Ein Ritter für Rosamund

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Über alles begehrt Sir Kynan die bezaubernde Rosamund. Aber sie ist einem Ritter ohne Gewissen versprochen. Auf dem Turnierplatz will Kynan um sie kämpfen …


  • Erscheinungstag 04.10.2015
  • ISBN / Artikelnummer 9783733742959
  • Seitenanzahl 42
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Sir Kynan Morgan beobachtete amüsiert die hübsche junge Frau, die sich inmitten der um das Freudenfeuer versammelten Menge aufhielt und ausgelassen lachte. Offensichtlich gefielen ihr die Possen der Jongleure und Akrobaten, die im flackernden Lichtschein ihre Künste zum Besten gaben. Vermutlich waren die Gaukler hergekommen, um im großen Saal von Beauclaire Castle die Gäste der Hochzeitsfeier zu unterhalten, denn in wenigen Tagen sollte die Tochter von Lord Beauclaire in den Stand der Ehe treten. Im Rahmen der Feierlichkeiten veranstaltete der Lord auch ein Turnier, an dem Kynan teilnehmen wollte.

Kynan hatte auf seinen Reisen von Wales zum Hof des Königs viele schöne Mädchen und Damen gesehen, aber nur wenige waren ihm so ins Auge gefallen wie diese junge Frau. Sie hatte fein gezeichnete Gesichtszüge und wunderbar volle Lippen. Ihr lockiges, honigfarbenes Haar reichte ihr bis zu den schlanken Schultern, und unter ihrem schlichten, von einem Gürtel zusammengehaltenen Kleid zeichnete sich ein wohlgeformter Körper ab.

Doch es waren nicht nur ihr Gesicht und diese Figur, die ihn auf sie aufmerksam werden ließen. Vielmehr lag es an den Grübchen, die sich in ihren Wangen zeigten, sobald sie fröhlich lächelte, und an dem intelligenten, wachsamen Ausdruck in ihren Augen.

Als Gast von Lord Beauclaire und als ein Mann, der sich rühmte, niemals seinen Stand zu seinem Vorteil zu missbrauchen, würde Kynan die junge Frau lediglich aus der Ferne bewundern. So viel stand fest.

„Hey, Rafe, bei ihr würdest du’s wohl gern versuchen, wie?“

Die träge, nuschelnde Stimme ließ Kynan aufhorchen, und sobald er sich umdrehte, entdeckte er drei sichtlich angetrunkene junge Männer – jeder von ihnen ein vornehmer Knappe, wenn man nach dem Erscheinungsbild ging –, die das hübsche Mädchen lüstern anstarrten.

„Aye, das würde ich wohl“, antwortete einer der drei, lachte und ging auf die junge Frau zu, seine Freunde im Schlepptau.

Kynan folgte ihnen unauffällig. Zu viel Ale gepaart mit der Eitelkeit eines jungen Mannes konnte gefährlich werden.

Das Lächeln wich vom Gesicht der jungen Frau, als sie sah, dass die drei Männer sich ihr näherten. Sie machte kehrt und verschwand zwischen zwei Gebäuden aus Flechtwerk und Lehm, deren erste Stockwerke ein Stück weit in die Gasse hineinragten.

Die drei angetrunkenen Knappen riefen ihr nach, sie solle stehen bleiben, während sie ihr Tempo beschleunigten. Da deren Tonfall mit einem Mal unüberhörbar verärgert klang, wusste Kynan, der jungen Frau drohte Übles. Auch er legte einen Schritt zu, gleichzeitig zog er mit einer flüssigen, geübten Handbewegung sein Schwert aus der Scheide. Als er um die Ecke gestürmt kam, sah er, dass die junge Frau in Richtung der Außenwand einer strohgedeckten Hütte zurückwich und dass die drei Edelleute sich im Halbkreis um sie herum aufgebaut hatten.

„So etwas nenne ich nicht sehr freundlich“, erklärte der Mann, den einer der anderen Rafe genannt hatte. Er war groß, schlank und pockennarbig. „Wir sind Gäste Seiner Lordschaft, und da solltet Ihr geselliger sein.“

„Wir wollen Euch nichts tun“, nuschelte der zweite Knappe, der sichtlich Mühe hatte, sich auf seinen stämmigen Beinen zu halten. „Wir wollen doch nur einen Kuss.“

„Wenn Ihr uns küsst, geben wir Euch was zu trinken aus“, sagte der Dritte aus der Gruppe mit einem dämlichen Grinsen.

„Von Euresgleichen möchte ich nichts zu trinken annehmen“, gab die Frau zurück, deren Akzent so wie ihre Kleidung zu einer Bäuerin passte. Während sie sprach, spannte sich ihr ganzer Körper an, als mache sie sich bereit, auf die drei loszugehen und sich allein gegen sie zur Wehr zu setzen.

Die Kleine ist aber gar nicht schüchtern, dachte Kynan anerkennend, während er näher kam. „Habt ihr die Dame nicht gehört, Jungs?“, rief er der Gruppe zu. „Sie möchte von euresgleichen nichts zu trinken, und ich kann es ihr nicht einmal verübeln. Eure Fahnen kann ich bis hier riechen.“

Abrupt wirbelten die jungen Männer herum. Ein Blick auf Kynans breite Schultern und die kräftige Statur eines Kriegers, der das Schwert scheinbar lässig in der Hand hielt, genügte, die Männer so hastig die Flucht antreten zu lassen, dass sie sich gegenseitig im Weg waren.

Als sich die Gruppe entfernt hatte, sah Kynan zu der Frau und lächelte ihr zu, während er sein Schwert wegsteckte. „Ich glaube nicht, dass sie Euch noch einmal belästigen werden.“

„Das denke ich auch nicht“, pflichtete sie ihm bei. „Sie werden es kaum riskieren, noch einmal einem Ritter wie Euch gegenüberzustehen.“ Ihr leises Lachen klang in seinen Ohren heiter und war ein viel anmutigeres Dankeschön, als er es sonst zu hören bekam, wenn er den Schwachen zur Seite stand. „Ich danke Euch, Sir. Vielleicht wollten sie mir gar nichts tun, dennoch bin ich Euch für Euer Einschreiten dankbar.“

Angenehm von ihren Worten berührt, erklärte Kynan: „Es war mir ein Vergnügen.“

„Ihr seid sicher wegen des Turniers hier, Sir …?“

Obwohl sie ihn als Ritter erkannt hatte, unterhielt sie sich ungewöhnlich offen mit ihm, vor allem für ein Bauernmädchen. Normalerweise warfen Frauen ihm entweder nur verstohlene Blicke zu und mieden es, ihn direkt anzusehen, oder aber sie taten es mit einem unmissverständlich einladenden Ausdruck in den Augen, ganz gleich, ob sie von hoher Geburt waren – oder das genaue Gegenteil davon. Bei dieser Frau traf keines von beidem zu, stattdessen sah sie ihn an, als stünde ein guter Freund vor ihr.

So berückend dieser Gedanke auch war, wurde ihm in diesem Moment bewusst, dass er für sie gern mehr gewesen wäre als nur ein guter Freund. „Ich bin Sir Kynan Morgan.“

„Dann kommt Ihr von weit her, nicht wahr? Aus Wales?“

„Dort bin ich zu Hause“, erwiderte er und kam näher. Dicht vor ihr blieb er stehen, während sie sich gegen die Hütte lehnte.

Abschätzend betrachtete sie ihn von Kopf bis Fuß, doch er empfand es nicht als unverschämt. Vielmehr fragte er sich, ob er auf sie genauso anziehend wirkte wie umgekehrt. „Ihr seid mir auf der Burg noch nicht aufgefallen“, sagte sie schließlich.

„Das liegt daran, dass ich die Burg noch nicht aufgesucht habe“, erwiderte er. „Als Waliser bin ich nicht besonders angetan von der Gesellschaft normannischer Edelleute, auch wenn mir zu Ohren kam, dass Lord Beauclaire ein anständiger Kerl ist.“ Sein Lächeln wurde breiter. „Nun, da Ihr etwas über mich wisst, würde ich gern den Namen der jungen Dame erfahren, der ich beigestanden habe.“

Prompt wandte sie ihren Blick von ihm ab und schaute zu Boden. Vielleicht war ihr auf einmal eingefallen, wie sich eine Bäuerin einem Ritter gegenüber zu benehmen hatte. Womöglich war seine Bewunderung für sie aber auch nur zu offensichtlich gewesen, und er hatte sie mit seinem Verhalten erschreckt.

„Rose ist mein Name, und ich sollte mich jetzt besser auf den Weg machen“, murmelte sie. Ihr schüchternes Lächeln tröstete und freute ihn zugleich, obwohl sie bereits Anstalten machte, sich davonzustehlen.

Flink hielt er sie auf und verbeugte sich so vor ihr, wie er es auch vor einer Königin getan hätte. „Es wäre mir eine Ehre, dafür zu sorgen, dass Ihr sicher Euer Zuhause erreicht, Rose.“

Autor

Margaret Moore

Ihre ersten Schreibversuche als Autorin machte Margaret Moore mit acht Jahren, als der verwegene Errol Flynn sie zu einer Geschichte inspirierte. Wenig später verfiel sie dem kühlen Charme von Mr. Spock aus Raumschiff Enterprise. Er ließ bei sich keine Emotionen zu – ganz anders als die Helden in ihren Romances!...

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