Pikantes Wiedersehen mit dem griechischen Ex

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Ein traumhaftes Leben voller Liebe, Leidenschaft und Luxus scheint die junge Bethan zu erwarten: Sie und der Tycoon Ares Vasiliadis heiraten! Doch schnell zerbricht ihr Traum, und Bethan flieht zurück nach London. Zwei Jahre später spürt Ares sie dort auf. Nicht etwa, um sie erneut in seine Arme zu ziehen: In seinem Privatjet soll sie ihn nach Griechenland begleiten, um dort die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Aber dürfen sie das Ende ihrer Ehe wirklich besiegeln, wenn die Leidenschaft zwischen ihnen sofort wieder wie ein wildes Feuer auflodert?


  • Erscheinungstag 03.03.2026
  • Bandnummer 2743
  • ISBN / Artikelnummer 9783751541695
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Natalie Anderson

Pikantes Wiedersehen mit dem Ex

1. KAPITEL

Bethan Eagles Lächeln schwankte zwischen freundlich und gequält. In Gedanken schalt sie sich zum hundertsten Mal, zu dieser Verabredung gegangen zu sein. Das Dinner war ein einziger Reinfall gewesen. Als der Kellner endlich die Rechnung brachte, atmete sie erleichtert auf. Leider bestand ihr Date darauf, sie nach Hause zu begleiten. Wie altmodisch! Und zugleich irgendwie charmant. Doch das machte alles nur schlimmer. Der Typ gab sich wirklich Mühe! Sie war einfach eine Versagerin.

„Du brauchst mich nicht zur Tür zu bringen.“ Doch er war schon ausgestiegen, um ihr die Autotür aufzuhalten. „Danke. Das war nicht nötig.“ Bethan drückte ihre Tasche an die Brust, während sie von einem Fuß auf den anderen trippelte. „Meine Mitbewohnerin ist zu Hause. Sie hat auf mich gewartet. Wir machen das immer so. Weil ich …“

niemals date!

Als ob ihm das nicht ohnehin sonnenklar sein musste! So angespannt, wie sie gewesen war … Sie hatte auf den Nachtisch verzichtet, Drinks in einer Bar ausgeschlagen und nach tanzen stand ihr ganz gewiss nicht der Sinn.

„Ich bin müde. Ich hatte in letzter Zeit viel zu tun“, plapperte sie weiter. Was für eine Idiotin sie doch war! Ihre Freundinnen Elodie und Phoebe mochten es genießen, nach ihren Trennungen wieder auszugehen. Bethan hingegen war sich nach diesem Abend sicher, dass sie den Rest ihres Lebens allein verbringen würde. „Ich sollte gehen.“

„Es war schön, dich kennenzulernen, Bethan. Ich hoffe, wir sehen uns wieder.“ Wirklich? Warum? Sein Lächeln schien herzlich. Oder machte er sich über sie lustig? Wahrscheinlich wollte er nur höflich sein. Endlich wandte er sich zum Gehen. „Ruf mich an, wenn du möchtest.“

Sie atmete auf. Zum Glück hatte er nicht versucht, sie zu umarmen oder gar zu küssen! Es war definitiv kein Date gewesen, das mit einem Kuss endete – oder mit einem „Komm doch noch auf einen Kaffee mit hoch“. Gut, dass er das ohne Worte begriffen hatte.

Im Grunde war er ein netter Kerl. Genau die Sorte Mann, die eine Frau daten sollte. Charmant, höflich, unaufdringlich. Keine Naturgewalt, die ohne Vorwarnung über sie hereinbrach. Kein Tornado, der sie schwindelig machte und ihr den Verstand raubte, sodass sie sich blindlings in ein romantisches Abenteuer stürzte, an dessen bitteren Ende sie mit Füßen getreten und abserviert wurde. Nein, dieser Mann war interessiert und aufmerksam gewesen. Das Problem war nur, dass sie überhaupt nichts empfunden hatte. Jetzt, da er fort war, spürte sie immerhin so etwas wie Erleichterung. Abgesehen davon war alles in ihr wie abgestorben. Zerstört von der alles überschattenden Katastrophe, die ihr vor zweieinhalb Jahren begegnet war. Die sie sogar geheiratet hatte! Wie dumm sie doch gewesen war. Sie hatte ihre Zukunft unwiederbringlich zerstört. Nein, verbesserte sie sich rasch, nichts war zerstört! Sie brauchte Zeit, um zu heilen. Doch heute war sie noch nicht bereit für ein Date gewesen. Das war alles.

Mit dem Schlüssel in der Hand atmete sie tief durch. Sie teilte sich die Wohnung mit ihrer Freundin Phoebe, die wiederum mit Bethans Chefin Elodie befreundet war. Jede von ihnen hatte eine desaströse Ehe überstanden, und so waren sie schnell unzertrennlich geworden. Sie wussten, wie sehr ein gebrochenes Herz schmerzte, und unterstützten einander ohne viel Aufhebens. Elodie und Phoebe waren in ihren Heilungsprozessen schon weiter fortgeschritten als Bethan. Doch mit zwei Leidensgenossinnen an ihrer Seite war Bethans Leben tausendmal besser als während ihrer einsamen Schulzeit. Damals hatte sie von anderen Mädchen nur gemeine Lästereien zu hören bekommen. Elodie und Phoebe hingegen waren ihr eine Familie geworden. Nicht die perfekte Mutter-Vater-Kind-Familie ihrer romantischen Träume. Eine echte Familie, in der sie füreinander da waren!

Die Straße hinter ihr lag still da. Trotzdem ließ ihre Anspannung nicht nach. Den ganzen Abend hatte sie das seltsame Gefühl gehabt, beobachtet zu werden. Vermutlich war sie nur überempfindlich, weil sie zum ersten Mal seit Jahren ein Date gehabt hatte. Um ehrlich zu sein, war dies das erste Date ihres Lebens gewesen. Ihrem Ex war sie zufällig begegnet. Mit ihm hatte sie von Beginn an eine andere Intensität gespürt. Das Prickeln auf ihrer Haut nahm zu, und sie warf einen Blick über die Schulter.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkte ein schwarzer SUV und beinahe im gleichen Moment öffnete sich die hintere Tür. Lange Beine schoben sich heraus, dann baute sich ein durchtrainierter Körper vor ihr auf. Bethans Herz zog sich zusammen. Alle Luft entwich ihren Lungen und ihr Denken setzte aus. Wie gelähmt starrte sie Ares Vasiliadis entgegen.

Immer noch eine Naturgewalt.

Atemberaubend wie eh und je.

Geschmeidig wie ein Raubtier bewegte er sich auf sie zu. Irgendwo in ihrem Inneren regte sich ein Fluchtreflex, doch sie konnte keinen Muskel rühren. Sie starrte ihm entgegen. Leichte Stoppeln betonten den markanten Schwung seiner Wangenknochen. Unter dichten Brauen glitzerten graublaue Augen, deren Blick ihr tief unter die Haut ging. Die gerade Nase. Der fein geschwungene Mund. Sein Antlitz war so schön, als hätte Michelangelo persönlich es in Stein gemeißelt. Wie die leibhaftige Erscheinung eines griechischen Gottes! Es schien wie ein Klischee, aber es traf zu.

Als sie sich zum ersten Mal trafen, hatte er ein ausgewaschenes graues T-Shirt und Shorts getragen. Sie war zu unbedarft gewesen, um seine Armbanduhr als eines von nur zehn handgefertigten Modellen zu erkennen. Auch heute stellte sein maßgeschneiderter Anzug den stillen Luxus der unermesslich Reichen zur Schau. Er hatte schon immer außerhalb ihrer Liga gespielt. Doch ihr schwacher Körper und ihr vernebelter Geist hatten sie getäuscht. Sie hatte sich in romantischen Idealen verloren und war ihren eigenen wilden Fantasien ebenso erlegen wie seinem unwiderstehlichen Charme. In anderen Worten: Sie war eine Idiotin gewesen.

Seit sie ihn vor zwei Jahren verlassen hatte, war sie nicht wieder auf die Beine gekommen. Zwar hatte sie ihn längst aus ihren Gedanken verbannt, dennoch hatte er ihr den ganzen Abend lang im Kopf herumgespukt. Ausgerechnet heute! Das Date sollte ein Experiment sein. Sie wollte herausfinden, ob sie bereit für eine neue Liebe war. Natürlich hatte sie ihrer Verabredung nicht gesagt, dass sie verheiratet gewesen war. Tatsächlich war sie immer noch verheiratet. Doch seit der Trennung hatte sie keinerlei Kontakt zu Ares gehabt und heute hatten Elodie und Phoebe sie ermutigt, sich auf ein harmloses Dinner einzulassen. Es war ein erster Schritt gewesen, um nach den schmerzhaften Erfahrungen ins Leben zurückzufinden. Bethan sehnte sich aus tiefstem Herzen und voller Verzweiflung danach, Ares Vasiliadis endlich zu vergessen! Doch der heutige Abend hatte ihr vor Augen geführt, dass sie noch einen weiten Weg vor sich hatte.

Das durfte er niemals erfahren!

Mittlerweile stand er direkt vor ihr. Bethans Knie zitterten. War es möglich, dass er noch umwerfender aussah als damals? Konnten seine Gesichtszüge noch markanter geworden sein? Mit einem Mal regte sich Wut in ihrem Bauch. Dieser Mann genoss so viele Privilegien! Nicht nur versprühte er die lässige Überlegenheit der Superreichen, er war auch mit einem brillanten Verstand gesegnet, der ihm unnachahmliche Erfolge eingebracht hatte. Er besaß ein internationales Unternehmen, das alle Weltmeere mit einer riesigen Flotte an Fähren, Kreuzfahrtschiffen und Mega-Jachten überzog. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte nichts und niemand ihn aufhalten. Er war stark! Sie erschauerte, als die Erinnerung an seine schier übermenschliche Kraft sie durchzuckte. Er war ein Gott. Von allen geachtet, von allen begehrt. Vor allem von ihr.

„Hattest du einen schönen Abend, Bethan?“ Seine Stimme klang kühl und kontrolliert, aber sein funkelnder Blick sprach Bände.

Nur mit all ihrer Willenskraft gelang es ihr, ruhig zu bleiben. Sie würde ihn nicht merken lassen, wie tief sein unerwartetes Auftauchen sie berührte. Immer noch. Immer! Eine altbekannte Anziehungskraft brannte unter ihrer Haut. Was fiel ihrem dummen Körper nur ein? Sie kannte diesen Typen!

Oh ja! Sie kannte sie ihn so, wie er wirklich war. Kaltherzig und mitleidlos. Er war ein skrupelloser Lügner, der die Menschen nur benutzte.

„Ares.“ Ihre Stimme zitterte nicht. Einen Moment lang badete sie in Stolz. „Ich wusste nicht, dass du in der Stadt bist.“

Als wäre es nicht mehr als zwei Jahre her, seit sie ihn zuletzt gesehen hatte. Seit sie ihn nur zwei Wochen nach der Hochzeit verlassen hatte.

„Offensichtlich nicht.“

Ihre Wut loderte hoch. Erwartete er, dass sie allein zu Hause saß und sich vor Sehnsucht nach ihm verzehrte? Zwar hatte sie genau das viel zu lang getan, aber das brauchte er nicht zu wissen. Als würde diese Einsicht ihm nahegehen!

Doch nichts war ihm je wirklich nahegegangen. Und genau darum ging es! Er hatte sie benutzt und betrogen. Als sie an eine leidenschaftliche Romanze geglaubt hatte, hatte er einen ausgeklügelten Plan verfolgt. Am Ende war es nicht um sie gegangen. Sie war nur sein Mittel zum Zweck gewesen. Eine Idiotin, die seinen Verführungskünsten allzu leicht erlegen war.

„War das Date etwa eine Enttäuschung?“ Sein Mund verzog sich zu einem schrägen Grinsen. „Du hast ihn nicht einmal hineingebeten.“

Nein. Nur Ares Vasiliadis hatte sie je hineingebeten. Doch obwohl er wusste, dass er ihr erster Mann gewesen war, brauchte er nicht zu erfahren, dass er bis heute ihr einziger Liebhaber geblieben war. Er hatte kein Recht, in ihrem Privatleben herumzuschnüffeln!

„Hast du mich etwa beobachtet?“ Ein Verdacht keimte in ihr auf. „Den ganzen Abend?“

Warum sollte er so etwas tun? Plötzlich war sie sicher, dass ihre Intuition richtig gewesen war. Aber er hatte kein Recht, unangekündigt hier aufzukreuzen. In ihre Wut mischte sich Erregung. Was wollte er von ihr? Entschlossen trat sie einen Schritt auf ihn zu. „Es geht dich nichts an, mit wem ich meine Zeit verbringe.“

„Nein?“ Er legte den Kopf schief. In seinem Lächeln blitzte etwas Wölfisches.

„Nicht im Geringsten!“ Jede Faser ihres Körpers stand unter Strom. Sie spielte mit dem Feuer, doch heute Abend würde sie ihn für immer in seine Schranken weisen.

„Doch“, erwiderte er sanft. „Denn du, Bethan Vasiliadis, bist meine Ehefrau.“

Ares schob die Hände in seine Hosentaschen. Nicht nur, um seine geballten Fäuste zu verbergen, sondern auch, um Bethan nicht unversehens zu packen und an sich zu ziehen. Er wollte mit ihr …

Nein! Das würde er niemals wieder tun. Er wollte es nicht. Verdammt noch mal, er wollte es ganz bestimmt nicht!

Sie waren durch – und das seit mehr als zwei Jahren. Sie wollte nichts mehr von ihm wissen. Der kaum verhohlene Hass in ihren Augen machte ihm nichts aus. Solche Blicke kannte er. Sie befeuerten die kalte Wut, die ihn seit seinem dreizehnten Lebensjahr erfüllte und die ihn antrieb. Als unehelicher Sohn eines ehrlosen Vaters hatte er gelernt, still zu halten, wenn er zurückgewiesen wurde. Nicht die kleinste Gefühlsregung drang durch seine Mauern nach außen.

Aber als er Bethan heute zum ersten Mal nach einer Ewigkeit wiedergesehen hatte, konnte er den Blick nicht von ihr wenden. Seine Venus! Konnte sie noch schöner sein als damals? Oder hatte er die Erinnerungen an ihre üppigen Kurven und ihre weichen, vollen Lippen nur verdrängt? Wie sie ihn lockte! Er spürte, dass sie mehr von ihm wollte. Alles von ihm. Seinen Mund, seine Finger, seinen … Sofort fluteten wilde Fantasien seine Gedanken. Er wusste genau, was er mit ihr machen wollte. Immer wieder. Immer! Genau jetzt.

Nein! Das würde er niemals wieder tun! Er wollte es nicht. Verdammt noch mal, er wollte es ganz bestimmt nicht!

„Ich habe deinen Namen nie angenommen“, wies sie ihn scharf zurecht. „Und ich bin deine Ex-Frau.“

Einatmen auf vier. Den Atem halten. Ausatmen auf vier. Den Atem halten.

Er musste sich zentrieren, um seinen rasenden Puls zu beruhigen. Er musste sein Stresslevel senken. Jetzt und immer. Deswegen arbeitete er bereits weniger. Nun wollte er sich um einige Altlasten kümmern, und Bethan war eine davon. Die mit den verheerendsten Auswirkungen. Sie war seine größte Schwäche und zugleich sein schlimmster Fehler. Über die Jahre hatte er viele Fehler gemacht, aber keiner hatte ein derart unübersichtliches Chaos verursacht. Warum bloß? Nun, diesmal würde er ihren Reizen nicht erliegen. Er brauchte nur vierundzwanzig Stunden ihrer Zeit, dann würde diese Katastrophe für immer vorbei sein.

„Papierkram liegt dir nicht“, erwiderte er so herablassend wie möglich. Er wusste, dass sie das hasste. „Aber dein Name ist in der Tat Bethan Vasiliadis. Und vor dem Gesetz bist du immer noch meine Ehefrau.“

Seine Ehefrau. Das Rauschen in seinen Ohren blockte jedes andere Geräusch ab. Bereits zum zweiten Mal an diesem Abend hatte er die Worte ausgesprochen, die er seit Jahren nicht mehr in den Mund genommen hatte. Seine Ehefrau! Die heute mit einem anderen ausgegangen war. Natürlich machte ihm das nichts aus!

Bethans große Augen weiteten sich, und ihre vollen Lippen öffneten sich leicht. Spielte sie ernsthaft die Naive? Vor zweieinhalb Jahren war er darauf hereingefallen, aber heute wusste er es besser. Er konnte ihr nicht vertrauen. Selbst wenn sie nicht so gierig schien wie die anderen Mitglieder seiner Familie, war sie keinen Deut besser.

„Nein“, murmelte sie nachdrücklich.

Er sollte über den Dingen stehen. Er sollte zufrieden sein, weil sie ein Date gehabt hatte. Das würde die bevorstehende Scheidung vereinfachen. Stattdessen machte es ihn zornig, und er hasste sich dafür. Er musste schleunigst die Kontrolle zurückerlangen. Egal worüber. Am besten über sie.

Ja, dieser Gedanke traf ihn wie ein Blitz. Er wollte sie dafür zahlen lassen, dass er heute Abend gelitten hatte. Wegen ihr! Und für die Monate – Jahre! – der Hölle, die er durchlebt hatte, weil sie ihn damals verhext hatte. Und weil sie offensichtlich keine Angst mehr vor ihm hatte. Denn Bethan Eagle – Bethan Vasiliadis! – wich nicht vor ihm zurück.

Als sie vor ein paar Stunden in ein wartendes Taxi gestiegen war, hatte er den Fahrer angewiesen, ihr zu folgen. Wohin wollte sie? In diesem Kleid! Als er sie zum ersten Mal traf, hatte sie kaum Make-up getragen. Heute war sie dezent geschminkt. Ihre Augen leuchteten, ihre Lippen glänzten.

Wenig später betrat sie ein schickes Restaurant. Ares beobachtete durchs Fenster, wie sie sich erst umsah und dann lächelte, als ein Mann sich erhob. Dem Idioten waren beinahe die Augen aus dem Kopf gefallen. Sie bekamen einen Tisch an einem der großen Fenster, sodass Ares das gesamte Date mitverfolgen konnte. Es war die reinste Folter! Sicher hielt sein Fahrer ihn für verrückt. Aber er stalkte sie nicht – er musste nur dringend mit seiner Ehefrau sprechen, um endlich den Papierkram für die Scheidung zu erledigen. Die Abschiedsszene vor ihrer Haustür schließlich hatte seinen ohnehin schon hohen Blutdruck durch die Decke katapultiert. Wenn dieser Typ Bethan angefasst hätte … Ares wäre sofort aus dem Auto gesprungen! Nicht aus Eifersucht. Nein! Sondern weil Bethan aussah, als wollte sie am liebsten wegrennen. Natürlich kannte Ares sie besser als jeder andere. Aber ihr Geplapper und Gezappel sollten jedem Mann ein Zeichen sein. Zum Glück hatte der Typ seine Hände bei sich behalten. Das hieß natürlich, dass er kein Idiot war.

Ares war nicht wie er. Er hätte Bethan an sich gezogen, sie in seine Arme genommen, ihre Angst fortgestreichelt. Ja, Ares war hier der Idiot. Schon immer. Immer wieder. Bis in alle Ewigkeit. Er tat, was er tun musste, um zu bekommen, was er haben wollte. Das hatte er gelernt. Nur so konnte er in einer Familie überleben, die schlimmer war als jedes Schlangennest. Doch was ihn zum größten Idioten der Welt machte, war sein ungebrochenes Verlangen nach Bethan.

Ihr Kleid schmiegte sich verführerisch an ihre üppigen Kurven. Einst war er der Mann gewesen, der ihr nah kommen durfte. Der erste, der sie berühren durfte. Der sie schmecken durfte. Der sie vor Lust erschauern, stöhnen und aufschreien ließ. Sein Magen verknotete sich beim bloßen Gedanken daran, dass ein anderer ihr dieses Vergnügen bereiten könnte. Lange hatte er geglaubt, dass nur er dazu in der Lage wäre. Aber er hatte sich getäuscht. Denn heute war sie mit einem anderen ausgegangen. Und auch wenn sie ihn nicht hineingebeten hatte: Wer wusste, wie viele andere sie in ihr Bett eingeladen hatte?

„Ich bin seit Jahren nicht mehr deine Frau.“ Sie rieb Salz in die Wunde.

„Die Gerichte sind da anderer Meinung.“ Er trat näher. Es machte ihn zufrieden, dass sie nicht vor ihm zurückwich. „Ich gehe davon aus, dass es dir gelegen kam, weiter mit mir verheiratet zu sein. Sonst hättest du die Scheidung einreichen können.“

Ihm war es gelegen gekommen, all diese Jahre vergeben gewesen zu sein. So hatte er die dreisten Ansprüche seiner skrupellosen Familie zurückweisen können. Und jetzt kam es ihm gelegen, Bethan bestrafen zu können. Nur ein bisschen. Das war nichts gegen die Folter, die er gerade durchlebt hatte!

Ihre Kinnlade fiel. „Du glaubst, dass ich glücklich war?“

Ihr Pfeil traf sein Ziel. Natürlich hatte er geglaubt, dass sie glücklich gewesen war.

„In meinem Bett warst du glücklich.“ Dessen war er sich sicher. Wenigstens diese Wahrheit sollte sie ihm zugestehen.

Sie erstarrte. Da war sie wieder: diese Lust, die jede Faser ihres Körpers flutete. Außerhalb des Bettes hatte er sie nie glücklich gemacht. Da war alles nur ein Hirngespinst gewesen. Sie riss sich von seinem Blick los.

„Das Trennungsjahr haben wir längst hinter uns.“

Also kannte sie die Richtlinien und hatte dennoch nicht gehandelt.

„Du behauptest also, dass wir getrennt waren?“ Er konnte nicht widerstehen. Er musste sie provozieren. „Zwei Jahre und vier Monate?“

Beinahe hätte er aufgelacht, als ihre Augen widerspenstig funkelten.

„Willst du leugnen, dass ich dich verlassen habe?“

Denn das hatte sie. Sie wusste das. Er wusste das.

Er hatte immer gemocht, wie sie sich ihm entgegenstellte. Natürlich war sie chancenlos, doch das hielt sie nie auf. Aber dann hatte sie ihn verlassen. Er kam nicht darüber hinweg, dass ihn eine junge und unerfahrene Frau derart hinters Licht geführt hatte. Er hatte ihr Reichtum und Glamour versprochen. Ein Leben, von dem sie sich nie hatte träumen lassen. Doch es war ihr nicht genug gewesen. Innerhalb von schockierend kurzer Zeit zeigte sich, dass sie nur seinen Körper begehrt hatte. Und selbst daran hatte sie rasch die Lust verloren. Obwohl es jetzt so wirkte, als loderte das alte Feuer neu auf. Da war dieser Glanz in ihren Augen, die Röte auf ihren Wangen. Er trat einen Schritt auf sie zu.

Statt zurückzuweichen, hob sie ihr Kinn. Er liebte es, wenn sie ihm wild und entschlossen begegnete. Und er hasste sie auch dafür. Wie einfach wäre es, sie jetzt zu berühren! Sie zu küssen! Sie ein letztes Mal zu verführen.

Nein! Das würde er niemals wieder tun! Er wollte es nicht. Verdammt noch mal, er wollte es ganz bestimmt nicht!

„Warum hast du die Scheidung nicht eingereicht?“, fragte er ruhig. „Oder willst du sie nicht?“

Ihre Nasenlöcher blähten sich. „Natürlich will ich die Scheidung.“

„Dann solltest du mit mir nach Griechenland kommen, um den Papierkram zu erledigen“, riet er heiser.

Ihre Entrüstung war sein Lohn und sein Schmerz. „Ich werde nie wieder nach Griechenland zurückkehren.“

Anscheinend war sie immer noch ein wenig naiv. Wie süß!

„Aber Bethan, das musst du.“

„Nein. Muss ich nicht.“ Nur das Flackern in ihrem Blick verriet ihre Unsicherheit. „Darum kann sich mein Anwalt kümmern.“

„Warum hast du ihn noch nicht beauftragt?“

„Warum hast du es nicht getan?“

Dazu war er nach London gekommen. Er wollte sich scheiden lassen – so reibungslos wie möglich. Denn sie hatte recht: Das Trennungsjahr hatten sie längst überschritten. Aber sie hatte auch unrecht. So oder so würde er diese verdammte Scheidung durchziehen. Und vielleicht stand ihm noch ein wenig Rache zu.

Bethan starrte den Mann an, der sie vor mehr als zwei Jahren in den Strudel einer atemberaubenden Romanze gezogen hatte. Den Mann, den sie geheiratet hatte. Ja, er hatte ihr den Boden unter den Füßen weggezogen. Ja, sie war von Verlangen verzehrt worden. Ja, sie hatte geglaubt, in einem Märchen zu leben. In demselben Märchen, das auch ihre Eltern gelebt hatten. So voller Liebe. So voller Zauber. So einfach. So überwältigend. Wie dumm sie gewesen war! Sie hatte ihr Zuhause vor Augen gehabt. Die Fotos aus glücklichen Tagen, die Geschichte, wie ihre Eltern sich auf den ersten Blick verliebt hatten, wie ihre Liebe gewiss ein Leben lang gehalten hätte, wenn ihre Mutter nicht viel zu jung verstorben wäre. Ihr Vater hatte diese Erinnerung stets hochgehalten und so ein unerreichbares Ideal geschaffen.

Was Ares und sie geteilt hatten, war kaum mehr als Lust und Leidenschaft gewesen. Sie hatte Ares’ Schweigen für eine Art Stoizismus gehalten, doch hinter seiner Fassade hatte er einen gemeinen Plan geschmiedet. Er hatte sie ausgenutzt. Damals war sie jung und naiv gewesen, doch heute war sie klüger. Sie würde diese Sache jetzt und hier beenden. Dann musste auch ihr trügerischer Körper ihr schnellstens wieder gehorchen. Sie hatte schon zu viel verloren!

Doch es kam anders. Ihr Blick traf den seinen, und schon begann ihr Herz zu rasen, und ein verräterischer Ort tief in ihrem Herzen öffnete sich weit. Das musste der Schock des Wiedersehens sein! Was sonst? Sein unerwartetes Auftauchen hatte sie kopfüber in einen Wirrwarr widersprüchlicher Gefühle gestürzt. Das war nicht fair! Aber Ares war noch nie fair gewesen. Er tat, was er für richtig hielt, um zu bekommen, was er wollte. Die Gefühle anderer waren ihm gleichgültig. Und doch fühlte sie sich so stark wie nie zuvor zu ihm hingezogen.

„Bethan“, erklärte er betont langsam. „Wenn du mich ein für alle Mal loswerden willst, musst du vor einem Notar erscheinen. Persönlich. In Griechenland.“

Oh nein! Sie würde niemals dorthin zurückkehren! Dieses Paradies auf Erden war ihr für alle Zeit verschlossen. Wegen ihm. Wegen der alles versengenden Hitze, dem Duft der wilden Kräuter und dem unstillbaren Herzschmerz. Damals war sie hingereist, um den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen. Doch als sie Ares begegnet war, hatten die Dinge ihren Lauf genommen. Niemals könnte sie an einen Ort zurückkehren, an dem sie so tief verletzt worden war!

„Hat dir dein Anwalt das nicht gesagt?“

Sie war zu einem sehr günstigen Anwalt gegangen, der offensichtlich nicht über die notwendige Erfahrung in internationalen Scheidungsangelegenheiten verfügte. Während des obligatorischen Trennungsjahres hatte sie sich verkrochen. Ein schwacher Teil in ihr hatte gehofft, dass Ares sie suchen würde. Dass er bis ans Ende der Welt gehen würde, um ihr seine Liebe zu gestehen. Wie in einem Märchen. Wie in der einzigartigen Liebesgeschichte ihrer Eltern. Aber natürlich war das nicht passiert. Doch als sie ihm heute Abend gegenüberstand, regte sich dieselbe Hoffnung in ihr. Ein Blick, und schon flammte ein tiefes und verrücktes und unwiderstehliches Begehren in ihr auf. 

„Deswegen bist du hier.“ Die Enttäuschung drohte sie in einen dunklen Strudel zu reißen. Nicht, um ihr seine Liebe zu gestehen. Um einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen.

Seine langen Wimpern verbargen seine Augen. „Natürlich. Warum sonst?“ Er räusperte sich und trat zurück. „Es gibt keinen Grund, noch länger zu warten. Hol deinen Pass.“

„Wie bitte?“

„Wir fliegen mit der Morgenmaschine nach Athen. Am Nachmittag gehen wir zum Notar.“

Das erklärte nicht, warum sie ihren Pass jetzt sofort holen sollte.

„Nein“, widersprach sie langsam und in dem gleichen herablassenden Ton, den er zuvor benutzt hatte. „Ich fliege nicht mit dir. Wir sehen uns beim Notar.“

Er verschränkte die Arme vor der Brust und schüttelte den Kopf. „Du hast mich schon einmal sitzen gelassen. Glaubst du, ich gehe dieses Risiko ein zweites Mal ein?“

Ihre Wut schlug lodernde Flammen. „Glaubst du wirklich, dass du so über mich bestimmen kannst?“ Sie stellte sich auf Zehenspitzen, um ihm in die Augen zu blicken. „Ich habe dazugelernt, Ares. Aber du bist so kontrollierend wie eh und je. Du bist nur darauf aus, zu bekommen, was du willst.“

„Aber wollen wir nicht das Gleiche?“ Er neigte den Kopf. Sein Mund war nun dicht an ihrem. „Die Scheidung“, sagte er sehr deutlich. „So schnell wie möglich.“ Seine Stimme wurde leiser. „Oder willst du noch etwas anderes?“

„Ich will nichts anderes! Ich will nichts lieber, als dich für immer aus meinem Leben zu verbannen!“ Sie stach mit dem Finger gegen seine Brust.

„Nichts, was du lieber willst?“ Rasch ergriff er ihre Hand und legte sie flach auf seine Brust.

Unter ihrer Handfläche schlug sein Herz. So schnell wie ihr eigenes. Und dann zündete das altbekannte Feuer in ihrem Innersten.

„Was tust du?“

„Nichts, was du lieber willst?“ Sein Atem war sanft. „Oh, Bethan. Wir wissen beide, dass das nicht stimmt. Dieser Typ hätte dir nie geben können, was du brauchst.“

Autor

Natalie Anderson

Natalie Anderson nahm die endgültigen Korrekturen ihres ersten Buches ans Bett gefesselt im Krankenhaus vor. Direkt nach einem Notfall-Kaiserschnitt, bei dem gesunde Zwillinge das Licht der Welt erblickten, brachte ihr ihr Ehemann die E-Mail von ihrem Redakteur. Dem Verleger gefielen ihre früheren Korrekturen und da es gerade einen Mangel an...

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