Leidenschaft wider Willen

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Als ihr verhasster Vater sie endlich als seine Tochter anerkennen will, ist das Charlottes Chance: Mit seinen Millionen kann sie ihre geliebten Wohltätigkeitsprojekte retten! Doch laut einer historischen Klausel darf nur der seiner Erben das Familienimperium übernehmen, der zuerst heiratet. Was nun? Eine Zweckehe mit dem arroganten italienischen Tycoon Dante San Marino scheint die Lösung. Doch was als geschäftliche Vereinbarung beginnt, entfacht bald gefährlich leidenschaftliche Gefühle. Aber kann aus einer Lüge echte Liebe werden?


  • Erscheinungstag 31.03.2026
  • Bandnummer 2746
  • ISBN / Artikelnummer 9783751541749
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Clare Connelly

Leidenschaft wider Willen

PROLOG

Charlottes Finger auf der Computermaus zitterten, als sie zu begreifen versuchte, was sie da gerade sah: eine Überweisung von fünfzigtausend Pfund am Morgen ihres fünfundzwanzigsten Geburtstags. Keine weitere Erklärung, sondern nur der Name des Einzahlers: Papandreo, wie auch auf allen zuvor.

Sie bekam am ganzen Körper eine Gänsehaut und kniff die Augen zusammen, doch das half nicht.

Ihr wurde übel. Doch sie würde jetzt keine Schwäche zulassen. Ihr sogenannter Vater war es nicht wert, überhaupt irgendwelche Gefühle zu zeigen. Was war ein Vater denn schon anderes als ein Samenspender, und das in ihrem Fall bereits vor vielen Jahren. In all der Zeit hatte er sich das Schweigen seiner Tochter mit einer riesigen Geldsumme erkauft, denn Charlotte Shaw war ein finanziell gut ausgestattetes, ansonsten aber schmutziges kleines Geheimnis. Ein uneheliches Kind, dessen Existenz ihre Eltern zutiefst bedauerten.

Mehr noch – sie hatte das Leben ihrer Mutter ruiniert.

Nicht sie persönlich natürlich. Doch die Tatsache, dass ihre Mutter schwanger gewesen war von einem verheirateten Mann, der seine Frau zu sehr liebte, um sie zu verlassen. Allerdings nicht genug, um ihr treu zu sein.

Er hatte einen Treuhandfonds für Charlotte angelegt, und jedes Jahr zu ihrem Geburtstag erwartete sie ein großzügiges Geldgeschenk auf ihrem Konto. Aus schlechtem Gewissen? Wahrscheinlich eher als Erinnerung, Stillschweigen über ihre Existenz zu wahren, wie Charlotte vermutete, denn mit dem Geld ihres unermesslich reichen „Vaters“ wurde nicht nur Charlotte unterstützt, sondern insbesondere ihre Mutter Mariah, die mit gebrochenem Herzen und einem unehelichen Kind zurückblieb. Sie hatte den Fehler gemacht, sich in einen Mann zu verlieben, der niemals seine Ehefrau verlassen würde.

Charlotte meldete sich aus dem Onlinebanking ab und stand auf. Sie riss das Fenster auf, sog die frische Luft ein und versuchte, sich zu beruhigen.

Sie wusste, dass das, was für sie ein Vermögen bedeutete, für ihn nur eine nichtssagende Summe war. Es hatte nichts zu bedeuten. Sie war ihm nicht wichtig, und das würde sich niemals ändern.

1. KAPITEL

Ausdruckslos blickte Charlotte den Notar an. Seine Worte erreichten sie nicht. Nur einige wenige Fakten drangen zu ihr durch.

Nach dem Tod der Frau Ihres Vaters …

Will Sie offiziell anerkennen …

Ihr Geburtsrecht … irgendwann Erbin des Papandreo-
Konzerns …

Eine Ehe ist Grundvoraussetzung dafür, dass Sie Miteigentümerin werden …

Mechanisch nickte sie, auch wenn das alles keinen Sinn ergab. Ihr Verstand hatte sie in dem Moment verlassen, als sie die schicke Kanzlei betreten hatte und gleich von drei Anwälten in maßgeschneiderten Anzügen mit einer formvollendeten Verbeugung begrüßt worden war.

„Haben Sie noch Fragen dazu, Miss Shaw?“

Irritiert sah Charlotte den ältesten der drei Männer an. Er trug eine Brille mit Goldrand, und sein Haar wurde an den Schläfen bereits grau. Sie machte sich bewusst, dass auch sie Anwältin war. Gut, eine andere als diese drei Typen hier. Sie machte Rechtsberatungen für Klienten, die sich keinen Anwalt leisten konnten. Ihre Kollegen und sie trugen Jeans, zum Lunch holten sie sich Nudeln beim Imbiss um die Ecke, und ihr Einkommen war absolut nicht vergleichbar mit diesen Kollegen.

Doch sie kannte ihr Metier mit all seinen Fallstricken, da machte ihr so schnell niemand etwas vor.

„Lassen Sie mich die Fakten zusammenfassen.“ Sie griff nach ihrer Kaffeetasse aus feinstem Porzellan. Schon nach dem ersten Schluck spürte sie, wie das Koffein seine Wirkung entfaltete. „Die Frau meines biologischen Vaters ist gestorben.“

Sie wartete kurz auf Zustimmung.

Der Notar links vom Ältesten nickte.

Charlotte presste die Lippen zusammen. Da es in ihrem Leben nie jemanden gegeben hatte, den sie Dad genannt hatte, beharrte sie auf dem Begriff biologischer Vater, wenn es um Aristoteles Papandreo ging. Ihre Mutter hatte nie geheiratet und sich – soweit Charlotte wusste – nicht einmal mit Männern getroffen. Wie auch? Nachdem Papandreo sie mit dem Kind hatte sitzenlassen, war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst gewesen.

„Und infolgedessen ist er zu dem Entschluss gekommen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, mich als seine Tochter offiziell anzuerkennen?“ Sie musste ein wenig mit sich kämpfen, das letzte Wort auszusprechen. Auch wenn sie über die Jahre ihr Herz gestählt und sich immer wieder gesagt hatte, dass sie ihren Vater gar nicht kennenlernen wolle, war die Wunde doch nie ganz verheilt.

„Genau“, bestätigte der Notar mit den grauen Schläfen mit einem strahlenden Lächeln, als hätte er gerade verkündet, ihr größter Wunsch sei endlich in Erfüllung gegangen.

Sie sah ihn kurz an. „Und jetzt will er mich also kennenlernen“, fuhr sie fort.

„Zu gegebener Zeit, ja.“

Das klang für Charlotte so, als wollte er am liebsten einen Rückzieher machen. Für einen Mann, der vierundzwanzig Jahre lang seine Tochter verleugnet hatte, war diese Formulierung viel zu butterweich.

„Ich verstehe.“

„Der Grund, warum er uns beauftragt hat“, mischte sich jetzt der blonde Anwalt ein, „ist, dass es noch einige Formalitäten zu klären gibt.“

„Sie haben die Firma erwähnt“, sagte sie und trank noch einen Schluck Kaffee.

„Die Papandreo-Gruppe hat eine lange Tradition“, erklärte er weiter. „Sie ist aus einer Privatbank mit Sitz in Athen hervorgegangen, gegründet im siebzehnten Jahrhundert. Es gibt eine historische – manche sagen auch geheimnisvolle – Klausel, was die Nutzung eines Großteils der Vermögenswerte betrifft. Sie ist erstaunlicherweise bis heute in Kraft.“

Charlotte verschränkte die Hände und legte sie in den Schoß.

„Danach erbt unter den Nachkommen der Familie derjenige das Unternehmen und damit auch die Kontrolle über alle Firmenzweige, der zuerst heiratet.“

Sie nickte erneut. „Sie wollen damit sagen, dass ich Firmenchefin würde, wenn ich verheiratet wäre.“

„Das ist exakt der Punkt“, bestätigte der Blondschopf.

Plötzlich war Charlottes Mund wie ausgetrocknet. „Ich bin aber nicht verheiratet.“

„Genau. Und Ihr Halbbruder, Zeus Papandreo, führt die Firma bereits äußerst erfolgreich“, sagte der ältere Anwalt wie nebenbei. Doch das machte die Ungerechtigkeit für Charlotte nur noch ungeheuerlicher. „Außerdem haben Sie ja auch einen Beruf. Statt sich mit den Bedingungen der Firmensatzung auseinanderzusetzen, sollten Sie sich lieber auf das finanzielle Arrangement konzentrieren, das Aristoteles in Ihrem Sinn getroffen hat. Und darauf, dass er Sie offiziell in den Schoß der Familie aufnehmen will.“

Charlotte hätte am liebsten geschrien. Nur mit äußerster Selbstbeherrschung schaffte sie es, ruhig zu bleiben. Es war gerade alles zu viel: Die Informationen, die auf sie einprasselten, die Bitterkeit, der Schmerz. Sie schob ihren Stuhl zurück, stand auf und stellte sich dahinter. Unwillkürlich grub sie die Finger in das weiche Leder der Rückenlehne. Ihr war bewusst, dass die drei Anwälte sie anstarrten.

„Vielen Dank, dass Sie mir Ihre Zeit gewidmet haben, meine Herren. Es gibt eine Menge, über das ich nun nachdenken muss.“

„Das war doch selbstverständlich.“ Der Blondschopf hatte sich als Erster wieder gefasst. Er griff in die Brusttasche seines Jacketts, zog eine Visitenkarte aus festem weißem Papier heraus und legte sie vor Charlotte auf den Tisch. „Hier sind meine Kontaktdaten. Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie mich an – jederzeit.“

„Danke.“ Charlotte nickte ihm zu. Dann schob sie die Karte in die Tasche ihrer hautengen Lederhose, die sie im Secondhandshop erstanden hatte. „Das werde ich tun.“

„Nun gut.“ Auch der ältere Anwalt erhob sich nun und rieb die Hände aneinander, als wollte er sich zu einem gelungenen Geschäft gratulieren. „Was soll ich Mr. Papandreo ausrichten?“

„Ausrichten?“, wiederholte Charlotte verständnislos.

„Er wünscht, über den Ausgang unseres Gesprächs informiert zu werden. Könnten Sie uns sagen …“

Charlotte schnitt ein Gesicht. Ihr Vater hatte plötzlich beschlossen, sie anzuerkennen, und erwartete nun einen dankbaren Kniefall von ihr? Das würde nicht passieren.

„Es gibt nichts – gar nichts –, was ich diesem Mann zu sagen habe. Und es sollte ihn freuen, das zu hören, denn glauben Sie mir, wenn ich auch nur ein Wort an ihn verschwenden würde, wäre er hochgradig geschockt.“ Einen Moment lang genoss sie die entsetzten Gesichter der Männer. „Selbstverständlich können Sie ihm genau das ausrichten. Vielen Dank, dass Sie mir Ihre Zeit gewidmet haben.“

Dann wandte sie sich um und verließ den Raum. Ihre gerade Haltung zeugte von mehr Selbstbewusstsein, als sie tatsächlich empfand. Sie verkniff sich jede weitere Bemerkung, auch wenn ihr Myriaden von Worten im Kopf herumgingen, die sie ihrem Vater am liebsten entgegengeschleudert hätte. Und zwar direkt, ohne seine Anwälte.

Oh, wie sie diesen Mann hasste und seinen schmierigen, arroganten Sohn noch dazu. Sie verabscheute die beiden.

Aristoteles Papandreo hatte sie nicht nur dadurch verletzt, dass er sie nie als Tochter anerkannt oder sich auch nur für sie interessiert hatte. Dass er einen Sohn hatte, wog noch viel schwerer. Ein verwöhntes Kind, das behütet inmitten der Familie Papandreo aufgewachsen war. Nur so hatte er das Selbstbewusstsein eines Mannes entwickeln können, der glaubte, keine Fehler zu machen.

Aristoteles hatte zwei Kinder. Eines war der Mittelpunkt seines Lebens. Das andere dagegen war ein Geheimnis geblieben, dessen er sich schämte.

Jetzt blieb sie stehen. Vor ihr lag die U-Bahn-Station, deren helles Licht Sicherheit versprach. Doch sie ignorierte es und lehnte sich an die Klinkermauer eines Schnellimbisses, der jetzt, zur Mittagszeit, überfüllt war. Es war ein warmer Tag und der Stein heiß von der Sonne, doch das nahm Charlotte gar nicht wahr.

Sie hasste Aristoteles ebenso wie Zeus so sehr.

Manchmal stellte sie sich vor, wie sie sich an ihnen dafür rächen würde, dass die beiden sie und ihre Mutter so sehr verletzt hatten.

Mit ihrer Geschichte zur Presse zu gehen, war nie eine Option für sie gewesen. Denn auch wenn Charlotte nie auch nur einen Cent von Aristoteles’ Geld für sich genommen hatte – abgesehen vom Schulgeld –, hatte seine finanzielle Unterstützung ihrer Mutter ein sorgenfreies Leben ermöglicht, und Charlotte würde nichts tun, was ihrer Mutter schaden könnte.

Sie zweifelte nicht daran, dass ein Mann, der herzlos genug war, seine Tochter zu verleugnen, auch nicht zögern würde, ihr sofort den Geldhahn zuzudrehen und jede finanzielle Unterstützung der vergangenen Jahre zurückzufordern. Deshalb hatte sie ihre Herkunft nie öffentlich gemacht.

Es hatte auch nie eine andere Möglichkeit gegeben, der Familie zu schaden.

Bis jetzt.

Die Anwälte hatten ihr den Schlüssel zum Königreich vor die Nase gehalten – und sie ahnten gar nicht, wie gern Charlotte diese Chance ergreifen würde.

Unter den Nachkommen der Familie erbt derjenige das Unternehmen – und damit auch die Kontrolle über alle Firmenzweige –, der zuerst heiratet.

Ihr Herz raste, in ihrem Kopf drehte sich alles. Es war ebenso absurd wie beleidigend. Allein der Gedanke, dass jemandem nur deshalb etwas zugestanden wurde, weil er oder sie verheiratet war, widerstrebte ihr absolut. Es war, wie der Anwalt gesagt hatte, völlig aus der Zeit gefallen. Doch die Papandreo-Gruppe bestand schließlich auch schon lange und beruhte deshalb auf uralten Regeln.

Sie würde diese Regeln überhaupt nicht infrage stellen. Vielmehr empfand sie diesen Passus geradezu als Geschenk, denn ihr war bewusst, was die Firma für ihren „Vater“ und ihren „Bruder“ bedeutete. Deshalb würde sie es genießen, ihnen die Unternehmensleitung streitig zu machen.

Sie wusste auch schon, wie.

2. KAPITEL

Dante San Marino spürte förmlich, wie sämtliche Farbe aus seinem Gesicht wich. Bei der Erwähnung des Wortes „Heirat“ brach ihm der kalte Schweiß aus. Er war noch von seinem ersten Vorstoß in die Welt der Verheirateten vollkommen traumatisiert.

Es war der einzige große Fehler, den er in seinem Leben bisher gemacht hatte. Deshalb hatte er keinerlei Interesse, diesen noch einmal zu wiederholen. Erst recht nicht mit der Frau, mit der er seit einem halben Jahr eine sehr befriedigende und lockere Beziehung führte. Zumindest hatte er bisher geglaubt, sie wäre locker – und das in beiderseitigem Einverständnis. Doch jetzt saß Charlotte ihm gegenüber und fragte ihn ganz nebenbei, ob er sie heiraten wolle. Als ginge es nur darum, sich ein Dessert auszusuchen.

„Ich dachte, das hätte ich dir erklärt.“ Seine Stimme war tief und befehlsgewohnt. Er griff nach seinem Wasserglas und ließ den Blick auf der Frau ruhen, von der er noch bis vor wenigen Minuten angenommen hatte, sie würden gleich eine weitere berauschende Nacht in seinem Bett verbringen. „Das zwischen uns ist nichts Ernstes.“

Charlotte sah ihn mit ihren großen grünen Augen ruhig an. „Das ist mir bewusst.“

„Und trotzdem machst du mir einen Antrag?“

Ihre Lippen – der dunkelrote Lippenstift ließ sie noch voller wirken, als sie von Natur aus schon waren – verzogen sich zu einem verschwörerischen Lächeln.

„Nicht im Sinn einer traditionellen Heirat.“

„Sondern?“, hakte er nach und zog die Augenbrauen hoch.

Sie griff nach ihrem Aperol Spritz, den sie bisher nicht angerührt hatte.

Als müsste sie sich Mut antrinken, dachte er. Gleichzeitig aber wusste er, dass Charlotte äußerst selbstbewusst und unabhängig war – zwei Eigenschaften, die er sehr an ihr schätzte.

„Es gibt Ehen, die werden aus sehr vernünftigen Gründen geschlossen.“

Allein das Wort Ehe jagte ihm einen Schauer über den Rücken. „Wir werden nicht heiraten.“

„Hör mir bitte zu. Das bist du mir schuldig, findest du nicht?“

Ihre Frage wie war ein elektrischer Schlag, der ihn durchfuhr. „Ich bin dir gar nichts schuldig. Wir waren uns einig, dass wir miteinander keine feste Beziehung wollen. Und wir haben beide unseren Spaß.“

„Das stimmt“, lenkte sie ein. Ehrlichkeit war eine weitere Charaktereigenschaft, die er an Charlotte schätzte.

„Du hast gesagt, dass du niemals heiraten willst“, sagte er.

„Das will ich auch nicht.“

„Dann ergibt das gerade keinen Sinn.“

Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, das ihre weißen Zähne und ihre Grübchen zum Vorschein kommen ließ. Damit hatte sie ihn an jenem Abend verzaubert, als sie sich auf einer Benefizgala zum ersten Mal begegnet waren. Ihr Selbstvertrauen und ihre Bodenständigkeit hatten ihn wenig später komplett für sie eingenommen.

„Du bist schon der zweite Mensch in dieser Woche, der das zu mir sagt.“

Fragend sah Dante sie an, und Charlotte machte eine wegwerfende Handbewegung. „Jane findet, dass ich komplett verrückt bin.“

Auch Jane hatte er an jenem Abend kennengelernt, doch er erinnerte sich an kaum mehr, als dass sie blond war und ein schwarzes langes Kleid getragen hatte. Durch Charlottes Erzählungen aber wusste er, dass die beiden Frauen sich eine Wohnung teilten, zusammenarbeiteten und quasi unzertrennlich waren. Es beruhigte ihn, dass Charlottes beste Freundin dasselbe Urteil über sie gefällt hatte wie er.

„Dann lass uns die Sache einfach vergessen und uns erfreulicheren Themen zuwenden“, schlug er vor.

„Und zwar?“

Unter dem Tisch streckte er einen Fuß aus und ließ ihn langsam über ihren Schenkel gleiten. Amüsiert bemerkte er, dass sich ihre Augen vor Überraschung weiteten. „Das hier“, sagte er.

Sie biss sich auf die Lippe. „Dante, hör mir zu“, sagte sie hastig, und ihre Hände, mit denen sie ihr Glas hielt, zitterten. „Ich weiß, es ist nur Sex. Genau deshalb habe ich dich zuerst gefragt.“

Er zuckte zusammen. Zuerst bedeutete, es gab noch andere außer ihm, die sie fragen würde, wenn er bei seinem Nein blieb.

„Ich schlafe gern mit dir“, fuhr sie so beiläufig fort, als sprächen sie über das Wetter. „Doch viel wichtiger ist mir, dass wir beide gegenüber vielen Dingen dieselbe Einstellung haben.“

Stirnrunzelnd wartete Dante ab. Tatsächlich waren sie häufig gegenteiliger Meinung. Charlotte war eine unabhängige Frau, die ihre Kleidung secondhand kaufte und von niemandem etwas annahm. Er bewunderte ihren Stolz, nicht aber ihren Hass auf jeglichen finanziellen Erfolg und den Kapitalismus.

„Wir sind wie Feuer und Wasser, Shaw, und das weißt du auch.“

Sie lachte, aber das half nicht, die Situation zu entspannen. Im Gegenteil – ganz plötzlich wünschte Dante sich, er könnte nicht nur dieses Gespräch, sondern das gesamte Dinner sofort beenden und geradewegs mit ihr in seine Wohnung zurückkehren.

„Okay, du hast recht. Wir sind wie Feuer und Wasser. Doch gerade das macht den Plan so überzeugend.“

„Warum?“, erkundigte er sich, auch wenn er die Konversation nur mit leichtem Widerwillen fortsetzte.

„Wir mögen uns nicht besonders“, begann sie und zuckte die Schultern.

„Ich mag dich durchaus“, widersprach er.

„Du magst es, mit mir zu schlafen“, korrigierte sie ihn. „In unserer Beziehung geht es nur um Sex. Und das war nie anders. Ich halte dich für arrogant, oberflächlich, rechthaberisch, kapitalistisch und manchmal ziemlich rücksichtslos.“

Ihre Beschreibung war so ehrlich und unverblümt und dabei absolut treffend, dass er lachen musste.

„Und ich finde dich außerdem eiskalt“, fügte sie noch hinzu. „Man kratzt bei dir nur an der Oberfläche, weiter schafft es niemand. Doch das ist okay, denn im Bett ist es alles andere als kalt mit dir. Und nur das interessiert mich.“

„Abgesehen von der Sache mit der Hochzeit“, kam er wieder auf das ursprüngliche Thema zu sprechen. Insgeheim musste er zugeben, froh zu sein, dass sie seine Charakterstudie beendet hatte.

„Genau.“ Zustimmend nickte sie. „Die Sache ist die: Ich muss heiraten, und zwar schnell. Ich habe keine Zeit für eine lange Verlobungszeit. Im Ernstfall heuere ich jemanden an und lasse mir eine wasserdichte Geheimhaltungsklausel unterschreiben. Obwohl … nein, es muss schon eine echte Ehe sein. Aber ich kann niemanden heiraten, der mich mag oder ich ihn. Auf emotionale Probleme habe ich keine Lust. Es muss so unkompliziert wie möglich sein.“

Er nickte, als ergäbe all das Sinn. In Wirklichkeit war genau das Gegenteil der Fall. Also versuchte er, sich auf die Fakten zu konzentrieren, die nur angedeutet worden waren. Er beugte sich vor und sah sie durchdringend an, und plötzlich glaubte er zu begreifen. „Charlotte, bist du … schwanger?“ Sein Ton war ruhig, aber sein Puls raste.

Sie sah ihn erschrocken an. „Was?“

„Ich meine, wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert, aber der einzige Grund, den ich mir für eine übereilte Hochzeit vorstellen kann, ist eine Schwangerschaft.“

„Ist das dein Ernst?“ Flammende Röte überzog ihre Wangen. „Ich bin ohne Vater aufgewachsen, und meine Mutter hat das sehr gut hinbekommen. Ich würde niemals heiraten, nur weil ich ein Kind von irgendeinem Kerl erwarte.“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Und dieser Kerl bin in diesem Fall ich?“

„Irgendjemand“, wich sie aus.

„Und wenn dieser Kerl – nehmen wir mal an, es ginge um mich – wegen eines Babys würde heiraten wollen?“

Verblüfft sah sie ihn an. Kurz flackerte in ihrem Blick etwas auf, das er für Schmerz hielt. Dann aber hatte sie sich wieder gefangen. „Dann müsste dieser Typ – im Zweifel also du – das Ganze noch einmal überdenken.“

„Und was wäre mit dem Baby?“

Sie richtete sich auf und versuchte sichtlich, ruhig zu bleiben. „Was mit dem Baby wäre?“, wiederholte sie in einem hochmütigen Tonfall.

„Nenn mich altmodisch, aber ist es nicht besser, wenn ein Paar es schafft, ein Kind zusammen großzuziehen?“

„Besser als was?“ Mit zusammengekniffenen Augen sah sie ihn an.

„Besser als die Alternative.“

„Und die wäre?“

„Alleinerziehend zu sein.“

„Genau darüber habe ich eben gesprochen“, sagte sie und sah ihn verständnislos an. „Das ist der Grund, warum ich nie mehr von dir will als Sex.“

Er lachte und schüttelte ungläubig den Kopf. In diesem Moment kam der Kellner an ihren Tisch, und Dante gab die Bestellung auf, ohne in die Karte zu schauen. Zusätzlich bestellte er eine Flasche Champagner. Auch wenn es eigentlich nichts zu feiern gab, so hoffte er, dass diese bizarre Konversation bald beendet wäre und sie zum vergnüglichen Teil des Abends übergehen könnten.

„Du sagst solche Dinge, als wären sie selbstverständlich. Aber das sind sie nicht. Zu heiraten ist eine zutiefst persönliche Entscheidung. Niemand sollte nur wegen eines Babys heiraten, denn das kann auch von einem Elternteil allein großgezogen werden – ich bin das beste Beispiel dafür. Zwei erwachsene Menschen, die nicht an die Ehe glauben, brauchen keine alberne Zeremonie.“

Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und genoss es, wie ihre Augen blitzten, weil sie sich so ereiferte. Ihr kastanienbraunes Haar rahmte weich ihr ebenmäßiges Gesicht und ließ ihren elfenbeinfarbenen Teint noch heller erscheinen. Am besten aber gefiel es ihm, wie ihr Dekolleté sich hob und senkte, während sie einatmete.

„Wir können uns darauf einigen, dass wir in diesem Punkt unterschiedlicher Meinung sind. Schließlich spielt es keine Rolle“, sagte er versöhnlich.

„Gut.“ Sie wandte den Blick ab, und wieder schien sie um Fassung zu ringen.

Der Kellner kam zurück und schickte sich an, die Champagnerflasche zu entkorken. Doch Dante schüttelte den Kopf und griff danach. „Das würde ich später gern selbst tun“, sagte er zu dem Mann. Dafür wollte er mit Charlotte allein sein, und zwar lieber früher als später.

Also reichte ihm der Ober die eindeutig teure Flasche, und Dante legte eine Hand um den kühlen Flaschenhals.

„Wenn du nicht schwanger bist – warum dann die plötzliche Notwendigkeit zu heiraten?“

Sie verdrehte die Augen auf eine Weise, die er albern fand, gleichzeitig aber reizvoll. Er biss die Zähne zusammen.

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