Falsche Liebesschwüre nach Mitternacht?

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Millionär Alekos Gionakis ist überwältigt. Wie konnte aus seiner unscheinbaren Assistentin plötzlich eine betörende Femme fatale werden? Sicher, Saras Verstand war schon immer messerscharf, aber ihr neues Outfit weckt in ihm pures Begehren! Dabei ist es eine Sache, seinem Vorsatz treu zu bleiben, sich nie zu verlieben - aber eine ganz andere, mit Sara auf einer Jacht die aufregendsten Stunden seines Lebens zu verbringen! Trotzdem, für Alekos steht fest, er kann Frauen für eine Nacht glücklich machen, aber niemals für ein ganzes Leben …
  • Erscheinungstag 20.06.2017
  • Bandnummer 2289
  • ISBN / Artikelnummer 9783733708443
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Kann ich Ihnen helfen?“, erkundigte sich Alekos Gionakis knapp, als er am Montagmorgen in sein Büro kam und dort eine fremde Frau an seiner Espressomaschine hantieren sah.

Im vergangenen Monat hatte er vier Aushilfssekretärinnen gehabt, die sich allesamt als unfähig herausgestellt hatten, seinen hektischen Tagesablauf zu organisieren. Heute war endlich seine ausgesprochen effiziente Assistentin aus dem Urlaub zurück, und Alekos freute sich darauf, dass sein Leben wieder in geordneten Bahnen verlaufen würde.

Er ließ seinen stechenden Blick über das Haar der Fremden gleiten, das in lockeren Wellen über ihre Schultern fiel und alle Brauntöne von Karamell bis zu Milchkaffee zu umfassen schien. Ihre erfreulich kurvige Figur steckte in einer Bluse in dunklem Pink und einem beigefarbenen Bleistiftrock, der einige Zentimeter kürzer als knielang war.

Alekos ließ seinen Blick weiter nach unten wandern, und angesichts ihrer wohlgeformten Beine, die von hochhackigen Schuhen mit einer offenen Zehenpartie noch zusätzlich in Szene gesetzt wurden, durchzuckte ihn männliches Wohlgefallen. Er bemerkte, dass ihre Zehennägel in einem Pink lackiert waren, das eher an einen Strand gepasst hätte als in die renommierten Büros von Gionakis Enterprises am Piccadilly Circus.

„Guten Morgen, Alekos.“

Beim Klang der vertrauten Stimme runzelte er die Stirn. Leise und melodisch, ließ sie ihn an einen kühlen, klaren Gebirgsbach denken.

„Sara?“ War das möglich? Sein Verstand spielte ihm keinen Streich. Es war tatsächlich seine Assistentin, stellte Alekos fest, als die attraktive Frau den Kopf wandte. Obwohl sie ein ganzes Stück von ihm entfernt stand, traf ihn das intensive Grün ihrer Augen bis ins Mark. Diese Augen, so meinte er zu erinnern, waren das einzig Ungewöhnliche an ihr. Zumindest war das so gewesen, solange Saras Arbeitsgarderobe aus einem dunkelblauen Kostüm und einer weißen, hochgeschlossenen Bluse im Sommer und einem schwarzen Rollkragenpullover an kälteren Tagen bestanden hatte.

Als klug, praktisch und völlig unscheinbar hätte Alekos das Auftreten seiner Sekretärin beschrieben, als sie lästigerweise beschlossen hatte, vier Wochen Urlaub in Spanien zu machen. Ursprünglich hatte er ihren Urlaubsantrag abgelehnt, doch sie hatte ihn daran erinnert, dass sie noch keinen Jahresurlaub genommen hatte, seit sie für ihn arbeitete, abgesehen von einem Tag für die Beerdigung ihrer Mutter. Und dabei hatte Sara noch blasser ausgesehen als sonst schon. Alekos war nicht gerade berühmt für sein Feingefühl, aber selbst ihm war klar gewesen, wie anstrengend es für sie gewesen sein musste, sich um ihre todkranke Mutter zu kümmern. Also hatte er ihren ausgedehnten Urlaub schließlich genehmigt.

Er wusste, dass sie geschichtlich interessiert war. Vage hatte er sich vorgestellt, dass sie eine malerische Busrundreise durch Spanien machen und Orte von historischer und architektonischer Bedeutung besichtigen würde. Vermutlich mit Rentnern als Mitreisenden, die ihr freundliches Naturell sicher zu schätzen wussten.

Alekos’ ziemlich gemütliche Vorstellung von den Urlaubsplänen seiner Assistentin war zerstört worden, als sie ihm erzählt hatte, dass sie auf eine YFS-Reise gehen würde, was für Young, Free und Single stand – jung, frei und ungebunden. Wie der Name schon sagte, hatte sich der Reiseanbieter auf Kunden in den Zwanzigern spezialisiert, die jeden Abend ausgehen oder Strandpartys feiern wollten.

Sein Blick fiel wieder auf ihr Haar. Er dachte daran, wie sie in den vergangenen zwei Jahren ausgesehen hatte. Stets hatte sie ihr langes Haar streng nach hinten zu einem Dutt gesteckt, der sich mithilfe eines Arsenals metallener Haarnadeln hartnäckig der Schwerkraft widersetzte.

„Sie tragen Ihr Haar anders“, sagte er abrupt. „Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum Sie so verändert aussehen.“

„Ich habe es im Urlaub schneiden lassen. Es ging mir bis zur Taille, und ich war es leid, es immer hochstecken zu müssen.“ Sie fuhr mit den Fingern durch die seidigen Lagen ihrer neuen Frisur. Im Sonnenlicht, das durch das Fenster schien, schimmerte ihr Haar wie Gold, und Alekos spürte, wie sich in seinem Innern etwas völlig unerwartet zusammenzog.

„Und ich habe endlich meine Brille gegen Kontaktlinsen getauscht. Obwohl ich zugeben muss, dass es eine Weile dauert, bis man sich daran gewöhnt hat.“ Sara klang reumütig. „Manchmal tränen meine Augen noch.“

Alekos war erleichtert, dass sie nicht verführerisch mit den Augen klimperte, sondern vermutlich nur zwinkerte, weil ihre Kontaktlinsen noch ungewohnt waren. Ohne die dicken Brillengläser, mit denen er sie kannte, kamen ihre Wangenknochen besser zur Geltung, und ihr Gesicht war hübscher, als er es in Erinnerung hatte.

Er fragte sich, ob sie irgendeine Art chirurgischen Eingriff an ihren Lippen hatte vornehmen lassen. Bestimmt hätte er sich daran erinnert, wenn ihr Mund schon zuvor so reizvoll gewesen wäre. Theos, diese Andeutung eines Schmollmundes an der Unterlippe … es reizte ihn auszuprobieren, ob sie wirklich so weich war, wie sie aussah. Er zwang sich, diese lächerliche Idee nicht weiter zu verfolgen, und machte sich bewusst, dass dies Miss Mouse war. Diesen Namen hatte eine seiner unzähligen langbeinigen blonden Begleiterinnen Sara herzlos verpasst.

Der Spitzname hatte ihrem unscheinbaren Äußeren entsprochen, nicht aber ihrem trockenen Humor, der Alekos oft amüsiert hatte, und auch nicht ihrem scharfen Verstand und der noch schärferen Zunge, die er zu fürchten gelernt hatte. Denn Sara Lovejoy war die einzige Frau, die er jemals kennengelernt hatte, die keine Angst davor hatte, ihre Meinung zu vertreten – sogar dann, wenn sie im krassen Gegensatz zu seiner eigenen stand.

„Ich stelle Ihnen den Kaffee auf den Schreibtisch, ja?“ Ohne seine Antwort abzuwarten, kam Sara quer durch den Raum und stellte eine Kaffeetasse auf den Schreibtisch, direkt vor Alekos’ Stuhl. Unwillkürlich verfolgte er den Schwung ihrer Hüften, während sie ging, und als sie sich über den Schreibtisch beugte, schmiegte sich ihr Rock noch enger um die Rundung ihres Pos.

Alekos räusperte sich vernehmlich und stellte die Aktentasche vor sich, um den Beweis dafür zu verbergen, dass er erregt war. Was zum Teufel war los mit ihm? Zum ersten Mal seit einem Monat war er heute Morgen mit guter Laune aufgewacht, weil er wusste, dass Sara wieder da war und sie gemeinsam den Stapel abarbeiten würden, der während ihrer Abwesenheit beständig angewachsen war.

Doch die Arbeit war das Letzte, woran er dachte, als sie sich ihm zuwandte und er bemerkte, wie reizvoll sich ihre Seidenbluse an ihre Brüste schmiegte. Die zwei obersten Knöpfe der Bluse waren offen – nicht so weit, dass er ihre Wäsche hätten sehen können, aber weit genug, um seinen Puls zu beschleunigen, als er sich vorstellte, wie er ihr das Kleidungsstück und den Spitzen-BH ausziehen würde, der sich unter der Seide ihrer Bluse abzeichnete.

Er zwang sich, den Blick von ihren Brüsten abzuwenden, und sah stattdessen auf ihre erstaunlich schlanke Taille. Erneut räusperte er sich. „Sie … äh … scheinen abgenommen zu haben.“

„Ja, tatsächlich ein paar Pfund. Vermutlich aufgrund all des Trainings während meines Urlaubs.“

Welche Art von Training mochte sie in einem Urlaub für junge, unabhängige Singles absolviert haben? Alekos war nicht gerade anfällig für Tagträume, jetzt aber wurde sein Hirn bombardiert mit Bildern seiner völlig veränderten Assistentin, die all ihre Hemmungen über Bord warf und dynamische Nächte mit einem spanischen Don Juan genoss.

„Ach ja, Ihr Urlaub. Ich hoffe, er hat Ihnen gefallen?“

„Auf jeden Fall.“

Ihr Grinsen erinnerte ihn an eine zufriedene Katze, die eine Schale Sahne vernascht hatte. „Freut mich, das zu hören“, sagte er knapp. „Aber jetzt sind Sie nicht mehr im Urlaub, und deshalb frage ich mich, warum Sie in einem Outfit zur Arbeit kommen, das mir eher passend für den Strand zu sein scheint als für ein Büro.“

Wenn Alekos in diesem kalten, missbilligenden Ton sprach, reagierten die Leute üblicherweise sofort und zollten ihm den Respekt, den er erwartete. Sara aber zuckte nur die Schultern und strich mit der Hand glättend über ihren Rock.

„Oh, am Strand habe ich weit weniger als dies getragen.“

Hatte sich Sara oben ohne gezeigt? Er versuchte, die Vorstellung seiner sittsamen Assistentin, die ihre nackten Brüste in der Öffentlichkeit zeigte, aus seinem Kopf zu verbannen. „Ich dachte, Sie wollten Ihren Urlaub in Spanien verbringen?“

„Ich habe in letzter Minute meine Pläne geändert.“

Während Alekos nun auch noch die Tatsache verarbeiten musste, dass seine ultraorganisierte Assistentin offenbar keine Schwierigkeiten damit hatte, ihren Urlaub aus einer Laune heraus umzubuchen, schlenderte Sara auf ihn zu. Warum hatte er bis heute nie bemerkt, dass ihre grünen Augen wie Smaragde funkelten, wenn sie lächelte? Es irritierte ihn selbst, einen solch poetischen Unsinn zu denken, aber er konnte nicht aufhören, sie anzustarren.

Zusammen mit ihrem neuen Äußeren trug sie auch ein anderes Parfum, einen verführerischen Duft, der ein intensives Zitrusaroma mit einer exotischen, blumigen Note verband und seine Sinne betörte – und nebenbei noch weit mehr, wie er voller Selbstironie feststellte, als er spürte, wie er hart wurde.

„Also, wo wollen Sie mich haben?“, fragte sie.

„Was?“ In seinem Kopf tauchte ein Bild von Sara auf, die sich auf dem Ledersofa ausstreckte – den Rock weit über die Taille geschoben, die Beine gespreizt. Bei diesem Gedanken erstarrte er.

Er fluchte leise und kämpfte darum, seine ungezügelte Lust wieder unter Kontrolle zu bringen. Dann realisierte er, dass seine Assistentin ihm einen seltsamen Blick zuwarf. „Soll ich den Aktenstapel sortieren, den vermutlich die Aushilfe auf meinem Schreibtisch für mich hinterlassen hat, oder möchten Sie, dass ich hierbleibe und erst einmal Dinge für Sie erledige?“, erklärte sie geduldig.

Sie stemmte die Hände in die Hüften und lenkte dadurch seine Aufmerksamkeit erneut auf ihre Taille, durch die ihre wohlgerundeten Brüste noch mehr zur Geltung kamen. „Ich habe erfahren, dass die Aushilfe, die ich engagiert hatte, nur eine Woche geblieben ist und die Personalabteilung drei weitere Sekretärinnen angeheuert hat, die Sie jedoch alle nach ein paar Tagen wieder gefeuert haben.“

„Sie taugten alle nichts“, blaffte Alekos. Er sah auf die Uhr und stellte fest, dass er zehn Minuten damit verschwendet hatte, seine Assistentin anzustarren, die normalerweise nicht mehr als einen Fünf-Sekunden-Blick wert war. Er war sich nur allzu bewusst, dass Sara plötzlich eine attraktive Frau war, und das beunruhigte ihn. Außerdem ärgerte er sich über sich selbst, dass er körperlich so stark auf sie reagierte. „Ich hoffe, Sie sind darauf vorbereitet, dass wir tonnenweise Arbeit erledigen müssen.“

„Ich hatte erwartet, dass Sie mich an meinem Schreibtisch festbinden würden, sobald ich aus dem Urlaub zurück bin“, erwiderte sie leichthin.

Angesichts ihrer heiteren Miene sah Alekos sie mit schmalen Augen an, und der Gedanke, dass sie sich ihrer Wirkung auf ihn durchaus bewusst war, traf ihn wie ein Schlag. Die Vorstellung von ihr, mit dem Gesicht nach unten auf dem Schreibtisch gefesselt, ließ sein Blut brodeln. Es verwirrte ihn, wie unfähig er war, seine Reaktion auf sie zu kontrollieren.

Dies war die langweilige, farblose Sara. Obwohl er zugeben musste, dass er sie niemals langweilig gefunden hatte. Schon kurz nachdem sie aus dem Sekretariat der Buchhaltung zu seiner persönlichen Assistentin befördert worden war, hatte sie klargestellt, dass sie ihn keineswegs so anbeten würde wie die meisten anderen Frauen. Aber ihre altbackene Erscheinung war ein wesentlicher Grund gewesen, warum er gerade sie ausgewählt hatte. Seine Position als Vorstandsvorsitzender von GE erforderte seine absolute Aufmerksamkeit, und es bestand kein Risiko, dass er sich von Miss Mouse würde ablenken lassen.

Nach dem Tod seines Vaters vor zwei Jahren war Alekos Vorstandsvorsitzender der Firma geworden, die auf den Bau von Luxusjachten spezialisiert war. Damals hatte er beschlossen, dass Saras wenig aufregende Erscheinung, ihre hervorragenden Fähigkeiten als Sekretärin und ihre zuverlässige Arbeit sie zu seiner idealen persönlichen Assistentin machten.

Jetzt ging er um seinen Schreibtisch herum, ließ sich in seinem Stuhl nieder und trank einen Schluck Kaffee, ehe er Sara ansah. „Ich muss ein paar Anrufe tätigen, und Sie haben zweifellos einiges aufzuarbeiten. Kommen Sie in einer halben Stunde in mein Büro, und bringen Sie die Viceroy-Akte mit.“

„Haben Sie nicht etwas vergessen? Das Wörtchen bitte?“, erinnerte Sara ihn knapp. „Ernsthaft, Alekos, es ist kein Wunder, dass Sie vier Aushilfen in ebenso vielen Wochen in die Flucht geschlagen haben, wenn Sie sich ihnen gegenüber genauso verhalten haben. Ich nehme an, Sie haben Ärger mit einer Frau und deshalb so schlechte Laune?“

„Meine Beziehungen dauern nie lange genug, als dass die Frauen lästig werden. Das sollten Sie eigentlich wissen“, entgegnete Alekos sanft. Dann lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und sah sie durchdringend an. „Können Sie mich noch einmal daran erinnern, Sara, warum ich mir Ihre Unverschämtheit bieten lasse?“

Quer durch den Raum bemerkte er, wie ihre Augen funkelten, und ihr Mund verzog sich zu einem Lächeln, das Alekos unerklärlicherweise das Gefühl gab, einen Schlag in den Magen versetzt bekommen zu haben. „Weil ich in meinem Job gut bin und Sie nicht mit mir schlafen wollen. Das haben Sie mir in meinem Bewerbungsgespräch erklärt, und ich nehme an, daran hat sich nichts geändert?“

Damit ging sie aus seinem Büro und schloss die Tür hinter sich, ehe er sich eine passende Erwiderung einfallen lassen konnte. Er starrte auf den Platz, an dem sie noch vor ein paar Sekunden gestanden hatte. Theos, manchmal übertrat sie eine Grenze. Er konnte sich die seltsame Erregung in seinem Magen nicht erklären, die ihn erfasste, als er einen letzten Hauch ihres Parfums wahrnahm.

Saras verblüffende Verwandlung zur Sexbombe verunsicherte ihn. Aber er rief sich in Erinnerung, dass ihre Aufrichtigkeit eines der Dinge war, die er an ihr bewunderte. Er bezweifelte, dass ein anderer von den dreihundert Mitarbeitern in den Londoner Büros von Gionakis Enterprises – wahrscheinlich sogar von den dreitausend Angestellten weltweit – auch nur im Traum daran denken würde, so unverblümt mit ihm zu reden wie Sara. Es war eine erfrischende Ausnahme, dass jemand ihn so herausforderte.

Ganz kurz fragte er sich, was sie wohl dazu sagen würde, wenn er ihr erklärte, dass er seine Meinung geändert habe und durchaus mit ihr schlafen wolle. Würde sie einwilligen, oder wäre Sara die einzige Frau, die ihm widerstand? Beinahe erlag Alekos der Versuchung, es herauszufinden. Aber seine Bodenständigkeit siegte. Dass er sich von Sara angezogen fühlte, war unangenehm, aber es würde vorübergehen. Sie war nicht die einzige Frau auf dieser Welt. Im Gegenteil, es gab eine Menge Frauen, die glücklich wären, ihm aus einer sexuellen Frustration herauszuhelfen. Aber eine gute Assistentin war unbezahlbar.

Sein Terminkalender war voll. Alekos klappte seinen Laptop auf, doch er konnte – völlig ungewöhnlich für ihn – keine Konzentration für seine Arbeit aufbringen. Er drehte sich in seinem Sessel zum Fenster und starrte auf die belebte Straße fünf Stockwerke unter ihm, wo die roten Londoner Busse, schwarze Taxen und lebensmüde Radfahrer um den Platz auf der Fahrbahn konkurrierten.

Er liebte es, in Englands Hauptstadt zu leben. Nach dem Tod seines Vaters hatten die Vorstandsmitglieder und auch seine Familie erwartet, dass Alekos wieder nach Griechenland zurückkehren würde und die Firma von der Niederlassung in Athen aus leiten würde. Sowohl sein Vater Kostas als auch Alekos’ Großvater vor ihm hatten es so gehalten.

Seine Entscheidung, den Hauptsitz der Firma nach London zu verlegen, hatte überwiegend wirtschaftliche Gründe gehabt. Von London aus waren die Kunden in Florida und auf den Bahamas besser zu erreichen, und die weltoffene Hauptstadt eignete sich perfekt dafür, die Kundschaft zu unterhalten, die ausschließlich aus Millionären und Milliardären bestand, die bereit waren, unermessliche Summen für eine Jacht auszugeben.

Alekos war entschlossen gewesen, sich als neuer Vorstandsvorsitzender der Firma abseits des Schaltzentrums seines Vaters in Griechenland zu behaupten. Das riesige Gebäude in Athen, in dem das Hauptquartier von GE seinen Sitz hatte, glich einem Palast – und Kostas Gionakis war der König gewesen. Alekos hatte niemals vergessen, dass er der Thronräuber war.

Seine Miene wurde hart. Dimitri hätte Vorstand sein sollen, nicht er. Aber sein Bruder war tot, seit zwanzig Jahren. Offiziell war es ein tragischer Unfall gewesen. Alekos’ Eltern waren am Boden zerstört gewesen, und er hatte ihnen nie von seinem Verdacht über Dimitris Todesumstände erzählt.

Zu jener Zeit war Alekos vierzehn gewesen. Er war sechs Jahre nach Dimitri geboren, und auch seine drei Schwestern waren älter als er. Sein Bruder war für ihn ein Idol gewesen. Jeder hatte den Erben der Gionakis’ bewundert. Dimitri war attraktiv, sportlich und intelligent, und seit seiner Kindheit war klar gewesen, dass er das Familienunternehmen eines Tages leiten würde. Alekos war der Zweite in der Erbfolge, falls Dimitri etwas Unvorstellbares zustoßen sollte.

Und das Unvorstellbare war passiert. Dimitri war gestorben, und plötzlich war Alekos die Zukunft der Firma gewesen – eine Tatsache, die sein Vater ihm niemals zu vergessen erlaubt hatte.

Hatte Kostas daran geglaubt, dass sein jüngster Sohn ein ebenso guter Firmenchef sein würde wie sein Erstgeborener? Alekos bezweifelte es. Er hatte immer gespürt, dass er in den Augen seines Vaters nur der Zweitbeste war. Und er wusste, dass auch einige Mitarbeiter noch immer dieser Meinung waren, denen sein Playboy-Leben missfiel.

Aber er würde es denen zeigen, die seine Fähigkeiten unterschätzten. In den zwei Jahren, seit er die Firma leitete, waren die Gewinne gestiegen, und sie hatten weltweit neue Märkte erschlossen. Vielleicht wäre sein Vater stolz auf ihn gewesen. Ganz sicher aber konnte er es sich nicht erlauben, sich von seiner Assistentin ablenken zu lassen, nur weil ihr verführerischer neuer Look sein Verlangen geweckt hatte.

Er wandte sich vom Fenster ab, öffnete eine Datei auf dem Laptop und konzentrierte sich resolut auf die Arbeit. Auch wenn er die Firma geerbt hatte, war er es dem Andenken an Dimitri schuldig, sicherzustellen, dass Gionakis Enterprises so erfolgreich blieb wie zu Zeiten seines Vaters – und wie die Firma es ganz sicher auch unter der Leitung seines Bruders gewesen wäre.

Sara ignorierte die Schuldgefühle, als sie an ihrem Schreibtisch vorbeiging, der überhäuft war mit Schriftstücken, denen sie eigentlich ihre Aufmerksamkeit widmen sollte. Stattdessen hastete sie in den Waschraum. Der Spiegel über dem Waschbecken bestätigte ihre Befürchtungen. Ihre geröteten Wangen und die geweiteten Pupillen verrieten ihre Reaktion auf Alekos, die sie nicht in den Griff bekommen hatte.

Sie fühlte sich, als hätte sie die ganze Zeit in seinem Büro den Atem angehalten. Zwei Jahre lang hatte sie es geschafft zu verbergen, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte. Wie kam es, dass ausgerechnet jetzt, nachdem sie ihn einen Monat lang nicht gesehen hatte, ihre Pulsfrequenz raketenartig in die Höhe schoss und ihr Mund trocken wurde?

Das Gefühl, wie ihr Herz gegen ihren Rippenbogen pochte, sobald sie sich in nächster Nähe zu Alekos aufhielt, war nicht neu. Aber sie hatte die Kunst, das hinter einem kühlen Lächeln zu verbergen, perfektioniert, denn ihr war bewusst, dass ihr Job davon abhing. Nachdem Alekos unter mehreren ebenso qualifizierten Kandidatinnen gerade sie zu seiner neuen Assistentin auserkoren hatte, hatte er eindeutig klargemacht, dass er niemals Geschäftliches und Vergnügen miteinander vermengte. Es gab also keine Chance, dass sich mehr zwischen ihnen entwickeln würde.

Seine Arroganz hatte Sara irritiert, und sie hätte ihm beinahe gesagt, dass sie nicht vorhabe, den Fehler ihrer Mutter zu wiederholen und eine Affäre mit ihrem Chef anzufangen.

Während der anderthalb Jahre, in denen sie vor ihrer Beförderung in der Buchhaltung gearbeitet hatte, war ihr zu Ohren gekommen, dass die Vorstandsmitglieder Alekos’ Playboy-Lebensstil keineswegs guthießen, weil er damit die falsche Art Medieninteresse erreiche. Sie verstand, warum er gezwungen war, sein Verhältnis zu den Mitarbeiterinnen auf einer rein beruflichen Ebene zu halten. Was Alekos von seiner Assistentin erwartete, waren Effizienz, Einsatz und die Fähigkeit, sich im Hintergrund zu halten – und die unscheinbare, konservative Sara hatte diese Erwartungen perfekt erfüllt.

Ihre Beförderung zur persönlichen Assistentin des Geschäftsführers von Gionakis Enterprises hatte endlich auch das Lob ihrer Mutter gefunden. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte Sara das Gefühl gehabt, keine Enttäuschung für Joan Lovejoy zu sein. Dieser Nachname war sowieso der allergrößte Irrtum. Im Leben ihrer Mutter hatte es weder Liebe noch Freude gegeben.

Sie fragte sich, ob ihre Mutter den Mann geliebt hatte, der sie erst geschwängert und dann verlassen hatte. Doch Joan hatte sich geweigert, die Identität von Saras Vater preiszugeben.

Sara hatte den größten Teil ihres Lebens damit verbracht, sich mit einem namenlosen Unbekannten zu vergleichen. Bis vor sechs Wochen. Jetzt wusste sie, dass sie ihre grünen Augen von ihrem Vater geerbt hatte. Und er hatte einen Namen. Lionel Kingsley. Ein bekannter Politiker. Als er sie angerufen und eingeräumt hatte, es gebe die Möglichkeit, dass sie seine Tochter sei, war sie verblüfft gewesen. Sie hatte einem DNA-Test zugestimmt, um zu erfahren, ob er wirklich ihr Vater war. Doch sie hatte das Ergebnis schon gewusst, ehe der Test es bestätigt hatte. Sobald sie in den Spiegel blickte, sahen die Augen ihres Vaters sie an.

Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich als ganzer Mensch, und plötzlich ergaben so viele Dinge einen Sinn, etwa ihre Liebe zur Kunst und ihre Kreativität, die sie immer unterdrückt hatte, weil ihre Mutter sie gedrängt hatte, sich auf wissenschaftliche Dinge zu konzentrieren.

Lionel war Witwer und hatte zwei erwachsene Kinder. Ihre Halbgeschwister! Bei dem Gedanken, ihren Halbbruder und ihre Halbschwester kennenzulernen, war Sara aufgeregt und nervös gewesen. Sie verstand Lionels Bedenken, dass die Kinder aus seiner Ehe aufgebracht sein könnten zu erfahren, dass er noch eine uneheliche Tochter hatte. Und sie hatte sich selbst ermahnt, geduldig zu sein und abzuwarten, bis er bereit war, öffentlich zu erklären, dass er ihr Vater war. Letztendlich hatte Lionel sie für ein Wochenende zu sich nach Hause eingeladen, um sie seinen Kindern Freddie und Charlotte Kingsley vorzustellen.

Sara hatte Fotos von ihnen gesehen und entdeckt, dass sie eine markante Ähnlichkeit mit ihren Halbgeschwistern hatte. Aber die körperlichen Ähnlichkeiten zwischen ihr und ihrer Halbschwester trafen nicht auf ihre Art zu, sich zu kleiden. Darin unterschieden sie sich erheblich. Bilder von Charlotte, auf denen sie modische, figurumschmeichelnde Kleider trug, hatten Sara deutlich gemacht, wie altbacken sie im Vergleich dazu wirkte.

Die neuen Kleidungsstücke, die sie während ihres Urlaubs gekauft hatte, waren modern, ohne zu aufreizend zu wirken, versicherte Sara sich. Der Rock und die Bluse, die sie zur Arbeit trug, waren hervorragend für das Büro geeignet. Es war eine Offenbarung für sie gewesen, in den schicken Boutiquen an der französischen Riviera einzukaufen, wo ihr Vater eine Ferienvilla besaß. Die Fotos von ihrer stilsicheren Halbschwester hatten Sara dazu angeregt, farbenfrohe sommerliche Kleider anzuprobieren. Durch das häufige Schwimmen und Tennisspielen hatte sie eine Kleidergröße abgenommen, und sie liebte es, jetzt in Röcke und Kleider zu passen, die ihren leicht gebräunten Körper zeigten.

Sie fuhr sich mit den Fingern durch ihren neuen Stufenschnitt. Noch immer hatte sie sich nicht daran gewöhnt, dass ihr Haar die Schultern umspielte, wenn sie den Kopf drehte. Sie fühlte sich weiblicher damit und … ja, sexy. Vorne hatte sie sich ein paar blonde Strähnen färben lassen, um die in einem Monat unter französischer Sonne heller gewordenen Partien noch zu unterstreichen.

Vielleicht stimmte es wirklich, dass Blondinen mehr Spaß hatten. Tatsache war, dass es ihr ein neues Selbstbewusstsein verliehen hatte, ihren Vater kennenzulernen. Jener Teil von ihr, der bisher gefehlt hatte, war nun vollständig, und Sara wollte nicht mehr in den Hintergrund treten. Als sie heute Morgen mit der U-Bahn zur Arbeit gefahren war, hatte sie sich gefragt, ob Alekos ihre Veränderung wohl bemerken würde.

Sie starrte in ihr gerötetes Gesicht im Spiegel und zog eine Grimasse. Okay, sie hatte gehofft, er werde es registrieren, statt sie weiterhin wie ein Teil der Büroeinrichtung zu behandeln – funktional, notwendig, aber vollkommen uninteressant.

Nun, ihr Wunsch war in Erfüllung gegangen. Alekos war völlig aus der Bahn geraten, als er sie gesehen hatte, und der schockierte Ausdruck in seinen Augen hatte sich in ein nachdenkliches Schimmern verwandelt, während er sie von Kopf bis Fuß gemustert hatte. Als er seinen Blick auf ihren Brüsten hatte ruhen lassen, war eine Hitzewelle durch ihren Körper gezogen. Peinlich berührt befürchtete sie, er könnte bemerkt haben, wie ihre Brustknospen hart geworden waren und verraten hatten, dass er sie mehr interessierte als je ein Mann zuvor.

Autor

Chantelle Shaw
Chantelle Shaw ist in London aufgewachsen. Mit 20 Jahren heiratete sie ihre Jugendliebe. Mit der Geburt des ersten Kindes widmete sie sich ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter, ein Vollzeitjob, da die Familie bald auf sechs Kinder und verschiedene Haustiere anwuchs.

Chantelle Shaw entdeckte die Liebesromane von Mills & Boon,...
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