Diese Nacht darf niemals enden

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Nur eine Nacht, manchmal zwei verbringt die schöne Künstlerin Alexa mit dem faszinierenden Geschäftsmann Guy de Rochemont - niemals mehr. Wenn er sie mit seinem Privatjet in ein Luxushotel in einer Weltmetropole, seine italienische Villa oder sein Penthouse in Monaco bringen lässt, erwarten sie regelmäßig kostbare Designer-Roben und Diamanten. Ein perfektes Arrangement - das Alexa fast das Herz zerreißt. Denn was sie am allermeisten ersehnt, scheint ihr für immer verwehrt. Oder kann sie jemals mehr sein als die heimliche Geliebte ihres Traummannes?


  • Erscheinungstag 14.05.2011
  • Bandnummer 1975
  • ISBN / Artikelnummer 9783863497248
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

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IMPRESSUM

JULIA erscheint 14-täglich im CORA Verlag GmbH & Co. KG

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CORA Verlag GmbH & Co. KG ist ein Unternehmen der Harlequin Enterprises Ltd., Kanada

Geschäftsführung:

Thomas Beckmann

Redaktionsleitung:

Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)

Cheflektorat:

Ilse Bröhl

Lektorat/Textredaktion:

Sarah Hielscher

Produktion:

Christel Borges, Bettina Schult

Grafik:

Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

Vertrieb:

asv vertriebs gmbh, Süderstraße 77, 20097 Hamburg Telefon 040/347-29277

Anzeigen:

Christian Durbahn

Es gilt die aktuelle Anzeigenpreisliste.

 

© 2010 by Julia James

Originaltitel: „Forbidden Or For Bedding?“

erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London

in der Reihe: MODERN ROMANCE

Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe: JULIA

Band 1975 (12/2) 2011 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

Übersetzung: SAS

Fotos: RJB Photo Library

Veröffentlicht im ePub Format in 05/2011 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

ISBN : 978-3-86349-724-8

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

JULIA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Führung in Lesezirkeln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Satz und Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

Der Verkaufspreis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:

BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, HISTORICAL MYLADY, MYSTERY, TIFFANY HOT & SEXY, TIFFANY SEXY

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Julia James

Diese Nacht darf niemals enden

PROLOG

Die warmen Strahlen der Herbstsonne fielen durch das Fenster auf den für zwei gedeckten Frühstückstisch in Alexas Wohnung in Notting Hill. Geschirr und Besteck waren mit Sorgfalt in Antiquitätenläden ausgewählt worden. In einer Kristallvase auf dem Tisch standen Herbstblumen. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee lag in der Luft – genau wie eine unerträgliche Anspannung. Alexa hätte aus Stein sein müssen, um sie nicht zu fühlen.

Bis zu diesem Moment war sie heiterer Stimmung gewesen, ja sogar sinnlicher. Morgens zum Liebesspiel aufzuwachen verlieh ihr immer ein Wohlgefühl, das den ganzen Tag und länger anhielt, selbst wenn sie abends – anders als heute – allein zu Bett ging.

An den Wechsel von einer Nacht voller Sinnlichkeit mit überwältigenden Empfindungen, die sie in ehrfürchtiges Erstaunen versetzten, zur kompletten Gefühlsabstinenz war sie inzwischen gewöhnt. Und so stand sie da, mit nichts anderem als einem Negligé aus blassgrüner Seide bekleidet und der Kaffeekanne in der Hand. Das lange, noch nicht frisierte Haar fiel ihr seidig über den Rücken. Und plötzlich stockte ihr der Atem, so als erinnere sich ihr Körper an die Flutwelle von Emotionen, die ihn gerade erst mit sich gerissen hatte.

Nicht, dass sie diese Emotionen je zeigen würde! Nein, sie zeigte nur die Leidenschaft, die Ausdruck dieser Emotionen war.

Für einen Moment, einen endlos langen Moment, lag Leere in ihrem Blick, dann klärten sich ihre Augen wieder. Alexa hatte akzeptiert – akzeptieren müssen –, dass das, was sie zurzeit bekam, alles war, was sie bekommen konnte. Diese kurze, unendlich wertvolle Zeit, in der sie vor Leben und Intensität glühte und die sie die faden langen Tage allein überstehen ließ, bis das Telefon klingelte und alles andere – Freunde, Arbeit, ihr ganzes Leben – wieder zweitrangig wurde.

Dann würde sie sich für eine Nacht oder manchmal – wenn auch leider nur selten – zwei oder mehr ganz dem Moment hingeben. Wenn das Telefon klingelte und der Anrufer sie zu einem Privatflugplatz bestellte und das Flugzeug sie in eine Weltmetropole, zu einer italienischen Villa, einer Skihütte in den Alpen oder einem Penthouse in Monaco brachte. Ganz gleich, wie lang oder flüchtig der Aufenthalt auch sein mochte.

War es unvernünftig, übereilt und unüberlegt von ihr? Natürlich war es das. Sie wusste es. Wusste es mit dem Teil von sich selbst, der noch gesunden Menschenverstand besaß und den anderen Teil von ihr eigentlich zähmen und kontrollieren müsste. Diesen anderen Teil beherrschten intensive Emotionen, Gedanken und Gefühlen, die als Inspiration für Alexas Leben und ihre Kunst unentbehrlich waren. Und doch wirkte ihr Erscheinungsbild nach außen hin immer kühl und gefasst.

Das war das Bild, das sie der Welt zeigte. Ein Bild, das sie ganz bewusst inszenierte. Nur wenige ihrer Freunde, die meisten aus der Kunstwelt, wussten, dass der äußere Eindruck von gelassener Ruhe lediglich dazu diente, ihr ungezähmtes und intensives Innenleben zu kaschieren. Ein Innenleben, das ein Ventil in den Bildern fand, die sie für sich selbst malte. Ansonsten sah jeder nur die stille Schönheit in ihr. Eine englische Rose mit zarter Haut und hellem Haar. Die wenigsten kannten das Feuer, das tief in ihr brannte.

Von Eltern erzogen, die ein überaus geordnetes Leben führten, war Alexa von Anfang an klar gewesen, wie sehr es die beiden überrascht haben musste, dass ihre einzige Tochter eine außergewöhnliche künstlerische Begabung zeigte, die sich schon zu Beginn der Schulzeit offenbarte. Nicht, dass sie ihr den Weg versperrt hätten. Aber sie schienen immer leicht perplex, dass ausgerechnet ihre Tochter sich der Kunst so sehr verschrieben hatte. Denn Kunst verbanden die beiden mit stürmischen Leidenschaften, extremen Emotionen und vor allem mit dem Hang, ein ungeordnetes und eher chaotisches Leben zu führen.

Vielleicht achtete Alexa darum so streng darauf, das genaue Gegenteil einer exaltierten Künstlerin zu sein – um ihren Eltern einen Gefallen zu tun. Sie führte ein ruhiges und geordnetes Leben und sparte sich die Emotionalität für ihre Kunst auf. Aber sie wusste auch, dass es ihr grundsätzliches Naturell war, sich ruhig und gelassen, ja reserviert, zu verhalten. Seit ihrem Examen an der Kunstakademie führte sie ihr professionelles Leben ebenso routiniert und geregelt wie ihr Privatleben.

Was die Männer betraf … Angezogen von ihrer porzellanen Schönheit kamen und gingen sie. Vor allem jedoch Letzteres, denn bislang war unter ihnen keiner gewesen, der Alexa etwas Besonderes bedeutet hätte. Auf diesem Gebiet hielt sie sich also ebenfalls zurück. Sie genoss die Gesellschaft einiger weniger Freunde, mit denen sie ins Theater, zu Konzerten und auf Aufstellungen ging. Ihr Herz jedoch hatte bisher niemand wirklich berührt, und auch körperlich war es niemandem gelungen, die Sinnlichkeit zu erwecken, die tief in ihr schlummerte.

Niemandem außer dem Mann, der jetzt in der Tür stand. Der Mann, bei dessen Anblick ihr jedes Mal der Atem stockte und ihr Puls in die Höhe schnellte.

So wie jetzt.

Er stand einfach da und dominierte mit seiner Präsenz den Raum, so wie er auch ihre Gedanken dominierte. Ein Meter achtzig pure Männlichkeit, gekleidet in einen makellos sitzenden, hellgrauen Anzug, ausgestattet mit der geschmeidigen Eleganz seines aristokratischen Erbes. Niemand würde Guy de Rochemont für einen Engländer halten. Dabei war sein französischer Nachname nur das zufällige Erbe seines komplizierten multinationalen Hintergrunds. Und nicht zuletzt dieser familiäre Hintergrund hatte das Bankhaus Rochemont-Lorenz zum Inbegriff für Reichtum, Prestige und Macht gemacht.

Guys Augen mit den ungewöhnlich langen Wimpern, die Alexa mit einem einzigen Blick in ein vor Lust machtloses Bündel verwandeln konnten, ruhten auf ihr. Wie immer fühlte sie die Kraft dieser Augen. Doch zum ersten Mal spürte sie auch noch etwas anderes. Etwas störte das Gleichgewicht der enormen Spannung, die zwischen ihnen herrschte.

Alexa wartete ab. Die Kaffeekanne noch immer in der Hand sah sie zu ihm, wie er weiter in die sonnendurchflutete Küche hineinkam. Doch plötzlich wirkte das Sonnenlicht gedämpfter und nicht mehr so warm. Eine Sekunde, so lang wie eine Ewigkeit, verging. Dabei dauerte sie nicht länger als ein Herzschlag.

„Ich muss dir etwas sagen.“ Guys Akzent war kaum hörbar, dennoch schwang eine schwache Andeutung all der Sprachen mit, mit denen er inmitten seiner internationalen Verwandtschaft aufgewachsen war – Französisch, Italienisch, Deutsch und noch ein halbes Dutzend anderer.

Alexa spürte das erste Beben eines Gefühls in sich, für das sie alles gegeben hätte, es nicht zu spüren. Sie konnte es nicht benennen, und das wollte sie auch nicht. Stattdessen wollte sie es ausblenden und ignorieren, weil es möglicherweise eine Tür aufstieß, hinter der etwas lag, das sie zerstören würde. Diese Tür durfte nie geöffnet werden, ganz gleich, was Guy auch sagen mochte.

Sie hörte seine Worte, klar und deutlich ausgesprochen, wie aus weiter Ferne, und doch schnitt jede Silbe wie ein Skalpell durch sie hindurch.

„Ich werde heiraten.“

Wie reglos sie dasteht, fast wie eine der Statuen dieser überbewerteten modernen Künstler, dachte er. Frau mit Kaffeekanne in Küche. Aber auch er schien erstarrt – oder zumindest sein Verstand. Er war in die Küche gekommen und hatte genau gewusst, was er ihr sagen musste, und was seine Worte bedeuteten.

Die Bedeutung war klar und eindeutig. Unvermeidlich.

Ihm war es völlig klar. Ihr auch?

Er musterte sie. Sie stand dort, als wäre die Zeit stehen geblieben. In den großen Augen, die ihn von Anfang an so fasziniert hatten, zeigte sich keine Regung. Absolut nichts. Es waren wunderschöne Augen in einem Gesicht, in dem selbst er mit seinen hohen Ansprüchen nicht den kleinsten Makel finden konnte. Ihre Figur perfektionierte ihre Schönheit und hatte sein Interesse sofort geweckt. Guy war berüchtigt für die Skrupellosigkeit, mit der er ein Ziel verfolgte, wenn sein Interesse erst einmal geweckt war.

Einige der Frauen, für die er sich interessiert hatte, waren der Ansicht gewesen, Spielchen spielen zu müssen, um ihn zu bezaubern, zu ermuntern oder – noch alberner – zu manipulieren. Zu seinem großen Entzücken hatte Alexa keine derartig lächerlichen Versuche unternommen. Sie hatte weder Zögern, Koketterie noch Verschlagenheit gezeigt, sondern die Bedingungen für die Affäre anstandslos akzeptiert, gleich von der ersten gemeinsamen Nacht an. Jene unvergessliche Nacht …

Erinnerungen flackerten in ihm auf, kleine Flammen im trockenen Unterholz. Er erstickte sie sofort. Dieses Feuer musste gelöscht werden, für immer. Es war nicht die Zeit für Erinnerungen, sondern für deutliche Worte.

Brutale deutliche Worte, falls nötig. Er musste sie aussprechen, nicht nur ihretwegen. Es durfte nicht das kleinste Risiko für ein Missverständnis geben.

Die Spannung füllte den Raum zwischen ihnen, seine Worte schnitten kühl und knapp durch die Stille.

„Wir werden uns nicht mehr sehen, Alexa.“

Noch einen Herzschlag lang stand die Zeit still. Eine Ewigkeit in einem Wimpernschlag. Dann, wie in einem Film, der stockend anlief, bewegte Alexa sich wieder. Sie füllte eine Tasse mit frischem Kaffee und bot sie dem Mann an, der nur einen Schritt von ihr entfernt stand.

Ein Schritt, und doch eine unüberbrückbare Entfernung.

„Natürlich“, erwiderte sie sachlich. „C’est bien entendu, so heißt es doch auf Französisch, nicht wahr? Trinkst du noch einen Kaffee, bevor du gehst?“

Kein Gefühl zeigte sich auf ihrer Miene. Sie würde sich kein Gefühl erlauben. Die Hand, mit der sie ihm die Tasse reichte, zitterte nicht. Kaffeedampf stieg zwischen ihnen in die Luft. Alexa schaute offen in sein Gesicht. Auch sein Gesicht verriet nicht das Geringste, so als hätte er nur eine unwichtige Floskel ohne jegliche Konsequenz geäußert.

Er nahm die Tasse nicht an, sondern sah Alexa nur mit undurchdringlicher Miene an. Aber sie versuchte gar nicht erst, darin etwas zu erkennen, und konzentrierte sich allein darauf, die Hand mit der Kaffeetasse ruhig zu halten. Noch eine Sekunde, dann stellte sie die Tasse wie in Zeitlupe auf den Tisch zurück. Dann erst wandte sie sich ihm wieder zu, im Blick nichts als ausgesuchte Höflichkeit.

„Ich hoffe, du erlaubst mir, dir Glück für die Zukunft zu wünschen.“ Ihre Stimme klang ebenso klar und ungetrübt, wie ihr Blick aussah.

Mit graziösen Bewegungen ging Alexa zur Tür. Das war nun also das Ende – der Kaffee unangerührt und eine Hochzeit in Aussicht. Ohne sich umzublicken, ob er ihr folgte, ging sie zur Wohnungstür und zog die Sicherheitskette zurück. Sie trat beiseite und öffnete die Tür für Guy. Er kam näher und hielt einen Moment inne, noch immer mit einer Miene, aus der sich keine Regung ablesen ließ.

„Danke“, sagte er.

Sein Dank könnte ihren Glückwünschen gelten, doch Alexa wusste, dass er sich für ihr gefasstes Verhalten bedankte.

Immer noch ruhte sein Blick auf ihr. „Es war gut, non?“

Lakonisch bis zum letzten Augenblick. Doch das beherrschte sie auch.

„Ja, das war es.“ Flüchtig strich sie mit den Lippen über seine Wange. „Ich wünsche dir alles Gute.“ Dann trat sie zurück. „Leb wohl, Guy.“

Ein letztes Mal blickten sie einander an. Dann nickte er knapp und ging.

Aus ihrem Leben.

Sie sah ihm nicht nach, sondern schloss stattdessen leise die Tür hinter ihm – sehr langsam, sehr bedacht. Anschließend lehnte sie sich mit dem Rücken dagegen und starrte mit leerem Blick in ihre Diele. Kein Geräusch war zu hören, nicht einmal seine Schritte auf der Treppe.

Guy war fort. Die Affäre war vorbei.

Ihre Finger krümmten sich, die Nägel gruben sich schmerzhaft in ihre Handballen.

Die Limousine wartete vor dem Haus auf ihn. Guy hatte den Wagen bestellt, als er sich angezogen hatte. Weil er gewusst hatte, dass er ihn brauchen würde, sobald er Alexa gesagt hatte, dass er heiraten würde. Er hatte es lange genug aufgeschoben, so lange, bis es sich nicht mehr hatte vermeiden lassen. Sein Fahrer stieg aus und hielt den Wagenschlag für ihn auf, sobald er auf der Außentreppe erschien. Er stieg ein, ohne sich zu bedanken.

Mit starrer Miene lehnte er sich in die ledernen Polster der Rückbank. Es war erledigt. In seinem Leben gab es keine Alexa mehr. Sie würde nie wieder darin auftauchen.

Guy griff nach der Financial Times, die der Chauffeur für ihn bereitgelegt hatte, und begann zu lesen.

Weder auf seinem Gesicht noch in seinen Augen zeigte sich das geringste Gefühl.

Er würde sich kein Gefühl erlauben.

1. KAPITEL

Vor sechs Monaten …

„Darling! Du wirst nicht glauben, wen ich für dich an Land gezogen habe!“

Imogens Stimme überschlug sich vor Aufregung. Alexa, das Telefon zwischen Schulter und Ohr eingeklemmt, konzentrierte sich auf den Lichtreflex auf einem Blütenblatt, der sich als schwierig erwies.

„Alexa? Hast du überhaupt gehört, was ich sage? Du wirst nicht glauben …“

Wenn ihre Freundin und Agentin erst einmal in Schwung war, konnte niemand sie aufhalten, das wusste Alexa. Genau, wie niemand Alexa ans Telefon holen konnte, wenn sie malte – niemand außer Imogen.

„Wen?“, fragte sie also, weil sie wusste, dass Imogen darauf brannte, ihre theatralische Antwort vorzutragen.

„Er ist absolut faszinierend!“, sprudelte sie auch prompt hervor. „Lichtjahre entfernt von den üblichen Langweilern in den steifen Anzügen.“

Ein dramatischer Seufzer drang durch die Muschel. Alexa fragte sich kurz, wer Imogen so aufgeregt haben mochte, dann arbeitete sie weiter an dem Blatt. Wie aus der Ferne hörte sie die begeisterte Stimme durch das Telefon, aber sie achtete nicht wirklich auf die Worte. Imogen besaß nun einmal einen Hang zum Dramatischen.

Irgendwann wurde es still am anderen Ende. Dann rief Imogen: „Und? Bist du nicht hingerissen?“

Alexa runzelte abwesend die Stirn. „Was?“

Ein frustriertes Stöhnen drang an ihr Ohr. „Darling, kannst du mir nicht ein einziges Mal zuhören? Leg den Pinsel weg, wenigstens für zwei Minuten. Selbst du wirst beeindruckt sein, glaub mir. Guy de Rochemont hat angerufen. Nun, natürlich nicht er persönlich“, stellte Imogen richtig, „sondern seine Assistentin hier in London. Und jetzt will ich von dir hören, dass du beeindruckt bist.“ Ihre Stimme senkte sich und wurde leicht heiser. „Sag mir, dass es dir heiß und kalt über den Rücken läuft.“

„Warum sollte es mir heiß und kalt über den Rücken laufen?“

Noch ein frustrierter Seufzer. „Also ehrlich, Alexa. Bei mir brauchst du nicht Miss Unnahbar zu spielen, ich bin schließlich kein Mann. Und glaub nicht, dass dir das bei Guy de Rochemont gelänge. Der Mann ist unglaublich sexy. Du wirst ihm ebenso zu Füßen sinken wie der Rest der weiblichen Erdbevölkerung.“

Autor

Julia James
Julia James lebt in England. Als Teenager las sie die Bücher von Mills & Boon und kam zum ersten Mal in Berührung mit Georgette Heyer und Daphne du Maurier. Seitdem ist sie ihnen verfallen.

Sie liebt die englische Countryside mit ihren Cottages und altehrwürdigen Schlössern aus den unterschiedlichsten historischen...
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