Rasanter Pakt mit dem sexy Boss

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Die Presse stürzt sich auf die junge PR-Expertin Millie James: Ihr Boss, der arrogante Rennchampion Taz De Rossi, hat öffentlich verkündet, dass sie ein Paar sind. Was für eine freche Lüge! Millie hat sich doch nicht selbst gemeint, als sie ihm vorschlug, eine seriöse Partnerin zu finden, damit er endlich seinen Playboy-Ruf loswird. Doch mit seinem Charme bringt Taz sie dazu, diesen ebenso rasanten wie verführerischen Pakt mit ihm zu schließen: Sie spielt seine Geliebte. Nur auf Zeit, oder?


  • Erscheinungstag 17.02.2026
  • Bandnummer 042026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751541671
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Joss Wood

Rasanter Pakt mit dem sexy Boss

1. KAPITEL

Shanghai

„Er ist spät dran. Warum ist er zu spät?“

Millie James, die in der luxuriösen Hospitality-Suite des Teams De Rossi stand, die über der Boxengasse lag, schluckte ihr Bedürfnis herunter, Sylvie ironisch zu fragen, ob sie Taz De Rossi wirklich kannte. Seit sie vor sechs Wochen, als die Formel-1-Saison begonnen hatte, als Pressesprecherin für Taz arbeitete, war er nie pünktlich zu einem Pressetermin erschienen. Und da sie dafür verantwortlich war, die Anfragen der Medien und die Öffentlichkeitsarbeit zu organisieren, verbrachte sie viel Zeit damit, sich für sein spätes Erscheinen oder sein Nichterscheinen zu entschuldigen. Sie wusste nicht, warum Sylvie damit rechnete, dass Taz bei dem PR-Briefing für das Team teilnehmen würde, denn in dieser Saison war er noch bei keinem aufgetaucht.

Der Besitzer und wichtigste Fahrer des berühmten F1-Teams tat nie etwas, was er nicht wollte. Und warum sollte er auch? Er entstammte einer berühmten Familie von Rennfahrern und war auf dem Weg, seinen älteren Bruder zu übertrumpfen, der dreimal hintereinander Formel-1-Weltmeister geworden war.

Und er war bei Weitem auch der schwierigste, wenn nicht sogar der heißeste Klient, für den sie je gearbeitet hatte.

Arrogant, selbstbewusst und nervig, aber trotzdem sehr attraktiv.

Genau wie ihre Eltern stand er auf der Sonnenseite des Lebens. Als sie zurückrechnete, wurde ihr bewusst, dass sie seit Monaten nichts mehr von ihnen gehört hatte.

Millie seufzte. Ihre Familie …

Es war unmöglich, an ihre Eltern zu denken, ohne an ihre Tante und den Onkel zu denken. Ihre Mutter und die Tante waren Zwillinge, und die beiden Familien lebten Tür an Tür. Sie und ihr Cousin Ben, beide Einzelkinder, waren wie Geschwister aufgewachsen und hatten sich sehr nahegestanden. Ihre Verbindung wurde noch verstärkt durch die Kritik der Eltern, deren Vernachlässigung und Gleichgültigkeit. Ben hatte oft gewitzelt, sie seien sehr ausgeglichen, wenn man bedachte, dass sie von den vier egozentrischsten Menschen auf dieser Erde aufgezogen worden waren. Wobei Ben weniger betroffen gewesen war als sie von deren Verrücktheiten.

Es stimmte, dass die Guten jung starben …

Millie warf einen Blick auf ihr Amulett, einen silbernen Rennwagen, der an ihrem schweren silbernen Armband baumelte. Während das zehnte Todesjahr von Ben näherrückte, hatte sie angefangen, ihr Leben zu hinterfragen. Wer sie war, was sie wollte und wohin ihr Leben sie führen würde. In letzter Zeit hatte sie Bens Stimme laut und deutlich vernommen.

Du bist überqualifiziert als Junior-PR-Beraterin. Du hättest bei der Beförderung nicht übergangen werden sollen. Du trittst auf der Stelle.

Er hatte ihr, als Einziger, immer wieder gesagt, sie sei intelligent, begabt und interessant.

In ihrer Jugend und als junge Erwachsene hatte sie seine Angebote ignoriert, ihm bei Rennen in den tollsten Städten der Welt zuzusehen. Ihre Schüchternheit und ihr mangelndes Selbstbewusstsein hatten sie davon abgehalten, in die Welt der Reichen und Schönen einzutauchen. Und dann war Ben bei einem schrecklichen Unfall gestorben, und Millie hatte jahrelang nichts mehr mit dem Rennsport zu tun haben wollen.

Bis sie die Stellenanzeige für eine Pressesprecherin für den Rennstall von De Rossi entdeckt hatte, Bens altem Formel-1-Team. Sie hatte ihren sicheren Job in der Kundenakquise bei einer PR-Agentur aufgegeben, um einen zehnmonatigen Vertrag für De Rossi zu unterschreiben.

Obwohl sie die Unsicherheit hasste, weil sie nicht wusste, wie es nach Beendigung ihres Vertrags weitergehen würde, hatte Millie ihre Entscheidung nie angezweifelt. Sie musste hier sein, in der Welt, die Ben geliebt hatte und wo seine Stimme am lautesten in ihrem Kopf war, um ein paar schwere Entscheidungen zu treffen. Einschließlich deren, ob sie sich auch so sah, wie Ben sie gesehen hatte – intelligent, begabt und interessant. Oder so wie ihre Eltern, die sie als langweilig und bieder betrachtet hatten. Sie hingegen waren verwegen und schön und hatten kein Problem damit, im Rampenlicht zu stehen. Sie sehnten sich nach Aufmerksamkeit und betrachteten Millies Schüchternheit und Zurückhaltung als Charakterfehler. In ihren Augen war sie unzulänglich. Wie konnten sie etwas so Gewöhnliches gezeugt haben? Das waren exakt ihre Worte gewesen.

Seit Bens Tod war sie ihnen und dem Onkel und der Tante so gut wie möglich aus dem Weg gegangen, während sie sich auf die Leere einstellte, die Ben in ihrem Leben zurückgelassen hatte. Mit Durchhaltevermögen und emotionaler Distanz hatte sie es geschafft, den Kopf über Wasser zu halten. Doch die Möglichkeit, Taz De Rossis Pressesprecherin zu werden, schien ein Zeichen, nicht länger auf der Stelle zu treten. Weiterzumachen und wieder zu leben, indem sie in Bens Welt eintauchte. Die Welt ihres besten Freundes, ihres Bruders, den sie geliebt hatte.

Mika, die leitende PR-Beauftragte, stöhnte, schlug sich ihr Handy gegen die Stirn und riss Millie aus ihren Gedanken. Millie merkte, wie verzweifelt Mika war. Genau wie Sylvie. „Was hat er denn jetzt wieder angestellt?“

Mika hielt ihr Handy hin, und sie und Sylvie spähten auf die Fotos auf dem Bildschirm. Millie erkannte Lily’s, einen Club in London. Auf den Fotos sah man, dass Taz sich in dem exklusiven Treffpunkt vergnügte, wie es häufig vorkam. Was diese Bilder aber so bemerkenswert machte, war, dass er den Club nicht mit Phoebe verließ, seiner Freundin, mit der er eine sprunghafte Beziehung hatte, sondern dass er die Hand einer umwerfenden Blondine hielt.

Es war Meredith, die Verlobte von Taz’ verstorbenem Bruder. Sie versuchte, mit der anderen Hand die Augen vor dem Blitzlichtgewitter zu schützen. Und Taz sah aus, als wollte er jemanden schlagen.

Allerdings sah er oft so aus. Im Gegensatz zu seinem Bruder Alex, der charmant, zugänglich und kontaktfreudig gewesen war, wirkte Taz’ Miene gleichzeitig einschüchternd und grüblerisch. Und er hatte das Gesicht dazu, um diese Wirkung zu erzielen. Eindringliche graue Augen, eine lange Nase und hohe Wangenknochen, dazu dunkelbraune, beinahe schwarze Haare. Alex war ein attraktives Aushängeschild gewesen, Taz mit seinen fast harten Gesichtszügen eher viel maskuliner. Wie bei einem guten Gemälde konnte man sein Gesicht immer wieder ansehen und war jedes Mal aufs Neue gefesselt.

Doch jeder wusste, dass Taz sich nie häuslich niederlassen würde. Der Gedanke war unvorstellbar. Er war einer der begehrtesten Junggesellen und entschlossen, es auch zu bleiben. Er war egoistisch, ein wenig narzisstisch und sehr ehrgeizig. Mit seiner fordernden, abweisenden und schwierigen Art hatte er sehr viel Ähnlichkeit mit Millies Eltern. In den sechs Wochen, seit sie für ihn arbeitete, war sie in seiner Gegenwart oft unsicher gewesen und hatte keinen Ton herausgebracht. Sie hatte sich in Erinnerung gerufen, dass sie jetzt erwachsen war und nicht mehr das verängstigte, schüchterne und sprachlose Kind, das im Schatten seiner strahlenden Eltern stand.

Privat ging sie Taz und Menschen seiner Sorte aus dem Weg, was ihr leider beruflich nicht möglich war.

„Was denkt Taz sich eigentlich dabei?“, wollte Mika jetzt wissen. „Er weiß doch, dass Meredith tabu ist.“

„Glaubst du, dass sie zusammen zum Club gegangen sind?“, fragte Sylvie stirnrunzelnd.

„Jedenfalls haben sie ihn zusammen verlassen“, gab Mika zurück. „Und laut dem Klatsch im Internet haben sie fast den ganzen Abend eng nebeneinander in einer Nische gesessen.“

Millie warf noch einmal einen Blick auf das Foto. Taz trug ein weißes Button-down-Hemd und schwarze Jeans. Mit seiner Größe von etwa einem Meter fünfundachtzig ragte er über dem schlanken Ex-Model auf. Er war zweifellos attraktiv, wirkte jedoch so, als sei es ihm egal, was andere über ihn dachten.

Sie war die Tochter narzisstischer, eitler Eltern und hatte zu viel Zeit mit dem Wunsch verschwendet, das Kind zu sein, das sie hatten haben wollen. Nach dem zu greifen, was unrealistisch war, wie sie jetzt wusste. Sie bewunderte Taz’ rebellische, sorglose Haltung. Wie schön musste es sein, sich nicht darum zu scheren, was andere dachten.

Sie sah das Foto genauer an. Irgendetwas war anders bei den beiden. Sie hatte nicht den Eindruck, dass es bei diesem Treffen um etwas Sexuelles ging mit der Frau, die seine Schwägerin hatte werden sollen. Auch wenn sie nicht Taz’ größter Fan war und er ihr die Arbeit oft viel schwerer machte als nötig, war sie doch nicht sicher, ob alles stimmte, was über ihn gesagt wurde.

„Ich werde Taz das Foto zeigen und ihn um einen Kommentar bitten“, sagte Millie, auch wenn sie keinen bekommen würde. Aber fragen würde sie.

Mika verzog das Gesicht. „Du solltest dich besser auf Zehenspitzen durch dieses Minenfeld bewegen. Taz hat einmal gedroht, mich zu feuern, als ich nach seinem Liebesleben gefragt habe. Und Alex sollte nicht erwähnt werden. Nie.“

Alex war Bens bester Freund und sein Teamkamerad gewesen, aber er war vor sieben Jahren nach einem dummen Unfall gestorben, als er ausgerutscht war und sich den Kopf an einer Küchentheke aus Marmor angeschlagen hatte. Im Internet kursierten daraufhin Verschwörungstheorien, ob es wirklich ein Unfall gewesen war.

Zwei junge Männer, aus dem gleichen Rennstall, beide charismatisch und selbstbewusst, beide Formel-1-Fahrer, waren vor ihrem dreißigsten Geburtstag gestorben. Manchmal konnte das Leben wirklich unbegreiflich sein.

Millie sah immer noch auf das Foto von Taz und Meredith. Etwas störte sie daran. Sollte sie etwas sagen? Würden sie ihr zuhören? „Ich …“, begann sie.

Mika wirkte ungehalten, als sie zögerte. „Was ist?“

„Ich glaube nicht, dass sie etwas miteinander haben“, bemerkte Millie. „Ihre Finger sind nicht ineinander verschränkt. So halten Geliebte sich nicht an der Hand. Und er sieht … besorgt aus.“

Sylvie warf ihr ein schmales Lächeln zu. „Ich glaube, wir kennen ihn besser als du, Millie. Schließlich arbeiten wir seit mehr als zehn Jahren für Taz.“

Es war dumm gewesen, überhaupt etwas zu sagen und zu glauben, sie würden ihr zuhören. Sie kannten ihn schon lange, während sie erst seit Kurzem für ihn arbeitete. Aber vielleicht sahen sie nur das, was sie erwarteten. Er war der Inbegriff des bösen Jungen, und sie erwarteten das entsprechende Verhalten von ihm.

Millie sah auf ihr iPad, als Mika und Sylvie in den Tagungsraum gingen. Während sie im Gang auf Taz wartete, wollte sie sich auf ihrem Tablet den Kurzbericht durchlesen und seinen Terminkalender durchgehen, auch wenn er sich nicht daran halten würde. Um halb zwei war ein Interview mit einer einflussreichen Sportjournalistin angesetzt, das er nicht verpassen sollte. Und er musste an der Pressekonferenz der FIA teilnehmen. Um acht Uhr abends hatte er ein Sponsorendinner …

„Woher wussten Sie, dass es kein Date war?“

Taz’ tiefe Stimme drang an ihr Ohr, und sie erschauerte, als sie seinen warmen Atem auf ihrer Wange spürte. Schockiert stand sie da, sie hatte ihn nicht kommen hören. Er strahlte Hitze aus und den Duft eines erregenden Rasierwassers. Sie wandte den Kopf und bemerkte seine blutunterlaufenen Augen und sein abgespanntes Gesicht. Offensichtlich hatte er nicht geschlafen, und sie fragte sich, was oder wer ihn davon abgehalten hatte.

Sie hasste es, wie er sie empfinden ließ. Zittrig und wackelig. In seiner Gegenwart geriet sie aus dem Gleichgewicht, und sie musste all ihre mentale Stärke aufbringen, um ihm nicht zu zeigen, wie sehr er sie berührte. Sein Ego war bereits groß genug.

Und sie hatte keine Erfahrung im Umgang mit Männern, die so ungezwungen und selbstbewusst durch die Welt gingen. Der letzte Mann, mit dem sie sich verabredet hatte, war Anfang vierzig gewesen, hatte noch bei seiner Mutter gelebt und war besessen gewesen von Videospielen. Auch wenn sie nicht mehr Jungfrau war, hatte sie doch wenig Erfahrung.

Spielte Erfahrung denn eine Rolle? Für sie war die Ehe nie ein Ziel gewesen. Aufgewachsen mit dem Quartett – Eltern, Tante und Onkel –, hatte sie zwei sehr dysfunktionale, manipulative Ehen erlebt. Außerdem musste sie noch mit ihrem emotionalen Ballast fertigwerden, und sie hatte nicht die innere Kraft, sich noch um jemand anderen zu kümmern.

Bevor sie antworten konnte, deutete Taz mit dem Kopf Richtung Flur. „Folgen Sie mir.“

Millie drückte ihr iPad an die Brust, während Taz die Tür der Gästelounge hinter ihr schloss. Er ging den Flur entlang, blieb dann stehen und verschränkte die Arme. Millie musste den Kopf in den Nacken legen, um in sein strenges Gesicht sehen zu können. Sie überlegte, wie er mit einem Lächeln aussehen mochte. Falls sie mal eines sehen würde.

„Guten Morgen, Mr. De Rossi“, sagte sie, entschlossen, höflich zu sein. Vielleicht würde er den Wink eines Tages verstehen und auch höflich zu ihr sein. Aber sie sollte nicht zu viel erwarten. Denn es gab niemanden in seinem Leben, der mutig oder bedeutend genug war, um ihn herauszufordern und ihm zu sagen, dass er sich ändern müsste.

Als er nicht reagierte, sah sie auf ihren Bildschirm. „Kann ich mit Ihnen die Termine für heute durchgehen? Der Streckenerkundungsgang ist um zehn, die endgültige Anpassung der Sitzposition im Cockpit um elf. Vor dem Lunch ein Auftritt in der Fan-Zone. Dann noch ein Interview mit …“

„Streichen.“

Seine Anweisung kam abrupt, und sie ärgerte sich darüber. Seit Wochen hielt er die Sportjournalistin hin, und sie verlor langsam die Geduld. Millie konnte es ihr nicht verübeln.

„Ich glaube, das ist keine gute Idee“, sagte sie. „Sie ist sehr präsent in den sozialen Medien und hat mehr Einfluss, als Ihnen wahrscheinlich bewusst ist.“

„Eine Million Follower, im Alter zwischen zwanzig und fünfunddreißig“, gab Taz zurück.

Also hörte er ihr doch zu. „Warum weigern Sie sich dann, das Interview zu machen?“

Eindringlich sah er sie mit seinen grauen Augen an, antwortete aber nicht. Womit sie auch nicht gerechnet hatte.

Sie versuchte es noch einmal. Denn eine positive Öffentlichkeitsarbeit für ihn war ihr Job. „Sie hat mir gesagt, dass sie ihre Story ohne Ihren Beitrag durchzieht, sollten Sie sich diesmal nicht mit ihr treffen.“

Er hob eine Schulter. „Soll sie doch.“

Millie seufzte. Taz De Rossi war es völlig egal, was die Leute über ihn dachten oder über ihn schrieben. Er tanzte nur nach seiner eigenen Pfeife. Millie würde ihm am liebsten sagen, dass es rücksichtslos, respektlos und unhöflich von ihm sei. Aber genau wie ihren Eltern war es ihm egal, was sie dachte oder fühlte. Sie war seine Angestellte, und er war ihr arroganter, egoistischer, autoritärer Boss, entschlossen, ihr den Job sehr viel schwerer zu machen als nötig.

Zum Glück war sie nicht mehr so schüchtern wie als Teenager. Und dass sie von zu Hause ausgezogen und auf die Uni gegangen war, hatte ihr zu ein wenig Selbstsicherheit verholfen. Aber sie neigte immer noch dazu, sich in ihr Schneckenhaus zurückzuziehen, wenn sie sich unbehaglich fühlte. Und bei Taz De Rossi fühlte sie sich sehr unbehaglich. Er war unerschrocken, sich seines Platzes in der Welt sehr bewusst. In Gegenwart von Menschen wie ihm spürte sie, wie ihre Selbstsicherheit dahinschmolz. Sie straffte die Schultern und rief sich in Erinnerung, dass sie diesen Job angenommen hatte, um einmal etwas anderes zu machen, anders zu sein. Sie wollte ihre Einstellung und ihr Leben ändern, würde ihre Selbstzweifel ablegen, so wie Ben es immer gewollt hatte. Er war immer sehr überzeugt davon gewesen, dass sie mutiger und selbstsicherer war, als sie selbst glaubte. Es war Millies Art, ihn zu ehren, indem sie zehn Jahre später herauszufinden versuchte, ob er recht hatte oder nicht.

Was sich als mühsamer Weg erwies, immer ein Schritt vor, drei Schritte zurück, doch sechs Wochen später arbeitete sie immer noch für Taz De Rossi. Sie verbuchte das als Sieg.

„Sagen Sie das Interview ab“, wiederholte Taz. „Ich bin nicht in der Stimmung, nett zu Journalisten zu sein.“

Das war er, ehrlich gesagt, nie. Seufzend nickte Millie und hoffte, dass die Journalistin nicht ihr die Schuld geben würde.

„Ich werde die Strecke abgehen und die Sitzeinstellung vornehmen“, sagte Taz.

Natürlich würde er das machen. Obwohl er ein Topfahrer war und die Strecke kannte, würde Taz sie trotzdem zusammen mit seinen Renn- und Performanceingenieuren und seinem Rennstrategen inspizieren. Seinen vierten Titel in Folge zu gewinnen, das war alles, was zählte.

Jetzt kam für Millie der schwierige Teil. „Es wird viel geredet über Sie und Meredith. Wie sollen wir damit umgehen?“

Scharf sah er sie an. „Wie sollten Sie denn meiner Meinung damit umgehen?“

„Indem ich nicht darauf reagiere?“

„Warum belästigen Sie mich dann mit dieser Frage?“ Er klang ruhig, aber knallhart.

Gute Frage. Millie fand keine Antwort darauf. Sie schluckte, während er sie mit einem intensiven Blick bedachte.

Warum sah er sie so an?

Ihre Haut begann zu prickeln. Ihr Herz schlug schneller, und ihr Mund war trocken. Musste er so nahe vor ihr stehen?

Gemessen an seinem Blick und dem leicht selbstgefälligen Lächeln war er sich sehr bewusst, welche Wirkung er auf sie hatte. Sie verfluchte ihren verräterischen Körper dafür, dass ihm sein Körper gefiel, und Taz, weil er es wusste. Nach ein paar angespannten Sekunden riss sie ihren Blick von ihm los und starrte wieder auf ihr Tablet.

Sie war hier, um sich über ihr Leben klar zu werden, und nicht wegen einer Beziehung. Sie wollte keine Gefühle für ihren Boss empfinden, denn das würde nur zu Komplikationen führen, die sie nicht brauchte.

Es ärgerte sie maßlos, zugeben zu müssen, dass Taz’ Gesicht immer vor ihrem geistigen Auge stand, wenn sie an ein Date dachte. Irgendetwas faszinierte sie an ihm, abgesehen von seinem guten Aussehen und seiner Selbstsicherheit. Wie sah der wahre Taz De Rossi aus? Das wusste niemand, und ganz sicher nicht sie. Und es spielte auch keine Rolle, weil er …

Eine Nummer zu groß für sie war.

Millie schob ihre Überlegungen beiseite. Zeit, zurück an die Arbeit zu gehen. Aber noch wichtiger war, dass sie Abstand zu Taz brauchte. Wenn sie nicht in seiner Nähe war, hatte ihr Kopf das Sagen, während in seiner Gegenwart die Lust die Herrschaft übernahm. Warum hoffte sie immer auf mehr? Weshalb suchte sie nach dem wahren Taz?

Es reicht, Millie. Er ist ein aussichtsloser Fall.

Sie wandte sich ab, um zu gehen, doch er griff nach ihrem Ellbogen und hielt sie zurück. „Sie haben meine Frage nicht beantwortet.“

Ihr Puls schlug schneller. „Welche?“ Sie tat so, als würde sie nicht verstehen.

Er starrte sie an. Taz würde sie nicht gehen lassen, bis sie ihm eine Antwort auf seine ursprüngliche Frage in Bezug auf Meredith gegeben hatte. „Äh … Sie sahen aus, als wollten Sie sie beschützen, nicht … äh … angeturnt. Ich habe es daran erkannt, wie Sie Merediths Hand gehalten haben.“

Verwirrung zeigte sich auf seinem Gesicht. „Wie ich ihre Hand gehalten habe?“

Millie verschränkte ihre Finger. „Geliebte halten sich so den Händen“, erklärte sie. „Sie aber haben ihre Hand gehalten, wie Sie es bei einer Tochter oder Schwester machen würden.“

„Ziemlich gut beobachtet“, stellte er fest.

Sie sah ihn an und bemerkte Neugier in seinem Blick.

Nein, das war sicher nur Einbildung.

„Es ist mein Job, zu analysieren, wie die Medien Sie darstellen, und es ist auch mein Job, Sie auf dem Laufenden zu halten.“ Ihr Ton war professionell, auch wenn ihr Körper sich unter seinem forschenden Blick anspannte.

Er rührte sich nicht, doch sie hatte das Gefühl, als sei er ihr noch näher gekommen. „Und wie geht es Ihnen damit?“, fragte er mit rauer Stimme, und ein leichter Anflug von Belustigung lag in seinen Augen.

Sie wussten beide, wie die Antwort lautete. Schlecht. Millie stieß einen schweren Seufzer aus, und sein Mund verzog sich zu einem Lächeln, das Glas zum Schmelzen bringen konnte. So fühlte es sich also an, wenn man vom Blitz getroffen wurde.

Sie unterdrückte das Bedürfnis, nachzusehen, ob jemand hinter ihr stand. Es war das erste Mal, dass er ihr auf einer persönlichen Ebene begegnete. Spielte er mit ihr? Sie rümpfte die Nase und trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. Ging sie so scharf mit ihm ins Gericht, weil seine Selbstsicherheit, sein Charisma und sein Erfolg das gleiche Gefühl von Unzulänglichkeit in ihr auslösten wie bei ihren Eltern? War es leichter, schlecht von ihm zu denken?

Millie sah an ihm vorbei zur Tür der Gästelounge. „Ich sollte wieder zurückgehen.“

Als er nichts sagte, ging sie um ihn herum und griff nach der Türklinke. Sie wollte gerade die Tür öffnen, als Taz sagte: „Es ist nicht Ihr Job, mich zu verteidigen, und ich schätze es nicht, wenn Sie über mein Privatleben klatschen.“

Sie versteifte sich, und Hitze stieg in ihre Wangen.

„Wenn Sie das noch einmal machen, sind Sie gefeuert.“

Da war er wieder, der fordernde Mistkerl, der ihr Gehalt bezahlte.

2. KAPITEL

Am Sonntag, dem Renntag, stand Millie hinten in der Hospitality-Suite, den Blick auf den riesigen Bildschirm vor ihr gerichtet. Sie hätte auch in die Boxengasse darunter gehen können, um sich das Rennen von dort aus anzusehen, aber so wie bei den meisten Sportarten hatte man einen besseren Überblick, wenn man sich das Rennen im Fernsehen ansah.

Sie zog an dem Poloshirt in Schwarz und Pink, das das Logo des De Rossi-Teams trug, und steckte es in ihre enge, schwarze Jeans. Dazu trug sie schwarze Knöchelturnschuhe, denn wenn sie lange Zeit stehen musste, taten ihre Füße weh. Ihre Locken hatte sie zu einem Knoten hochgesteckt, den Lippenstift, den sie aufgetragen hatte, aber schon lange abgeknabbert.

Ein Rennen anzusehen gehörte nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen, was auf Bens tödlichen Crash beim Rennen in Imola zurückzuführen war, aber normalerweise verkrampfte sich ihr Magen nicht so sehr. Warum hatte sie das Gefühl, darauf zu warten, dass etwas passierte? Ja, Taz war seit Donnerstag schlechter Laune und ließ sie an allen aus, aber das war nicht unüblich. Er war kein Sonnyboy, und sie hatte gelernt, seine Launen nicht persönlich zu nehmen. Wie sollte sie auch, wenn sie so wenig Zeit mit ihm verbrachte? Warum war sie also so angespannt?

Millie starrte weiter auf den Fernseher, der zeigte, dass Taz weit in Führung war vor dem restlichen Feld. Wie immer war sie beeindruckt von der absoluten Kontrolle, mit der er den Wagen mit mehr als dreihundert Stundenkilometern über die Strecke jagte. Man brauchte Intelligenz, Mut und unglaublich schnelle Reflexe, um mit dem viele Millionen Dollar teuren Rennwagen richtig umgehen zu können.

Taz näherte sich mit hoher Geschwindigkeit einem langsameren Wagen, um ihn zu überholen. Der Fahrer des anderen Wagens, ein Neuling, versuchte, sich hinter Taz einzufädeln, als sie eine scharfe Kurve erreichten, doch er trat eine Millisekunde zu spät auf die Bremsen. Sein vorderer Kotflügel stieß hinten gegen Taz’ Wagen, sodass sich beide Wagen auf der Strecke in schnellem Tempo drehten. Millie hob ihre Fäuste an den Mund und betete, dass keiner der beiden Wagen gegen die Absperrung knallen würde. Schließlich blieben beide Wagen stehen, und alle stießen einen erleichterten Seufzer aus. Sicherheit stand bei einem Rennen ganz oben, denn jeder wusste, dass ernsthafte Verletzungen oder tödliche Unfälle möglich waren. 

Autor

Joss Wood

Schon mit acht Jahren schrieb Joss Wood ihr erstes Buch und hat danach eigentlich nie mehr damit aufgehört. Der Leidenschaft, die sie verspürt, wenn sie ihre Geschichten schwarz auf weiß entstehen lässt, kommt nur ihre Liebe zum Lesen gleich. Und ihre Freude an Reisen, auf denen sie, mit dem Rucksack...

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