Am Ende triumphiert die Liebe

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Nasira muss ihren Ehemann verlassen. So liebevoll Sebastian in der Nacht ist, so kühl und abweisend gibt er sich am Tag. Dieses Leben hält sie nicht mehr aus! Nasira flieht vor der Kälte in ihrer Ehe. Sie rechnet nicht damit, dass Sebastian ihr folgt und dass die körperliche Anziehung zwischen ihnen ungebrochen ist. Wenn er sie nur berührt, jagen ihr Schauder der Lust über den Körper. Sebastian schwört, dass er sie immer noch liebt und sich ändern wird. Doch kann sie seinen Worten Glauben schenken?


  • Erscheinungstag 20.02.2018
  • Bandnummer 7
  • ISBN / Artikelnummer 9783733720346
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Nasira Edwards saß in einem bequemen Korbstuhl auf der großen Terrasse der Wild Aces Ranch. Der Blick von dem stattlichen Ranchhaus aus über die saftigen Weideflächen war spektakulär. Ihr Bruder Rafiq hatte die Ranch für seine Verlobte Violet McCallum gekauft, und Nasira genoss jetzt Anfang Mai die warme Brise. In London konnte es zu dieser Jahreszeit noch recht ungemütlich sein.

Ursprünglich war sie nach Royal gekommen, um ihren Bruder von einem unfairen Rachefeldzug abzuhalten. Das kleine texanische Städtchen hatte außer dem legendären TCC, dem Texas Cattleman’s Club, nicht allzu viel Bemerkenswertes zu bieten, war ihr aber schon nach wenigen Wochen irgendwie ans Herz gewachsen. Glücklicherweise hatte sie Rafiq davon überzeugen können, dass er kein Recht hatte, sich an Violets Bruder Mac zu rächen, für einen Fehler, den allein sie zu verantworten hatte, und das vor mehr als zehn Jahren.

Aber das war nicht der einzige Grund, weshalb sie fast überstürzt aus London geflohen war. Sie hatte sich nach Ruhe und Frieden gesehnt, aber noch hatte sie beides nicht gefunden. In Erinnerungen versunken zog sie ein schmales silbernes Armband aus der Tasche. Das hatte Sebastian ihr geschenkt, als der Arzt ihr bestätigt hatte, dass sie schwanger war. Da ihr Mann eigentlich nicht daran interessiert war, Vater zu werden, hatte das Geschenk sie damals überrascht. Aber sie hatte es als Beweis genommen, dass er sich mit ihr auf das Kind freute.

Bis sie eine Fehlgeburt erlitten hatte und alle Hoffnungen auf eine Zukunft als glückliche Familie zerbrachen. Sie war am Boden zerstört gewesen, so sehr hatte sie bereits an diesem winzigen Wesen gehangen. Auch heute noch schmerzte der Verlust, umso mehr, als auch Sebastian sich in dem letzten halben Jahr von ihr abgewandt hatte. Seine kühle Zurückhaltung, wenn sie zusammen waren, hatte sie nicht mehr ausgehalten. Und so hoffte sie, dass der Abstand ihr half, sich über ihre Zukunft klar zu werden.

Als sich hinter ihr die Terrassentür öffnete, nahm sie an, ihr Bruder Rafiq wolle ihr Gesellschaft leisten. Aber es war Mac McCallum.

„Geht’s dir gut?“, fragte er lächelnd.

„Ja, danke. Ich bewundere den Sonnenuntergang.“

„Soso, aber die alte Sonne ist doch schon vor einer ganzen Weile verschwunden. Wie auch immer, meine Schwester schickt mich. Das Essen ist gleich fertig.“

Essen … Sie hatte wenig Appetit in der letzten Zeit. „Das ist sehr lieb, aber ich habe keinen Hunger.“

„Wie du meinst. Aber wenn du so weitermachst, wirst du vom nächsten starken Windstoß einfach umgepustet.“

Sie lächelte kurz und stand auf. „Dann sollte ich vielleicht doch eine Kleinigkeit essen. Bleibst du zum Dinner?“

„Nein, heute nicht. Ich habe noch eine Verabredung mit Andrea.“

Aha … Nasira hatte den Eindruck, dass Macs Interesse an der jungen Frau kein rein geschäftliches war. Was er aber noch nicht einmal sich selbst eingestand, wie seine Schwester Violet meinte. „Beruflich oder zum Vergnügen?“

„Beruflich natürlich.“

„Noch so spät?“

„Das ist bei einem Unternehmen wie McCallum Energy leider nicht zu vermeiden.“

„Ganz sicher nicht.“ Nasira machte ein paar Schritte in Richtung Terrassentür, blieb dann aber stehen und sah Mac ernst an. „Ich möchte mich noch einmal von ganzem Herzen für das entschuldigen, was ich dir damals angetan habe. Es hat mir die ganzen Jahre schwer auf der Seele gelegen, und das mit Recht.“

Mac zuckte kurz mit den Schultern. „Was soll’s! Wir waren beide noch sehr jung. Du hast das Ganze doch nur inszeniert, weil du diesen alten Kerl nicht heiraten wolltest, dem du versprochen warst.“

Ja, ein Mann, den ihr strenger Vater damals für sie ausgesucht hatte, wie es in ihrer arabischen Heimat üblich war. Sie hatte gedacht, der Besuch bei ihrem Bruder in Kalifornien könnte ihr helfen, aus der arrangierten Ehe herauszukommen. Aber ihr Plan hatte schreckliche Folgen gehabt. Rafe hatte sich an Mac rächen wollen.

„Ich hätte dich nie benutzen dürfen, um mein Ziel zu erreichen“, sagte sie Mac. „Mich in dein Bett zu legen, damit mein Vater mich da erwischte, war unmöglich. Und der arme Rafe, der dann von meinem Vater grausam bestraft wurde, weil er nicht besser auf mich aufgepasst hatte! Kein Wunder, dass er nur davon geträumt hat, Rache zu nehmen. Ich mag gar nicht daran denken, was geschehen wäre, wenn ich jetzt nicht rechtzeitig nach Royal gekommen wäre.“

„Aber nun hat sich doch alles aufgeklärt“, meinte Mac beruhigend. „Rafe hat seinen Racheplan aufgegeben. Er will meine Schwester heiraten, und wir sind bald eine große glückliche Familie.“

„Ja, darüber bin ich sehr froh. Auch dass Rafe mir vergeben hat, trotz all dem, was er meinetwegen erdulden musste. Aber ich muss wissen, ob auch du mir verzeihen kannst. Obwohl ich verstehen würde, wenn nicht.“

„Selbstverständlich verzeihe ich dir, Nasira. Das ist doch alles ewig her. Und Rafe weiß jetzt, dass ich nie mit dir geschlafen habe. Alles ist in Ordnung, mach dir keine Sorgen.“

Erleichtert sah sie ihn an. „Danke.“ Aber Sorgen machte sie sich trotzdem, wenn auch nicht um die McCallums und die alten Geschichten von damals, sondern um ihre eigene Ehe.

„Aber gern.“ Doch dann blickte Mac sie nachdenklich an. „Darf ich dich mal was fragen?“

„Nur zu.“

„Eigentlich geht es mich ja nichts an. Aber ich wundere mich, warum dein Mann dich so ganz allein diese Reise hat machen lassen. Was hat er sich dabei gedacht?“

Sie seufzte leise. „Ach, weißt du, das ist alles ziemlich kompliziert. Sebastian ist kompliziert. Selbst nach zehn Jahren Ehe denke ich manchmal, ich kenne den Mann überhaupt nicht.“

Mac nickte nachdenklich. „Wenn ein Mann den Wert seiner Frau nicht schätzt, und anders kann ich mir sein Verhalten nicht erklären, dann ist irgendetwas nicht in Ordnung. Ich hoffe nur, dass er bald erkennt, was er an dir hat.“

Leider ist Sebastian nicht der Typ Mann, der um seine Frau kämpft, dachte Nasira traurig. Die Hoffnung hatte sie längst aufgegeben. „Danke, Mac, es ist sehr lieb, dass du dir um mich Gedanken machst.“

„Ist doch selbstverständlich, schließlich kennen wir uns schon lange. Dann werde ich mich wohl jetzt wieder zur Double M Ranch aufmachen. Doch bevor ich gehe, noch eins.“ Er sah sie ernst an. „Ich weiß, ein großer Bruder genügt dir. Aber wenn du mal Hilfe brauchst, in welcher Form auch immer, kannst du auf mich zählen.“

Wie nett von ihm. So einfühlsam war ihr eigener Mann schon lange nicht mehr gewesen. „Ich danke dir.“

„Halt die Ohren steif, und lass dich nicht unterkriegen. Du verdienst das Allerbeste.“ Freundschaftlich legte er ihr den Arm um die Schultern und zog sie kurz an sich.

„Gut zu wissen.“ Sie lächelte ihn traurig an. Noch vor sechs Monaten hatte sie geglaubt, die glücklichste Frau der Welt zu sein. „Nur dass kein falscher Eindruck entsteht, Sebastian ist nicht gemein oder grausam zu mir. Er ist nur immer sehr beherrscht und distanziert. Schon oft habe ich mir gewünscht, er würde mal aus sich herausgehen und seine Gefühle zeigen. Aber ich muss wohl akzeptieren, dass das nie gesche…“

„Nimm die Pfoten von meiner Frau!“

Und bevor Nasira wusste, was los war, stürzte Sebastian auf die Terrasse und gab Mac einen Kinnhaken, dass der gegen die Terrassenmauer flog.

„Was, zum Teufel, soll das bedeuten?“ Mac hob die Fäuste, doch bevor er den Schlag zurückgeben konnte, schob sich Nasira rasch zwischen die beiden Männer.

„Hört sofort auf!“ Sie sah Sebastian wütend an. „Was soll das denn?“

Er warf Mac einen drohenden Blick zu. „Ich dulde nicht, dass jemand meine Frau begrapscht.“

So hatte sie Sebastian noch nie erlebt, und obwohl Nasira Gewalt von ganzem Herzen ablehnte, tat ihr seine spontane Reaktion irgendwie gut. „Um Himmels willen, Mac ist doch nur ein guter Freund, und er hat mich auch nicht begrapscht, wie du es nennst.“

Mac rieb sich das Kinn. „Wenn ich nicht so viel von Ihrer Frau und ihrem Bruder hielte, würde ich unsere Unterhaltung gern im Garten weiterführen.“

„Nichts dagegen!“ Sebastian ballte wieder die Fäuste.

Nasira stellte sich dicht vor ihn hin. „Hör sofort auf mit diesem Unsinn, Sebastian.“ Dann drehte sie sich zu Mac um. „Entschuldige, ich weiß auch nicht, was in meinen Mann gefahren ist. Normalerweise reagiert er nicht so unbeherrscht. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich gern ein paar Worte mit ihm allein reden.“

„Selbstverständlich.“ Bevor Mac ins Haus trat, warf er Sebastian noch einen mörderischen Blick zu. „Ich lasse Sie jetzt in Ruhe, Edwards, aber nur weil Sie Nasiras Mann sind. Doch ich warne Sie, versuchen Sie so etwas nicht noch mal.“

Sebastian richtete seine Krawatte und gab den Blick zurück. „Wenn ich Sie noch einmal dabei erwische, dass Sie Nasira anfassen, kann ich für nichts garantieren.“

„Wenn Sie sich mehr um Ihre Frau kümmern würden, hätten Sie von mir nichts zu befürchten.“ Damit verschwand Mac im Haus.

Nasira wandte sich Sebastian zu. „Was hast du dir bloß dabei gedacht? Warum bist du überhaupt hier?“

Er ließ die Hände sinken. „Ich habe gar nichts gedacht, sondern nur reagiert, als ich sah, dass dieser Mann dich anfasste. Ein Mann, den du von früher kennst. Und gekommen bin ich, um dich wieder nach London zurückzuholen.“

„Aber ich habe nie etwas mit Mac gehabt! Er hat mir damals nur geholfen, meinem Vater etwas vorzumachen. Was auch klappte, denn Vater glaubte, Mac hätte mit mir geschlafen.“

„Für mich sah es so aus, als wollte er das gerade nachholen.“

Empört sah sie ihn an. „Du hast wirklich eine blühende Fantasie! Und eins musst du dir merken, Sebastian: Ich bin nicht dein Eigentum. Ich entscheide selbst, wann ich zurückkomme. Falls ich zurückkomme.“

„Aber du bist meine Frau. Du gehörst an meine Seite.“

Immerhin hatte er nicht gesagt: Du gehörst mir. Aber das war auch kein Trost. „Ich bin nach Texas geflogen, um Abstand zu gewinnen und mir über manches klar zu werden. Und ich bleibe so lange, wie ich will. Vielleicht ist es besser, wenn du mit dem nächsten Flugzeug wieder zurückfliegst. Du hörst dann von mir.“

„Ich bleibe hier, bis wir die Sache geklärt haben.“

Er stellte sich stur, was Nasira ärgerte. Und trotzdem liebte sie ihn, da machte sie sich nichts vor. Wenn er blieb, würde sie sehr schnell umzustimmen sein, auch das war ihr klar. Sie waren sich so lange nicht mehr nah gewesen, genauer gesagt, sie hatten keinen Sex mehr gehabt. Auch wenn sie Streit hatten, miteinander zu schlafen hatte sie noch immer wieder zusammengebracht. Aber sich ihr zu entziehen, war Sebastians Entscheidung gewesen, nicht ihre.

„Auf jeden Fall bleibe ich bis Ende des Monats hier“, erklärte Nasira. „Ich will bei Rafes Hochzeit dabei sein.“

„Wie du willst. Ich warte.“

Womit konnte sie ihn nur davon abbringen? „Willst du deine Reederei wirklich so lange allein lassen? Du hast doch Verpflichtungen deinem Unternehmen gegenüber.“

„Mir gehört der Laden. Ich kann tun und lassen, was ich will.“

Frustriert presste sie kurz die Lippen zusammen. „Du hast wohl auf alles eine Antwort.“

Er lächelte nur und hob die Augenbrauen. Oh, wie genau kannte sie dieses Lächeln. Das gleiche Lächeln, das er ihr damals zugeworfen hatte, in dem pompösen Ballsaal …

Ein Lächeln, das sie sofort spüren ließ, was er wollte … Mit ihr allein sein.

„Hast du schon gegessen?“

„Nein. Aber Violet wartet mit dem Dinner auf mich.“

„Bestimmt hat sie Verständnis dafür, dass du lieber mit deinem Mann essen willst. Wir könnten dann auch unsere Diskussion fortsetzen.“

Während Nasira noch nach einer Ausrede suchte, wurde die Terrassentür aufgestoßen, und Rafe kam heraus, ihr attraktiver, überbeschützender Bruder. Er zog unwillig die Augenbrauen zusammen, als er Sebastian entdeckte.

„Ich sehe, du bist meinem Rat nicht gefolgt und in London geblieben.“

Auch Sebastian war offensichtlich nicht erfreut, Rafe zu begegnen. „Und ich habe dir vor zwei Tagen am Telefon gesagt, dass ich deinen Rat nicht brauche und meine Entscheidungen allein treffe.“

Nasira sah ungläubig zwischen den beiden Männern hin und her. „Warum hast du mir denn nicht gesagt, dass du mit Sebastian gesprochen hast, Rafe?“

„Warum sollte ich? Du hast doch immer wieder betont, dass du ihn nicht sehen willst.“

„Und er hat mir nicht erlaubt, mit dir zu sprechen“, warf Sebastian ein. „Vorher hatte ich oft dein Handy angerufen, aber du bist nie rangegangen.“

Oh, wie sie es hasste, wenn Männer sie behandelten, als könne sie nicht bis drei zählen! „Du hattest kein Recht, mir die Entscheidung abzunehmen, Rafe.“

„Das alles spielt jetzt keine Rolle mehr“, schaltete sich Sebastian wieder ein. „Ich bin hier und fest entschlossen, das Beste daraus zu machen.“

Wenn sie bloß wüsste, was er vorhatte … Vielleicht klärte sich die Sache, wenn sie mit ihm zum Dinner ging. Nasira sah Rafe kühl an. „Ich gehe jetzt mit Sebastian essen und bin wahrscheinlich etwa eine Stunde weg.“

„Hältst du das für vernünftig?“ Rafe sah sie besorgt an.

„Es ist uns, verdammt noch mal, egal, was du davon …“, polterte Sebastian los, doch Nasira unterbrach ihn.

„Ich kann für mich selbst sprechen.“ Sie blickte ihren Bruder ruhig an. „Du hast keine Verantwortung mehr für mich, Rafe. Ich kann allein für mich sorgen. Sag bitte Violet, dass ich ihr für die Einladung danke. Und wir sollten jetzt gehen, Sebastian, bevor ich meine Meinung ändere.“

Sie gingen um das Haus herum, und als sie keine Limousine sah, blickte sie Sebastian fragend an. „Wo ist denn dein Wagen?“

Verlegen lächelnd wies er mit dem Kopf auf einen großen schwarzen Pick-up, der am Ende der Einfahrt stand. „Das war alles, was sie am Flughafen hatten.“

„Du liebe Zeit!“, rief sie lachend aus. „Kannst du denn damit umgehen?“

„Aber selbstverständlich!“ Sebastian wirkte beleidigt. „Ich bin doch auch hierhergekommen, oder etwa nicht?“

„Ja, natürlich.“ Zögernd näherte sie sich dem glänzenden Ungetüm.

Sebastian ging vor, öffnete die Beifahrertür und streckte die Hand aus. „Stehe zu Diensten, Madam.“

„Nicht nötig. Ich komme da schon allein hoch.“

„Ich wollte doch nur höflich sein, Sira.“

Sira … Verblüfft sah sie ihn an. „Weißt du, wie lange du mich nicht mehr Sira genannt hast?“

Er zwinkerte ihr zu. „Wahrscheinlich zu lange.“

Sie erkannte ihren Mann nicht wieder. Wieso war er auf einmal so charmant? Nach der Fehlgeburt war er abends immer sehr lange im Büro geblieben, und sie hatte ihn selten zu sehen bekommen. Vielleicht hatte er sich geändert? Abwarten, dachte sie. Aber so lange würde sie gebremst optimistisch bleiben.

Als sie im Royal Diner saßen, musste Sebastian seine Frau immer wieder ansehen. Wie schön sie war, wenn auch sehr kühl, was er nicht anders erwartet hatte. Das weiße leichte Kleid umschloss ihre aufregende Figur und bildete einen wunderbaren Kontrast zu ihrem langen schwarzen Haar, das ihr weich über die schmalen Schultern fiel. Wie oft hatte er sich nach ihrer Abreise schlaflos im Bett gewälzt und sich nach ihr gesehnt.

Nach dem Verlust des Kindes hatte er sich meist von ihr ferngehalten, und zwar aus Angst. Aber nicht aus Angst vor ihr, sondern aus Angst, sie zu verlieren. Doch genau das hatte dazu geführt, dass sie ihm entglitt.

Das durfte nicht sein. Entschlossen griff er nach der in Plastik eingeschweißten Speisekarte und überflog das Angebot. Stirnrunzelnd wandte er sich dann an Nasira. „Kannst du mir etwas empfehlen, Sira? Den doppelten Cheeseburger vielleicht? Oder die fettigen Nuggets?“

Sie lachte. „Ich weiß, du bist anderes gewohnt. Aber ich mag dieses typisch amerikanische Essen.“

„Vielleicht ein bisschen zu typisch. Bei dem Essen kann man ja nur einen Herzinfarkt kriegen.“

„Aber es gibt auch Salate, und die gegrillte Hühnerbrust soll sehr gut sein.“

„Okay.“ Er legte die Speisekarte beiseite. „Dann werde ich mich mit dem eingeschränkten Angebot abfinden.“

„Und was möchtest du?“

Dich küssen … „Ich werde das Steak versuchen. Und du?“

Sie legte sich die rot-weiß karierte Serviette auf den Schoß. „Ich nehme einen Salat.“

„Willst du nicht etwas Herzhafteres essen? Du bist zu dünn.“

„Ich wiege genauso viel wie vor meiner Abreise aus London.“

„Ich mache mir nur Sorgen um dich, Sira.“

„So? Davon habe ich die letzten sechs Monate aber nichts gemerkt.“

Zu Sebastians Erleichterung kam jetzt die Kellnerin und fragte nach ihren Wünschen. Dieser Diner war nun wirklich nicht der richtige Ort für ein so ernstes Thema.

„Hallo, ich bin Darla. Was kann ich euch beiden Hübschen denn zu trinken bringen? Vielleicht unseren süßen Tee?“

Süßen Tee? Sebastian sah Nasira fragend an. „Ich trinke meinen Tee nur mit Sahne.“

„Sie meint Eistee, der ist immer schon gesüßt“, erklärte Nasira lächelnd und sagte zu Darla: „Ja, bringen Sie mir ein Glas Eistee mit Zitrone.“

„Und mir ein Ale.“

„Gingerale?“

Verdammt noch mal … „Nein, Bier.“

„Bier?“ Nasira schüttelte den Kopf. „Ich kann den Pick-up nicht fahren, Sebastian. Vielleicht solltest du lieber keinen Alkohol trinken.“

Stimmt. „Dann nur ein Wasser.“

„Mit Zitrone?“

„Ja, wenn das meiner Frau recht ist.“

„Ach, Sebastian!“ Nasira runzelte kurz die Stirn. „Und bringen Sie mir bitte Ihren gemischten Salat.“

„Mit gegrilltem Huhn“, fügte er schnell hinzu. „Und ich möchte das Steak. Aber durchgebraten.“

Darla riss die Augen auf. „Durchgebraten?“

„Genau.“

Die Kellnerin notierte beides auf ihrem Block und sammelte die Speisekarten ein. „Sie sind wohl nicht von hier?“

Sebastian sah sie lächelnd an. „Wie kommen Sie denn darauf?“

„Die Männer hier essen das Fleisch kaum angewärmt.“ Kopfschüttelnd entfernte sich Darla.

Nasira warf ihm einen wütenden Blick zu. „Warum bestehst du nur immer darauf?“, zischte sie.

„Worauf?“, tat er naiv.

„Für mich das Essen zu bestellen. Ich bin durchaus in der Lage zu entscheiden, was und wie viel ich esse.“

„Aber ich habe doch immer für dich bestellt, Sira.“

„Ich weiß, und das war mir nie recht.“

„Und das sagst du mir jetzt nach zehn Jahren Ehe?“

„Ich fand es einfacher, nachzugeben und daraus keine große Sache zu machen.“

„Das ist doch keine große Sache. Ich bin nicht dein Vater, Nasira. Wenn du etwas möchtest, brauchst du es nur zu sagen.“

Sie sah ihn ein paar Sekunden schweigend an. „Ich möchte ein Kind“, sagte sie leise.

Genau das, so fürchtete er, konnte er ihr nicht geben. „Das geht nicht.“

„Warum nicht?“

„Die Fehlgeburt hat dir schwer zugesetzt. Der Arzt hat gesagt …“

„Dass ich durchaus wieder schwanger werden und das Kind austragen kann. Mein Risiko ist nicht größer als das jeder Frau, die eine Fehlgeburt hatte.“

Das hatte seine Mutter wahrscheinlich auch geglaubt … Aber das würde er Nasira nicht verraten. Er sah sich kurz um. „Ich finde nicht, dass wir das Thema hier weiter vertiefen sollten.“

Sie lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wie du meinst. Aber bevor wir in diesem Punkt nicht zu einer Einigung gekommen sind, fliege ich nicht mit dir nach London zurück.“

Sie setzte ihn unter Druck? Das war in den ganzen zehn Jahren Ehe noch nie passiert. Doch er ließ sich nichts anmerken. „Darüber können wir uns später unterhalten.“

Die Kellnerin kam mit den Getränken, und schweigend warteten sie auf ihr Essen. Auch das kam bald, und Sebastian war überrascht, dass es durchaus genießbar war. Während des Essens beobachtete er die anderen Gäste und natürlich auch Nasira, die lustlos auf ihrem Teller herumstocherte.

„Wie ist dein Salat?“, fragte er schließlich.

„Ganz gut.“

Das konnte ja heiter werden. Ob sie auch in den nächsten Tagen so einsilbig reagieren würde, wenn er versuchte, sie zur Rückkehr zu bewegen? Würde sie all seine Bemühungen abschmettern, oder würden sie ihr schönes Leben von früher wieder aufnehmen? Wie sehr sehnte er sich nach den alten Zeiten. Wie sehr sehnte er sich nach ihr. Aber erst einmal musste er ihr Vertrauen wiedergewinnen, das er so leichtsinnig verspielt hatte.

Dann musste er sie davon überzeugen, dass sie zusammengehörten, ob mit oder ohne Kind. Aber wie? Eigentlich kannte er nur eine Methode, die bisher immer gewirkt hatte. Danach war sie wie Wachs in seinen Händen …

„Was hast du vor, Sebastian?“

„Ich versuche, einen Platz zu finden, wo wir ungestört reden können.“

Den hast du wohl gerade gefunden, ging es Nasira durch den Kopf, als Sebastian von der Straße ab und in einen kleinen Pfad einbog, der unter einem großen Baum endete.

Er stieg aus und öffnete die Beifahrertür. „Komm, steig auch aus.“

Sie blieb sitzen. „Ich denke nicht daran, hier im Dunkeln herumzustolpern.“

„Ich auch nicht. Na los, wir setzen uns hinten auf die Ladefläche.“

Was hatte er vor? „Wir können doch genauso gut vorn sitzen bleiben.“

„Aber die Nacht ist so schön und der Sternenhimmel so klar.“

Sie wollte etwas erwidern, doch bevor sie noch wusste, was, hatte er sie um die Taille gefasst und hob sie aus dem Wagen. „Was ist denn los mit dir?“, fuhr sie ihn an. „Erst willst du dich mit Mac prügeln, und jetzt benimmst du dich wie ein Neandertaler, der die Frau in seine Höhle zerrt.“

„Das passt durchaus zu mir“, sagte er lächelnd. „Ich habe diese Seite meines Charakters nur immer vor dir verborgen.“

Sie lachte trocken auf. „Du willst mir doch nicht weismachen, dass du eigentlich ein harter Kerl bist? In all der Zeit, die ich dich kenne, hast du kaum je die Stimme gehoben, geschweige denn dich geschlagen.“

Er grinste. „Du würdest dich wundern, wenn du mich in meinen jungen Jahren kennengelernt hättest. Aus drei Internaten hat man mich rausgeworfen. Erst in dem vierten habe ich dann meinen Abschluss gemacht.“

War er etwa stolz darauf? „Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Und ich finde es ziemlich schlimm.“

Er trat einen Schritt vor und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Findest du es wirklich nur schlimm oder nicht auch ein bisschen beeindruckend?“

Beeindruckt war sie eher nicht, aber überrascht und irgendwie erregt hatte dieser andere Sebastian sie schon. Doch das würde sie nie zugeben. „Weder noch. Es macht mir nur wieder klar, wie unberechenbar Männer doch sind.“

„So? Dann wollen wir uns irgendwo hinsetzen, wo wir dieses Thema in aller Ruhe besprechen können.“

„Einverstanden.“ Solange sie einen gewissen Abstand wahrte, würde sein sinnlicher Charme ihr nichts anhaben können. Falls er wirklich vorhatte, sie zu verführen. Was sie sich allerdings nicht vorstellen konnte, wenn sie daran dachte, wie lange er sie nicht mehr berührt hatte. „Aber ich möchte nur kurz bleiben. Ich bin ziemlich erschöpft nach all der Aufregung.“

„Das kann ich verstehen.“ Er nahm sie bei der Hand und ging mit ihr um den Wagen herum. „Wenn ich nur wüsste, wie sich diese verdammte Klappe öffnen lässt.“

Bevor er den Verschluss genauer untersuchen konnte, hatte Nasira den entsprechenden Riegel gezogen und ließ die Klappe herunter. „Nichts einfacher als das.“

„Donnerwetter“, staunte er. „Wo hast du das denn gelernt?“

„Ich habe Rafiq dabei zugesehen.“

„Du bist wirklich eine bemerkenswerte Frau.“ Zärtlich strich er ihr über das lange schwarze Haar.

„Warum? Weil ich die Heckklappe eines Pick-ups öffnen kann?“

„Nein. Weil du so genau beobachtest und außerdem so wunderschön bist.“

Selbstverständlich freute sie sich über das Kompliment. Wobei ihr allerdings auffiel, wie selten er ihre praktischen Fähigkeiten lobte. „Danke. Aber lass uns die Sache hinter uns bringen, damit ich ins Bett kann.“

Ohne Vorwarnung hob er sie hoch und setzte sie auf die Ladefläche. Dabei hatte sich natürlich ihr Kleid verschoben, und während sie es wieder herunterzog, war er hochgeklettert und setzte sich dicht hinter sie, sodass sie seine langen Beine an ihren spürte und seinen muskulösen Körper warm an ihrem Rücken.

„Gut so?“, fragte er und legte ihr von hinten die Arme um die Taille.

Autor

Kristi Gold
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