Baccara Collection Band 494

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EIN VERFÜHRERISCHER FEHLER von JENNIFER WILCK

Rancher Shane Fortune möchte heiraten; er will eine Familie. Aber immer wieder gerät er an die Falsche! Er bittet die erfolgreiche Imageberaterin Naomi Katz um Hilfe. Doch prompt knistert es zwischen ihm und der unabhängigen City-Lady – ist sie wieder die Falsche?

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  • Erscheinungstag 21.02.2026
  • Bandnummer 494
  • ISBN / Artikelnummer 9783751537773
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Jennifer Wilck, Brenda Jackson, Cindi Myers

BACCARA COLLECTION BAND 494

Jennifer Wilck

1. KAPITEL

Naomi Katz schaute auf, als es an der Tür des kleinen, sonnendurchfluteten Büros klopfte. Schon Mittag? Sie schob die Pläne für ihren neuesten Kunden zur Seite.

Kopfschüttelnd erhob sie sich, richtete ihren taupefarbenen A-Linien-Rock und griff nach ihrem Portemonnaie, um den Lieferanten des Emerald Ridge Cafés zu bezahlen. Doch als sie die Flügeltür öffnete, die ihr Büro vom Vorraum trennte, zuckte sie zusammen, und die Geldbörse fiel ihr aus den plötzlich tauben Fingern.

Shane Fortune stand auf der anderen Seite der Tür und hob gerade die Hand, um erneut zu klopfen.

Das war definitiv nicht der Lieferant.

Was hatte er hier zu suchen?

Sie warf einen kurzen Blick zurück auf ihren Schreibtisch. Sein Vater, Garth Fortune, war ihr neuester Kunde. Ihr neuester geheimer Kunde – er hatte klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass niemand in der Stadt erfahren durfte, dass er ihre Dienste in Anspruch nahm. Da sie nichts entdeckte, was auf ihn hindeuten könnte, öffnete sie die Tür.

Normalerweise begrüßte sie jeden, der ihr Büro betrat, sehr freundlich. Sie mochte die meisten Einheimischen, und niemand würde eine mürrische Imageberaterin engagieren. Aber Shane? Er war nicht gerade ihr Freund.

Sie setzte ein sanftes Lächeln auf.

„Hallo, Shane.“ Sie blieb in der Tür stehen und schaute in seine blauen Augen, Augen, die sie einst bei einem Dinner angelächelt hatten.

„Hallo, Naomi, bist du beschäftigt?“ Er nahm seinen grauen Cowboyhut ab und hielte ihn gegen seine breite Brust.

Ihr Blick wanderte von den scharfen Konturen seines Gesichts zu den langen Fingern und wieder zurück zu seinen Augen. Sie schluckte und spielte mit dem Davidstern an ihrer Halskette.

„Einen Moment habe ich Zeit“, sagte sie. „Komm rein.“

Sie führte ihn zu der Sitzecke vor einem großen Fenster mit Blick auf den Emerald Ridge Boulevard, der Hauptstraße von Emerald Ridge. Duftige cremefarbene Gardinen sorgten für Privatsphäre im Büro, ließen aber das Licht und das geschäftige Treiben von draußen herein.

Naomi unterdrückte ein Lachen, als der große Mann versuchte, es sich auf dem kleinen cremefarbenen Muschelsofa bequem zu machen. Das zierliche Möbelstück war stabiler, als es aussah, aber Shane wirkte trotzdem fehl am Platz. Sie setzte sich auf einen passenden Stuhl auf der anderen Seite des runden Couchtisches, der aus demselben grauen Kiefernholz bestand wie ihr Schreibtisch. Bei der Einrichtung des Büros hatte sie auf Eleganz gesetzt, um dem Image gerecht zu werden, das sie sich über die Jahre aufgebaut hatte.

Solange niemand zu viele persönliche Fragen stellte, ging es ihr gut.

Nervös fragte sie sich, welche Fragen Shane ihr stellen würde.

Sie beobachtete ihn, als er auf dem Sofa hin und her rutschte. Eine Imageberatung brauchte dieser Mann ganz sicher nicht. Seines – gutaussehend, muskulös, fleißig und freundlich – stimmte. Natürlich, er war ein Fortune und damit bekannt für seinen Reichtum und seine Fähigkeiten auf der Ranch. Sie hatte in der Stadt kein Getuschel gehört. Die Familie hatte zwar in der letzten Zeit die eine oder andere Krise durchgemacht, aber Shanes Ruf hatte im Gegensatz zu dem seines Vaters nicht gelitten. Wenn überhaupt, dann war sie eine der wenigen, die ihn nicht mochten.

Und das aus gutem Grund.

Also, warum war er hier?

Als Shane weiterhin schwieg, ergriff Naomi das Wort. „Was kann ich für dich tun?“

Er presste die Hände aneinander und sah sie an. „Ich habe wieder angefangen zu daten, und es ist eine Katastrophe.“

Naomi stockte der Atem. Damit hatte sie nicht gerechnet. Aber seine blauen Augen blickten besorgt, seine Mundwinkel zeigten nach unten und seine Fingerknöchel waren weiß.

„Wie das?“

Shane stieß einen tiefen Seufzer aus. „Ich bin seit einem Jahr geschieden und bereit für eine neue Beziehung, aber keine der Frauen, mit denen ich ausgegangen bin, ist bereit, sich auf ein sechsjähriges Kind einzulassen. Und die, die es sind“, er zuckte mit den Schultern, „bei denen hat es nicht gefunkt.“

Das Gespräch wurde von Sekunde zu Sekunde merkwürdiger.

Sie schlug die Beine übereinander. „Wo findest du die Frauen, die du datest?“

„Ich habe verschiedene Dating-Apps ausprobiert und auch meine Geschwister um Hilfe gebeten …“ Er lachte. „Du hättest die Frauen sehen sollen, mit denen sie mich verkuppeln wollten.“

Er hob die Hände, bevor er fortfuhr.

„Eigentlich war an ihnen nichts auszusetzen, aber ich glaube, meine Familie und ich sind nicht auf einer Wellenlänge, was den Typ Frau angeht, mit dem ich mich treffen sollte.“

Shane bevorzugte einen bestimmten Typ Frau? Sie schluckte. „Was meinst du damit?“

„Na ja, Poppy findet, dass ich zu ernst bin. Auch Rafe glaubt, dass ich etwas Spaß brauche. Und Micah meint, ich hätte zu früh zu viel Verantwortung übernehmen müssen, weil ich so früh geheiratet und einen Sohn bekommen habe.“

Naomi erinnerte sich, wie schnell er geheiratet und Vater geworden war, nachdem er die vermeintliche Traumfrau getroffen hatte. Ein bitterer Geschmack stieg ihr in die Kehle.

Er fuhr fort. „Also habe ich ihnen zuliebe sogar Gespräche mit irgendwelchen Frauen begonnen, die ich in einer Bar kennengelernt habe. Ich weiß, das ist nicht mein Stil. Aber das ist es ja gerade. Nichts, was ich gemacht habe, hat mir geholfen, eine Frau zu finden, mit der ich eine Beziehung haben will und die an einer Beziehung mit einem Mann mit Sohn interessiert ist. Und egal, was Poppy und die anderen sagen, ich bin nicht der Typ für lockere Verabredungen. Ich will eine ernsthafte Beziehung, vor allem jetzt, wo ich einen Sohn habe.“

Naomis Herzschlag beschleunigte sich. Nicht viele Männer in ihrem Alter waren so fokussiert auf eine Familie, wie Shane es zu sein schien. Und die, die es waren? Es fiel ihr schwer, ihre eigenen Probleme von denen des Mannes zu trennen, der ihr gegenübersaß.

„Vielleicht hast du den Beziehungen nicht genug Zeit gegeben?“

Er fuhr sich durchs Haar. „Das habe ich auch zuerst gedacht, aber die meisten Frauen, die ich kennengelernt habe, waren nur am Namen Fortune und am Reichtum meiner Familie interessiert. Bei den wenigen, die zumindest den Anschein erweckten, an mir als Mensch interessiert zu sein, hat es einfach nicht Klick gemacht – entweder sie hatten ein Problem mit mir oder mit Brady.“

Problem mit Brady? Sie konnte sich nicht vorstellen, dass sich jemand nicht in den süßen Sohn dieses Mannes verliebte.

„Ich glaube, ich bin das Problem“, fuhr Shane fort. „Irgendetwas muss ich an mir haben, dass sich immer die falschen Frauen zu mir hingezogen fühlen. Ich habe dein Schild draußen an deinem Büro gesehen und dachte, du kannst mir vielleicht helfen.“

„Du willst meine Hilfe?“, fragte sie ungläubig.

Shane nickte.

„Um das Interesse von Frauen zu wecken?“

„Von der richtigen Frau“, sagte er.

Das war doch ein Scherz, oder? Von all den Leuten, die er um Hilfe bitten könnte, musste er ausgerechnet sie auswählen? Sicher, es gab nicht viele Leute in Emerald Ridge, die einen Job, wie sie ihn hatte, ausübten. Falsch, es gab überhaupt keine. Das war einer der Gründe, weshalb ihr Geschäft so erfolgreich war – keine Konkurrenz. Aber es gab eine Menge Leute, die virtuell arbeiteten. Verdammt, auch sie hatte virtuelle Kunden. Sie musste ablehnen.

„Und deiner Meinung nach wäre das …?“

Sie spürte, wie sich ihre Brust zusammenzog. Ihre Frage war keine Ablehnung. Eigentlich was es alles andere als das. Aber wenn sie mehr Informationen von ihm bekam, könnte sie ihm vielleicht jemanden empfehlen.

„Eine Frau, die warmherzig und liebevoll mit meinem Sohn umgeht, die mit ihm Fangen spielt, Zeit mit ihm verbringt und ihn wie ein eigenes Kind behandelt. Du weißt schon, ihn beim Fußballspielen anfeuert. Eine Frau, die mich um meiner selbst attraktiv findet und nicht wegen meines Namens oder meines Geldes.“

Also jemanden wie mich.

Aber nicht sie. Das hatten wir schon, dachte sie und noch immer errötete sie bei der Erinnerung daran.

Aber die Mutter für seinen Sohn sein zu wollen? Sie verspürte Neid. Sie würde alles dafür geben, einem Kind eine liebevolle Mutter zu sein. Selbst Shanes Kind. Nur nicht … mit Shane.

Das bedeutete also, dass sie jemanden finden musste, der wie sie war. Aber nicht sie selbst. Sie seufzte leise.

„Shane, ich glaube nicht, dass ich die richtige Beraterin für dich bin“, sagte sie. „Aber ich verweise dich gern an ein paar Kollegen.“

Er schüttelte den Kopf. „Ich kann mir niemanden vorstellen, der mir besser helfen könnte“, sagte Shane mit fester Stimme. „Du bist erfolgreich, kultiviert, klug, und ich weiß, dass du eine beeindruckende Liste von Klienten hast.“

Von denen niemand wusste, dass ihr Freund sie vor drei Monaten verlassen hatten. Diese Information hatte sie vor allen verheimlicht, außer vor ihrer Großmutter. Wenn die Leute davon wüssten, würden sie sich fragen, was mit ihr nicht stimmte. Andrew war erfolgreich und auf dem Papier der perfekte Freund. Sie würden anfangen, an ihr zu zweifeln, so wie sie an sich selbst gezweifelt hatte. Dass Andrew sie abserviert hatte, hatte ihr Vertrauen in sich und ihren Körper erschüttert. Und sie wusste nicht, ob und wann sie es zurückerlangen würde.

Ganz zu schweigen davon, dass der Grund, weshalb er sich von ihr getrennt hatte, etwas in ihr zerbrochen hatte. Jedes Mal, wenn sie daran dachte, traten ihr Tränen in die Augen und sie würde sich am liebsten in ein Loch verkriechen. Selbst jetzt schnürte es ihr die Kehle zu.

Gott sei Dank fragte Shane nicht nach ihrem Privatleben. Aber als sie hörte, wie er ihre Qualifikationen herunterratterte, kam sie sich wie eine Hochstaplerin vor. Sie verdrängte ihre Unsicherheit und beugte sich vor.

„Ich glaube trotzdem nicht, dass ich die richtige Beraterin für dich bin.“ Sie war vor Jahren nicht die Richtige gewesen, als sie ihr desaströses Date gehabt hatten. Und jetzt sollte sie ihm helfen, eine Freundin zu finden. Wie um alles in der Welt sollte sie das tun?

„Bitte, Naomi. Ich bin mit meinem Latein am Ende. Wenn ich nicht herausfinde, was mit mir nicht stimmt, wie kann ich dann hoffen, eine Frau zu finden?“

„Nun, ich denke, ich könnte dir ein paar Tipps geben, wie du deine Bedürfnisse an eine Partnerin deutlicher machen kannst.“ Sie nickte. „Es sollte nicht mehr als ein paar Stunden dauern, etwas für dich zusammenzustellen. Oh, und ich verlange zweihundertfünfzig Dollar pro Stunde.“

Shane schüttelte den Kopf.

„Hast du etwas gegen mein Honorar einzuwenden?“ Vielleicht war das der Schlüssel, um ihn loszuwerden.

„Nein, ganz und gar nicht. Ich würde bereitwillig das Doppelte zahlen. Aber ich will mehr als nur eine Liste mit Dingen, die ich tun und lassen soll. Ich will ein Date mir dir.“

Shane saß Naomi gegenüber und sah, dass sie blass wurde. Ihre braunen Augen weiteten sich vor Schreck.

Okay, ihr einziges Date vor Jahren war nicht gut gelaufen, aber war die Vorstellung, mit ihm auszugehen, so schrecklich? Er versuchte, die Zweifel auszublenden, die ihm kamen.

„Hast du ein Problem damit?“

„Ich date keinen Kunden.“ Ihre zackige Stimme ließ keinen Raum für Diskussionen.

Er war noch nicht fertig. „Ich meine kein richtiges Date“, sagte er. „Das war keine Anmache. Obwohl, wenn du das gedacht und so reagiert hast, dann bin ich hier genau richtig. Ich will verstehen, was ich falsch mache, und das geht am besten, wenn du mich in Aktion erlebst.“

„Also, kein richtiges Date.“ Ihre Stimme klang bedächtig, aber irgendwie hörte er die Erleichterung in ihr, die sie ganz offensichtlich zu verbergen versuchte.

„Wir haben es einmal probiert, erinnerst du dich?“

„Ich erinnere mich.“

Wieder verbarg sie ihre Emotionen. Erinnerte sie sich genauso wie er? Seine Schwester Poppy hatte sie vor sieben Jahren zusammengebracht. Warum sie geglaubt hatte, er und Naomi würden sich gut verstehen, war ihm ein Rätsel. Aber seine jüngere Schwester war überzeugt gewesen, dass ihre Freundin genau die Frau war, die er suchte.

Er ließ das verunglückte Date in Gedanken Revue passieren. Naomi war hübsch und klug, und sie hatten sich viel zu erzählen gehabt, aber er war bereits in eine andere verknallt gewesen.

„Es tut mir leid, wie ich mich damals benommen habe. Es war nicht richtig.“ Es war nicht nur nicht richtig gewesen, sondern ausgesprochen mies.

Sie nickte einmal, aber er war sich nicht sicher, ob sie seine Entschuldigung annahm oder einfach nur registrierte. Verärgert sah sie jedenfalls nicht aus.

An ihrer Stelle wäre er wütend. Im Grunde hatte er ihr damals gesagt, dass sie nicht gut genug sei und nur ein Platzhalter, bis eine Bessere käme.

Seine Wangen brannten vor Scham.

„Du hast etwas Besseres verdient“, sagte er leise.

Der Blick, den sie ihm aus ihren braunen Augen mit den goldenen Sprenkeln zuwarf, war ruhig. Hohe Wangenknochen, eine schmale Nase und eine breite Stirn verliehen ihr einen Hauch von Eleganz, der durch ihre schlichte Kleidung noch unterstrichen wurde.

Sein Puls raste, als sie schwieg. Was, wenn sie Nein sagte?

„Wie gesagt, es ist kein richtiges Date“, erinnerte er sie. „Es ist eher eine Trainingseinheit.“

Das entlockte ihr ein Lächeln. „Das heißt …“

„Das heißt, ich hole dich von zu Hause ab, führe dich zum Essen aus und du beobachtest mich und sagst mir, was ich falsch mache.“

Er schluckte. Die Liste würde vermutlich lang werden. Sosehr er es auch hasste, dass die kluge, wunderschöne Frau ihn beurteilte, es könnte die beste Form der Entschuldigung sein, die er ihr geben konnte. Er hatte sie damals mies behandelt. Jetzt könnte sie ihn auf all seine Schwächen hinweisen. Natürlich würde er von ihrem Urteil profitieren, aber sie würde Befriedigung daraus ziehen, diejenige zu sein, die es abgab, oder?

Es war der einzige Weg herausfinden, warum er nicht die richtige Frau für sich gewinnen konnte.

Naomi stand auf und ging durch den Raum. Sie war groß und stattlich und bewegte sich mit Anmut. Er folgte ihr mit seinen Blicken, als sie auf und ab ging. Schließlich drehte sie sich zu ihm.

„Ich denke, es könnte hilfreich sein.“

Er atmete aus.

„Ich nehme dich als Kunden“, fuhr sie fort, „und ich lasse mich auf dieses Fake-Date mit dir ein.“

Er entspannte sich und nickte. „Das ist großartig. Vielen Dank.“

„Gern geschehen. Und jetzt erzähl mir, was du von einer Frau erwartest, außer, dass sie eine tolle Stiefmutter ist?“

Er schüttelte den Kopf. „Das ist alles.“

„Das ist alles?“ Sie zog eine perfekt gezupfte Augenbraue hoch. „Was ist mit Intelligenz, Humor, ähnlichen Interessen oder Überzeugungen?“

„Das Wichtigste ist, sie versteht sich mit meinem Sohn.“

Sie setzte sich wieder und beugte sich vor. „Das ist bewundernswert, wirklich, aber vielleicht ist es auch Teil des Problems. Du musst dich doch auch mit ihr verstehen. Oder sie möglicherweise eines Tages sogar lieben? Ich meine, wenn es dir nur wichtig ist, dass sich die Frau um deinen Sohn kümmert, dann könntest du auch eine richtig gute Nanny einstellen.“

„Willst du damit sagen, dass ich die Erziehung meines Sohnes jemand anderem überlassen soll?“

Naomi hob die Hände und schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht. Aber du musst einsehen, dass es mehr braucht, als Kinder zu mögen, um eine gute Beziehung zu führen.“ Sie lachte. „Alle Frauen, die ich kenne, wollen um ihrer selbst willen geschätzt werden, nicht nur dafür, dass sie gut mit Kindern umgehen können. Ich meine, ich liebe Kinder, aber du und ich als Paar wären eine Katastrophe.“

„Ich weiß nicht, ob es eine Katastrophe wäre …“

„Ist das dein Ernst? Wir haben nichts gemeinsam. Hatten wir schon damals nicht.“

Shane errötete. Es ließ sich nicht leugnen, dass ihr Date vor Jahren alles andere als großartig gewesen war. Ein Kribbeln jagte über seine Haut, wenn er nur an den Abend dachte. Poppy hatte gehofft, dass sie sich gut verstehen und er Lacey vergessen würde. Er hatte zugestimmt, mit Naomi essen zu gehen, weil sie süß war. Ein super oberflächlicher Grund, das wusste er, aber er war damals auch ziemlich oberflächlich gewesen. Und es hatte Spaß gemacht, mit ihr zu reden – genau wie jetzt, wenn er ehrlich war. Er hatte sie besser kennenlernen wollen, aber nicht so recht gewusst, wie er das anstellen sollte. Aus einem unerfindlichen Grund hatte er vorgeschlagen, dass sie sich gegenseitig ein Geheimnis erzählten, und sie hatte ihn aufgefordert zu beginnen. Also hatte er ihr das Erstbeste erzählt, was ihm in den Sinn gekommen war – dass er eine Familie haben wollte. Eine große Familie. Er war zwar erst fünfundzwanzig Jahre alt gewesen, aber bereit für Kinder. Er hatte damit gerechnet, dass sie die Flucht ergreifen würde.

Womit er nicht gerechnet hatte, war die tiefe Traurigkeit, die über ihr hübsches Gesicht zog.

„Ich kann keine Kinder bekommen“, hatte sie gesagt.

Er hatte sie trösten wollen, deshalb hatte er von Adoption gesprochen.

Und plötzlich hatte sich das Date verändert. Ihr Gesichtsausdruck hellte sich auf, sie begannen über ihre Hoffnungen und Träume für die Zukunft zu sprechen, und er stellte fest, dass er es genoss, mit ihr zusammen zu sein. Sie hatten sich nach dem Date sogar einige SMS geschickt, bis Lacey plötzlich verfügbar war. Von der Sekunde an hatte er Naomi geghostet.

„Shane?“

Ihre Stimme riss ihn aus seinen Tagträumen. Er räusperte sich. „Gut. Andere Dinge, die für mich in einer möglichen Beziehung wichtig sind …“

Er brach ab. Was wollte er eigentlich?

„Ich weiß eher, was ich nicht will.“

„Okay, sag mir, was dich abtörnt.“

„Ich will keine, die mich nur wegen meiner Familie will. Und vor allem will ich keine, die meine Familie ausgesucht hat.“

Ein kurzes Auflachen ließ ihn aufblicken.

Naomi errötete. „Entschuldige, aber das war komisch. Verkuppeln sie dich oft?“

„Zumindest versuchen sie es.“

„Ohne Erfolg, wie es scheint.“

„Irgendwann erzähle ich dir von ihren Glanzstücken.“

Sie lächelte. „Klingt nach einem Plan.“

Er beobachtete, wie sie auf ihrem iPad herumtippte. „Gut. Mal sehen, womit ich arbeiten kann.“ Sie hielt kurz inne, dann fuhr sie fort: „Ich habe von deiner Scheidung im vergangenen Jahr gehört. Fällt dir etwas zu deiner Ehe ein, was du vielleicht ändern möchtest?“

„Abgesehen von allem?“ Er wurde ernst. „Wir haben uns auseinandergelebt“, sagte er. „Ich weiß nicht, ob wir überhaupt je viel gemeinsam hatten … Aber vermutlich gibt es viele Gründe, warum es mit uns nicht funktioniert hat – wir haben zu schnell ein Kind bekommen, wollten unterschiedlichen Dinge vom Leben. Ich weiß, ich hätte vieles besser machen können.“

„Was zum Beispiel?“

„Ich hätte ihr mehr Zeit widmen sollen. Ich habe immer entweder gearbeitet oder mich um Brady gekümmert. Ich glaube, sie war einsam und ich habe es nicht gesehen.“ Ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf. „Ich glaube, du hast Recht damit, dass ich mehr brauche als nur jemanden, der meinen Sohn liebt. Denn Lacey ist eine tolle Mutter, aber ich war kein guter Ehemann, und so hat sie sich schließlich in einen anderen verliebt.“

Ihr mitfühlendes Lächeln beruhigte ihn.

„Ich hätte mich mehr dafür interessieren müssen, was sie mag“, fuhr er fort. „Sie liebt Sport, ich auch. Aber nach einem langen Arbeitstag wollte ich einfach nur entspannen. Sie dagegen brauchte ein Ventil für den Stress als Mutter, aber das habe ich wohl nicht verstanden.“ Er schüttelte wieder den Kopf. „Wenn ich mich mehr um sie gekümmert hätte, hätte sie es vielleicht nicht nötig gehabt fremdzugehen …“

„Es tut mir so leid“, sagte sie. „Es muss schwer gewesen sein.“

„Das war es, aber ich habe viel darüber nachgedacht, weshalb meine Ehe gescheitert ist und was ich in Zukunft ändern muss. Meine Ex-Frau und ich haben ein gutes Verhältnis. Sie ist ein toller Co-Elternteil, und uns beiden liegt Bradys Glück am Herzen. Deshalb muss die Frau, mit der ich eine Beziehung eingehe, bereit sein, meinen Sohn zu lieben.“

Naomi lächelte und ihre braunen Augen leuchteten verständnisvoll.

„Du kommst aufrichtig rüber“, murmelte sie. „Ich denke, jede Frau, die du datest, sollte deine Bedürfnisse verstehen und dich umso mehr respektieren, weil du so empfindest.“

Er zuckte mit den Schultern. „Ich hatte einige Dates, bin aber immer gescheitert. Entweder bin ich aus der Übung oder mache etwas falsch. Vermutlich Letzteres. Und da kommst du ins Spiel.“

„Verstehe. Hast du deine Freunde oder Familie um Rat gefragt? Vielleicht brauchst du nur ein paar Tipps und keine komplette Überarbeitung deines Images.“

„Ich kann meine Familie nicht fragen, da sie mich dann gleich verkuppeln will. Das habe ich schon durchgemacht. Ich habe darüber nachgedacht, meinen Dad um Rat zu fragen, aber …“

Er hatte immer geglaubt, dass seine Eltern eine felsenfeste Ehe führten, aber als sein Vater unter Verdacht geriet, der Erzeuger eines ausgesetzten Babys zu sein, erfuhr er, dass die Ehe seiner Eltern nicht ganz so stabil war, wie er gedacht hatte.

Ein seltsamer Blick huschte über Naomis Gesicht, bevor sie den Blick abwandte. Er schluckte. Seine Familie war in dieser Stadt für ihren Reichtum und ihren Status bekannt. Er hasste es, dass ihr Ruf wegen des ausgesetzten Babys gelitten hatte. Selbst Naomi schien sich so ihre Gedanken zu machen.

Er räusperte sich. „Ich denke, du weißt, warum ich ihn nicht fragen kann.“

Als sie ihn wieder ansah, war der seltsame Gesichtsausdruck verschwunden. Höflich zurückhaltend sagte sie: „Deine Eltern sind schon sehr lange verheiratet. Ich nehme an, es hat sich einiges verändert, seit sie das erste Mal miteinander ausgegangen sind.“

Vielleicht wusste sie nichts von dem Baby. Vielleicht wollte sie auch einfach nicht schlecht über seine Familie reden. Egal, er hatte nicht vor, diese Geschichte zu vertiefen. Er brauchte ihre Hilfe.

„Also, wann können wir unser Fake-Date haben?“

Naomi schaute in ihren Kalender. „Wie wäre es mit nächster Woche?“

Dann erst? Ihm wurde flau im Magen. Es hatte ihn viel Kraft gekostet, den Mut aufzubringen, sie um Hilfe zu bitten. Wenn jetzt zu viel Zeit verging, könnte er versucht sein, die ganze Sache abzublasen.

„Wenn es bei dir nicht früher geht, dann okay. Ich hatte an einen Lunch gedacht“, sagte Shane. „Im Captain’s.“

Sie zog eine Augenbraue hoch. „Du willst ins Rooftop Restaurant im Emerald Ridge Hotel? Mit mir?“

„Wenn wir ein Date simulieren, dann sollte es ein Ort sein, an den ich ein Date einladen würde, oder? Außerdem sind die Meeresfrüchte dort fantastisch.“

Für einen Moment schien es, als wollte sie protestieren. „Du hast recht.“ Sie blickte wieder in ihren Kalender. „Wenn es nur ums Mittagessen geht, dann könnte ich auch am Donnerstag um halb eins. Aber um zwei habe ich ein Meeting.“

Er lächelte erleichtert. „Ich reserviere uns einen Tisch und hole dich ab. Von hier oder von zu Hause?“

„Von hier wäre gut“, antwortete sie. „Damit haben wir also ein Date.“

Naomi beendete das Zoom-Meeting mit einer ihrer schwierigsten Kundinnen und seufzte. Sie liebte ihren Job, aber diese Kundin frustrierte sie. Die Frau verlangte Hilfe, nahm sie aber nur widerwillig an. Sie erwartete Ergebnisse, wehrte sich aber dagegen, am Erfolg mitzuarbeiten.

Würde Shane auch so sein?

Sie glaubte es nicht. Er war bereit, auf seine eigenen Fehler hinzuweisen. Sie hatte ihn nach seiner Scheidung gefragt und damit gerecht, dass er seiner Ex-Frau die Schuld am Scheitern der Ehe geben würde. Doch das hatte er nicht getan. Sie schalt sich für ihre voreiligen Schlüsse und nahm sich vor, in Zukunft mehr Akzeptanz zu zeigen.

Das Klingeln ihres Telefons riss sie aus ihren Gedanken.

„Naomi Katz, Imageberaterin“, meldete sie sich.

„Naomi, Garth Fortune hier. War das mein Sohn Shane, der heute Morgen Ihr Büro verlassen hat?“

Naomi hielt inne. Spionierte er ihr nach? „Ja, er war es“, sagte sie.

Der ältere Mann räusperte sie. „Ich hoffe, Sie halten sich an unsere Abmachung. Mein Sohn darf auf keinen Fall erfahren, dass ich Ihr Klient bin.“

Sie versuchte, nicht an seinen Worten Anstoß zu nehmen … oder an seinem Tonfall. Männer wie Garth waren der Inbegriff des texanischen Alphamännchens und gaben nur ungern Schwächen zu.

„Garth, Sie können sich auf meine Diskretion verlassen.“

Sein erleichterter Seufzer hallte durchs Telefon. „Vielen Dank. Das weiß ich zu schätzen. Ich werde nicht wieder an Ihnen zweifeln.“

Naomi beendete das Telefonat, nahm ihre Jacke und Tasche, verschloss ihr Büro und fuhr mit ihrem Jeep zum Emerald Ridge Grocery, der in einer Seitenstraße des Emerald Ridge Boulevard lag. Der noble Supermarkt bot eine große Auswahl an Gourmetmahlzeiten zum Mitnehmen, hatte eine Salatbar, eine internationale Abteilung und eine wunderbare Bäckerei. Naomi liebte die koscheren Produkte, die es dort gab. Auf dem Weg dorthin rief sie ihre Großmutter an. Während ihre Eltern verreist waren, half sie ihr so viel wie möglich.

„Hi, Bubbe, ich bin es. Ich komme auf dem Weg zu dir am Supermarkt vorbei. Das Pessachfest steht vor der Tür, und ich dachte, wir könnten frühzeitig mit den Vorbereitungen beginnen. Ich besorge auf jeden Fall die Zutaten für die Matzeknödelsuppe. Was brauchst du noch?“

„Orangen für meinem koscheren Zitrus-Olivenöl-Kuchen.“

„Bringe ich mit. Ich bin in einer halben Stunde bei dir. Hab dich lieb!“

„Ich dich auch.“

Naomi lief durch die Gänge des edlen Supermarkts, bezahlte an der Selbstbedienungskasse und fuhr dann zu der charmanten Gartenwohnung ihrer Großmutter. Bubbe hatte den größten Teil von Naomis Erwachsenenleben hier verbracht, führte ein reges gesellschaftliches Leben und war mit vielen ihrer Nachbarn gut befreundet.

„Hi, Bubbe“, rief sie.

Ihre Großmutter, die Naomi gerade bis an die Schulter reichte, kam aus dem Schlafzimmer geeilt und drückte Naomi. „Hallo, Bubbeleh. Ich habe gerade im Schlafzimmer Staub gewischt. Komm mit in die Küche.“

Naomi folgte dem weißhaarigen Energiebündel in die moderne Küche und stellte die Einkaufstasche auf die schwarze Granitarbeitsplatte.

„Hast du in letzter Zeit von deinen Eltern gehört?“

„Ich habe gestern eine E-Mail aus der Toskana bekommen“, erwiderte Naomi. „Sie scheinen eine wunderbare Zeit zu haben.“

„Gut, gut. Ich hoffe, sie bringen mir ein gutes Olivenöl mit.“

„Ich werde es ihnen schreiben.“ Naomi nahm ein Lachsfilet aus der Tüte und legte es in den Kühlschrank. „Das gibt es heute Abend.“

„Wunderbar. Ich würze es mit der Old-Bay-Gewürzmischung und mache Spinat dazu.“ Sie warf einen Blick in die Einkaufstüte. „Du hast doch mehr von dem Gewürz mitgebracht, oder?“

„Natürlich. Es überrascht mich, dass du es nicht auch in die Suppe tust.“

Ihre Großmutter lachte. „Wir werden sehen. Irgendwann mache ich es vielleicht. Holst du bitte das Hähnchen aus dem Kühlschrank?“

Während sie die Suppe kochten, berichtete Naomi ihrer Großmutter von ihrem Tag, wobei sie den Namen Garth Fortune ausließ.

„Dein Geschäft läuft gut, Bubbeleh. Ich bin so stolz auf dich.“

„Danke. Aber ich bin nervös wegen des Mittagessens mit Shane.“

„Das kann ich verstehen. Der Mann sieht toll aus und ist sehr sexy.“

Bubbe!“

„Stimmt doch. Er ist einfach umwerfend.“

Insgeheim stimmte Naomi ihr zu. Er hatte schon vor sieben Jahren großartig ausgesehen, war aber mit den Jahren noch attraktiver geworden. Sein Gesicht war etwas fülliger geworden, aber durch die hohen Wangenknochen immer noch sehr markant. Wenn er lächelte, bildeten sich kleine Fältchen um seinen Mund, und seine blauen Augen leuchteten. Und wenn er ernst war, so wie bei ihr im Büro, dann verdunkelten sich seine Augen zu einem tiefen Blau. Er hatte breite Schultern und trug gut sitzende Kleidung. In einem anderen Leben würde sie sich zu ihm hingezogen fühlen. Aber er war ihr Klient, und ihr einziges Date vor vielen Jahren war ein einziges Chaos gewesen.

Ihre Großmutter stupste sie an.

„Ja, er sieht gut aus. Aber sein Aussehen ist für mich irrelevant, da er mein Klient ist. Ich konzentriere mich auf sein Gesamtbild. Wie er sich verhält, was er sagt und so weiter. Ich kritisiere ihn.“

Bubbes Augen funkelten. „Seinem Aussehen keine Beachtung schenken. Ha! Du müsstest blind sein. Aber jetzt im Ernst, warum bist du nervös? Du bist ein Profi. Viele gut aussehende Männer haben dich engagiert, sogar berühmte Schauspieler. Warum ist Shane anders?“

„Ich weiß es nicht. Ich bin nur … ich weiß nicht, ob ich bei ihm Privates und Berufliches trennen kann. Ich will nicht wieder in die Situation wie damals kommen.“

„Naomi, du hattest vor Jahren ein einziges Date mit ihm und es hat nicht funktioniert. Sag mir eins. Bist du bereit, jemanden zu daten, der kein Jude ist?“

Naomi biss sich auf die Lippe. „Du und Mom und Dad habt immer betont, wie viel einfacher eine Beziehung ist, wenn man den gleichen religiösen und kulturellen Hintergrund hat.“

Ihre Großmutter nickte.

„Und das verstehe ich auch. Ich weiß aber nicht, ob ich deine Frage wirklich mit Nein beantworten kann. Verdammt, ich weiß nicht einmal, ob ich überhaupt schon wieder bereit bin, jemanden zu daten.“

„Nun, es ist ein Geschäftsessen. Du berätst ihn. Ich verstehe nicht, wo das Problem ist.“

„Ich denke, es liegt daran, dass er jemand ist, den ich kenne und mit dem ich mal ausgegangen bin. Vielleicht bin ich deshalb etwas verunsichert.“

Bubbe tätschelte ihre Hand. „Du musst dir keine Sorgen machen. Du bist schön, intelligent und selbstbewusst.“

„Und ich bin deine Enkelin.“

Die alte Frau lachte. „Und du bist meine Enkelin. Du wirst das wunderbar machen. Und jetzt lass uns anfangen, für Pessach zu backen …“

2. KAPITEL

„Kevin ist cool, Dad“, sagte Brady beim Abendessen zu Shane.

„Ich bin froh, dass du ihn magst. Ich mag ihn auch.“

Kevin war der zukünftige Mann seiner Ex-Frau. Shane respektierte den Mann und fand, dass er perfekt zu Lacey passte. Und er behandelte Brady wie seinen eigenen Sohn, was für Shane wichtig war.

„Mom und Kevin werden bald heiraten. Wann heiratest du?“

Shane hätte sich fast am letzten Bissen seines Burgers verschluckt. „Ich weiß nicht, Junge. Zuerst muss ich eine Frau finden, die ich heiraten möchte.“

Brady nickte. „Hoffentlich findest du bald eine. Wenn ich schon einen Stiefvater habe, sollte ich auch eine Stiefmutter haben.“

Shane zog eine Augenbraue hoch und begann, den Tisch abzuräumen.

Der Sechsjährige sprang von seinem Stuhl und half ihm.

„Warum?“, fragte Shane, während er die Spülmaschine einräumte.

„Das ist dann einer mehr, der mich cool findet.“ Sein Sohn grinste breit.

Shane lachte. „Ich weiß nicht, ob das der beste Grund zum Heiraten ist.“

„Warum nicht. Außerdem hätte ich so in jedem Haus eine Mom und einen Dad.“

Shane raufte seinem Sohn das braune Haar, wischte den Tisch ab und folgte Brady dann ins Wohnzimmer. „Eines Tages wirst du über diese Vorstellung lachen.“

„Das werde ich nicht. Außerdem ist Mom superglücklich mit Kevin, und ich möchte, dass du auch mit jemandem glücklich bist.“

„Das ist süß von dir.“

Shane sah seinen Sohn liebevoll an. Er war sicher, dass es irgendwo da draußen eine Frau gab, die ihn genauso lieben würde, wie er es tat. Er musste sie nur noch finden und hoffte inständig, dass Naomi ihm dabei helfen konnte.

Später am Abend, als Shane Brady ins Bett brachte, fragte der Junge: „Wie kriegt man eine Frau zum Heiraten?“

Wenn ich das nur wüsste. „Nun, ich müsste eine kennenlernen, bei der ich das Gefühl habe, dass sie die Richtige ist. Wir würden miteinander ausgehen, und ich würde sie dir vorstellen. Und wenn du sie dann auch magst, dann würden wir heiraten, so wie deine Mom es tut.“

Brady nickte und gähnte.

„Du musst ihr einen hübschen Ring kaufen, Dad. Kevin hat Mom einen Brillantring gekauft, und sie hat geweint, als er ihn ihr geschenkt hat. Ich war wütend auf Kevin, aber er hat mir erklärt, dass Frauen manchmal weinen, wenn sie glücklich sind.“

„Das stimmt, das tun sie.“ Er erinnerte sich an viele Momente, in denen er und Lacey vor Glück geweint hatten, zum Beispiel, als Brady geboren wurde.

„Er wird bei uns einziehen, wenn sie verheiratet sind. Deine Frau müsste auch hier einziehen, aber nicht in mein Zimmer. Sie müsste zu dir ziehen.“

Shane nickte. „Das wird sie.“ Im Stillen betete er, dass sein Sohn nicht fragen würde, warum. Glücklicherweise war der Junge mit seinen Gedanken schon weiter.

„Du musst also eine finden, die dich mag, Dad.“

„Das werde ich.“

„Und wie machst du das?“ Brady schnappte sich sein Stofftier und kuschelte sich tiefer in die Kissen. „Ich weiß! Ich weiß, was wir machen!“ Plötzlich war sein schläfriger Sohn wieder munter. „Wir gehen in den LEGO-Laden!“

„Was gibt es denn in dem LEGO-Laden? Außer LEGO-Steinen, meine ich.“

„Nun, ich baue gern mit LEGO-Steinen, und du baust gern mit mir. Vielleicht finden wir ein Mädchen, dass LEGO mag, und das kannst du heiraten.“

Shane strich seinem Sohn übers Haar. „Hmm, ich glaube nicht, dass ich in einem LEGO-Laden eine alleinstehende Frau finde, aber es wäre natürlich schön, wenn die Frau, die ich finde, gern mit LEGO-Steinen baut, oder?“

Brady nickte. „Wir könnten LEGO-Abende haben.“

„Das wäre ein Riesenspaß“, stimmte Shane zu und lachte in sich hinein. „Aber jetzt wird geschlafen.“ Er gab seinem Sohn einen Kuss auf die Wange, zog die Bettdecke zurecht und schaltete das Licht aus. Er zog die Tür bis auf einen Spalt hinter sich zu, ging hinunter ins Wohnzimmer, schnappte sich sein Handy und berichtete seiner Ex-Frau in einer kurzen SMS von dem Tag. Die LEGO-Geschichte würde sie amüsieren.

Als er damit fertig war, sah er sich ein Baseballspiel an und reckte erfreut die Faust in die Luft, als die Rangers siegten. Dann schloss er das Haus ab, sah noch einmal nach Brady und machte sich bettfertig. Als er an die witzige Idee seines Sohnes dachte, wie man eine Frau fand, musste er lächeln. Theoretisch sollte es nicht so schwer sein, eine Frau zu finden, die Brady genauso liebte, wie er es tat. Der Junge war großartig. Beim Lunch mit Naomi würde er herausfinden, was er tun musste, um die perfekte Lebenspartnerin zu finden.

Zumindest hoffte er das.

Als er im Bett lag, spielten sich Bilder von Naomi in seinem Kopf ab. Sie war eine schöne Frau. Schon vor sieben Jahren, als sie ihr Date gehabt hatten, war sie schön gewesen, aber jetzt war sie noch atemberaubender. Ihre helle Haut strahlte, ihre braunen Augen leuchteten und ihr brünettes Haar glänzte.

Schade, dass sie bereits einen Freund hatte. Seine Schwester hatte erwähnt, dass sie schon seit längerem in einer Beziehung war. Der Glückliche.

Auch wenn es damals nicht funktioniert hatte, hätte er es gern noch einmal mit ihr versucht.

Mit was für einem Typen war sie wohl zusammen? Und wie lange schon? Sie lebte und arbeitete in der Stadt, aber er hatte sie nie in Begleitung eines Mannes gesehen.

Ihn schauderte, als er daran dachte, wie linkisch er sich damals ihr gegenüber verhalten hatte. Statt sie in Ruhe besser kennenzulernen, hatte er ihr gleich gesagt, wie sehr er sich eine Familie wünschte. Wenn das kein Mangel an sozialer Kompetenz war. Im Grunde hatte er ihr gesagt, dass er auf der Suche nach einer Gebärmaschine war.

Shane fuhr sich mit der Hand über die Augen und seufzte.

Er war schon als Teenager unbeholfen und unsicher im Umgang mit Mädchen gewesen. Sein mangelndes Selbstvertrauen setzte sich fort, als er älter wurde, auch wenn er es jetzt besser zu verbergen wusste. Die meiste Zeit seines Lebens hatte er den Namen Fortune als Schutzschild benutzt. Kein Wunder, dass Frauen in ihm nur den Schlüssel zu einem Leben in Wohlstand sahen. Frauen erwarteten von ihm, dass er sie in schicke Restaurants einlud, während es für ihn nur eine Möglichkeit des Kontaktaufbaus war. Was manchmal gründlich schiefging. So wie bei Naomi.

Es war gut, dass sie jetzt vergeben war, sonst wäre er versucht, sie um ein Date zu bitten, um ihr zu zeigen, wie sehr er sich verändert hatte. Wenn er sich überhaupt verändert hatte. Er schüttelte den Kopf. Das würde die Sache zwischen ihnen nur noch unangenehmer machen, zumal er ihre Hilfe brauchte.

Dennoch, sie hatte es ihm angetan. Obwohl sie zugegebenermaßen völlig unterschiedlich waren. Er hatte sich nie um sein Image gekümmert, und das war ihr Beruf. Sie war Jüdin, er war kein Jude. Sie konnte keine Kinder bekommen, und er wünschte sich welche. Wobei eine Adoption diese Hürde überwinden könnte. Aber die Sache mit der Religion? Ihn störte es nicht. Er war nicht besonders gläubig, aber war sie es? Er würde es herausfinden müssen.

Er schüttelte den Kopf. Er musste gar nichts herausfinden. Aus ihnen würde kein Paar, also war es irrelevant.

Nachdem Shane am nächsten Morgen Brady zur Schule gebracht und dann einen Kaffee in seinem Lieblingscafé Coffee Connection getrunken hatte, fuhr er zurück zur Gästeranch. Einer seiner Mitarbeiter hatte sich bereits um die fünfzig Pferde der Gäste- und Rinderranch gekümmert und brachte ihm den Tagesbericht.

Shane überflog ihn und nickte. „Sorgen Sie dafür, dass die Tierärztin Bluebonnet, Pecan und Houston Black untersucht. Ich möchte nicht, dass sie auf der Gästeranch eingesetzt werden, solange sie nicht ganz fit sind.“

„Sie hat sich schon für heute angekündigt“, sagte Raul.

„Gut. Die Futterkosten scheinen hoch zu sein. Versuchen Sie, einen besseren Preis auszuhandeln. Falls es nicht klappt, soll Rafe sich nach anderen Möglichkeiten umsehen.“

Raul machte sich Notizen. Dann verließ er das Büro und Shane blieb mit Papierkram zurück. Ein Klopfen an der Tür ließ ihn aufblicken.

„Hallo, Mom.“ Er stand auf, gab Shelley einen Kuss auf die Wange und zog einen der Stühle vor seinem Schreibtisch hervor, damit sie sich setzen konnte. „Was führt dich zu mir?“

„Ich habe gerade mit Aunt Darla gesprochen. Sie hat von den Diebstählen auf den Ranches in der Gegend gesprochen, und ich mache mir Sorgen.“

„Ich mir auch“, gab er zu. „Wir haben unsere vermisste Stute immer noch nicht gefunden. Rafe ist genauso besorgt wie ich.“

„Ich weiß“, sagte sie und runzelte die Stirn. „Mir gefällt gar nicht, dass dies zusätzlichen Druck auf euch ausübt. Ihr habt schon genug um die Ohren. Und mit dem Diebstahl eines Pferdes letzte Woche auf einer Nachbarranch …“

Shane biss die Zähne zusammen. Er hatte gerade eine E-Mail vom Emerald Ridge Police Department mit weiteren schlechten Nachrichten bekommen und hasste es, seine Mutter zu beunruhigen. Aber wenn sie es nicht von ihm erfuhr, dann von Rafe oder Darla. Besser von ihm.

Er räusperte sich. „Es hat wieder ein Verbrechen gegeben, diesmal auf der Wellington Ranch.“

„Was ist passiert?“

„Anscheinend wurde der Zaun beschädigt und fünf Rinder sind ausgebrochen.“

„Du hast schon davon gehört?“ Rafes Stimme unterbrach sie. „Ich wollte gerade mit dir darüber sprechen.“ Er beugte sich vor und gab seiner Mutter einen Kuss auf die Wange. „Hi, Mom.“

„Hi, Honey.“

„Wurden die Sicherheitskameras auch deaktiviert?“, fragte Rafe.

„Keine Ahnung“, erwiderte Rafe.

„Diese Verbrecher müssen unbedingt gefasst werden“, murmelte Rafe. „Wir können nicht noch mehr Ärger gebrauchen, als wir ohnehin schon haben.“

„Da stimme ich dir zu.“ Shane blickte auf seine Uhr. „Ich muss los und Brady abholen.“

„Halber Tag heute nur?“, fragte Shelley.

„Ja. Ich habe ihm gesagt, dass er in die Ställe darf, um sich die Pferde anzusehen.“

Shelley strahlte. „Bring ihn auch zu mir.“

„Natürlich.“ Er umarmte seine Mutter und griff nach seinem Stetson. „Wir reden später?“ Er warf Rafe einen Blick zu, und sein Bruder nickte.

Zwanzig Minuten später waren Brady und er zurück. Sein Sohn redete ununterbrochen von dem neuen Fohlen, das Shane ihm zeigen wollte. „Ist es klein? Ist es größer als ich? Kann ich es reiten?“

„Ja, es ist klein, aber größer als du. Und nein, du kannst es nicht reiten, es ist noch ein Baby. Mockingbird passt gut auf ihr Fohlen auf. Sei bitte leise und renn nicht herum, okay.“

Brady nickte. „Okay, Dad. Ich werde sie nicht erschrecken.“

Shane unterdrückte ein Lachen, als Brady auf Zehenspitzen in die Scheune schlich.

„Hi, Mama“, flüsterte er, als sie vor Mockingbirds Box standen. Er streckte die Hand aus, die Handfläche nach oben, und Mockingbird kam zu ihm. „Dürfen wir dein Baby sehen?“

Shane gab Brady eine Karotte für Mockingbird und erinnerte ihn daran, wie man sie richtig hielt. Brady kicherte, als die Lippen des Pferdes seine Finger kitzelten.

Nachdem Mockingbird die Karotte gegessen hatte, machte sie Platz, und Shane hob Brady auf seine Schultern, damit er das Fohlen sehen konnte.

„Wie süß! Wie heißt es?“

„Dilly“, sagte Shane.

„Das ist ein lustiger Name. Aber er passt. Komm her, Dilly.“

Das Fohlen kam herüber, und Brady schnappte nach Luft.

„Es hat auf mich gehört!“

Shane lächelte. „Ich glaube, Dilly mag dich.“

„Hi, Dilly-dilly. Ich bin Brady.“

„Sieh mal einer an“, sagte Garth, der mit der Tierärztin in den Stall kam. „Bist du gekommen, um Dilly kennenzulernen?“

Brady drehte sich zu seinem Großvater und grinste. „Sie mag mich!“

„Das glaube ich gern.“ In Garths Stimme schwang stolz mit.

Brady beobachtete, wie die Tierärztin Mockingbird und Dilly untersuchte.

Garth beugte sich zu Shane und senkte die Stimme. „Ich denke, es ist an der Zeit, dass das Kind ein eigenes Pferd bekommt.“ Er nickte in Richtung Dilly. „Vielleicht dieses hier.“

„Ich weiß nicht, Dad. Es ist eine große Verantwortung für ein Kind.“

„Unsinn. Ihr drei seid mit Pferden aufgewachsen.“

„Ja, aber wir haben auf der Ranch gelebt, Brady teilt seine Zeit zwischen Lacey und mir auf. Ich weiß nicht, was sie davon halten würde.“

„Dann finde es heraus. Mit sechs Jahren hat ein Kind das perfekte Alter, um sich um ein Tier zu kümmern.“

„Dad …“

„Oh, ich kenne diesen ‚Dad‘-Ton“, sagte eine weibliche Stimme.

Shane drehte sich um. Seine Schwester Poppy kam herein, umarmte Shane und ihren Vater und deutete dann auf Brady.

„Er hat sich in das Fohlen verliebt, wie ich sehe“, sagte sie.

„Deshalb ist er im idealen Alter für ein eigenes Pferd“, wiederholte Garth.

Poppy legte die Hand an seinen Arm und sagte: „Dad, das denkst du vielleicht. Ich könnte dir sogar zustimmen. Aber lass Shane entscheiden.“

„Danke, Poppy, ich …“

„Was soll Shane entscheiden?“

Shane schloss frustriert die Augen, als Rafe in den Stall kam.

„Brady mag Dilly“, erklärte Poppy. „Dad will, dass Brady ein Pferd bekommt, Shane ist sich nicht sicher, und ich habe gesagt, Dad soll Shane entscheiden lassen.“

„Oh, Brady braucht definitiv ein Pferd“, sagte Rafe.

„Ich bekomme ein Pferd?“ Brady strahlte. „Dad, wirklich? Bekomme ich eins?“

Shane warf seiner Familie böse Blicke zu, bevor er sich seinem Sohn zuwandte. „Wir werden sehen, Brady. Es ist eine große Verantwortung, und ich weiß nicht, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist.“

„Bitte, Dad. Bitte.“

„Brady.“ Shanes Stimme klang streng. „Wir reden später darüber.“

„Okay.“ Niedergeschlagen wandte er sich wieder Dilly zu.

„Leute“, sagte Shane zu seiner Familie. „Ich mag euch alle sehr, aber ich mag es nicht, wenn ihr euch gegen mich verschwört, schon gar nicht vor meinem Sohn.“

„Du hast recht“, gab Garth zu. „Es tut mir leid.“

„Mir auch“, sagte Poppy. „Ich hätte mich nicht einmischen dürfen. Eigentlich habe ich Dad gesucht, um ihn zu fragen, ob er auf Joey aufpassen kann, damit Leo und ich mal ausgehen können.“

Garth strahlte. „Als ob ich jemals Nein sagen würde!“

„Mir tut es auch leid“, sagte Rafe.

Shane nickte allen zu. „Ich danke euch. Aber jetzt muss ich Brady zu seiner Mutter bringen und mich wieder an die Arbeit machen.“

Es war nicht leicht, den Sechsjährigen von Dilly wegzulocken, aber Shane schaffte es und brachte ihn zu Lacey. Als er zurück ins Büro fuhr, schüttelte er den Kopf darüber, was sich in der Scheune abgespielt hatte. So ein Einsatz, damit Brady ein eigenes Pferd bekam! Als er vor seinem Büro vorfuhr, sah er seinen Cousin Micah.

Er stieg aus und begrüßte ihn.

„Hey, du“, sagte er und klopfte Micah auf die Schultern. „Das ist heute ja das reinste Familientreffen. Ich bin schon Mom, Dad, Poppy und Rafe begegnet. Rafe sogar zweimal“, lachte er.

„Apropos Poppy. Wie macht Baby Joey?“

„Der Kleine ist süß wie immer.“

Micah nickte. „Ich hätte nie gedacht, dass ein einziges Baby so viel Drama auslösen kann. Aber deshalb bin ich nicht hier. Der Zaun der Rinderfarm ist beschädigt worden.“

„Bei uns auch? Ich habe von den Wellingtons gehört, aber ich wusste nicht, dass es auch uns erwischt hat. Haben wir Vieh verloren?“

„Bisher nicht. Ich habe überlegt, undercover auf der Ranch zu arbeiten, um den Dieb auf frischer Tat zu erwischen. Was hältst du davon?“

Shane dachte darüber nach. Als CEO der Rinderfarm war Micah hauptsächlich in seinem Büro zu finden und außerhalb kaum bekannt, schon gar nicht bei den Rancharbeitern.

„Ich halte das für eine großartige Idee. Aber es ist eigentlich nicht meine Angelegenheit.“

„Ich werde mit Vivienne und Drake darüber sprechen. Ich wollte nur wissen, was du davon hältst.“

„Mir gefällt es. Und wenn du meine Hilfe bei irgendetwas brauchst, dann melde dich. Okay? Vor allem, wenn es um deine Sicherheit geht.“

Micah grinste. „Verstanden.“

3. KAPITEL

Am nächsten Morgen ging Naomi zu ihrer Großmutter, um ihr vor dem Lunch mit Shane beim Pessach-Putz zu helfen. Sie trug alte Jeans und ein langärmeliges T-Shirt, ihr Outfit für das Mittagessen hing auf einem Bügel.

„Hallo, Bubbe.“ Sie gab der alten Dame einen Kuss auf die Wange, bevor sie ihr Outfit in den Garderobenschrank hängte.

„Ich kann nicht glauben, dass du den Vormittag mit mir verbringen willst“, sagte ihre Großmutter. „Hast du nichts Besseres mit deiner Zeit anzufangen?“

„Ganz und gar nicht“, sagte Naomi. „Ich verbringe gern Zeit mit dir, und da die Feiertage vor der Tür stehen, gibt es eine Menge zu tun. Zumal die ganze Familie zu Besuch kommt. Es ist die perfekte Art, einen Vormittag zu verbringen.“

„Du und ich haben sehr unterschiedliche Vorstellung davon, was perfekt ist. Aber ich freue mich natürlich, meine Enkelin zu sehen. Was ist das?“ Bubbe nickte in Richtung Garderobenschrank.

„Meine Sachen für das Essen mit Shane. Sollen wir mit dem Gefrierschrank anfangen?“

Ihre Großmutter presste die Lippen zusammen. „Stimmt. Dein Date. Da kannst du nicht in schäbigen Klamotten auftauchen.“ Bubbe öffnete den Gefrierschrank und holte eine Vielfalt an Tiefkühlkost heraus.

Wozu in aller Welt braucht eine einzige Frau so viel Tiefkühlkost? Naomi schüttelte den Kopf und half, den Gefrierschrank zu leeren. Dabei fand sie vier Sorten Gemüse, sechs verschiedene Kombinationen von Tiefkühlobst, drei vegetarische Lasagnen, zwei tiefgekühlte Lammcurrys. Abgesehen von der Menge an Lebensmitteln, ernährte sich ihre Großmutter viel gesünder als sie selbst. Wo waren das Eis, die Tiefkühlpizza oder die Bagels?

„Es ist kein Date. Es ist eine Art Testlauf, um herauszufinden, was er falsch macht. Ich habe dir doch gesagt, dass ich noch nicht bereit bin für ein Date.“ Auch wenn es sich für sie wie ein Date anfühlte, was sie ihrer Großmutter gegenüber nie zugeben würde.

Bubbe warf ihr einen Seitenblick zu. „Außerdem ist er kein Jude.“

„Stimmt. Aber das spielt keine Rolle. Er hat mich als Dating-Coach engagiert, und wo könnte ich besser herausfinden, was er bei Dates falsch macht, als bei einem Essen?“

Bubbe reichte ihr einen frischen Schwamm mit Reinigungsmittel, und Naomi schrubbte den nun leeren Gefrierschrank.

„Das klingt verdächtig nach einem Mann, der eine Frau einladen möchte, aber zu unbeholfen ist, es wirklich zu tun.“

Hatte sie recht? War er wirklich so unbeholfen? Wie alle Fortune-Männer strahlte er Selbstbewusstsein aus. Andererseits kannte sie ihn nicht gut.

„Das glaube ich nicht, Bubbe. Ich meine, er hat mich engagiert. Hat einen Vertrag unterschrieben und so. Ich glaube nicht, dass er das alles tun würde, wenn er mich nur um ein Date bitten wollte. Aber nach dem Lunch werde ich mehr wissen.“ Sie deutete auf den Stapel Tiefkühlkost auf dem Tresen. „Brauchst du das wirklich alles?“

Ihre Großmutter sortierte die Lebensmittel, warf einiges weg und behielt den Rest. Naomi machte sich derweil am Kühlschrank zu schaffen. Der Pessach-Putz war anstrengend, und sie war froh, ihrer Großmutter helfen zu können.

Die eintönige Arbeit gab Naomi Zeit zum Nachdenken. Leider musste sie dabei an ihren Ex-Freund denken. Selbst sechs Monate nachdem er sie betrogen und verlassen hatte, schmerzte die Zurückweisung noch. Bilder dieses schrecklichen Tages liefen wie eine Diashow in ihrem Kopf ab. Er hatte beschlossen, dass er Kinder wollte – leibliche – und Naomi konnte sie ihm nicht schenken. Er hatte den Kiefer angespannt, die Lippen aufeinandergepresst und seinen Video-Trennungsanruf beendet und sie mit dem Gefühl zurückgelassen, wertlos zu sein.

Sie schüttelte den Kopf. In der Therapie hatte sie gelernt, dass sie auch dann ein wertvoller Mensch war, wenn sie keine Kinder gebären konnte. Sie war intelligent und produktiv und allein, weil sie atmete, war sie wertvoll. Das wusste sie. Aber in letzter Zeit hatte sie eine Auffrischung gebraucht. Also hatte sie sich in Arbeit gestürzt, um sich abzulenken und sich daran zu erinnern, wie wertvoll sie war.

Es hatte funktioniert … bis Shane in ihr Büro kam. Sein Wiederauftauchen in ihrem Leben brachte Verwirrung, Verlegenheit und … Lust? Sie lachte höhnisch auf. Vielleicht musste sie wirklich wieder anfangen zu daten, wenn der erste attraktive Mann, der ihr Büro betrat, sie dahinschmelzen ließ.

Während sie den Kühlschrank von innen schrubbte, rief sie sich in Erinnerung, dass Shane ein Kunde wie jeder andere war. Sie hatte nicht vor, sich in ihn zu verlieben, auch wenn er sich verändert hatte. Es ging ums Geschäft, das war alles. Und wenn die Fehler, die sie an ihm fand, ihr ein wenig Genugtuung verschaffen, na ja, sie war auch nur ein Mensch, oder?

Nachdem die ganze Küche blitzblank war und sie die koscheren Lebensmittel für Pessach in ein Fach und die normalen Lebensmittel, die ihre Großmutter bis zum Fest essen würde, in das andere Fach sortiert hatte, zog sie sich um. Als sie umgezogen und geschminkt aus dem Schlafzimmer kam, hielt ihre Großmutter sie auf Armeslänge und betrachtete sie.

„Du siehst wunderschön aus. Wenn Shane dich nicht für die schönste Frau der Welt hält, ist er blind.“

Naomi lachte. „Es ist kein Date, Bubbe, er wird mir oder meiner Kleidung also keine Beachtung schenken. Aber danke für das Kompliment.“

„Jetzt geh und amüsiere dich bei deinem Nicht-Date. Er ist ein toller Mann. Vielleicht kannst du das Essen als Test sehen, ob du wieder bereit bist, in den Dating-Pool einzutauchen.“

„Bubbe! Du bist unmöglich.“ Sie gab der alten Dame einen Kuss und eilte nach draußen. Eigentlich hatte Shane sie vom Büro abholen wollen, aber da sie bei ihrer Großmutter war, hatte sie ihm eine Nachricht geschickt, und er hatte angeboten, sie dort abzuholen. Sein silberner Pick-up hielt gerade an der Bordsteinkante, als sie auf den Bürgersteig trat.

„Das Spiel beginnt“, murmelte sie.

Shane kam um den Wagen herum zur Beifahrerseite.

...

Autor

Brenda Jackson

Brenda ist eine eingefleischte Romantikerin, die vor 30 Jahren ihre Sandkastenliebe geheiratet hat und immer noch stolz den Ring trägt, den ihr Freund ihr ansteckte, als sie 15 Jahre alt war. Weil sie sehr früh begann, an die Kraft von Liebe und Romantik zu glauben, verwendet sie ihre ganze Energie...

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