Eine Liebe voller Zärtlichkeit

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Wunderschön, aber unnahbar ist die berühmte Schauspielerin Clarissa Barry. Welches dunkle Geheimnis quält sie? Der bekannte Autor Morris Janson begehrt sie so sehr, dass er mit seinen zärtlichen Küssen ihre Sehnsucht nach Liebe wecken möchte. Doch noch vertraut sie sich ihm nicht an …
  • Erscheinungstag 23.05.2018
  • ISBN / Artikelnummer 9783733757205
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Clarissa tanzte mit einem hochaufgeschossenen jungen Mann in einem auffallend orangefarbenen Pulli. Er hielt sie viel zu fest an sich gedrückt und war schon derart angetrunken, dass sie kaum verstand, was er ihr ins Ohr zu flüstern versuchte. Als die Musik endlich aufhörte und ihr draufgängerischer Tänzer sie losließ, wurde Clarissa von der Menge der Gäste weitergeschoben. Es war ihr ganz recht so. Aber wo war Leonie geblieben?

Jetzt hatte sie auch noch ihre Freundin aus den Augen verloren. Der Raum war so überfüllt und so knapp beleuchtet, dass es schwierig werden würde, sie wieder zu finden. Aus größerer Distanz war jedenfalls nichts zu erkennen.

Entschlossen drängte sich Clarissa durch die Menschen. Sie musste sich eine Stelle suchen, von der aus sie den ganzen Raum überblicken und nach Leonies rotem Haar Ausschau halten konnte. Es war doch wohl nicht möglich, dass sie die Party schon verlassen hatte?

Der Gedanke bedrückte Clarissa. Sie kannte hier keinen einzigen Menschen, außer eben der Freundin, die sie mitgenommen hatte. Da stand sie nun, betrachtete die Gesichter der Leute, die sich an ihr vorbeischlängelten, und fühlte sich ziemlich verlassen.

Clarissa hatte noch nie eine solche Party miterlebt. Gerade frisch aus der Provinz in die Stadt gekommen, achtzehn Jahre jung, die grünen Augen groß und unschuldig, waren ihre Erwartungen heute Abend groß gewesen. Doch nun fand sie alles ziemlich öde und langweilig.

Leonie hatte sie in diese fremde Umgebung gebracht. Untergehen oder schwimmen hätte man es nennen können, und Clarissa hatte mutig den Versuch unternommen, zu schwimmen, so gut es ging. Doch nun war ihre Energie verbraucht.

Das lichtblaue Seidenkleid, das sie trug, gehörte ihr nicht. Leonie hatte ihr Bühnenkostüm aus der Theatergarderobe geschmuggelt. Das war natürlich verboten, doch Leonie hatte nur unbekümmert mit den Schultern gezuckt, als Clarissa protestieren wollte.

„Ach, hör schon auf. Probier lieber, ob es dir passt. Niemand wird etwas merken. Wenn das Kleid morgen wieder in der Garderobe hängt, ist alles in Ordnung“, lachte sie. „du kannst schließlich nicht in schäbigen Jeans auf eine Silvesterparty gehen, oder?“

Als Clarissa sich dann im Spiegel betrachtete, war sie begeistert gewesen, was das Kleid aus ihr machte – und konnte nicht mehr widerstehen.

„Es steht dir fantastisch“, rief Leonie stürmisch. „Viel besser als mir.“

Leonie hatte Clarissa sozusagen unter ihre Fittiche genommen, Clarissas romantische, unschuldige Art amüsierte sie.

„Wir werden dich schon großbekommen“, versicherte Leonie. „Denk immer daran, dass wir im Jahre 1980 leben und dass du kein Schulmädchen mehr bist.“

Aufgewachsen war Clarissa in einer ruhigen kleinen Stadt, wo nach sieben Uhr abends absolut nichts mehr los war. London war für sie immer noch berauschend und wie eine Offenbarung. Natürlich wollte sie nicht als Provinzlerin gelten, über die man lachte. Deshalb hatte sie beeindruckt den guten Ratschlägen und klugen Hinweisen gelauscht, die Leonie ihr gab.

Die beiden angehenden Künstlerinnen wohnten im gleichen Haus, einer uralten Mietskaserne, deren Wohnungen in Einzimmerappartements umgebaut worden waren. Clarissa hatte Glück gehabt, eine solche Wohnung zu finden. Die Miete war erträglich, gerade so, wie sie es sich leisten konnte. Es war sauber und gemütlich.

Das Geld, das Clarissas Eltern ihr schicken konnten, reichte gerade zum Notwendigsten. Bei diesem Leben hatte sie bereits einige Pfund abgenommen. Sie hatte gelernt, Mahlzeiten zu übergehen, sich nur von Brot und gebackenen Bohnen zu ernähren. In diesem ersten Jahr auf der Schauspielschule fand Clarissa das Leben ungemein aufregend, wenn auch manchmal ein wenig schwierig.

Leonie war Sängerin. Sie gehörte zum Bühnenchor eines kleinen Vorstadttheaters. Alle Mitwirkenden des Stückes, in dem Leonie auftrat, waren von einem der Stars zu dieser Silvesterparty eingeladen. Clarissa wusste noch nicht einmal, wer der Gastgeber war.

In diese lärmende, lachende Gesellschaft war sie hineingetaucht wie in eine andere Welt. Hier und da hatte Leonie ihr am Anfang ein paar Namen genannt. Clarissa hatte freundlich gelächelt, war weitergezogen worden und hatte die Namen wieder vergessen.

Sie hatte schon mehr getrunken, als jemals vorher in ihrem Leben. Ihre früheren Bekannten hatten sie zwar ab und zu schon mal zu einem Sherry überredet, doch heute waren ihr von den verschiedensten Leuten volle Gläser gereicht worden – und ohne nachzudenken hatte Clarissa sie geleert.

Ein wenig merkwürdig fühlte sie sich schon, nicht betrunken vielleicht, doch so, als ob sie schwebte. Wie immer hatte sie natürlich wenig gegessen, und nun taten die verschiedenen Drinks ihre Wirkung.

Nirgends ein Schimmer von Leonies rotem Haar. Mit den anderen wurde Clarissa in einen weiteren Raum geschoben. Ob sie einfach fortgehen sollte? Doch was sollte sie um diese Zeit allein in ihrem Appartement? Und ein Taxi würde sie wohl auch kaum bekommen. Also würde sie noch bleiben.

„Hallo, Charleston-Girl.“

Die dunkle Stimme hinter ihr schreckte Clarissa aus ihren Gedanken. Sie wandte sich halb um, die Seidenfransen des kurzen Kleides wirbelten um ihre Knie.

„Warum tanzt du nicht? Dieses Kleid ist doch zum Tanzen gemacht. Also, wollen wir?“

Der hoch gewachsene Mann legte seinen Arm um ihre Hüften und lächelte sie mit blitzenden Zähnen an.

Etwas verhalten lachte Clarissa zurück. Genau so, wie Leonie es ihr gezeigt hatte. Zuerst sah sie den Fremden mit großen Augen an, dann schlug sie sie nieder. Nicht gleich zeigen, dass sie beeindruckt war.

„Haben wir uns mal irgendwo getroffen?“

Der Fremde lachte. „Wir treffen uns jetzt!“

Clarissa hörte seinen amerikanischen Akzent.

„Sind Sie Amerikaner?“

„Ja“, lachte er wieder. „Und du bist Engländerin, Baby, ich sehe es. Eine frische englische Rose!“

Wohlgefällig betrachtete er ihre schlanke, wohlproportionierte Figur in dem lichtblauen, metallisch schimmernden Kleid. Es war ärmellos und tief ausgeschnitten. Man brauchte sich das Drunter kaum vorzustellen, man sah es. Und es gefiel ihm.

Leonies Musical war in den Zwanzigerjahren angesiedelt, das Kostüm wirkte dennoch modern und passte zu Clarissas unbewusst erotischer Ausstrahlung. Irgendwie hatte sie sogar ihre Bewegungen dem Kostüm angepasst.

Sie hatte volles, honigblondes Haar, das ihr in weichen Wellen über die Schultern fiel. Die ganz einfache Frisur passte zu ihrem schmalen, sehr unschuldig wirkenden Gesicht.

Clarissa sah seine Bewunderung und wurde ein wenig verlegen.

„Ich habe noch nie einen Amerikaner kennengelernt.“

„Das ist eine Bildungslücke“, spottete er mit glitzernden Augen, „die du sofort schließen musst.“

„Mit Ihnen?“

Clarissas grüne Augen glommen unter den dunklen Wimpern. Er blickte sie amüsiert an.

„Natürlich mit mir, Charleston-Girl!“

Dann legte er beide Arme um sie und begann mit ihr zu tanzen. Er zog sie dicht an sich heran. Sie spürte jede Bewegung seines Körpers.

Er war ein großer, schlanker Mann mit breiten Schultern. Der Abendanzug, den er trug, sah teuer und maßgeschneidert aus. Das bedeutete, konstatierte Clarissa, dass er weit über ihrer Einkommensklasse und auch über der der meisten hier Anwesenden liegen musste.

„Sie sind sehr elegant angezogen“, sagte Clarissa offen. „Sind Sie bei einer anderen Party gewesen? Dies hier ist ein Künstlerfest.“

„Nein, ich bin noch nirgendwo gewesen“, lachte er und blickte sie verführerisch an.

Clarissa lachte zurück. Sie war auf eine angenehme Weise angeregt. So ein Mann war ihr noch nie begegnet. Ihr Herz begann schneller zu schlagen. Er war nicht nur außerhalb ihrer Einkommensklasse, er gehörte auch zu einer Altersgruppe, die weit über der ihren lag. Bei diesem schummerigen Licht konnte man es zwar nicht so genau erkennen, doch sie schätzte ihn auf etwa dreißig oder ein wenig darüber.

Er wirkte intelligent, selbstsicher und dennoch ganz natürlich, im Gegensatz zu ihrer eigenen etwas gekünstelten Art, die ihrer Unsicherheit und Unerfahrenheit entsprang.

Kleine Zweifel und eine gewisse Zurückhaltung löschte er durch sein charmantes Lächeln aus. Von diesem Lächeln war Clarissa fasziniert. Seine grauen Augen blickten gleichermaßen spöttisch und einladend, um seine Mundwinkel lag meist ein amüsiertes Lächeln.

Er ist unheimlich sexy, dachte Clarissa und überlegte, was sie Leonie alles erzählen würde, während sie ihn beim Tanzen anstrahlte. Es wird Spaß machen, Leonie beweisen zu können, wie viel sie schon gelernt hatte. Kein Mann auf dieser Party war so attraktiv wie dieser hier.

„Du tanzt fabelhaft, Charleston-Girl, genau, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagte ihr Partner leise an ihrem Ohr. Sie spürte seine Lippen leicht über ihr Ohrläppchen streifen. Sie erschauerte ein wenig.

Leise lachte er in sich hinein. Diese Reaktion ihres Körpers auf seine Berührung schien ihn zu freuen.

Die Musik endete, doch er ließ sie nicht gleich los. Irgendjemand reichte Gläser, gefüllt mit Champagner, herum. Wer immer die Party gab, er musste Geld haben, stellte Clarissa bei sich fest und trank begeistert. Die Luftbläschen prickelten ihr in der Nase, und sie musste niesen. Lachend reichte ihr der Fremde ein neues Glas Sekt, das er von einem Tablett geangelt hatte. Clarissa nahm es.

„Ich weiß nicht einmal Ihren Namen“, sagte sie und trank ohne zu zögern einen weiteren Schluck.

„Luke“, antwortete er. „Und sag bitte du wie alle hier heute Abend. Wie darf ich dich nennen, Charleston-Girl?“

„Clarissa.“

Mit einem Getöse von Spielzeugtrompeten strömten neue Gäste in die bereits überfüllte Wohnung. Es wogte um sie herum, und Luke legte seinen Arm fest um Clarissas Schultern.

Irgendjemand schrie Achtung, es sei kurz vor Mitternacht. Die Gäste waren einen Moment still, dann zählten alle gemeinsam: fünf – vier – drei – zwei – eins – Prost Neujahr!

Stimmengewirr, Gelächter, die Menschen schüttelten sich die Hände, küssten sich auf die Wangen, umarmten sich und begannen zu singen.

Clarissa hatte das zweite Glas Champagner ausgetrunken. Man begann wieder zu tanzen. Luke hatte sie so fest an sich gepresst, dass sie jeden Muskel seines Körpers spürte. Sie legte ihr erhitztes Gesicht an seine Schulter, ihre Arme hatte sie um seinen Nacken geschlungen. Sie spürte, wie er langsam mit einer Hand über ihren Rücken streichelte. Es war angenehm aufregend.

Plötzlich blieb er stehen und flüsterte: „Ich habe genug von den vielen Menschen, wollen wir gehen?“

Clarissa war ein wenig schläfrig, die leisen rhythmischen Bewegungen, die Wärme seines Körpers, die Hitze im Raum, die verträumte Musik, das alles hatte ihren Körper ein wenig schwer gemacht. Auch der Champagner hatte nicht zu ihrer Ermunterung beigetragen. Er war ihr direkt in das Blut gegangen und prickelte dort weiter.

„Wohin?“, fragte sie interessiert und hob ihren Kopf von seiner Schulter.

„Wir finden eine ruhigere Party“, versicherte Luke. „Hier ist es wirklich zu voll.“

Clarissa runzelte ein wenig die Stirn und bemühte sich, ihn klar anzusehen.

„Weißt du eine?“

„Ja, Charleston-Girl, ich weiß eine viel bessere Party“, lachte er verhalten.

„Dann ist das eine gute Idee“, stimmte Clarissa zu und nickte ernsthaft mit dem Kopf.

„Ich habe gehofft, dass du das sagen wirst.“ Sein Lachen klang triumphierend.

Hand in Hand bahnten sie sich einen Weg durch den überfüllten Raum. Ein paar junge Männer versuchten, Clarissa aufzuhalten, küssten sie schmatzend auf die Wangen. Luke befreite sie sanft.

Leonie war vergessen. Clarissa folgte Luke, ab und zu stolperte sie ein wenig. Ellenbogen trafen sie, man trat ihr auf die Zehen. Sie schien es kaum zu merken.

Die Silvesterparty fand in einem Wohnblock in St. Johns Wood mit exklusiven Appartements statt. Als sie endlich durch die Tür wollten, kam ihnen bereits ein neuer Schwung von Gästen entgegen. Luke zog Clarissa an sich und führte sie zum Lift.

Clarissa lehnte an der Wand. Die Fahrt im Fahrstuhl machte sie ein wenig schwindlig. Bin ich betrunken, fragte sie sich und schloss einen Moment die Augen.

Der Lift hielt. Luke führte sie hinaus und lehnte sie wieder an die Wand, während er in der Tasche nach Schlüsseln suchte. Noch immer hatte Clarissa die Augen geschlossen. Sie atmete tief die kühle Luft ein. Die Stille um sie war eine Erleichterung.

Luke legte seinen Arm um ihre Schultern. Als er eine Tür aufschloss, öffnete sie die Augen.

„Wo sind wir?“, fragte sie und blickte zu ihm auf. „Wo ist die Party? Ich höre keine Musik, und es ist so still?“

„Die Party ist da drin“, lachte Luke.

Clarissa ließ ihn vorgehen, durch einen kleinen Eingang in einen großen Wohnraum, elegant möbliert, doch völlig ohne Menschen. Erstaunt wollte sie protestieren.

„Du hast doch gesagt …“

Bevor sie den Satz beenden konnte, hatte Luke sie in seine Arme genommen. Sein Mund legte sich warm auf ihre Lippen. Die liebevolle, zärtliche Berührung überraschte Clarissa.

Sie wusste nicht, was sie tat. Instinktiv öffnete sie ihre Lippen, als wäre sie es gewöhnt, von erfahrenen Männern geküsst zu werden.

Nun, das war nicht ihr erster Kuss. Vor etwa drei Jahren war es gewesen, sie war fünfzehn, und es war damals eine große Enttäuschung. Der Junge war ein halberwachsener Sechzehnjähriger, der Held der Schule, weil er ein Motorrad besaß.

Alle Mädchen waren in ihn verliebt. Doch er mochte Clarissa, und als er sie küsste, hatte sie eine Art märchenhafte Verwandlung erwartet. Dieser Kuss war eine desillusionierende Erfahrung gewesen.

Auch danach war sie noch geküsst worden, doch es war immer völlig wirkungslos geblieben und nie hatte sie das gefunden, was sie heimlich erwartete.

Als Luke nun mit erfahrenen Lippen ihren Mund in Besitz nahm, rauschte ihr das Blut in den Ohren, das Herz begann ihr wie rasend zu klopfen.

Es war so, wie sie es sich immer vorgestellt und erträumt hatte. So musste ein Kuss sein, so und nicht anders. Als seine Zungenspitze zart über ihre Lippen glitt, verging sie fast vor Vergnügen.

Lukes Finger vergruben sich in ihrem vollen Haar und zogen ihren Kopf sanft nach hinten. Sein Kuss wurde drängender, fester, schließlich fordernder.

Clarissa schmiegte sich an ihn. Ihre Erregung steigerte sich. Sie hob ihre Arme und legte sie um seinen Nacken. Ihre Finger spielten mit seinen dicken, schwarzen Haaren. Sie spürte, wie sein Körper sich anspannte bei ihrer Berührung.

Luke beendete den Kuss. Er atmete tief und blickte sie mit verschleiertem Blick an. Zart strich ihm Clarissa mit dem Finger über die Augenbrauen, die Wangen, über die Lippen. So als wollte sie ihn erfühlen.

Clarissa hatte vergessen, dass er sie zu einer anderen Party bringen wollte. Alle ihre Vernunft war ausgeschaltet. Sie war nur mit sich selbst und dieser überwältigenden ersten, für sie völlig neuen erotischen Erfahrung beschäftigt. Nichts anderes zählte.

Sie blickten sich an und Clarissas Herz klopfte dumpf, als sie die Leidenschaft in seinen Augen sah. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und begann Luke wieder zu küssen. Er stöhnte ein wenig, legte einen Arm um ihre Schultern, der andere umklammerte ihre Hüften. Er presste sie wild an sich. Sein Körper war hart und gespannt. Sie hörte, wie er scharf den Atem einzog.

„Du bist unglaublich, Charleston-Girl. Komm, wir wollen doch nicht die ganze Nacht hier herumstehen.“

Eine Sekunde dachte Clarissa, er würde sie nun zu dieser Party bringen, von der er gesprochen hatte. Sie fühlte sich schwindlig und konnte doch den Blick nicht von diesem gut aussehenden Mann abwenden. Sie sah seinen sinnlichen Mund – und sie wollte, dass er sie mehr und noch mehr küsste. Wieder hob sie die Arme, hob ihm ihren Mund entgegen.

„Küsse mich weiter“, murmelte sie mit geschlossenen Augen.

„Du bist zauberhaft, überwältigend“, flüsterte Luke und küsste sie wieder.

Hingegeben hing sie an seinem Mund. Ihr Körper bebte.

„Ich will nicht zu dieser Party!“

Luke lachte atemlos. „Diese Party, mein Liebling, ist nur für uns zwei.“

Bevor Clarissa begriff, was das bedeutete, hatte er seine Hände um ihren Rücken und um ihre Kniekehlen gelegt und sie hochgehoben. Ihr Kopf lag an seiner Schulter. Er trug sie aus dem Zimmer.

Der Korridor war dunkel. Clarissa hatte die Augen geschlossen. Sie wollte ihn fragen, wohin er sie bringe, doch sie war zu schläfrig. Sie fühlte sich wie ein Baby in seinen Armen. Es war weich, warm und sehr, sehr angenehm. Sie war glücklich.

Luke legte sie auf ein breites Bett, und sie kuschelte sich in die Kissen wie ein Kind. Halb schlief sie schon. Dann spürte Clarissa, wie er sich neben sie setzte und versuchte, den Reißverschluss ihres Kleides zu öffnen.

„Zu müde“, protestierte sie schwach und rollte sich noch etwas mehr zusammen.

Doch er streifte ihr geschickt das Kleid über den Kopf. Das machte sie ein wenig munterer. Sie versuchte die Augen zu öffnen und sah sein gebräuntes Gesicht über sich.

„Du bist doch nicht betrunken, Charleston-Girl?“, fragte er mit diesem Lächeln, das sie schon den ganzen Abend so fasziniert hatte.

„Ich fühle mich nur ein wenig merkwürdig – nicht betrunken, nein, nicht betrunken“, wisperte sie.

Dann hob sie ihre Hand und strich über seine Wange. Seine Haut fühlte sich ein wenig rau an. Er küsste ihr Handgelenk, als sie über seinen Mund fuhr.

„Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?“, fragte Clarissa leise.

„Glaubst du daran, Charleston-Girl?“ Clarissa hob ein wenig den Kopf, als sie bemerkte, dass er sich das Oberhemd auszog.

„Was machst du da?“

Er warf sein Hemd über einen Stuhl und beugte sich mit nacktem Oberkörper über sie. Dann nahm er ihr Gesicht in seine Hände.

„Was glaubst du wohl, was ich tue, Liebling?“, fragte er verhalten.

Bevor sie reagieren konnte, küsste er sie wieder, und Clarissa wurde auf einer Wolke physischer Freude davongetragen. Es war so neu, so aufregend für sie, dass sie alles um sich vergaß.

Ich bin verliebt, dachte sie verträumt. Alle Märchen und Geschichten über die Liebe sind wahr, jubelte sie innerlich. Nun beginnt mit ihm ein neues Leben für mich.

Sie spürte wie sein Herz an ihrem Körper schlug. Und ihres tickte wie ein beschwipstes Metronom. Beide atmeten schwer und unregelmäßig. Sekundenlang glaubte Clarissa, sie bekäme überhaupt keine Luft mehr. Wie köstlich so ein Kuss sein konnte. Sie musste bisher wirklich die falschen Männer geküsst haben. So wie mit Luke war es noch nie gewesen. Clarissa lernte schnell. Inbrünstig schmiegte sie sich an ihn und erwiderte seine Küsse. Ihr Körper brannte.

Während Luke sie küsste, war er allerdings nicht untätig geblieben. Clarissa hatte es zuerst nicht bemerkt, doch dann spürte sie plötzlich, dass sie beide nackt waren. Luke streichelte ihre Oberschenkel bis hinauf zu ihrem Schoß.

„Nein!“, rief sie und schob seine Hand fort. „Das darfst du nicht.“

„Komm, sei nicht albern, Charleston-Girl“, murmelte er heiser.

Clarissa war nicht albern. Sie bekam Angst, als seine Hände ihren Körper in Besitz nehmen wollten.

„Ich kann das nicht. Ich will es nicht“, flüsterte sie verstört. „Bitte lass das Luke, tu es nicht.“

Er hatte seine Hände um ihre Brüste gelegt und streichelte sie zärtlich mit seinen Lippen. Eine unwiderstehliche, sinnliche Erregung durchfuhr Clarissa. Es war zum ersten Mal, dass sie diesen intimen Kontakt mit einem Mann hatte, und der Atem stockte ihr.

Luke lachte leise und streichelte sie weiter. Eine Hand glitt über ihren Körper bis zu ihrem Schoß. Ihre Brüste schmerzten, es war, als höben sie sich ihm entgegen. Sie stand wie in Flammen.

Doch dann begann sie wieder zu bitten und zu flehen, er möge das nicht mit ihr tun. Teils weil es sie überwältigte, teils weil ein Funken Verstand ihr sagte, was da auf sie zukam.

Ihre Stimme bebte, doch Luke hörte nicht zu. Sie sah sein Gesicht. Es wirkte plötzlich verändert. Härter, männlicher, das Lächeln, die Zärtlichkeit in seinen Augen waren vergangen. Beinahe gierig blickte er sie mit halbgeschlossenen Augen an. Seine Hände waren schmerzhaft zupackend. Sie hörte sein stoßweises Atmen.

Clarissa war wie gelähmt. Ein paar Augenblicke konnte sie sich nicht rühren. Sie starrte nur in dieses auf schreckliche Weise veränderte Gesicht.

Nun kam auch die Angst. Die Euphorie, durch Alkohol und Erotik hervorgerufen, verging. Sie war ganz wach und unbeschreiblich entsetzt über die Situation und über sich.

„Luke, hör auf. Ich habe noch nie –“, begann sie flüsternd. Doch sofort schloss er ihr den Mund mit einem harten, fordernden Kuss. Einen Arm hatte er fest um sie geschlungen, mit der anderen Hand hielt er ihre Schenkel fest, dann rollte er sich auf sie. Sie konnte ihm nicht mehr entkommen.

„Nein“, schrie sie auf, „bitte nicht“, flehte sie unter seinem Mund.

„Was heißt nein?“

Einen Moment hob er den Kopf, sein Mund wirkte böse und sarkastisch. Sein Blick war wild.

„Ich mag keine Frauen, die herumjammern, und ich bin auch nicht in der Stimmung, noch mehr alberne Spielchen zu spielen. Du hattest deinen Spaß, jetzt will ich meinen.“

Clarissa stemmte sich gegen ihn, doch gegen seine Kraft kam sie nicht an. Er presste ihren Kopf in die Kissen. Ihre Fingernägel gruben sich tief in seine Haut.

„Du verdammte kleine Hexe!“, fluchte Luke.

Schwer lastete sein Körper auf ihrem. Noch immer versuchte sie, ihm zu entkommen, um den Schmerz nicht weiter ertragen zu müssen, den er ihr zufügte. Luke atmete schwer. Eisige Kälte durchzog sie von Kopf bis Fuß.

Sie versteifte sich. Ihr Verstand war wieder hellwach. Die Erkenntnis, was hier mit ihr geschah, machte sie elend. Er ignorierte ihre erstickten Proteste und vergrub schließlich mit einem Aufstöhnen sein Gesicht an ihrem Hals, seine Lippen sogen sich an ihrer Haut fest.

Als er endlich von ihr abließ und still neben ihr lag, zitterte Clarissa wie in einem Fieberanfall. Ihr Körper schmerzte, in ihren Ohren rauschte das Blut, ihr Magen rebellierte.

Luke drehte sich auf die andere Seite, zog das Betttuch über sich und war ohne ein weiteres Wort wenige Minuten später eingeschlafen. Er atmete tief und laut.

Eine ganze Weile wartete Clarissa angespannt und lauschte seinem Atem. Sie dachte über die entsetzliche Situation nach. Es war wie ein Albtraum gewesen. Diese Party, der Fremde, der Alkohol, den sie nicht gewöhnt war, das Alleinsein in einer vollkommen unbekannten Umgebung.

Gewiss, sie hatte viel getrunken, doch Luke ebenso. Ich muss hier fort, bevor er wieder aufwacht, überlegte sie fieberhaft. Er hatte mit Sicherheit angenommen, sie sei es gewöhnt, auf Partys Bekanntschaften zu machen und mitgenommen zu werden. Erst jetzt wurde ihr klar, zu welcher Art Mädchen er sie zählte. Voller Scham stöhnte sie leise.

Er hatte sie in dem Glauben hierher gebracht, dass sie genau wusste, was er vorhatte. Die wunderbaren, zärtlichen Gefühle, die sie beherrschten, waren bei ihm überhaupt nicht vorhanden gewesen. Sie hatte sich ernsthaft in ihn verliebt, und er sah in ihr nur eine Frau, die schnell bereit war, mit ihm eine erotische Nacht zu verbringen.

Der atemberaubende Gedanke an eine Liebe auf den ersten Blick, an eine schicksalhafte Begegnung war nur ein Traum gewesen. Wie hatte sie nur so naiv, so idiotisch sein können? Ihre Unschuld hatte sie in seine Arme getrieben. Nun war sie hin- und hergerissen in ihrem Hass gegen Luke und gegen sich selbst.

Er hatte sie verführt, hatte Komplimente gemacht und Koseworte in ihr Ohr geflüstert. Und er hatte sie geküsst. Mit so viel Zärtlichkeit zuerst, dass sie sich nun verhöhnt vorkam. Alles nur Theater, dachte sie. Blind hatte sie geglaubt, dass auch er so wie sie meinte, es sei Liebe, vom ersten Augenblick an.

Durch ihre eigene Unerfahrenheit war sie betrogen worden. Sie musste verrückt gewesen sein, anzunehmen, dass diese Begegnung heute Abend der Beginn einer großen, echten Liebe sein könnte. Er hat mich benutzt, um seine Lust zu befriedigen, dachte sie bitter und starrte mit brennenden Augen auf diesen gut aussehenden Mann.

Vorsichtig schlüpfte sie aus dem Bett und begann, sich anzuziehen. Ihre Hände zitterten. Doch sie schaffte es endlich. Noch einmal betrachtete sie sein schlafendes Gesicht. Sie würde sich an ihn erinnern, ihr ganzes Leben lang würde sie voller Hass an ihn denken.

Auf Zehenspitzen schlich sie zur Wohnungstür und öffnete sie leise. Sie wusste nicht einmal seinen vollen Namen. Luke, das war alles. Und dieser Name würde sie wohl ständig in Aufruhr bringen. Wie ein Brandmal würde sie dieses Erlebnis ein Leben lang in sich tragen und nichts würde die Scham auslöschen können, die sie darüber empfand.

Clarissa fror, als sie in die kalte Morgendämmerung hinaustrat. Zum Glück kam ein freies Taxi vorbei, dem sie winkte.

„Prosit Neujahr“, begrüßte sie der Fahrer. „War es eine schöne Party?“

Clarissa starrte ihn mit blassem Gesicht und großen brennenden Augen an.

„He, Miss“, rief der Mann, „fühlen Sie sich nicht wohl?“

Autor

Charlotte Lamb

Die britische Autorin Charlotte Lamb begeisterte zahlreiche Fans, ihr richtiger Name war Sheila Holland. Ebenfalls veröffentlichte sie Romane unter den Pseudonymen Sheila Coates, Sheila Lancaster, Victoria Woolf, Laura Hardy sowie unter ihrem richtigen Namen. Insgesamt schrieb sie über 160 Romane, und zwar hauptsächlich Romances, romantische Thriller sowie historische Romane. Weltweit...

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