Weihnachtswunderland der Liebe

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Als der Duke of Blairmore seine Jugendfreundin Regan zu Weihnachten einlädt, will er nur, dass sie ihm eine Ehefrau sucht. Doch plötzlich findet er sie begehrenswerter als alle adligen Kandidatinnen …


  • Erscheinungstag 13.12.2015
  • ISBN / Artikelnummer 9783733743161
  • Seitenanzahl 106
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Das gemietete Gig, mit dem sie die letzte Strecke ihrer langen, anstrengenden Reise von Yorkshire zurückgelegt hatten, überquerte ratternd die steinerne Bogenbrücke über den Blairmore River. Regan Stuart schob ihre Kapuze ein Stückchen zurück und schmiegte sich tiefer in die wärmenden Falten ihres roten wollenen Umhangs, denn es war bitterkalt. Eifrig lugte sie nach vorn, um, nach mehr als zwölf Jahren, endlich den ersten Blick auf Blairmore Hall werfen zu können.

Während sie ein Wäldchen durchquerten, dessen kahle Zweige schwarz gegen den trüben Winterhimmel abstachen, erzählte sie den drei Kindern in dem Wagen: „Schaut, auf diese Bäume sind Gabriel und ich früher geklettert.“

Ihre zwei kleinen Halbbrüder schauten skeptisch drein, doch Portia, Regans neunjährige Halbschwester, sah ehrfürchtig zu den mächtigen Eichen auf. „Die sind so hoch!“, meinte sie. „Hattest du keine Angst?“

Regan lachte. „Ein wenig. Aber ich wusste, Gabriel würde aufpassen, dass mir nichts passiert.“ Wenn auch, wie sie sich eingestand, der wahre Grund, aus dem sie sich gewöhnlich zu solchen Mutproben herausfordern ließ, der war, dass ihre Angst, seinen Respekt zu verlieren, größer war als ihre Angst, sich zu verletzen. Wie abgöttisch sie ihn in jenen fernen Kindertagen verehrt hatte!

„Dürfen wir auch auf Bäume klettern, Regan? Ja? Ja?“, rief Jack, das jüngste der Kinder.

„Zuerst müssen wir Seine Gnaden um Erlaubnis fragen“, antwortete sie, wobei sie sich zum hundertsten Male fragte, warum der Duke of Blairmore sie alle so unverhofft eingeladen hatte, die Weihnachtstage in seinem Haus zu verbringen. Nicht dass es kein höchst willkommenes und großzügiges Angebot wäre, dachte sie und betrachtete lächelnd die drei strahlenden, aufgeregten Kinder, die sich den Hals verrenkten, um einen Blick auf das riesige schlossartige Herrenhaus zu erhaschen, von dem sie ihnen so viel erzählt hatte.

Die kurvenreiche Auffahrt, über die sie fuhren, kam ihr länger vor als früher. Auch der Zierbrunnen mit der extravaganten Fontäne in Gestalt des Poseidons, die jetzt, im Winter, natürlich abgestellt war, erschien ihr viel größer. Und als das Gig die letzte scharfe Biegung nahm und das Gebäude in Sicht kam, schnappten alle drei Kinder nach Luft. „Nun, was haltet ihr davon?“, fragte sie. „Habt ihr es euch so vorgestellt?“

„Es ist ein Schloss“, stieß Jack hervor.

„Ein Märchenschloss!“, rief Portia.

„Es ist riesig!“, verkündete Lando.

Und alle hatten sie recht. Blairmore Hall bestand aus einem riesigen Mittelbau mit zwei großen Flügeln, an deren Ecken mit Brustwehren untereinander verbundene Türme aufragten. Der zentrale Vorbau, komplett mit echtem Fallgatter, führte direkt in den großen Bankettsaal. Wie auch die Parkanlagen war es in der elisabethanischen Zeit gegründet worden, doch hatte jeder neue Duke einreißen lassen, neu erbaut, angebaut, erneuert und verändert, sodass der daraus entstandene Bau nicht nur mit Unmengen von Zimmern prunkte, sondern auch mit einem Wirrwarr an Stilelementen. Trotzdem, oder gerade deswegen, besaß es einen ganz eigenen Charme, wie es dalag, von weichen Hügeln und kahlen, zerklüfteten Anhöhen der nahen Derbyshire-Gipfel gesäumt.

„Wirst du mir die schönen alten Kleider zeigen, wie du es versprochen hast?“, fragte Portia begierig.

Regan lächelte, als sie an das düstere Gelass im Ostturm dachte, in dem sie viele glückliche Stunde damit zugebracht hatte, sich mit den prachtvollen Gewändern aus vergangenen Zeiten zu schmücken, die dort in dickwandigen hölzernen Truhen lagerten. „Vielleicht, wenn es sie noch gibt. Es ist lange her.“ Obwohl doch bestimmt niemand solch exquisite Kleidungsstücke fortwerfen würde.

Als der Wagen schwankend das Tor des Pförtnerhauses durchquerte, wurde es Regan ganz flau im Magen. Zwanzig Jahre lang hatte ihr Vater hier als Verwalter gedient, bis er starb. Und nun kehrte sie zum ersten Mal zurück – als Gast. Bestimmten Umständen war es geschuldet, dass sie jetzt eine sehr andere Person war als damals das linkische Kind, das mit seiner verwitweten Mutter von Blairmore Hall fortging in eine ungewisse Zukunft. Was noch mochte sich während der verstrichenen Jahre alles geändert haben?

Ein Lakai in der vertrauten weinroten Livree hielt die schweren, mit riesigen Ziernägeln beschlagenen Türflügel auf, ein anderer half ihnen vom Wagen, und ein Dritter überwachte das Ausladen ihres spärlichen Gepäcks. Als sie einem weiteren Lakaien in die gepflasterte Halle folgten, wo man ihnen ihre Mäntel abnahm, verstummten selbst die redelustigen Knaben angesichts der puren überwältigenden Größe der „Langen Galerie“, die sich getreu ihres Namens gut einhundert Fuß hinstreckte.

„Seine Gnaden wünscht, Sie allein zu empfangen. Die Kinder sollen solange hierbleiben“, teilte der Lakai Regan mit.

Hastig ermahnte sie Portia, Lando und Jack, sich nur aufs Beste zu betragen, dann folgte sie dem Mann durch den breiten, mit Ahnenporträts geschmückten Korridor in den hinteren Teil des Schlosses, in dem die moderneren Räume lagen.

In dem Labyrinth der Flure glaubte sie, die rennenden, hüpfenden Schritte des Phantoms ihrer Kindheit widerhallen zu hören. Von den dunklen, eichengetäfelten Wände echote ihr und Gabriels Lachen. Über allem hing der Duft bittersüßer Erinnerungen. Wie sorglos sie gewesen war. Und wie jung. Vor zwölf Jahren. Ein Leben lang, schien ihr.

Der Lakai öffnete die Tür zu dem sogenannten Kleinen Salon, und Regan trat über die Schwelle. Mit seinen goldenen Damastvorhängen, den cremefarbenen Wänden und blassgelben Sofas, alles offensichtlich neu, war er groß genug, dass zehn Paare sich zum Tanz aufstellen konnten.

„Miss Stuart, Euer Gnaden.“

Die Tür wurde hinter ihr geschlossen, und der Duke of Blairmore wandte sich vom Fenster ab und ihr zu. „Regan.“

„Guten Tag, Gabriel.“ Regan schluckte schwer. Der Mann, der sie quer durch den Raum anschaute, war ein Muster an Eleganz in seinem exzellent geschnittenen Gehrock aus feinstem dunkelblauem Tuch. Der hohe Kragen entsprach der neuesten Mode, ebenso wie die Pantalons an seinen langen, wohlgeformten Beinen. Er war viel größer, als sie in Erinnerung hatte. Und breiter. Und unendlich viel attraktiver.

Als er auf sie zuschritt, verstärkte sich das Flattern in ihrem Magen, und ihr Pulsschlag beschleunigte sich. Blauschwarzes Haar, aus der Stirn zurückgekämmt, ausgeprägte Nase, energisches Kinn und ein Mund, den man nur sinnlich nennen konnte. Sie wusste, sie gaffte ihn an, aber sie konnte nicht anders. Diesen umwerfenden Mann in Einklang zu bringen mit dem Jüngling von früher, wie sie ihn gekannt hatte, fiel ihr nicht nur schwer, nein, es war ihr unmöglich. Verspätet versank sie in einem Knicks, sich schaudernd ihres grauwollenen Reisekleides bewusst, an dem kein noch so modischer Aufputz den Verschleiß verbergen konnte.

Gabriel nahm sie bei der Hand und half ihr auf. „Die kleine Regan. Bist du es wirklich?“

Seine Stimme war angenehm tief. Seine Augen, aus denen er sie mit distanzierter Erheiterung anschaute, schimmerten noch genauso graublau wie früher. Unter seiner Berührung rieselte ein Kribbeln in ihre Finger, und sie spürte, wie ihr das Blut in die bleichen Wangen stieg. „Ja, wirklich, ich bin es.“ Regan lächelte ein wenig. „Aber dich erkenne ich kaum wieder.“

„Es ist in der Tat lange her“, sagte Gabriel und musterte seine Besucherin ein wenig überrascht. Er schob sie auf Armeslänge zurück. „Lass dich anschauen.“ Wer hätte gedacht, dass der kleine Wildfang, der ihm damals treu wie ein Schatten gefolgt war, sich einmal zu einer solch attraktiven Frau mausern würde? Das rote Haar, das ihr natürlich den Spitznamen Rotschopf eingebracht hatte, schimmerte nun in prachtvollem Kastanienbraun. Das schlaksige Kind mit der Unbeholfenheit eines Fohlens war jetzt von schlanker, biegsamer Gestalt. Obwohl ihre hohe Stirn und das etwas längliche Gesicht sie eher klug als schön wirken ließ, hatte Regan Stuart etwas an sich, das jeden Mann zweimal hinsehen ließ. War es ihr Mund mit seinem sinnlichen Schwung, der so im Gegensatz zu ihrem ernsten Gesichtsausdruck stand? Oder waren es ihre großen haselnussbraunen Augen? Er erinnerte sich, wie sie flehend zu ihm aufgeschaut, gebettelt hatte, ihn auf eins seiner kindlichen Abenteuer mitzunehmen.

Unter neugierigem Schweigen musterten sie einander, versuchten, ihre Erinnerungen mit der so ganz anderen Realität zu versöhnen. Das Bewusstsein, nun erwachsen zu sein, schwelte zwischen ihnen. Im gleichen Moment, in dem Gabriel ihre Hand freigab, ließ Regan ihn verwirrt los.

„Du hast dich wirklich sehr verändert“, stellte er fest.

„Du aber auch.“

„Komm, warum stehen wir überhaupt noch?“, sagte Gabriel munter. „Komm zum Feuer, mach es dir bequem. Der Tee wartet.“

Dankbar nahm sie Platz, widmete sich dem Ritual, löffelte sorgfältig den Tee aus der silbernen Dose, goss das heiße Wasser in die Kanne und schob die hauchfeinen Porzellantassen zurecht. Nach und nach gewann sie ihre Haltung wenigstens teilweise zurück. Sie war sich der Gegenwart Gabriels intensiv bewusst, wie er da lässig in seinem Sessel saß, die langen Beine von sich gestreckt. Wirklich ansehnliche Beine, an denen seine Pantalons hafteten wie eine zweite Haut. Sie fragte sich, ob er dem Fechtsport huldigte. Oder vielleicht dem Boxsport. Gewaltsam wandte sie den Blick ab. „Sahne?“

„Wie du willst; ich hasse Tee.“

„Nun, ehrlich gesagt bin ich gerade dankbar dafür.“ Sie reichte ihm die gefüllte Tasse, sorgsam bemüht, seine Finger nicht zu berühren. „Leider musste ich hören, dass dein Vater gestorben ist. Ich sandte deiner Mutter meine Beileidsbekundungen.“

„Oh.“ Er runzelte die Stirn. „Ich kann mich nicht erinnern, dass sie es mir gegenüber erwähnt hätte.“

„Das würde sie nie. Deine Mutter hat deine Freundschaft mit der Tochter eines schlichten Verwalters nie gebilligt.“

„Das tut mir leid“, bemerkte Gabriel automatisch.

Regan zuckte die Achseln. „Warum sollte es? Ich bin nie davon ausgegangen, dass du ihre Ansichten teilst. Tatsächlich neigtest du sogar dazu, zu fast jedem Thema die gegenteilige Meinung zu vertreten. Übrigens auch gegenüber deinem Vater, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht. Trotzdem muss sein Tod dich schwer getroffen haben.“

„Wie du richtig bemerkst, konnte man die Beziehung zu meinen Eltern nie als sehr eng beschreiben“, erwiderte Gabriel trocken, „aber ja, es hat mich dennoch erschüttert. Oder eher gesagt, es war erschütternd für das System.“

„Eine merkwürdige Formulierung.“

Nun zuckte Gabriel die Achseln. „Es ist fünf Jahre her. Schnee von gestern …“

Sie fühlte sich abgewiesen. Allerdings wusste sie, dass ihre Vorstellung, dort wieder anfangen zu können, wo sie aufgehört hatten, nicht nur naiv war, sondern sogar dumm. Vor ihr saß nicht Gabriel, der Freund aus Kindertagen, sondern der sechste Duke of Blairmore, ein Mann von Welt, selbstsicher, höchst attraktiv und im Grunde ein Fremder. Ein ziemlich einschüchternder Fremder. Ihr Teelöffel klirrte gegen zartes Porzellan, und jäh wurde ihr bewusst, dass sie eine leere Tasse in ihrer kaum merklich bebenden Hand hielt. Rasch stellte Regan die Tasse ab. „Und wie ist es, einen Titel zu führen, wie er in England kaum renommierter und geachteter sein könnte?“, fragte sie betont munter.

„Schwer. Bedrückend. Ich könnte so fortfahren, aber ich will dich nicht langweilen.“

„Du hattest immer andere Prioritäten als Machtausübung und was dazugehört, oder?“

„Heute bleibt mir keine Wahl mehr.“ Gabriel versteifte sich. „Eben das geht mit dem Besitz einher, und noch andere, ebenso unwillkommene Verantwortlichkeiten. Ich muss andere Prioritäten setzen.“

Ihr Lächeln verschwand. „Ich meinte nur, dass du, als du jünger warst …“

„Wie lange ist das her, Regan?“ Gabriel setzte seine unberührte Teetasse ab. Er lächelte mühsam. „Hast du gesehen, dass das Horn des Einhorns nachgewachsen ist?“, fragte er mit Blick auf den großen, kunstvoll beschnittenen Busch vor dem Portal, der in Form dieses Fantasiegeschöpfes das Tor hütete.

„Das war, glaube ich, das einzige Mal, dass ich mich je geweigert habe, mich von dir herausfordern zu lassen.“ Regan schenkte sich eine zweite Tasse Tee ein. „Was gab es für einen Aufstand! Ich hatte zwar nur Wache gestanden, während du es abschnittest, aber trotzdem hielt mein Vater mir eine gewaltige Strafpredigt.“

„Er muss dir fehlen.“

Sie nickte. Als ihr Vater starb, war Gabriel im Internat gewesen. Er hatte ihr nicht geschrieben, und als er zu den Sommerferien nach Hause kam, waren sie und ihre Mutter schon nicht mehr auf Blairmore. Sie hatte nie wieder von ihm gehört, und sein Schweigen hatte sie lange geschmerzt. Sie glaubte, er werde sich nun dazu äußern, doch entweder erinnerte er sich nicht seines Versäumnisses, oder sein Schuldgefühl ließ ihn schweigen. Oder vielleicht war es ihm schlicht einerlei. „Deine Mutter trug nicht lange Trauer“, äußerte er.

Regan versteifte sich. „Papa war von vier Söhnen der jüngste, und ich, sein einziges Kind, war nur ein Mädchen Als er starb, wollte sein Vater, Lord Dallilongart, mit uns nichts zu schaffen haben. Daher kann man Mama nicht tadeln, dass sie sich schnell zur Wiederheirat entschloss. Sie war meinem Stiefvater sehr zugetan. Immerhin blieben ihnen fünf glückliche Jahre.“

„Ein Fieber raffte sie dahin, soweit ich weiß?“

„Ja, das gesamte Dorf war betroffen. Fast hätten wir auch den kleinen Jack verloren.“ Wieder wartete sie auf eine Reaktion, doch anscheinend fand Gabriel, da seit dem traurigen Ereignis fünf Jahre vergangen waren, seien Beileidsbekundungen für nicht mehr notwendig. Behutsam stellte sie ihre Tasse auf den Teetisch. „Jack ist mein jüngster Bruder.“

„Und ich verstehe recht, dass du für noch zwei weitere Halbgeschwister sorgst?“

„Ja.“ Seine Miene war völlig ausdruckslos. Er irritierte sie. Machte er nur Konversation, oder war er ehrlich interessiert? „Portia ist neun, Lando acht und Jack sechs“, erklärte sie.

„Lando?“ Er runzelte die Stirn.

„Orlando. Und Jack heißt eigentlich Ajax.“

„Guter Gott!“

Zu ihrer Erleichterung lächelte er endlich. „Ja, bei der Namensgebung ihrer Kinder übertrieb Mama in ihrer Verehrung für unseren großen Dichter ein wenig.“ Sie lachte leise.

„Dann sei dankbar, dass sie dich nicht Goneril genannt hat“, sagte Gabriel, nicht ganz bei der Sache. Ihr Lächeln lenkte ihn ziemlich ab. Wie süß ihre Mundwinkel sich dabei aufbogen! Und sie hatte ein hübsches Lachen, gedämpft und verführerisch, wie Seide auf glatter Haut. Regan, die überhaupt nicht mehr die war, die er erwartet hatte. War es ein Fehler, sie eingeladen zu haben? Er war so versessen darauf gewesen, seinen sorgsam erdachten Plan in die Tat umzusetzen, dass er gar nicht überlegt hatte, wie sie ihn aufnehmen würde.

Als ob sie seine Gedanken gelesen hätte, stellte Regan die Frage, die sie am meisten beschäftigte, seit sie die Einladung nach Blairmoor erhalten hatte. „Ich muss sagen, Gabriel, deine Einladung kam höchst überraschend. Natürlich habe ich mich gefreut. Ich bin mir bewusst, welch große Ehre es ist, auf Blairmore Hall Gast sein zu dürfen, besonders um diese Jahreszeit. Was war der Anlass, nach all den Jahren den Kontakt zu suchen?“

„Nun, was das angeht …“ Gabriel zögerte. Ihm wurde jäh bewusst, dass er einfach vorausgesetzt hatte, Regan werde, wie früher immer, ohne Einwände seinem Vorschlag entsprechen. Aber die Regan, die nun vor ihm saß, war eindeutig nicht mehr das fügsame Dingelchen, an das er sich erinnerte – sondern war offenkundig eine sehr selbstsichere, erstaunlich attraktive Frau, die, wie er befürchtete, durchaus ihren eigenen Kopf hatte. Er stand auf und zog seine Schnupftabakdose hervor. Angelegentlich drehte und wendete er sie zwischen seinen Fingern. „Also, es ist so“, sagte er abrupt. „Ich muss mich vermählen.“

Alle möglichen Gründe hatte Regan sich ausgemalt, dieser jedoch war ihr nie in den Sinn gekommen. Sie war außerordentlich erleichtert, dass sie ihre Tasse schon abgesetzt hatte, andernfalls würden nun tausend Scherben zerschellt am Boden liegen. „Du musst … du willst …“ Ihre Stimme schien von sehr weit weg zu kommen.

„Ich bin neunundzwanzig, es wird höchste Zeit, an Nachwuchs zu denken“, antwortete Gabriel, anscheinend immer noch auf seine Schnupftabakdose konzentriert. „Seit ich vor fünf Jahren den Titel erbte, gab es … gab es andere, sehr dringliche Angelegenheiten zu regeln, doch das ist nun abgeschlossen. Für einen Erben zu sorgen, ist nun die letzte Verpflichtung, die der Titel mir auferlegt. Es wird Zeit. Ich kann es nicht mehr aufschieben.“

Autor

Marguerite Kaye
Marguerite Kaye ist in Schottland geboren und zur Schule gegangen. Ursprünglich hat sie einen Abschluss in Recht aber sie entschied sich für eine Karriere in der Informationstechnologie. In ihrer Freizeit machte sie nebenbei einen Master – Abschluss in Geschichte. Sie hat schon davon geträumt Autorin zu sein, als sie mit...
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