Zurück im Bett des feurigen Sizilianers

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Als Rocco sich über sie beugte, verschmolzen Vergangenheit und Gegenwart, sodass Nicole für einen verwirrenden Moment alles vergaß - bis auf das drängende Verlangen ihres Körpers. Scheidung? Aufgebracht reist der sizilianische Unternehmer Rocco Barberi nach Cornwall, wohin seine Noch-Ehefrau nach dem Ende ihrer Liebe geflohen ist. Doch Nicole wiederzusehen, löst dasselbe hitzige Begehren in ihm aus wie früher: Mit ihren dunklen Locken und ihren aufregenden Kurven ist sie wie Feuer in seinem Blut! Rocco macht ihr einen Vorschlag: Wenn sie ihn nach Monaco zu einem wichtigen Geschäftstermin begleitet, ist er bereit, die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Aber insgeheim verfolgt er längst einen anderen Plan …


  • Erscheinungstag 28.08.2018
  • Bandnummer 2350
  • ISBN / Artikelnummer 9783733710361
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

In Rocco Barberis Adern brodelte der Zorn, und diese Tatsache ließ ihn abrupt innehalten. Denn Zorn gestattete er sich nicht. Er war als kalt berechnender Mann bekannt. Seine unerbittlichen sizilianischen Züge verrieten keine Gefühlsregungen, und seine Feinde behaupteten, er würde einen vorzüglichen Pokerspieler abgeben. Warum tobte der Zorn dann in ihm wie ein Orkan, als er jetzt vor einem winzigen Kunsthandwerkladen in irgendeinem gottverlassenen Dorf in Cornwall stand?

Er wusste, warum. Ihretwegen. Seine Frau war der Grund. Er verzog den Mund. Seine von ihm getrennt lebende Frau. Die Frau, die in diesem Laden stand und irgendeine Vase betrachtete. Die dichten schwarzen Locken fielen über ihren Rücken und lenkten den Blick zwangsläufig auf ihre schmale Taille und den hübsch gerundeten Po. Die Frau, die ihn skrupellos verlassen hatte, ohne Rücksicht auf seinen Ruf und alles, was er für sie getan hatte.

Er stieß die Tür auf, und die Glocke bimmelte laut, als er in den Laden trat. Die Frau hob den Blick, ihre Miene wurde starr vor Schreck, und Rocco freute sich flüchtig über die Fassungslosigkeit in diesen grünen Augen, die ihn einmal verzaubert hatten. Er hörte, wie sie tief einatmete, und als sie die Vase abstellte, zitterten ihre Finger. Gut, dachte er finster. Sehr gut.

„Rocco“, sagte sie atemlos und schluckte verkrampft. „Was … was tust du hier?“

Er ließ sich Zeit mit der Antwort, um die plötzliche Spannung zu steigern, die wie eine Gewitterwolke in dem kleinen Laden hing. „Du hast mir die Scheidungsunterlagen zukommen lassen, Nicole“, sagte er betont ruhig. „Was hast du denn geglaubt, was geschehen würde? Dass ich dir die Hälfte meines Vermögens überschreibe und dabei zusehe, wie du deine hübschen Locken in den Nacken wirfst und auf Nimmerwiedersehen verschwindest? Hast du darauf gehofft?“

Sie strich sich eine dunkle Korkenzieherlocke aus dem leicht geröteten Gesicht, die Geste einer Frau, die sich ihres umwerfenden Aussehens nicht bewusst war. Rocco war nicht darauf vorbereitet, dass sein Begehren erwachte. Hätte Nicole sich ein bisschen sorgfältiger zurechtgemacht, wenn sie gewusst hätte, dass er kommen würde, vielleicht etwas Kleidsameres angezogen als diese verwaschenen Jeans und die duftige weiße Bluse, die viel zu viel von ihren herrlichen Brüsten verbarg?

„Natürlich nicht“, antwortete sie immer noch ein wenig außer Atem. „Ich hatte nur gedacht …“

„Ja?“ Sein Ton war ausdruckslos, und Nicole verzog das Gesicht.

„Dass du mich irgendwie vorwarnen würdest.“

„Wie du mich vorgewarnt hast, als du aus unserer Ehe ausgebrochen bist?“

„Rocco …“

„Oder als dein Anwalt mir letzte Woche diese Dokumente geschickt hat?“, fuhr er erbarmungslos fort. „Deine Höflichkeit reichte nicht einmal für einen Anruf, um mich wissen zu lassen, dass du die Scheidung einreichen willst, nicht wahr, Nicole? Was für mich natürlich den Schluss nahelegte, dass du Überraschungen liebst. Und jetzt bin ich hier“, schloss er leise. „Deine große Überraschung.“

Nicole war schwindlig. Sie fühlte sich schwach. Und nicht nur wegen der harten Vorwürfe, die ihr entgegengeschleudert wurden. Nach einem Blick in seine blitzenden Augen fragte sie sich, wie es möglich war, dass sie sich bereits nach wenigen Sekunden in seiner Gegenwart verwirrt und im Nachteil fühlte. Sie hatte Rocco Barberi sehr lange nicht gesehen, und doch hatte er die gleiche verheerende Wirkung auf sie wie früher. Vielleicht noch schlimmer. Sie hatte vergessen, wie seine Präsenz den Raum ausfüllte, sobald er eintrat. Sie hatte es vergessen, weil sie sich gezwungen hatte, den Mann zu vergessen, den sie geliebt hatte, auch wenn es seinerseits nichts anderes als Pflichterfüllung gewesen war, als er ihr den Ehering über den Finger gestreifte hatte. Sie fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen. Vielleicht war es dumm von ihr gewesen, etwas Tiefergehendes zu erwarten, während ihre Beziehung doch von Anfang an zum Scheitern verurteilt war wie jede Beziehung dieser Art. Theoretisch war die Verbindung von reichem Mann und armem Mädchen ja schön und gut, aber in der Praxis …

Sie dachte an den Wirbel, den ihre unpassende Heirat verursacht hatte, an all die reißerischen Schlagzeilen. Seinerzeit war es eine tolle Story gewesen. Sizilianischer Milliardär heiratet Putzfrau – und dann zwangsläufig: Was mit einer Märchenhochzeit begann, nimmt eine bittere Wende. Und es endete so abrupt, wie alles begonnen hatte. Sie hatte ihn und ihre Ehe aufgegeben, weil es so sein musste. Die Kluft zwischen ihnen war so groß geworden, dass es kein Zurück mehr gegeben hatte, und als sie das Kind verloren hatte, war auch kein Grund mehr vorhanden gewesen, länger zusammenzubleiben. Sie hatte sich befreien müssen, um überleben zu können.

Das hatte sie sich immer und immer wieder eingeredet, nachdem sie Sizilien verlassen hatte. Anfangs war ihr jede schmerzliche Minute wie eine Ewigkeit vorgekommen, doch dann wurden aus Tagen Wochen und irgendwann Monate. Sie hatte Roccos Anrufe nicht angenommen und nicht auf seine Briefe reagiert, denn nur ein klarer Schnitt gab ihr genug Mut, um die Ehe zu beenden, auch wenn es damals wie Folter für sie gewesen war. Als aus den Monaten Jahre wurden, vermutete sie, dass Rocco wie sie die Notwendigkeit ihrer Trennung eingesehen hatte. Und doch stand er jetzt wie aus heiterem Himmel vor ihr. Es war, als drückte eine harte Faust ihr das Herz ab. Der Schmerz der Vergangenheit überfiel sie erneut mit solcher Macht, dass es ihr beinahe den Atem nahm.

Sie musste sich auf eines konzentrieren: auf ihre kurze Zeit als Roccos Frau. Auf die Wirklichkeit, nicht auf das Märchen, das es nie gegeben hatte.

Es verhinderte jedoch nicht, dass sie ihn ansah, den Blick über seinen athletischen Körper wandern ließ. Er trug wieder einen seiner bevorzugten anthrazitfarbenen Anzüge, die seine bemerkenswerte Statur so vorteilhaft betonten. Nicoles Kehle war wie ausgedörrt, als sie den lebhaften Kontrast seines hellen Hemdes zu seiner bronzefarbenen Haut registrierte. Hatte sie gehofft, inzwischen gewissermaßen immun gegen ihn zu sein? Natürlich, denn Hoffnung ist das Gefühl, das der Logik trotzt, das bewirkt, dass man am Morgen aufsteht und einen Schritt nach dem anderen tut, ganz gleich, wie düster die Welt dort draußen erscheinen mag. Doch Rocco wirkte noch umwerfender, als sie ihn in Erinnerung hatte, als hätte seine kraftvolle erotische Ausstrahlung durch die lange Abwesenheit sogar noch gewonnen.

Der dunkle Bartschatten auf seinen Wangen betonte seine auffallend blauen Augen. Augen, die einen mit einem einzigen Blick umhauen konnten. Mit einem Blick, der einen auszog, bevor die Hände noch entschieden effizienter in Aktion traten.

Nicoles Herz klopfte wild. Ihr war, als hätte Rocco ohne jegliche Anstrengung all ihre Sinne geweckt. Sie spürte ein Prickeln in den Brüsten und flüssige Glut im Unterleib. Eine vertraute Unruhe bemächtigte sich ihres Körpers, und die Erinnerung daran, wie sie in seinen Armen gelegen hatte, reichte aus, um ihr erneut die Röte in die Wangen zu treiben. Doch all diese Gedanken und Gefühle verstörten sie nur und waren Zeitverschwendung. Rocco zu begehren, das war zwecklos. Sie bedeutete ihm nichts, hatte ihm nie etwas bedeutet, war lediglich die Frau, die er geheiratet hatte und die ihm dann das Kind, das sie trug, nicht schenken konnte. Es war vorbei. Es hatte nie richtig angefangen. Wichtig war jetzt, kühl und sachlich aufzutreten.

„Nun, was kann ich für dich tun, Rocco?“ Sie blickte ihn fragend mit bemüht neutralem Gesichtsausdruck an. „Willst du etwas Bestimmtes mit mir besprechen, und wenn ja, sollten wir das nicht lieber unseren Anwälten überlassen?“

„Ich bin hier“, sagte er bedächtig, „weil ich glaube, wir könnten uns gegenseitig einen Gefallen tun.“

Sie musterte ihn argwöhnisch. „Ich verstehe nicht ganz. Wir haben uns getrennt, und getrennt lebende Ehepartner tun einander gewöhnlich keinen Gefallen.“

Rocco strich sich mit dem Daumen über die Unterlippe. Ihm war durchaus bewusst, dass mancher das, was er im Sinn hatte, als emotionale Erpressung bezeichnen würde. Na und? Hatte seine oberflächliche grünäugige Noch-Ehefrau nicht genau das verdient, was sie bekommen sollte? In seiner Schläfe pochte eine Ader. Sollte sie nicht allmählich erfahren, dass man Rocco Barberi nicht verärgerte oder aber den Preis dafür zahlte? Er war gekommen, um ihr genau auseinanderzusetzen, was er von ihr wollte, wohl wissend, dass sie gezwungen war, ihm seinen Wunsch zu erfüllen, wenn sie die verdammte Scheidung wollte.

Er hatte geglaubt, es würde ein Leichtes für ihn sein. Geradeheraus. Eine einfache Rechnung: A + B = C. Doch er hatte vergessen, das Begehren einzukalkulieren. Ein Begehren, das ihn völlig überrumpelte. Er hatte sich vorgestellt, sie wie jede andere Ex-Geliebte zu sehen, mit kühlem Gleichmut. In der Vergangenheit hatte es sich stets bewährt, denn sobald man den Körper einer Frau wiederholt genossen hatte, nahm der Appetit auf sie unweigerlich ab. Aber das war jetzt nicht der Fall. Rocco hätte gern gewusst, was sie an sich hatte, dass er so auf sie reagierte und Schwierigkeiten hatte, sich auf etwas anderes zu konzentrieren als auf die Vorstellung, wie es wäre, wieder tief in sie einzudringen – wieder und wieder, bis sie bebend seinen Namen rief. Lag es daran, dass sie einmal seinen Ring getragen hatte und diese Symbolik ihn tiefer beeindruckte, als er gedacht hatte?

In hartem Ton sagte er: „Du musst etwas für mich tun.“

„Tut mir leid, Rocco. Da bist du an die Falsche geraten.“ Sie schüttelte den Kopf, und ihre dunkle Lockenpracht flog schimmernd um ihre Schultern. „Ich muss nichts für dich tun. Wir lassen uns scheiden. Schon vergessen?“

„Vielleicht“, antwortete er leise. „Vielleicht auch nicht.“

Sie sah ihn bestürzt an. „Aber wir haben die vorgeschriebene Trennungszeit absolviert und können uns scheiden lassen.“

„Ich weiß, was das Gesetz verlangt. Aber beide Parteien müssen einverstanden sein.“ Er legte eine Pause ein. „Denk darüber nach, Nicole. Du brauchst meine Einwilligung, um unsere Ehe zu beenden. Wenn ich will, kann ich den Prozess jahrelang hinauszögern.“

Als sie die unmissverständliche Drohung in seinen Worten vernahm, wäre Nicole am liebsten spontan davongelaufen. Bis sie sich ins Gedächtnis rief, dass Spontaneität sich in Bezug auf Rocco nie bewährt hatte. Sie hatte sie vielmehr in seine Arme und in sein Bett getrieben, obwohl sie tief im Inneren gewusst hatte, dass er nur Sex von ihr wollte. Und sie hatte recht gehabt, oder?

Aber so war sie jetzt nicht mehr. Sie war nicht mehr das unschuldige Mädchen mit der rosaroten Brille, das sich von seinem mächtigen Chef verführen ließ. Das den Wonnen seiner meisterhaften Zärtlichkeiten verfiel. Sie war nicht mehr die unberührte junge Reinigungskraft, die ihm all seine aalglatten Lügen glaubte. Die gehorsam die in Soho gekaufte Reizwäsche trug und sich vor Lust aufbäumte, wenn er sie raffiniert verwöhnte. Sie hatte hingebungsvoll all seine Wünsche erfüllt, denn sie wollte ihm genauso viel Lust bereiten, wie er ihr bescherte. Sie wollte ihn verwöhnen, seine perfekte Geliebte sein, in der Hoffnung, dass sie ihm eines Tages genauso viel bedeutete, wie er ihr zu jenem Zeitpunkt schon bedeutet hatte. Doch Rocco hattesich schon bald, nachdem sie ihm ihre Unschuld geopfert hatte, von ihr distanziert. Während der Arbeitszeit ging er ihr aus dem Weg. Plötzlich standen dringende Geschäftsreisen an, die er unbedingt wahrnehmen musste. Auf diese Weise befreite er sich vermutlich immer aus dem Klammergriff seiner Geliebten.

Wahrscheinlich hätte er alles darangesetzt, Nicole nie wiedersehen zu müssen, wenn ihm die Natur nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht und ihnen beiden die Rollen zukünftiger Eltern zugewiesen hätte. Sie schluckte bei der schmerzlichen Erinnerung und sagte sich, dass all das doch Vergangenheit war. Jetzt war alles anders. Sie hatte sich an das Leben als Single gewöhnt. Und ja, ihr kleiner Kunsthandwerkladen warf nur knapp genug zum Leben ab, aber sie verwirklichte zumindest ihre Träume, statt in einem Albtraum zu leben. Sie brauchte weder Rocco Barberi noch seine Milliarden oder sein kaltes, gefühlloses Herz.

Nicole straffte die Schultern, hob den Kopf und begegnete dem Blick seiner saphirblauen Augen. „Warum zum Kuckuck willst du mir dein Einverständnis nicht geben, obwohl unsere Ehe am Ende ist?“

„Hast du deswegen nicht auf meine Briefe geantwortet? Weil du ganz allein zu diesem Schluss gekommen bist?“

„Tief im Herzen wussten wir es doch beide!“, verteidigte sie sich. „Ich habe einfach keinen Sinn darin gesehen, die Quälerei noch länger fortzusetzen.“

Er verschränkte die Arme vor der Brust und öffnete den Mund, um zu antworten, doch die Türglocke kam ihm zuvor, und eine Frau mittleren Alters trat in den Laden. Nahm sie die aufgeladene Atmosphäre wahr? Ließ sie deswegen den Blick unsicher zwischen Rocco und Nicole hin und her wandern?

„Entschuldigen Sie“, sagte sie. „Haben Sie …?“

„Wir haben geschlossen“, unterbrach Rocco sie kurz angebunden. Nicole wollte widersprechen, doch es war bereits zu spät, denn die Frau huschte unter gemurmelten Entschuldigungen schon wieder nach draußen.

Nun fiel seine Noch-Ehefrau über ihn her. All ihre Höflichkeit war vergessen, und ihre smaragdgrünen Augen sprühten Funken.

„Was fällt dir ein?“, fauchte sie empört. „Wie kannst du einfach in meinen Laden marschieren und meine Kunden vergraulen!“

„Das hast du doch gesehen“, entgegnete er. „Also, lass es dir noch einmal in aller Deutlichkeit sagen, damit keine Missverständnisse entstehen: Du hast die Wahl, Nicole. Entweder schließt du den Laden, oder wir treffen uns nach Ladenschluss. Denn ich will nicht noch einmal gestört werden, wenn ich dir meinen Vorschlag unterbreite.“

„Deinen ‚Vorschlag‘?“

„Ganz recht.“

„Und wenn ich nicht darauf eingehe?“

„Warum solltest du nicht? Du willst deine kostbare Freiheit, oder? Dann läge es durchaus in deinem Interesse, mich bei Laune zu halten.“

Nicole verkrampfte sich innerlich, denn in seinem Tonfall schwang diese samtige Zärtlichkeit mit, die sie früher in seine Arme getrieben hatte. Aber jetzt nicht mehr. Der Zug war abgefahren. Sosehr ihr Körper sich auch nach Roccos Nähe sehnen mochte, sie würde sich mit aller Macht gegen seine Anziehungskraft wehren. Und er hatte recht. Es würde bestimmt nicht schaden, sich seinen Vorschlag anzuhören. Ihn bei Laune zu halten, ihrer Freiheit einen Schritt näher zu kommen.

„Gut.“ Sie seufzte. „Wir könnten uns nach der Arbeit auf einen Kaffee treffen. Ein kleines Café im Hafen ist dann noch geöffnet.“

„Nein.“ Er schüttelte den Kopf und presste die Lippen zusammen. „Ich will mich nicht in aller Öffentlichkeit in irgendeinem verdammten Café mit dir treffen. Ich besuche dich in deiner Wohnung, Nicole. Um mit eigenen Augen zu sehen, welche Umgebung du deinem Zuhause auf Sizilien vorziehst.“

Nicole lag es auf der Zunge, zu sagen, dass sie das luxuriöse Anwesen der Barberis eher als ein Gefängnis empfunden hatte, aber es wäre Unsinn gewesen, noch einmal nachzutreten. Der Anblick ihrer Wohnung war womöglich dazu angetan, Rocco klarzumachen, wie wenig ihr Geld und Privilegien bedeuteten, wenn es um ihren Seelenfrieden ging.

„Gut. Ich wohne über dem Teeladen in der Greystone Road. Nummer siebenunddreißig“, sagte sie widerwillig. „Aber komm nicht vor sieben.“

„Capisce.“ Er nickte und sah Nicole eindringlich an. Er war der schönste Mann, dem sie je begegnet war, und daran hatte sich nichts geändert. Er ließ ihr Herz noch immer schneller schlagen. Jagte ihr Schauer über den Rücken und weckte ein erotisches Prickeln in ihrem Körper. Gleichzeitig rief er Erinnerungen an die dunkelste Zeit in ihrem Leben wach, an ihre Angst, sich nie davon erholen zu können. Doch es war ihr gelungen, und zwar ohne seine Hilfe, denn sie taten einander nicht gut. Das hatte sie akzeptiert. Es war höchste Zeit, dass auch Rocco es einsah.

Und plötzlich wünschte sie ihn fort aus ihrem Laden, bevor sie sich dem Schmerz hingab, der in ihr aufwallte und nach außen drängte. Bevor sie unter der Erinnerung an all das, was sie verloren hatte, in bittere Tränen ausbrach.

2. KAPITEL

Zwei Tassen Kräutertee und die strenge Ermahnung, dass emotionale Reaktionen nichts bewirken würden, führten dazu, dass Nicole nicht gar so nervös war, als sie zu Hause ankam und Rocco vor ihrer Wohnung wartend vorfand. Sie hatte sich selbst zu Ruhe und Unvoreingenommenheit im Umgang mit ihm geraten, aber im Hinblick auf einen Mann wie Rocco war das vielleicht zu viel verlangt.

In der schmalen Cornwall-typischen Straße wirkte er fehl am Platz. Ihr Noch-Ehemann war ein Sinnbild unbewegter Düsternis; sein weißes Seidenhemd war das Einzige, was seine schattenhafte Gestalt und seine harten Züge aufhellte. Nicoles Herz begann zu hämmern, als sie auf ihn zuging.

Die übliche Schar von Urlaubern ergoss sich aus der Teestube unter ihrer winzigen Wohnung, und jeder Einzelne drehte sich nach Rocco um. Ganz abgesehen davon, dass er der Chef eines internationalen Pharmakonzerns war und zu den reichsten Männern der Welt zählte, hätte er wohl auch Aufmerksamkeit erregt, wenn er ein Habenichts gewesen wäre. Das durfte sie nicht vergessen. Sie durfte nicht vergessen, dass sie trotz ihrer schmerzlichen Gefühle genauso empfänglich für ihn war wie jede andere Frau.

Er könnte ihr noch einmal wehtun.

Er fixierte sie mit seinen blauen Augen, und Nicole fühlte sich seltsam befangen.

„Du bist früh gekommen“, sagte sie und kramte in ihrer Tasche nach den Schlüsseln.

„Du weißt doch, wie das ist. Ich konnte es nicht erwarten“, spöttelte er.

Sie lächelte gezwungen. „Dann komm schon rein.“

Rocco trat zurück, um sie vorbeizulassen. Er reagierte gegen seinen Willen unwillkürlich auf ihren Duft, als sie die Haustür öffnete, diesen Duft, der mit Parfüm nichts zu tun hatte. Es war ihr ureigenes Wesen, das er früher so berauschend gefunden hatte. Und immer noch berauschend fand, wenn er ehrlich war, und das hatte er nun wirklich nicht erwartet. Aber andererseits hatte Nicole einfach dieses Talent, unerwartete Reaktionen in ihm zu wecken. Der provozierende Blick aus ihren grünen Augen hatte ihn dazu veranlasst, gegen jede erdenkliche Regel zu verstoßen, und ihre kurvenreiche Figur ließ sie femininer erscheinen als alle anderen Frauen, die er kannte.

Als er sie seinerzeit verführt hatte, war er davon überzeugt gewesen, dass sie Erfahrung hätte. Warum auch nicht, wenn sie nach ihrer ersten Begegnung wie verrückt mit ihm flirtete? Trotzdem hatte er sie erst bei ihrer vierten Verabredung auch nur angefasst, etwas, was für ihn unvorstellbar war. Obwohl sie ihn eindeutig begehrte hatte – welche Frau begehrte ihn nicht? –, hatte er sich gezwungen zu warten. Er wusste bis heute nicht, warum. Vielleicht hatte er die Erfüllung nur so lange wie möglich hinausschieben wollen, um diesen köstlichen Zustand des Begehrens zu bewahren, der ihn so erregte.

Und dann hatte er festgestellt, dass sie noch unberührt gewesen war, und das war eine völlig neue Situation. Es hatte ihn umgehauen. Das intime Zusammensein mit Nicole Watson hatte jede andere sexuelle Erfahrung in den Schatten gestellt, und jetzt war Rocco versucht, sie in die Arme zu nehmen und zu sehen, ob es sich so gut anfühlte wie in seiner Erinnerung. Zu gern hätte er sich in ihrem weichen, femininen Körper verloren, in der feuchten Glut, die ihn jederzeit erwartet hatte.

Aber sie hatte ihn verlassen.

Sie hatte ihm alles vor die Füße geworfen.

Die Erinnerung daran machte sein Begehren schlagartig zunichte. Er folgte Nicole die wacklige Treppe hinauf und konnte seine Geringschätzung angesichts ihres beengten Wohnzimmers kaum verbergen. Er verzog den Mund. Hier wollte sie leben? Eine Barberi in so einer Behausung? Jedes Dienstmädchen konnte etwas Besseres vorweisen!

Rocco schaute sich um. Das Zimmer war klein. Unglaublich klein. Auf einem winzigen Sofa lag eine bunte Decke, die ihre beste Zeit lange hinter sich hatte. Außerdem gab es einen durchgesessenen Sessel, einen altmodischen Elektroofen und einen bogenförmigen Durchgang zu einer winzigen Küche. Das war alles.

Auf einem einsamen Foto erkannte er ihre Mutter – von ihm gab es keines. Rocco presste die Lippen zusammen. Hatte er wirklich etwas anderes erwartet? Womöglich eine Aufnahme von ihnen beiden vor der sizilianischen Kathedrale, Nicole mit wehendem Schleier über dem dunklen Haar und flachem Bauch, dem ihre Schwangerschaft noch nicht anzusehen war?

Er biss die Zähne zusammen und fragte sich, wieso er ausgerechnet jetzt an dieses Tabuthema dachte, doch mit geübter Härte verdrängte er die Erinnerungen und blickte Nicole an, die so verändert aussah. Die frühere Eleganz war einem Bohemien-Stil gewichen. Ihre Kleidung entsprach seinen Anforderungen an eine Geliebte, war jedoch völlig unangemessen für die Ehefrau eines Barberi. Silberne Kreolen blitzten unter den wilden dunklen Locken, kein Lächeln lag auf den sinnlichen Lippen.

„Nun“, sagte Nicole. „Worum geht es, Rocco?“

Er überlegte, sie wegen ihrer Unhöflichkeit zur Rede zu stellen. Er hatte sie aus der Gosse gezogen und ihr die Chance auf ein besseres Leben geboten. Er hatte ihr alles beigebracht. Alles. Wie sie sich kleiden, wie sie sich benehmen musste. Wann sie reden, wann sie schweigen sollte. Und jetzt begegnete sie ihm mit kaum verhohlener Ungeduld, als wäre er ein hartnäckiger Vertreter, der den Fuß in die Tür gestellt hatte.

„Du bietest mir nicht einmal einen Kaffee an?“, fragte er mühsam beherrscht.

„Dazu bleibt keine Zeit. Ich habe keinen längeren Besuch eingeplant. Du etwa?“ Sie blickte ihn forschend an. „Du wolltest mir etwas sagen, also sprich.“

Er setzte sich auf die Armlehne des Sofas und streckte die langen Beine aus. „Du musst ein bisschen Theater für mich spielen“, sagte er.

„Theater?“, wiederholte sie verständnislos. „Wovon redest du?“

„Du sollst die Rolle meiner Frau spielen.“ Er lachte freudlos. „Oder vielmehr, die Rolle meiner versöhnungsbereiten Frau.“

„Deiner ‚versöhnungsbereiten Frau‘? Bist du verrückt geworden?“

Rocco dachte daran, wie oft er sich diese Frage selbst gestellt und sich gewundert hatte, dass er sich in jemanden wie sie verlieben konnte. Warum ihn trotz seiner Beliebtheit bei Frauen seiner eigenen Gesellschaftsschicht ausgerechnet diese gefesselt hatte, eine schlichte Reinigungskraft in seiner Londoner Firmenzentrale. Ihretwegen hatte er Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die ihn jetzt noch schaudern ließen. Etwa wenn er daran dachte, wie er seine Bürotür abgeschlossen und Nicole auf dem Schreibtisch genommen hatte. Er sah noch vor sich, wie sie ihm die Hüften entgegenwölbte, als würde sie ihn bitten, ihr den Slip auszuziehen. Und er gehorchte mit zitternden Händen, streichelte ihre Schenkel und liebkoste das Zentrum ihrer Weiblichkeit, bevor er mit einem Verlangen in sie eindrang, das ihm den Verstand zu rauben drohte. Er schluckte. Seine legendäre Selbstbeherrschung hatte ihn in dem Moment im Stich gelassen, als er Nicole berührt hatte. Der mächtige Chef von Barberi Associates gab sich mit einer seiner niederen Beschäftigten ungezügelt seiner Lust hin, die Hose auf den Schuhen wie ein Teenager!

Er schluckte erneut und schüttelte den Kopf. „Ganz im Gegenteil, tesoro, ich meine es todernst. Dieser Scheidungsantrag hätte für mich nicht ungünstiger kommen können.“

„Ach?“

„Ja, wirklich. Ich stecke mitten in einer geschäftlichen Transaktion, die momentan auf Messers Schneide steht.“

„Du liebe Zeit. Ich dachte, in geschäftlichen Dingen wärst du zu hundert Prozent erfolgreich. Du lässt nach, Rocco.“

Er lächelte gereizt. „Es geht um ein großes Geschäft“, sagte er leise. „Seit langer Zeit das größte. Ich stehe in Verhandlungen für eine feindliche Übernahme einer europäischen Firma, durch die Barberi zum weltweit größten Pharmakonzern aufsteigen würde.“

„Und wo liegt das Problem?“

Er sah sie an und runzelte die Stirn. „Das Problem besteht in einer gewissen Gegnerschaft. Ein paar von den Gesellschaftern haben eine PR-Agentur eingeschaltet, die Leichen in meinem Keller ausfindig machen soll, und ein problembehaftetes Privatleben könnte Wasser auf ihre Mühlen sein. Einer der wichtigsten Gesellschafter ist obendrein noch Marcel Dupois, der als extrem konservativ bekannt ist, insbesondere in Bezug auf Familienangelegenheiten.“ Er verlagerte sein Gewicht ein wenig. „Das Letzte, was ich brauche, ist eine von mir getrennt lebende Frau, die ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt die Scheidung verlangt.“

„Dann steig aus den Verhandlungen aus.“

„Das will ich nicht.“ Sein Ton wurde hart. „Das Geschäft ist mir zu wichtig.“

Nicole nickte. Natürlich. Geschäfte hatten seit jeher übergeordnete Bedeutung für Rocco. Sie waren das einzig Bedeutsame in seinem Leben, hatten höchste Priorität, sogar vor seiner Frau. Gerade vor seiner Frau. „Was erwartest du denn von mir? Soll ich auf die Scheidung verzichten?“

„Nur vorübergehend.“

„Das habe ich nicht ernst gemeint, Rocco.“

„Ich aber.“ Sein Blick wurde hart. „Todernst.“

„Ich soll den Scheidungsantrag demnach verschieben.“

Autor

Sharon Kendrick
Fast ihr ganzes Leben lang hat sich Sharon Kendrick Geschichten ausgedacht. Ihr erstes Buch, das von eineiigen Zwillingen handelte, die böse Mächte in ihrem Internat bekämpften, schrieb sie mit elf Jahren! Allerdings wurde der Roman nie veröffentlicht, und das Manuskript existiert leider nicht mehr. Sharon träumte davon, Journalistin zu werden,...
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