, versprach Clara. Dann ging sie schnell hinaus.

Einen Moment lang herrschte Schweigen. Dann sagte Jake: „Alex, ich habe eine Überraschung für dich.“

„Ja?“ rief Alex gespannt.

„Auf der Veranda.“ Jake lächelte seine Tochter an.

Alex sprang hoch und stakste mit ihren Stöckelschuhen auf ihn zu. „Kann ich meine Sachen anbehalten?“

Jake überlegte. Eigentlich gefiel es ihm, dass seine Tochter endlich etwas Feminines trug. „Nein, ich glaube, es ist besser, wenn du sie ausziehst.“

„Okay“, seufzte Alex und schlüpfte aus ihrer Kostümierung. Jake wartete, bis sie ihre Stiefel angezogen hatte. „Fertig?“

Alex nickte, nahm seine Hand und blickte zu Jenna. „Du sollst mitkommen.“

Zusammen gingen sie hinunter, durch das Esszimmer und die Küche auf die große, gemütliche Veranda.

Jake sah amüsiert zu, wie Jenna und Alex verwundert um sich schauten, aber nichts entdeckten. Dann hörten sie es. Das schnelle, aufgeregte Tapsen von Pfoten. Dann ein Kläffen. Ein Jaulen. Und schließlich sahen sie das braune Fellbündel mit den lebhaften dunkelbraunen Augen, und ein zweites graues Fellbündel. Beide wirbelten wild umeinander.

„Daddy!“ schrie Alex und klatschte vor Begeisterung in die Hände.

3. KAPITEL

„Du siehst … überrascht aus.“ Jake war etwas verstimmt, dass Jenna nicht sehr beeindruckt schien. Dafür war Alex umso begeisterter. Sie tollte bereits mit dem süßen Golden Retriever-Welpen und dem flauschigen grau-weiß-gestreiften Kätzchen am Boden.

Jenna biss sich auf die Lippe. „Du hast ihr ein Kätzchen und einen jungen Hund gekauft.“

Jake zuckte die Achseln. „Ich wollte nicht, dass sie weiter nach Schlangen und Fröschen jagt, und dachte, das würde sie beschäftigen.“

„Das wird es bestimmt“, gab Jenna amüsiert zurück. Dann nahm sie Jake am Arm und zog ihn beiseite. „Weisst du überhaupt, wie man einen Hund stubenrein bekommt?“

„Nein“, gab Jake leicht zerknirscht zu. „Ist das denn so schwer?“

Jenna schüttelte seufzend den Kopf. „Sind sie wenigstens schon geimpft?“

„Oh, das hätte ich fast vergessen. Wir haben um fünf einen Termin in der Tierklinik. Ich dachte, wir könnten uns schnell das alte Teppichhaus ansehen und dann weiterfahren zum Tierarzt und in die Tierhandlung.“

„Wir?“ wiederholte Jenna und hob verwundert die Augenbrauen.

„Ich hätte Clara gefragt, aber wo ihre Tochter jetzt ihr Kind bekommt …“

„Lebt sie auch in Laramie?“ fragte Jenna.

Jake nickte. „Das ist einer der Gründe, warum wir hierher gezogen sind. Damit Clara näher bei ihrer Tochter und ihrem zukünftigen Enkel ist. Das waren wir ihr schuldig. Schließlich ist sie seit Alex’ Geburt bei uns und hat ihr Leben bisher immer auf uns eingestellt.“

Jenna sah ihn mit einer Mischung aus Bewunderung und Misstrauen an. „Und was gab es sonst noch für Gründe?“

Jake lächelte Jenna an. „Meine glücklichsten Erinnerungen sind mit diesem Ort verbunden. Ich dachte, Alex sollte auch hier aufwachsen.“

Bevor Jenna etwas entgegnen konnte, kam Alex angerannt. „Daddy, mein Kätzchen hat sich hinter dem Sofa versteckt und will nicht herauskommen.“

„Sie ist eben noch etwas scheu.“ Jake sah auf die Uhr. „Wir sollten die Tiere jetzt besser in ihren Tragekörben unterbringen.“

„Warum?“ fragte Alex und hielt sich die Ohren zu, weil das Hündchen so laut bellte. Jake erklärte ihr, was noch zu erledigen sei, während Jenna den kleinen Hund kraulte. Das Bellen hörte sofort auf. Sie barg ihr Gesicht in seinem Fell, genauso entzückt wie Alex, ein so süßes Tier im Arm zu halten.

„Vielleicht sollten wir das Teppichhaus lieber morgen ansehen. Ich weiß nicht, ob wir das heute auch noch schaffen.“ Jake sah sie an, und es wurde ihm bewusst, wie sehr sie ihm in seinem Leben gefehlt hatte. „Macht dir das nichts aus?“

„Nein, überhaupt nicht.“ Jenna blickte auf Alex hinunter, die jetzt ihr Kätzchen genauso im Arm hielt wie Jenna den Welpen. „Wir müssen den beiden noch Namen geben, Alex. Hast du eine Idee?“

Alex grinste. „Das Hündchen will ich Buster nennen.“ Sie drückte ihr Kätzchen an sich. „Und sie soll Miss Kitty heißen.“

„Ich hatte ja keine Ahnung, dass zwei so kleine Tiere so anstrengend sein können“, stöhnte Jake, als sie drei Stunden später die Tragekörbe mit den Tieren wieder im Haus abstellten.

Jenna sah ihn amüsiert an, während sie nochmals zum Wagen gingen, um die eingekauften Sachen zu holen. „Du hast sie doch gerade erst ein paar Stunden“, sagte sie fröhlich. Sie genoss es, den so selbstsicheren Jake kleinmütig zu sehen. „Warte nur bis heute Nacht.“

Jake sah sie erschrocken an. „Wieso?“

Alex kam ihnen entgegengelaufen. „Daddy“, rief sie. „Es ist ein Malheur passiert.“

Nachdem er mit Jenna zusammen die Pfütze auf dem Küchenboden weggewischt hatte, sagte Jake: „Du kannst Alex und mich unmöglich mit dem kleinen Hund allein lassen.“

„Warum?“ fragte Jenna. Um ein weiteres Unglück zu verhindern, stellte sie das Katzenklo in den Wäscheraum. Jake sah ihr zu, wie sie prüfte, ob alle Elektrokabel außer Reichweite waren und auch sonst alles, was die beiden neugierigen Tiere reizen könnte.

„Wir würden es nicht überleben.“

Jenna lächelte Jake halb belustigt, halb mitleidig an und streichelte seine Wange. „Du hast es doch nur gut gemeint, als du die beiden Kleinen kauftest.“

Jake seufzte erschöpft. „Ich hätte vorher meinen Kopf benutzen sollen.“

Alex platzte herein und zupfte Jake am Ärmel. „Daddy, ich habe Hunger.“

Was Jake nur noch verzweifelter aussehen ließ, wie Jenna feststellte. Sie fand, es wäre grausam zu warten, bis er fragte. „Okay, ich bleibe zum Abendessen.“

Alex strahlte, und Jake lächelte betörend. „Warum nicht den ganzen Abend?“ fragte er, während Alex wieder hinausraste, um nach Buster und Miss Kitty zu sehen.

Jenna betrachtete die markante Linie seiner Wangenknochen, seine schmale, gerade Nase und seine sinnlichen Lippen. „Ich muss Alex zeigen, wie sie Buster und Miss Kitty füttern soll.“ Sie machte sich los.

Jake zwinkerte ihr zu. Er war so froh, sie hier zu haben, gleichgültig aus welchem Grund sie blieb.

Während die beiden sich um die Tiere kümmerten, fuhr Jake in die Stadt. Nach einer halben Stunde kam er wieder mit köstlich duftenden Brathähnchen, saftigem Krautsalat und goldbraunen Keksen.

Es wurde ein lustiges Abendessen. Sie lachten und plauderten, während sie Buster und Miss Kitty beobachteten. Nach dem üppigen Essen fielen Alex fast die Augen zu. Jake steckte sie in ihren Pyjama und brachte sie ins Bett.

„Ihr Kopf lag kaum auf dem Kissen, da schlief sie schon“, sagte er, als er zu Jenna in die Küche zurückkam. Stirnrunzelnd stellte er fest, dass sie schon alles weggeräumt hatte. „Das wollte ich doch machen.“

Das Telefon klingelte. Jake nahm den Hörer ab und hörte eine Weile zu, dann glättete sich seine Miene. „Bleib, so lange es nötig ist“, sagte er. „Nein, mach dir keine Sorgen. Jenna und ich haben alles im Griff.“

„Wie geht es Claras Tochter?“ fragte Jenna, als er aufgelegt hatte.

„Sie liegt immer noch in den Wehen. Es scheint eine lange Nacht zu werden.“

Für dich auch, dachte Jenna.

„Wo sind eigentlich Buster und Miss Kitty?“

„Sie schlafen in ihren Körbchen auf der Veranda. Die sind ebenso erschöpft wie Alex.“

„Wo wir gerade von Alex sprechen …“ Jake nahm Jennas Hände und führte sie ins Wohnzimmer. „Ihr scheint euch heute wirklich gut amüsiert zu haben.“

Jenna merkte plötzlich, wie müde sie war. Sie setzte sich bereitwillig auf das Sofa, kickte ihre Sandalen weg und zog die Füße hoch. Jake ließ sich neben ihr nieder. „Ja, das haben wir“, bestätigte sie.

Jake sah ihr zu, wie sie ihren langen Baumwollrock über ihre Beine und Füße zog. „Aber du weißt auch, dass ein ganzer Tag vergangen ist, ohne dass du sie zu einem Kleid überreden konntest.“

Jenna lächelte bei dem Gedanken an die lustige Teeparty. „Immerhin habe ich sie in lauter feminine Sachen gesteckt. Das ist doch schon etwas“, gab sie zurück und fügte dann hinzu: „Keine Angst, Cowboy.“ Sie griff in ihre Rocktasche und brachte ein gefaltetes Blatt Papier zum Vorschein. „Das sind Alex’ Maße. Ich fange heute Abend noch mit ihrem Jeansrock an.“

Jake nahm Jennas Hand und rieb geistesabwesend mit den Fingern über ihren Handrücken. „Hat sie gesagt, dass sie ihn tragen will?“

„Noch nicht“, seufzte Jenna und versuchte, nicht daran zu denken, wie entspannend es war, hier mit Jake zu sitzen, wie gut und richtig. Und wie weich und liebevoll seine Berührung war. „Aber sie wird. Ich kenne kleine Mädchen. Schließlich war ich selbst mal eins, wie du weißt.“

Jake erinnerte sich. Und wie er sich erinnerte. Das erste Mal war Jenna ihm aufgefallen, als sie mit ihren drei Schwestern die Bowie Lane herunterkam. Er war vierzehn und sollte den ganzen Sommer auf der Ranch verbringen – um von einigen Jungs wegzukommen, die Patricia und Danforth Remington nicht als geeignete Gesellschaft für ihn ansahen. Sie selbst waren auf Europareise. Es gab niemanden in seinem Alter, mit dem er etwas unternehmen konnte. Auf dem Minigolfplatz fielen ihm die vier lachenden und scherzenden Lockhart-Schwestern sofort auf.

„Woran denkst du?“ fragte Jenna.

„An das erste Mal, als ich dich sah“, antwortete Jake. Obwohl inzwischen fast fünfzehn Jahre vergangen waren, kam es ihm vor wie gestern. Jenna hatte Shorts getragen, ein weißes T-Shirt und ein Nickytuch um den Hals. Obwohl alle Schwestern ziemlich hübsch waren und Meg ungefähr in seinem Alter, fühlte er sich sofort von Jenna angezogen – mit ihrer rotgoldenen Mähne und ihren leuchtenden blauen Augen. Und Jenna schien zu spüren, wie einsam und verloren er sich hier in Laramie fühlte. Spontan lud sie ihn ein, bei ihrem Spiel mitzumachen, und bis zum Ende des Sommers folgten viele lustige Unternehmungen auf der Lockhart-Ranch.

Bis dahin hatte er noch nie eine so glückliche, lebensfrohe Familie wie die Lockharts kennen gelernt. Er hatte Jenna beneidet um das Zusammengehörigkeitsgefühl in ihrer Familie, den ansteckenden Humor und die Spontanität. In seiner Familie war das ganz anders. Vielleicht war er deshalb hierher zurückgekommen. Um Alex das zu geben, was für die Lockharts, McCabes und alle anderen Familien in Laramie selbstverständlich schien. Das Gefühl von Zuneigung und gegenseitiger Verbundenheit. Das Wissen, dass alles seine Richtigkeit hatte. Die Menschen hier hatten noch Träume und Ziele, die nichts mit Geld zu tun hatten. Hier zählten Kinder mehr als Besitz oder ein lukrativer Geschäftsabschluss. Ganz anders als in der Oberschicht von Dallas, wo er aufgewachsen war.

„Erinnerst du dich noch an jenen Nachmittag?“ fragte Jake und sah Jenna liebevoll an.

„Natürlich.“ Jenna wirkte plötzlich verlegen. „Schließlich kam nicht jeden Tag ein phantastisch aussehender Junge in einer großen schwarzen Limousine vorgefahren.“

Jake seufzte. Diese Art von Beachtung war ihm immer schon unangenehm gewesen, bis heute.

„Meine Eltern haben nie gemerkt, wann es genug war“, brummte er. Wie unbeschwert waren hingegen die Sommerferien in Laramie gewesen. So reich zu sein wie seine Eltern, erschien ihm eher als Handicap. „Darum will ich, dass Alex anders aufwächst. Sie soll sich frei und glücklich fühlen, eine Familie um sich haben, Freunde, Tiere – eine Kindheit, wie sie jedes Kind erleben sollte.“ Anders als er, auch wenn ihn seine Eltern geliebt hatten.

Jenna nickte. „Das ist gut. Und sie sollte ihre Kindheit so lange wie möglich genießen und nicht zu schnell erwachsen werden müssen.“

„So wie du?“ fragte Jake mitfühlend.

„Der Tod meiner Eltern hat unser Leben von Grund auf geändert ...

Autor

Cathy Gillen Thacker
Cathy Gillen Thackers erster Schreibversuch war eine Kurzgeschichte, die sie in der Mittagsstunde ihrer Kinder zu Papier bringen wollte. Monate später war ihre Kurzgeschichte auf Buchlänge angewachsen und stellte sich als Liebesroman heraus. Sie schrieb sechs weitere Romane, bevor ihr achter von einem Verlag angenommen und 1982 veröffentlicht wurde.

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