Vorsicht, sexy Playboy!

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Hollywood-Star Dane Stewart hat den Ruf eines Playboys, aber als Iris das erste Mal in seine samtbraunen Augen schaut, vergisst sie alle Gerüchte. Denn in seinem Blick liest sie neben Verlangen auch echte menschliche Wärme. Außerdem ist ausgerechnet der umschwärmte Schauspieler der ideale Knochenmarkspender für Irisʼ kranken kleinen Sohn. Doch ihre Hoffnung auf ein Happy End zerbricht schnell. Danes Agent taucht bei ihr auf und behauptet, dass Dane keine Familie will. Er hat nur eine wahre Geliebte: die launische Diva Hollywood …


  • Erscheinungstag 18.08.2020
  • Bandnummer 2147
  • ISBN / Artikelnummer 9783733726324
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Prolog

„Wir müssen was für dein Image tun, Dane“, stellte seine PR-Managerin Whitney Hicks fest, als sie in Mexiko in seinem Garderobenwagen saßen und Danes öffentliche Auftritte für Ende Juli durchgingen. Es war brennend heiß, und er war hereingekommen, um der Hitze zu entfliehen.

„Das ist nicht meine Schuld“, erwiderte Dane Stewart, lehnte sich auf dem Sofa zurück und legte die Beine auf der Lehne ab. „Ich hatte keine Ahnung, dass Lia Montgomery schon vergeben ist. Eigentlich bin ich stolz darauf, ein monogamer Typ zu sein.“

„Der aber nicht bei einer Frau bleiben kann, wenn man den Klatschblättern glauben darf.“

Dane zuckte mit den breiten Schultern. „Was kann ich denn dafür, wenn keine Frau lange genug interessant ist?“

„Das wird sich ändern müssen“, erwiderte Jason Underwood, der schon seit Jahren Danes Manager und Agent war. Er war groß, sportlich und trug stets einen Anzug. „Glaub mir: Negative Schlagzeilen sind nicht gut für dein Image als Amerikas Sexiest Man Alive.“

„Das sehe ich anders. Ich finde, es zeigt eher, wie gefragt ich bin“, erwiderte Dane und grinste schief. Er war dreißig Jahre alt und auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

„Das Studio ist der Meinung, dass Schadensbegrenzung angesagt ist. Die Bosse wollen nicht, dass deine beste schauspielerische Leistung mit solchen Nachrichten in Verbindung gebracht wird. Für deinen neuen Film kannst du vielleicht eine Oscar-Nominierung als bester Schauspieler kriegen. Denk doch mal nach, was das bedeuten würde.“

Jahrelang war Dane von einem Casting zum nächsten getingelt und hatte als Barkeeper gearbeitet, bis er endlich Erfolg gehabt hatte. Jetzt brauchte er nicht mehr in teuren Actionfilmen und romantischen Komödien mitzuspielen. Nach seinem Erfolg in Hollywood konnte er sich endlich Projekte wie den Film aussuchen, den er gerade abgedreht hatte. Dane war stolz auf seine Arbeit, und es gefiel ihm überhaupt nicht, dass die Presse einen Neandertaler aus ihm machte, der seine Hände nicht bei sich behalten konnte.

„Ich glaube zwar immer noch, dass das alles Schwachsinn ist“, erwiderte Dane, „aber ich finde auch, dass jetzt gerade nicht der richtige Zeitpunkt für so eine Enthüllung ist. Ich will für meine Arbeit anerkannt werden und nicht wegen der Dinge, die hinter verschlossenen Türen passieren.“

„Gut. Dann hast du nichts gegen die PR-Auftritte, die ich geplant habe?“, wollte Whitney wissen.

Dane richtete den Blick auf sie. „Kommt drauf an.“

„Der hier gefällt dir bestimmt.“ Whitney streckte die Hand nach der Fernbedienung aus, um den Fernseher einzuschalten und eine Aufzeichnung abzuspielen.

Dane sah zu, wie eine Moderatorin der Regionalnachrichten von einem kleinen Jungen berichtete, dem sechsjährigen Jayden Turner, der eine Knochenmarktransplantation brauchte. In diesem Moment schwenkte die Kamera zu dem niedlichen Jungen, der wuschelige Haare und dunkelbraune Augen hatte. Ein Arzt erklärte Jaydens akute lymphatische Leukämie, bei der zu viele weiße Blutkörperchen im Knochenmark produziert wurden. Anschließend sagte er, dass eine Knochenmarktransplantation die beste Behandlung sei. Dann fuhr die Kamera näher an Jaydens Mutter, Iris Turner, heran – eine große, schlanke Frau mit einem hübschen Lächeln.

Iris flehte das Publikum an, sich für eine Knochenmarkspende registrieren zu lassen. Abrupt richtete Dane sich auf und lauschte aufmerksam ihrer leidenschaftlichen Bitte. Er bewunderte ihre stille Kraft. Sie strahlte eine Ruhe aus, von der er sich angezogen fühlte, obwohl sie keine umwerfende Schönheit war wie die vielen Models und Schauspielerinnen, mit denen er normalerweise ausging.

„Lasst mich raten. Ich soll mich testen lassen?“, fragte Dane stirnrunzelnd.

Whitney strahlte. „Das wäre genau die Art von positiver Presse, die du brauchst.“

„Ich will nicht ins Lächerliche ziehen, was diese Mutter durchmachen muss“, stellte Dane nachdrücklich fest.

„Und das wollen wir auch nicht“, mischte Jason sich ein. „Nur ein paar Fotos nach der Registrierung. Wenn du dabei bist, wird Jaydens Fall in der Öffentlichkeit schneller bekannt.“

Dane atmete heftig ein und starrte auf den Bildschirm. Die Mutter erwiderte seinen Blick, und er sah, wie verzweifelt sie nach einer Chance suchte, das Leben ihres Sohnes zu retten. „Okay. Ich mach’s.“

Whitney grinste. „Ich bin froh, dass man dich dazu nicht erst lange überreden muss. Also pass auf, was ich mir noch ausgedacht habe.“ Dane hörte zu, während Whitney die anderen Auftritte herunterrasselte, aber er sah immer noch die Augen von Iris Turner vor sich.

1. KAPITEL

Iris Turner betete um ein Wunder. Sie war sich ganz sicher, dass Gott nicht so grausam war, ihr das Kostbarste zu nehmen, das er ihr vor sechs Jahren geschenkt hatte. Ihren Sohn Jayden.

„Glaubst du, dass das was nützt?“, fragte ihre Mutter Carolyn, als Iris am Küchentisch bei ihren Eltern saß. Es war einige Tage her, dass Jayden in den Nachrichten gewesen war, und es hatte sich immer noch kein passender Knochenmarkspender gefunden.

„Ich weiß nicht, ich hoffe es.“ Iris ließ den Blick den Flur hinabschweifen, an dessen Ende ihr Vater und Jayden im Wohnzimmer spielten. Nach außen hin sah er wie ein ganz normales Kind aus, aber ganz Los Angeles wusste jetzt, wie krank er war.

Ihre Familie hatte geglaubt, Iris hätte den Verstand verloren, weil sie sich entschlossen hatte, ihren Sohn allein aufzuziehen. Ihre Mutter hatte gesagt, dass sie den Richtigen schon noch finden würde, aber Iris war sich ganz sicher, dass das nicht stimmte. Sie war zweite Wahl, und kein Mann wollte mit ihr schlafen, wenn er ihren Körper zu Gesicht bekam.

Vor acht Jahren, als sie zwanzig gewesen war, hatte sie sich auf die falschen Leuten eingelassen. Sie war mit einem Musiker ausgegangen, der gern trank und feierte. Eines Nachts hatte er ein bisschen zu viel gefeiert und sein Auto um einen Baum gewickelt, während Iris neben ihm gesessen hatte. Sie hatte schwere Verbrennungen an den Armen und den Oberschenkeln erlitten. Irgendwann hatte sie aufgehört, die Operationen zu zählen, die ihre Entstellungen mildern sollten. Ihre Arme sahen mittlerweile fast wieder aus wie früher, aber nach den vielen schmerzhaften Behandlungen hatte sie aufgegeben und sich damit abgefunden, dass sie nicht vollständig geheilt werden konnte.

Sie hatte einige Anläufe gestartet und einige Typen gedatet, aber wenn es dabei zu Intimitäten gekommen war, hatten sich die Männer schaudernd abgewandt und, so schnell sie konnten, das Weite gesucht. Manche waren sehr direkt. Einer hatte ihr sogar ins Gesicht gesagt, sie sei ein Monster. Seitdem war Iris nicht mehr ausgegangen.

„Lass uns nicht so viel darüber nachdenken.“ Ihre Mutter ging zum Herd und nahm den Wasserkessel herunter, den sie vorhin aufgesetzt hatte. „Willst du eine Tasse Tee?“

„Gern, Mom“, sagte Iris und lächelte zaghaft. Ihre Mutter war nicht nur ihre beste Freundin, sondern auch eine hervorragende Köchin und Hausfrau. Sie war immer da, wenn Iris eine Schulter brauchte, um sich auszuweinen, oder jemanden, der sie zu ihren endlosen Arztterminen begleitete. Iris hatte immer so sein wollen wie sie, und dazu gehörte eben auch ein eigenes Kind, das sie lieben und dem sie die beste Mutter sein konnte.

Vor sechs Jahren hatte sie beschlossen, dass es dafür keine andere Möglichkeit gab als eine künstliche Befruchtung. Und es hatte funktioniert! Bereits beim ersten Versuch war sie schwanger geworden. Neun Monate später hatte sie einen wunderschönen kleinen Jungen zur Welt gebracht. Vor Kurzem hatte sie dann erfahren, dass er eine seltene Form von Leukämie hatte, die nicht ausschließlich mit Chemotherapie behandelt werden konnte. Der Arzt hatte angedeutet, dass eine Knochenmarktransplantation Jaydens einzige Chance war.

Iris nahm die Tasse Tee, die ihre Mutter ihr hinhielt, und nippte vorsichtig daran. Kamille wirkte immer beruhigend auf sie, und sie nahm all ihre Kraft für den Kampf zusammen, der vor ihr lag.

Plötzlich klingelte ihr Handy. „Hallo?“, meldete sie sich und hörte der Anruferin aufmerksam zu, ehe sie auflegte. „Das glaubst du mir nie, Mom. Das war das Krankenhaus. Bei denen steht das Telefon nicht mehr still, und alle wollen wissen, wie sie Jayden helfen können.“

„Ich hab dir doch gesagt, dass alles gut wird, Iris.“

Langsam fing Iris an zu glauben, dass ihre Mutter recht hatte. Vielleicht stand ein Wunder für Jayden wirklich kurz bevor.

„Was muss ich da hören? Du bist mit der Freundin eines anderen Mannes ausgegangen?“, fragte Danes Schwester Fallon am selben Tag am Telefon.

„Du nicht auch noch“, sagte Dane und ging auf nackten Sohlen in die Küche hinüber. Er holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank, öffnete die Flasche und trank einen großen Schluck.

„So was Hinterhältiges sieht dir gar nicht ähnlich.“

„Ich wusste nicht, dass sie mit einem anderen zusammen ist.“

Dane liebte das Singleleben und seine Freiheit, aber die Sache mit Lia Montgomery war ihm gehörig um die Ohren geflogen.

„Also gut. Und was jetzt?“

„Schadensbegrenzung“, sagte Dane und trank weiter sein Bier. „Ich lasse mich in der Öffentlichkeit sehen, gebe mich zerknirscht und trete bei Wohltätigkeitsveranstaltungen auf. Auf die, bei der ich morgen bin, freue ich mich sogar.“

„Ach ja? Um was geht’s da?“

„Um einen kleinen Jungen, der eine Knochenmarkspende braucht. Ich lasse mich testen.“

„Dane! Das ist ja wunderbar und so selbstlos.“

Dane zuckte mit den Schultern, während er zur Terrassentür ging und sie öffnete. Weiche Meeresluft strömte herein und streichelte seine Sinne. Er liebte sein Haus in Venice Beach, das er behalten hatte, obwohl er ein Anwesen in den Hollywood Hills hatte. Zwar hatte es ihn ein Vermögen gekostet, aber der Blick von seiner Hintertür aus auf den pazifischen Ozean war jeden Penny davon wert.

„Ja, na ja. Ich lasse mich testen. Es gibt keine Garantie.“

„Die Geste zählt.“

Dane wünschte sich, dass ihm dafür die Anerkennung zustünde, aber das Ganze war Whitneys Idee gewesen. „Also“, sagte er, um das Thema zu wechseln, „wann kommt du, Gage und mein gut aussehender Neffe mich mal besuchen?“ Fallon hatte vor Kurzem Gage Campbell geheiratet, einen reichen Finanzinvestor, der ihr geholfen hatte, das Familienunternehmen zu retten, und sie hatten einen Sohn bekommen, Dylan.

„Tut mir leid, Dane. Wir haben viel Zeit gebraucht, um Stewart Technologies wieder auf die Beine zu bringen. Mit der Finanzspritze von Gage habe ich es zwar geschafft, neue Forschungsprojekte anzustoßen, damit wir unser Image wieder aufpolieren können, aber das hat gedauert. Wir kommen bald mal, versprochen.“

Dane hatte Fallons Faszination für die Firma ihres Vaters nie verstanden und schon gar nicht, warum sie sich für deren Überleben verantwortlich fühlte. Immerhin hatten ihre Eltern sie mit ihren verschwenderischen Ausgaben selbst an den Rand des Ruins gebracht. „Gut. Du fehlst mir, Schwesterchen.“

„Dito.“

Dane stand auf seiner Terrasse und starrte hinaus auf den immer dunkler werdenden Horizont. Dabei dachte er über seine Familie nach. Schon seitdem er lesen konnte, hatte ihr Vater, Henry Stewart, Dane immer wieder erklärt, dass er die Firma übernehmen sollte, aber das war nicht sein Traum gewesen, und als er alt genug gewesen war, war er weggelaufen, so schnell er konnte. Stattdessen hatte Fallon die Verantwortung übernommen, und Dane war froh darüber, denn er hatte die Erwartungen seines Vater ehrlich gesagt nie wirklich erfüllen können. Die Gerüchte über Danes skandalöses Benehmen hatten nur noch mehr Öl ins Feuer gegossen.

Aber was interessierte ihn das eigentlich? Er brauchte niemanden. Zumindest versuchte er, sich das einzureden. Solange er sein gewinnendes Lächeln hatte und von schönen Frauen umgeben war, blieb er nicht lang allein.

Am nächsten Morgen, als Dane im Cedars-Sinai-Krankenhaus ankam, wurde er sofort von einer großen Traube lärmender Fans umringt, hauptsächlich Frauen. Einige hielten Schilder mit seinem Gesicht darauf hoch; andere riefen ihm zu, wie sehr sie ihn liebten und dass sie Kinder von ihm wollten. Schnell rief Dane sich ins Gedächtnis, dass das eben der Preis des Ruhmes war.

Whitney erwartete ihn bereits. Ihr blondes Haar fiel ihr in üppigen Locken über den Rücken, und sie trug ihren unvermeidlichen schwarzen Hosenanzug. Dane wusste ihre Professionalität sehr zu schätzen.

„Komm mit.“ Sie führte ihn einen langen Flur hinunter zu einem Fahrstuhl, mit dem sie wenige Sekunden später auf der Kinderstation ankamen.

Whitney ging voran, und bald darauf standen sie vor einer gläsernen Flügeltür, die zu einem Raum mit bunt gestrichenen Wänden führte. „Das ist das Spielzimmer für die Kinder hier im Krankenhaus. Ich dachte, es wäre gut, wenn wir hier anfangen würden. Ms. Turner ist noch nicht da.“

Dane spähte in den Raum hinein, und sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. In dem Zimmer spielten einige sehr kleine Kinder. Zwei von ihnen saßen im Rollstuhl, und die anderen drei saßen an niedrigen Tischen, wo sie Malbücher ausmalten. In diesem Augenblick schwor er sich, dass er dem Krankenhaus eine großzügige Spende machen wollt – das war das Mindeste, was er tun konnte.

Er hörte die Fahrstuhlglocke klingeln, und seine Nackenhaare richteten sich auf. Dane war sich sicher, dass Jayden Turner und seine Mom angekommen waren. Gerade noch rechtzeitig drehte er sich um, um zu sehen, wie Iris Turner auf ihn zukam. Sie war viel größer, als sie im Fernsehen ausgesehen hatte, aber genauso schlank. Allerdings war sie in natura viel hübscher. Ihre makellose karamellbraune Haut strahlte jugendlich. Sie hatte große braune Augen und dunkelbraunes Haar, das ihr in weichen Wellen über die Schulter fiel. Sein Körper begann erwartungsvoll zu prickeln, und Dane musste seine Gefühle unterdrücken und sich zusammenreißen. Er ließ sich nicht mit alleinerziehenden Müttern ein – noch mehr Schwierigkeiten konnte er im Moment wirklich nicht gebrauchen. Aber er konnte auch nicht leugnen, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte.

„Dane, darf ich vorstellen …“, setzte Whitney an, aber er unterbrach sie.

„Sie müssen Iris Turner sein. Freut mich.“

„Mich auch.“ Sie lächelte zögerlich. „Danke, dass Sie das machen wollen. Jemand, der so bekannt ist wie Sie …“ Ihr versagte die Stimme, während Danes Blick auf ihren Sohn fiel. „Tut mir leid.“ Sie wurde rot. „Das ist Jayden. Jayden, sag Hallo zu Mr. Stewart. Er ist gekommen, um herauszufinden, ob er dir helfen kann.“

„Mir helfen?“ Der kleine Junge sah auf, und Dane erstarrte.

Mit seinen krausen schwarzen Haaren, den dunkelbraunen Augen und seinen buschigen Augenbrauen sah Jayden aus wie Dane, als er ein Kind gewesen war. Schnell schüttelte er den Gedanken ab. Mit Sicherheit bildete er sich das nur ein, weil der Junge ihm leidtat. Er kniete sich hin. „Ich bin gekommen, um mich testen zu lassen. Ich will wissen, ob ich dir helfen kann, wieder gesund zu werden.“

„Warum wollen Sie das machen?“, fragte Jayden.

Die unschuldige Frage brachte alle Erwachsenen im Raum zum Lachen. „Weil es das Richtige ist“, entgegnete Dane.

„Dürfen wir ein paar Fotos machen?“, fragte Whitney von hinten. Dane hatte sich so auf das Treffen mit Iris und ihrem Sohn konzentriert, dass ihm gar nicht aufgefallen war, dass ein Fotograf hereingekommen war und immer wieder auf den Auslöser drückte.

Iris sah Whitney an und dann wieder Dane.

„Nur wenn Sie nichts dagegen haben“, sagte Dane. Er nahm die Furcht in ihren Augen wahr und wollte sie nicht ausnutzen.

Iris nickte.

„Darf ich dich auf den Arm nehmen?“, fragte Dane Jayden.

Jayden streckte ihm sofort die Arme entgegen, und Dane nahm ihn in die Arme und richtete sich auf.

Der Fotograf bat Iris und Dane darum, zusammenzurücken, damit sie beide im Bild waren. „Ja, genau so. Lächeln bitte. Verdammt, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ihr seid eine Familie.“

Iris sah zu Dane auf, aber der lachte nur.

Nach einigen Minuten waren die Aufnahmen gemacht, und eine Krankenschwester führte Dane ins Labor. Wegen Jaydens aggressiver Leukämie würden sie die Ergebnisse schon binnen einer Woche bekommen. Die ganze Prozedur war schnell vorbei, und Dane fiel auf, dass Iris und Jayden nicht hätten dabei sein müssen. Es war nur ein Fototermin, bei dem Amerika sehen sollte, dass er kein Don Juan war, dem man nicht trauen konnte, aber es war auch eine Chance, das Problem mit den Knochenmarkspenden in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Als er fertig war, wartete Whitney auf dem Flur auf ihn. „Das war alles für heute. In den nächsten Tagen hast du den Terminkalender voll mit Auftritten und Veranstaltungen. Danach ist der Grad deiner Beliebtheit hoffentlich wieder raus aus dem Keller.“

„Gibt es darüber eine Statistik?“, erkundigte sich Dane.

„Nein, aber wir machen inoffizielle Befragungen zu deinem Image“, erwiderte Whitney. „Mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass du die richtige Presse bekommst.“

„Das weiß ich zu schätzen. Bitte entschuldige mich.“ Dane machte sich auf den Weg ins Spielzimmer. Durch die Glastür konnte er sehen, dass Iris noch dort war.

„Wo willst du hin?“, fragte Whitney.

Dane antwortete nicht. „Wenn die PR-Geschichte vorbei ist, kannst du ruhig gehen. Wir sehen uns morgen im Flieger.“ Er drehte sich um und ging ins Spielzimmer. Dort traf er auf Iris, die sich gemeinsam mit Jayden über bunte Bauklötze beugte. Als er auf sie zuging, registrierte er eine vorsichtige Zurückhaltung an ihr, die ihn nervös machte. „Hey.“

„Hi.“

„Der Test hat nicht lange gedauert, also … Na ja, ich habe mich gefragt, ob Sie mit mir vielleicht einen Kaffee trinken wollen und der kleine Mann einen Kakao.“ Dane sah Jayden an, der sich nicht um sie kümmerte, so vertieft war er in den Bau eines hohen Turms.

„Nur wir?“

Dane grinste. „Sie meinen, auf mein Gefolge können Sie verzichten?“ Er sah sich nach den Bodyguards um, die die Tür bewachten. „Ja, nur wir.“

Sie nickte. „Okay, klar.“

Dane reichte ihr die Hand und half Iris dabei, von dem Kinderstuhl aufzustehen. Der Stromstoß, der ihn durchfuhr, als er sie berührte, traf ihn völlig unerwartet. Es schockierte ihn, dass er so reagierte, obwohl Iris mit ihrem todkranken Kind hier war. Deswegen steckte er schweigend die Hand in die Taschen.

Iris schluckte und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr es sie verletzte, dass Dane zusammengezuckt war. Seine Berührung hatte ein wohliges Ziehen in ihrem Schoß ausgelöst, ein Gefühl, das sie schon fast vergessen hatte. Ihr Herz hatte geflattert, sodass ihr der Atem stockte, aber es war klar, dass Dane sie abstoßend fand. Es hatte sie gefreut, dass er sie zum Kaffee eingeladen hatte, aber jetzt wurde ihr klar, warum: aus Mitleid.

Das hielt sie jedoch nicht davon ab, Dane verstohlen zu mustern. Er sah erschreckend gut aus. Sein Haar war kurz geschnitten und sein Gesicht überaus attraktiv: makellose hellbraune Haut, energisches Kinn, dunkelbraune Augen, buschige schwarze Augenbrauen und ein verführerischer Mund. Dane war der geborene Filmstar und richtiggehend sexy, ohne dass er sich dafür anstrengen musste. In ihrem Kopf tauchten unmögliche Bilder von Dane ohne Kleider auf. Jedes war unangemessener und unrealistischer als das vorherige. Schnell blinzelte sie, um die Gedanken zu verscheuchen.

Flankiert von den beiden Bodyguards, erreichten sie die Cafeteria. Nachdem die beiden Männer sich umgesehen hatten, durften sie, Jayden und Dane sich an einen Vierertisch setzen.

Iris war überrascht, weil Dane den Stuhl für sie zurechtrückte, ehe er sich ihr gegenübersetzte. Als Jayden anfing, unruhig auf seinem Stuhl herumzurutschen, suchte sie in ihrer Tasche nach ihrem Handy und gab es ihm. Amüsiert sah sie ihm dabei zu, wie er nach seinem Lieblingsvideospiel suchte.

„Normaler Kaffee?“, fragte Dane. „Oder sind Sie eine von diesen Frauen aus Los Angeles, die Sojalatte ohne Schaum trinken oder so?“

Seine tiefe, warme Stimme war wie eine Liebkosung, und Iris erschauerte unwillkürlich. „Nein, ich brauche nichts Extravagantes“, sagte sie. „Seit Jayden krank ist, habe ich mich an den ganz normalen Kaffee in der Krankenhauscafeteria gewöhnt.“

„Zwei normale Kaffee, kommt sofort“, sagte Dane und erhob sich wieder. „Und was ist mit dir, Jayden?“

„Er trinkt Milch.“

Jayden sah zu Dane auf. „Sie haben mir Kakao versprochen.“

Auf Danes sinnlichen Lippen breitete sich ein Lächeln aus. „Also hörst du doch zu, wenn du willst“, neckte Iris ihn und wuschelte ihm zärtlich durch das Haar. Sie sah Dane an. „Dann bitte einen Kakao.“

„Ein Kakao und zwei Kaffee, kommt sofort.“ Dane schlenderte los, und Iris konnte nicht anders, als ihn zu beobachten. Der Mann hatte Charisma. Jede Menge. Und dazu noch ein tolles Hinterteil. Sie konnte gar nicht glauben, dass sich jemand, der so berühmt war wie er, Zeit für sie nahm. Doch sie ließ sich nichts vormachen. Ihr war klar, dass all das nur dazu diente, Dane eine gute Presse zu verschaffen. Aber wenn es Jayden half, dass die Leute sahen, dass sich ein Filmstar wie Dane als Knochenmarkspender registrieren ließ, hätte sie auch hundert Fotos mit ihm gemacht.

Ein paar Minuten später kam Dane mit zwei dampfenden Kaffeebechern und einem Kakao mit Sahne für Jayden zurück. Jayden stürzte sich auf den Kakao und bekam einen weißen Schnurrbart. „Wisch dir den Mund ab, Jayden“, sagte Iris lachend und sah ihm nach, während er aufstand und sich auf die Suche nach einer Serviette machte.

„Also, sag mal, Iris – ist es okay, wenn wir uns duzen?“

„Ja.“

„Wo ist Jaydens Vater?“

Iris runzelte die Stirn. „Das ist eine ziemlich unverschämte Frage.“

„Tut mir leid. Ich hab mich nur gefragt, warum er euch beide nicht unterstützt. Tut mir leid, wenn ich zu weit gegangen bin.“

„Schon okay“, entschuldigte sie sich. „Wahrscheinlich bin ich überempfindlich. Es gibt nur mich und Jayden. Obwohl meine Eltern eine wundervolle Hilfe sind, seit wir von seiner Krankheit wissen.“

„Wann habt ihr davon erfahren?“

„Vor ungefähr drei Monaten“, entgegnete Iris. „Jayden hat nicht mehr zugenommen und war schlapp und antriebslos, deswegen bin ich mit ihm zum Arzt gegangen. Sie haben eine Reihe von Tests mit ihm gemacht, die erst kein klares Ergebnis gebracht haben, aber ich wusste, dass irgendwas nicht stimmt.“

„Mütterliche Intuition?“

„So was Ähnliches, ja. Ich habe nicht aufgegeben, deswegen haben sie es weiter versucht, und irgendwann stand die Diagnose fest: Jayden hat akute lymphatische Leukämie.“

„Das muss schwer sein. Ich meine, er ist doch noch so klein.“

„Ja, das war nicht leicht, vor allem nachdem ich erfahren hatte, wie schwer es ist, einen Spender zu finden. Und dann bist du gekommen.“

„Mach mich nicht einfach so zum Heiligen“, erwiderte Dane. „Ich hab mich nur registrieren lassen.“

„Aber du tust etwas, und das bedeutet mir sehr viel“, sagte sie und meinte es genau so. Sie sah zu Dane auf. Egal, ob er ein geeigneter Spender war oder nur ins Krankenhaus gekommen war, um sein Image zu pflegen, er war hier, und das konnte den Unterschied zwischen Leben und Tod für ihren Sohn bedeuten.

„Was kann ich sonst noch tun, um Jayden zu helfen?“ Besorgt sah Dane auf ihren Sohn hinab. „Sich testen zu lassen kommt mir so wenig vor.“

„Das ist es aber nicht. Ich wünschte, dass sich mehr Leute wie du registrieren lassen würden. Ich glaube, die Leute haben Angst vor einer Knochenmarkspende, weil sie im Fernsehen gesehen haben, dass es schmerzhaft sein kann. Aber inzwischen hat die Medizin Fortschritte gemacht, und es gibt mehr als eine Methode.“

„Ich verspreche, dass ich das Thema anschneiden werde, wenn ich demnächst in irgendwelchen Talkshows auftrete.“

Iris riss die Augen auf. „Das würdest du tun?“ Sie trank einen großen Schluck Kaffee, um sich zu beruhigen und nicht darüber nachdenken zu müssen, warum Dane Stewart ausgerechnet ihr, einem Niemand, unter die Arme greifen wollte.

„Natürlich. Wenn ich dem kleinen Kerl damit helfen kann.“ Besorgt sah er Jayden an. „Er hat doch sein ganzes Leben noch vor sich. Ehrlich gesagt …“ Er griff in die Tasche seiner Lederjacke und holte eine Visitenkarte hervor, die er Iris gab.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und sie streckte, ohne darüber nachzudenken, die Hand nach Danes aus, um sie zu drücken. „Danke schön.“

Dieses Mal zog er seine Hand nicht weg. Er ließ sie sogar noch einen Moment länger in ihrer als nötig. Iris’ Herz hüpfte wie ein Gummiball in ihrer Brust, ihr Magen flatterte, und sie konnte spüren, wie ihre Brustwarzen sich aufrichteten, während die Spannung vollständig Besitz von ihr ergriff. Sie biss sich auf die Lippen, aber als sie den Blick hob und Dane anschaute, sah sie reine, animalische Lust in seinem Gesicht.

Dane betrachtete Iris’ wunderschöne braune Augen. Ihre Blicke trafen sich, und die Luft zwischen ihnen begann zu knistern. War das Lust?

Er war total überrascht, denn in ihrem ruhigen Blick lag ein ebensolcher Hunger. Schnell rief Dane sich zur Ordnung. Er war hier, um sein öffentliches Image aufzupolieren, und zu einem solchen Zeitpunkt überhaupt nur daran zu denken, etwas mit Iris anzufangen, war mies. Trotzdem konnte er nichts dagegen tun, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte. Er wollte für sie da sein, sie trösten, sie beschützen.

Danes Selbstdisziplin schwand, und er sprang auf. „Ich muss los.“

Iris tat dasselbe, und ihm fiel auf, dass sie fast genauso groß war wie er. „Na-natürlich. Tut mir leid, dass ich dich aufgehalten habe.“ Sie wurde rot und sah dabei sehr anziehend aus, als hätte sie sich nicht dabei erwischen lassen dürfen, dass sie ihn ansah.

„Hast du nicht, aber ich muss morgen sehr früh aufstehen.“

„Danke noch mal, dass du dich hast registrieren lassen.“

Autor

Yahrah St John

Yahrah St. John hat bereits dreißig Bücher geschrieben. Wenn sie nicht gerade zu Hause an einer ihrer feurigen Liebesgeschichten mit unwiderstehlichen Helden und temperamentvollen Heldinnen arbeitet und sie mit einem Schuss Familientragödie würzt, kocht sie gern aufwändige kulinarische Leckereien oder reist auf der Suche nach neuen Abenteuern um die Welt....

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