Texas Cattleman's Club Edition Band 20

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Im Texas Cattleman’s Club treffen die Gentlemen der Stadt Royal zusammen – hier werden Deals angebahnt und Kontakte gepflegt. Und einige der wohlhabenden und erfolgreichen Mitglieder begegnen hier zum ersten Mal ihrer großen Liebe …

UNERHÖRT REICH, GEFÄHRLICH SEXY von DIXIE BROWNING

Callie will mit ihrer Tante aufs Land ziehen. Doch einer sieht das gar nicht gern: Ihr Boss Hank. Der umwerfend männliche Ölmillionär scheint wild entschlossen, sie mit vollem Körpereinsatz von ihren Plänen abzubringen. Land oder Lust – Callie muss sich entscheiden …

DER MILLIONÄR UND DIE BIBLIOTHEKARIN von CAROLINE CROSS

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VOR MILLIONÄREN WIRD GEWARNT von PEGGY MORELAND

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  • Erscheinungstag 21.02.2026
  • Bandnummer 20
  • ISBN / Artikelnummer 9783751540742
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Dixie Browning, Caroline Cross, Peggy Moreland

TEXAS CATTLEMAN’S CLUB EDITION BAND 2

Dixie Browning

1. KAPITEL

Hank Langley hatte die Füße auf die Fensterbank gelegt und beobachtete ein kleines Flugzeug am Himmel. Gedankenverloren zog er sein Hosenbein hoch und massierte die vernarbte Haut zwischen dem Rand seines handgefertigten Stiefels und dem Saum seiner maßgeschneiderten Jeans.

Er hatte Schmerzen. Die verdammte Wetterfront, die hereinzog. Wenn sie Regen brachte, würden sich die Schmerzen wenigstens lohnen, doch es hatte seit Ewigkeiten nicht geregnet. August war August. West Texas war West Texas.

Und Hitze war Hitze.

Miss Manie klopfte ein Mal an seine Tür und trat dann ein. Sie achtete peinlich genau darauf, ihm fünf Sekunden Zeit zu geben, für den Fall, dass er hinter der verschlossenen Tür wer weiß was tat.

„Sie haben wieder Schmerzen, nicht wahr?“

„Nein, Ma’am.“

„Erzählen Sie mir nichts, junger Mann. Sie waren bis in die Puppen unterwegs und haben nicht auf Ihr Bein geachtet. Stimmt’s?“ Herausfordernd blickte Romania Riley ihn an.

„Sie wissen genau, wo ich war. Und Sie wissen auch, mit wem ich zusammen war. Wenn Sie einen detaillierten Bericht haben möchten, nehmen Sie sich ein kaltes Bier und setzen Sie sich.“

Er hatte Pansy Ann Eastrich zum Essen eingeladen, wie Manie nur allzu gut wusste. Und bei einem guten Essen versucht, sich auf etwas einzulassen, wofür er noch nicht bereit war. Nur weil es Zeit wurde – höchste Zeit – und die Auswahl sich mittlerweile auf zwei Frauen begrenzte. Pansy und Bianca Mullins. Beide Frauen waren Mitte dreißig. Beide kannten die Spielregeln. Keine suchte in einer Beziehung mehr, als er zu geben bereit war. Was seiner Meinung nach ziemlich viel war. Sex, natürlich. Finanzielle Unabhängigkeit, abgesichert durch einen für beide Seiten fairen Ehevertrag. Partnerschaft und mindestens ein oder besser noch zwei Sprösslinge. Möglichst männlich.

„Und?“ Ungeduldig wartete Miss Manie auf Informationen.

„Und was?“

„Kommen Sie mir nicht dumm, Henry Langley. Ich kannte Sie schon, als Sie noch in Windeln lagen.“ Sie schaute ihn über den Rand ihrer Brille an und blickte dann auf ihre Notizen. „Miss Pansy hat heute Morgen wegen des Cattleman’s Ball angerufen. Sie haben sie gestern Abend nicht gefragt, oder?“

„Wonach? Ob sie mich auf den Ball begleitet? Oder ob sie mich heiraten will?“

Sie bedachte ihn mit einem Blick, den sie schon perfektioniert hatte, bevor er überhaupt geboren war. Manie würde ein Problem sein, egal, welche Frau er heiratete. „Beide Fragen kann ich mit ‚noch nicht‘ beantworten“, sagte er trocken.

Er war vermutlich der einzige fast einen Meter neunzig große Millionär – früher Mitglied einer militärischen Spezialeinheit –, der sich von einer fünfundvierzig Kilo leichten alten Jungfer herumkommandieren ließ.

„Ich würde an Ihrer Stelle nicht zu schnell vorpreschen. Sie haben viel Zeit. Ach, wo wir gerade zusammensitzen, Preacher Weldon fragt wegen des Glockenturms an, und der Blumenladen hatte keine roten Rosen, deshalb habe ich Bianca stattdessen rosafarbene geschickt. Wenn Sie mich fragen, hat sie auf etwas anderes gehofft als einen Strauß Blumen.“

Hank unterdrückte einen Seufzer. Er war mit Bianca Mullins in der letzten Woche dreimal ausgegangen, um herauszufinden, ob er den Rest seines Lebens mit einer Frau verbringen könnte, die den Körper eines Models und den Verstand einer Schulabbrecherin hatte.

Doch wenigstens hatte sie Sinn für Humor, im Gegensatz zu Pansy.

Er nahm die Füße vom Fensterbrett. Miss Manie hatte ihm wegen seiner Angewohnheit, die Füße auf die Möbel zu legen, bereits mehrmals eine Standpauke gehalten, aber verdammt, es waren seine Möbel, sein Büro – fast die gesamte Stadt gehörte ihm.

Und er hatte Schmerzen. In seinem Bein steckten immer noch Metallsplitter von dem Unfall, der seine Karriere beim Militär beendet hatte. Gegen den Willen seiner Eltern hatte er sich als rebellischer junger Mann der Air Force angeschlossen. Mit den Folgen musste er jetzt leben.

„Ja, Ma’am“, sagte er kleinlaut. „Ich kümmere mich um Pansy und Bianca, und Sie sagen dem Pfarrer, dass er die Zimmerleute anrufen kann. Rosa ist in Ordnung, es sei denn, die Farbe besagt bei Blumen etwas, was mich in Schwierigkeiten bringen könnte.“

„Pah. Heutzutage achtet niemand mehr auf solche Dinge. Zumindest Ihre Frauen nicht.“

„Das klingt, als hätte ich einen Harem.“

Das Klingeln des Telefons rettete ihn. Hank besaß zwei Handys und eine private Festnetznummer, aber die meisten Anrufe liefen über Miss Manies Tisch. Beim zweiten Klingeln sagte Manie: „Ich gehe besser dran. Es ist vermutlich die Küche wegen dieser Aushilfskräfte, die wir für den Ball einstellen wollen. Bitte erinnern Sie mich daran, dass ich Ihnen von meiner Großnichte erzähle, wenn Sie einen Moment Zeit haben. Sie lebt in North Carolina.“

Ihrer Großnichte? Hatte das Kind den Highschoolabschluss geschafft? Nicht, dass ihre Verwandten ihn interessierten. Er hatte nicht einmal gewusst, dass Manie in North Carolina, ihrer Heimat, noch Verwandte hatte.

Überhaupt wusste er erschreckend wenig über die Frau, die als sein Gewissen diente, als Bodyguard, Ersatzmutter und persönliche Assistentin. Ihm war nur bekannt, dass ihr einziger Bruder vor einem Jahr gestorben war.

Ein weiterer Beweis dafür, was für ein Egoist er war.

Notgedrungen führte Hank an diesem Abend Pansy Eastrich wieder zum Dinner aus. Sie hatte gewartet, bis Miss Manie Feierabend gemacht hatte, dann ihren Kopf durch die Tür zu seinem Büro gesteckt und ihm ihr gewinnendes Lächeln geschenkt. „Hank, können wir reden?“

Er hatte sich auf ein langes heißes Bad gefreut, anschließend auf eine doppelte Portion gegrillte Knoblauchgarnelen, eine feine Zigarre, ein starkes Getränk und viel Schlaf.

Pustekuchen. „Ich muss noch ein paar Dinge fertig machen, dann lade ich dich zum Essen ein. Ich hole dich in einer Stunde ab. Einverstanden?“

„Oder ich gehe ein bisschen shoppen und komme in einer Stunde zurück.“

„Schön. Wir treffen uns unten.“

Hank wohnte über dem exklusiven Herrenclub, den sein Großvater Henry „Tex“ Langley vor fast neunzig Jahren gegründet hatte. Dort befand sich ein Büro mit einem Vorzimmer für Manie. Sie war die einzige Frau, die freien Zugang zu seinen Privaträumen hatte. Für einen alleinstehenden Geschäftsmann war es eine ideale Lösung, aber wenn er einmal heiratete, würde er einige Veränderungen vornehmen müssen. Der Club bot nicht die richtige Umgebung für eine Familie. Trotz des Damenzimmers, das sein Vater eingerichtet hatte, war er in erster Linie eine Männerdomäne. Außerdem mochte keine seiner beiden Finalistinnen Manie, was auf Gegenseitigkeit beruhte.

„Ich könnte auch hier oben auf dich warten“, sagte Pansy hoffnungsvoll.

„Auf keinen Fall, der alte Tex würde sich im Grab umdrehen.“ Hank war nicht so dumm, einen Präzedenzfall zu schaffen. Wenn man einer Frau den kleinen Finger reichte, nahm sie gleich die ganze Hand.

In der nächsten Dreiviertelstunde versuchte er vergeblich, Greg Hunt zu erreichen, der eine rätselhafte Nachricht hinterlassen hatte. Er sprach mit seinem Broker, mit dem Leiter seines Wirtschaftsberatungsunternehmens und mit dem Chefdesigner der Luftfahrtelektronikfirma, die seinen neuen Avenger baute. Ihm unterbreitete er einen Vorschlag, wie das Cockpit pilotenfreundlicher gestaltet werden könnte.

Trotzdem, das Gefühl, in der Falle zu sitzen, blieb. Das Ziel heiratswilliger Frauen zu sein, war nichts Neues für einen Junggesellen, der auf die vierzig zusteuerte, zufällig Alleininhaber des exklusiven Cattleman’s Club in Texas war und laut eines bekannten Wirtschaftsjournalisten auch der mächtigste Ölbaron des Landes.

Dennoch gab es Tage, an denen er sich wie ein Stück Frischfleisch fühlte, das in ein Becken mit hungrigen Haien geworfen wurde.

Ölbaron. Er hasste die Bezeichnung, doch sie wurde seit drei Generationen für die Männer seiner Familie verwendet. Das hatte im frühen zwanzigsten Jahrhundert angefangen, als Langley Eins zu sprudeln begann, gefolgt von drei weiteren Ölquellen innerhalb einer Woche, die alle mehr als neunzig Barrels pro Tag brachten.

Unter der Führung seines Vaters, Henry Jr., war das Familienunternehmen expandiert, indem er Förderrechte im ganzen Süden erwarb, einschließlich im Golf von Mexiko. Einige Bohrinseln waren noch in Betrieb, doch nur etwa zehn Prozent des Kapitals der Langleys waren ans Ölgeschäft gebunden. Hank investierte hauptsächlich in Informationstechnologie, sodass Texas das Silicon Valley im IT-Bereich schon beinahe eingeholt hatte.

Aber Vermögen war Vermögen, und Frauen waren Frauen. Ungeachtet seiner Entscheidung, dass es Zeit war zu heiraten, hatte Hank nicht die Absicht, die Erstbeste zu nehmen.

Bei Claire’s, dem besten französischen Restaurant in der Stadt, bestellte er wie üblich Surf and Turf, ein Filetsteak mit Hummer. Pansy, die ein elegant-lässiges Outfit trug, das farblich perfekt zu ihrem Haar passte, studierte eine Viertelstunde die Speisekarte und bestellte dann wie immer: Bloody Mary, Schnecken in geklärter Butter, Salat mit einer Extraportion Dressing, frisches Baguette und eine Diätlimonade.

„Du hast Bianca nicht eingeladen, oder?“, fragte sie, nachdem der Kellner sich entfernt hatte.

„Ich war zu sehr mit der organisatorischen Seite beschäftigt, um an die private zu denken.“ Was der Wahrheit entsprach. Die letzten Wochen waren die Vorsitzenden von Wohlfahrtsverbänden bei ihm ein und aus gegangen, erpicht darauf, auf den Zug aufzuspringen. Fundraising war die am schnellsten wachsende Industrie in der Stadt, und der Ball des Clubs war die Wohltätigkeitsveranstaltung des Jahres. Der Erlös wurde unter verschiedenen, sorgfältig ausgewählten Verbänden aufgeteilt.

Was die private Seite betraf, so hatte eine von Biancas Freundinnen im letzten Jahr bei dem Event ihre Verlobung verkündet. Im Jahr davor hatte Pansys jüngere Schwester dieselbe Bühne für ihre Ankündigung gewählt. Der Ball wurde zum angesagten Ort für die Bekanntgabe von Verlobungen. Hank wurde das Gefühl nicht los, dass es in diesem Jahr ihn treffen würde.

Pansy wartete, bis der Kellner die Serviette auf ihrem Schoß ausgebreitet hatte, bevor sie sich auf ein neues Thema stürzte. „Hanky, findest du nicht, dass es an der Zeit ist, den Club einmal zu renovieren? Ich meine, diese dunkle Holzvertäfelung und die alten, hässlichen Tierköpfe? Da wird man ja depressiv.“

Hanky? „Jagdtrophäen sind Tradition.“

„Ach, vergiss Traditionen. Was du brauchst, ist etwas Helles und Fröhliches. Ich könnte dir ein paar Vorschläge machen“, fügte sie geziert hinzu.

„Das glaube ich dir gern, Pansy, und ich weiß es auch zu schätzen, aber die Mitglieder …“

„Sie würden den neuen Stil lieben. Du kannst mir nicht erzählen, dass irgendjemand gern unter finsteren, alten Elchköpfen sitzt. Hast du noch nie etwas von Tierrechten gehört? Gönn den armen Dingern ein anständiges Begräbnis!“

„Und was schwebt dir vor? Vielleicht Kränze mit Trockenblumen?“

„Oh, Gott, ich merke schon, du hast mal wieder eine deiner Launen.“

Eine seiner Launen? War er wirklich so schlimm? Er hatte gedacht, dass er für einen Mann, der das erste Mal im Leben ernsthaft über eine Ehe nachdachte, ganz passabel war.

Genau genommen das zweite Mal, aber die erste Ehe zählte nicht. Damals hatte nicht sein Kopf, sondern ein anderes Körperteil entschieden.

Er versuchte es mit einem Ablenkungsmanöver. „Da wir gerade von Renovierung sprechen, ich habe mir überlegt, das Pine-Valley-Haus herrichten zu lassen und dann zu verkaufen.“ Es war das Haus seines Vaters gewesen. Dieser hatte es für seine vierte Frau gekauft, nur zwei Jahre bevor beide bei einem Lawinenunglück ums Leben kamen. Hank hatte alles geerbt. Er hatte das Haus behalten. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil gute Immobilien eine lohnende Anlage darstellten.

Pansy stürzte sich auf diesen Punkt wie ein Hund auf einen Knochen. „Was hältst du davon, wenn wir nach dem Essen einmal dorthin fahren und es inspizieren? Ich kenne einen tollen Innenarchitekten in Odessa – Mama hatte ihn im letzten Frühjahr.“

Pansys Mama hatte die Hälfte aller Männer in Texas gehabt. Das war keine Empfehlung.

„Ich … ich muss heute Abend noch nach Midland fliegen …“ Er erfand spontan eine Geschäftsreise. „Vielleicht wenn ich zurück bin …“ Er blickte demonstrativ auf seine Uhr, und als sie den Wink nicht sofort verstand, noch ein paarmal, bis sie sich endlich auf den Weg machten.

Er brachte sie bis an die Haustür. Ihre Einladung zu einem Schlummertrunk und was sie sonst noch im Sinn hatte, lehnte er ab. Aber bevor er verschwinden konnte, gab sie ihm einen Gutenachtkuss. Einen wilden, leidenschaftlichen.

Verdammt, er war auch nur ein Mann. Er erwiderte den Kuss, schmeckte ihren Lippenstift, atmete ihr schweres Parfum ein und wünschte, er würde Interesse verspüren. Objektiv gesehen war sie eine tolle Frau, und er hatte eine lange Durststrecke hinter sich, da er ziemlich wählerisch war, was sein Liebesleben betraf.

Außerdem, wenn er diese Frau wirklich heiratete …

Doch es reichte ihm nicht. Er wollte mehr. Er wusste zwar nicht, worauf er wartete, aber er spürte, dass Pansy Ann Eastrich nicht einmal in die Nähe dessen kam. Also verließ er sie, fragte sich aber auf dem Rückweg, was für ein Idiot er sein musste, dass er ablehnte, was sie ihm so offen anbot.

Nein, er war kein Idiot. Er wusste, dass die Familie Langley aussterben würde, wenn er nicht heiratete und Kinder zeugte. Er, Henry Harrison Langley III., würde der letzte in der Liste erfolgreicher Männer sein. Aber Pansy war nicht die Antwort auf dieses Problem. Zum einen mochte sie keine Kinder. Zum anderen besaß sie überhaupt keinen Sinn für Humor.

Außerdem war es unwahrscheinlich, dass ein Mann mit seiner Familiengeschichte eine erfolgreiche Ehe führen könnte. Sein Großvater war zweimal verwitwet und einmal geschieden gewesen, damals, als eine Scheidung noch eine Schande war. Sein Vater hatte noch dreimal geheiratet, nachdem Hanks Mutter nach der Totgeburt einer Tochter gestorben war.

Abgesehen davon – oder vielleicht auch deshalb – war er ein Einzelgänger. Im Alter von siebzehn war er mit einer fünfzehnjährigen Cheerleaderin durchgebrannt, die ihn bezüglich ihres Alters angelogen hatte. Hanks Vorstellung von einer Ehe war Nonstop-Sex gewesen. Tammys Nonstop-Shoppen. Absolut unvereinbar. Sein Vater hatte sie ausgezahlt und die Ehe annullieren lassen.

Seit diesem jugendlichen Anfall von Rebellion wurden seine Anwälte ganz nervös, wenn er mit derselben Frau mehr als dreimal hintereinander ausging. Pansy und Bianca bildeten Ausnahmen, weil sie genauso wohlhabend waren wie er. Eine Null mehr oder weniger spielte da keine Rolle.

Und was Miss Manie betraf, wurde sie zu einem feuerspeienden Drachen, sobald sie das Gefühl bekam, dass er eine der Frauen an der Backe hatte, die es nur auf sein Geld abgesehen hatten. Obwohl er sich meist auf ihr Urteil verlassen konnte, war er das Spiel Wie drücke ich mich vor der Ehe leid. Die einzige Möglichkeit, es zu beenden, war, die Beste auszuwählen und den Schritt endlich zu wagen.

Das rote Licht seines Anrufbeantworters blinkte, als er seine Privaträume über dem Club betrat. Er drückte die Play-Taste, und Gregs Stimme tönte durch die Stille.

„Greg hier. Hör zu, Hank. Hier braut sich eine Sache zusammen, bei der ich deine Hilfe brauchte. Forrest und Sterling vielleicht auch. Ich will am Telefon nicht darüber sprechen, aber ich muss dich so schnell wie möglich treffen. Es ist wirklich dringend.“

Was zum Teufel hatte das zu bedeuten? Gedankenverloren zog Hank sein Hemd aus, streckte die Arme nach oben und gähnte. Weiß Gott, er konnte eine Ablenkung gebrauchen!

Romania Riley entspannte ihre schmerzenden Füße in einem heißen Arnikafußbad, stieß einen Seufzer aus und trank einen Schluck von ihrem selbst gekelterten Brombeerwein.

Seit Monaten dachte sie darüber nach, was sie mit all den Frauen tun sollte, die ihren Jungen belästigten. Keine war an dem freundlichen, einfühlsamen Mann interessiert, der er in Wirklichkeit war. Alle hatten es nur auf sein Geld und seinen gesellschaftlichen Status abgesehen.

Dabei war Geld nicht alles im Leben. Geld hatte schon Hanks Vater nicht zu einem glücklichen Mann gemacht.

Manie war acht Jahre alt gewesen, als ihre Mama mit ihrem Bruder abgehauen und ihr Vater, Alaska Riley, mit ihr nach Louisiana gezogen war und damit der Ölfirma folgte, die die Bohrungen an der Küste von North Carolina abgeschlossen hatte. Sie hatten dort ein paar Monate wie Zigeuner gelebt, nur sie beide und Pas alter Hund Dog. Eines Nachts war Dog bei einem Gewittersturm fortgelaufen. Er kam nie zurück, was ihrem Vater das Herz brach, denn Dog gehörte zur Familie.

Manie konnte nicht mehr sagen, wie alt sie gewesen war, als sie begriff, dass ihr Vater trank. Schon immer war er unberechenbar gewesen. Manchmal richtig gut drauf, dann wieder drohte die Welt unterzugehen. Den dunklen Tagen folgte Katerstimmung und das Versprechen, nie wieder zu trinken. Manie hatte sich immer wieder Hoffnungen gemacht, aber nie lange.

Von Louisiana zogen sie nach Texas. Pa schwor dem Alkohol fast sechs Monate ab, sie zogen in eine Zweizimmerwohnung, und Manie ging zur Schule. Für eine kurze Zeit war alles wunderbar. Dann geriet ihr Vater in schlechte Gesellschaft. Es dauerte nicht lange, und er kehrte wieder zu seinen alten Gewohnheiten zurück. Manie regte sich auf, weil sie Angst um ihn hatte, doch je mehr sie sich erregte, desto mehr trank er.

Dann passierte es, dass er zwei Tage vor dem Zahltag sturzbetrunken war und Manie nichts zu essen im Haus hatte. Sie konnte nicht einmal zehn Cent für eine Scheibe Brot zusammenkratzen, und so ließ sie sich von einem Lastwagen mit in die Stadt nehmen.

Alle wussten, wo der alte Tex lebte. Der Mann besaß praktisch ganz West Texas. Sie war von dem Laster gesprungen und geradewegs zum Vordereingang der Villa der Langleys gelaufen. Dort hatte sie an die Tür geklopft, und als die Haushälterin öffnete, hatte sie das Geld gefordert, das ihrem Vater für drei Tage Arbeit zustand.

Die Haushälterin hatte versucht, sie zu verjagen, doch Manie rührte sich nicht vom Fleck. Sie war verzweifelt und hungrig und wusste nicht, an wen sie sich sonst wenden sollte.

„Geh zur Hintertür. Ich sehe nach, ob Mister Tex zu Hause ist.“

Manie ging. Hintertür, Vordertür – welchen Unterschied machte es, solange sie bekam, was sie haben wollte?

Aber das passierte nicht. Die Haushälterin erschien an der Hintertür und richtete ihr aus, sie sollte am Montagmorgen zur Zahlstelle kommen. Dann schlug sie ihr die Tür vor der Nase zu.

Aber Manie konnte nicht warten, sie war zu hungrig. Sie wollte auch keinen Scheck von der Zahlstelle haben, sie wollte Bargeld, damit sie in ein Geschäft gehen und Lebensmittel einkaufen konnte, bevor ihr Vater es für Whiskey ausgeben konnte.

Deshalb hämmerte sie erneut gegen die Tür. Ihr Klopfen blieb jedoch unbeantwortet, und sie war zu klein, um den schweren Türklopfer aus Messing zu betätigen. Schließlich stürmte sie frustriert und blind vor Tränen durch das Tor und stieß mit dem jungen Henry zusammen, der sie anhörte und ihr dann freundlich erklärte, dass ihr Vater nicht mehr auf dem Bohrfeld arbeiten würde, weil er zu unzuverlässig sei und weil es an einer Bohranlage gefährlich werden konnte. Er wolle dafür sorgen, dass sie das ausstehende Geld bekam.

Dann hatte er Manie mit zu seiner Frau genommen – seiner ersten Frau –, die ihr ein Glas Buttermilch gegeben und ihr angeboten hatte, dass sie nach der Schule und an den Wochenenden in der Küche helfen konnte.

Meine Güte, waren seitdem wirklich fast sechzig Jahre vergangen? Es war ein aufregendes Leben gewesen, aber sie hätte keine Sekunde davon missen wollen. Aus dem Kind war eine Frau geworden, die gute und schlechte Zeiten miterlebt hatte. Erst starb der alte Tex, dann ihr Vater an seinen Leberproblemen. Ein Jahr später wurde Hank geboren und wieder ein paar Jahre später verlor Mr. Henry seine Frau und seine neugeborene Tochter.

Sie hatte den jungen Hank aufwachsen sehen, ihn geliebt wie ein eigenes Kind und sich um ihn gekümmert, als sein Vater sich eine Frau nach der anderen nahm. Sie kannte Hanks Defizite und seine Stärken.

Jetzt durchlebte er gerade eine andere gefährliche Phase, und es war ihre Aufgabe, ihn durch diese schwere Zeit zu lotsen. Es war schwer, der Versuchung zu widerstehen, wenn diese aufgebrezelt daherkam, in engen Kleidern, stark geschminkt, nach einem schweren Parfum stinkend und eine Sprache benutzend, die eine Lady vor einem Gentleman nicht gebrauchen sollte. Diese Art von Versuchung bedeutete Probleme, das stand so fest wie das Amen in der Kirche.

Aber Manie hatte einen Plan.

2. KAPITEL

Am frühen Samstagmorgen schloss Callie die Haustür ab. Bevor sie sich auf den Weg nach Texas machte, ging sie ein letztes Mal um das Haus herum und vergewisserte sich, dass sie alle Fenster geschlossen und alle Vogelhäuschen mit Futter gefüllt hatte.

„Grace, ich bin dann weg. Fütterst du bitte gegen Mitte der Woche meine Vögel?“, rief sie ihrer Nachbarin zu.

„Ich schaue alle paar Tage nach. Wir sehen uns in einer Woche oder so. Fahr vorsichtig, viel Spaß, und tu nichts, was ich nicht auch tun würde.“

Callie versprach es. In Gedanken war sie weit weg. Dies war eine Mission, kein Urlaub. Da sie nicht zu spontanen Aktionen tendierte, hatte sie sorgfältig darüber nachgedacht, eine Liste mit Pro und Kontra erstellt und beide Seiten gegeneinander abgewogen. Und jetzt war sie tatsächlich auf dem Weg.

Doch schon am Dienstag häuften sich ihre Zweifel. Zu Hause in North Carolina hatte alles so logisch geklungen. Aber jetzt, wo sie tatsächlich in Texas war, fragte sie sich, ob sie ihren Plan nicht zuerst mit Aunt Manie hätte besprechen sollen, statt sie damit aus heiterem Himmel zu überfallen.

Hör auf, dir Gedanken zu machen, Caledonia, jetzt ist es zu spät. Du hast dir die ganze Arbeit zu Hause gemacht, hast einen Nachsendeantrag bei der Post gestellt und die Zeitung abbestellt. Du hast dir die Suppe eingebrockt, jetzt löffle sie auch aus.

Sie war müde, das war alles. Außerdem war im Westen alles so verdammt groß. Es war das erste Mal, dass sie überhaupt auf der anderen Seite der Blue Ridge Mountains war. Was hatte sie sich bloß gedacht?

Als ihr die Idee gekommen war, schien es die logischste Sache auf der Welt zu sein. Sie hatte ihre Großtante Manie vor Grandpop Rileys Beerdigung im letzten September nicht einmal gekannt, aber sie hatte sich auf Anhieb gut mit ihr verstanden.

Außerdem hatte Aunt Manie als Kind mal in North Carolina gelebt.

Callie hatte fast ihre ganzen Ersparnisse in das alte Haus gesteckt, das sie von Grandpop geerbt hatte. Ein neues Dach, ein frischer Anstrich in einem hübschen Grau, die Fenster- und Türrahmen in einer anderen Farbe abgesetzt. Als Nächstes würde sie die Sanitäreinrichtungen und elektrischen Leitungen in Angriff nehmen. Aber zuerst musste sie einen anderen Job finden und ihr Konto wieder auffüllen.

Der Garten befand sich in einem guten Zustand. Das Grundstück lag in einem Waldgebiet, wenige Meilen von Brooks Cross Roads entfernt. Hier blühten Rhododendren, Kirschbäume, Azaleen und Lilien. Der ideale Ort für jemanden, der das Leben auf der Kriechspur liebte.

Und Callie gehörte definitiv dazu.

Callies Vater, Bainbridge, hatte von ihr erwartet, dass sie nach der Testamentseröffnung so schnell wie möglich verkaufte. Seit er seine Stelle bei einem Versicherungsunternehmen aufgegeben hatte und ein Fulltime-Töpfer und Teilzeit-Fiedler geworden war, suchte er nach Wegen, um an Geld zu kommen. Im Gegensatz zu Callie hatte er nicht die Philosophie seines Vaters geerbt, arbeite hart, lebe billig und lege für schlechte Zeiten zurück.

Er hätte daran denken sollen, bevor er kündigte. Ihre Mutter war genauso schlimm. Sally hatte sich zur Assistentin der Geschäftsleitung bei Big Joe Arther’s Motors hochgearbeitet und in ihrer Freizeit die Orgel in der Brushy Creek Church gespielt. Dann kam sie in die Wechseljahre. Sie färbte sich die Haare, aß Sojabohnen und spielte Keyboard in einer einheimischen Country-Rock-Band, die sich The Rockin’ Possum nannte.

Die letzten Jahre hatten Bain und Sally an jeder Musikveranstaltung und jedem Handwerkermarkt zwischen Galax und Nashville teilgenommen und Callie und Grandpop sich selbst überlassen. Was Callie nur recht gewesen war. Sie hatte ihren Job gehabt und Grandpop seinen Garten.

Doch dann war Grandpop im letzten Herbst gestorben. Ganz friedlich war er eingeschlafen. Und Callie hatte endlich seine Schwester Romania kennengelernt. Eins hatte zum anderen geführt, und jetzt war sie hier in Texas, um Aunt Manie zu sich nach North Carolina zu holen.

Es war die perfekte Lösung für sie beide. Wenn Manie erst einmal zurück in Yadkin County war, würde sie die Langleys vergessen.

Langleys. Wenn man Manie reden hörte, könnte man meinen, sie wären Gottes Verwandtschaft zweiten Grades oder etwas Ähnliches. In der Woche, in der ihre Tante bei ihr gewesen war, hatte Callie mehr als genug über die sprudelnden Ölquellen der Familie gehört, die wunderschönen Villen und den eleganten, exklusiven Club für reiche Männer. Im Alter von neunundsechzig Jahren, laut Manie – zweiundsiebzig laut Grandpop –, rackerte sich die arme Aunt Manie immer noch für den Letzten ihrer heiß geliebten Langleys ab. Sie hatte ihn als lieb, einfühlsam und verletzlich beschrieben, als einen Mann, der von Frauen angebaggert wurde, die ihn nur wegen seines Geldes heiraten wollten.

Ein Mann, der es zuließ, dass eine Frau noch arbeitete, wenn sie längst im Rentenalter war, und das, obwohl sie ein passables Haus hatte, in das sie zurückkehren konnte, und eine Nichte, die bereit war, sich um sie zu kümmern, war weder lieb noch einfühlsam. Er war nicht einmal anständig.

Abgesehen davon klang es, als wäre er ein Weichei. Die Beschreibung passte vielleicht auf den alten Doc Teeter, den Mann, für den Callie seit ihrem sechzehnten Lebensjahr gearbeitet hatte, aber einen reichen Junggesellen mittleren Alters so zu charakterisieren …

Nun, von jetzt an würde Callie bestimmen, wo es langging. Ihre langjährige Arbeit bei einem Allgemeinmediziner hatte sie ein paar Dinge im Umgang mit Menschen gelehrt. Männer oder Frauen, reich, arm, jung oder alt, alle waren gleich, wenn sie krank und hilfsbedürftig waren.

Sie machte Rast in Odessa, aß ein Geflügelsandwich, trank ein Glas Eistee und rief ihre Eltern in ihrer Stadtwohnung in Winston-Salem an.

„Daddy? Ich bin in Odessa, einem Ort in Texas. Es ist nicht mehr weit bis Royal. Ich denke, ich bin am späten Nachmittag dort. Seid ihr, Mom und du, jetzt eine Weile zu Hause? Ich mache mir immer Sorgen, wenn ihr unterwegs seid.“

„Morgen machen wir uns auf den Weg nach Nashville. Dort ist am Wochenende eine große Kunstgewerbeausstellung, und die Band hat einen Auftritt.“

„Okay. Ruft mich an, wenn ihr wisst, wo ihr übernachtet. Ich habe Mama Aunt Manies Nummer gegeben. Denk daran, deine Medikamente mitzunehmen. Und vergiss nicht, jeden Tag mindestens eine Meile zu laufen. Ich weiß, es wird heiß, aber wenn du gleich morgens läufst … Ich liebe dich auch, Daddy. Und begleite Mama in diese Clubs, hörst du? Du weißt, was für Typen dort rumhängen.“

Sie legte auf. Hatte sie eigentlich an Grandpops Fotoalben gedacht?

Ja, das hatte sie. Sie waren bei den Gewürzplätzchen und dem Zuckerkuchen, der vermutlich zerquetscht war und anfing zu schmelzen. Doch als sie packte, hatte sie es für eine gute Idee gehalten, Erinnerungen an die Kindheit mitzubringen.

Verdammt, war sie müde! Bisher war sie nie weiter als bis nach Raleigh gefahren, und jetzt reiste sie quer durchs ganze Land. Eine Pionierleistung in ihren Augen. Vor allem war sie stolz, dass sie aufgebrochen war, um eine ältere Verwandte zu retten, die Hilfe brauchte.

Die Riley-Frauen – zumindest die geborenen Rileys – mochten zwar keine Schönheiten sein und komische Namen haben, aber laut Grandpop steckten sie voller Tatkraft, wenn sie gebraucht wurden. Und Callie war überzeugt, dass Manie sie brauchte.

Hank war müde, als er von seiner ungeplanten Geschäftsreise zurückkehrte. Im Club wartete schon Greg Hunt auf ihn. Die beiden Männer gingen aufeinander zu.

„Hast du einen Moment Zeit?“

„Sicher, lass uns nach oben gehen.“ Sein enger Freund Greg arbeitete auch als sein Anwalt, aber Hank hatte das Gefühl, als ginge es heute um etwas anderes. „Du hast von einer Sache gesprochen, die sich zusammenbraut. Was ist los?“ Hank ging voran zum Treppenhaus. Es gab einen Fahrstuhl, aber der wurde nur selten benutzt.

„Bevor wir zum Kern der Sache kommen, gebe ich dir zunächst ein paar Hintergrundinformationen.“

Hank schenkte seinem Freund einen Drink ein, steckte sich selbst eine Zigarre an und setzte sich dann, um zuzuhören.

„Du erinnerst dich, dass ich mal eine Frau namens Anna erwähnt habe?“

„Diese toll aussehende Frau? Mit der du vor einiger Zeit eine heiße Affäre hättest? Aus einer europäischen Familie?“

„Ja, genau die. Nun, ich hatte vergessen, ihren Nachnamen zu erwähnen. Sie heißt Anna von Oberland. Die Oberlands sind gekrönte Häupter in einem kleinen europäischen Land namens Obersbourg. Sie arrangieren gern Ehen.“

„Was du nicht sagst! Du wirst also in den Adel hineinheiraten?“ Hank streifte seine Zigarre ab und beugte sich vor.

„Wenn es so einfach wäre, gäbe es kein Problem. Sie haben sie ins Exil geschickt. Ich weiß nicht einmal, wie sie es geschafft hat zu telefonieren, aber glücklicherweise hat sie es.“

Hank wartete. Greg war Anwalt. Die Information würde in passender Form und zum passenden Zeitpunkt kommen.

„Du kennst Ivan den Schrecklichen?“

Hank nickte.

„Dieser Typ, der entschlossen ist, Anna zu heiraten, soll Ivan dem Schrecklichen aufs Haar gleichen. Prinz Ivan Striksky von Asterland, nur daran interessiert, seinen Besitz auf jede erdenkliche Weise zu vergrößern. Anna zu heiraten, ist leichter und billiger als eine Invasion. Habe ich erwähnt, dass sie einen Sohn hat? Sie ist auch Vormund der Zwillinge ihrer verstorbenen Schwester, was vermutlich eine separate Mission bedeutet, da sie sich, wie ich verstanden habe, an einem anderen Ort befinden. Alle vier aus dem Land zu holen, wird nicht einfach werden. Wir müssen trickreich vorgehen und brauchen viel Glück.“

„Ich bin dabei.“

Greg trank sein Glas leer, seufzte und lehnte sich zurück.

„Ich habe dich bereits eingeplant. Alles Weitere, sobald ich mit den anderen gesprochen habe.“

Noch lange nachdem Greg gegangen war, saß Hank auf seinem Lieblingsstuhl, die Füße auf der Fensterbank. Er starrte hinaus in den wolkenlosen Himmel. Wieder ein heißer, trockener Tag. Abgesehen von dem Quietschen des Stuhls war nur das leise Rauschen der kalten Luft durch die Rohre der Klimaanlage zu hören.

Die Sache, von der Greg gesprochen hatte, war ein ausgewachsenes Drama. Romeo und Julia der Neuzeit.

Mit seinen zweiunddreißig Jahren war Greg Hunt fast acht Jahre jünger als Hank. Der Mann war brillant, erfahren und klug genug, um Problemen mit Frauen aus dem Weg zu gehen. Diese Anna musste jemand ganz Besonderes sein.

Er hoffte nur, dass sie es wert war. Sie hatten vereinbart, dass Greg sich mit Sterling Churchill, Forrest Cunningham und Gregs jüngerem Bruder Blake beraten würde, der beim FBI arbeitete. Alle fünf Männer, einschließlich Hank, waren beim Militär gewesen. Das war eins der Dinge, die sie gemeinsam hatten, abgesehen davon, dass sie in ihrem individuellen Bereich höchst erfolgreich agierten.

Hank sicherte Greg seine Unterstützung zu, finanziell und auch sonst. Das Gespräch über diese Mission hatte alte Erinnerungen heraufbeschworen. Das erste Mal seit Jahren verspürte er das vertraute aufregende Kribbeln, als wäre er wieder bei den Streitkräften und würde auf den nächsten nächtlichen Einsatz vorbereitet.

Seine Karriere beim Militär war die schönste Zeit seines ganzen Lebens gewesen. Er wäre vielleicht sogar dort geblieben, wenn nicht ein paar Ereignisse seiner Karriere ein Ende bereitet hätten. Der Tod seines Vaters, eine Krise in der Ölindustrie und nicht zuletzt der Unfall, der ihn in ein türkisches Krankenhaus geführt hatte, zu sogenannten Chirurgen, die darüber stritten, ob sie sein übel zugerichtetes linkes Bein amputieren oder versuchen sollten, es zusammenzuflicken.

Ehrlich gesagt vermisste er das Militär.

Hank hatte sich mit achtzehn freiwillig gemeldet. Nach seiner gescheiterten Ehe hatte er versucht, seinem alten Herrn etwas – Gott weiß was – zu beweisen.

Stattdessen hatte er sich selbst etwas bewiesen. Jetzt, einundzwanzig Jahre später, wusste er, wer er war, wie er gestrickt war und was er erreichen konnte. Im Team und auch allein.

Nichts davon hatte mit dem Vermögen zu tun, das von früheren Generationen Langleys angehäuft worden war.

Von den fünf Personen, denen Hank am meisten vertraute, waren vier ehemalige Armeeangehörige und Mitglieder des Cattleman’s Club, wie er selbst. Die fünfte Person, der er sein Leben anvertrauen würde, war Romania Riley. Die spröde, zanklustige Miss Manie, eine Frau, die nach Lavendel roch und einen hundertzehn Kilo schweren Ex-Marine-Chef mit einem einzigen Blick über ihre Goldrandbrille das Fürchten lehren konnte. Die Lady trieb ihn vielleicht gelegentlich in den Wahnsinn, aber sie tat es mit den besten Absichten.

Als hätten seine Gedanken sie herbeigerufen, ertönte ihr vertrautes Klopfen an seiner Tür. Hank schaffte es, die Füße von der Fensterbank zu nehmen, bevor Miss Manie mit diesem Gesichtsausdruck hereinspaziert kam, der bekanntlich Ärger bedeutete.

„Also, es wird Ihnen nicht gefallen, was ich zu sagen habe. Aber hören Sie einfach zu und unterbrechen Sie mich nicht, bis ich fertig bin. In Ordnung?“

„Wenn es um …“

„Pst. Ich habe noch nicht einmal angefangen.“

Hank verstummte. Als sie fertig war, entschied er, dass sie recht gehabt hatte. Ihm gefiel es nicht. „Manie, fahren Sie und nehmen Sie so viel Urlaub, wie Sie brauchen. Sie hatten seit Jahren nicht frei. Die Beerdigung Ihres Bruders im letzten Herbst zählt nicht. Besorgen Sie mir nur jemanden aus der Hauptniederlassung, bevor Sie fahren, okay? Helen würde passen.“

„Helen wird nicht jeden Tag von Midland hierherfahren, nur um …“

„Wir bringen sie solange in den Mitarbeiterwohnungen unter.“

„Wie, und ihre Familie soll sie zurücklassen?“

„Helen hat Familie?“

Manie schüttelte den Kopf und schob ihre Brille über ihre lange, spitze Nase. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass Sie kein bisschen Anstand besitzen. Sie wissen nichts über die Menschen, die sich für Sie die Finger wund schuften.“

„Möglich, aber ich bezahle sie verdammt gut. Und ich weiß, dass Helen schneller als sonst irgendjemand unter meinen Angestellten Daten aus dem Computer ziehen kann.“

„Das ist möglich, aber wussten Sie, dass sie zwei Söhne und einen Ehemann hat und dass sie in der Baptistengemeinde sonntags Kindergottesdienste hält? Wussten Sie …“

„Manie, kommen Sie zum Punkt. Was hat das alles mit Ihrer Nichte zu tun?“

„Großnichte. Das arme Ding ist alles, was ich noch an Familie habe.“

Wenn Manie diese Nummer mit „Ich armes, einsames Wesen“ abzog, wurde es Zeit, in Deckung zu gehen. „Schön. Oder tut mir leid, kommt darauf an, wie Sie es sehen. Ist das Kind schon trocken? Soll ich eine Nanny engagieren?“

„Haben Sie auch nur ein einziges Wort gehört von dem, was ich gesagt habe?“

„Natürlich. Sie möchten, dass ich den Babysitter spiele, während Sie in Midland sind. Haben Sie und Helen eine ausgiebige Shoppingtour geplant?“ Die beiden Frauen waren in Kontakt geblieben, nachdem Helen nach dem Tod von Hanks Vater in den Hauptsitz gewechselt war.

Manie schnaubte auf ihre unnachahmliche Weise. Als Kind hatte er versucht, dieses Geräusch zu imitieren, doch es war ihm nie auch nur ansatzweise gelungen. „Ich möchte einfach nur, dass Sie zuhören“, fuhr sie ihn an. „Ich habe diese Operation schon …“

„Operation! Welche Operation? Sie haben nichts von einer Operation gesagt.“

„Ich habe es gerade getan. Seien Sie ruhig und hören Sie zu.“

„Was für eine Operation? Ich kann Sie nach Austin fliegen …“

„Ich will nicht, dass Sie mich nach Austin fliegen. Ich habe eine sehr gute Ärztin in Midland, und sie wird mich nächsten Freitagmorgen um sieben Uhr operieren. Somit hat Callie genug Zeit, sich hier einzuarbeiten.“ Sie redete so schnell, dass er keine Chance hatte, zu Wort zu kommen. Dann sah sie ihn über den Brillenrand hinweg an, und er wagte nicht zu widersprechen.

„Callie?“

„Meine Großnichte. Ich habe Ihnen gerade alles von ihr erzählt. Haben Sie denn nicht zugehört?“

Er hatte alles gehört, er hatte nur Schwierigkeiten, alle Informationen zu sortieren. „Einen Moment. Zuerst brauche ich den Namen Ihrer Ärztin. Dann will ich genau wissen, was sie Ihnen gesagt hat, und dann, verdammt noch mal, warum haben Sie es nie zuvor erwähnt? Ich dachte, Sie wollten nur Urlaub haben. Wie lange wissen Sie schon davon? Warum haben Sie nichts gesagt? Ist es …“ Er machte ein finsteres Gesicht und schob das dichte, von grauen Fäden durchzogene Haar zurück, das ihm in die Stirn gefallen war.

„Bitte, setzen Sie sich. Nehmen Sie meinen Stuhl. Soll ich Ihnen ein Glas Wasser holen?“ Er drückte die Taste der Gegensprechanlage, die ihn mit dem Büro seiner Assistentin verband. „Mouse, lassen Sie bitte eine Kanne Tee bringen und irgendetwas, was dazu passt. Cracker, Plätzchen – egal, was. Es ist für Miss Manie. Sie wissen, was sie mag.“

Alle wussten, was Miss Manie mochte. Sie war eine Institution im Club. Das Kind eines Bohrarbeiters, das sein Vater aufgenommen und wie eine eigene Tochter aufgezogen hatte. Mit ihrer direkten Art hatte sie sich Respekt in der Stadt erworben, selbst bei den Frauen, die sie selbst Flittchen nannte.

Er nahm ihre knochigen Hände mit den hervortretenden Adern in seine und sagte: „Manie, meine Liebe, reden Sie ganz offen mit mir. Ich möchte alles wissen – Diagnose, Prognose, Behandlung –, alles, was Sie wissen, muss ich auch wissen. Wir werden diese Sache besiegen, das verspreche ich. Ich werde nicht zulassen, dass meiner Manie etwas passiert. Also, was ist es?“

Sie seufzte, und er machte sich auf das Schlimmste gefasst. Er würde ihr die besten Spezialisten in Texas besorgen. In den Vereinigten Staaten. Auf der Welt. Wozu war Geld gut, wenn man damit nicht denen helfen konnte, die man liebte?

„So schlimm ist es nicht. Nur eine einfache Geschichte, die ich schon vor Jahren hätte machen lassen sollen.“

„Was ist es?“

Sie entzog ihm ihre Hände. „Herrgott noch mal, es ist ein Frauenproblem“, zischte sie. „Jetzt lassen Sie uns zum Wesentlichen kommen, junger Mann. Callie wird heute am späten Nachmittag hier sein, und ich habe vor, sie morgen mit ins Büro zu bringen. Sie ist unglaublich klug, und sie wird ohne Probleme übernehmen können. Bis Donnerstag werde ich …“

„Langsam. Was soll sie übernehmen?“

Wenn es eines gab, worin Manie Riley gut war, dann darin, Menschen zu manipulieren. Daran war nichts falsch, wenn es dem Wohle aller diente.

Und in diesem Fall war es so. Sie selbst brauche nur einen kleinen Eingriff, damit sie nicht länger alle fünfzehn Minuten zur Toilette marschieren musste. Hank brauchte eine anständige Frau, die ihn vor all diesen Flittchen rettete, die einen Mann nach der Größe seines Bankkontos und nicht seines Herzens beurteilten, und ihre Callie …

Nun, Callie brauchte einen Mann. Einige Frauen brauchten keinen. Manie hatte bis vor Kurzem gedacht, dass sie selbst zu diesen Frauen gehörte, andererseits lernte man nie aus, wie es so schön hieß.

„Ach du meine Güte, bist du sicher?“, rief Callie aus. Sie schob ihren Teller weg und versuchte, sich auf die Listen zu konzentrieren, die ihre Großtante ihr zusammen mit dem Süßkartoffelauflauf serviert hatte. Sie war erschöpft von der langen Reise und wunderte sich immer noch, dass sie überhaupt angekommen war.

Royal war eine Kleinstadt, kaum mehr als ein Fleck auf der Landkarte. Sie hatte befürchtet, dieses Nest zu übersehen und für immer durch die einsamste Gegend zu irren, die sie je gesehen hatte. Doch plötzlich war sie am Ziel. In einem Dorf, grün wie die Filzbespannung eines Billardtisches, mitten in der Wüste. Kein Wunder, dass es all diese Mühlen gab, die sich Tag und Nacht drehten und Wasser aus der Tiefe nach oben beförderten: Es musste eine Menge Wasser nötig sein, um alle die Rasenflächen zu bewässern.

„Hey, schlaf nicht am Tisch ein. Pass auf. Ich habe Hank versprochen, dich morgen mit ins Büro zu bringen und dich einzuarbeiten.“

„Aunt Manie, ich kann nicht gut mit dem Computer umgehen, und meine Buchführung ist vermutlich nicht das, was er gewöhnt ist. Bist du sicher …“

„Ich bin sicher. Sekretärinnen sind nicht mehr das, was sie früher waren. Mit all den Maschinen, die heute benutzt werden, sind sie praktisch überflüssig, aber mach dir deshalb keine Gedanken. Du bist eher eine persönliche Assistentin. Wenn du für diesen verschrobenen alten Mann gearbeitet hast, den ich bei Wharries Beerdigung kennengelernt habe, kannst du für jeden arbeiten. Mein Hank ist ein netter Junge. Er braucht nur jemanden, der seine Anrufe sondiert und ihm die Leute vom Hals hält, die ihn wegen Spenden nerven, oder Väter, die ihn einladen wollen, damit er die Töchter kennenlernt, oder diese aufgeblasenen Professoren, die ihm einen Lehrstuhl an irgendeiner Universität anbieten wollen. Du wirst dich um seine persönlichen Bedürfnisse kümmern müssen. Das ist alles.“

Callie machte große Augen, aber noch bevor die Fantasie mit ihr durchgehen konnte, fuhr ihre Großtante fort: „Ich habe alles aufgelistet, was du im Moment wissen musst. Welche Anrufe sofort durchgestellt werden müssen, welche später erledigt werden können, wen du vorlassen darfst, wen nicht, bei wem du stören musst, wenn er länger als zehn Minuten bleibt. Die Liste enthält auch die Telefonnummern seiner Lieblingsrestaurants für eine Tischreservierung. Wenn er mit einer Frau ausgeht, lädt er sie meist ins Claire’s ein, aber wenn er sich mit einem seiner Freunde trifft, dann im Royal Diner zu Hotdog und Kokosnusskuchen. Im Royal Diner kann man nicht reservieren.“

Sie holte kurz Luft. „Dann sind hier noch die Nummer vom Blumengeschäft, der Reinigungsfirma und der Apotheke. Er braucht nicht oft Medikamente, aber wenn, dann sofort. Hier ist die Telefonnummer seines Privatpiloten – ach ja, und hier ist die Nummer, unter der du mich erreichen kannst, wenn ich die Klinik verlassen habe.“

Gnade! Callie fühlte sich von all den Informationen nach ihrer viertägigen Reise völlig überfordert. „Ja, aber …“

„Ich kann dir gar nicht sagen, wie viel es mir bedeutet, zu wissen, dass ich mit gutem Gewissen gehen kann. Ich habe die OP so lange vor mir hergeschoben.“

„Aber, Aunt Manie …“

„So muss ich mir keine Sorgen um meine Pflanzen machen. Jeden dritten Tag müssen die im Ostfenster gegossen werden und jeden Tag die auf der Südseite. Ich habe einen Zettel mit Anweisungen in die Küche gelegt.“

„Ja, aber …“ Callie versuchte es noch einmal. Manie hatte sie mit dieser Sache überfallen, bevor sie noch ihren Koffer geöffnet hatte. „Sollte ich dich nicht begleiten? Zur Klinik, meine ich. Ich könnte bei dir bleiben. Durch meine Arbeit in Doc Teeters Praxis habe ich gelernt …“

„Auf keinen Fall. Wir werden einer richtigen Krankenschwester doch nicht ihren Job wegnehmen. Wenn du dich hier um alles kümmerst, dann kann ich in Ruhe gehen. Du hilfst mir hier mehr als in Midland. Außerdem habe ich viele Freunde dort.“

Sie diskutierten noch eine Weile, aber Jugend und Entschlossenheit kamen gegen Alter, Erfahrung und eine hinterhältige Denkweise nicht an. „In Ordnung, ich werde mich bemühen, aber mach mir keine Vorwürfe, wenn Mr. Langley mich zum Teufel schickt. Ich kenne die Männer, und …“

Manie schnaubte wieder.

„… und eines ist sicher, sie mögen keine Veränderung in ihrer Routine. Doc Teeter ist der netteste Mann auf Erden, aber wehe, ich habe den ersten Patienten zu ihm geschickt, bevor er seine zweite Tasse Kaffee ausgetrunken hat. Dann war er den ganzen Tag mürrisch.“

„Darüber musst du dir bei Hank keine Sorgen machen. Er wird sich ein Bein ausreißen, um dir keine Probleme zu machen. Wie ich schon sagte, er ist der netteste Junge auf der ganzen Welt.“

Callie – müde, mit hängenden Schultern und Lidern auf Halbmast – hatte ihre Zweifel daran, doch sie konnte nichts mehr tun. Es war bereits alles arrangiert.

„Okay, wenn dein netter Junge zustimmt, bin ich dabei.“

Manie strahlte. Mit den vor Freude geröteten Wangen und zwei Gläsern Blaubeerwein sah sie viel jünger aus als neunundsechzig, ihr zugegebenes Alter. „Es tut mir wirklich leid, aber als ich den Termin für meine Operation festgelegt habe, war ich nicht sicher, dass du wirklich zu Besuch kommen würdest.“

„Ja, also … es ist alles in Ordnung. Denk nur daran, dass wir uns ernsthaft über die Zukunft unterhalten müssen, sobald du alles hinter dir hast. Ich habe eine wundervolle Idee, und ich kann es gar nicht abwarten, dir davon zu erzählen.“

Die ältere Frau nickte, dann nickte sie noch einmal. Callie beugte sich vor, sah ihr ins Gesicht und merkte, dass sie eingenickt war.

Schön. Sie selbst war auch müde, nachdem sie praktisch nonstop quer durchs Land gereist war. Die wenigen Stunden Schlaf in billigen Motels konnten nicht als Erholung bezeichnet werden.

Hank starrte mürrisch auf das blinkende rote Licht seines Anrufbeantworters. Er würde es am liebsten ignorieren, doch es könnte Manie sein. Er war immer noch überzeugt, dass sie die Schwere ihrer Krankheit herunterspielte, damit er sich keine Sorgen machte.

Die erste Nachricht kam von Pansy. Sie bat um seinen Rückruf, sobald er wieder in der Stadt war. Die nächsten beiden kamen aus der Hauptverwaltung. Es ging um Bohrrechte, die erneuert werden mussten. Ein weiterer Anruf kam von einem Kandidaten für die bevorstehende Wahl. Er wollte Geld. Zufällig wusste Hank, dass der Mann das größte Schlitzohr war, was nicht bedeutete, dass er kein erfolgreicher Politiker sein würde. Dennoch, er würde nichts bekommen.

Die letzte Nachricht war von Manie. „Hank, ich bringe Callie morgen mit ins Büro, um ihr alles zu zeigen und sie den Mitarbeitern vorzustellen. Sie ist müde, deshalb kommen wir vielleicht nicht vor zehn Uhr. Aber ich möchte, dass Sie mir versprechen, nett zu ihr zu sein. Sie arbeitet hart und kann gut mit Menschen umgehen. Geben Sie ihr ein oder zwei Tage Zeit, und sie hat sich eingearbeitet. Ich bringe Ihnen auch ein Stück von meinem Süßkartoffelauflauf mit, also lassen Sie Platz dafür.“

Seufzend sank Hank auf seinen Stuhl, fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und fragte sich, nicht zum ersten Mal, ob er zu alt war, um zum Militär zurückzukehren.

3. KAPITEL

Wie konnte man schwitzen, wenn der Deckenventilator auf maximale Stärke eingestellt war? Callie wischte sich den Schweiß von der Stirn und schaltete das Bügeleisen ihrer Tante aus. Sie hängte ihr weißes Polohemd über einen Stuhl, klappte das Bügelbrett zusammen und rief ins Wohnzimmer hinunter, wo Manie im Fernsehen die Morgennachrichten anschaute.

„Ich bin in zehn Minuten fertig.“

„Lass dir Zeit. Ich habe Hank gesagt, dass wir spät kommen.“

Callie wollte sich keine Zeit lassen, sie wollte es hinter sich bringen. Dieser Hank mochte ja ein Ausbund an Tugenden sein, aber kein Mann konnte es leiden, wenn sein Tagesablauf durcheinandergeriet.

Sie machte sich so hübsch wie möglich. Viel hatte sie nicht vorzuweisen. Blondes Haar. Wenigstens schimmerte es im Sommer blond. Große Augen, aber wässrig blau.

Ihre Kleidung war ordentlich, sauber und funktionell. Ihre Mutter hatte ihr oft gesagt, dass sie absolut keinen Sinn für Stil hatte, doch die Kritik war an ihr abgeprallt. Eine zweiundfünfzigjährige Frau, die fransige Miniröcke trug, Cowboystiefel, Satinblusen und tonnenweise Silberschmuck, hatte kein Recht, sie zu kritisieren.

Ihr Vater war nicht besser. Er hatte an dem Tag seiner Kündigung seine Anzüge einer Wohlfahrtsorganisation vermacht und seine Krawatten verbrannt. Seitdem trug er verwaschene Jeans, Stiefel und nichtmehr ganz salonfähige T-Shirts. Wenn er sich einmal schick machen musste, fügte er eine Perlenschnur und einen Ohrring hinzu.

Callie gab gern zu, dass sie stinklangweilig war. Aber es war gut, dass es zumindest einer in ihrer Familie war. Wer sollte sich sonst um ihre Eltern kümmern, wenn sie alt und grau waren?

Als Callie endlich den Cattleman’s Club erreichte, hatte sie einen Fingernagel abgekaut. Warum arbeitete Manie nicht für einen netten, angesehenen Arzt in einer kleinen Vorstadtpraxis, statt für einen hochkarätigen Millionär mit einem eleganten Herrenclub in einer kleinen grünen Oase mitten in der Wüste?

Sie blieb abrupt stehen und schaute sich ehrfürchtig in dem großen Raum mit der hohen Decke und den mit Holz verkleideten Wänden um. Ihr Blick fiel auf die schweren Ledersessel, den wuchtigen Kamin, die vielen Ölgemälde, Tierköpfe und die antiken Gewehre.

Sie atmete den Geruch von Zitronenöl, Bohnerwachs und etwa hundert Jahren Zigarrenrauch und Brandy ein.

„Komm, Liebes, das Treppenhaus ist gleich dort. Natürlich könnten wir den Fahrstuhl nehmen, aber das macht niemand.“

Callie schluckte. Der Club war auf Gänsehauttemperatur heruntergekühlt, trotzdem hatte sie feuchte Hände, und ihre Bluse klebte am Rücken. Mr. Langley musste nur einen Blick auf sie werfen und würde sofort erkennen, dass sie Angst hatte und sich fehl am Platze fühlte.

Du schaffst es, Caledonia Riley. Du hast die Midlife-Krise deiner Eltern überlebt, die Pensionierung des Docs, den Tod von Grandpop. Du schaffst alles, was du dir in den Kopf gesetzt hast. Außerdem ist Aunt Manie alt und krank, und sie zählt auf dich.

Callie kannte ihre Rolle im Leben. Sie war diejenige, die sich um alles kümmerte und nach jedem schaute. Sie hatte zwar keinen Collegeabschluss, aber sie konnte gut mit Menschen umgehen. Sie lebte nach der Goldenen Regel: Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst. Wenn möglich sagte sie, was sie auf dem Herzen hatte, um Missverständnisse zu vermeiden, aber nur, wenn sie damit niemanden verletzte.

Nur dieses Mal hatte sie es nicht getan … nicht ganz. Immerhin hatte sie ihrer Tante gesagt, dass sie sie für einen langen Besuch mit nach Hause nehmen wollte. Was eine Untertreibung, aber keine Lüge war.

Manies Büro lag gleich neben der Treppe. Callie hatte kaum Zeit, sich umzusehen, denn ihre Tante steuerte sofort die massive Tür auf der gegenüberliegenden Seite an und klopfte laut. Ohne eine Antwort abzuwarten, öffnete sie die Tür und winkte Callie in die Höhle des Löwen.

„Hier ist sie. Hier ist meine Callie. Liebes, darf ich dir Hank Langley vorstellen? Er ist ein wirklich netter Mann, lass dich also von seinem finsteren Gesicht nicht irremachen.“

Der große dunkelhaarige, ernste Mann erhob sich von seinem massiven Ledersessel. Wie viele Kühe waren für den Komfort dieses Mannes geopfert worden?

Und wie viele Sekretärinnen waren für sein Wohlbefinden geopfert worden?

„Begrüß deinen neuen Arbeitgeber“, drängte ihre Tante. Callie musste einen Laut von sich gegeben haben, denn der finstere Blick verschwand.

„Miss Riley.“ Ihr neuer Arbeitgeber nickte.

„M…Mr. Langley“, sagte sie. Vor Nervosität schwitzte sie wie verrückt. Das war Hank Langley? Der nette, einfühlsame Junge ihrer Tante? Der Mann, der keiner Fliege etwas zuleide tun konnte?

Unmöglich. Dieser Mann war ein …

Nun, sie wusste nicht, was er war, aber er war kein netter, harmloser kleiner Junge. Sie hatte viel von den texanischen Männern gehört. Wenn sie den Songs Glauben schenken durfte, die ihre Mutter im Radio hörte und mitsang, dann ritten sie schneller, tranken mehr, liebten besser und brachen mehr Herzen als jede andere zweibeinige Kreatur auf dieser Welt. Die Songs wurden aber der Realität bei Weitem nicht gerecht.

Oh, Mann

„Braucht sie etwas? Vielleicht ein Glas Wasser?“ Seine Stimme war wie der Rest von ihm. Tief, dunkel und gefährlich männlich.

„Die lange Fahrt steckt ihr noch in den Knochen“, erwiderte ihre Großtante. „Und die Zeitumstellung.“

Sie sprachen von ihr in der dritten Person, als wäre sie gar nicht da. Callie holte tief Luft und sagte: „Wenn Sie meinen, dass ich für den Job die Richtige bin, Mr. Langley, dann bin ich bereit, mein Bestes zu geben. Wenn nicht …“

„Kein Problem, Miss Riley. Ihre Tante hat sich für Sie verbürgt.“

Er war einen Kopf größer als sie, allerdings war das fast jeder. In seinem dunklen Haar schimmerten silberne Fäden. Seine Augen waren blau. Genau wie ihre, nur dass seine tiefblau wie das Meer waren, ihre dagegen so hell wie ein von der Sonne verblichenes Jeanshemd.

Sie unterhielten sich noch etwas, zumindest ihre Tante und Mr. Langley sprachen. Callie kämpfte noch damit, die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten und ihren Kopf auf Arbeit zu programmieren. Die Gedanken, die ihr im Moment durch den Kopf wirbelten, konnte sie an diesem Punkt überhaupt nicht gebrauchen.

„… den Vorstand des Komitees wegen des Treffens nächste Woche benachrichtigen.“

„… Tickets ...

Autor

Caroline Cross
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Peggy Moreland

Peggy Moreland hat die Stephen F. Austin State Universität in Nacogdoches, Texas, mit einem BBA (Bachelor of Business Administration) abgeschlossen. Sie veröffentlichte 1989 ihren ersten Roman bei Silhouette Books. Sie war Gewinnerin des „National Readers‘ Choice Award“, war für den „Romantic Times Reviewers Choice Award“ nominiert und zweimal Finalistin beim...

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