Julia Herzensbrecher Band 73

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Eine Frau auf seiner Farm bedeutet Probleme, und die kann Jason gerade überhaupt nicht gebrauchen. Er hat sich geschworen, nie wieder eine Frau in sein Leben zu lassen. Doch nun droht seine neue und unglaublich sexy Köchin Morgan seine Welt aus den Angeln zu heben …

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  • Erscheinungstag 08.08.2026
  • Bandnummer 73
  • ISBN / Artikelnummer 9783751540681
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Rosemary Carter, Sara Orwig, Barbara Dunlop

JULIA HERZENSBRECHER BAND 73

Rosemary Carter

1. KAPITEL

„Wer um alles in der Welt kann das denn sein?“

Jason Delaney schob seinen Stetson in den Nacken und starrte mit halb zusammengekniffenen Augen auf den Wagen, der sich dem Ranchhaus näherte. Normalerweise kamen den Weg nur Pick-ups entlang, selten einmal ein kleiner Pkw wie dieser.

Der Hund, der dem breitschultrigen Mann auf den Fersen folgte, gab ein dumpfes Grollen von sich. Inzwischen gealtert, hatte Scot dennoch nicht vergessen, dass die Ranch sein Territorium war. Jason schaute hinunter auf den Hund, der früher einmal einzigartig gewesen war, was seine Arbeit mit den Rindern betraf, und einen Moment lang legte sich ein Schatten über seine Augen.

Aber es war nicht die Zeit, über den Hund nachzudenken, denn der Wagen war herangekommen und hielt nun vor dem Haus. Die Fahrertür öffnete sich, und eine junge Frau stieg aus.

Eine junge Frau! Jason erstarrte. Es war schon eine Weile her, dass ein weibliches Wesen auf der Farm gewesen war.

Der große Hund grollte und bewegte sich auf die Besucherin zu.

„Scot!“, rief Jason warnend. „Zurück, Scot!“

„Was bist du für ein hübsches Tier“, sagte die Frau zu seiner Überraschung und kraulte Scot die Ohren. Innerhalb von Sekunden war der Hund still.

Die Besucherin richtete sich auf. Als sie auf Jason zukam, löste ihr Gang ein seltsames Gefühl in ihm aus. Sie wirkte so leicht, so graziös – ihre Bewegungen erinnerten ihn an eine Tänzerin.

„Hi“, sagte sie mit einem bezaubernden Lächeln.

„Hi“, erwiderte er und blickte hinunter, sehr weit hinunter, in das hübscheste Gesicht, das er je gesehen hatte.

Ihre Haarfarbe erinnerte ihn an ein wogendes Kornfeld, die Augen waren blau wie ein wolkenloser Texashimmel. Ihre Taille war so schmal, dass ein Mann sie leicht mit beiden Händen umspannen konnte. Unter einem cremeweißen Hemd, das ordentlich in eine perfekt sitzende Hose gesteckt war, zeichneten sich verheißungsvolle kleine Brüste ab.

Nach einem langen Moment sagte Jason: „Ich erwarte keinen Besuch. Ich schätze, Sie haben sich verfahren. Sagen Sie mir, wohin Sie wollen, und ich erkläre Ihnen den Weg.“

Sie legte den Kopf ein wenig zurück, um ihm ins Gesicht sehen zu können. „Verfahren? Nein, das glaube ich nicht. Dies ist doch die Six-Gate Corral, oder? Ich sah den Namen am Tor, als ich hereinkam.“

„Richtig – dies ist die Six-Gate Corral.“

„Gut! Dann bin ich hier richtig. Und ich bin auch eigentlich kein Besuch – ich bin Morgan Muir.“

Offenbar erwartete sie, dass er sie kannte. Aber der Name sagte ihm gar nichts. Verwundert blickte er sie an.

„Morgan Muir“, wiederholte sie. „Die neue Köchin.“

„Sie machen Witze!“

„Warum sollte ich das? Hören Sie, Mr. …?“ Sie brach ab.

„Delaney. Jason Delaney“

„Jason Delaney?“ Sie runzelte die Stirn. „Der Eigentümer der Six-Gate Corral?“

Jason nickte kurz. „Richtig.“ Plötzlich stand ein harter Ausdruck in seinen Augen. „Ich bin ein viel beschäftigter Mann, Miss Muir. Ich habe keine Zeit für Spielchen.“

„Ich auch nicht.“ Zum ersten Mal wirkte sie verärgert. „Hören Sie, ich habe absolut nichts getan, das Ihre Feindseligkeit mir gegenüber rechtfertigt.“

„Okay, dann sagen Sie mir, weswegen Sie wirklich hier sind.“

„Das habe ich bereits getan – ich bin die neue Köchin.“

„Das sind Sie nicht, zum Teufel!“

Mit funkelnden Augen ballte sie die Fäuste. Ein Meter fünfundsechzig weibliche Herausforderung. Ein ansehnlicher Anblick. „Ich lasse mich nicht einschüchtern, Mr. Delaney.“

„Tue ich das?“

„Sie versuchen es zumindest. Sie haben doch einen Koch namens Brent, nicht wahr?“ Und als Jason nickte, fuhr sie fort: „Er hat einen Monat Urlaub, und es wird eine Vertretung für ihn benötigt?“

Alarmglocken schrillten in Jasons Kopf. „Woher wissen Sie das alles?“, fragte er kühl.

Sie sah ihn frech an. „Brents Anzeige erschien in einem Ranchermagazin, und zufällig sah ich sie. Ich rief ihn an, wir redeten miteinander, und er gab mir den Job.“

Jason runzelte die Stirn. „Ich verstehe.“

„Hat er es Ihnen nicht gesagt?“

„Nein.“

„Dann muss er es vergessen haben, nehme ich an.“

Jason blickte sie wieder an, betrachtete die zierliche Figur. Ihre Augen erwiderten ihren Blick – groß, blau, selbstbewusst. „Wie auch immer, Brent wird auf mich warten. Er will mir meine Pflichten aufzählen.“

„Sind Sie sich dessen sicher?“, fragte er gereizt.

„Natürlich.“ Sie sah ihn herausfordernd an. „Er muss Ihnen doch irgendetwas von mir gesagt haben.“

„Nur, dass er für eine Vertretung für seine Urlaubszeit gesorgt hätte.“

„Nun, dann ist es doch in Ordnung!“

„Aber er hat kein Wort davon gesagt, dass er eine Frau eingestellt hat. Morgan …“ Jason runzelte die Stirn. „Jetzt scheint es mir, dass er diesen Namen doch irgendwann erwähnte. Aber Morgan ist ein Männername, nicht der einer Frau.“

Morgan lachte, und es klang in Jasons Ohren wie Musik. „Es ist einer dieser Namen, die sowohl Männer als auch Frauen tragen können. Ist Brent hier, Mr. Delaney? Wenn ja, wird er dieses Missverständnis gleich klären können.“

„Er wird einiges erklären müssen“, sagte Jason grimmig. Er drehte sich um und rief laut: „Brent!“

Minuten später kam eine vertraute Gestalt in Sicht. Jason war Anfang Dreißig, Brent mehr als doppelt so alt. Ein Mann mit verwittertem Gesicht, krummen Beinen und einer Haut wie ein alter Ledersattel. Wie Jason, trug auch er einen Stetson und Boots, aber sein Hut war speckiger. In der einen Hand hatte er einen uralten Koffer.

„Du hast mich gerufen, Jason?“ Als sein Blick auf Morgan fiel, blieb er stehen. „Miss Muir …“, sagte er dann unsicher.

„Hi, Brent“, begrüßte sie ihn mit einem Lächeln.

Jason starrte erstaunt von einem Gesicht zum anderen. „Ihr beide kennt euch?“

Ein leichtes Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Wir haben uns in Austin getroffen, nicht wahr, Brent?“

„Das ist nicht zu glauben!“, rief Jason.

„Das könnten Sie aber“, meinte Morgan gelassen. Sie wandte sich zu Brent und hielt ihm die Hand hin. „Schön, Sie wieder zu sehen.“

Scheu schaute der alte Cowboy auf ihre Hand. Jason unterdrückte ein Lächeln, als er sich fragte, ob Brent sie nehmen würde. Er tat es – schnell und hektisch –, wie jemand, der wenig Kontakt zu Frauen hat und ein wenig Angst vor ihnen hatte. So, als wenn Morgan Muir aus einer anderen Welt wäre – was sie in gewisser Weise auch ist, dachte Jason mit trockenem Humor.

Brent ließ Morgans Hand schnellstens wieder los. Unter seiner Lederhaut errötete er. „Ich mach mich jetzt auf den Weg, Boss.“

„Nicht so schnell, du alter Gauner.“

„Gauner?“

„Wer ist diese Frau?“

Brent schoss Morgan einen schnellen Blick zu, ehe er wieder Jason anblickte. „Miss Muir. Die neue Köchin.“

„Neue Köchin! Verdammt, warum hast du es mir nicht gesagt?“

„Das habe ich doch, Boss. Ich habe erzählt, dass ich einen Ersatz gefunden habe.“

„Du hast aber nicht gesagt, dass es eine Frau ist.“

Der alte Cowboy scharrte mit dem Fuß im trockenen Staub. „Vielleicht nicht“, gab er zu. Und fügte dann hinzu: „Aber den Namen habe ich dir genannt. Ganz bestimmt.“

„Morgan. Ein Männername. Sieh mich nicht so unschuldsvoll an, du abgefeimter Schurke. Du weißt sehr gut, dass ich annahm, deine Vertretung wäre ein Mann.“

„Mag sein …“

„Also, warum hast du keinen Mann angeheuert?“, wollte Jason wissen.

„Konnte keinen finden“, brummte Brent.

„Ich sollte dir eigentlich sagen, du brauchst nicht mehr wieder zu kommen, du verkommener Kerl“, grollte Jason.

Brent sah ihn verletzt an. „Es gab nur eine einzige Antwort auf die Anzeige“, verteidigte er sich. „Es ist ja nicht so, dass ich nicht versucht habe, sonst noch jemanden zu finden.“

„Nett zu hören, dass ich nur genommen wurde, weil sich sonst niemand gemeldet hat“, meinte Morgan trocken.

„Wir stellen auf dieser Farm keine Frauen ein“, erklärte ihr Jason sehr direkt. „Es tut mir leid, dass es ein Missverständnis gegeben hat, aber da Sie nun die Situation verstanden haben, werden Sie sicherlich selbst wieder gehen wollen.“

„Nein.“

„Nein?“

Jason blickte Morgan an und traute seinen Augen nicht. Sie sah tatsächlich so aus, als würde sie gleich weinen. Gütiger Himmel! Tränen hätten ihm gerade noch gefehlt.

Aber Morgan weinte nicht. „Nein“, sagte sie stattdessen, und mit einer Festigkeit, die Jason angesichts der Situation nicht erwartet hätte. „Ich will nicht gehen.“

„Du hast schon einmal eine Frau eingestellt, Boss“, mischte sich der verräterische Brent in diesem Augenblick ein. „Emily. Erinnerst du dich?“

Emily Lawson, eine korpulente, warmherzige Frau. Sie war Köchin auf der Ranch gewesen, bevor Brent den Job übernommen hatte. Mutter von drei erwachsenen Kindern und Großmutter einer ganzen Schar von Enkelkindern. Und sie hatte das Ranchleben und ihre Küchenwelt mit fast der gleichen Leidenschaft geliebt wie ihre Familie. Neben der leiblichen Versorgung der Cowboys hatte sie sich auch noch um ihre seelischen Probleme gekümmert und sie aufgemuntert, wenn sie einmal niedergeschlagen waren.

Emily Lawson und die kleine Miss Muir aber waren wie Wasser und Feuer: Während die frühere Köchin ein Gewinn für die Ranch bedeutet hatte, konnte Letztere nur eine Störung und Last sein. Jason musste gar nicht lange nachdenken, warum das so war – er wusste es instinktiv.

„Natürlich erinnere ich mich an Emily“, sagte er ungeduldig. „Sie war anders.“

„Sah nicht so klasse aus“, stimmte Brent ihm mit einem Grinsen zu. „War so hübsch wie ein Baumstumpf, unsere Emily.“

Jason hätte Brent am liebsten auf der Stelle erwürgt. Warum musste er Emily erwähnen? Auf wessen Seite war er eigentlich – auf Morgan Muirs oder seiner?

Er presste die Lippen zusammen. „Es geht hier nicht um Emily. Die Sache ist nicht möglich, und das weißt du auch.“

„Wirst du dann für die Männer kochen, Boss?“

Nun hatte Jason die Nase voll. „Den Teufel werde ich tun! Wenn du nicht seit dem Tag meiner Geburt hier wärst, würde ich dich auf der Stelle feuern!“

„Ich mach mich jetzt auf die Socken, Boss.“

„Du bleibst so lange, bis du jemanden gefunden hast, der besser …“

Morgan meinte, jetzt müsste sie sich einmischen. „Es spielt keine Rolle, ob Brent bleibt oder geht. Es spielt nicht einmal eine Rolle, ob ich koche oder nicht. Es wurde vereinbart, dass ich vier Wochen auf der Six-Gate Corral tätig sein werde, und ich habe vor, das auch zu tun.“

Sie sprach mit einer Bestimmtheit, die Jason reizte. „Begreifen Sie nicht, Miss Muir? Ich kann Sie hier nicht gebrauchen.“

„Dennoch bleibe ich, Mr. Delaney. Ich habe einen Vertrag unterzeichnet.“ Sie blickte Brent an, der sie unsicher zugleich fasziniert anschaute. „Sagen Sie es ihm, Brent“, drängte sie. „Sagen Sie Mr. Delaney, was ich unterschrieben habe.“

„Es stimmt“, murmelte der alte Cowboy. „Sie hat ein Papier unterzeichnet.“

„Warum?“, wollte Jason wissen.

„Ich wollte sichergehen, dass sie mich nicht sitzen lässt.“

„Das hätte ich niemals getan“, versicherte ihm Morgan, bevor sie Jason mit einem beunruhigend gewinnenden Lächeln anblickte. „Der Vertrag sichert Brent ab, und ich arbeite hier einen Monat lang.“

Du Hexe! dachte Jason und musterte sie düster von Kopf bis Fuß. Eine sehr hübsche Hexe, allerdings. Okay, mehr als nur hübsch – schön, um bei der Wahrheit zu bleiben. Aber unglaublich provokant. War sich ihrer Wirkung auf Männer wohl bewusst und schämte sich nicht, sie für ihre Zwecke einzusetzen.

Und wenn dabei das Herz eines Mannes zu Bruch ging, was machte das schon? Die kleine Miss Morgan Muir bekam, was sie wollte. Und das allein zählte für die Frauen, besonders bei schönen.

„Ich werde mir den Vertrag ansehen“, sagte er gepresst.

„Brent hat seine Kopie – meine habe ich im Wagen“, erklärte sie munter. „Sie können Sie gern jederzeit sehen.“

„So bald wie möglich.“ Aber er sah seine letzten Hoffnungen schwinden. Selbst ohne ihn gesehen zu haben, wusste er, der Vertrag war hieb- und stichfest.

Er musste einen Weg finden, diese Frau wieder loszuwerden. Nachdem Vera ihn sitzen lassen hatte, hatte er sich versprochen, nie wieder etwas mit einer Frau anzufangen. Er wusste nun, dass er Vera niemals wirklich geliebt hatte, dass es höchstens Zuneigung gewesen war, und auch die hatte nicht lange angehalten. Als sie sich kennenlernten, war er einsam gewesen, und sie hatte es geschafft ihn zu überzeugen, dass sie heiraten sollten. Im Nachhinein wusste er, er hätte eigentlich ihre Taktik durchschauen müssen, aber Tatsache war, er hatte es nicht.

Dieses Mädchen, diese blauäugige, süße Morgan Muir, konnte einem Mann kräftig wehtun. Sehr viel mehr als Vera. Ein paar Minuten in ihrer Gegenwart hatten es ihm bereits klargemacht. Ärgerlicherweise hatte er schon jetzt das drängende, verrückte Verlangen, ihr mit den Fingern durchs sanfte helle Haar zu fahren, ihre Lippen zu probieren, die sicher wie frischer Honig schmeckten. Morgan Muir war gefährlich. Vertrag hin, Vertrag her, er musste einen Weg finden, sie loszuwerden. Rasch.

„Ich habe die feste Absicht zu bleiben“, sagte sie da, als hätte sie seine Gedanken gelesen.

„Das werden wir sehen.“

„Mein Entschluss steht fest, Mr. Delaney.“ Herausfordernd blitzte sie ihn aus ihren blauen Augen an.

Wieder scharrten Cowboystiefel im Staub, erinnerten Jason und Morgan daran, dass Brent immer noch dastand. Aus irgendeinem Grund hatten sie ihn beide vergessen.

Als sie sich umdrehten und ihn anblickten, murmelte der alte Cowboy: „Also, dann sehen wir uns in einem Monat, Boss.“

Ohne ein weiteres Wort ging er mit schlurfendem Schritt hinüber zum Haus.

Minuten später ließ das Klappern von Pferdehufen Morgan herumwirbeln. Ein großes Pferd galoppierte den Weg davon, den sie gerade gekommen war – und auf seinem Rücken saß Brent.

„Er ist fort!“, rief sie aus.

Dunkle Augenbrauen hoben sich. „Hatten Sie erwartet, dass er nicht gehen würde?“

„Nicht so schnell.“

„Ich schätze, er wollte gerade losreiten, als Sie kamen. Das Pferd war gesattelt und gezäumt. Und ich nehme auch an, dass Ihre Ankunft ihn alarmierte. Wahrscheinlich wünschte er sich, er wäre früher aufgebrochen.“

„Sie wollen unterstellen, dass er mich nicht sehen wollte.“

„Er wusste, er würde eine Erklärung liefern müssen.“

„Das haben Sie ja sehr deutlich gemacht, Mr. Delaney. Dennoch, ich hätte nicht gedacht, er würde fortreiten, ohne …“

„Ohne?“, fragte Jason nach.

„Ohne mir meine Pflichten zu erklären, mich herumzuführen …“

„Wenn Sie eine Frau mit Erfahrung sind, werden Sie Ihre Aufgaben bereits kennen.“

Sie warf ihm einen frechen Blick zu. „Natürlich werde ich auch so zurechtkommen. Aber Brent sagte mir, er würde mir alles zeigen.“

„So wie es aussieht, wird er es nicht tun.“

„Wohl nicht …“

„Aber das ist ja kein Beinbruch, wenn Sie bereits in dem Job gearbeitet haben.“ Jason wusste, es klang arrogant.

Voller Befriedigung registrierte er, dass sie auf einmal ein wenig unsicher wirkte.

„Hören Sie“, sagte sie, „hier draußen ist es entsetzlich heiß. Können wir nicht nach drinnen gehen und uns dort unterhalten?“

Einen Moment lang zögerte Jason. Er wollte Morgan Muir nicht in seinem Haus haben, selbst für kurze Zeit nicht. Dennoch, sie wirkte, als wäre ihr reichlich heiß. So zuckte er kurz mit den Schultern.

„Warum nicht?“ Er ging voran ins Haus – in einen kühlen Raum, mit weißen Wänden und schlichten Möbeln. Morgans grazile Figur bildete einen reizvollen Gegensatz zu der männlichen Einrichtung.

„Also, was Ihre Berufserfahrung betrifft“, begann er unfreundlich, „werde ich das komische Gefühl nicht los, Sie haben gar keine – oder täusche ich mich?“

Morgan hatte sich umgesehen. Nun blickte sie ihn mit festem Blick an. „Ich habe gearbeitet“, sagte sie ruhig. „Aber es stimmt, ich habe keine Erfahrung mit dem, was Sie denken.“

„Erzählen Sie mir bloß jetzt nicht, Sie verstehen nichts vom Kochen?“, meinte er sarkastisch.

Diesmal zögerte Morgan. „Ich habe schon gekocht.“

„Auf einer Ranch?“

„Nein …“

„Wo denn? In einem Hotel? Einem Restaurant? Für eine Horde hungriger Schulkinder?“

Wieder dieses Zögern, so leicht, dass er es kaum bemerkt hätte, wenn er sie nicht beobachtet hätte. „Für mich selbst – in meiner eigenen Küche.“

Sein Blick wanderte über ihren gertenschlanken Körper. Plötzlich grinste er. „Vogelfutter?“

Sie erwiderte sein Lächeln. „Vogelfutter? Himmel nein, schließlich bin ich kein Vogel. Aber wenn Sie mich fragen, ob ich schon einmal für eine Horde Männer gekocht habe, nein, das habe ich nicht.“

Jason blickte in ein Gesicht, das nicht eine einzige Unregelmäßigkeit zeigte – alles an ihr war perfekt und schön. „Aber Sie sagten, Sie hätten gearbeitet. Wo? Was für Arbeit?“

Sie hob herausfordernd das Kinn. „Nun, also, eigentlich arbeite ich in einem großen Warenhaus, verkaufe Kleider. Und ich arbeite auch als Teilzeitmodel für die Firma.“

„Model? Gütiger Himmel!“

Ihr Kinn hob sich um weitere Zentimeter. „Kaufhausprospekte. Modemagazine, die die Kaufhäuser für ihre Kunden herausbringen. Solche Sachen.“

Überall würden die Leute sie sehen – in verschiedenen Posen, vielleicht sogar in fast durchsichtigen Sachen. Männer, die sie auf diesen Bildern sahen, würden sich vorstellen … Wieso befasse ich mich eigentlich damit? fragte er sich im nächsten Moment bestürzt. Er presste die Lippen zusammen. „Dann sind Sie also Model?“

„Teilzeitmodel.“ Morgan richtete sich auf. „Ihrem Ton nach zu urteilen, halten Sie es offenbar für anrüchig, Model zu sein. Stimmt’s, Mr. Delaney?“

„Sie dürfen Ihre Meinung haben – lassen Sie mir meine“, sagte er scharf. „Eins würde ich allerdings gern wissen – warum sind Sie überhaupt hier?“

„Darüber haben wir doch längst gesprochen. Um zu kochen.“

„Sie wissen so gut wie ich, dass es absurd ist. Models verbringen normalerweise ihre Zeit nicht damit, in heißen Küchenbaracken für hungrige Cowboys zu schuften.“

„Es ist das, was ich will“, beharrte sie störrisch. „Ich bin bereit so hart zu arbeiten, wie es erforderlich ist. Zu tun, was nötig ist. Sie werden niemals von mir eine Beschwerde hören, Mr. Delaney, und ich werde gute Arbeit leisten.“

„Warum das alles eigentlich, Morgan?“ Er zwang sich, sie beim Vornamen zu nennen.

Einen Moment wirkte sie, als hätte er sie überrascht. Dann sagte sie: „Mir sprang diese Anzeige förmlich ins Auge, als ich mir die Rancherzeitschrift anschaute.“

„Das klingt nicht besonders überzeugend.“

Ihr Lächeln war umwerfend. Es wäre so einfach, sich davon entwaffnen zu lassen. Zu einfach.

„Das verstehe ich, zumindest ohne jede Erläuterung. Sehen Sie, Mr. Delaney, solange ich denken kann, habe ich einen Traum gehabt. Als ich in der Zeitschrift las, dass ein Koch gesucht wurde, hatte ich das Gefühl, sie wäre extra meinetwegen hineingesetzt worden. Als müsste ich sie unbedingt sehen. Gleich nachdem ich mit Brent am Telefon gesprochen hatte, flog ich von San Francisco nach Austin, um mich vorzustellen.“

Jason starrte sie ungläubig an. „Sie flogen von Kalifornien nach Texas, nur um sich vorzustellen, obwohl Ihnen niemand garantiert hatte, dass Sie den Job auch bekommen?“

„Richtig“, erwiderte sie schlicht.

„Tut mir leid, aber das kapiere ich nicht.“

Morgan lachte. Und der Mann, der gerade einen halben Meter von ihr entfernt stand, musste die Fäuste ballen, um sie nicht in die Arme zu reißen. Ihr Lachen war wie perlendes Wasser in einem Bergbach.

„Das kann ich Ihnen nicht übelnehmen. Ich hatte Ihnen noch nicht verraten, dass ich schon immer einmal drei oder vier Wochen auf einer Ranch verbringen wollte. Ein lang gehegter Traum, wenn Sie so wollen.“

„Das ist lange Zeit.“

„Ich wünschte, es wäre länger, aber mehr Urlaub kann ich mir nicht nehmen. Mein wirkliches Leben spielt sich in der Stadt ab.“

Wirkliches Leben … „Natürlich“, sagte er. „Models betreiben ihre Geschäfte nicht auf einer Ranch.“ Und dann fügte er hinzu: „Was für eine Art Traum?“

„Es ist eine lange Geschichte, und sicher wollen Sie sie nicht auf der Stelle hören. Aber seit Urzeiten möchte ich einmal miterleben, wie Cowboys arbeiten und leben.“

„Ich schenke Ihnen einen Rundgang“, sagte er nicht sonderlich freundlich.

„Nein, danke.“

„Ich nehme Sie mit hinaus auf die Weiden, fahre Sie mit einem Jeep herum. Eine Stunde oder zwei, und Sie werden all das sehen, was Sie sehen wollen.“

„Ich möchte viel mehr als nur das.“

Sie gehörte zu den Frauen, die einen zur Verzweiflung treiben konnten. „Ich schätze, Sie finden Cowboys aufregend, oder? Ich bin recht gut mit dem Lasso – ich schwinge es gern ein paar Mal für Sie.“

„Mr. Delaney …“

„Fange ein paar Stiere ein.“

„Sie verstehen es wirklich nicht.“

Jason bekam allmählich das Gefühl, in eine unentrinnbare Falle geraten zu sein. „Was wollen Sie, Morgan Muir?“, fragt er barsch. „Bilder zum Vorzeigen, wie toll Sie in Cowboystiefeln und Stetson aussehen? Damit Sie für die Aufnahmen des nächsten Jahres vorbereitet sind, falls Westernmode der letzte Schrei wird? Diese Sachen, von denen die Frauen meinen, sie seien echt?“

„Warum sind Sie so verbittert?“

Er presste die Lippen zusammen. „Verbittert?“

„Oh ja. Sie scheinen eine niedrige Meinung von Frauen allgemein zu haben, Mr. Delaney. Oder mögen Sie nur mich nicht?“

„Was wollen Sie?“

„Ich kann es nur wiederholen – einen Monat auf Ihrer Ranch. Ich bezahle dafür mit meinem Kochen.“

Die Wände der Falle schoben sich zusammen. Jason runzelte die Stirn und rammte die Hände tief in die Jeanstaschen. „Ich vermute, Sie wissen, dass Sie meine Geduld arg strapazieren.“

„Finden Sie nicht, dass Sie ein wenig übertreiben?“, fragte sie in lockerem Ton.

Jason entschied, sich eine Antwort darauf zu sparen.

Morgan holte Atem. „Ich weiß nicht, warum Sie so gegen mich eingestellt sind, Mr. Delaney. Es stimmt, ich habe als Köchin nicht viel Erfahrung, aber ich bin bereit zu lernen und bitte nicht um Gefälligkeiten. Ich habe die Anzeige gesehen und darauf geantwortet. Brent hätte mir alle Fragen stellen können, die er wollte, und ich wäre ehrlich zu ihm gewesen. Er hätte mich nicht einstellen müssen, aber er tat es, und er hatte seine eigenen Gründe dafür. So bin ich nun hier. Ich will nur ein paar Wochen auf Ihrer Ranch verbringen, und ich will nichts geschenkt haben.“

„Ein Model“, sagte Jason voller Verachtung. „Ich wette, harte Arbeit kennen Sie gar nicht.“

„Ich an Ihrer Stelle würde nicht meinen letzten Dollar darauf verwetten.“ Böse starrte sie ihn mit ihren wunderschönen blauen Augen an, die Wangen rosa gefärbt. „Sie gehören anscheinend zu den Menschen, die meinen, es genüge, wenn ein Model hübsch aussieht und lächeln kann. Aber da irren Sie sich gewaltig! Es ist harte Arbeit – knochenhart.“

„Wirklich?“, fragte er zynisch.

„Ganz bestimmt! An manchen Abenden, nach langen Stunden hinter dem Verkaufstresen und noch längeren vor der Kamera, bin ich so müde, dass ich es kaum erwarten kann, nach Haus zu kommen. An solchen Tagen fällt es schon schwer, irgendetwas hinunterzuschlingen und es bis ins Bett zu schaffen.“

„Hört sich an, als würde Ihnen Ihr Beruf nicht sonderlich Spaß machen.“

„Oh doch, Mr. Delaney. Er macht mir sogar eine Menge Spaß. Ich wollte Ihnen nur erzählen, dass ich weiß, was harte Arbeit ist. Es gibt sogar Zeiten, wo ich in Versuchung gerate …“ Sie brach ab.

„Was?“, wollte er wissen, gegen seinen Willen interessiert.

„Es ist unwichtig“, wehrte sie kurz ab. „Tatsache ist, ich freue mich darauf, für Ihre Cowboys zu kochen.“

„Morgan …“

„Ich habe es Ihnen doch erzählt … es gehört alles zu meinem Traum. Bitte … bitte, nehmen Sie ihn mir nicht.“

Es lag ein besonderer Unterton in ihrer Stimme. Ein besonderer Ausdruck in ihrem Gesicht. Leidenschaft. Plötzlich überkam ihn das tiefe Bedürfnis, sie in den Arm zu nehmen und ihr das Leben einfacher zu machen. Sie zu beschützen. Er machte einen Schritt auf sie zu.

In diesem Moment erinnerte er sich an Vera. Sie hatte seine Verteidigungsmauern durchbrochen, und er bedauerte es immer noch heftig.

Seine Stimme wurde eisig.

„Sie erwähnten einen Vertrag.“

Sie schien mit Mühe ihre Gefühle zu beherrschen. „Ja …“

„Ich möchte ihn sehen.“

„Natürlich“, sagte sie. „Ich hole ihn aus dem Wagen.“

Einige Minuten später händigte sie ihm einen gefalteten Umschlag aus. Als er ihn nahm, berührten sich ihre Hände. Es durchfuhr ihn wie ein elektrischer Schlag.

Wortlos blickte er sie an. Zu seiner Überraschung sah er, dass ihre Lippen bebten. Ihre Blicke verfingen sich für einen scheinbar endlosen Augenblick. Dann machte Morgan einen Schritt rückwärts, und Jason sagte sich, er sei froh über die plötzliche Distanz.

Rasch blickte er auf das Papier in seiner Hand. Als er wieder aufschaute, war sein Gesicht ernst. „Steht alles drin, nicht wahr?“

Sie musterte ihn intensiv. „Das hört sich fast wie eine Anklage an, Mr. Delaney. Was genau meinten Sie?“

„Sie haben sich in jeder nur erdenklichen Weise abgesichert.“

„Wenn Sie etwas sagen möchten, warum sprechen Sie es nicht einfach offen aus?“

Jason lachte humorlos und abfällig. „Ach, hören Sie doch auf, mich mit diesen unschuldsvollen blauen Augen anzusehen, Morgan Muir. Wir beide wissen doch, wer diesen Vertrag aufgesetzt hat.“

Morgan schien nur noch mit Mühe ihren Zorn zu beherrschen. „Sie tun ja so, als hätte ich ein Verbrechen begangen, Mr. Delaney. Das habe ich nicht.“

„Ich nehme an, Sie haben dies hier getippt.“

„Brent sagte, er würde davon nichts verstehen. Einer von uns musste es doch tun.“

„Wenn es nur das allein gewesen wäre. Aber Sie haben mehr als nur das Tippen übernommen, Miss Muir. Diese Worte …“ Jason tippte ungeduldig auf die Seite. „… das ist nicht Brents Vokabular. Ich bezweifle, dass er einen Vertrag aufsetzen könnte, und wenn sein Leben davon abhinge.“

„Noch immer ist mir nicht klar, was Sie mir vorwerfen.“

„Dass Sie alles versuchen, um das zu bekommen, was Sie wollen. Genau wie …“ Er brach abrupt ab.

„Wer?“, fragte sie neugierig.

Jason schaute zur Seite. „Jemand, den ich kenne.“

„Eine Frau?“

„Das geht Sie zwar nichts an, aber ja.“

Ein seltsamer Ausdruck erschien in Morgans Augen, einer, den Jason bislang dort noch nicht gesehen hatte. Er wünschte, er würde wissen, was er bedeutete.

Nach einem Moment sagte sie: „Das hatte ich mir gedacht … So wie Sie sprechen …“ Sie machte eine Pause. Als sie dann sprach, klang es verteidigend. „An diesem Vertrag ist alles in Ordnung.“

„Bis auf die Tatsache, dass Sie sich darin einen einmonatigen Aufenthalt auf der Six-Gate Corral gesichert haben.“

„Stimmt. Und Sie haben eine Köchin.“ Sie war jetzt richtig verärgert, er sah es ihr an. „Es stimmt, dass ich sichergestellt habe, dass ich hier sein kann, aber wie ich schon vorhin sagte, beide Seiten haben ihre Sicherheit. Brent weiß, dass ich seine Arbeit erledige, solange er fort ist. Es war sehr wichtig für ihn zu wissen, dass die Männer weiterhin gutes Essen bekommen.“

Jason musterte sie scharf. „Ich hoffe, Sie erwarten keine Vorzugsbehandlung.“

Morgan schob das Kinn vor. „Natürlich nicht!“

„Sie werden feststellen, dass der Tag hier auf der Ranch lang ist.“

„Bestimmt nicht länger als mein gewohnter Arbeitstag.“

„Die Hitze wird Ihnen zu schaffen machen.“

„Ich liebe Wärme.“

„Aber nicht die, die wir hier haben“, meinte er grimmig. „Ihnen war es draußen zu heiß, Sie wollten nach drinnen.“

„Sie müssen doch zugeben, es ist eine Bruthitze.“

„Das stimmt“, gab Jason nach einem Moment zu. „Dennoch, die Hitze wird Ihnen zusetzen.“

„Falls ja, wird dies mein Problem sein, nicht Ihres.“

„Und dann der Staub.“

„Ich bin schon an anderen Orten gewesen, wo es Staub gab. Man kann ihn abwaschen.“

Sie hatte Mumm, das musste er ihr zugestehen. Wenn sie die Wahrheit sagte, dann war sie eine entschlossene und furchtlose Frau. Aber seine Erfahrung mit Vera hatte ihn gelehrt, keiner Frau zu glauben.

„Sie werden lange vor Sonnenaufgang aufstehen müssen, um das Frühstück zu machen.“

„Wenn ich als Model gearbeitet habe, begann mein Tag oft vor Morgengrauen.“

Ihm fiel nichts mehr ein, wie er sie abschrecken konnte. „Wenn wir die Herden zusammentreiben, müssten Sie auf unserem Proviantwagen draußen auf der Weide Essen zubereiten. Das würde Ihnen bestimmt nicht viel Spaß machen, Morgan Muir.“

„Oh doch! Ich würde zu gern einmal bei einem Round-up dabei sein. Es ist einer der Gründe, warum ich hier bin.“

Ihr Eifer erschreckte ihn. „Tatsächlich?“

Morgan lächelte ihn an, die Art Lächeln, das einem Mann direkt ins Herz fuhr. „Kochen auf einem Proviantwagen – das alles ist Teil meines Traums, Teil eines Abenteuers. Also, hören Sie auf, mir Angst machen zu wollen, Mr. Delaney. Sehen Sie denn nicht, dass mir nicht so leicht Angst einzujagen ist?“

Jason konnte es sehen, und er sah eine ganze Menge Dinge. Aber dennoch blieb ihm noch eine letzte Drohung. „Glauben Sie nicht, dass es für die Männer eine Rolle spielt, dass Sie Frau – und dazu Model – sind? Die Cowboys interessieren sich für Rinder und Pferde, aber nicht für Mode.“

„Deshalb bin ich hier.“

„Und mich interessiert Ihre Karriere auch nicht.“

Sie warf ihm einen weiteren dieser Blicke zu, die das Herz schmelzen lassen konnten. „Das hätte ich auch niemals angenommen.“

Einen Moment lang spielte ein Lächeln um seinen Mund. „Sie werden genau wie die Männer behandelt.“

„Ist das nicht schon längst geklärt?“

„Ich wollte nur sichergehen, dass Sie mich verstanden haben.“

„Das habe ich. Sie dürfen mich als einen von Ihren Männern betrachten.“

Die Vorstellung war so absurd, dass er auflachte. „Das wird etwas schwierig – schließlich wissen wir beide, dass Sie kein Mann sind.“

„Mr. Delaney …“

„Also, das ist etwas, über das Sie wirklich nicht mit mir streiten können, Morgan Muir – dass Sie kein Mann sind.“

Wieder musterte er sie, sein Blick wanderte von ihrem Gesicht zu ihrem schlanken Hals, blieb auf der sanften Rundung ihrer Brüste liegen, glitt dann tiefer zu ihren Hüften und Schenkeln. Als er ihr wieder ins Gesicht blickte, waren ihre Wangen gerötet, und ihre Augen funkelten.

„Ich weiß nicht, wie ich Sie überzeugen soll, Mr. Delaney. Stimmt, ich bin kein Mann, aber nichts würde mich mehr freuen, als wenn Sie mich wie einen Ihrer Männer behandeln würden. Was mich betrifft, ich sehe mich nur als einen weiteren Ranchhelfer.“

„Ranchhelfer wissen, sie können gefeuert werden, wenn ihr Boss nicht mit ihnen zufrieden ist. Dieser Vertrag …“ Er reichte ihn ihr mit abfälligem Ausdruck. „… schützt Sie nicht davor.“

Morgan lächelte ihn schnippisch an. „Danke für die Warnung. Ich werde Ihnen keinen Grund geben, mich zu feuern.“

Wieder trafen sich ihre Blicke. Dann schaute Jason auf seine Armbanduhr. „Es dauert nicht mehr lange, bis die Männer von der Weide zurückkommen. Sie werden hungrig sein. Zeit, Ihr erstes Mahl zu bereiten, Morgan Muir.“

2. KAPITEL

Morgan hatte gerade das Essen fertig, da betraten die Cowboys die Essenbaracke.

Sie kamen einzeln und in kleinen Gruppen. Es waren hoch gewachsene, breitschultrige Männer mit muskulösen Armen und breitem Brustkorb. Mit von der Sonne tief gebräunten Gesichtern, trotz der Stetsons, die sie ständig trugen, mit Augen, die gewohnt schienen, weit in die Ferne blicken. Attraktive Männer, auch wenn keiner von ihnen so attraktiv wie Jason Delaney war. Morgan traf diesen Vergleich, ohne nachzudenken.

Einen Moment lang erinnerte sie sich daran, wie ihr ein Schauer über den Rücken gelaufen war, als sie den auf raue Art gut aussehenden Rancher zum ersten Mal gesehen hatte. Er war so attraktiv, dass er direkt aus einem Western hätte stammen können – eine jüngere Version von Clint Eastwood.

Sie gab sich innerlich einen Ruck. Selbst wenn Jason Delaney der attraktivste Mann war, den sie jemals kennen gelernt hatte – na und? Er war selbstherrlich und arrogant, und je weniger Zeit sie mit ihm verbrachte, umso besser für sie.

Sie bemerkte, dass die Cowboys sie anstarrten, als sie an dem langen Tisch stand.

„Hi, ich bin Morgan Muir“, stellte sie sich vor, und als die Männer sie weiterhin anstarrten, fügte sie locker hinzu: „Ich bin die neue Ranchköchin. Hat Brent euch nicht von mir erzählt? Nun, vielleicht nicht …“

Die Männer blickten sich an, dann schauten sie wieder auf Morgan, als wäre sie ein Alien, das der heiße Texaswind herangeblasen hatte. Morgan erinnerte sich daran, dass sie sehr wahrscheinlich eher wenig täglichen Kontakt mit Frauen hatten. Sie musste ihnen Zeit geben, sich an sie zu gewöhnen.

„Ich freue mich darauf, euch alle besser kennen zu lernen.“ Sie lächelte unbewusst dieses wundervolle Lächeln, das Jason so beeindruckt hatte.

„Klar kannst du dich darauf freuen, Honey – je eher, desto besser“, erwiderte einer von ihnen. Er stand ein wenig von den anderen entfernt, ein Mann mit einem gemeinen Gesicht und lüsternem Blick. Morgan begriff, dass sie sich vor diesem Mann in Acht nehmen musste.

„Immer mit der Ruhe, Hank“, bemerkte da einer der Männer.

„Deine Warnungen kannst du dir sparen, Charlie.“

„Kümmern Sie sich nicht um ihn“, empfahl Charlie Morgan. „Freut mich, Sie kennen zu lernen, Miss Muir. Das gilt für alle Männer. Willkommen auf der Six-Gate Corral.“ Er hatte ein sympathisches Gesicht, und sein Lächeln war warm und hieß sie willkommen.

Immerhin habe ich einen Freund auf der Ranch, dachte Morgan dankbar. „Danke, Charlie. Und bitte, nennt mich nicht Miss Muir, Jungs. Ich bin es gewohnt, dass man Morgan zu mir sagt.“ Sie blickte alle Männer an, außer Hank. „Ich schätze, nach dem langen Tag auf der Weide habt ihr ordentlich Hunger. Das Essen ist fertig.“

Sie hatte sich große Mühe gegeben. Die Schränke und Tiefkühltruhen der Küchenbaracke waren wohl gefüllt. Da sie Brent nicht um Rat fragen konnte, hatte sie ihr Menü allein geplant.

Steak. Die Cowboys würden so etwas bestimmt gern essen, und in den Tiefkühltruhen gab es Unmengen davon. Morgan hatte das Fleisch in einer Marinade aus Zitronensaft und Gewürzen eingelegt, dann hatte sie es geschmort und Champignons dazugegeben. Dazu reichte sie noch Kartoffeln, halbiert, gewürzt und perfekt gebacken, außerdem Karotten und Erbsen und einen Salat. Als Nachtisch sollte es Applepie mit Eis geben. Da sie nirgendwo Vasen gefunden hatte, hatte sie zwei Wassergläser genommen, sie mit wilden Gräsern gefüllt und auf den sauber geschrubbten Holztisch als Dekoration gestellt.

Nachdem die Männer sich hingesetzt hatten, stellte sie die großen Platten und Schüsseln auf den Tisch und wartete darauf, dass sie sich auffüllten.

Es dauerte nicht lange, und Platten und Schüsseln waren leer. Die ersten Beschwerden kamen, als die Cowboys Nachschub verlangten, und erfuhren, es gab nicht mehr. Es hagelte unfreundliche Bemerkungen, vor allem von Hank. Nur Charlie hielt sich zurück. Er sprach Morgan sogar ein Lob für ihr Essen aus.

„Das soll ein leckeres Essen gewesen sein?“, dröhnte da Hank los. „Sind wir Männer oder ein paar dumme Hühner?“

„Hühner!“, verteidigte sich Morgan verletzt. „Es ist offensichtlich, dass Sie ein gutes Essen nicht zu schätzen wissen.“

„Das nennen Sie Essen, Lady? Mehr als ein Appetithappen war es nicht!“

„Hör mal, Hank, Morgan hat sich Mühe gegeben“, trat Charlie zu ihrer Verteidigung auf.

„Aber nicht genug, Charlie“, rief einer der Cowboys. „Nicht genug.“

„Ihr seid Brents Essen gewohnt. Das verstehe ich.“ Morgan versuchte sich über die allgemeinen Unmutsäußerungen hinweg verständlich zu machen. „Es tut mir wirklich leid, dass es euch nicht geschmeckt hat. Sagt mir, was ihr haben wollt, und das nächste Mal versuche ich es, auf den Tisch zu bringen. Ich bitte einfach nur um etwas Zeit, um mich einzuarbeiten.“

„Wir sind jetzt hungrig, Honey“, schnaubte Hank.

„Jetzt hungrig! Jetzt hungrig!“, riefen die Männer im Chor. „Jetzt hungrig!“

Morgan fuhr sich unsicher durchs Haar. Sie ging hinüber zu den Tiefkühltruhen, wollte noch mehr Steaks holen, als eine Stimme mit Autorität sich bemerkbar machte. „Was geht hier vor?“

Morgan fuhr herum, als plötzlich Stille im Raum herrschte. Als sie aufblickte, schaute sie in Jason Delaneys kantiges Gesicht. Obwohl sie gestresst war, fielen ihr doch wieder die breiten Schultern und die schmalen Hüften auf – ein Körper, der schlank und muskulös war.

„Weswegen sind Sie denn hergekommen?“, fragte sie.

„Ich wollte einmal sehen, wie Sie hier zurechtkommen“, erwiderte er. „Wie’s aussieht, war das wohl keine schlechte Idee.“

„Sie hätten einmal sehen sollen, was diese Lady uns aufgetischt hat, Boss“, beschwerte sich Hank. „Steaks, so klein, dass man sie kaum erkennen konnte.“ Er hob seine riesige Hand, um es zu demonstrieren. „Und dazu Kartoffelstücke mit irgendwelchem Kram darauf.“ Er deutete mit Abscheu auf einen halb vollen Teller, den einer der Cowboys von sich geschoben hatte. „Sehen Sie sich das doch an, Jason. Wir sind Männer, Boss, nicht ein Haufen von Säuglingen.“

„Mir hat es geschmeckt“, erklärte Charlie.

„Charlie hat sich selbst zum Beschützer der Lady ernannt“, knurrte Hank. „Also, das Essen reicht nicht, Boss. Wir haben den ganzen Tag lang hart gearbeitet, da müssen wir auch ordentlich zu essen haben. Die hübsche Lady mag es vielleicht verstehen, einem Mann eine nette Nacht zu machen, aber wie sie ihn anständig satt bekommt, davon hat sie nicht den blassesten Schimmer.“

„Passen Sie auf, was Sie sagen, Cowboy!“, sagte Morgan in einem Ton, den sie für Männer aufsparte, die ihr zu frech wurden. Zumeist reichte es, sie auf Abstand zu halten.

Aber Hank ließ sich nicht beeindrucken. „Ach ja?“, kam die freche Antwort.

„Ihre Unverschämtheiten lasse ich mir nicht bieten!“

„Ach wirklich?“, erwiderte Hank.

„Das reicht“, warnte ihn Jason ruhig.

„Aber …“, begann Morgan hitzig, brach jedoch ab, als er warnend ihren Arm ergriff.

Auf den elektrischen Schlag, der ihr bis in die Schulter fuhr, war sie nicht vorbereitet gewesen, auch wenn Jason sie gleich darauf wieder freigab und sich an die Männer wandte.

„Dies ist Morgan“, sagte er. „Sie ist der Ersatz für Brent. Sie meint es gut, kennt sich aber mit euren Wünschen noch nicht aus. Hört mal, warum spielt ihr nicht draußen eine Runde Fußball? Wenn ihr damit fertig seid, steht wieder Essen auf dem Tisch.“

Zu Morgans Überraschung folgten die Männer willig seinem Vorschlag. Minuten später hörte sie sie draußen vor dem Haus Fußball spielen.

Dass Jason zu ihrer Verteidigung eingeschritten war, hatte sie ziemlich überrascht. „Danke, dass Sie mich gerettet haben.“

Der Rancher stellte einen Stapel gefrorener Steaks in die Mikrowelle, um sie aufzutauen, dann wandte er sich zu ihr herum. „Ich habe es nicht Ihretwegen getan“, sagte er in fast abweisendem Ton.

„Ich dachte …“ Sie brach ab. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, warum Jason eine solche Abneigung gegen sie hatte.

„Ich hatte keine Lust auf einen Aufstand“, meinte er trocken.

„Einen Aufstand?“

„Sie haben doch gehört, was Hank sagte – sie sind Männer, und sie sind hungrig.“

„Ich habe nicht genügend gekocht, und es tut mir auch leid. Aber dieser Hank ist unmöglich, und er hat ein großes Maul!“, erwiderte Morgan hitzig.

„Gleichzeitig ist er einer der besten Cowboys auf der Ranch“, erläuterte Jason.

„Und sein Ton macht Ihnen nichts aus?“

„Wie ich schon sagte, Hank ist ein hervorragender Cowboy“, sagte er knapp. „Ein Experte, was das Einfangen von Rindern oder das Beruhigen nervöser Pferde betrifft.“

„Das entschuldigt seine schlechten Manieren nicht.“

„Ich stelle Männer nicht wegen ihrer guten Manieren ein, Miss Muir.“

„Vielleicht liegt das an Ihren Manieren, Mr. Delaney. Sie sind vom allerersten Moment an rüde zu mir gewesen.“

Seine Hand schoss vor, packte Morgans Handgelenk mit stahlhartem Griff. Offener Abscheu stand in seinen dunklen Augen. „Wenn Sie es als rüde empfinden, dass mir Ihre Anwesenheit auf der Farm missfällt, dann bin ich vielleicht rüde. Ich habe Sie nicht hierher eingeladen, Morgan. Sie dürfen jederzeit gehen.“

Morgan versuchte das heftige Hämmern ihres Herzens zu ignorieren. „Sie vergessen den Vertrag.“

Er sah sie mit blitzenden Augen an. „Trotz des Vertrags.“

„Ich weiß, Sie würden gern sehen, dass ich gehe“, sagte sie spöttisch.

„Zuerst einmal hätten Sie erst gar nicht herkommen sollen – aber das wissen Sie ja selbst.“

„Brent würde nicht Ihrer Meinung sein.“

„Nach dem fürchterlichen Essen, das Sie produziert haben?“

„War es wirklich so schlimm?“ Sie versuchte ihre Niedergeschlagenheit zu verbergen.

Jason antwortete nicht sofort. Angespannt sah sie zu, wie er einen Stapel aufgetauter Steaks aus der Mikrowelle nahm und den nächsten hineinstellte.

Als er sich wieder zu ihr herumdrehte, waren seine Lippen zusammengepresst. „Sie haben die Reaktion der Männer gesehen“, sagte er brüsk. „Hank hat in einem Punkt recht – sie sind den ganzen Tag draußen gewesen, haben in der Hitze und im Staub geschwitzt. Sie sind hart geritten und haben hart gearbeitet. Sie kommen zurück, erwarten etwas Anständiges zu essen, und sehen, was sie stattdessen bekommen. Sie haben jeden Grund, sauer zu sein.“

„Es war ein Fehler“, gestand sie leise ein. „Mir ist nun klar, ich habe nicht genügend gekocht, aber ich habe mein Bestes getan.“

„Sie hätten es wissen müssen, Morgan.“

„Wenn Brent noch etwas hier geblieben wäre … mich herumgeführt hätte …“ Aus irgendeinem Grund war es ihr sehr wichtig, dass dieser dynamische Mann gut von ihr dachte.

„Ein Ranchkoch, der sein Geld wert sein will, sollte wissen, wie er einen Haufen hungriger Männer satt bekommt.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich möchte zu gern wissen, was Sie sich dabei gedacht haben, als Sie sich für den Job bewarben.“

Wenn er nur nicht so unnachgiebig wäre. Morgan musste schlucken. „Ich habe Ihnen doch gesagt, es ist wichtig für mich …“

Jason legte ein Steak auf den Grill und öffnete zwei große Dosen mit Chili. Keiner sollte heute Abend hungrig bleiben. Dann blickte er Morgan an. „Es wird nicht funktionieren, glauben Sie mir“, sagte er.

„Sie irren sich, es wird funktionieren!“

„Das glaube ich nicht, Morgan. Und wenn Sie ehrlich sind, Sie selbst auch nicht.“

„Und ob! Ich habe vor zu bleiben.“

„Ich denke, Sie sollten morgen gehen.“

„Feuern Sie mich?“ Ihre Stimme bebte.

Jason schwieg ein paar Sekunden, und Morgan sah einen kleinen Muskel an seinem Kinn zucken. „Ich habe keinen Grund, Sie zu feuern“, sagte er schließlich. „Aber ich bitte Sie zu gehen.“

Morgan blickte ihn unglücklich an. „Ich habe einen Fehler gemacht“, flüsterte sie. „Das war alles. Menschen müssen lernen dürfen.“

„Ich wette, bei diesem einen Fehler bleibt es nicht.“

„Die Wette verlieren Sie.“

„Ich sehe wenig Sinn darin, zu warten, Morgan.“

Plötzlich wurde Morgan wütend. Wenn sie sich nicht gegen Jason zur Wehr setzte, würde er ihren Traum zerstören.

„Ich lasse es nicht zu, dass Sie so mit mir umgehen!“ Ihre Stimme bebte. „Ich habe eine Chance verdient.“

„Bedeutet es Ihnen gar nichts, dass niemand Sie hier auf der Ranch haben will?“

Die Worte waren wie ein Faustschlag in den Magen, aber sie schaffte es, sich nichts anmerken zu lassen. Sie hob das Kinn. „Nicht im Geringsten“, log sie.

Sie wappnete sich innerlich für neue verbale Schläge, aber seltsamerweise sagte er nichts mehr. Ein paar Sekunden lang waren nur das Brutzeln der Steaks auf dem Grill und das laute Ticken der Wanduhr zu hören.

Und dann veränderte sich seine Miene. Er musterte sie von oben bis unten, und sie holte tief Luft. Mit zweiundzwanzig Jahren war sie es gewohnt, mit Männern umzugehen. Sie hatte oft mit männlichen Models posiert, und viele von ihnen hatten mit ihr schlafen wollen. Aber sie war niemals interessiert gewesen. Sie hatte es gelernt, abzulehnen, höflich, aber bestimmt, und dennoch mit ihnen befreundet zu bleiben.

Aus irgendeinem Grund war ihre Reaktion auf diesen Mann anders. Noch nie hatte sie sich so unsicher und verwirrt gefühlt. Jason Delaney zog sie förmlich mit den Blicken aus, und sie war sich nur zu sehr der erotischen Spannung zwischen ihnen bewusst.

„Es macht Ihnen wirklich nichts aus, dass man Sie hier nicht haben will?“, fragte er mit sanfter Stimme.

„Ich kann Ihnen nur sagen, ich habe vor, mein Bestes zu geben.“ Ihre Stimme schwankte ein wenig.

„Das wird nicht einfach sein“, warnte er sie.

„Vielleicht nicht.“ Sie warf ihm absichtlich einen herausfordernden Blick zu. „Aber ich habe Sie schon einmal gebeten, mich nicht einzuschüchtern. Verstehen Sie nicht, dass Ihre Einschüchterungstaktiken bei mir wirkungslos bleiben?“

Nach ein paar Sekunden lächelte Jason sie an. „Allmählich ja“, sagte er.

Es war ein Lächeln, das Morgans Ärger verrauchen ließ. Sie blickte ihm in die dunklen Augen, auf seine sinnlichen Lippen, überlegte, wie sie sich wohl auf ihren anfühlen mochten, und wusste, noch nie hatte sie einen Mann so attraktiv gefunden wie ihn. Ihr Herz hämmerte so hart, dass sie unwillkürlich einen Schritt zurücktrat, damit er es nicht hörte.

„Dann geben Sie mir immerhin eine Chance?“

„Ich werde Sie jeden Moment beobachten.“ Hinter dem Lächeln lag eine Drohung.

„Ich werde mein Bestes geben“, wiederholte sie.

„Lassen Sie uns beide hoffen, dass es ausreicht.“

Die Steaks brieten auf dem Grill und die Chilisauce köchelte in einem riesigen Topf, als die Cowboys nacheinander zurückkamen. Sie setzten sich an den langen Tisch, und gleich darauf staunte Morgan über ihren enormen Appetit und die riesigen Portionen auf ihren Tellern. Sie hatte nicht gewusst, dass Männer so viel essen konnten.

„Sie sind Cowboys, keine männlichen Models, die auf ihre Figur achten müssen.“ Lachen blitzte in Jasons Augen, als hätte er ihre Gedanken lesen können.

„Ich hatte keine Ahnung“, gab sie ehrlich beeindruckt zu.

Das Glitzern verstärkte sich. „Sie sollten wissen, Morgan, dass Brent normalerweise mit den Jungs isst.“

Morgan schüttelte hastig den Kopf. Die Vorstellung, zwischen diesen hungrigen, in sich hineinschaufelnden Männern sitzen zu müssen, gefiel ihr nicht sonderlich. „Morgen vielleicht. Ich habe keinen Hunger.“

„Eigentlich wollte ich Sie einladen, mit mir zu essen.“

Morgans Kopf ruckte hoch. „Mit Ihnen, Mr. Delaney?“

„Da wir ja wohl noch eine Zeitlang das Vergnügen der gegenseitigen Gesellschaft haben werden, sollten Sie mich vielleicht Jason nennen …“

Jason … ein netter Name. Stark. Aus irgendeinem Grund freute sich Morgan darauf, ihn auszusprechen, wenn sie allein war – wenn sie es genießen konnte, ihn zu hören.

„Nun, Morgan?“, fragte er.

„Sie essen nicht mit den Cowboys?“ Die Einladung hatte sie richtig umgehauen, und sie musste etwas sagen, um es zu vertuschen.

„Brent kocht in der Regel für mich im Farmhaus.“

„Dann werde ich es auch tun.“

„Brent hat genug für eine Woche vorbereitet, ehe er in Urlaub ging.“ Dann fügte er sanfter hinzu: „Sie sind den ganzen Tag gefahren. Bestimmt sind Sie müde.“

Jason Delaney zeigte tatsächlich so etwas wie ein wenig Menschlichkeit und Freundlichkeit? Es geschahen noch Zeichen und Wunder!

„Nicht zu müde, um meine Arbeit zu tun“, sagte Morgan munter. „Und falls Sie mich hereinlegen wollen, Jason, vergessen Sie es – noch einmal werde ich bei einem Test nicht durchfallen.“

Da grinste der Rancher, ein verwegenes Lächeln, das Morgans Sinne alarmierte. „Weder hereinlegen noch ein Test. Ich habe genügend Essen für zwei Leute, also kann ich es ebenso gut mit Ihnen teilen.“

Nur mit Mühe brachte sich Morgan dazu, der Versuchung zu widerstehen. „Ich sagte Ihnen doch, ich bin nicht hungrig“, brachte sie heraus.

Jason lachte, tief und gefährlich. „Wie Sie möchten.“ Er unternahm keinen weiteren Versuch, sie zu überreden.

Als Morgan eine Weile später die Küchenbaracke verließ, war nirgends etwas von Jason zu sehen. Auch wenn es immer noch reichlich heiß war, hatte sich inzwischen der westliche Horizont rosa gefärbt, und die tief stehende Sonne warf lange Schatten auf das Buschland. Auf dem hart gebackenen Boden hinter der Schlafbaracke war gerade ein neues Spiel im Gange. Morgan ging in die entgegengesetzte Richtung, sie hatte kein Bedürfnis, wieder mit dem unangenehmen Hank zusammenzutreffen.

Plötzlich wurde ihr klar, dass sie noch gar nicht wusste, wo sie die Nacht verbringen würde. Wäre ihr Boss nicht Jason Delaney gewesen, hätte sie nicht gezögert, ihn deswegen zu fragen. Aber Jason nervte sie so sehr, dass sie sich lieber die Zunge abgebissen hätte.

Dennoch, irgendwo musste sie doch schlafen. Das Ranchhaus kam offensichtlich nicht infrage. Sie konnte nicht mit Jason in einem Haus schlafen. Andere geeignete Unterkünfte hatte sie bisher nicht entdeckt. In ihrem Wagen … natürlich, das war’s!

Aber nach ein paar Minuten im Wagen wusste sie, dass sie sich unbedingt etwas anderes suchen musste. Der kleine Pkw hatte stundenlang in der prallen Sonne gestanden. Wegen der Hitze darin bekam sie kaum Luft. An Schlaf wäre nicht zu denken.

Womit nur noch ein Ort übrig blieb. Bei dem Gedanken an die Schlafbaracke wand sie sich innerlich. Wie um alles in der Welt sollte sie dort schlafen? Bei diesen rauen Männern? Hank kam ihr in den Sinn, und sie schüttelte sich. Nein, die Schlafbaracke kam absolut nicht infrage.

So blieb ihr schließlich nichts anderes übrig, als ihren Stolz hinunterzuschlucken und mit Jason zu sprechen. Irgendwo musste es ein unbenutztes Gebäude geben, das er ihr überlassen musste.

Aber als sie an die Tür des Ranchhauses klopfte, kam keine Antwort. Sie ging auf die Rückseite des Gebäudes und versuchte es dort. Ebenfalls ohne Erfolg.

Junge, steckte sie in Schwierigkeiten!

Ihr kamen ihre Worte von vorhin wieder in den Sinn, dass sie wie einer der Männer von Jason behandelt werden wollte.

Es waren Worte gewesen, die unbedacht aus der Situation heraus gesprochen worden waren. Und in welchen Schlamassel hatte sie sich damit gebracht!

Die Cowboys waren immer noch mit ihrem Ballspiel beschäftigt. Also schaffte sie rasch ihre Sachen in die Schlafbaracke und schlug dabei einen großen Bogen um sie.

Ihr sank das Herz, als sie das Innere des langen Raums erblickte. Es erinnerte sie an das Wohnheim, in dem sie einmal gehaust hatte. Betten säumten die Wände, neben jedem standen ein Schrank und ein Nachttisch. In einer Ecke entdeckte sie einen Fernseher und mehrere Sofas. Der Raum war sauber und auf eine gewisse Art sogar gemütlich. Aber er war eindeutig ein reines Männerdomizil.

Der Gedanke, hier schlafen zu müssen, war so entsetzlich, dass sie zum ersten Mal dachte, Jason könne recht haben. Vielleicht gab es für sie doch keinen Platz auf der Ranch. Vielleicht sollte sie morgen früh wieder abfahren.

Und dann erinnerte sie sich an ihren Traum. Ich bin hier, dachte sie. Einen Mon...

Autor

Sara Orwig

Sara’s lebenslange Leidenschaft des Lesens zeigt schon ihre Garage, die nicht mit Autos sondern mit Büchern gefüllt ist. Diese Leidenschaft ging über in die Liebe zum Schreiben und mit 75 veröffentlichten Büchern die in 23 Sprachen übersetzt wurden, einem Master in Englisch, einer Tätigkeit als Lehrerin, Mutter von drei Kindern...

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Barbara Dunlop hat sich mit ihren humorvollen Romances einen großen Namen gemacht. Schon als kleines Mädchen dachte sie sich liebend gern Geschichten aus, doch wegen mangelnder Nachfrage blieb es stets bei einer Auflage von einem Exemplar. Das änderte sich, als sie ihr erstes Manuskript verkaufte: Mittlerweile haben die Romane von...

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